Berufsschulen: Auszubildende vermissen schnelles Internet und moderne Lernbedingungen

Bereits seit Längerem setzt sich HessenChemie für eine Aufwertung der dualen Ausbildung ein. Neben klassischer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit finden hierzu immer wieder Gespräche mit Politikern statt. Zudem investiert der Verband in die Lehrerfortbildung und ist mit eigenen Veranstaltungen und einem Schülerwettbewerb am Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT beteiligt. Soll die Attraktivität der dualen Ausbildung gefördert werden, muss auch die Situation an den Berufsschulen stärker in den Fokus rücken.

Im Sommer 2019 befragte das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität in Frankfurt im Auftrag von HessenChemie 4.415 Auszubildende in den Mitgliedsunternehmen des Verbandes zur Situation an ihren Berufsschulen. 601 vollständig ausgefüllte Fragebögen konnten ausgewertet werden.

Das Ergebnis zeigt in der zusammenfassenden Bewertung, dass auf die Schulträger und das Land Hessen noch große Herausforderungen zukommen. Dies gilt insbesondere für die Ausstattung der Berufsschulen mit moderner Technik, aber auch für die Gebäude. Im Hinblick auf die bauliche Situation gibt es große regionale Unterschiede. Vor allem in den Ballungsräumen wünschen sich die Befragten vielerorts bessere Sanitäranlagen, Schulungsräume und Ausstattung. Insbesondere unzureichend funktionsfähige Heizungen, schlechte Kälte- und Wärmeisolation, altes Mobiliar und mangelhafte Sauberkeit machen Berufsschulen zu einem weniger attraktiven Lernort. Weit oben auf der Mängelliste steht der Nachholbedarf bei der Ausstattung mit schnellem WLAN. 27 Prozent der Auszubildenden haben laut der Umfrage gar keinen Zugang zum Internet. Sie wünschen sich mehr elektronische Medien wie PCs und Laptops für möglichst alle Auszubildenden, die in gutem Zustand sind und gewartet werden. Viele der Befragten sind bereit, ihre privaten Geräte im Berufsschulunterricht einzusetzen.

Neben der baulichen und technischen Ausstattung wurde in der Befragung auch die Qualität des Unterrichts betrachtet. Vergleichsweise zufrieden sind die Befragten mit der Vermittlung von Fachwissen. Immerhin 43 Prozent bezeichnen dieses als gut oder sehr gut. Etwas mehr als ein Viertel erachtet die Wissensvermittlung als befriedigend, allerdings auch 30 Prozent als mangelhaft oder schlecht. Lehrkräfte sollten über mehr Fach- und Praxiswissen verfügen. Zudem wünschen sich die Auszubildenden gut motivierte Lehrer, denen es zugleich gelingt, den Lernstoff interessant zu vermitteln. Dazu gehören auch weniger Frontalunterricht und zum Teil auch weniger Gruppenarbeit. Dafür sollten verstärkt moderne Medien zum Einsatz kommen, mehr selbständiges Lernen möglich sein und die individuellen Voraussetzungen der Auszubildenden besser berücksichtigt werden. Letztendlich würden es viele der Befragten begrüßen, wenn die Unterrichtsinhalte stärker auf die Praxis abgestimmt und die Prüfungsvorbereitung effektiver gestaltet würden.

Bei aller Digitalisierung bleibt der Lehrerberuf auch in der Zukunft wichtig: Auf die Frage, wie Lernen in der Berufsschule in fünf bis zehn Jahren aussehen wird, gaben 92 Prozent der Auszubildenden an, dass sie hier eine Kombination aus elektronischen und traditionellen Lernformen sehen.

Angebot an die Politik

HessenChemie hat angesichts der Umfrage dem Hessischen Kultusministerium ein Angebot zur Zusammenarbeit unterbreitet. Dabei geht es im Kern darum, eine gemeinsame Weiterbildung für Ausbilder und Berufsschullehrer zu entwickeln. Das auf insgesamt zwei Jahre angelegte Projekt wird im Beitrag HESSENbildung.digital genauer vorgestellt.


Mittelstand in Szene gesetzt

Mit dem Begriff Mittelstand sind in der Regel kleine und mittlere Unternehmen gemeint, die bestimmte Grenzwerte bezüglich Umsatz, Beschäftigtenzahl oder Bilanzsumme nicht überschreiten. Es gibt jedoch keine allgemeingültige Definition des Begriffs. Immerhin drei Viertel der Mitgliedsunternehmen von HessenChemie haben weniger als 500 Mitarbeiter und erfüllen damit ein häufig herangezogenes Kriterium. Im Mittelstand gibt es innovative Produkte und interessante Arbeitsplätze. Im Gegensatz zu vielen Großunternehmen und Konzernen sind kleine und mittlere Unternehmen aber bei der Personalsuche häufi g im Nachteil, weil sie weniger bekannt sind.

Was macht den Mittelstand aus?

Im Wettbewerb um Nachwuchs- und Fachkräfte rückt die Arbeitgeberattraktivität immer stärker in den Fokus. Aber was hat gerade der Mittelstand hier zu bieten? In der Filmreihe „Arbeitgeberhelden“, die in Kooperation mit rheinmaintv entstanden ist, hat HessenChemie stellvertretend fünf mittelständische Unternehmen besucht und einen Blick hinter die Werkstore geworfen.

Technoform

An seinem 2019 neu bezogenen Standort in Kassel-Niederzwehren präsentiert sich Technoform von seiner modernsten Seite. Hier stellt das Unternehmen Isolierprofi le für Fenster und Türen her. Als wichtiger Arbeitgeber in der Region Nordhessen sind für das Unternehmen Werte wie Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein besonders relevant. Mitarbeiter werden individuell gefördert. Sie sollen ihr Potenzial voll ausschöpfen und können eigene Ideen einbringen. Dies gilt bereits für Auszubildende, die von Anfang an ins Team eingebunden werden. Zur interkulturellen Ausbildung gehören auch Reisen an andere Firmenstandorte, was die internationale Zusammenarbeit fördert. Für die standortübergreifende Kommunikation setzt Technoform auf modernste Technik. Dies erleichtert zugleich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und erspart unnötige Reisezeiten.

Hennig Arzneimittel

Mit seinen Medikamenten gegen Gleichgewichtsstörungen ist Hennig Arzneimittel Marktführer und in mehr als 30 Ländern vertreten. Der Geschäftsführung ist es wichtig, den 330 Mitarbeitern einen attraktiven, auf Werte basierenden Arbeitsplatz zu bieten. Dazu hat sie 2017 mit den Führungskräften begonnen, die wichtigsten Werte zu bestimmen. Vier wurden am Ende für alle Mitarbeiter verbindlich festgelegt: Respekt, Qualität, Verantwortung und Ehrlichkeit. Darüber hinaus ist das Einbringen der Mitarbeiter, zum Beispiel über Verbesserungsvorschläge, stets willkommen. Diese werden in Arbeitsgruppen diskutiert. So fühlen sich die Mitarbeiter gehört und wert geschätzt.

HEWI – Heinrich Wilke

HEWI feierte im vergangenen Jahr sein 90-jähriges Bestehen. Das Unternehmen ist heute eine innovative Ideenschmiede, die gesellschaftliche Trends aufgreift und umsetzt. Insbesondere für seine barrierefreien Sanitärprodukte ist das Unternehmen aus Bad Arolsen bekannt und zuletzt als Hessen Champion ausgezeichnet worden. HEWI setzt als Arbeitgeber auf flexible Arbeitszeiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und
betriebliches Gesundheitsmanagement. Hinzu kommt eine sinnstiftende Tätigkeit. Um die Begeisterung weiterzugeben, unterhält HEWI ein eigenes Schulungszentrum. Themen wie Inklusion, demografi scher Wandel und generationenübergreifendes Handeln erhalten hier eine geistige Grundlage.

Umicore

Umicore gilt weltweit als Spezialist für Materialtechnologie und Recycling. In Hanau entwickelt das Unternehmen unter anderem Abgaskatalysatoren. Das Management und die Personalleitung verfolgen eine lebensphasenorientierte Personalpolitik, die für die jeweilige Lebenssituation Unterstützungsmaßnahmen bietet. So können die Mitarbeiter beispielsweise ihre Arbeitszeit zur Betreuung der Kinder, zur Pflege der Angehörigen oder für ehrenamtliches Engagement reduzieren. Möglich macht dies unter anderem die sogenannte RV-80-Regelung des Tarifvertrags „Lebensarbeitszeit und Demografie“. Für wichtige Themen, wie die Pflege von Angehörigen, hat Umicore für seine Mitarbeiter eine spezielle Vortragsreihe aufgelegt.

Biotest

600 Millionen Euro hat Biotest in eine neue Produktionsanlage am Standort in Dreieich investiert. Dies bedeutet auch für die Personalabteilung eine große Herausforderung, denn 300 neue Stellen müssen besetzt werden. 1946 gegründet, ist das Unternehmen heute ein Global Player, der lebensrettende Medikamente aus menschlichem Blutplasma herstellt. Die hochqualifizierten Fachkräfte werden permanent in ihrer beruflichen Entwicklung gefördert. Die eigene Kindertagesstätte „Bionest“ ermöglicht die Betreuung von Kindern im Alter von acht Monaten bis zur Einschulung. Die Nähe zur Kita, die langen Betreuungszeiten sowie die innovativen Erziehungsansätze werden von den Mitarbeitern sehr geschätzt und sind ein zentrales Element der Mitarbeiterbindung.


Ausbildung in Zeiten von Corona

am Beispiel des Bildungszentrums von InfraServ Wiesbaden

Ein Interview mit Ausbildungsleiter Bodo Wünsch.


Dipl.-Staatswissenschaftler Bodo Wünsch (53), leitet seit 2018 das InfraServ Wiesbaden Bildungszentrum, das aktuell ca. 300 junge Menschen in zwanzig IHK-Industrieberufen ausbildet.

Nach seiner Zeit als Offizier der Bundeswehr arbeitete Wünsch als Unternehmensberater, danach war er Programmdirektor an der privaten Zeppelin Universität, zuletzt Bildungsmanager in einer EU-Organisation im Energiesektor.


Was hat sich seit dem Lockdown in der Ausbildung geändert?

Weite Teile der theoretischen Ausbildung werden nun auch in eLearning-Formaten bereitgestellt. Dies hatten wir schon längere Zeit vor, es scheiterte aber bisher entweder an den Kosten oder an der Zeit. Wir sind im Tagesgeschäft nur in Teilbereichen dazu gekommen, die Inhalte zu digitalisieren. Der Anbieter unserer jetzigen Lernplattform liefert die zentralen Inhalte gleich mit. Das ist zwar etwas teurer, hat uns aber sehr viel zeitliche Ressourcen gespart. Durch die Corona-Krise hat sich im Hinblick auf die Digitalisierung durchaus einiges beschleunigt.

Die Ausbilder arbeiteten staffelweise teils von zu Hause aus, teils vor Ort, standen aber im permanenten Austausch mit den Auszubildenden. Daraus sind sehr praktikable Wechselpläne entstanden, sodass sich Präsenz und ‚home schooling‘ nun ideal ergänzen.  

Was den betrieblichen Anteil der Ausbildung angeht, reagierten unsere Verbundpartner zu Beginn des Lockdowns unterschiedlich. Ein Teil schickte die Auszubildenden ganz nach Hause ins ‚home schooling‘, andere setzten sie zunächst aufgrund gestiegener Arbeitsaufträge verstärkt im Betrieb ein. Das war möglich bzw. notwendig, weil ja auch die Berufsschulen geschlossen waren. Für uns als Bildungsdienstleister hat sich sonst gar nicht so viel verändert. Es ist allerdings gut, dass wir jetzt wieder starten können und die Auszubildenden auch wieder ins Bildungszentrum kommen dürfen. Wir haben uns schon gegenseitig vermisst.


Welche Herausforderungen beschäftigen Sie derzeit besonders?

Jetzt müssen wir vor allem eine sichere Prüfungsvorbereitung unter den verordneten Hygienebestimmungen sicherstellen. Das Einhalten und Überwachen unserer selbst erstellten Zeit- und Zonenkonzepte – wer kommt wann, welche Gruppen, die Abstände vor Ort – das kostet zusätzliche Zeit. Wir wollen aber, dass alle auslernenden Azubis wie vorgesehen zum Sommer ihren Abschluss erhalten und ihnen von unserer Seite keine Nachteile entstehen. Da gibt es natürlich jetzt auch die eine oder andere Überstunde, aber jeder will sein Prüfungsziel erreichen und alle ziehen an einem Strang.

Eine kleine Herausforderung war auch die Beschaffung von Masken. Wir haben einen Bedarf von 400 Stück in der Woche und die mussten beschafft werden. Hier hat sich aber unser Geschäftsführer persönlich stark eingesetzt, sodass wir zeitgereicht gut versorgt sind.


Welche Maßnahmen planen Sie noch oder wenden Sie bereits an?

Als Ersatz für die ausgefallenen Ausbildungsmessen werden wir ab Anfang Juni regelmäßig online Berufsorientierungs-Chats anbieten. Hier sprechen wir einzelne Schulen an oder gehen auch über die Schulsozialarbeit. Als Gesprächspartner stehen Azubis, Ausbilder oder ich zur Verfügung. Wir produzieren hierfür auch kleine Filmbeiträge zu den einzelnen Ausbildungsberufen. Dann setzen wir im Bewerbermarketing aber auch auf  Social Media und werben in Zeitungsannoncen. Wir starten damit am Donnerstag, den 04. Juni!

Für die Aufnahme der neuen Auszubildenden am 1. September überlegen wir uns auch neue Formate, weil ja eine größere Aufnahmefeier vielleicht noch nicht wieder möglich sein wird. Aber vielleicht ist das mit den kleinen Gruppen auch individueller. Wir werden ein kleines Get-together machen und die Aufnahme und Begrüßung aller neuen Azubis insgesamt auf zwei Tage aufteilen.


Wird sich die Corona-Krise negativ auf das Ausbildungsangebot auswirken?

Bei uns eher nicht. Alle unsere Partnerunternehmen halten an den geplanten Ausbildungsplätzen fest und sparen hier nicht an der falschen Stelle. Die wirtschaftliche Situation im Industriepark Kalle-Albert stellt sich zum Glück aber auch trotz der Corona-Krise überwiegend als sehr stabil dar.

Wie bereits gesagt, besteht allerdings eine Herausforderung im stark eingeschränkten Bewerbermarketing. Wir verzeichneten zwischenzeitlich etwas weniger Bewerberzahlen. Die Schulen legen zudem derzeit den Fokus nicht unbedingt auf Berufsorientierung. Noch Anfang des Jahres hatten wir hervorragende Bewerberzahlen, die jetzt auch wieder zurückkommen. Jetzt wollen wir auch hier neue Wege gehen, um die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen zu erreichen.


Was bleibt an positiven Erkenntnissen für die „Post-Corona-Zeit“?

Die praktische Berufsausbildung vor Ort mit dem Ausbilder „face-to-face“ bleibt trotz aller Digitalisierung schlechterdings unersetzlich. Sehr gut war das gemeinsame pragmatische Vorgehen als Team. Ziel aller Beteiligten war es, schnelle und gute Lösungen zu finden. Den Zusammenhalt des Teams sehe ich gestärkt. Man darf nicht vergessen, dass viele auch familiär und persönlich ganz unterschiedliche, teils schwierige Situationen zu bewältigen hatten. Man kann aber in jedem Fall sagen, dass wir enger zusammengewachsen sind und das obwohl wir weniger vor Ort beisammen waren.

Auch hatte die überwiegende Anzahl der Auszubildenden ein hohes Interesse, am Ball zu bleiben. Die neuen digitalen Angebote werden sehr gut angenommen und wohl dauerhaft eine gute Ergänzung darstellen.


Hat es Sinn, sich jetzt noch für den Ausbildungsstart 2020 zu bewerben?

Das hat nicht nur Sinn, wir fordern junge Menschen geradezu auf, das zu tun! Wir haben noch etliche freie Plätze und können diese noch bis zum 1. September besetzen. Leider kursiert das Gerücht in den Schulen, dass Bewerbungen in der Krise keinen Sinn hätten, weil die Wirtschaft am Boden läge. Für unsere Branche, insbesondere an diesem Standort, gilt das definitiv nicht! Es lohnt auf jeden Fall, sich für einen der 20 überaus krisenfesten Berufsausbildungen im Industriepark Kalle-Albert zu bewerben.

Bei uns gibt es im Grunde keine Bewerbungsfristen. Schulabsolventen, die ihren Einstieg in eine Ausbildung für Herbst 2021 planen, können sich schon jetzt informieren und orientieren. Man kann sich jederzeit online über www.bizka.de bewerben. Wir werden auch 2021 voraussichtlich intern ca. 50 Ausbildungsplätze zu besetzen haben. Wir suchen besonders Chemikanten, Elektroniker, Industrie-, Anlagen- und Konstruktionsmechaniker. Auch Werkschützer sind bei uns gefragt. Und wir bieten noch zwei duale Ingenieur-Studiengänge an. Auch die suchen wir händeringend. Dazu kommen 30 weitere Ausbildungsplätze über Tochtergesellschaften und Fremdfirmen, die wir in Vollausbildung bei uns vor Ort haben, aber nicht selbst einstellen.

Das Interview führte Jürgen Funk.


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How to Webinar!? Tipps zur Vorbereitung und Durchführung von Webinaren

Auch Verbände müssen ihre Angebote für die Mitgliedsunternehmen in Zeiten von Corona neu ausrichten. Bereits kurz nach dem sogenannten Shutdown wurden die ersten Webinare angeboten. Die bisher „größte Veranstaltung“ fand mit 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Eine echte Herausforderung! Natürlich gibt es beim virtuellen Lernen Vieles zu beachten. Wir haben einen Experten gefragt, der uns wertvolle Tipps gegeben hat. Diese wollen wir hier gerne mit Ihnen teilen.

Alexander Schmieden arbeitet schon einige Jahre als externer Referent für uns und bietet im Rahmen der HessenChemie-Akademie Seminare zum Thema digitales Lernen, insbesondere für Ausbilderinnen und Ausbilder, an. Schmieden ist Diplom-Politologe und Lehrbeauftragter an einer Reihe deutscher Universitäten. Als Geschäftsführer der Unternehmensberatung just ask! GmbH ist er zudem Change Management- Experte bei der Implementation digitaler Medien im Berufsalltag sowie für die zielgerichtete Ausbildung von Multiplikatoren. Er berät Verbände und Unternehmen insbesondere bei der Konzeption und dem Rollout der digitalen Transformation ihrer Aus- und Weiterbildung.

Lesen Sie hier seine SIEBEN TIPPS für ein erfolgreiches Webinar:


1. TIPP: KLARE ERWARTUNGEN
Das Setzen klarer Erwartungen zu Beginn eines Webinars hilft den Lernenden, sich in die Inhalte einzuarbeiten und in sie einzutauchen. Er empfiehlt einen genauen Zeitplan, an dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer orientieren können. Sollten bereits im Vorfeld Aufgaben zu erledigen sein oder im Nachgang aufgegeben werden, so müssen klare Fälligkeitsdaten und klare Zuweisungsrichtlinien bekanntgegeben werden. Schließlich ist zu empfehlen, klare Grundregeln und eine Online-Etikette zu vereinbaren.


2. TIPP: FESTLEGEN VON GRUNDREGELN
Wenn sich die Lernenden im digitalen Raum bewegen, ist es wichtig, dass sie sich einer gewissen Online-Etikette bewusst sind. Unser Experte empfiehlt hier einige wichtige Grundregeln, die vor allem Jugendlichen vor Beginn des Online-Lernerlebnisses mittgeteilt werden sollten: Die Teilnehmer sollten 5-15 Minuten im Voraus in den virtuellen Raum kommen. Die Teilnehmer sollten aufgefordert werden das Mikrofon zunächst stumm zu schalten. Während der Online-Veranstaltung sollten die respektvoll und freundlich miteinander umgehen und nichts im Chat posten, wenn sie aufgebracht sind.


3. TIPP: GUTE VORBEREITUNG
Eine erfolgreiche virtuelle Sitzung erfordert eine gründliche Planung und Vorbereitung im Voraus. Als Moderator oder Trainer sollte man sicherstellen, dass vor dem Start alle für die Durchführung des Webinars erforderlichen Hilfsmittel bereit stehen. Hierzu gehören Links, die für Online-Aktivitäten erforderlich sind, Dateien, die mit den Lernenden geteilt werden sollen und Werkzeuge, die für die Bereitstellung visueller Hinweise erforderlich sind. Die Webinar-Einladung sollte rechtzeitig an die Lernenden gesendet werden. Am besten stellt man sicher, dass die Mikrofone der Teilnehmer im Idealfall standardmäßig bereits stumm geschaltet sind. Dies ist vor allem bei größeren Teilnehmerzahlen sinnvoll.


4. TIPP: ENGAGEMENT FORDERN
Eine erfolgreiche virtuelle Sitzung erfordert ein hohes Maß an Energie vom Coach, um die Energie der gesamten Gruppe aufrechtzuerhalten. Alexander Schmieden empfiehlt hier die Teilnehmer immer wieder aktiv zur Teilnahme aufzurufen. Wenn das Energieniveau zu niedrig erscheint, sollte man immer Pausen einlegen. Wichtig sein es zudem trotz der räumlichen Distanz eine auf Gemeinsamkeit gründende virtuelle Lernatmosphäre zu schaffen. In Tandems können zur Abwechslung Gruppenarbeiten durchgeführt werden.


5. TIPP: AM BALL BLEIBEN
Das Verfolgen der Fortschritte der Lernenden und das Geben von Feedback tragen zur Verbesserung der Ergebnisse bei. Stellen Sie sicher, dass Sie auch als Coach Zugang zu den Vorlagen haben, die den Jugendlichen für die Bearbeitung von Aufgaben zur Verfügung gestellt werden. So können Sie Rückfragen schneller beantworten. Geben Sie immer wieder Feedback, um wichtige Materialien, Konzepte und Fähigkeiten zu festigen. Richten Sie zwischen den Aktivitäten angemessene Kontrollpunkte ein, um die Fortschritte der Lernenden im Auge zu behalten.


6. TIPP: REFLEXION AM ENDE
Die Reflexion am Ende jedes Webinars ist ein Schlüsselelement. Deshalb ist es notwendig, die wichtigsten Lernmomente am Ende komprimiert zusammenzufassen, um die Inhalte zu festigen. Erlauben Sie den Lernenden Zweifel und Fragen auf organisierte Weise zu stellen. Sammeln Sie sowohl schnelles Feedback als auch reflektierendes Feedback (Tipp: Verwenden Sie zur Unterstützung zum Beispiel das Tool „Mentimeter“). Darüber hinaus sollten klare Zuweisungsrichtlinien für das selbstgesteuerte Lernen erstellt werden.


7. TIPP: VERFÜGBARKEIT ANBIETEN
Es ist für den Lernerfolg der Teilnehmer förderlich, wenn Sie als Coach im Anschluss noch für Nachfragen zur Verfügung stehen. Kommunizieren Sie ihre Verfügbarkeit und wie der Kontakt erfolgen sollte (z.B. per E-Mail, Chat, etc.). Versenden Sie im Anschluss an die Lerneinheit eine Zusammenfassung der Lektionen und die Aufgaben, die die Teilnehmer  noch zu erledigen haben. Geben Sie zeitnah Feedback, wenn Fragen in Diskussionsforen gestellt werden.


Jürgen Funk

Jürgen Funk ist Geschäftsführer Verbandskommunikation und politische Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecher beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Er verfügt über eine 25-jährige Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, PR-Agenturen, Politik und Bundeswehr. Im Arbeitgeberverband HessenChemie ist er darüber hinaus zuständig für die Berufsausbildungsthemen. Jürgen Funk ist Aufsichtsratsmitglied der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.





Nachhaltigkeit: Vier erfolgreiche Jahre. Weiter geht’s!

Mit Chemie³ haben sich die Chemie-Arbeitgeber, der Wirtschaftsverband VCI und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie vor vier Jahren auf den Weg gemacht. Das Ziel: Nachhaltigkeit als Leitbild in der Branche stärken. Nachhaltigkeit ist demnach kein Projekt oder eine Werbeaktion, sondern ein andauernder Prozess, um nachhaltiges Denken und Handeln in der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie zu verankern. Eine große Aufgabe und ein langer Weg, den die drei Allianzpartner beschreiten wollen. Als Kompass für die Aktivitäten wurden nun neue strategische Ziele für die Zeit von 2018 bis 2022 formuliert.

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Nach vier erfolgreichen Jahren wollen die Chemie-Sozialpartner und der VCI weiter intensiv an dem gemeinsamen Ziel arbeiten und hierbei in den nächsten Jahren Folgendes erreichen:

Vier strategische Ziele

  • Ziel 1: Die Unternehmen haben wesentliche, sichtbare Fortschritte im Sinne der Chemie³-Leitlinien erzielt.
  • Ziel 2: Das Bewusstsein für die Bedeutung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit bei den Beschäftigten der Branche ist gestärkt. Chemie³ unterstützt das betriebliche Engagement durch konkrete Angebote.
  • Ziel 3: Die gleichrangige Berücksichtigung der ökonomischen, sozialen und ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit in der politischen und gesellschaftlichen Meinungsbildung ist gestärkt.
  • Ziel 4: Chemie³ ist bei den externen Stakeholdern bekannt, als glaubwürdiger Dialogpartner anerkannt und auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene mit anderen Nachhaltigkeitsaktivitäten vernetzt.

Auch bei den neuen strategischen Zielen bleiben die Unternehmen im Fokus: Nur wenn sich die Unternehmen verändern, verändert sich auch die Branche. Chemie³ will auch nach außen wirken: immer noch dominiert in Politik und Gesellschaft ein einseitig „grünes“ Nachhaltigkeitsverständnis. Doch Nachhaltigkeit ist der Versuch, die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen, Volkswirtschaften und Gesellschaften im Zusammenspiel von ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen zu denken und entsprechend zu handeln – keine immer ganz leichte Aufgabe. Der Schlüssel hierzu ist ein kontinuierlicher Dialog mit den Stakeholdern der Branche.

Dabei treten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Branche sowie die regionale Ebene nun stärker in den Fokus. Die Beschäftigten der Branche zu „Nachhaltigkeitsbotschaften“ zu machen und in den Prozess von Chemie³ einzubeziehen ist nun ein noch wichtigerer Teil der Aktivitäten. Und auch die föderalen Strukturen in Deutschland spielen eine wichtige Rolle: Sowohl Deutschland als auch die Verbändewelt sind föderal organisiert. Es bietet sich deshalb an, den Austausch und Dialog mit der Politik und der Öffentlichkeit auf verschiedenen Ebenen zu führen: nicht nur europäisch und national, sondern eben auch in den Regionen.

Frühzeitig Handeln und Gestalten

Die Initiative Chemie³ möchte Frühwarnsystem und Veränderungsmotor für die Branche beim Thema Nachhaltigkeit sein. Insbesondere für die kleinen und mittelständischen Unternehmen ist dies eine wichtige Funktion, prasseln doch täglich eine Vielzahl von Themen auf sie ein. Thema Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Wie lässt sich Nachhaltigkeit in die duale Berufsausbildung eines Chemikanten integrieren? Als Projektpartner begleiten die hessischen Chemie³-Allianzpartner am Standort in Frankfurt-Höchst ein Modellprojekt, das genau dies erprobt und Erfahrungen für die ganze Branche sammeln kann: „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie (ANLIN)“. Übrigens: ANLIN wurde vor Kurzem von der UNESCO ausgezeichnet und ist nun Teil des Weltaktionsprogramms für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Mit einer gemeinsamen Einrichtung der Chemie-Sozialpartner verfügt Chemie³ über eine Bildungseinrichtung, die die Nachhaltigkeitsthemen direkt an die Fach- und Führungskräfte sowie die Betriebsräte bringt. Mit den Veranstaltungen auf regionaler Ebene können gemeinsam ganz praktische Lösungen diskutiert und Anregungen für das eigene Unternehmen und das eigene Arbeitsumfeld gewonnen werden. In Hessen haben sich die letzten beiden So.WIN-Veranstaltungen (Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit) zur betrieblichen Gesundheitsförderung und zu den Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung beschäftigt.

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Aber auch das Thema Lieferkette wird immer wichtiger: Die Politik erwartet, dass die Unternehmen hier stärker für Transparenz sorgen. Chemie³ hat dies erkannt und entwickelt derzeit einen Leitfaden für ein Lieferketten-Management. Die Nachhaltigkeitsinitiative ist also ein lernendes System, das auf der Höhe der Zeit sein will und entsprechende Angebote entwickelt. Bei aller Veränderung bleibt sich Chemie³ damit treu: Statt von außen reguliert zu werden, machen wir unsere Hausaufgaben lieber selbst. In Sachen Transparenz haben sich die drei Allianzpartner in einem intensiven Prozess auf 40 Fortschrittsindikatoren verständigt, die derzeit mit Zahlen gefüllt werden. Im Laufe des Jahres 2018 werden diese vorgestellt und sollen zur besseren Nachvollziehbarkeit der Beiträge der chemischen Industrie für eine nachhaltige Entwicklung beitragen.

 

 


Bildung für nachhaltige Entwicklung – Ein Beispiel aus der Chemie-Branche

Heute beginnt in Berlin der Agendakongress zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), den das Bundesministerium für Bildung und Forschung wieder ausrichtet. In diesem Jahr steht der Nationale Aktionsplan BNE im Zentrum der Konferenz in Berlin. Dass Bildung für nachhaltige Entwicklung auch ein Thema für Unternehmen und ihre Mitarbeiter ist, zeigte eindrucksvoll das Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. Novemeber 2017 in Wiesbaden. Der Veranstalter – Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH – stellte hier ein vom Bundesinstitut für Berufsbildung gefördertes Projekt vor. Angeregt diskutierten die ca. 70 Experten aus Unternehmen, Verbänden, Berufsschulen und der Politik das im Modellprojekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie (ANLIN)“ entwickelte Umsetzungskonzept.

Nachhaltigkeit wichtig zur Fachkräftesicherung
Warum ist das Thema Nachhaltigkeit von so großer Bedeutung für Unternehmen? Darüber sprach Dr. Werner Sievers, Leiter Wirkstoffproduktion Chemie am Standort Frankfurt bei Sanofi Aventis Deutschland. Der unternehmerische Erfolg hänge auch von der Übernahme gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung ab. Für Arbeitnehmer würden diese Themen immer wichtiger. Daher spiele Nachhaltigkeit unter anderem bei der Fachkräftesicherung eine Rolle.

„Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem und jeder Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Genau deshalb wurde in diesem Jahr der Nationale Aktionsplan „Bildung zu nachhaltiger Entwicklung“ (BNE) verabschiedet. Damit die Umsetzung in der Schule auch gelingt, stellen wir allen Schulformen Beratungsangebote für die Erarbeitung und Umsetzung pädagogischer Konzepte zur Verfügung und unterstützen sie bei den verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit im Rahmen der Schulentwicklung“, erklärte der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel.

Aber auch in der beruflichen Bildung sei das Thema essentiell, betonte Barbara Hemkes, Leiterin des Arbeitsbereichs Qualität, Nachhaltigkeit, Durchlässigkeit des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Hier liege die Herausforderung darin, die Betriebe und Unternehmen zu nachhaltigen Lernorten zu machen. Das durch das BIBB aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte
Projekt ANLIN der Partner Provadis, BBW Wittenberg, Qualifizierungsförderwerk Chemie und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung und Management-Services sei hierfür ein sehr wichtiger und erfolgversprechender Schritt.

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Wichtiges Modellprojekt in der Ausbildung
Für den Bildungsdienstleister Provadis spielt Nachhaltigkeit in der Aus- und Weiterbildung bereits seit einiger Zeit eine wichtige Rolle. „Bei unseren Kunden gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund sind wir nicht nur als nachhaltiges Unternehmen zertifiziert, sondern haben zukunftsfähiges Denken und Handeln auch inhaltlich in unsere Aus- und Weiterbildung integriert“, betonte Provadis-Geschäftsführer Dr. Udo Lemke.

Eines dieser Modellprojekte aus dem Bereich Ausbildung, ANLIN (Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie), stellten Marny Schröder, Projektleiterin für Bildungs- & Forschungsprojekte bei Provadis, und Franziska Massa, Projektreferentin, Qualifizierungsförderwerk Chemie, vor. „Unsere Erfahrungen mit dem ersten Ausbildungsjahrgang, der das Projekt bereits durchlaufen hat, zeigen, dass wir ein Konzept entwickelt haben, mit dem wir die Auszubildenden sehr gut erreichen und mitnehmen können“, so Schröder. Auch Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation, Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V., lobte das Projekt als wichtigen Teil von Chemie³ , der Nachhaltigkeitsinitiative der chemischen Industrie. Beim Thema Nachhaltigkeit sei der Mensch ganz entscheidend. Hier leiste ANLIN einen sehr wertvollen Beitrag, die zukünftigen Mitarbeiter hierfür zu gewinnen.

Am Standort in Frankfurt-Höchst wird das Projekt auch von den regionalen Chemie³-Allianzparnter, dem Arbeitgeberverband HessenChemie, dem Verband der chemischen Industrie Hessen (VCI Hessen) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hessen-Thüringen begleitet. Weitere Informationen zum Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung sind abrufbar unter www.bne-portal.de/bundesweit/nationaler-aktionsplan, Informationen zum Projekt ANLIN unter www.provadis.de/anlin sowie zur Initiative Chemie³ unter www.chemiehoch3.de.


Berufliche Bildung als Treiber für Nachhaltigkeit – Erfahrungsaustausch am 2. November 2017 in Wiesbaden

Welche Rolle die berufliche Bildung als Treiber für eine nachhaltige Entwicklung in Unternehmen spielt, erfahren die Teilnehmer des Fachforums „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017 in Wiesbaden. Erste Einblicke in das Projekt „ANLIN – Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ bietet der Provadis Bildungsreport Nachhaltigkeit.

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Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017

Das Fachforum findet am

Donnerstag, 2. November 2017

von 10:00 bis 15:00 Uhr

im Hessenchemie Campus

statt.

Die Teilnehmer erwartet ein Grußwort von Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel. Die unternehmerische Dimension von Nachhaltigkeit stellt Dr. Matthias Braun von Sanofi-Aventis Deutschland vor. Im Zentrum der Veranstaltung stehen dann die Ergebnisse und Erfahrungen des geförderten Modell-Projektes ANLIN, die mit den Projektbeteiligten und den anwesenden Ausbildungs-, CSR- und Nachhaltigkeits-Verantwortlichen sowie weiteren interessierten Teilnehmern diskutiert werden.

Weitere Informationen zum Programm sowie die Anmeldung sind auf der Hessenchemie-Internetseite oder auf der Internetseite von Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie zu finden. Die Teilnahme ist kostenfrei und die Anmeldung bis zum 20. Oktober 2017 möglich. Das Fachforum ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³.

Weitere Informationen zu dem Projekt ANLIN sind hier oder hier abrufbar.


Der Mensch bleibt Mittelpunkt der Arbeitswelt

Hessische Sozialpartner diskutieren bei So.Win-Treffen über die digitale Zukunft der Arbeit

„Der Mensch ist Mittelpunkt der Arbeitswelt und wird das in Zukunft auch bleiben“, lautet die Einschätzung von Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation, Nachhaltigkeit beim Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), gleich zu Beginn der zweitägigen Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN). Ende August hatte der Arbeitgeberverband HessenChemie zusammen mit dem IG BCE Landesbezirk Hessen-Thüringen rund 30 Betriebsräte und Führungskräfte zum gemeinsamen Workshop nach Wiesbaden eingeladen, um sich über die Digitalisierung der Arbeitswelt auszutauschen.

„Es ist wichtig, dass die Chemie-Sozialpartner gemeinsam über die Veränderungen der Arbeitswelt diskutieren, um den Wandel konstruktiv und gemeinsam zu gestalten“, betonte Ogrinz mit Blick auf den auf Bundesebene begonnenen Dialog-Prozess „Work@industry 4.0„. Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter im IG BCE Landesbezirk Hessen-Thüringen und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer der HessenChemie, unterstützen diese Stoßrichtung. Auch die hessischen Sozialpartner wollen die anstehenden Aufgaben gemeinsam angehen.

„Es gilt, die Potenziale und Chancen der Digitalisierung für unsere Branche und ihre Beschäftigten zu nutzen. Dazu gehört auch die notwendige Debatte über die richtige Balance bei der flexiblen Ausgestaltung von Arbeit und Arbeitszeit. Bei den anstehenden Veränderungen wird die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter ein entscheidender Faktor sein“, so Meyer. Das orts- und zeitunabhängige Arbeiten bietet zum Beispiel neue Möglichkeiten für viele Mitarbeiter und für die Unternehmen. Dabei gehen beide Seiten davon aus, dass der Mensch weiterhin im Zentrum der Arbeitswelt stehen wird, auch wenn sich manche Tätigkeiten verändern werden. Dies sah auch Osman Ulusoy so und wies zusätzlich auf den Wandel der Betriebsratsarbeit hin: „Der Umgang mit Daten wird in einer vernetzen Arbeitswelt an Bedeutung gewinnen. Auch die Betriebsräte müssen das notwendige IT-Know-how aufbauen, um ihre Aufgaben kompetent wahrnehmen zu können“, so Ulusoy.

v.l.n.r.: Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen; Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie und Daniel Schubert, Referent Nachhaltigkeit und politische Kommunikation, HessenChemie. Quelle: So.WIN/Arne Landwehr

Die duale Ausbildung in Deutschland als Basis für Innovation

Professor Dr. Sabine Pfeiffer, Soziologin an der Universität Hohenheim, fasste die Diskussion zur Digitalisierung auf globaler, aber auch auf nationaler Ebene zusammen. Lange Zeit lautete die Botschaft, die Industrie sei ein Auslaufmodell. Erst mit dem Begriff „Industrie 4.0“ rückte die Industrie in Deutschland wieder stärker in den Fokus. Die anfangs stark technisch geprägte Diskussion sei insbesondere durch den von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles angestoßenen Dialog-Prozess und das vom Ministerium veröffentlichte Weißbuch „Arbeiten 4.0“ um den Aspekt der Arbeitswelt bereichert worden.

Der hohe Anteil an gut ausgebildeten Fachkräften in Deutschland bildet nach Ansicht von Sabine Pfeiffer eine solide Basis für die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringe. Schon heute greifen gut ausgebildete Facharbeiter immer wieder steuernd in komplexe Arbeitsprozesse ein. Die duale Ausbildung und das im Arbeitsprozess erworbene Erfahrungswissen ließen sich nur schwer ersetzen, betonte sie dabei. Darüber hinaus verkennen viele, insbesondere aus den USA stammende Studien, die Realitäten hier in Deutschland. Einen massenhaften Arbeitsplatzverlust sieht die Wissenschaftlerin nicht, wenngleich es zu Veränderungen in vielen Branchen kommen werde.

Unverzichtbar: Vertrauen und eine offene Unternehmenskultur

Wie sich ein Unternehmen den Chancen und Herausforderungen einer sich verändernden Arbeitswelt stellt, schilderten Thomas Pein, Head of Employment Policies, und Charles Hübler, Betriebsrat, in ihren Ausführungen am Beispiel der Merck KGaA. Für die zukünftige Arbeitswelt bedürfe es eines Kulturwandels im gesamten Unternehmen. Denn neue Arbeitsformen und -modelle stellten gleichermaßen auch neue Anforderungen an Mitarbeiter und Vorgesetzte. Ohne Vertrauen auf beiden Seiten, also zwischen Mitarbeiter und Führungskraft sowie zwischen Betriebsrat und Unternehmen, ginge es nicht. Die gelebte Sozialpartnerschaft sei hier eine tragende Säule für die Gestaltung des Wandels.

Weitere Bilder und Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie auf Flickr: https://flic.kr/s/aHsm9wZ3rv .


Nachhaltigkeitspreis: Noch 10 Tage…

Während die Auszubildenden und Dual-Studierenden an ihren Beiträgen für den zweiten Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen pfeilen, arbeiten HessenChemie, der VCI Hessen und die IG BCE Hessen-Thüringen an der Vorbereitung der Preisverleihung. Noch zehn Tage haben die Jugendlichen bis sie ihre Beiträge eingereicht haben müssen. Auch wir sind schon ganz gespannt, welche Ideen sie sich zu unserem diesjährigen Motto

Industrie 4.0 – Digitalisierung aus der Perspektive der Jugend!

gemacht haben.

Mit vielen Schlagworten werden die Veränderungen durch die zunehmende Vernetzung von Geräten beschrieben: Smart Home, Smart Factory, Wirtschaft 4.0, Industrie 4.0, Arbeiten 4.0…. Doch wie sehen die Jugendlichen die Veränderungen und, noch wichtiger: wie wollen sie diesen Wandel gestalten. Mit dem Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen sind die Auszubildenden aufgefordert, ihre Vorstellung von einem Unternehmen der Zukunft darzustellen und erste Schritte für den Weg in die Zukunft aufzuzeigen.

Ganz gespannt sind wir bereits auf die Beiträge der Auszubildenden und Dual-Studierenden der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoffverarbeitenden Industrie. Gemeinsam mit den Jugendauszubildendenvertretern, die bereits das Titelbild für unseren tollen Flyer beigesteuert haben (noch einmal vielen Dank hierfür!), machen wir uns in dieser Woche Gedanken zum Ablauf und Programm der Preisverleihung.

Der Termin steht fest: am 21. April 2017, nachmittags, wird die Preisverleihung in Wiesbaden stattfinden. Auch steht fest, dass es wieder eine Preisverleihung für alle Teilnehmer sein wird. Gemeinsam mit ihren Personalleitern, Ausbildungsverantwortlichen, Geschäftsführern und Betriebsräten können die Gruppen dann gespannt der Verkündung der Gewinner entgegenfiebern. Eine Einladung versenden wir rechtzeitig vor der Veranstaltung an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Allen Auszubildenden und Dual-Studiernden wünschen wir gutes Gelingen bei ihren Projekten! Kurzentschlossene finden die Informationen zum Nachhaltigkeitspreis und die Teilnahmebedingungen auf www.chemiehoch3.de oder auf www.hessenchemie.de.


Digitalisierung und Industrie 4.0 – Chancen und Herausforderungen

Ich sitze im Büro in Wiesbaden und kann über einen Live-Stream und Twitter die Abschlusskonferenz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zum Dialog-Prozess Arbeiten 4.0 verfolgen, die Diskussion auf Twitter kommentieren. Die Digitalisierung verändert die Gesellschaft und auch die Wirtschaft. In der aktuellen Konjunktur-Umfrage von HessenChemie gaben fast 49 Prozent der befragten Unternehmen an, sich bereits heute „intensiv“ mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen. Für 43 Prozent ist dies immerhin „am Rande“ bereits ein Thema.

In der digitalen Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinweg steckt ein großes Innovationspotenzial für die chemisch-pharmazeutische und Kunststoffverarbeitende Industrie. Neue Geschäftsmodelle können entstehen und eine nachhaltige Steigerung der Produktivität können helfen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Darin liegen große Chancen für die Branche. Der Veränderungsprozess Digitalisierung stellt neue Anforderungen an die Mitarbeiter (Stichworte: Qualifizierung, Aus- und Weiterbildung). Neben fundierten Fachkenntnissen und beruflichem Erfahrungswissen werden vernetztes Denken, interdisziplinäre Kompetenzen und virtuelle Zusammenarbeit (siehe oben; Videokonferenzen, Chats, uvm.) immer wichtiger.

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) haben im Oktober den Dialog-Prozess „Work@industry 4.0“ angestoßen. MIt dem Dialog der Chemie-Sozialpartner soll der Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung gemeinsam von Arbeitgebern und Gewerkschaft gestaltet werden.

Als Arbeitgeberverband interessieren uns vor allem die Auswirkungen auf die Zukunft der Arbeit (wie sie gerade auch in Berlin auf der Abschlusskonferenz des BMAS diskutiert wurden). Mit einer empirischen Studie zur „Digitalisierung der Arbeitswelt in der hessischen Chemie“ wollen wir zu einer faktenbasierten Betrachtung der Herausforderungen und Chancen beitragen. Am 24. Oktober 2017 werden diese Ergebnisse dann im Rahmen der 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik im Kurhaus Wiesbaden vorgestellt.

Das HessenChemie-Positionspapier zur „Digitalisierung und Industrie 4.0 – Chance und Herausforderung“ finden Sie hier. Darüber hinaus hat die Präsidentin des BAVC, Frau Margret Suckale, das Buch „Chemie digital“ zu diesem Thema herausgegeben.