Neue Pläne des Gesetzgebers zum betrieblichen Eingliederungsmanagement

Arbeitsrechtliche Fragen rund um das sogenannte „betriebliche Eingliederungsmanagement“ (BEM) sind immer wieder Inhalt bundesarbeitsgerichtlicher Entscheidungen. Der gesetzgeberische Wortlaut allein lässt nicht erahnen, dass es sich beim BEM um ein höchst komplexes und fehleranfälliges Verfahren handelt, denn in § 167 Abs. 2 SGB IX heißt es dazu nur:

„(2) 1Sind Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig, klärt der Arbeitgeber mit der zuständigen Interessenvertretung im Sinne des § 176, bei schwerbehinderten Menschen außerdem mit der Schwerbehindertenvertretung, mit Zustimmung und Beteiligung der betroffenen Person die Möglichkeiten, wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden werden und mit welchen Leistungen oder Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann (betriebliches Eingliederungsmanagement). 2Beschäftigte können zusätzlich eine Vertrauensperson eigener Wahl hinzuziehen. 3Soweit erforderlich, wird der Werks- oder Betriebsarzt hinzugezogen. 4Die betroffene Person oder ihr gesetzlicher Vertreter ist zuvor auf die Ziele des betrieblichen Eingliederungsmanagements sowie auf Art und Umfang der hierfür erhobenen und verwendeten Daten hinzuweisen. 5Kommen Leistungen zur Teilhabe oder begleitende Hilfen im Arbeitsleben in Betracht, werden vom Arbeitgeber die Rehabilitationsträger oder bei schwerbehinderten Beschäftigten das Integrationsamt hinzugezogen. 6Diese wirken darauf hin, dass die erforderlichen Leistungen oder Hilfen unverzüglich beantragt und innerhalb der Frist des § 14 Absatz 2 Satz 2 erbracht werden. 7Die zuständige Interessenvertretung im Sinne des § 176, bei schwerbehinderten Menschen außerdem die Schwerbehindertenvertretung, können die Klärung verlangen. 8Sie wachen darüber, dass der Arbeitgeber die ihm nach dieser Vorschrift obliegenden Verpflichtungen erfüllt.

Trotz dieser nur sehr rudimentären Regelungen des BEM im Gesetz wurde dessen Durchführung in den vergangenen Jahren immer stärker durch die Rechtsprechung reguliert.

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Bedeutung des betriebliche Eingliederungsmanagements in der Praxis

Sind Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig, ist der Arbeitgeber seit 2004 verpflichtet, ein BEM-Verfahren anzubieten und dieses bei Zustimmung des betroffenen Beschäftigten durchzuführen. Ziel des BEM-Verfahrens ist die Klärung, wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden, mit welchen Leistungen oder Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und wie der Arbeitsplatz erhalten werden kann. Das betriebliche Eingliederungsmanagement hat eine große sozialpolitische Bedeutung, denn es soll die alternden Belegschaften vor einer vorschnellen Ausgliederung bei krankheits- und behinderungsbedingten Fehlzeiten schützen. Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales heißt es insoweit:

Das BEM dient dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit und ist ein Instrument, um den Folgen des demographischen Wandels wirksam zu begegnen. Gleichzeitig sichert das BEM durch frühzeitige Intervention die individuellen Chancen den Arbeitsplatz zu behalten.


https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Arbeitsschutz/Gesundheit-am-Arbeitsplatz/betriebliches-eingliederungsmanagement.html

Schärfung des BEM durch arbeitsgerichtliche Rechtsprechung

Seit seiner Einführung ist das betriebliche Eingliederungsmanagement zum Gegenstand zahlreicher arbeitsrechtlicher Entscheidungen geworden. Nach und nach haben die Instanzgerichte und das BAG zahlreiche rechtliche Fragen zum BEM geklärt, z.B. welche Mindestanforderungen an ein ordnungsgemäßes BEM zu stellen sind, zum Umfang der Hinweispflicht des Arbeitgebers bei Einleitung eines BEM oder zu den arbeitsrechtlichen Folgen, wenn der Arbeitgeber das BEM nicht ordnungsgemäß durchgeführt hat. Zwar stellt das BEM keine Wirksamkeitsvoraussetzung für eine krankheitsbedingte Kündigung dar, doch steht mittlerweile fest, dass krankheitsbedingte Kündigungen vor den Arbeitsgerichten faktisch keinen Bestand haben, wenn ein BEM den von der Rechtsprechung zwischenzeitlich aufgestellten hohen Anforderungen nicht genügt.

Noch immer befindet sich die Rechtsprechung zum BEM im Fluss. So hat das BAG beispielsweise jüngst mit Urteil vom 18. November 2021 – 2 AZR 138/21 – entschieden, dass der Arbeitgeber grundsätzlich ein neuerliches BEM durchzuführen – jedenfalls aber anzubieten – hat, wenn der Arbeitnehmer innerhalb eines Jahres nach Abschluss eines BEM erneut länger als sechs Wochen durchgängig oder wiederholt arbeitsunfähig erkrankt war. Eine für die Praxis der Arbeitgeber wichtige und „risikoreiche“ Entscheidung. U.U. kann der Arbeitgeber in einer „Endlosschleife“ verpflichtet sein, immer wieder und jedes Jahr ein BEM anzubieten.

Pläne des Gesetzgebers

Trotz des durch die Rechtsprechung bereits bestehenden relativ hohen Arbeitnehmerschutzes hat sich der Gesetzgeber zuletzt im Jahr 2021 veranlasst gesehen, die Rechte der Arbeitnehmer zusätzlich zu stärken, indem er mit dem Teilhabestärkungsgesetz vom 2. Juni 2021 (BGBL I , S. 1387) in § 167 Abs. 2 Satz 2 SGB IX eine Regelung eingeführt hat, wonach Beschäftigte die Möglichkeit erhalten, eine Vertrauensperson eigener Wahl zum BEM-Verfahren hinzuzuziehen. Damit werde das BEM insbesondere in Betrieben ohne Interessensvertretung gestärkt, betont die Bundesregierung in einer Antwort (19/29328) auf eine Anfrage (19/28724) der Fraktion „Die Linke“ zur Nutzung des BEM durch Beschäftigte. Darüber hinaus kann die Hinzuziehung einer Vertrauensperson durch den Betroffenen auch für den Arbeitgeber vorteilhaft sein. Sie bietet die Möglichkeit, dass der Betroffene eher bereit ist, einem BEM-Verfahren zuzustimmen und somit die Aussicht für eine erfolgreiche Wiedereingliederung zur Vorbeugung weiterer Arbeitsunfähigkeiten optimiert wird.

Man könnte also zu dem Ergebnis gelangen, dass die Intention des Gesetzgebers, die alternden Belegschaften vor einer vorschnellen Ausgliederung bei krankheits- und behinderungsbedingten Fehlzeiten zu schützen und die individuellen Chancen den Arbeitsplatz zu sichern, durch die Einführung des betrieblichen Eingliederungsmanagements und die zwischenzeitlich ergangene Rechtsprechung längstens erfüllt worden ist – weit gefehlt.

Denn bereits der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD aus der 18. Legislaturperiode („Deutschland Zukunft gestalten“) enthielt Ausführungen zum „Ganzheitlichen Arbeitsschutz“ (Seite 70):.Danach sei der Schutz der Beschäftigten vor Gefahren am Arbeitsplatz und die Stärkung der Gesundheit bei der Arbeit ein wichtiges Gebot sozialer Verantwortung. Im Rahmen der Umsetzung eines ganzheitlichen Arbeitsschutzes sollte das betriebliche Eingliederungsmanagement (noch mehr) gestärkt und mehr Verbindlichkeit erreicht werden.

Im aktuellen Koalitionsvertrag von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN UND FDP („Mehr Fortschritt wagen“) heißt es zu diesem Komplex (Seite 79):

Wir wollen alle unsere Förderstrukturen darauf ausrichten, dass Menschen so lange und inklusiv wie möglich am Arbeitsleben teilhaben. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement wollen wir als Instrument auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite stärker etablieren mit dem Ziel, es nach einheitlichen Qualitätsstandards flächendeckend verbindlich zu machen (Beispiel „Hamburger Modell“). Dabei setzen wir auch auf die Expertise der Schwerbehindertenvertrauenspersonen.


https://www.bundesregierung.de/resource/blob/974430/1990812/04221173eef9a6720059cc353d759a2b/2021-12-10-koav2021-data.pdf?download=1

Es gibt nun erste Umsetzungserwägungen aus dem Bundesarbeitsministerium zur geplanten Stärkung des BEM durch Gesetzesänderungen im IX. Sozialgesetzbuch (SGB IX), insbesondere soll ein Rechtsanspruch des Betroffenen auf Durchführung des BEM eingeführt werden.

Hintergrund dürfte sein, dass das BAG mit Urteil vom 07.09.2021 – 9 AZR 571/20 – entschieden hat, dass § 167 Abs. 2 SGB IX gerade keinen Individualanspruch der betroffenen Arbeitnehmer auf Einleitung und Durchführung eines BEM begründet. Dies war bis zur Entscheidung des BAG umstritten.

In der zitierten Entscheidung des BAG geht es um Folgendes:

Der Kläger ist bei der beklagten Gemeinde seit 3. Juli 2000 als Arbeiter beschäftigt. Bis Oktober 2015 wurde er auf dem Bauhof eingesetzt. Zuletzt war er auf dem von der Beklagten unterhaltenen Eigenbetrieb Campingplatz und K-Seenbäder tätig. Bei einem festgestellten Grad der Behinderung von 30 ist der Kläger einem schwerbehinderten Menschen gleichgestellt. Im Jahr 2018 war der Kläger an insgesamt 122 Tagen arbeitsunfähig erkrankt, in der Zeit vom 1. Januar 2019 bis 25. August 2019 an 86 Tagen. Mit Schreiben seines Prozessbevollmächtigten vom 2.August 2019 ließ der Kläger die Durchführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagement beantragen.

Dieser Antrag wurde seitens des Bürgermeisters der Beklagten mit Schreiben vom 19. August 2019 abgelehnt. Die beklagte Gemeinde hat die Auffassung vertreten, dass dem Kläger kein Anspruch auf Durchführung eines BEM zustünde. Bereits in den Jahren 2014 und 2015 habe es mit 76 bzw. 112 Arbeitstagen erhebliche Fehlzeiten des Klägers gegeben. Die Übertragung des neuen Arbeitsplatzes im Bereich des Eigenbetriebs der Seenbäder und des Campingplatzes ab 2016 stelle faktisch ein BEM dar. Die weiterhin aufgetretenen häufigen und lang andauernden Erkrankungen des Klägers stünden in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit den ihm zugewiesenen Tätigkeiten. Die Durchführung eines BEM müsste letztendlich ergebnislos bleiben. Aufgrund der offensichtlichen Ergebnislosigkeit wäre dessen Einleitung eine völlig sinnlose Förmelei. Dies gelte erst recht vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Beklagte derzeit keine Kündigungsabsichten hege. Der Kläger möge sich zunächst bemühen, seine Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.

Nachdem die Beklagte dies abgelehnt hatte, begehrte der Kläger gerichtlich die Verpflichtung der Beklagten zur Durchführung eines BEM. Während das Arbeitsgericht der Klage stattgab, wies das LAG sie auf die arbeitgeberseitige Berufung hin ab.

Auch die Revision des Klägers beim BAG blieb erfolglos: Die Klage sei unbegründet, da dem Kläger kein Anspruch auf Einleitung und Durchführung eines BEM zustehe, so das BAG. Ein solcher Anspruch ergebe sich nicht unmittelbar aus § 167 Abs. 2 S. 1 SGB IX, wie die Auslegung der Vorschrift ergebe. Denn aus der Norm ergebe sich kein Individualanspruch des betroffenen Arbeitnehmers auf Einleitung und Durchführung eines BEM. Dafür spreche bereits der Wortlaut der Vorschrift. Denn nach § 167 Abs. 2 S. 7 SGB IX wache u.a. die zuständige Interessenvertretung darüber, dass der Arbeitgeber die ihm nach dieser Vorschrift obliegenden Verpflichtungen erfülle. Entsprechende Rechte und Aufgaben sehe die gesetzliche Regelung für die betroffenen Arbeitnehmer jedoch nicht vor. Insbesondere heißt es in der Entscheidung, dass der Gesetzgeber mit § 167 Abs. 2 SGB IX vielmehr eine spezialgesetzliche Regelung geschaffen habe, die das BEM als dialogisches, kooperatives und ergebnisoffenes Klärungsverfahren etabliere und zugleich die Rechte und Pflichten der Beteiligten innerhalb dieses Verfahrens abschließend regele.

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Ein gesetzlich geregelter Individualanspruch ist nicht nötig

Mangels derzeit existenter gesetzlicher Grundlage weist der Senat zurecht einen solchen Individualanspruch zurück. Eines solchen bedarf es auch künftig aus dem Gesichtspunkt des Arbeitnehmerschutzes nicht. Arbeitnehmer werden in diesem Zusammenhang bereits hinreichend über die dem Arbeitgeber im Rahmen eines Kündigungsschutzklageprozesses obliegende Initiativlast zur Durchführung des BEM geschützt. Diese Initiativlast ist ebenfalls höchstrichterlich festgeschrieben. Es ist zudem nicht zielführend für das Ergebnis eines jeweiligen BEM, wenn ein solcher Durchführungsanspruch zuvor eingeklagt wurde. Denn das BAG weist zu Recht in seiner Entscheidung darauf hin, dass es sich bei dem BEM um ein dialogisches, kooperatives und ergebnisoffenes Klärungsverfahren handelt. Der Erfolg eines BEM hängt deshalb maßgeblich von der Zusammenarbeit und der Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten ab, sodass das BEM weiterhin auf freiwilliger Basis stattfinden muss.

Zudem können sowohl auf Seiten des Arbeitnehmers als auch auf Seiten des Arbeitgebers Gründe vorliegen, die gegen die Durchführung eines BEM sprechen. Ein langzeiterkrankter Arbeitnehmer, der kurz vor dem Renteneintritt steht, könnte einen individualrechtlichen Anspruch auf Durchführung des BEM geltend machen, obwohl sein Arbeitsverhältnis in absehbarer Zeit endet. Auch bei einem Arbeitnehmer, der einen sozialrechtlichen Anspruch auf volle Erwerbsminderungsrente hat und in der Regel bereits „ausgesteuert ist“, ist die Wahrscheinlichkeit ähnlich wie im Sachverhalt, den das BAG zu entscheiden hatte, hoch, dass ein BEM-Verfahren ergebnislos enden wird. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass ein BEM regelmäßig mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand für den Arbeitgeber verbunden ist, angesichts des Umstandes, dass ein Beauftragter des Arbeitgebers, der Betriebsrat, ggf. die Schwerbehindertenvertretung an einem BEM-Verfahren, das meist mehrere Termine erfordert, zu beteiligen sind.

Auch die weiteren Umsetzungserwägungen sind nicht sachdienlich

Darüber hinaus gibt es Erwägungen aus dem Bundesarbeitsministerium zur Einführung einheitlicher Standards für die Durchführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements. Aber auch solche einheitlichen und verbindlichen Standards widersprechen der Natur und der langfristigen Zielsetzung eines BEM. Denn für ein erfolgreiches und von allen Beteiligten angenommenes Ergebnis eines BEM muss eine individuelle Betrachtung und Einschätzung der betrieblichen Umstände im Einklang mit dem individuell ausgeprägten Krankheitsbild stattfinden können. Eine schablonenhafte Herangehensweise hinsichtlich der zu treffenden Maßnahmen steht hierzu im Widerspruch. Durch ein Mehr an Vorgaben, wird ein Weniger an sinnvollen und geeigneten Maßnahmen entstehen.

Auch zur Einführung eines Anspruchs auf stufenweise Wiedereingliederung bzw. auf Zustimmung des Arbeitgebers zur stufenweisen Wiedereingliederung gab es in der Vergangenheit Überlegungen. Hierzu lag bereits im vergangenen Jahr ein Regelungsentwurf vor. Ein solcher Wiedereingliederungsanspruch sollte zumindest dort nicht bestehen, wo betriebliche Gründe entgegenstehen.

Die individuelle Betrachtung des Einzelfalles und die Abwägung einer sinnvollen Umsetzung unter Berücksichtigung der betrieblichen Möglichkeiten sollte nicht durch verbindliche Standards verhindert werden.

Über den Autor

Peter Schott ist Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt), Fachanwalt für Arbeitsrecht und Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht und seit 2012 im Bereich Arbeits- und Sozialrecht bei HessenChemie tätig.

Kernkompetenzen: Beratung in allen individual- und kollektivrechtlichen Fragen des Arbeitsrechts, Prozessvertretung vor den Arbeits- und Landesarbeitsgerichten, arbeitsrechtliche Begleitung von Restrukturierungen

#Arbeitsrecht – Thema des Monats

Im „Thema des Monats“ nehmen Juristinnen und Juristen von HessenChemie Stellung zu arbeits- und sozialrechtspolitischen Themen aus dem Arbeitsrecht, die sie kritisch hinterfragen und kommentieren. Es erscheint stets zu Beginn des Monats in den Publikationen auf der HessenChemie-Website www.hessenchemie.de


Was tun, wenn es in der dualen Ausbildung hakt?

Eine duale Ausbildung ist immer auch eine Herausforderung für junge Menschen: Die Arbeit im Betrieb bringt viel Neues mit sich, dazu kommt der anspruchsvolle Unterrichtsstoff in der Berufsschule und gleichzeitig beginnt eine neue Lebensphase mit neuen privaten Verantwortungen. Das macht die duale Ausbildung zu einer sehr lehrreichen, abwechslungsreichen Erfahrung. Wenn es aber an einer Stelle hakt, können junge Menschen sich schnell überfordert fühlen. Ursachen liegen dabei nicht nur in der Berufsschule oder im Betrieb, sondern sind häufig auch im privaten Umfeld zu verorten.

Was können Ausbilder*innen tun, wenn sie auf die Probleme der Lernenden aufmerksam werden? Ist die persönliche Beziehung positiv, kann häufig bereits ein vertrauensvolles Gespräch zwischen Ausbilder*in und Azubi helfen, um herauszufinden, an welcher Stelle es hakt, wo die Ursachen für Probleme liegen und wie der Ausbildungsbetrieb bei diesen unterstützen kann. Doch nicht jeder Azubi möchte sich seinem Ausbilder anvertrauen, vor allem, wenn die Probleme im persönlichen Umfeld verhaftet sind oder man noch am Beginn der Ausbildung steht.

In solchen Fällen sind Ausbilder*innen häufig überfragt oder haben schlichtweg nicht genug Zeit, um sich intensiv mit den komplexen Problemen ihrer Auszubildenden zu befassen. Dann kann es von Vorteil sein, externe Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen, denn ein unvoreingenommener Blick von außen kann helfen, Lösungskonzepte aufzuzeigen und im Falle angespannter persönlicher Beziehungen innerhalb des Ausbildungsverhältnisses zu vermitteln. Ein Beispiel für eine solche externe Anlaufstelle ist QuABB, die Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule.

QuABB unterstützt Auszubildende und Betriebe

Die qualifizierten Ausbildungsbegleitungen verstehen sich als erste Anlaufstelle bei allen Problemen während der Ausbildung und begleiten Ratsuchende, bis diese eine zufriedenstellende Lösung gefunden haben.  Ziel von QuABB ist, die an der Ausbildung Beteiligten so zu unterstützen, dass die Ausbildung erfolgreich verläuft oder – sollte eine andere Lösung sinnvoller erscheinen – eine konkrete Anschlussperspektive für die Auszubildenden zu entwickeln.

QuABB ist ein vertrauliches und für Auszubildende wie Betriebe kostenloses Unterstützungsangebot bei Schwierigkeiten in der dualen Ausbildung. Es wird von über 50 Berater*innen an 26 Standorten in ganz Hessen umgesetzt. Die Ausbildungsbegleitungen sind per Telefon und E-Mail erreichbar und bieten regelmäßig Sprechstunden in ihren Büros an den Berufsschulen an. Die Kontaktdaten der Ansprechpartner*innen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Beratungsseite Ihrer Region.

Wie genau die Unterstützung aussieht, entscheiden die Beteiligten selbst: Oft besteht die Beratungsarbeit hauptsächlich darin, mit den Auszubildenden die Ursachen von Problemen zu identifizieren, zu üben, wie sie sich in bestimmen Situationen verhalten können, und gemeinsam nach den besten Lösungen zu suchen. Dabei kann es auch um private Herausforderungen gehen, die erst mal nichts mit dem Betrieb oder der Berufsschule zu tun haben. Denn wer finanzielle oder gesundheitliche Probleme hat, kann sich oft nicht mehr richtig auf die Ausbildung konzentrieren. Auf Wunsch können die Ausbildungsbegleitungen Unternehmen und Auszubildende auch unterstützen, indem sie Konfliktgespräche moderieren oder Material zum Umgang mit schwierigen Situationen in der Ausbildung zur Verfügung stellen. Außerdem kennen die Ausbildungsbegleitungen alle Expert*innen in der Region, die bei speziellen Problemen weiterhelfen. Wenn eine Auszubildende zum Beispiel in der Berufsschule nicht mitkommt, kann QuABB Nachhilfe vermitteln.

Frühe Anzeichen ernst nehmen

Bei der Frage, wie Ausbildungsabbrüche vermieden werden können, ist es wichtig , sich so früh wie möglich an die Ausbildungsbegleitung zu wenden. Denn je früher QuABB hinzugezogen wird, desto einfacher ist es, die Ausbildung wieder in die richtige Bahn zu lenken. Das zeigt auch ein Blick auf die Statistik: Steht bereits eine Kündigung bevor, kann QuABB noch in 78% der Fälle dazu beitragen, dass Auszubildende ihre Ausbildung fortsetzen beziehungsweise erfolgreich beenden. Bei allen Fällen mit niedrigerer Eskalationsstufe (von Präventivbegleitungen bis hin zu komplexen Problemlagen) liegt die Erfolgsquote dagegen bei 92%.

Ausbildungsabbrüche verhindern, Fachkräfte sichern

Auftraggeberin von QuABB ist die hessische Landesregierung. Sie beabsichtigt mit dem Landesprogramm, die Quote der faktischen Ausbildungsabbrüche in Hessen zu senken. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung. Die hessenweit verankerte Ausbildungsbegleitung an den QuABB-Standorten wird von der Koordinierungsstelle beim Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik begleitet und unterstützt. QuABB wird gefördert aus Mitteln der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds und des Landes Hessen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.quabb-hessen.de

Der Autor

Autor des Beitrags ist Mario Wiesmann. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der QuABB-Koordinierungsstelle beim Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS) und schreibt als Gastautor für den Arbeitgeberverband HessenChemie.


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In der Coronapandemie erkennen wir, was plötzlich alles geht

Wie sehen die Geschäftsmodelle von morgen aus? Welche Chancen und Herausforderungen bringt die digitale Transformation im internationalen Wettbewerb? Wie lassen sich Veränderungen aufgrund der Demografie bewältigen und in eine moderne Arbeitswelt einbetten? Viele Fragen, zu denen die Aufgabe, Klimaziele mit Wachstum und Wohlstand zu verbinden, hinzukommt. Mit diesen Herausforderungen haben sich die Entscheider der Chemiebranche zuletzt intensiv auseinandergesetzt, um die richtigen Strategien für die kommenden Jahre zu finden.

Doch dann breitete sich das neuartige Coronavirus aus, die Pandemie erforderte alle Konzentration und wurde zum maximalen Stresstest: angefangen beim Gesundheitssystem über die globale Wirtschaft bis hin zur Zusammenarbeit vor Ort in den Betrieben und zum Zusammenleben in den Familien. Aus heutiger Sicht kann noch nicht gesagt werden, wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird oder welche Medikamente die schwierigen Verläufe abmildern können. Wir müssen also noch längere Zeit mit dem Virus und manchen Einschränkungen leben. Die drastischen Folgen der Krise für unsere Wirtschaft, die Sozialsysteme und auch die Staatsfinanzen werden auf jeden Fall noch lange nachwirken.

In Coronazeiten erkennen wir aber auch, was plötzlich alles geht. Diese Erfahrungen sollten wir, in der richtigen Balance, in die Zeit nach der Pandemie mitnehmen. Eine Erkenntnis der letzten Monate ist zum Beispiel, dass Unternehmen, die bereits vorher auf Digitalisierung gesetzt haben, in der Krise einen echten Vorteil hatten – sie konnten nämlich besser und
schneller reagieren. Viele Unternehmen aus Chemie, Pharma und Kunststoff waren vergleichsweise gut aufgestellt. Digitalisierung wird nach der Coronakrise aber noch stärker als vorher einen Erfolgsfaktor darstellen. Eine Pandemie in der wirklichen Welt hat der digitalisierten Welt vermutlich zum endgültigen Durchbruch verholfen.

Auch die Sozialpartnerschaft hat sich bisher in der Krise bewährt. Dies ist eine gute Grundlage, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und der Arbeitsplätze zu erhalten. Die Chemie-Sozialpartner haben schnell erste Maßnahmen vereinbart, um Unternehmen zu entlasten, Beschäftigung zu
sichern und das Infektionsrisiko zu reduzieren. Die Verkürzung der Ankündigungsfrist von Kurzarbeit, das Vorziehen „freier Tage“ aus dem Tarifvertrag „Moderne Arbeitswelt“ sowie die Möglichkeit, mobiles Arbeiten auf Basis einer Betriebsvereinbarung anordnen zu können, sind hierfür Beispiele.

Man hat sich auch darauf verständigt, dass notwendige Zustimmungen zu tariflichen Flexi-Instrumenten bei Bedarf in einem beschleunigten Verfahren erteilt werden können.

Natürlich hat man sich auch in den Betrieben damit beschäftigt, wie man auf die Krise reagieren soll. Die Handlungsfähigkeit der Betriebsparteien wurde zumeist schnell, flexibel und auch digital unterstützt unter Beweis gestellt. Die positiven Erfahrungen können Grundlage für die Debatte über die Fortentwicklung der Mitbestimmung in einer digitalen Arbeitswelt sein. In dem durch die Pandemie erzwungenen „Feldversuch“ konnten alle viel über die Vor- und Nachteile von Homeoffice lernen. Ein jetzt vom Bundesarbeitsminister vorgeschlagener gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice wirkt da wie aus der Zeit gefallen. Ein einseitiger Anspruch ist beides: schädlich und überflüssig. Passgenaue Regelungen zur Nutzung von Homeoffice und mobilem Arbeiten können allein in den Betrieben vor Ort
gestaltet und einvernehmlich entschieden werden.

Die Erkenntnisse der vergangenen Monate sind schließlich ganz andere: Allen Akteuren wurde ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt, um das Infektionsgeschehen einzudämmen, den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten und die Kinderbetreuung zu sichern. Die Coronakrise könnte somit auch beim Thema Arbeitszeit einen Modernisierungsschub bewirken, um
Arbeitnehmern und Arbeitgebern die notwendige Flexibilität und Planbarkeit zu verschaffen. Die starren Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes, insbesondere der Tagesbezug der Höchstarbeitszeit und die elf Stunden Ruhezeit passen nicht mehr, weil eine digitalisierte Arbeitswelt in Zukunft noch stärker vom Arbeiten am selbst gewählten Arbeitsort und zur selbst
gewählten Arbeitszeit geprägt sein wird. Auch hier gilt es, die gemachten Erfahrungen in praktikable Möglichkeiten umzusetzen.


Neuer Service: Praxishilfen im Arbeitsrecht

Die Arbeit der Personaler ist stark von gesetzlichen Regelungen und Vorschriften bestimmt: vom Arbeitsvertrag über Entgeltfortzahlung, Vorschriften aus dem Betriebsverfassungsgesetz bis zum Datenschutz oder die Beendigung von Arbeitsverträgen. Um die Personalabteilungen unserer Mitgliedsunternehmen in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, bietet HessenChemie seit Juni diesen Jahres im Mitgliederbereich auf www.hessenchemie.de die „Praxishilfen Arbeitsrecht“.

Was sind die Praxishilfen Arbeitsrecht?

In der neuen Rubrik stehen ab sofort Muster und Erläuterungen aus dem Alltag der Personalabteilungen wie beispielsweise Anhörungen zu personellen Einzelmaßnahmen nach § 99 BetrVG oder § 102 BetrVG, Muster zur Elternzeit, zum Datenschutz u.v.m. als Download zur Verfügung. Diese stellen eine schnelle und leicht umsetzbare Hilfe dar, die die Personalabteilungen bei der täglichen Arbeit unterstützen sollen und einen ersten Einstieg in alltägliche Probleme bieten.

Warum machen wir das?

Die Praxishilfen sind der erste Schritt in Richtung des neuen digitalen Beratungsansatzes von HessenChemie. Damit wollen wir die Personalabteilung im täglichen Klein-Klein entlasten und so Freiräume für andere Aufgaben schaffen. Das neue Angebot ersetzt nicht die persönliche Beratung, vielmehr wollen wir ein benutzerfreundliches Beratungsangebot schaffen, mit dem jede/r arbeitsrechtliche Dokumente soweit vorbereiten kann, dass nur noch ein finaler Check durch HessenChemie erforderlich ist. Das verkürzt die Responsezeiten unserer Juristen und entlastet vor allem die Personaler unserer Mitgliedsunternehmen.

3-Sprung in die Zukunft

Wo wollen wir hin?

Im nächsten Schritt stellen wir mithilfe des Dokumentengenerators modular aufgebaute Muster digital zur Verfügung. Der Generator hilft bei der Erstellung von Standarddokumenten wie beispielsweise Arbeitsverträgen, Abmahnungen oder Fortbildungsverträgen. So stehen stets aktuelle Versionen zur Verfügung.

Mit der dritten und letzten Ausbaustufe soll ein integriertes Rechtsportal der Chemie-Arbeitgeber entstehen. Dieses bietet den Mitarbeitern der Personalabteilungen einen ersten Einstieg in die Problemlösungen und Antworten zu typischen Situationen aus dem Alltag auf 24/7-Basis. Damit möchten wir zum einen Berührungsängste zum Arbeitsrecht abbauen und ein Problembewusstsein wecken und zum anderen die Hemmschwelle senken, den persönlichen Kontakt zu den Referentinnen und Referenten von HessenChemie zu suchen.

Die Autorin

Christina Reifelsberger (LL.M.) ist Rechtsanwältin/Syndikusrechtsanwältin und seit 2015 im Bereich Arbeits- und Sozialrecht bei HessenChemie tätig. Zuvor war sie 15 Jahre in der Beratung und Prozessvertretung von in- und ausländischen mittelständischen Unternehmen und Arbeitnehmern im Arbeits- und Sozialrecht verantwortlich. Ihre Kernkompetenzen sind die Beratung in allen individual- und kollektivrechtlichen Fragen des Arbeitsrechts, die Prozessvertretung vor den Arbeits- und Landesarbeitsgerichten sowie die Beratung im Sozialversicherungsrecht.


Unsichtbares Wasser: Sonderausstellung zeigt Verbrauch

Ein T-Shirt ist ein Kleidungsstück, das so ziemlich jeder in seinem Kleiderschrank hat. Aber wie viel Wasser für die Herstellung dieses Kleidungsstückes benötigt wird, wissen die wenigsten. Mit dem Wasserverbrauch, den ein jeder für das alltägliche Leben verbraucht, setzt sich die von Infraserv Höchst und Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH unterstützte Sonderausstellung Sonderausstellung „Ich sehe Was(ser), was du nicht siehst – virtuelles Wasser begreifen“ auseinander. Im EXPERIMINTA ScienceCenter in Frankfurt ist noch bis zum 29. April zu sehen, wo das unsichtbare „virtuelle“ Wasser von uns bleibt.

Täglich verbraucht jeder von uns circa 120 Liter Wasser täglich für Kochen, Duschen und Putzen. Auf dem ersten Blick, denn eigentlich werden knapp 4.000 Liter unsichtbares „virtuelles“ Wasser verbraucht.  Das entspricht in etwas mehr als 25 gefüllten Badewannen. Die Menge kommt zusammen, weil das Wasser bei der Herstellung unserer Lebensmittel, Kleidung und Gebrauchsgegenstände verdunstet, verbraucht oder verschmutzt wird. Wie und wo diese großen Mengen an virtuellem Wasser entstehen und welchen Einfluss unser Konsum auch auf andere Länder haben kann, erklärt die Sonderausstellung im Science-Center auf spielerische Weise.

Besucher erfahren globale Zusammenhänge

Virtuelles Wasser zum Anfassen: Auszubildende zum Chemikanten der Firma Clariant zeigen bei der Ausstellungseröffnung Dr. Udo Lemke (4. von links), Geschäftsführer Provadis, Astrid Jaschek, Geschäftsführerin Experiminta ScienceCenter, Marny Schröder von Provadis, dem Hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir , Dr. Ulrich Bosler Vorsitzender Experiminta e.V. und Jürgen Vormann, Geschäftsführer Infraserv Höchst, eines der interaktiven Exponate. Foto: Infraserv

Die Ausstellung fordert mit ihren interaktiven Exponaten dazu auf, die nicht ganz einfache Thematik zu begreifen und von vielen Seiten zu erforschen“, erläuterte Astrid Jaschek, Geschäftsführerin des EXPERIMINTA ScienceCenters das Konzept. Besucher könnten so die globalen Zusammenhänge des virtuellen Wassers erkennen und herausfinden, wieviel Wasser in Fleisch oder Tomaten steckt.

Ergänzt wird die Ausstellung um ein Begleitprogramm mit Workshops für Kinder, Lehrerfortbildungen, Mitmach-Experimenten in der Zeitung und einer Rallye durch die Ausstellung, bei der es auch etwas zu gewinnen gibt. Kooperationspartner sind das Bildungsunternehmen Provadis und die Infraserv GmbH & Co. Höchst KG. Gemeinsam wurde das vielfältige Rahmenprogramm entwickelt. „Dadurch können noch weitere Aspekte zum nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser beleuchtet werden“, sagte Jaschek.

Nachhaltigkeit ist auch in der Ausbildung ein wichtiges Thema

Denn auch für die Industrie in Frankfurt spielt Wasser eine wichtige Rolle. Die Sonderausstellung bietet deshalb auch die Gelegenheit, den nachhaltigen Umgang der Unternehmen im Industriepark Höchst mit dieser wichtigen Ressource kennenzulernen. Deswegen geht die Sonderausstellung auf den Fragen auf den Grund, woher das Wasser, das in der Produktion gebraucht wird, kommt oder welche Produkte im Industriepark Höchst hergestellt werden, die uns im Alltag helfen, weniger Wasser zu verbrauchen. Auszubildende des Provadis-Nachhaltigkeitsprojekts ANLIN (Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie) haben dazu ein Exponat entwickelt, das zeigt, wie Produkte der chemischen Industrie Autos energieeffizienter und nachhaltiger machen. „Wir nehmen unsere Verantwortung für die Umwelt und ihre Ressourcen sehr ernst. Die Unternehmen im Industriepark Höchst und wir als Standortbetreiber engagieren uns auf vielfältige Weise dafür, schonend damit umzugehen“, betonte Jürgen Vormann, Geschäftsführer von Infraserv Höchst.


Nach 30 Jahren ist Schluss

Walter Schmidt, langjähriger Leiter des Bildungszentrums Kalle-Albert, hat sich in den Ruhestand verabschiedet

Auch wenn offiziell Schluss ist, denkt Walter Schmidt noch lange nicht ans Aufhören. Für Menschen wie ihn wurde der Begriff Unruhezustand erschaffen. Der langjährige Leiter des Bildungszentrums am Industriepark Kalle-Albert ist zwar in Pension gegangen, wird sich aber in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen weiterhin noch blicken lassen. Denn zwei Themen sind und bleiben ihm wichtig: Die duale Ausbildung und benachteiligte Menschen.

An seinem letzten Tag im Industriepark Kalle-Albert ist Walter Schmidt, wie man ihn kennt, die Ruhe selbst. Er weist Auszubildende noch für den Wettbewerb „Jugend forscht“ ein, bevor er zu seiner eigenen Verabschiedungsfeier geht. „Dass das der letzte Tag ist, ist mir gar nicht so bewusst“, sagt er. Bei einer Tasse Kaffee hat er sich vorher Zeit noch genommen, um seine Zeit als Ausbildungsleiter Revue passieren zu lassen.

Walter Schmidt feierte seinen Abschied selbstverständlich in der technischen Werkstatt des Bildungszentrums. Foto: bh / HessenChemie

1988 ging es für Schmidt in den Industriepark

Als ein Computer noch 4.000 D-Mark kostete und den Beginn der digitalen Revolution markieren sollte, fing Walter Schmidt im Industriepark an. Das war vor 30 Jahren. „Da steht uns was bevor, da müssen wir was tun“, erinnert sich Schmidt an die mahnenden Worte der Verantwortlichen des damaligen Hoechst-Konzerns, die, wie Schmidt sagt, mutig gewesen seien, etwas in Richtung Mitarbeiter und Digitalisierung zu tun. Schmidt, zu dem Zeitpunkt noch Systemingenieur bei Opel,  wird eingestellt und soll das gerade erst fertig gestellte Ausbildungszentrum leiten und aufbauen.  „So eine Chance hat man nur einmal im Leben, hab ich mir gesagt“, erinnert sich Schmidt. Er stellte ein kleines Team zusammen und gemeinsam legten sie los. Bei seiner Verabschiedung sagen Weggefährten dann, Schmidt sei Wegbereiter und Visionär.

Schmidt musste in den vergangenen 30 Jahren immer wieder Überzeugungsarbeit leisten, damals um die Notwendigkeit der Ausbildung und heute um die Gewinnung von Auszubildenden, sowie darüber, mit der Entwicklung Schritt halten zu können. Denn der technologische Fortschritt schreite so schnell voran, dass man jetzt noch gar nicht voraussehen kann, wie sich die Arbeitswelt in vier Jahren gestaltet, wenn der aktuelle Jahrgang seine Ausbildung abschließen wird.

Weggefährten bezeichnen ihn als Visionär

So wird er bei seiner Abschiedsfeier den Worten seiner Weggefährten gerecht und wagt einen visionären Blick in die Zukunft. Er zeigt bildlich auf, dass sich die Produktion individualisieren werde und Verantwortliche die Ausbildung darauf hin ausrichten müssten. „Die Digitalisierung wird direkt beim Endkunden ansetzen, denn der entscheidet, was er will“, sagt er. Waschmittel werde dann beispielsweise im Industriepark nur noch auf Bestellung individualisiert für den Endkunden hergestellt.

Eins hat Schmidt bei seiner Arbeit in den letzten drei Jahrzehnten immer wieder gefreut, „wenn was mit Randgruppen geklappt hat.“ Seine eigene Schulzeit habe ihn wohl geprägt, denn er selbst sei kein guter Schüler gewesen und mit Lehrern hatte er es auch nicht so, wie er schmunzelnd erklärt. Deshalb unterstütze er wohl junge Menschen, die in der Schule nicht so gut seien oder die von anderen als chancenlos angesehen werden.  „Das können tolle Mitarbeiter werden, man muss ihnen nur eine Chance geben“, sagt er. Das hat er nicht nur im Bildungszentrum getan, sondern auch gemeinsam mit Schulen oder anderen Einrichtungen und Projekten wie beispielsweise den Joblingen oder im Verein Abis. Darüber hinaus engagiert sich Schmidt im Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer und im Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT. „Ich habe eine Menge klasse Lehrer kennengelernt, hätte ich mir früher nie erträumt“, sagt er schelmisch.

Auch wenn Schmidt nun in Pension geht, wird es erstmal nicht ruhig und er hat schon eine Aufgabenliste. So will er in einigen Gremien aktiv bleiben und sich weiter engagieren. Für seine 92-jährige Mutter will er sich vor allem Zeit nehmen. Und seinem Hobby Eisenbahn will er sich widmen und den Lago Maggiore per Dampf erkunden, wie er erzählt. Es wird also nicht langweilig.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


60 Lehrkräfte drücken für Chemie-Unterricht selbst die Schulbank

Was hat die Creme-Seife „sensitiv“ aus dem Drogeriemarkt mit dem Schulunterricht  zu tun? Wie Lehrerinnen und Lehrer alltägliche Produkte wie die Creme-Seife, Arzneimittel oder auch verschiedene Nahrungsmittel in ihren Chemie-Unterricht einbeziehen können, haben die rund  60 Teilnehmer beim letzten zweitägigen Lehrerwochenendseminar der Chemieverbände Hessen erfahren. Unter dem Motto „Schön und gesund!“ konnten sie an einem Tag in den Laboren am Campus Riedberg der Universität Frankfurt verschiedene Experimente durchführen. Bereits am Tag zuvor gab das Bildungsunternehmen Provadis Einblicke in Ausbildungsberufe in der Chemiebranche. Bei einer Besichtigung des Industrieparks Höchst erfuhren die Lehrkräfte, was auf 460 Hektar Gesamtfläche alles passiert.

Im Labor durften die Lehrkräfte selbst ran: Sie experimentierten mit handelsüblichen Kosmetika oder Lebensmitteln. Foto: VCI Hessen

Doch wer arbeitet eigentlich in so einem Industriepark mit 22.000 Beschäftigten? Die Antwort lieferte das Bildungsunternehmen Provadis, das direkt am Industriepark angesiedelt ist. Ein Industriepark sei mit einer Kleinstadt vergleichbar, in der alles gebraucht werde, erklärte Marny Schröder von Provadis. Deswegen bilde Provadis auch in rund 40 Berufen aus. Außerdem erläuterte sie, welche Schulabschlüsse benötigt werden und welche Bildungswege die chemische Industrie bietet. Provadis bildet unter anderem Chemikanten, Laboranten, aber auch kaufmännische Berufe aus. Von den jährlich 400 Auszubildenden entschieden sich die meisten für den Beruf des Chemikanten. Jürgen Funk vom Arbeitgeberverband HessenChemie betonte, dass die Chemiebranche für junge Menschen vor allem auch nach der Ausbildung gute Perspektiven biete. Das war einigen nicht bekannt – jedenfalls ließ sich das aus den Nachfragen der Teilnehmer schließen. Ein Rundgang durch die gewerblich-technische Ausbildung gab den Teilnehmern Gelegenheit zum Austausch mit Ausbildern und Auszubildenden.

Einen umfassenden Einblick hinter die Kulissen des Industriepark Höchst erhielten die Lehrkräfte anschließend bei einer einstündigen Rundfahrt. „Sie alle kennen doch die Autos von der Deutschen Post oder die roten Ferraris“, fragt die Gästeführerin. Zustimmendes Nicken im Bus. „Die Farbpigmente werden hier im Industriepark hergestellt“, ergänzt sie und erntet staunende Gesichter. Was zu Beginn im Jahre 1863 noch ein überschaubares Farbwerk war, ist heute ein Standort mit einer Gesamtfläche von 460 Hektar, was ungefähr 644 Fußballfeldern entspricht. Hier haben sich 90 Unternehmen angesiedelt, die 22.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Lehrinnen und Lehrer erfuhren nicht nur, welche Unternehmen im Industriepark ansässig sind und was sie herstellen, sondern unter anderem auch, dass der Industriepark sich selbst mittels eigener Kraftwerke mit Energie versorgt, über einen eigenen Hafen verfügt oder eine eigene Buslinie unterhält.

Beim Rundgang durch die Räume der gewerblich-technischen Ausbildung bei Provadis gab es einiges zu entdecken. Foto: HessenChemie

„Bitte ziehen Sie Kittel an und setzen Sie die Schutzbrillen auf“, hieß es am zweiten Tag nach einem Vortrag von Professor Arnim Lühken, geschäftsführender Direktor des Instituts für Didaktik der Chemie. An diesem Samstagvormittag tauschten die Lehrkräfte die Rollen und drücken selbst die Schulbank. Es herrschte reges Treiben im Labor am Campus Riedberg. Hier und da klapperte es, Erlenmeyerkolben wurden geschwenkt, im Mörser wurden Tabletten zerkleinert. In verschiedenen Workshops probierten die Teilnehmer zu den verschiedenen Themenbereichen Kosmetik, Ernährung und Arzneimittel aus, wie sie ihren Chemie-Unterricht mit einfachen Mitteln ansprechend gestalten können. Dabei untersuchten sie alltägliche Produkte wie Shampoo, Duschgel aber auch Energydrinks auf ihre Inhaltsstoffe. „In den verschiedenen Workshops können die Lehrkräfte frische Ideen mitnehmen und in ihrem eigenen Unterricht umsetzen“, sagte Heike Blaum vom VCI Hessen.

Stichpunkte in Sachen Ernährung und Gesundheit erhielten die Seminarteilnehmer bereits am Abend davor. Ernährungsberaterin Andrea Stensitzky-Thielemans, die sonst Spitzensportler berät,  erzählte über die Schönheitsideale von Jugendlichen und wie sie sie erreichen wollen. Gesunde Ernährung spiele dabei eine wichtige Rolle.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.

 


Arbeitskreis bringt Schulen und Wirtschaft zusammen

„Alle elf Minuten…“: Wer kennt sie nicht, die Werbesprüche für Partnerbörsen im Internet. Dabei verfolgen die Internetplattformen ein einfaches Prinzip: Sie bringen diejenigen zusammen, die sich suchen. Diesen Ansatz verfolgt auch das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT: In regionalen Arbeitskreisen bringen Mitwirkende ebenfalls die zusammen, die sich suchen und oftmals nicht wissen, wie sie zusammenkommen – nämlich Schulen und Wirtschaft. Und das auch in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Ziel der Arbeit ist, Lehrern wirtschaftliche Zusammenhänge näher zu bringen und Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen aufzubauen. Die Akteure handeln dabei ehrenamtlich.

Volles Haus: Zum Kick-Off von SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus kamen viele Gäste zum HessenChemie Campus. Foto: Frauke Blech

SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist der regionale Teil eines Netzwerkes, das auf Bundes- und Landesebene eine Schnittstelle zwischen Schulen und den Betrieben bildet. Auf Bundesebene leitet die Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT die Geschicke, die wiederum an der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände und dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln angesiedelt ist. Bundesweit gibt es über 400 Arbeitskreise. In Hessen ist auf Landesebene SCHULEWIRTSCHAFT ansässig in Frankfurt und mit sechs regionalen Geschäftsführungen in 28 Arbeitskreisen untergliedert. Die regionale Geschäftsstelle Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist eine davon und ist beim Arbeitgeberverband HessenChemie angesiedelt, der diese Aufgabe für die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wahrnimmt.

Und was macht der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT nun in Wiesbaden? Geschäftsführer Jürgen Funk und Projektleiterin Frauke Blech bilden das Team vor Ort. Bei ihnen laufen die regionalen Fäden zusammen. Ansässig beim Arbeitgeberverband HessenChemie koordinieren sie die Vernetzung zwischen den Unternehmen und den Schulen in der Landeshauptstadt sowie dem angrenzenden Landkreis Rheingau-Taunus. Zudem wirken sie in den relevanten Gremien mit, die sich mit den Themen Berufsorientierung, Übergang von Schule und Beruf sowie Ausbildung befassen. Parteipolitisch ist das Netzwerk neutral.

Aktuell steht der Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ an. Während von den Schulen die ersten Anmeldungen eingehen, stellt der Arbeitskreis eine Jury zusammen. Diese beurteilen schließlich bei einer Sitzung die eingegangenen Berichte nach feststehenden Kriterien. Neben der formalen Struktur nehmen die Juroren auch Inhalt und Gestaltung unter die Lupe. Wenn die Gewinner dann feststehen, wird es nach den Sommerferien am 20. Juni 2018 eine Siegerehrung im Kinopolis (Main-Taunus-Zentrum) geben, bei der über 200 Gäste erwartet werden. An dieser Stelle sei gesagt, dass noch Jury-Mitglieder gesucht werden. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei Frauke Blech per E-Mail an blech@hessenchemie.de melden.

Das Herzstück der Arbeitskreise und auch in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis ist allerdings das breite ehrenamtliche Engagement der Mitwirkenden auf regionaler Ebene. Hier bringen sich Lehrerinnen und Lehrer freiwillig und vor allem aus eigener Überzeugung dafür ein, dass Schulen und Wirtschaft zusammenfinden, aber auch wirksam zusammenarbeiten. Bei SCHULEWIRTSCHAFT stellen sie in ihrer Funktion als Arbeitskreisleiter Kontakte zwischen Schulen und Wirtschaft her. Darüber hinaus wirken sie als Juroren beim Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ mit oder engagieren sich als Auditoren beim Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung Hessen.

Das Gütesiegel für die Berufs-und Studienorientierung stellt eine besondere Aufgabe für SCHULEWIRTSCHAFT dar. Hier greifen die Zahnräder des Netzwerkes Olov ineinander. OloV steht für „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf“ und wurde 2005 als ein Projekt des Hessischen Paktes für Ausbildung ins Leben gerufen. Partner von Olov sind unter anderem das Land Hessen und die Kammern und eben auch SCHULEWIRTSCHAFT. Das Gütesiegel wird an Schulen vergeben, die eine vorbildliche Berufs- und Studienorientierung im Rahmen der Qualitätsstandards der hessenweiten Strategie OloV gestalten. Nach einem umfangreichen Prüfungsverfahren werden die Schulen, die zugelassen werden, bei einer großen Feier ausgezeichnet und können mit dem Siegel ihre ausgezeichnete Berufs- und Studienorientierung sichtbar machen.

Bei der Suche nach Auditoren für die bevorstehenden Audits kommt der Arbeitskreis ins Spiel. Er kümmert sich darum, Freiwillige aus der Wirtschaft, dem Schulwesen und dem Bereich Beratung anzuwerben. Vor Ort, heißt am HessenChemie Campus, werden sie dann auf das Prüfungsverfahren an der Schule vorbereitet. An entsprechenden Terminen werden die Audits dann ganztägig durchgeführt. In diesem Jahr durchlaufen in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus vier Schulen das Zertifizierungsverfahren.

Zusammenfassend ist zu sehen, dass SCHULEWIRTSCHAFT ein aktiver Arbeitskreis ist, für den Partnerschaften zwischen Schulen und Wirtschaft wichtig sind. Aber ohne engagierte Partner geht es nicht! Also, wer etwas nachhaltig für den Übergang zwischen Schule und Beruf tun will, engagiert sich bei SCHULEWIRTSCHAFT.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik: Drei Fragen an Dr. Hans-Peter Klös

3 Fragen – 3 Antworten zu den Wiesbadener Gesprächen

Dr. Hans-Peter Klös erläutert die Ergebnisse der Studie "Digitalisierung in der hessischen Chemie"

Dr. Hans-Peter Klös erläutert die Ergebnisse der Studie „Digitalisierung in der hessischen Chemie“

Am 24. Oktober 2017 fanden im Kurhaus Wiesbaden die 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Vernetzt. Gehetzt? Wertgeschätzt! – Anforderungen an die Arbeit in der digitalisierten Industrie“ diskutierten wir mit Experten aus Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaft und Verbänden über die Herausforderungen und Anforderungen der Digitalisierung an die Arbeitswelt. Zwei Experten aus dem Bereich der Wissenschaft gaben uns im Vorfeld in der Serie „Drei Fragen an…“ bereits einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages. Dr. Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) erläutert heute die Ergebnisse aus der Branchen-Studie, die bei den Wiesbadener Gesprächen vorgestellt wurde.

Dr. Hans-Peter Klös gehört der vierköpfigen Geschäftsführung des IW Köln an. Er leitet zusammen mit Dr. Hubertus Bardt den Bereich Wissenschaft. Klös ist seit 1988 im Institut tätig und war an zahlreichen Veröffentlichungen und Gutachten beteiligt. Das Institut forscht in verschiedenen Bereichen und erarbeitet Analysen und Stellungnahmen zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik, des Bildungs- und Ausbildungssystems sowie der gesellschaftlichen Entwicklung.

Drei Fragen an…

HessenChemie: Wie wichtig ist das Thema Digitalisierung in der hessischen Chemie?

Dr. Klös: Das Thema Digitalisierung ist in den Mitgliedsunternehmen von HessenChemie voll angekommen. Mehr als jedes dritte Unternehmen befasst sich intensiv, mehr als jedes zweite am Rande mit der Digitalisierung. Bereits gut ein Viertel der Unternehmen weist der Digitalisierung schon heute ein hohes Gewicht für die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu

 

HessenChemie: Welche Anforderungen gibt es an die Arbeitswelt 4.0?

Dr. Klös: Das Engagement der befragten hessischen Unternehmen bei Personalentwicklungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ist größer als in der Gesamtwirtschaft. Dies gilt insbesondere für Personalentwicklungsinstrumente, z.B. systematische Potenzialanalysen und individuelle Laufbahnplanungen, sowie für Weiterbildungsmaßnahmen. Die Mitgliedsunternehmen von HessenChemie setzen dabei besonders stark auf erfolgs- und leistungsabhängige Vergütungskomponenten.

 

HessenChemie: Was könnten Hemmnisse im Digitalisierungsprozess sein?

Dr. Klös: Als Haupthindernis für den Digitalisierungsprozess nennen die Unternehmen fehlendes Fachwissen bzw. fehlende Fachkräfte. Ein relativ großes Hemmnis scheint auch noch das erforderliche Volumen der vorzunehmenden Investitionen zu sein.

Die Studie kann auf www.hessenchemie.de bestellt bzw. heruntergeladen werden.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Grundschullehrer nehmen bei „Experimente hoch 3“ Casino-Saal an der Goethe-Universität ein

Der Zauber von Seifenbasen

Der Zauber von Seifenblasen

An dem einen Tisch wird laut gejubelt, am anderen platzt ein Luftballon. An anderer Stelle fliegen Seifenblasen durch die Luft. Ein reges Treiben beherrscht am letzten Samstag im September das Casino der Goethe-Universität in Frankfurt. Denn 200 Grundschullehrer haben den großen Saal eingenommen, um an zehn verschiedenen Experimentier-Baustellen auszuprobieren, wie sie mit Rotkohl Bilder malen können oder aus Zeitungspapier und Strohhalmen hohe Bauwerke erschaffen können. Die Chemieverbände Hessen hatten zusammen mit dem hessischen Kultusministerium zum vierten Mal zum Forschertag – Experimente hoch 3 – am Campus der Universität eingeladen. Hessens Kultusminister Professor Dr. R. Alexander Lorz übernahm erneut die Schirmherrschaft.

Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer Arbeitgeberverband HessenChemie, dankte den Lehrern, sich an einem freien Tag für den Unterricht zu engagieren. Er las aber gleichzeitig aus der ausgebuchten Veranstaltung ab, dass es einen Bedarf an naturwissenschaftlicher Bildung auch an Grundschulen und in der Ganztagbetreuung gibt. „Mit dem Erforschen von Alltagsphänomenen legen Sie den Grundstein für lebendige Naturwissenschaften und motivieren Schülerinnen und Schüler, sich intensiv und vielleicht ausdauernd mit Naturwissenschaften und Technik auseinanderzusetzen“, betonte er eingangs. Deswegen engagierten sich die Chemieverbände gerne mit vielen Projekten im Bildungsbereich.

Experimentier-Stationen vermitteln fachliches Wissen und didaktische Kompetenzen

Experimente hoch 3 bot sich in der vierten Runde in einem neuen Gewand: Zwischen zehn verschiedenen Stationen konnten sich die Teilnehmer entscheiden, an welcher sie experimentieren und ihrem Forscherdrang nachgehen wollen. An den Tischgruppen wurden dann schließlich konzentriert, aber ausgelassen Lavalampen aus Salz, Wasser und Essig hergestellt oder Rennautos aus Luftballons und Korken und Pappe gebaut. Währenddessen schaute Kultusminister Professor Dr. R. Alexander Lorz einigen Lehrkräften dabei über die Schulter. Er zeigte sich von der Fortbildungsbereitschaft der 200 Lehrer beeindruckt und dass sie sich an ihrem freien Tag Zeit dafür nehmen. „Ich freue mich besonders darüber, dass eine so hohe Begeisterung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besteht. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um auf die bei Kindern immer vorhandene Neugierde auf naturwissenschaftliche Themen zu reagieren“, sagte er.

Experimente hoch 3: Vom Staunen zur Neugier zum Lernen

Damit die Teilnehmer auch das nötige Fachwissen in die Praxis einbringen können, erhielten sie vorab von Prof. Dr. Peter Heiniger von der Pädagogischen Hochschule Thurgau didaktische Empfehlungen an die Hand. Er zeigte anschaulich auf, wie Lehrer ihre Schüler „Vom Staunen zur Neugier zum Lernen“ ermuntern können. Dabei erläuterte der Professor, welche Kriterien für einen erfolgreichen naturwissenschaftlichen Unterricht in der Grundschule bedeutsam sind.

Gemeinsames Staunen an den Experimentierstationen

Gemeinsames Staunen an den Experimentierstationen

Praktisch umsetzen konnten die Teilnehmer das dann an den Experimentier-Stationen, an denen sie erarbeiteten, welche fachlichen und überfachlichen Kompetenzen sie bei ihren Schülern fördern können. Das Konzept des Forschertages sieht vor, dass die Lehrkräfte die Experimente direkt im Schulalltag umsetzen können. „Die Teilnehmer aus den Grundschulen können sich von neuen Ideen inspirieren lassen, ihr Hintergrundwissen erweitern und die erprobten Versuche bereits morgen im Unterricht einsetzen“, erklärte Gregor Disson, Geschäftsführer des Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie (VCI Hessen). Auch der Austausch mit den Kollegen beim gemeinsamen Experimentieren werde gefördert und zeige, dass naturwissenschaftliche Aufgabenstellungen fächerübergreifend eingesetzt werden können.

Seit über 20 Jahren unterstützen die Chemieverbände Hessen das Engagement für gute Bildung in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Mit „Experimente³“ setzen sich die Projektpartner HessenChemie, VCI Hessen und das Hessische Kultusministerium für die Förderung von Kindern im Bereich Naturwissenschaften und Technik ein.

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Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.