Ausbildung in Zeiten von Corona

am Beispiel des Bildungszentrums von InfraServ Wiesbaden

Ein Interview mit Ausbildungsleiter Bodo Wünsch.


Dipl.-Staatswissenschaftler Bodo Wünsch (53), leitet seit 2018 das InfraServ Wiesbaden Bildungszentrum, das aktuell ca. 300 junge Menschen in zwanzig IHK-Industrieberufen ausbildet.

Nach seiner Zeit als Offizier der Bundeswehr arbeitete Wünsch als Unternehmensberater, danach war er Programmdirektor an der privaten Zeppelin Universität, zuletzt Bildungsmanager in einer EU-Organisation im Energiesektor.


Was hat sich seit dem Lockdown in der Ausbildung geändert?

Weite Teile der theoretischen Ausbildung werden nun auch in eLearning-Formaten bereitgestellt. Dies hatten wir schon längere Zeit vor, es scheiterte aber bisher entweder an den Kosten oder an der Zeit. Wir sind im Tagesgeschäft nur in Teilbereichen dazu gekommen, die Inhalte zu digitalisieren. Der Anbieter unserer jetzigen Lernplattform liefert die zentralen Inhalte gleich mit. Das ist zwar etwas teurer, hat uns aber sehr viel zeitliche Ressourcen gespart. Durch die Corona-Krise hat sich im Hinblick auf die Digitalisierung durchaus einiges beschleunigt.

Die Ausbilder arbeiteten staffelweise teils von zu Hause aus, teils vor Ort, standen aber im permanenten Austausch mit den Auszubildenden. Daraus sind sehr praktikable Wechselpläne entstanden, sodass sich Präsenz und ‚home schooling‘ nun ideal ergänzen.  

Was den betrieblichen Anteil der Ausbildung angeht, reagierten unsere Verbundpartner zu Beginn des Lockdowns unterschiedlich. Ein Teil schickte die Auszubildenden ganz nach Hause ins ‚home schooling‘, andere setzten sie zunächst aufgrund gestiegener Arbeitsaufträge verstärkt im Betrieb ein. Das war möglich bzw. notwendig, weil ja auch die Berufsschulen geschlossen waren. Für uns als Bildungsdienstleister hat sich sonst gar nicht so viel verändert. Es ist allerdings gut, dass wir jetzt wieder starten können und die Auszubildenden auch wieder ins Bildungszentrum kommen dürfen. Wir haben uns schon gegenseitig vermisst.


Welche Herausforderungen beschäftigen Sie derzeit besonders?

Jetzt müssen wir vor allem eine sichere Prüfungsvorbereitung unter den verordneten Hygienebestimmungen sicherstellen. Das Einhalten und Überwachen unserer selbst erstellten Zeit- und Zonenkonzepte – wer kommt wann, welche Gruppen, die Abstände vor Ort – das kostet zusätzliche Zeit. Wir wollen aber, dass alle auslernenden Azubis wie vorgesehen zum Sommer ihren Abschluss erhalten und ihnen von unserer Seite keine Nachteile entstehen. Da gibt es natürlich jetzt auch die eine oder andere Überstunde, aber jeder will sein Prüfungsziel erreichen und alle ziehen an einem Strang.

Eine kleine Herausforderung war auch die Beschaffung von Masken. Wir haben einen Bedarf von 400 Stück in der Woche und die mussten beschafft werden. Hier hat sich aber unser Geschäftsführer persönlich stark eingesetzt, sodass wir zeitgereicht gut versorgt sind.


Welche Maßnahmen planen Sie noch oder wenden Sie bereits an?

Als Ersatz für die ausgefallenen Ausbildungsmessen werden wir ab Anfang Juni regelmäßig online Berufsorientierungs-Chats anbieten. Hier sprechen wir einzelne Schulen an oder gehen auch über die Schulsozialarbeit. Als Gesprächspartner stehen Azubis, Ausbilder oder ich zur Verfügung. Wir produzieren hierfür auch kleine Filmbeiträge zu den einzelnen Ausbildungsberufen. Dann setzen wir im Bewerbermarketing aber auch auf  Social Media und werben in Zeitungsannoncen. Wir starten damit am Donnerstag, den 04. Juni!

Für die Aufnahme der neuen Auszubildenden am 1. September überlegen wir uns auch neue Formate, weil ja eine größere Aufnahmefeier vielleicht noch nicht wieder möglich sein wird. Aber vielleicht ist das mit den kleinen Gruppen auch individueller. Wir werden ein kleines Get-together machen und die Aufnahme und Begrüßung aller neuen Azubis insgesamt auf zwei Tage aufteilen.


Wird sich die Corona-Krise negativ auf das Ausbildungsangebot auswirken?

Bei uns eher nicht. Alle unsere Partnerunternehmen halten an den geplanten Ausbildungsplätzen fest und sparen hier nicht an der falschen Stelle. Die wirtschaftliche Situation im Industriepark Kalle-Albert stellt sich zum Glück aber auch trotz der Corona-Krise überwiegend als sehr stabil dar.

Wie bereits gesagt, besteht allerdings eine Herausforderung im stark eingeschränkten Bewerbermarketing. Wir verzeichneten zwischenzeitlich etwas weniger Bewerberzahlen. Die Schulen legen zudem derzeit den Fokus nicht unbedingt auf Berufsorientierung. Noch Anfang des Jahres hatten wir hervorragende Bewerberzahlen, die jetzt auch wieder zurückkommen. Jetzt wollen wir auch hier neue Wege gehen, um die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen zu erreichen.


Was bleibt an positiven Erkenntnissen für die „Post-Corona-Zeit“?

Die praktische Berufsausbildung vor Ort mit dem Ausbilder „face-to-face“ bleibt trotz aller Digitalisierung schlechterdings unersetzlich. Sehr gut war das gemeinsame pragmatische Vorgehen als Team. Ziel aller Beteiligten war es, schnelle und gute Lösungen zu finden. Den Zusammenhalt des Teams sehe ich gestärkt. Man darf nicht vergessen, dass viele auch familiär und persönlich ganz unterschiedliche, teils schwierige Situationen zu bewältigen hatten. Man kann aber in jedem Fall sagen, dass wir enger zusammengewachsen sind und das obwohl wir weniger vor Ort beisammen waren.

Auch hatte die überwiegende Anzahl der Auszubildenden ein hohes Interesse, am Ball zu bleiben. Die neuen digitalen Angebote werden sehr gut angenommen und wohl dauerhaft eine gute Ergänzung darstellen.


Hat es Sinn, sich jetzt noch für den Ausbildungsstart 2020 zu bewerben?

Das hat nicht nur Sinn, wir fordern junge Menschen geradezu auf, das zu tun! Wir haben noch etliche freie Plätze und können diese noch bis zum 1. September besetzen. Leider kursiert das Gerücht in den Schulen, dass Bewerbungen in der Krise keinen Sinn hätten, weil die Wirtschaft am Boden läge. Für unsere Branche, insbesondere an diesem Standort, gilt das definitiv nicht! Es lohnt auf jeden Fall, sich für einen der 20 überaus krisenfesten Berufsausbildungen im Industriepark Kalle-Albert zu bewerben.

Bei uns gibt es im Grunde keine Bewerbungsfristen. Schulabsolventen, die ihren Einstieg in eine Ausbildung für Herbst 2021 planen, können sich schon jetzt informieren und orientieren. Man kann sich jederzeit online über www.bizka.de bewerben. Wir werden auch 2021 voraussichtlich intern ca. 50 Ausbildungsplätze zu besetzen haben. Wir suchen besonders Chemikanten, Elektroniker, Industrie-, Anlagen- und Konstruktionsmechaniker. Auch Werkschützer sind bei uns gefragt. Und wir bieten noch zwei duale Ingenieur-Studiengänge an. Auch die suchen wir händeringend. Dazu kommen 30 weitere Ausbildungsplätze über Tochtergesellschaften und Fremdfirmen, die wir in Vollausbildung bei uns vor Ort haben, aber nicht selbst einstellen.

Das Interview führte Jürgen Funk.


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Ausbildung – hot or not? ElVis Ausbildungsfinder unterstützt bei der Suche nach dem passenden Beruf

Was tun nach der Schule? Diese Frage stellen sich viele Schüler, sobald das Abschlussjahr näher rückt. Doch wie kommt man zu einer Entscheidung, wenn man sich alles oder nichts so richtig vorstellen kann? Und welche Berufe gibt es überhaupt im eigenen Interessengebiet?

Bei diesen schwierigen aber notwendigen Fragen hilft die Kampagne Elementare Vielfalt der Chemie-Arbeitgeber mit dem Ausbildungsfinder für Smartphones. Schüler können hier anhand einfacher Entscheidungsfragen wie „Physik? Technik? Da komm ich mit klar!“ oder „Organisieren? Total mein Ding!“ anhand des Tinder-Prinzips Zustimmung oder Ablehnung ausdrücken.

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In vier Schritten zum Traumberuf

Im ersten Schritt werden durch den Schüler 23 dieser Aussagen anhand der eigenen Vorlieben und Interessen bewertet und ein prozentuales Interessendiagramm (naturwissenschaftlich, kaufmännisch etc.) erstellt. Anschließend erhalten Schüler mehrere Vorschläge für eine passende Berufsausbildung, die in der Chemie- und Pharmabranche absolviert werden kann. Das Spektrum umfasst dabei über 50 verschiedene Ausbildungsberufe und reicht vom klassischen Chemikanten oder Chemielaboranten bis hin zu Gastronomie, IT und Medien.

Hat der Schüler seine Berufsvorschläge erhalten, kann er sein Testergebnis per Whatsapp oder Facebook an Freunde weiterleiten und diese zur Einschätzung seiner Person auffordern.

Freunde, Eltern oder Verwandte bewerten den Schüler dann ebenfalls anhand der 23 Aussagen, wodurch die Fremdeinschätzung beim Vorschlag des Berufbildes berücksichtigt wird.

Anschließend senden die Bezugspersonen dem Schüler ihre Berufsvorschläge zurück, sodass diese mit der eigenen Einschätzung verglichen werden können. Klingt ein Berufsvorschlag interessant, erhält der Schüler auf www.elementare-vielfalt.de umgehend weitere Informationen zum Ausbildungsberuf. So können Videos zu den typischen Tätigkeiten im vorgeschlagenen Berufsbild angesehen und freie Ausbildungsstellen und Unternehmen in der Region gesucht werden.

Hier gehts zum Ausbildungsfinder.

Mehr zur Kampagne Elementare Vielfalt lesen Sie hier:


Modernes Nachwuchskräftemarketing: Kampagne Elementare Vielfalt liefert spannende Tools

Elemente und die Chemie – das gehört einfach zusammen! Doch nicht in jeder Ausbildung der Branche ist das Periodensystem der Elemente ein zwangsläufiger Bestandteil. Eine Ausbildung in der Chemie bedeutet vor allem: Vielfalt der Berufe, vielfältige Karriereperspektiven und natürlich auch eine Vielfalt an Unternehmen. Rund 28.000 Nachwuchskräfte werden in mehr als 50 verschiedenen Berufen in der Chemieindustrie ausgebildet. Dabei reicht das Spektrum vom klassischen Chemielaboranten über kaufmännische Berufe bis hin zu IT, Gastronomie und Medien.

Die Kampagne für ein „Mehr“ an Auszubildenden

Für Beschäftigte der chemischen Industrie sind diese Fakten nicht neu, Schülern sind die umfangreichen  Ausbildungsmöglichkeiten in der Chemie jedoch häufig unbekannt. Umso wichtiger wird es für die Ausbildung in der Chemiebranche zu werben! Hier steht die Ausbildungskampagne Elementare Vielfalt der Chemie-Arbeitgeber Unternehmen beim Nachwuchsmarketing zur Seite und muss sich mit ihrer bisherigen Performance keineswegs verstecken. So wurde Elementare Vielfalt (ElVi) in fünf Jahren bereits zweimal mit dem HR Excellence Award ausgezeichnet, der Onlineauftritt verzeichnet rund 700.000 Seitenaufrufe jährlich und bringt durch die Ausbildungsplatzbörse für 3.500 Stellen Schulabgänger und Nachwuchskräftesuchende zusammen.

ElVi bleibt bei allen Aktivitäten am Puls der Zeit und setzt auf umfassende digitale Tools und Social Media Aktivitäten, die Schüler sowie Lehrer bei der Berufsorientierung unterstützen. So erreicht ElVi in den Sozialen Medien über 3,7 Mio. junge Menschen. Mit Influencerin Mai-Thi Leiendecker  und ihrem YouTube Kanal „The Secret Life of Scientists“ können Jugendliche zielgruppenadäquat angesprochen werden.

„Die Tools  von ElVi sind einfach klasse! Sie ermöglichen meinen Schülern eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Berufsorientierung und bieten bei der Suche nach der späteren beruflichen Richtung einen echten Mehrwert. Die Tools sind mit unterschiedlichen digitalen Medien ohne großen Aufwand anzuwenden, weshalb sie auch sehr gut im Unterricht einsetzbar sind.“ (Cordelia Becker-Werner, Lehrerin an der Limesschule Idstein)

Digitale Tools versprechen Spaß bei der Berufsorientierung

Neben klassischen Print-Werbemitteln wie Flyern, Periodensystemen und diversen Give-Aways hat ElVi für Schüler digitale Angebote entwickelt, die neben der Berufsorientierung Spaß versprechen:

 

A) Der Ausbildungsfinder – welcher Beruf passt zu mir?

Der Ausbildungsfinder steht Schülern bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf zur Seite. Anhand einfacher Entscheidungsfragen zu Aussagen wie „Mathe? – Genau mein Ding!“ können diese herausfinden, welcher Ausbildungsberuf am besten zu ihnen passt und ihr Ergebnis mit Hilfe von WhatsApp & Facebook durch Freunde überprüfen. Ganz nach dem Tinder-Prinzip „Hot or not“ erhält man so in Minutenschnelle einen Vorschlag für die passende Ausbildung.

 

B) Berufeclips – Was mache ich in der Ausbildung zum…

ElVi hilft Schülern auch bei der Frage „Welche Aufgaben übernehme ich eigentlich in meiner Ausbildung?“ Für die folgenden Berufe existieren sogenannte Berufeclips, die Mitgliedsunternehmen in ihre Onlineauftritte einbinden oder für ihre Social Media Aktivitäten verwenden können:

  • Chemikant
  • Chemielaborant
  • Anlagen- und Industriemechaniker
  • Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik
  • Elektroniker
  • Pharmakant

Alle Berufeclips finden sich hier und können direkt heruntergeladen oder mittels eines iframe-Codes in die Website eingebettet werden.

 

C) Den Überblick durch 360°- Videos erhalten

In sogenannten 360° Videos können Schüler ihren künftigen Arbeitsplatz in der Produktion, im Labor, im Lager oder im Büro besichtigen. Zusätzlich können sie Leitwarte, Lehrwerkstatt und Technikum kennenlernen. Die 360° Rundblicke können ebenfalls online eingebettet werden.

Offline können die 360°Aufnahmen mit Hilfe des VR-Messepaketes verwendet werden. Dieses besteht aus einer VR-Brille, Smartphone und Kopfhörern und kann von Mitgliedsunternehmen beim BAVC für eigene Veranstaltungen und Messeauftritte ausgeliehen werden.

 

D) Das eigene Unternehmen virtuell in 360° erleben

Seit 2019 neu im Repertoire ist das 360° Do-It-Yourself-Kit, mit dem Unternehmen eigene 360°Aufnahmen in ihrem Betrieb erstellen können. Dieses besteht aus einem Smartphone sowie einer 360° Kamera, mit der die Aufnahmen mit wenigen Handgriffen durchgeführt werden können. Der Abruf erfolgt ebenfalls über den BAVC.

 

E) Quizzen für die Ausbildung

Das Ausbildungsquiz ermöglicht Teilnehmern mit Hilfe von Virtual Reality auf dem Smartphone den Einstieg in Industrieanlagen. Die Teilnehmer können dabei verschiedene Räume in einem Betrieb durchlaufen – hinter jedem Kessel in der Produktion und Paletten im Lager verstecken sich Fragen zu den Ausbildungsberufen Chemikant, Industriemechaniker und Fachkraft für Lagerlogistik. Werden diese korrekt beantwortet, erhalten die Teilnehmer Punkte für den persönlichen High Score. Die Jagd auf den fliegenden Erlenmeyerkolben „Erlie“ bringt zusätzliche Punkte und erhöht den Gamification-Faktor.

Neben den vielfältigen Angeboten, die von Mitgliedsunternehmen genutzt werden können, lassen sich auf www.elementare-vielfalt.de Firmen-Portraits und freie Ausbildungsstellen einstellen. Per Knopfdruck werden freie Stellen in die Jobportale von Schul- und Verbandswebseiten, regionalen Jobbörsen des Kooperationspartners jobcluster und der Jobbörse der Arbeitsagentur exportiert und so eine breitere Streuung der vakanten Stellen vorgenommen.

Weitere Informationen zur Kampagne Elementare Vielfalt und zu den verfügbaren Werbemitteln erhalten Sie unter www.elementare-vielfalt.de/unternehmen.

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Starkes Engagement für die Ausbildung

 


Starkes Engagement für die Ausbildung

Das HessenChemie-Team auf der hobit: Vicky Möller, Michael Muntermann, Maurice Seide und Chantal Kirschner (v.l.n.r.)

Ende Januar waren sie wieder Treffpunkt für Jugendliche auf der Suche nach Informationen über Ausbildungs- oder Studienplätze in der Rhein-Main-Region: Die Hochschul- und Berufsinformationstage (hobit) in Darmstadt. Die hobit ist eine der zentralen Informationsplattformen und bietet neben zahlreichen Messeständen von Unternehmen, Hochschulen und Verbänden auch eine Vielzahl an Fachvorträgen. Interessierte haben hier die Möglichkeit, mit Auszubildenden, Ausbildungsleitern, Studierenden sowie Professorinnen und Professoren ins Gespräch zu kommen und erste Einblicke in Ausbildung, Studium und Beruf zu erhalten. Das Darmstadtium gleicht an diesen Tagen einem Uni-Campus. Und HessenChemie rührte kräftig die Werbetrommel für die Ausbildung in der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie.

Eines von vielen Give aways: Das Periodensystem von „ElVi“

Die Periodensysteme gingen besonders gut weg: Viele Schüler steuerten direkt auf die bunt leuchtenden Pappen zu, die auf dem Messetisch von HessenChemie zum Mitnehmen bereitlagen. Hier informierte unser Standteam über die Ausbildungsmöglichkeiten der Branche. Das hobit-Team bildeten in diesem Jahr Chantal Kirschner und Vicky Möller von HessenChemie sowie Auszubildende und dual Studierende des Bildungszentrums von InfraServ Wiesbaden: Fatih Bayram, Michael Muntermann, Cem Önal und Maurice Seide. Alle beantworteten unermüdlich die vielen Fragen und erzählten von ihren Erfahrungen.

HessenChemie präsentiert sich jedes Jahr mit der Ausbildungskampagne der Chemie-Arbeitgeberverbände Elementare Vielfalt (ElVi) auf der hobit, denn die dreitägigen Hochschul- und Berufsinformationstage sind die ideale Plattform, um junge Menschen auf die rund 50 Berufe der Branchen aufmerksam zu machen. Diese reichen vom Labor über die Produktion bis zum Büro. Zudem sind es sichere Jobs mit Aufstiegsmöglichkeiten in einer anspruchsvollen und modernen Industrie.

Campus-Feeling auf der hobit 2019

Gut ausgebildete und qualifizierte Mitarbeiter sind für die Chemieunternehmen ein wertvolles Kapital. Weil die Chemie sich dessen bewusst ist, bildet sie entsprechend aus: „Mit 1.610 neuen Ausbildungsplätzen in der chemisch-pharmazeutischen Industrie haben unsere Mitgliedsunternehmen ihr Angebot 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 92 Stellen erhöht“, sagt Jürgen Funk, der für Ausbildungsthemen zuständige Geschäftsführer von HessenChemie. „Und die kunststoff erarbeitende Industrie bietet ihrerseits 97 neue Ausbildungsstellen an.“ Insgesamt seien derzeit rund 4.500 junge Menschen in Ausbildung. Die im Tarifvertrag von 2018 beschlossene Erhöhung der Ausbildungsvergütung trage weiter zur Stärkung der dualen Ausbildung in der Chemie bei, ist Funk sich sicher. Hier nimmt die Chemie einen Spitzenplatz ein. „Unsere Unternehmen investieren bewusst in Nachwuchskräfte.“ Auch die Zusatzqualifikationen und Weiterbildungsangebote steigerten die Attraktivität.

Das gilt sicher auch für die langfristigen Beschäftigungsperspektiven und die Aussicht auf einen sicheren Job: 2018 wurden insgesamt 93 Prozent der Absolventen übernommen, 59 Prozent mündeten direkt in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

 

 

Ein Plädoyer für die Ausbildung

Ausbildung in der Chemie: vielfältig und wegweisend

„Wenn man Ehrgeiz hat und etwas erreichen will, schafft man alles im Leben“

 


1. Forum Ausbildung stellt Tools und Best Practices zur digitalen Ausbildung vor

Mit Veränderung, Zukunft, Vernetzung oder neue Lernwelten beschrieben die Teilnehmer des 1. Forum Ausbildung den Digitalisierungsprozess in der dualen Ausbildung. Rund 60 Ausbilder und Bildungsverantwortliche trafen sich dazu am 30. Oktober bei HessenChemie in Wiesbaden. Der Schwerpunkt „Digitalisierung in der Ausbildung“ nahm dabei wichtige Fragen bei der Gewinnung künftiger Fachkräfte in den Fokus und lenkte den Blick auf Best-Practice-Beispiele verschiedener Unternehmen.

Teilnehmer konnten den Einsatz von Augmented Reality in Ausbildungssimulationen live erleben

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Ausbildung werden von unterschiedlichen Akteuren kontrovers diskutiert. Nicht zuletzt der Wegfall von Fachkräften aufgrund der Digitalisierung von Industrieanlagen fördert Unsicherheiten und stellt die Lebenszeit von Industrieberufen in Frage. Fürsprecher bewerten die größere Flexibilität aufgrund der Digitalisierung hingegen als Chance für eine bessere Work Life Balance und sehen in lebensnäheren Lerneinheiten, beispielsweise durch Virtual oder Augmented Reality, Vorteile für praxisnahe Ausbildungswege. Dirk Werner vom Institut der Deutschen Wirtschaft berichtete vor diesem Hintergrund über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Ausbildung und nahm dabei die Aufteilung beruflich Qualifizierter in Engpassberufen sowie die Substituierbarkeit von Fachkräften durch Digitalisierung unter die Lupe. Die gute Nachricht: Verschwinden werden Chemieberufe nicht! Allerdings könne es durch die Digitalisierung zu Tätigkeitsveränderungen in Chemieberufen kommen und Anpassungen der Ausbildungsordnungen notwendig machen.

Die Wahlqualifikation „Digitalisierung – und vernetzte Produktion“ legt hier bereits einen wertvollen Grundstein und ist seit August 2018 für alle neuen Azubis im Berufsbild des Chemikanten verfügbar. Doch wie lassen sich die digitalen Schwerpunkte im eigenen Unternehmen umsetzen? Welche Veränderungen sind für digitales Lernen notwendig? Und welche Vorteile kann eine digitale Ausbildung im eigenen Unternehmen bieten? Lisa Barton und Christopher Knieling vom Bundesarbeitgeberverband Chemie stellten hier konkrete Hilfestellungen bei der Umsetzung von Digitalisierungsprozessen im Rahmen der Toolbox 4.0 vor. Diese wurde speziell für die Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände entwickelt und enthält Umsetzungshilfen rund um die vier Themenfelder „gesundes Arbeiten 4.0“, „Weiterbildung 4.0“, „ortsflexibles Arbeiten 4.0“ sowie „Beschäftigtendatenschutz 4.0“.

Digitale Workshops bieten Einblicke in neue Möglichkeiten

Praxisnah wurde es in der anschließenden Workshop-Phase: Hier konnte man den Einsatz von Virtual und Augmented Reality in der Ausbildung live mit VR-Brillen erleben. Augmented Reality bietet die Möglichkeit, die eigenständige Bedienung von Produktionsanlagen zu simulieren – und das ganz ohne Betriebsunfälle. Im Gegensatz dazu kann Virtual Reality beispielsweise das Eintauchen in ein sonst nicht begehbares Anlagenteil abbilden, um Lerninhalte besser zu veranschaulichen.

Mit dem Ausbildungsquiz können junge Menschen die Ausbildungswelt in der Chemie kennen lernen

Die digitalen Tools der Kampagne Elementare Vielfalt brachten mit 360°-Brillen und einem Ausbildungsquiz für das Smartphone Spaß in das Themenfeld des Ausbildungsmarketings. Die Teilnehmer konnten sich beim Quiz durch ein virtuelles Labor bewegen, Fragen rund um verschiedene Ausbildungsberufe beantworten und bei der Jagd auf „Erli“ wertvolle Punkte gewinnen.

Als Best Practices konnten die Teilnehmer Einblicke in die Entstehung des Ausbildungs-Wikipedias „Azupedia“ von Merck erlangen. Hier bereiten Azubis freiwillig Ausbildungsinhalte komprimiert und zielgruppengerecht füreinander auf. Die Fehlersuche erfolgt dabei selbstständig durch die Auszubildenden. Unterrichtsmitschriften werden so sinnvoll recycelt und garantiert häufiger als einmal gelesen. Uwe Ohl, Referent für Ausbildungsthemen bei Merck, resümiert: „Entscheidend ist, den Mut aufzubringen, Azubis und Dual-Studierenden die Verantwortung zu übertragen“.

Ein weiteres Best Practice stellte Just Ask bei der Anpassung von OneNote für Ausbildungsthemen bei Procter & Gamble vor. Hier wurde das Tool mit einigen Features angereichert, sodass alle Ausbildungsinhalte abgebildet und Lernmaterialien kollaborativ von allen Auszubildenden genutzt werden können.

Im kommenden Jahr wird es eine Fortsetzung des Forum Ausbildung geben. Mehr dann wieder hier im HessenChemie-Blog.

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Chantal Kirschner ist seit Oktober 2018 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie studierte im Bachelor Publizistik und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und schloss dort mit dem Master Unternehmenskommunikation ab. Während ihres Studiums war sie als Werkstudentin bei der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain tätig.

 

 

 


Azubi-Wettbewerb: Kluge Köpfe gesucht

"Elementare Vielfalt - Kluge Köpfe für die Ausbildung in Chemie, Pharma und Kunststoff", so lautet das Motto des diesjährigen Azubi-Wettbewerbs

Der Azubi-Wettbewerb des Arbeitgeberverbandes HessenChemie geht in die 22. Runde. Ab jetzt können sich die Auszubildenden und Dual-Studierenden der Mitgliedsunternehmen von HessenChemie auf www.hessenchemie.de anmelden. Unter dem Motto „Elementare Vielfalt – Kluge Köpfe für die Ausbildung in Chemie, Pharma und Kunststoff“ werden kreative Ideen gesucht, wie die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie auch in Zukunft gute Nachwuchskräfte finden und binden können. Den Gewinnern winkt ein viertägiger Segeltörn auf dem niederländischen Wattenmeer.

80:20 für die Ausbildung

Derzeit befinden sich in den Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes HessenChemie über 4.500 junge Menschen in Ausbildung, einem dualen Studium oder einem Förderprogramm, wie beispielsweise Start in den Beruf. Viele verbinden mit einer Ausbildung in der Chemiebranche den Chemikanten oder Chemielaboranten, dabei ist das Angebot wesentlich breiter. Gut 50 Ausbildungsberufe bietet der Industriezweig: vom Koch über den Mechatroniker bis hin zum Dual-Studierenden in ganz unterschiedlichen Fachbereichen. Was die meisten nicht wissen: Die Beschäftigtenzahl setzt sich aus etwa 80 Prozent beruflich qualifizierten Fachkräften und 20 Prozent Akademikern zusammen. Damit die Unternehmen auch in Zukunft so gut aufgestellt sind, brauchen sie qualifizierten und engagierten Nachwuchs. Deswegen steht der diesjährige Azubi-Wettbewerb auch unter dem Motto „Kluge Köpfe für die Ausbildung in Chemie, Pharma und Kunststoff gesucht“.

Mit dem Großsegler übers Ijsselmeer

Wind, Sonne, Anpacken und jede Menge Spaß erwarten die fünf Gewinnerteams auf dem viertägigen Segeltörn.Auf die ersten fünf Gewinnerteams wartet ein viertägiger Segeltörn auf dem Ijsselmeer. Anpacken im Team ist hier genauso gefragt wie entspannt auf Deck zu liegen und alle Viere in die Sonne zu strecken. Aber auch für Besuche der schönen Hafenstädte oder entspannte Stunden bei einem Stadtbummel bleibt ausreichend Zeit. Die Reise findet vom 9. bis 12. August 2018 statt. Einen Eindruck, wie viel Spaß die Auszubildenden dabei haben, kann man sich auf Flickr machen.

 

Worum geht’s beim Wettbewerb?

Preisverleihung Azubi-Wettbewerb im Kinopolis Sulzbach

Der Wettbewerb soll Teamfähigkeit, Kreativität, Motivation und Eigenverantwortung der Azubis genauso stärken wie die berufsübergreifende Zusammenarbeit zwischen Auszubildenden und Ausbildern. Auch das Auseinandersetzen mit der Branche und deren Innovationsfähigkeit gehört dazu. Jedes Jahr nehmen 30 bis 40 Teams mit über 150 Auszubildenden teil. Bis zum 15. März können sich Teams zwischen zwei und maximal fünf Personen anmelden. Bis zum 13. April müssen dann die Wettbewerbsbeiträge in Form von Werbeplakaten, Fotostorys, Exponate im Karton, Social Media oder Videoclips eingereicht werden. Die Preisverleihung findet am 3. Mai im Kinopolis Sulzbach statt. Wichtig: Es können nur Azubis oder Dual-Studierende aus den Mitgliedsunternehmen von HessenChemie teilnehmen.

Alle Infos auf www.hessenchemie.de, Impressionen zum Azubi-Wettbewerb gibt es auf Flickr.


Bildung für nachhaltige Entwicklung – Ein Beispiel aus der Chemie-Branche

Heute beginnt in Berlin der Agendakongress zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), den das Bundesministerium für Bildung und Forschung wieder ausrichtet. In diesem Jahr steht der Nationale Aktionsplan BNE im Zentrum der Konferenz in Berlin. Dass Bildung für nachhaltige Entwicklung auch ein Thema für Unternehmen und ihre Mitarbeiter ist, zeigte eindrucksvoll das Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. Novemeber 2017 in Wiesbaden. Der Veranstalter – Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH – stellte hier ein vom Bundesinstitut für Berufsbildung gefördertes Projekt vor. Angeregt diskutierten die ca. 70 Experten aus Unternehmen, Verbänden, Berufsschulen und der Politik das im Modellprojekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie (ANLIN)“ entwickelte Umsetzungskonzept.

Nachhaltigkeit wichtig zur Fachkräftesicherung
Warum ist das Thema Nachhaltigkeit von so großer Bedeutung für Unternehmen? Darüber sprach Dr. Werner Sievers, Leiter Wirkstoffproduktion Chemie am Standort Frankfurt bei Sanofi Aventis Deutschland. Der unternehmerische Erfolg hänge auch von der Übernahme gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung ab. Für Arbeitnehmer würden diese Themen immer wichtiger. Daher spiele Nachhaltigkeit unter anderem bei der Fachkräftesicherung eine Rolle.

„Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem und jeder Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Genau deshalb wurde in diesem Jahr der Nationale Aktionsplan „Bildung zu nachhaltiger Entwicklung“ (BNE) verabschiedet. Damit die Umsetzung in der Schule auch gelingt, stellen wir allen Schulformen Beratungsangebote für die Erarbeitung und Umsetzung pädagogischer Konzepte zur Verfügung und unterstützen sie bei den verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit im Rahmen der Schulentwicklung“, erklärte der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel.

Aber auch in der beruflichen Bildung sei das Thema essentiell, betonte Barbara Hemkes, Leiterin des Arbeitsbereichs Qualität, Nachhaltigkeit, Durchlässigkeit des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Hier liege die Herausforderung darin, die Betriebe und Unternehmen zu nachhaltigen Lernorten zu machen. Das durch das BIBB aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte
Projekt ANLIN der Partner Provadis, BBW Wittenberg, Qualifizierungsförderwerk Chemie und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung und Management-Services sei hierfür ein sehr wichtiger und erfolgversprechender Schritt.

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Wichtiges Modellprojekt in der Ausbildung
Für den Bildungsdienstleister Provadis spielt Nachhaltigkeit in der Aus- und Weiterbildung bereits seit einiger Zeit eine wichtige Rolle. „Bei unseren Kunden gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund sind wir nicht nur als nachhaltiges Unternehmen zertifiziert, sondern haben zukunftsfähiges Denken und Handeln auch inhaltlich in unsere Aus- und Weiterbildung integriert“, betonte Provadis-Geschäftsführer Dr. Udo Lemke.

Eines dieser Modellprojekte aus dem Bereich Ausbildung, ANLIN (Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie), stellten Marny Schröder, Projektleiterin für Bildungs- & Forschungsprojekte bei Provadis, und Franziska Massa, Projektreferentin, Qualifizierungsförderwerk Chemie, vor. „Unsere Erfahrungen mit dem ersten Ausbildungsjahrgang, der das Projekt bereits durchlaufen hat, zeigen, dass wir ein Konzept entwickelt haben, mit dem wir die Auszubildenden sehr gut erreichen und mitnehmen können“, so Schröder. Auch Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation, Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V., lobte das Projekt als wichtigen Teil von Chemie³ , der Nachhaltigkeitsinitiative der chemischen Industrie. Beim Thema Nachhaltigkeit sei der Mensch ganz entscheidend. Hier leiste ANLIN einen sehr wertvollen Beitrag, die zukünftigen Mitarbeiter hierfür zu gewinnen.

Am Standort in Frankfurt-Höchst wird das Projekt auch von den regionalen Chemie³-Allianzparnter, dem Arbeitgeberverband HessenChemie, dem Verband der chemischen Industrie Hessen (VCI Hessen) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hessen-Thüringen begleitet. Weitere Informationen zum Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung sind abrufbar unter www.bne-portal.de/bundesweit/nationaler-aktionsplan, Informationen zum Projekt ANLIN unter www.provadis.de/anlin sowie zur Initiative Chemie³ unter www.chemiehoch3.de.


Berufsausbildung bei Metallbauer Huhle: Interesse wichtiger als gute Noten

Junge Menschen für die duale Ausbildung begeistern und diese beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen ist eines der Schwerpunkte des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT. Hierzu dienen Einblicke in Ausbildungsunternehmen, betriebliche Prozesse wie auch die Vermittlung notwendiger Kompetenzen für das Arbeitsleben. SCHULEWIRTSCHAFT spricht dabei in erster Linie Lehrkräfte in ihrer Rolle als Multiplikatoren an.

Betriebserkundungen sind ein wesentlicher Programmpunkt der SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit. Lehrerinnen und Lehrer erhalten so einen Einblick in Unternehmen vor Ort und können so den Schülerinnen und Schülern bei der Suche nach Ausbildungs- und Praktikumsstellen besser zur Seite stehen.

Auf Einladung des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus erhielten Lehrkräfte aus der Region am vergangenen Mittwoch die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Wiesbadener Stahl- und Metallbauers Huhle zu blicken. Seniorchef Siegfried Huhle führte die Teilnehmer persönlich durch den Betrieb und lud sie anschließend auf einen Kaffee zu einem gemeinsamen Austausch ein.

Familienunternehmen mit Herz und Verantwortung seit über 100 Jahren

Betriebserkundung bei Metallbauer Huhle in Wiesbaden

Betriebserkundung bei Metallbauer Huhle in Wiesbaden

Ob Brücken, Fassaden aus Stahl und Glas, Treppengeländer, Glasdachkonstruktionen, Radartürme, Toranlagen oder schlichte Hochbeete, die Produkte und Leistungen von Huhle finden sich nicht nur in Wiesbaden und Umgebung, sondern weit über die Region hinaus.

Dabei kann das Familienunternehmen auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Geleitet wird es von Seniorchef Siegfried Huhle, seiner Ehefrau Ursula, Bruder Günter und Sohn Oliver mit Ehefrau. Als Siegfried Huhle den Metallbaubetrieb von seinem Vater 1984 übernahm, zählte er zwanzig Beschäftigte. Heute sind es fast hundert. Das Betriebsgelände ist in der Zeit von 2.000 Quadratmeter auf 8.000 Quadratmeter gewachsen.

Fachkräftesicherung durch Ausbildung

Über den Fachkräftemangel kann Huhle nur milde lächeln – das Problem kennt und hat er nicht. Jedes Jahr werden drei Auszubildende eingestellt. Mindestens. Wenn Huhles großes Herz nicht Nein sagen kann, können es auch mal sieben werden. So sind im vergangenen Jahr zwei Flüchtlinge aus Eritrea und ein junges Mädchen, das sich eigentlich zu spät für das Ausbildungsjahr beworben hatte, noch dazu gekommen. Das wollte er nicht ein Jahr ohne Perspektive zurücklassen. Mit allen drei ist der Seniorchef mehr als zufrieden. Fragt man Huhle nach den Anforderungen, die ein Bewerber mitbringe sollte, so sei das Wichtigste Interesse. Am liebsten stelle er je einen Haupt-, Realschüler und Gymnasiast ein. Alle drei würden unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen und sich bestens ergänzen.

Auch Menschen mit Behinderung beschäftigt das Unternehmen. 60 Prozent der Mitarbeiter sind im Unternehmen ausgebildet worden. Alle werden nach der Ausbildung für ein Jahr befristet übernommen. In der Zeit haben sie die Chance, sich zu bewähren. Was die meisten auch tun und dann unbefristet übernommen werden. Viele bilden sich später weiter, zum Meister, Techniker oder Ingenieur. Oft arbeiten sie während des Studiums im Betrieb weiter, um sich ein paar Euro dazu zu verdienen. Wenn Huhle Bedarf hat, übernimmt er die einstigen Schützlinge nach dem Studium wieder.

 

Für das große soziale Engagement wurde Huhle bereits mehrfach ausgezeichnet

Für das große soziale Engagement wurde Huhle bereits mehrfach ausgezeichnet

Zu Recht ist der Familienbetrieb auf seine vielen Auszeichnungen stolz, die es für sein soziales, aber auch ökologisches Engagement erhalten hat. Denn auch Umweltbewusstsein und eine möglichst ressourcenschonende Produktion werden hier groß geschrieben. So erzeugen beispielsweise die Solarzellen auf den Dächern 70 Prozent des eigenen Strombedarfs, aber auch in Filter- sowie Energie- und Wassereinsparungstechnologien wird kontinuierlich investiert.

Fragt man Siegfried Huhle, warum er keine Sorgen habe, Auszubildende zu finden, so nennt er als einen der Hauptgründe das Angebot an Praktikumsplätzen, die ein erstes Hineinschnuppern in die verschiedenen Berufe ermögliche. Darüber hinaus arbeite er mit Schulen zusammen, die jedes Jahr mit ihren 7. Klassen – Jungs und Mädels – zu einer zweistündigen Betriebserkundung kämen.

Der Nachmittag bei Huhle Stahl- und Metallbau hat sich für alle Beteiligten gelohnt. Er bot nicht nur einen Einblick in die vielfältige Ausbildung eines Handwerksbetriebes, sondern auch in die vielen Möglichkeiten, die sich nach einer Ausbildung für die jungen Menschen ergeben. Wer Interesse hat und sich weiterbilden möchte, für den ist nach der Ausbildung noch lange nicht Schluss. Weder auf der Karriereleiter noch beim Familienunternehmen Huhle.

Ein großes Dankeschön an Siegfried Huhle für die Zeit, die er sich für uns genommen hat. Es waren interessante und erkenntnisreiche zwei Stunden.

SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit

Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT ist eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft von Lehrerinnen und Lehrern. Er steht allen interessierten Pädagoginnen und Pädagogen zur Mitarbeit offen. Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist Teil eines Netzwerkes, das auf Bundes- und Landesebene eine Schnittstelle zwischen Schulen und den Betrieben bildet. Die Geschäftsstelle ist beim Arbeitgeberverband HessenChemie angesiedelt, der diese Aufgabe für die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wahrnimmt.


Berufliche Bildung als Treiber für Nachhaltigkeit – Erfahrungsaustausch am 2. November 2017 in Wiesbaden

Welche Rolle die berufliche Bildung als Treiber für eine nachhaltige Entwicklung in Unternehmen spielt, erfahren die Teilnehmer des Fachforums „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017 in Wiesbaden. Erste Einblicke in das Projekt „ANLIN – Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ bietet der Provadis Bildungsreport Nachhaltigkeit.

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Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017

Das Fachforum findet am

Donnerstag, 2. November 2017

von 10:00 bis 15:00 Uhr

im Hessenchemie Campus

statt.

Die Teilnehmer erwartet ein Grußwort von Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel. Die unternehmerische Dimension von Nachhaltigkeit stellt Dr. Matthias Braun von Sanofi-Aventis Deutschland vor. Im Zentrum der Veranstaltung stehen dann die Ergebnisse und Erfahrungen des geförderten Modell-Projektes ANLIN, die mit den Projektbeteiligten und den anwesenden Ausbildungs-, CSR- und Nachhaltigkeits-Verantwortlichen sowie weiteren interessierten Teilnehmern diskutiert werden.

Weitere Informationen zum Programm sowie die Anmeldung sind auf der Hessenchemie-Internetseite oder auf der Internetseite von Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie zu finden. Die Teilnahme ist kostenfrei und die Anmeldung bis zum 20. Oktober 2017 möglich. Das Fachforum ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³.

Weitere Informationen zu dem Projekt ANLIN sind hier oder hier abrufbar.


„Wenn man Ehrgeiz hat und etwas erreichen will, schafft man alles im Leben“

Ein Satz wie dieser zeugt von Optimismus und lässt eine erfolgreiche Karriere vermuten. Und es stimmt: Yildiz Aysu, Assistentin des Vertriebsleiter von InfraServ Technik stehen nach ihrer erfolgreichen Ausbildung alle Türen offen – doch das war nicht immer so. Welche Hürden sie auf ihrem beruflichen Weg überwinden musste und wie sie es letztendlich durch JOBLINGE geschafft hat, erzählte sie im Interview.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Aysu wurde in der Hauptstadt der Türkei, Istanbul, geboren und zog mit 8 Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. In der Schule war sie immer gut, sogar eine der besten. Und so entschloss sie sich, nach ihrem erfolgreichen Realschulabschluss, auch noch das Abitur zu machen. Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen stellte sie sich dieser Herausforderung. Doch als ihre Freundinnen kurz vor dem Abschluss in der 12. Klasse die Schule abbrachen, warf auch Aysu alles hin. Auf der Suche nach einer Ausbildung, aber ohne klare Vorstellung davon, welcher Beruf für sie geeignet ist, schrieb sie über 70 Bewerbungen. Oft wurde sie auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – doch für eine Zusage hat es nie gereicht.

„Es ging bei mir (in der Schule) immer bergauf, bis ich das Abitur abgebrochen habe. Auf einmal ging alles bergab“, beschreibt Aysu ihre Situation.

Zwar hatte sie die Möglichkeit im Unternehmen der Familie in der Türkei zu arbeiten, aber sie wollte durch eigene Leistung in Deutschland eine Ausbildungsstelle finden. Verzweifelt und entmutigt wendete sie sich an das Arbeitsamt in Rüsselsheim, wo man ihr die Initiative JOBLINGE empfahl. Das war der Wendepunkt.

Dort musste sie in der Bewerbungsphase zuerst ihre Motivation unter Beweis stellen, indem sie zwei Wochen lang gemeinnützige Arbeit in einer Grundschule leistete. Darauf folgten Orientierungs- und Praxisphasen, in der sie zum einen soziale und fachliche Kompetenzen im JOBLINGE Team lernte und zum anderen durch kleine Praktika erste Berufserfahrung sammelte. Die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer half ihr dabei und gab ihr zunehmend mehr Selbstbewusstsein.

Für ihr sechs monatiges Praktikum im Rahmen des StartPlus-Programmes der Chemiearbeitgeber bewarb sie sich schließlich bei InfraServ in Wiesbaden: „Da zur Zeit der Ausschreibung nur naturwissenschaftliche und technische Ausbildungsberufe angezeigt wurden, bewarb ich mich als Chemikantin. Bei meinem Vorstellungsgespräch empfahl man mir aber die Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement. Denn in meinem Einstellungstest merkte man, dass dieser Beruf viel besser zu mir und meinen Fähigkeiten passt.“

Und so war es auch: Nach dem erfolgreichen Praktikum, fing sie die 3-jährige Ausbildung an. Anfang 2017 schloss sie diese vorzeitig nach 2,5 Jahren erfolgreich ab. Heute ist sie 23 Jahre alt und arbeitet als Assistentin des Vertriebsleiters beim Industrieparkbetreiber InfraServ Technik im Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden. Mit ihrem neuen Job ist sie sehr zufrieden und vor allem der häufige Kundenkontakt im Vertriebsinnendienst macht ihr Spaß. Angespornt durch die guten Noten und immer anspruchsvolleren Aufgaben im Job hat sie bereits ein neues Ziel: ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre gemeinsam mit InfraServ.

In der schweren Zeit zwischen Schulabbruch und JOBLINGE war ihr die Unterstützung ihrer Familie sehr wichtig:

„Jetzt sind sie aber umso glücklicher und sehr stolz auf mich. Wenn ich ihnen heute von meinem Job und meinen Plänen erzähle, dann sind sie begeistert!“

Die Initiative JOBLINGE würde sie immer weiterempfehlen, da sie dort sehr viel gelernt hat und gut unterstützt wurde. Das Team nahm sich viel Zeit für sie und das hat nach und nach ihre eigene Denkweise geändert. Zum Abschluss des Interviews wollte sie aber eines klarstellen: „Bei den JOBLINGEN mitzumachen heißt nicht, dass man ein schlechterer Mensch ist oder nichts kann. Manchmal hat man einfach Pech im Leben und braucht ein wenig Unterstützung. Hat man erstmal seinen Weg gefunden, kann man dann auch der Beste werden.“

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie