Gleiche Chancen für alle: Azubis helfen Azubis – ein neues Lernsetting!

Unsere Gesellschaft ist heute in vielen Bereichen auf Leistung „getrimmt“. Nur die Besten setzen sich durch und kommen weiter – stimmt das wirklich noch, oder sind wir nicht vielmehr dabei zu erkennen, welche große Bedeutung die Werte Teamfähigkeit, Kollegialität und Gemeinschaftssinn haben, um erfolgreich zu sein? Denn Leistung definiert sich vielfältig und beinhaltet ja nicht nur fachliche Qualitäten.

Im Rahmen von Corporate Social Responsibility (CSR), der gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung von Unternehmen, werden vielerorts zunehmend Projekte umgesetzt, die zeigen, wie wichtig es ist, im Arbeitsumfeld mit Respekt den Fähigkeiten jedes Einzelnen zu begegnen und gemeinsam im Team zu arbeiten. Auch wir bei Provadis haben mit unseren eigenen CSR-Projekten positive Erfahrungen gemacht und festgestellt, dass gerade junge Menschen sich sehr gern solidarisch anderen gegenüber verhalten, zum Beispiel wenn es um das Thema Chancengleichheit geht.

CSR in der Ausbildung

In einem in der Branche bisher einmaligen Modell haben wir mit Unterstützung der Chemie-Sozialpartner im Rahmen der Chemielaboranten-Ausbildung 2014 erstmals mit 16 Teilnehmern ein Projekt umgesetzt, bei dem die Lehrbriefmethodik und ein Tutorenmodell im Mittelpunkt standen. Ziel war es, lernschwächere Auszubildende gleich zu Beginn zu unterstützen, Defizite zu erkennen und sie „nicht alleine zu lassen“. Je vier Teilnehmer wurden einem Tutor – einem Auszubildenden aus dem zweiten Ausbildungsjahr – zugeordnet. Durch eine Schulung auf ihr Tutorenamt vorbereitet, begleiteten diese engagierten jungen Leute die Projektteilnehmer in kleinen Lerngruppen und unterstützten sie beim Umsetzen der Lehrbriefaufgaben. Dabei waren sie vollkommen frei in ihrer Terminplanung und Organisation. Einige Gruppen trafen sich sogar freiwillig in ihrer Freizeit.

Evaluation des Projekts

Bei der Evaluation des Projektes Ende 2014 waren wir beeindruckt von der positiven Gesamtbewertung und der Tatsache, dass das Tutorenmodell das Highlight des Projektes war. Viele Teilnehmer fühlten sich in ihrem Lernmanagement unterstützt und profitierten persönlich von dem Modell des Lehrbriefs mit tutorieller Begleitung für die weitere Ausbildung. Und auch die Tutoren gaben an, dass sie viel dazugelernt haben – menschlich, fachlich und persönlich.

Das „Projekt Chancengleichheit“ hat uns aber auch wieder verdeutlicht: Es ist heute und in Zukunft immer wichtiger verstärkt in Bildung zu investieren. Denn jeder hat eine Chance verdient, sich im Leben weiterzuentwickeln. Wir bei Provadis haben das erfolgreiche Lernmodell jetzt fest in unsere Chemielaborantenausbildung integriert.

 

Jürgen Möller, Dipl. Ingenieur, Projektleiter im Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte bei Provadis / Foto: Provadis

Jürgen Möller, Dipl. Ingenieur, Projektleiter im Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte bei Provadis / Foto: Provadis

Jürgen Möller, Dipl. Ingenieur, hat Biomedizintechnik nach einer Ausbildung als Biologielaborant studiert. Er ist Projektleiter im Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte bei Provadis der sich unter anderem mit CSR-, Diversity- und MINT-Projekten beschäftigt. Mit den Erfahrungen aus vielen beruflichen Stationen und aus Gremienarbeiten bringt er sich auch in die Verbandsarbeit von HessenChemie ein. Darüber hinaus ist er im Netzwerk „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ des Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aktiv. Jürgen Möller ist verheiratet und sowohl Vater einer Tochter und eines Sohnes als auch Großvater von einer Enkelin und einem Enkel.


Azubis und CSR: Früh Bewusstsein schaffen

Ist Corporate Social Responsibility eigentlich nur ein Thema für Führungskräfte? Wie gehen junge Menschen damit um, und ist es sinnvoll, Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen schon innerhalb der Ausbildung zu behandeln?

Neugier bei den Azubis wecken

Weil wir bei Provadis dazu eigene Erfahrungen sammeln und auch unsere bereits vorhandene Expertise Projektpartnern zur Verfügung stellen wollten, haben wir in einem von der EU und der Bundesregierung geförderten Programm einen zweitägigen CSR-Pilotworkshop konzipiert und durchgeführt. Projektträger war das Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH (QFC). Ziel unseres Workshops war, bei den Azubis schon im ersten Ausbildungsjahr Neugier für das Thema Nachhaltigkeit zu wecken, eine Grundsensibilisierung und ein Grundverständnis für CSR zu erreichen.

Wir waren von Anfang an sehr gespannt und skeptisch, wie intensiv junge Leute mit diesen Fragen umgehen. Doch zu unserer großen Überraschung kannten sich bereits viele mit dem Thema Nachhaltigkeit aus. Nachdem wir zunächst über den Begriff Corporate Social Responsibility und über die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales im Ganzen gesprochen hatten, diskutierten wir mit den jungen Leuten auch über erfolgreiche Wege in der CSR-Kommunikation. Ein Best Practice-Beispiel dafür: die Initiative Papilio zur frühzeitigen Sucht- und Gewaltprävention in Kitas.

Sozial- und ökologisch verantwortliche Produktion

Ein wichtiges Thema unseres zweitägigen Workshops, in dem die Azubis auch in kleinen Gruppen arbeiteten, war die Einführung in eine sozial- und ökologisch verantwortungsbewusste Produktion. Die Azubis hatten den Arbeitsauftrag, sich dabei speziell mit Fragen der Energieeffizienz zu beschäftigen. Sie erfuhren nicht nur viel darüber, wie Provadis ökologisch bewusst arbeitet, sondern sollten auch selbst sinnvolle Maßnahmen entwickeln. Es war faszinierend und toll zu beobachten, wie aktiv und kreativ die Chemielaboranten im Workshop an die Sache herangingen, obwohl sie ja noch nicht in den Unternehmen gearbeitet hatten. Viele berichteten im Laufe des Workshops auch über das eigene Engagement für Nachhaltigkeit im privaten Bereich. Damit der Workshop keine „Eintagsfliege“ bleiben und sich die Azubis im Nachgang weiter mit dem Thema Energieeffizienz beschäftigen konnten, haben wir darüber hinaus einen Lehrbrief entwickelt, der das Thema auch ganz konkret auf die betriebliche und private Lebenssituation bezieht und in kleinen Teams in zwei bis drei Wochen durchgearbeitet worden ist.

Zusammenhänge erkennen, Gedankenanstöße mitnehmen

Sehr gefreut hat uns das überaus positive Feedback der Teilnehmer während und nach der Veranstaltung. So sagten einige, dass sie wertvolle Anstöße bekommen haben und jetzt den Gesamtzusammenhang in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt viel besser verstehen. Durch den Workshop bin ich jetzt in der Lage, sagte ein Azubi, an meinem Arbeitsplatz im Unternehmen entsprechende Zusammenhänge zu erkennen und das Wissen auch anzuwenden. Eine Auszubildende meinte, es wäre gut, wenn sich alle Firmen Gedanken machen würden, wie man zufriedenere Mitarbeiter bekommen könnte und dass sie glaube, Begriff und Inhalte von Corporate Social Responsibility seien noch nicht ausreichend bekannt. Dabei wäre es so wichtig, weil jeder Einzelne individuell zum Klimaschutz beitragen könne. Ein Auszubildender brachte es auf den Punkt: Er meinte, dass jeder ein Teil von CSR sei und dass man schon während der Ausbildung am Arbeitsplatz Strom sparen, im Labor nicht verschwenderisch arbeiten oder den Müll trennen könne.

Positive Erfahrungen mit dem Pilotworkshop

Nach diesen ersten überraschend positiven Erfahrungen bin ich davon überzeugt, dass man so früh wie möglich das Bewusstsein bei den Auszubildenden für die Relevanz von CSR schärfen sollte. Wichtig ist dabei, den Bezug zum betrieblichen Alltag herzustellen. So könnte man auch beispielweise Unternehmensvertreter zu einem weiteren Workshop einladen. Denn je mehr Praxisbezug geboten wird, umso besser engagieren sich die Azubis.

Nachhaltigkeit und ganzheitliches Denken ist heute schon bei den jungen Leuten ein wichtiges Thema und wird für sie als zukünftige Mitarbeiter immer wichtiger. Ich empfehle allen Verantwortlichen in den Betrieben, die jungen Leute ernst zu nehmen und nicht zu vergessen, wie entscheidend sie zum Unternehmenserfolg bereits heute und vor allem in ihren zukünftigen Rollen beitragen. Provadis jedenfalls bleibt für seine Kundenunternehmen und die ihr anvertrauten Auszubildenden weiter dran.

 

 

Marny Schröder, B.Sc.Marny Schröder, Ausbilderin für Chemie- und Labortechnik, B.Sc, Provadis,

studierte nach der Ausbildung zur Chemielaborantin berufsbegleitend Chemieingenieurswesen. Als Ausbilderin bei Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie im Bereich der Chemie und Labortechnik bereitet sie junge Menschen auf ihr Berufsleben in der chemischen Industrie vor. Zudem ist sie als Prüferin der IHK tätig. 

Marny Schröder ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und aktuell in Elternzeit.

 


Jugendlichen mit schweren Startbedingungen eine Chance geben

Für die chemische Industrie sind qualifizierte Mitarbeiter ein ganz besonders wichtiges Kapital. Das Engagement für den Erhalt und die Weiterentwicklung des dualen Ausbildungssystems, die Bildungsförderung im Sinne des lebenslangen Lernens sowie die Weiterqualifizierung der Beschäftigten gehören daher zu einer unserer zentralen Aufgaben.

Neben den vielen Seminaren und Lehrgängen, die wir für Mitarbeiter unserer Mitgliedsunternehmen anbieten, liegt uns der Nachwuchs sehr am Herzen. So unterstützen wir Grundschulen mit der Chemiekiste und die Science Camps für Kinder bis 12 Jahre. Seit zwei Jahren engagieren wir uns für die Initiative Joblinge, die jungen Menschen mit schlechten Voraussetzungen hilft, eine Ausbildung oder einen Job zu finden.

In Deutschland sind die soziale und familiäre Herkunft sowie die Kenntnis der deutschen Sprache nach wie vor maßgebend für eine gute Ausbildung. Noch immer hat fast jedes dritte Kind schlechtere Bildungschancen, weil es aus einer erwerbslosen, armutsgefährdeten oder bildungsfernen Familie kommt. Auch besteht zwischen den Bildungserfolgen deutscher und ausländischer Jugendlicher noch immer eine erhebliche Diskrepanz. Laut dem Bildungsbericht 2014 landeten 2013 fast die Hälfte der ausländischen Jugendliche beim Zugang zur Berufsausbildung im sogenannten Übergangssystem, das als berufsvorbereitendes Jahr den Übergang von der Schule in eine Ausbildung erleichtern soll. Von den deutschen Jugendliche betraf dies nur jeden Vierten.

Um diese jungen Menschen zu unterstützen und in eine Ausbildung und damit sicherere Zukunft zu begleiten, unterstützen wir als HessenChemie die Joblinge. Die Initiative wurde 2007 als gemeinsame Initiative der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG und The Boston Consulting Group GmbH (BCG) gemeinsam mit Experten aus Politik, Wirtschaft und gemeinnützigem Sektor ins Leben gerufen. Heute gibt es 12 Standorte, weitere sind geplant.

Das Besondere an dem Programm ist das Förderung und Fordern. In einem 6-monatigen Programm lernen die jungen Menschen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen, was es heißt zuverlässig zu sein und für seine eigenen Wünsche und Erwartungen auch selbst etwas zu leisten. Dabei werden sie von Mitarbeitern der Joblinge und einem persönlichen Mentor begleitet, der sie auf dem Weg unterstützt und reflektiert. Partnerunternehmen ermöglichen den Jugendlichen über ein sechs- bis achtwöchiges Praktikum erste Erfahrungen im betrieblichen Alltag zu sammeln, die sozialen Kompetenzen zu festigen und fachliche Qualifikationen zu erwerben. Die Erfolgsquote gibt der Initiative Recht; 70 Prozent der Teilnehmer/-innen können in reguläre (d.h. ungeförderte betriebliche) Ausbildung vermittelt werden, davon sind circa 80 Prozent nach 6 Monaten weiterhin in Ausbildung. 2014 wurden die Joblinge von der Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Integrationsprojekt des Jahres“ ausgezeichnet, 2013 erhielt gab‘s den Fairness-Initiativpreis.

HessenChemie unterstützt die Initiative als Aktionär und Partner. Zahlreiche Mitarbeiter unterstützen die Joblinge als persönliche/-r Mentor/-in über einen Zeitraum von 6 Monaten und helfen ihnen, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. In der letzten Mitarbeiterversammlung stellten drei Kolleginnen das Projekt und ihre Arbeit als Mentorinnen vor. Dabei konnte man sehen, wie sehr ihnen „ihr“ Jobling am Herzen liegt und wie stolz sie sind, einigen bereits erfolgreich zu einer Ausbildung verholfen zu haben.

Wenn ich Ihnen jetzt die Initiative schmackhaft gemacht habe und Sie auch Lust haben, sich für einen jungen Menschen zu engagieren, schauen Sie auf www.joblinge.de. Es werden immer Unterstützer gesucht!


Ein Name, der hält was er verspricht

Joblinge WiesbadenJobling… diesen Begriff findet man nicht im Duden und auch nicht in Wikipedia. Es ist ein Kunstwort, eine kreative Schöpfung, die das Programm der gleichnamigen Initiative auf den Punkt bringt. Mit Hilfe zur Selbsthilfe können und sollen Jugendliche mit weniger guten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt dennoch ihren Traumjob finden und als Lehrling in eben diesen einsteigen. Für viele der mittlerweile über 1500 teilnehmenden Jugendlichen in den letzten 10 Jahren eher unvorstellbar, weil ein viel zu wenig (be)greifbarer Gedanke. Weiterlesen


Mit den Joblingen zum Job

Ziemlich genau vor einem Jahr stellten wir hier in unserem Blog die Joblinge vor, eine aus der Wirtschaft hervorgegangene nachhaltige Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit.  Die Niederlassung in Frankfurt/Main gibt es mittlerweile seit gut 2 Jahren und die erreichten Ergebnisse sind so positiv, dass in Hessen als bundesweites Pilotprojekt eine Filialisierung gestartet wurde. Der Standort in Offenbach ist schon aktiv, in Wiesbaden und an der Bergstraße wird der Startschuss im Juli fallen. Woran liegt es, dass dieses Konzept so erfolgreich ist? Weiterlesen


Werteorientiertes Personalmarketing

Kürzlich habe ich an einem Seminar zum Thema „Werteorientiertes Personalmarketing“ teilgenommen. Es geht darum, neue Strategien im Personal- und Ausbildungsmarketing zu entwickeln und dabei den Bewerber in den Mittelpunkt zu rücken. Viele spüren bereits heute einen Fachkräftemangel und suchen nach Wegen, geeignete Mitarbeiter zu finden. Der Weg hin zur Öffnung über das World Wide Web bzw. Social Media ist dabei noch mit vielen Fragezeichen verbunden. Weiterlesen


Studienabbrecher: Ein ungehobener Schatz bei der Suche nach Fachkräften

Der Tagesspiegel stellt in seiner Ausgabe vom 20. Februar 2013 fest: „Viele Studienanfänger tun sich schwer beim Übergang von der Schule an die Uni“. Vorgeschlagen wird ein einheitliches erstes Semester für Studierende aller Fächer. Mit einer gemeinsamen Studieneingangsphase könnte nach Ansicht von Experten die Abbrecherquote deutlich verringert werden. Erfreulich, dass dieses wichtige Thema nun langsam an die Öffentlichkeit dringt. Bisher konnte man nämlich den Eindruck gewinnen, dass das Problem weder von den Medien noch von der Politik ernsthaft wahrgenommen wird. Weiterlesen


Azubis um jeden Preis?

Es sind närrische Zeiten, zumindest in Köln, Mainz und Wiesbaden. Aber auch auf dem Arbeitsmarkt, wie zumindest zwei Beiträge von Wirtschaftswoche und BILD aus den letzten Tagen zeigen, die den ‚Lehrlingsmangel‘ zum Thema machen. Zu ein paar der darin angesprochenen Punkte möchte ich Stellung beziehen. Weiterlesen



Bachelor@Company

Als ich auf der Rückfahrt aus meinem Urlaub an Bologna vorbeikam, wusste ich, es ist noch ein langer Weg bis nach Frankfurt am Main. Als ich Anfang Juni auf der Sozialpartnerfachtagung vom Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. (BAVC) und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in besagtem Frankfurt am Main zum Thema „Status Quo und Entwicklungsperspektiven der neuen Hochschulabschlüsse“ sowohl mit Bachelor-Studenten als auch mit Praktikern aus Unternehmen der chemischen Industrie zusammenkam, stellte ich fest: Bologna ist doch gar nicht so weit entfernt. Weiterlesen