Bildung für nachhaltige Entwicklung – Ein Beispiel aus der Chemie-Branche

Heute beginnt in Berlin der Agendakongress zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), den das Bundesministerium für Bildung und Forschung wieder ausrichtet. In diesem Jahr steht der Nationale Aktionsplan BNE im Zentrum der Konferenz in Berlin. Dass Bildung für nachhaltige Entwicklung auch ein Thema für Unternehmen und ihre Mitarbeiter ist, zeigte eindrucksvoll das Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. Novemeber 2017 in Wiesbaden. Der Veranstalter – Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH – stellte hier ein vom Bundesinstitut für Berufsbildung gefördertes Projekt vor. Angeregt diskutierten die ca. 70 Experten aus Unternehmen, Verbänden, Berufsschulen und der Politik das im Modellprojekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie (ANLIN)“ entwickelte Umsetzungskonzept.

Nachhaltigkeit wichtig zur Fachkräftesicherung
Warum ist das Thema Nachhaltigkeit von so großer Bedeutung für Unternehmen? Darüber sprach Dr. Werner Sievers, Leiter Wirkstoffproduktion Chemie am Standort Frankfurt bei Sanofi Aventis Deutschland. Der unternehmerische Erfolg hänge auch von der Übernahme gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung ab. Für Arbeitnehmer würden diese Themen immer wichtiger. Daher spiele Nachhaltigkeit unter anderem bei der Fachkräftesicherung eine Rolle.

„Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem und jeder Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Genau deshalb wurde in diesem Jahr der Nationale Aktionsplan „Bildung zu nachhaltiger Entwicklung“ (BNE) verabschiedet. Damit die Umsetzung in der Schule auch gelingt, stellen wir allen Schulformen Beratungsangebote für die Erarbeitung und Umsetzung pädagogischer Konzepte zur Verfügung und unterstützen sie bei den verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit im Rahmen der Schulentwicklung“, erklärte der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel.

Aber auch in der beruflichen Bildung sei das Thema essentiell, betonte Barbara Hemkes, Leiterin des Arbeitsbereichs Qualität, Nachhaltigkeit, Durchlässigkeit des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Hier liege die Herausforderung darin, die Betriebe und Unternehmen zu nachhaltigen Lernorten zu machen. Das durch das BIBB aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte
Projekt ANLIN der Partner Provadis, BBW Wittenberg, Qualifizierungsförderwerk Chemie und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung und Management-Services sei hierfür ein sehr wichtiger und erfolgversprechender Schritt.

Wichtiges Modellprojekt in der Ausbildung
Für den Bildungsdienstleister Provadis spielt Nachhaltigkeit in der Aus- und Weiterbildung bereits seit einiger Zeit eine wichtige Rolle. „Bei unseren Kunden gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund sind wir nicht nur als nachhaltiges Unternehmen zertifiziert, sondern haben zukunftsfähiges Denken und Handeln auch inhaltlich in unsere Aus- und Weiterbildung integriert“, betonte Provadis-Geschäftsführer Dr. Udo Lemke.

Eines dieser Modellprojekte aus dem Bereich Ausbildung, ANLIN (Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie), stellten Marny Schröder, Projektleiterin für Bildungs- & Forschungsprojekte bei Provadis, und Franziska Massa, Projektreferentin, Qualifizierungsförderwerk Chemie, vor. „Unsere Erfahrungen mit dem ersten Ausbildungsjahrgang, der das Projekt bereits durchlaufen hat, zeigen, dass wir ein Konzept entwickelt haben, mit dem wir die Auszubildenden sehr gut erreichen und mitnehmen können“, so Schröder. Auch Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation, Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V., lobte das Projekt als wichtigen Teil von Chemie³ , der Nachhaltigkeitsinitiative der chemischen Industrie. Beim Thema Nachhaltigkeit sei der Mensch ganz entscheidend. Hier leiste ANLIN einen sehr wertvollen Beitrag, die zukünftigen Mitarbeiter hierfür zu gewinnen.

Am Standort in Frankfurt-Höchst wird das Projekt auch von den regionalen Chemie³-Allianzparnter, dem Arbeitgeberverband HessenChemie, dem Verband der chemischen Industrie Hessen (VCI Hessen) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hessen-Thüringen begleitet. Weitere Informationen zum Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung sind abrufbar unter www.bne-portal.de/bundesweit/nationaler-aktionsplan, Informationen zum Projekt ANLIN unter www.provadis.de/anlin sowie zur Initiative Chemie³ unter www.chemiehoch3.de.


Berufsausbildung bei Metallbauer Huhle: Interesse wichtiger als gute Noten

Junge Menschen für die duale Ausbildung begeistern und diese beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen ist eines der Schwerpunkte des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT. Hierzu dienen Einblicke in Ausbildungsunternehmen, betriebliche Prozesse wie auch die Vermittlung notwendiger Kompetenzen für das Arbeitsleben. SCHULEWIRTSCHAFT spricht dabei in erster Linie Lehrkräfte in ihrer Rolle als Multiplikatoren an.

Betriebserkundungen sind ein wesentlicher Programmpunkt der SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit. Lehrerinnen und Lehrer erhalten so einen Einblick in Unternehmen vor Ort und können so den Schülerinnen und Schülern bei der Suche nach Ausbildungs- und Praktikumsstellen besser zur Seite stehen.

Auf Einladung des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus erhielten Lehrkräfte aus der Region am vergangenen Mittwoch die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Wiesbadener Stahl- und Metallbauers Huhle zu blicken. Seniorchef Siegfried Huhle führte die Teilnehmer persönlich durch den Betrieb und lud sie anschließend auf einen Kaffee zu einem gemeinsamen Austausch ein.

Familienunternehmen mit Herz und Verantwortung seit über 100 Jahren

Betriebserkundung bei Metallbauer Huhle in Wiesbaden

Betriebserkundung bei Metallbauer Huhle in Wiesbaden

Ob Brücken, Fassaden aus Stahl und Glas, Treppengeländer, Glasdachkonstruktionen, Radartürme, Toranlagen oder schlichte Hochbeete, die Produkte und Leistungen von Huhle finden sich nicht nur in Wiesbaden und Umgebung, sondern weit über die Region hinaus.

Dabei kann das Familienunternehmen auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Geleitet wird es von Seniorchef Siegfried Huhle, seiner Ehefrau Ursula, Bruder Günter und Sohn Oliver mit Ehefrau. Als Siegfried Huhle den Metallbaubetrieb von seinem Vater 1984 übernahm, zählte er zwanzig Beschäftigte. Heute sind es fast hundert. Das Betriebsgelände ist in der Zeit von 2.000 Quadratmeter auf 8.000 Quadratmeter gewachsen.

Fachkräftesicherung durch Ausbildung

Über den Fachkräftemangel kann Huhle nur milde lächeln – das Problem kennt und hat er nicht. Jedes Jahr werden drei Auszubildende eingestellt. Mindestens. Wenn Huhles großes Herz nicht Nein sagen kann, können es auch mal sieben werden. So sind im vergangenen Jahr zwei Flüchtlinge aus Eritrea und ein junges Mädchen, das sich eigentlich zu spät für das Ausbildungsjahr beworben hatte, noch dazu gekommen. Das wollte er nicht ein Jahr ohne Perspektive zurücklassen. Mit allen drei ist der Seniorchef mehr als zufrieden. Fragt man Huhle nach den Anforderungen, die ein Bewerber mitbringe sollte, so sei das Wichtigste Interesse. Am liebsten stelle er je einen Haupt-, Realschüler und Gymnasiast ein. Alle drei würden unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen und sich bestens ergänzen.

Auch Menschen mit Behinderung beschäftigt das Unternehmen. 60 Prozent der Mitarbeiter sind im Unternehmen ausgebildet worden. Alle werden nach der Ausbildung für ein Jahr befristet übernommen. In der Zeit haben sie die Chance, sich zu bewähren. Was die meisten auch tun und dann unbefristet übernommen werden. Viele bilden sich später weiter, zum Meister, Techniker oder Ingenieur. Oft arbeiten sie während des Studiums im Betrieb weiter, um sich ein paar Euro dazu zu verdienen. Wenn Huhle Bedarf hat, übernimmt er die einstigen Schützlinge nach dem Studium wieder.

 

Für das große soziale Engagement wurde Huhle bereits mehrfach ausgezeichnet

Für das große soziale Engagement wurde Huhle bereits mehrfach ausgezeichnet

Zu Recht ist der Familienbetrieb auf seine vielen Auszeichnungen stolz, die es für sein soziales, aber auch ökologisches Engagement erhalten hat. Denn auch Umweltbewusstsein und eine möglichst ressourcenschonende Produktion werden hier groß geschrieben. So erzeugen beispielsweise die Solarzellen auf den Dächern 70 Prozent des eigenen Strombedarfs, aber auch in Filter- sowie Energie- und Wassereinsparungstechnologien wird kontinuierlich investiert.

Fragt man Siegfried Huhle, warum er keine Sorgen habe, Auszubildende zu finden, so nennt er als einen der Hauptgründe das Angebot an Praktikumsplätzen, die ein erstes Hineinschnuppern in die verschiedenen Berufe ermögliche. Darüber hinaus arbeite er mit Schulen zusammen, die jedes Jahr mit ihren 7. Klassen – Jungs und Mädels – zu einer zweistündigen Betriebserkundung kämen.

Der Nachmittag bei Huhle Stahl- und Metallbau hat sich für alle Beteiligten gelohnt. Er bot nicht nur einen Einblick in die vielfältige Ausbildung eines Handwerksbetriebes, sondern auch in die vielen Möglichkeiten, die sich nach einer Ausbildung für die jungen Menschen ergeben. Wer Interesse hat und sich weiterbilden möchte, für den ist nach der Ausbildung noch lange nicht Schluss. Weder auf der Karriereleiter noch beim Familienunternehmen Huhle.

Ein großes Dankeschön an Siegfried Huhle für die Zeit, die er sich für uns genommen hat. Es waren interessante und erkenntnisreiche zwei Stunden.

SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit

Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT ist eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft von Lehrerinnen und Lehrern. Er steht allen interessierten Pädagoginnen und Pädagogen zur Mitarbeit offen. Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist Teil eines Netzwerkes, das auf Bundes- und Landesebene eine Schnittstelle zwischen Schulen und den Betrieben bildet. Die Geschäftsstelle ist beim Arbeitgeberverband HessenChemie angesiedelt, der diese Aufgabe für die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wahrnimmt.


Berufliche Bildung als Treiber für Nachhaltigkeit – Erfahrungsaustausch am 2. November 2017 in Wiesbaden

Welche Rolle die berufliche Bildung als Treiber für eine nachhaltige Entwicklung in Unternehmen spielt, erfahren die Teilnehmer des Fachforums „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017 in Wiesbaden. Erste Einblicke in das Projekt „ANLIN – Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ bietet der Provadis Bildungsreport Nachhaltigkeit.

Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017

Das Fachforum findet am

Donnerstag, 2. November 2017

von 10:00 bis 15:00 Uhr

im Hessenchemie Campus

statt.

Die Teilnehmer erwartet ein Grußwort von Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel. Die unternehmerische Dimension von Nachhaltigkeit stellt Dr. Matthias Braun von Sanofi-Aventis Deutschland vor. Im Zentrum der Veranstaltung stehen dann die Ergebnisse und Erfahrungen des geförderten Modell-Projektes ANLIN, die mit den Projektbeteiligten und den anwesenden Ausbildungs-, CSR- und Nachhaltigkeits-Verantwortlichen sowie weiteren interessierten Teilnehmern diskutiert werden.

Weitere Informationen zum Programm sowie die Anmeldung sind auf der Hessenchemie-Internetseite oder auf der Internetseite von Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie zu finden. Die Teilnahme ist kostenfrei und die Anmeldung bis zum 20. Oktober 2017 möglich. Das Fachforum ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³.

Weitere Informationen zu dem Projekt ANLIN sind hier oder hier abrufbar.


„Wenn man Ehrgeiz hat und etwas erreichen will, schafft man alles im Leben“

Ein Satz wie dieser zeugt von Optimismus und lässt eine erfolgreiche Karriere vermuten. Und es stimmt: Yildiz Aysu, Assistentin des Vertriebsleiter von InfraServ Technik stehen nach ihrer erfolgreichen Ausbildung alle Türen offen – doch das war nicht immer so. Welche Hürden sie auf ihrem beruflichen Weg überwinden musste und wie sie es letztendlich durch JOBLINGE geschafft hat, erzählte sie im Interview.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Aysu wurde in der Hauptstadt der Türkei, Istanbul, geboren und zog mit 8 Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. In der Schule war sie immer gut, sogar eine der besten. Und so entschloss sie sich, nach ihrem erfolgreichen Realschulabschluss, auch noch das Abitur zu machen. Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen stellte sie sich dieser Herausforderung. Doch als ihre Freundinnen kurz vor dem Abschluss in der 12. Klasse die Schule abbrachen, warf auch Aysu alles hin. Auf der Suche nach einer Ausbildung, aber ohne klare Vorstellung davon, welcher Beruf für sie geeignet ist, schrieb sie über 70 Bewerbungen. Oft wurde sie auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – doch für eine Zusage hat es nie gereicht.

„Es ging bei mir (in der Schule) immer bergauf, bis ich das Abitur abgebrochen habe. Auf einmal ging alles bergab“, beschreibt Aysu ihre Situation.

Zwar hatte sie die Möglichkeit im Unternehmen der Familie in der Türkei zu arbeiten, aber sie wollte durch eigene Leistung in Deutschland eine Ausbildungsstelle finden. Verzweifelt und entmutigt wendete sie sich an das Arbeitsamt in Rüsselsheim, wo man ihr die Initiative JOBLINGE empfahl. Das war der Wendepunkt.

Dort musste sie in der Bewerbungsphase zuerst ihre Motivation unter Beweis stellen, indem sie zwei Wochen lang gemeinnützige Arbeit in einer Grundschule leistete. Darauf folgten Orientierungs- und Praxisphasen, in der sie zum einen soziale und fachliche Kompetenzen im JOBLINGE Team lernte und zum anderen durch kleine Praktika erste Berufserfahrung sammelte. Die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer half ihr dabei und gab ihr zunehmend mehr Selbstbewusstsein.

Für ihr sechs monatiges Praktikum im Rahmen des StartPlus-Programmes der Chemiearbeitgeber bewarb sie sich schließlich bei InfraServ in Wiesbaden: „Da zur Zeit der Ausschreibung nur naturwissenschaftliche und technische Ausbildungsberufe angezeigt wurden, bewarb ich mich als Chemikantin. Bei meinem Vorstellungsgespräch empfahl man mir aber die Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement. Denn in meinem Einstellungstest merkte man, dass dieser Beruf viel besser zu mir und meinen Fähigkeiten passt.“

Und so war es auch: Nach dem erfolgreichen Praktikum, fing sie die 3-jährige Ausbildung an. Anfang 2017 schloss sie diese vorzeitig nach 2,5 Jahren erfolgreich ab. Heute ist sie 23 Jahre alt und arbeitet als Assistentin des Vertriebsleiters beim Industrieparkbetreiber InfraServ Technik im Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden. Mit ihrem neuen Job ist sie sehr zufrieden und vor allem der häufige Kundenkontakt im Vertriebsinnendienst macht ihr Spaß. Angespornt durch die guten Noten und immer anspruchsvolleren Aufgaben im Job hat sie bereits ein neues Ziel: ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre gemeinsam mit InfraServ.

In der schweren Zeit zwischen Schulabbruch und JOBLINGE war ihr die Unterstützung ihrer Familie sehr wichtig:

„Jetzt sind sie aber umso glücklicher und sehr stolz auf mich. Wenn ich ihnen heute von meinem Job und meinen Plänen erzähle, dann sind sie begeistert!“

Die Initiative JOBLINGE würde sie immer weiterempfehlen, da sie dort sehr viel gelernt hat und gut unterstützt wurde. Das Team nahm sich viel Zeit für sie und das hat nach und nach ihre eigene Denkweise geändert. Zum Abschluss des Interviews wollte sie aber eines klarstellen: „Bei den JOBLINGEN mitzumachen heißt nicht, dass man ein schlechterer Mensch ist oder nichts kann. Manchmal hat man einfach Pech im Leben und braucht ein wenig Unterstützung. Hat man erstmal seinen Weg gefunden, kann man dann auch der Beste werden.“

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


#Blogs im Ausbildungsmarketing

Die demografische Entwicklung und der Trend zum Studium machen die Suche nach qualifiziertem Nachwuchs zu einer besonderen Herausforderung. Ein gutes Ausbildungsmarketing wird somit immer relevanter für Unternehmen.

Unter Ausbildungsmarketing werden alle Aktivitäten eines Unternehmens subsumiert, die dazu beitragen, die angebotenen Ausbildungsstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Hier kommen verschiedene Kommunikationsinstrumente und -Maßnahmen zum Tragen, die möglichst optimal miteinander verzahnt werden sollten, da einzelne Aktivitäten schnell verpuffen.

Ziele und Zielgruppe

Um sich nicht in den zahlreichen Möglichkeiten zu verirren, sollte man sich im Vorfeld über die Ziele und Zielgruppe Gedanken machen.

  • Soll ein bestimmter Ausbildungsberuf bekannt(er) gemacht werden?
  • Soll die Bekanntheit des Unternehmens gesteigert werden?
  • Will man bessere/passendere Bewerbungen erhalten?
  • Welche Persönlichkeiten werden gesucht?
  • Was bietet man den Auszubildenden an?
  • Wie und wo sollen die Angebote/Informationen kommuniziert werden?
  • Wo ist die Zielgruppe unterwegs und wie erreicht man diese?

Aktivitäten und Instrumente

Neben Praxisangeboten wie Betriebspraktikum oder Ferienjobs, bieten sich Ausbildungsmessen und ein Tag der offenen Tür an. Darüber hinaus machen Kooperationen mit örtlichen Schulen Sinn, denn diese sind quasi am „point of sale“. Sämtliche Maßnahmen bringen jedoch nur wenig, wenn sie nicht durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit flankiert werden. Dazu zählen:

  • Ansprechende! Unternehmenspräsenz und Karriereseite im Internet
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Informationsflyer (bspw. für Ausbildungsmessen, Tag der offenen Tür oder zum Auslegen in Schulen)
  • Social Networks wie Facebook, YouTube und Blogs, ggf. auch Whatsapp und Snapchat
  • Teilnahme an Wettbewerben wie “Bester Ausbildungsbetrieb”
  • Unternehmensdarstellung auf Xing und Kununu (leider nicht ganz günstig)

Ausbildungs-Blogs

Da ich immer wieder auf die Möglichkeit von Blogs angesprochen werde und von deren Einsatz überzeugt bin, werde ich auf diesen Kommunikationskanal nachfolgend noch mal explizit eingehen.

Grundsätzlich ist ein Blog keine Kampagne, sondern ein auf lange Zeit angelegter Kommunikationskanal, der regelmäßig mit Inhalten befüllt werden will. Das kostet Zeit – sowohl hinsichtlich der Bekanntheit als auch bei der Befüllung mit Beiträgen.

Aus meiner Sicht überwiegen aber die Vorteile deutlich. Denn ob Generation Y oder Z, Bewerber informieren sich nicht nur auf Karriereseiten über potenzielle Arbeitgeber, sondern nutzen häufig entsprechende soziale Medien, um Informationen und Eindrücke über Unternehmen zu erhalten. Das eine ist, was Unternehmen in ihrer Anzeige oder auf der eigenen Webseite schreiben, das andere, was Mitarbeiter selbst über die Arbeit und die Menschen im Unternehmen erzählen. Ein Blog bietet hier die Möglichkeit, die Sichtbarkeit des Unternehmens zu erhöhen und darüber hinaus einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren (quasi ein Tag der offenen Tür im Web als Dauerzustand). Lässt man Auszubildende und Ausbilder oder Personalleiter selbst sprechen und ergänzt die Beiträge um Fotos mit den entsprechenden Personen, erhöht das die Glaubwürdigkeit.

Aufbau eines Blogs

Hier komme ich wieder auf die Zielgruppe zurück. Für was interessieren sich Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle? Wonach suchen sie, was wollen sie wissen?

  • Wie ist die Ausbildung im Beruf XY aufgebaut? Welche Stationen durchläuft man?
  • Wie sieht der Ausbildungsalltag aus?
  • Was sind die Schwerpunkte? Was sollte man können?
  • Wie kann es nach der Ausbildung weitergehen?
  • Was sollte man bei einem Bewerbungsschreiben beachten?
  • Wie bereite ich mich auf ein Bewerbungsgespräch vor?
  • Auf welches Unternehmen / auf welche Menschen lasse ich mich in Zukunft ein?

Hilfreich sind Rubriken/Kategorien auf der Startseite des Blogs, die die Orientierung erleichtern, z. B. Ausbildung, Duales Studium, Bewerbung, Unternehmen.

  • Ausbildung/Duales Studium: Einblick in die Ausbildungsberufe, Voraussetzungen, Alltag, Karrieremöglichkeiten, Besonderheiten wie Auslandsaufenthalte oder das Betreiben eines eigenen Unternehmens als Projekt für die Auszubildenden
  • Bewerbung: Worauf muss man achten? Was erwartet der Personaler? Tipps für das Bewerbungsgespräch
  • Unternehmen: Familientag, Betriebsausflug, soziales Engagement, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, besondere Hobbys von Mitarbeitern (gerne auch mal der Chef), Einblick in die Büros oder Produktion

Wichtig und hilfreich sind immer Fotos, die die entsprechenden Personen zeigen, am besten in Nahaufnahme. Das macht sympathisch und baut Nähe und Vertrauen auf.

Darüber hinaus sollte man darauf achten, dass die Blogbeiträge leicht geteilt/empfohlen werden können. Hier sollte Whatsapp standardmäßig ein Kanal sein, denn neben Instagram, YouTube und Snapchat ist Whatsapp bei Jugendlichen nach wie vor der am häufigsten genutzte Kommunikationskanal. Im Blog von Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke finden sich hilfreiche Informationen zum Einsatz von Whatsapp.

Ausbildungskampagne Elementare Vielfalt

Ausbildungskampagne "Elementare Vielfalt"

Ausbildungskampagne „Elementare Vielfalt“

Um das Engagement im Bereich Nachwuchssicherung weiter auszubauen, unterstützen die Chemie-Arbeitgeberverbände ihre Mitglieder mit der Ausbildungskampagne „Elementare Vielfalt (ElVi) – Deine Ausbildung in der Chemie-Branche„. Ein Gesamtpaket aus Internetauftritt, begleitenden Informationsmaterialien und Marketingaktivitäten soll die Ausbildungsbetriebe der Branche im Wettbewerb um junge Nachwuchskräfte stärken. Auf „ElVi“ finden interessierte Jugendliche alles rund um Berufsbilder und Duales Studium wie Ablauf und Inhalt, Anforderungen, Karriereperspektiven und Vergütung. Darüber hinaus gibt es Bewerbungstipps, eine Ausbildungsplatzbörse sowie eine extra Seite für KMUs. Hier haben kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, sich mit einem Unternehmensprofil darzustellen.

Chemie-Azubi-Blog

Chemie-Azubi-Blog

Chemie-Azubi-Blog

Ergänzt wird das Angebot um den Chemie-Azubi-Blog. Dieser stellt Betriebe aus der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie und deren vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten vor und ermöglicht so einen Blick hinter die Werkszäune. Darüber hinaus gibt der Blog Antworten auf viele Fragen: Was ist der Unterschied zwischen Chemikant und Chemielaborant? Worauf sollten Schüler/-innen in einem Bewerbungsgespräch achten? Wo gibt es welche Ausbildungsberufe und welche dualen Studiengänge? Getragen wird er von den Chemie-Arbeitgeberverbänden HessenChemie, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordost. Wer Interesse hat, Beiträge im Chemie Azubi  zu veröffentlichen (das Angebot gilt nur für die Mitglieder der Verbände), der kann sich an die verantwortlichen Autoren wenden.

Beispiele für gute Ausbildungs-Blogs

http://careers.boehringer-ingelheim.com/blog/de

http://karriereblog.sick.com/

http://azubiblog.wuerth.de/

https://ausbildungdaw.wordpress.com/

https://blog.krones.com/azubiblog

http://www.douglas-karriere.de/schueler/ausbildung/

http://karriereblog.tk.de/

https://blog.mann-hummel.com/blog/category/ausbildung-karriere/

https://www.datev-karriereblog.de/

http://azubiblog.thyssenkrupp-rasselstein.com/wp/

http://azubiblog.thyssenkrupp-rasselstein.com/wp/

https://karriereblog.bayer.de/auszubildende/

https://www.voba-azubiblog.de/

Weitere Blogartikel zu diesem Thema

Ausbildung in der Chemie: vielfältig und wegweisend

Ein Plädoyer für die Ausbildung

Vielfältige Ausbildung in der Chemie


Ausbildung in der Chemie: Konzern oder Mittelstand?

Als wäre die Überlegung hinsichtlich des richtigen Ausbildungsberufes nicht schon schwierig genug, so muss man sich als junger Mensch auch noch Gedanken machen, WO man seine Ausbildung machen möchte: traditioneller Familienbetrieb, Mittelständler oder Großkonzern? In der Regel fallen einem erst einmal die großen Konzerne ein. Sie kennt man aus den Nachrichten, der Werbung oder als Sponsor von verschiedenen Sportarten. Mit ihnen verbindet man neben dem Prestige vor allem vielfältigere Einsatz-, Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Doch nicht immer ist der große Konzern das passende Unternehmen. Kleine und mittelständische Unternehmen zeichnen sich oftmals durch eine familiäre Atmosphäre, flachere Hierarchien, größere Gestaltungsfreiräume, kürzere Entscheidungswege und eine schnellere Übernahme von Verantwortung aus. Letztendlich muss man selbst entscheiden, was besser zu einem passt.

Über ein Drittel aller Beschäftigten in der chemischen Industrie arbeiten in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Das sind mehr als 160.000 Menschen. Ihre besondere Stärke liegt darin, maßgeschneiderte Produkte und Lösungen für andere Industriezweige zu entwickeln. Oft besetzen sie Nischen und sind damit so erfolgreich, dass sie auf ihrem Gebiet Marktführer sind – in Deutschland, Europa oder auch weltweit. 2015 haben sie rund 57 Milliarden Euro umgesetzt – eine beeindruckende Zahl.

chemie_mittelstand

Elementare Vielfalt unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen

Weil KMUs und deren Produkte oft nicht so bekannt sind, fällt es ihnen im Wettbewerb um Nachwuchskräfte meist schwerer, freie Ausbildungsplätze mit geeigneten Kandidaten zu besetzen als großen, bekannten Unternehmen. Die Initiative „Starte deine Ausbildung im Chemie-Mittelstand“ bietet kleineren Chemie-Betrieben im Rahmen der Ausbildungskampagne Elementare Vielfalt (ElVi) die Möglichkeit, sich interessierten Schülerinnen und Schülern mit einem Unternehmensprofil und interessanten Angeboten wie Praktika, Betriebsbesichtigungen sowie freien Ausbildungsplätzen zu präsentieren.

Entsprechend der Zielgruppe ist die Seite für mobile Endgeräte optimiert und bietet dem Leser auch unterwegs alle wichtigen Informationen. Durch eine Verknüpfung mit der Ausbildungsplatzbörse erkennt der Leser schnell, ob und wie viele Ausbildungsplätze zurzeit frei sind. Ein 60-sekündiges Animationsvideo fasst die Vorteile einer Ausbildung im Mittelstand zusammen.

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Ein Plädoyer für die Ausbildung

Was machen nach der Schule? Das ist immer wieder die große Frage. Seit vielen Jahren geht der Trend zum Studium. „Lag der Anteil der Jugendlichen, die eine Berufsausbildung wählten, in den 70er-Jahren noch bei 70 Prozent eines Jahrgangs, so haben sich die Verhältnisse inzwischen nahezu umgekehrt: Heute beginnen fast 60 Prozent eines Jahrgangs ein Studium“ (Quelle: Spiegel). Obwohl die Perspektiven für Auszubildende sehr vielversprechend sind und zahlreiche Weiterbildungs- und Fördermöglichkeiten keinesfalls eine Sackgasse bedeuten, schließen immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsvertrag ab. Für viele Unternehmen, vor allem kleine und mittelständische, wird deshalb die Suche nach passenden Auszubildenden immer schwieriger.

Die chemisch-pharmazeutische und kunststoffverarbeitende Industrie aber braucht beruflich qualifizierte Fachkräfte, also Menschen mit einer dualen Ausbildung. Gerade einmal 16 Prozent aller Beschäftigten der Branche sind Akademiker. Bedauerlicherweise hat sich das Image der Ausbildung in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert – und das zu unrecht. Viele Eltern sehen für die eigenen Kinder nur eine solide Zukunftsperspektive, wenn diese einen Hochschulabschluss in der Tasche haben. Dabei ist längst nicht jedes Kind auf dem Gymnasium resp. der Hochschule richtig aufgehoben. Für manche Schüler wäre eine Ausbildung die bessere Wahl. 28 Prozent aller Anfänger im Bachelor brechen ihr Studium ohne Abschluss ab. Schätzungen beziffern die Zahl der Studienabbrecher auf 60.000 bis 100.000 pro Jahr (Quelle: ZEIT Online). Diesen jungen Menschen hätte der Besuch der Realschule bzw. die Aufnahme einer Ausbildung viel Druck und Frust erspart.

Praxiserfahrung erwünscht

Und hier muss vielleicht auch mal das ewige Entweder (Ausbildung) Oder (Studium) aufgebrochen werden. Denn mit einer abgeschlossenen Ausbildung stehen jungen Menschen noch viele Wege offen. Unabhängig davon hat man aber schon mal eins: Praxiserfahrung. Und die ist in der Industrie gefragt. Zudem lässt sich darauf in vielfacher Hinsicht aufbauen, zum Beispiel mit einem Fachwirt oder Meister. Wer darüber hinaus das Abitur hat, kann nach der Ausbildung immer noch studieren – Vollzeit oder nebenberuflich über staatliche Hochschulen bzw. private Anbieter. Die meisten Unternehmen fördern Weiterbildungsmaßnahmen, denn es ist ihr ureigenes Interesse, qualifizierte Mitarbeiter zu beschäftigen. In Hessen läuft zudem bis 2021 ein Modellversuch, der jungen Menschen mit Realschule und einer abgeschlossenen Ausbildung den direkten Zugang zur Hochschule ermöglicht (http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/laender/hessen/). Und wer behauptet eigentlich, dass man „nur“ mit einer Ausbildung nicht auch glücklich im Beruf werden kann? Auch der Verdienst kann sich sehen lassen – gerade und vor allem in der chemischen Industrie.

Die Kombi – beides vereint

Und dann gibt es ja noch die Kombination aus Ausbildung und Studium: das duale Studium. Dieses bieten inzwischen eine ganze Reihe von Unternehmen in ganz unterschiedlichen Fachrichtungen an: von Wirtschaftsinformatik über Prozesstechnik bis zu Betriebswirtschaft. Die Unternehmen haben ein besonderes Interesse an dualen Studiengängen, da sie auf diese Weise den benötigten Fachkräftenachwuchs nach eigenen Bedürfnissen praxisnah ausbilden können. Sie sichern sich somit bereits vor Ausbildungsbeginn ihre Nachwuchskräfte und nicht erst nach Abschluss der akademischen Ausbildung.

Die Chemie – Eine attraktive Branche

Und warum eine Ausbildung in der Chemie-, Pharma- oder Kunststoffindustrie starten? Ganz einfach, die Branche bietet über 50 verschiedene Ausbildungsberufe – vom Koch über den Chemikant bis zum Mechatroniker -, zahlreiche duale Studiengänge, eine attraktive Vergütung, gute Übernahmechancen und viele weitere betriebliche Zusatzangebote wie Gesundheitsfürsorge, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder betriebliche Altersvorsorge. Je nach Vorliebe finden sich hier sowohl kleine und mittelständische Unternehmen mit familiärer Atmosphäre als auch große Konzerne, die bereits in der Ausbildung Auslandsaufenthalte und vieles mehr anbieten. Es ist also für jeden etwas dabei.

Weitere Infos zur Ausbildung in der Chemie

Elementare Vielfalt: Die Ausbildungskampagne der Chemie-Arbeitgeber

Berufskompass Chemie: Möglichkeiten und Wege nach der Ausbildung

HessenChemie-Ausbildungsplatzbörse: Ausbildungsplätze und duales Studium in Hessen

Provadis Bildungsreport: Argumente und Best-Practice-Beispiele


Jetzt wird’s konkret: Auf dem Weg zum nachhaltigen Lernort

Schon seit einiger Zeit beschäftigen wir uns bei Provadis in der Ausbildung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Über einige Projekte haben wir genau an dieser Stelle bereits berichtet. Jetzt können wir das ganze Thema noch viel „nachhaltiger“ angehen: Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung hat grünes Licht gegeben für das Projekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ (ANLIN), das Provadis gemeinsam mit den Kooperationspartnern Qualifizierungsförderungswerk Chemie (QFC) aus Halle, dem Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft (BBW) aus Wittenberg und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung & Management Services (INB) aus Hannover beantragt hat. Diese Entscheidung bildet für uns eine wichtige Grundlage für das Weiterentwickeln unseres Engagements im Sinne der nachhaltigen Bildung.

Übersicht ANLIN-Projekt von Provadis

Übersicht ANLIN-Projekt von Provadis (PDF als Download)

Das Ziel des am 1. Juni gestarteten Projekts: Zum einen wollen wir die Verbundausbildungsträger und die beteiligten Partnerbetriebe in den beiden Ausbildungsverbünden unter Beteiligung von Ausbildern/innen und Auszubildenden zu nachhaltigen betrieblichen Lernorten weiterentwickeln und verstetigen. Zum anderen sollen Modellversuchsergebnisse im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Chemie-Arbeitgeberverband, IG BCE, VCI, IHK und Berufsschule strukturell im System der beruflichen Bildung verankert werden.

Doch was ist eigentlich ein nachhaltiger Lernort, wie unterscheidet er sich von anderen und wie kann man mit möglichen Widerständen umgehen? Eine unserer Aufgaben wird es sein, ein projektübergreifendes Indikatoren-System zu entwickeln, das genau diese Fragen berücksichtigt und darauf Antworten findet. Im Juni dieses Jahres hat ein erstes Kick-off-Meeting mit allen Partnern stattgefunden, bei dem die Kooperationsvereinbarung finalisiert wurde. Auf der Agenda stehen nun folgende  Produkte, die entwickelt, erprobt und beschrieben werden sollen: ein Leitfaden zur nachhaltigen Entwicklung von Lernorten der beruflichen Bildung, ein Konzept zur Qualifizierung des betrieblichen Ausbildungspersonals, eine mehrstufige Qualifizierung von Auszubildenden sowie ein Verbreitungskonzept nebst Handlungsempfehlungen.

Viele Ideen im Köcher

Wir bei Provadis sind davon überzeugt, dass durch die Erfahrungen mit unseren bisherigen Nachhaltigkeitsprojekten bestens auf diese umfangreiche Herausforderung vorbereitet sind. Das Thema Nachhaltigkeit ist aber nicht nur für uns, sondern zunehmend in allen Industriebetrieben ein wichtiges Thema. Bei den Verbundausbildungsträgern Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft, Wittenberg, und bei uns werden Ausbilder/innen in Train-the-Trainer-Workshops weitergebildet und auf ihre Tätigkeit als Multiplikatoren/innen für Nachhaltigkeit in der Ausbildung vorbereitet. Wir werden Qualifizierungsbausteine für Auszubildende ausgewählter Berufsgruppen entwickeln und erproben. Ergänzend werden Handreichungen für fünfminütige „CSR-Talks“ und E-Learning-Module erarbeitet, anhand derer Ausbilder/innen Nachhaltigkeitsthemen auch zwischen den Qualifizierungsbausteinen behandeln können. In Form von Nachhaltigkeitserkundungen und daraus entstehenden Verbesserungsvorschlägen tragen die Auszubildenden zur nachhaltigen (Um-)Gestaltung ihrer Lernorte bei. Um Transparenz zu schaffen, um die notwendige Unterstützung zu erhalten und Erfahrungen aus verschiedenen Stakeholder-Bereichen einzubinden, wird an beiden Standorten – aber auch standortübergreifend – eng mit Vertretern/innen von Unternehmen, Berufsschule, Kammern, Gewerkschaften und den Chemieverbänden zusammengearbeitet. So trägt das Projekt auch zur Initiative Chemie³ der chemischen Industrie bei.

Das Ausbildungsteam und wir freuen uns auf die dreijährige Projektarbeit und sind uns sicher, dass wir in 2019 konkrete und erprobte Lösungen für die Ausbildung im Sinne der Nachhaltigkeit in der Industrie haben werden.

 

Dr Karsten Rudolf provadis bildung nachhaltigkeit csr hessen chemie

Dr. Karsten Rudolf, M.A. hat Politikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert und im Bildungsmarketing promoviert. Er ist Prokurist bei Provadis – dem Fachkräfte-Entwickler der Industrie und dort zum einen verantwortlich für das Marketing und zum anderen für den Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte, der sich unter anderem mit CSR-, Diversity- und MINT-Projekten beschäftigt. Mit dieser Erfahrung bringt er sich auch in die Verbandsarbeit von HessenChemie, z.B. in Expertenkreisen zu Bildung und politischer Kommunikation ein. Darüber hinaus ist er im Netzwerk „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ des Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aktiv. Dr. Karsten Rudolf ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

 

Marny Schröder, Ausbilderin für Chemie- und Labortechnik, B.Sc, Provadis. FMarny Schröder, B.Sc.rau Schröder koordiniert das ANLIN-Projekt bei Provadis mit zwei weiteren Kollegen. Sie studierte nach der Ausbildung zur Chemielaborantin berufsbegleitend Chemieingenieurswesen. Als Ausbilderin bei Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie im Bereich der Chemie und Labortechnik bereitet sie junge Menschen auf ihr Berufsleben in der chemischen Industrie vor. Zudem ist sie als Prüferin der IHK tätig. Marny Schröder ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und aktuell in Elternzeit.


Ausbildung in der Chemie: vielfältig und wegweisend

Denkt man an die chemische Industrie, so denkt man zunächst an eine Laborsituation, Erlenmeyerkolben oder den einstigen Chemieunterricht. Dabei ist die Branche als forschungsintensive Hightech-Branche mit wegweisenden Produkten vielfältig, modern und zudem – da viele Chemie-, Pharma- und Kunststoffunternehmen tarifgebunden sind – auch sehr attraktiv hinsichtlich Verdienst, Altersvorsorge, Weiterbildung u.v.m. Wer hier arbeitet, hat beste Möglichkeiten, innovative Lösungen der Zukunft mitzugestalten und wird Teil einer Branche, die sich mit der Initiative Chemie3 Nachhaltigkeit im Bereich Ökonomie, Ökologie und Soziales auf die Fahnen geschrieben hat. Interessante und abwechslungsreiche Berufe, moderne und sichere Arbeitsplätze – das bietet eine Ausbildung in der chemischen Industrie.

Chemie-Azubi-Blog: Ausbildung und Unternehmen ganz nah

Der Chemie-Azubi-Blog bietet Schüler/-innen einen Einblick in Ausbildungsberufe und Unternehmen.

Der Chemie-Azubi-Blog bietet Schüler/-innen einen Einblick in Ausbildungsberufe und Unternehmen.

Einen Einblick in die Ausbildung in der Chemiebranche bietet seit dem Frühjahr dieses Jahres der Chemie-Azubi-Blog, der die Vielfalt der Ausbildungsberufe, Unternehmen und deren innovative Produkte in den Vordergrund stellt und jungen Menschen somit einen einmaligen Einblick hinter die Werktore bietet, der sie bei der Berufsorientierung unterstützen soll.

Ins Lebens gerufen wurde der Blog vom Landesverband Rheinland-Pfalz vor drei Jahren. Nun ergänzen neben uns Hessen auch die Kollegen aus den Landesverbänden Baden-Württemberg und Nordost den Chemie-Azubi-Blog mit Geschichten rund um Menschen und deren Arbeitsplätze. Ziel des Blogs ist es, einen besseren Einblick in die unterschiedlichen Ausbildungsberufe zu bieten, aber auch Unternehmen und die Menschen dahinter vorzustellen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen sind für Jugendliche oft unbekannt oder weniger reizvoll, dabei hat eine Ausbildung in familiären Betrieben durchaus Vorteile. Im Chemie-Azubi-Blog berichten Auszubildende aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie großen Konzernen, was ihre Ausbildung aus- und vielleicht auch so besonders macht.

Die Chemie hat viele Gesichter

Ebenso wichtig für die Entscheidung eines Berufes ist die Perspektive, die der Beruf oder das Unternehmen bietet. Deswegen bloggt das Redaktionsteam neben klassischen Ausbildungsthemen auch über Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten, gibt Bewerbungstipps und weist auf Termine, Wettbewerbe und vieles mehr hin. Die Beiträge beantworten häufig gestellte Fragen, wie beispielsweise den Unterschied zwischen Chemikant und Chemielaborant oder worauf Schüler/-innen in einem Bewerbungsgespräch achten sollten.

Der Blog ist eine Ergänzung der bundesweiten Ausbildungskampagne „Elementare Vielfalt“ der Chemiearbeitgeber. Auf www.elementare-vielfalt.de finden Schüler/-innen neben Porträts der wichtigsten Ausbildungsberufe auch eine Börse mit freien Ausbildungsplätzen.

Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände haben die Möglichkeit, sich mit Stories rund um Ausbildung und Unternehmen in den Blog einzubringen. Interessierte Unternehmen aus Hessen wenden sich an Petra Diener unter diener@hessenchemie.de oder Telefon 0611 7106-65.


Fröhliche Azubis, Popcorn und viel Kreativität

Nach vielen Wochen harter Arbeit, einer über 7-stündigen Jurysitzung und gespanntem Warten war es am 12. Mai endlich soweit: die Preisverleihung des Azubi-Wettbewerbs fand statt!

Im Kinopolis Sulzbach feierten die 168 Azubis gemeinsam mit ihren Ausbildern, der Jury und dem Organisationsteam von HessenChemie die Beiträge der insgesamt 38 Teams aus über 17 Unternehmen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Tobias Radloff – bekannt als die „Stimme Wiesbadens“ und durch Hitradio FFH.

Ab 14 Uhr füllte sich das Foyer im Kinopolis mit aufgeregten Azubis und ihren Ausbildern, die vor der Preisverleihung noch die Gelegenheit hatten, sich die Beiträge der anderen Teams anzuschauen. Wie setzten die anderen Teams das Motto „Lebe deine Leidenschaft – Fortschritt durch Chemie, Pharma und Kunststoff“ um und wer gewinnt den begehrten 4-tägigen Segeltörn auf dem Ijsselmeer?

Um 15 Uhr ging es dann wirklich los. Nach einleitenden Worten und kurzen Interviews mit den Projektverantwortlichen, vergaben die Jurymitglieder mit Laudatien die insgesamt 5 Glastrophäen und damit die Gewissheit: Ihr seid dabei beim Segeltörn! Der Moderator Tobias Radloff hatte aber noch eine Überraschung vorbereitet. Im Namen von FFH vergab er einen Sonderpreis: eine exklusive Studioführung mit ihm und 2x 5 Tickets für die einmalige Stadion Show der Magier „Ehrlich Brothers“ in der Frankfurter Commerzbank Arena. Ermittelt wurde das Gewinner-Team durch eine Losziehung direkt vor Ort.

Aber geehrt werden sollten an diesem Tag nicht nur die Preisträger. Die 38 Teams haben mit kreativen Ideen, viel Mühe und Liebe zum Detail bewiesen, dass sie alle Gewinner sind. Und so gab es für alle Teilnehmer als krönenden Abschluss noch die Vorführung eines aktuellen Kinohits – The First Avenger: Civil War – der durch ein Voting der Teilnehmer im Voraus gewählt wurde. So endete die Preisverleihung mit reichlich Popcorn und guter Stimmung 🙂

Und hier die Gewinner

Weitere Bilder auf Flickr: https://www.flickr.com/photos/hessenchemie/albums/72157667616684640

Über den Azubi-Wettbewerb
Der Azubi-Wettbewerb wurde 1985 vom Arbeitgeberverband HessenChemie ins Leben gerufen. Dabei geht es um Kreativität, um aktuelle Themen der Chemie- und Pharmabranche sowie der Kunststoffverarbeitung und vor allem um Teamgeist. Jedes Jahr nehmen über 150 Auszubildende aus unterschiedlichen Ausbildungsberufen der Mitgliedsunternehmen teil und beeindrucken mit tollen Ideen. Die Jury setzt sich aus Vertretern der HessenChemie, aus Mitgliedsunternehmen, der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und der IG BCE zusammen. Bereits zum 21. Mal fand der Azubi-Wettbewerb 2016 statt – bisher immer jährlich, von nun an im Rhythmus von zwei Jahren und im Wechsel mit dem Nachhaltigkeitspreis für Azubis der Initiative Chemie³.

Wir freuen uns schon sehr auf den nächsten Azubi-Wettbewerb im Jahr 2018!

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

 

 

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie