Unsichtbares Wasser: Sonderausstellung zeigt Verbrauch

Ein T-Shirt ist ein Kleidungsstück, das so ziemlich jeder in seinem Kleiderschrank hat. Aber wie viel Wasser für die Herstellung dieses Kleidungsstückes benötigt wird, wissen die wenigsten. Mit dem Wasserverbrauch, den ein jeder für das alltägliche Leben verbraucht, setzt sich die von Infraserv Höchst und Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH unterstützte Sonderausstellung Sonderausstellung „Ich sehe Was(ser), was du nicht siehst – virtuelles Wasser begreifen“ auseinander. Im EXPERIMINTA ScienceCenter in Frankfurt ist noch bis zum 29. April zu sehen, wo das unsichtbare „virtuelle“ Wasser von uns bleibt.

Täglich verbraucht jeder von uns circa 120 Liter Wasser täglich für Kochen, Duschen und Putzen. Auf dem ersten Blick, denn eigentlich werden knapp 4.000 Liter unsichtbares „virtuelles“ Wasser verbraucht.  Das entspricht in etwas mehr als 25 gefüllten Badewannen. Die Menge kommt zusammen, weil das Wasser bei der Herstellung unserer Lebensmittel, Kleidung und Gebrauchsgegenstände verdunstet, verbraucht oder verschmutzt wird. Wie und wo diese großen Mengen an virtuellem Wasser entstehen und welchen Einfluss unser Konsum auch auf andere Länder haben kann, erklärt die Sonderausstellung im Science-Center auf spielerische Weise.

Besucher erfahren globale Zusammenhänge

Virtuelles Wasser zum Anfassen: Auszubildende zum Chemikanten der Firma Clariant zeigen bei der Ausstellungseröffnung Dr. Udo Lemke (4. von links), Geschäftsführer Provadis, Astrid Jaschek, Geschäftsführerin Experiminta ScienceCenter, Marny Schröder von Provadis, dem Hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir , Dr. Ulrich Bosler Vorsitzender Experiminta e.V. und Jürgen Vormann, Geschäftsführer Infraserv Höchst, eines der interaktiven Exponate. Foto: Infraserv

Die Ausstellung fordert mit ihren interaktiven Exponaten dazu auf, die nicht ganz einfache Thematik zu begreifen und von vielen Seiten zu erforschen“, erläuterte Astrid Jaschek, Geschäftsführerin des EXPERIMINTA ScienceCenters das Konzept. Besucher könnten so die globalen Zusammenhänge des virtuellen Wassers erkennen und herausfinden, wieviel Wasser in Fleisch oder Tomaten steckt.

Ergänzt wird die Ausstellung um ein Begleitprogramm mit Workshops für Kinder, Lehrerfortbildungen, Mitmach-Experimenten in der Zeitung und einer Rallye durch die Ausstellung, bei der es auch etwas zu gewinnen gibt. Kooperationspartner sind das Bildungsunternehmen Provadis und die Infraserv GmbH & Co. Höchst KG. Gemeinsam wurde das vielfältige Rahmenprogramm entwickelt. „Dadurch können noch weitere Aspekte zum nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser beleuchtet werden“, sagte Jaschek.

Nachhaltigkeit ist auch in der Ausbildung ein wichtiges Thema

Denn auch für die Industrie in Frankfurt spielt Wasser eine wichtige Rolle. Die Sonderausstellung bietet deshalb auch die Gelegenheit, den nachhaltigen Umgang der Unternehmen im Industriepark Höchst mit dieser wichtigen Ressource kennenzulernen. Deswegen geht die Sonderausstellung auf den Fragen auf den Grund, woher das Wasser, das in der Produktion gebraucht wird, kommt oder welche Produkte im Industriepark Höchst hergestellt werden, die uns im Alltag helfen, weniger Wasser zu verbrauchen. Auszubildende des Provadis-Nachhaltigkeitsprojekts ANLIN (Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie) haben dazu ein Exponat entwickelt, das zeigt, wie Produkte der chemischen Industrie Autos energieeffizienter und nachhaltiger machen. „Wir nehmen unsere Verantwortung für die Umwelt und ihre Ressourcen sehr ernst. Die Unternehmen im Industriepark Höchst und wir als Standortbetreiber engagieren uns auf vielfältige Weise dafür, schonend damit umzugehen“, betonte Jürgen Vormann, Geschäftsführer von Infraserv Höchst.


Nach 30 Jahren ist Schluss

Walter Schmidt, langjähriger Leiter des Bildungszentrums Kalle-Albert, hat sich in den Ruhestand verabschiedet

Auch wenn offiziell Schluss ist, denkt Walter Schmidt noch lange nicht ans Aufhören. Für Menschen wie ihn wurde der Begriff Unruhezustand erschaffen. Der langjährige Leiter des Bildungszentrums am Industriepark Kalle-Albert ist zwar in Pension gegangen, wird sich aber in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen weiterhin noch blicken lassen. Denn zwei Themen sind und bleiben ihm wichtig: Die duale Ausbildung und benachteiligte Menschen.

An seinem letzten Tag im Industriepark Kalle-Albert ist Walter Schmidt, wie man ihn kennt, die Ruhe selbst. Er weist Auszubildende noch für den Wettbewerb „Jugend forscht“ ein, bevor er zu seiner eigenen Verabschiedungsfeier geht. „Dass das der letzte Tag ist, ist mir gar nicht so bewusst“, sagt er. Bei einer Tasse Kaffee hat er sich vorher Zeit noch genommen, um seine Zeit als Ausbildungsleiter Revue passieren zu lassen.

Walter Schmidt feierte seinen Abschied selbstverständlich in der technischen Werkstatt des Bildungszentrums. Foto: bh / HessenChemie

1988 ging es für Schmidt in den Industriepark

Als ein Computer noch 4.000 D-Mark kostete und den Beginn der digitalen Revolution markieren sollte, fing Walter Schmidt im Industriepark an. Das war vor 30 Jahren. „Da steht uns was bevor, da müssen wir was tun“, erinnert sich Schmidt an die mahnenden Worte der Verantwortlichen des damaligen Hoechst-Konzerns, die, wie Schmidt sagt, mutig gewesen seien, etwas in Richtung Mitarbeiter und Digitalisierung zu tun. Schmidt, zu dem Zeitpunkt noch Systemingenieur bei Opel,  wird eingestellt und soll das gerade erst fertig gestellte Ausbildungszentrum leiten und aufbauen.  „So eine Chance hat man nur einmal im Leben, hab ich mir gesagt“, erinnert sich Schmidt. Er stellte ein kleines Team zusammen und gemeinsam legten sie los. Bei seiner Verabschiedung sagen Weggefährten dann, Schmidt sei Wegbereiter und Visionär.

Schmidt musste in den vergangenen 30 Jahren immer wieder Überzeugungsarbeit leisten, damals um die Notwendigkeit der Ausbildung und heute um die Gewinnung von Auszubildenden, sowie darüber, mit der Entwicklung Schritt halten zu können. Denn der technologische Fortschritt schreite so schnell voran, dass man jetzt noch gar nicht voraussehen kann, wie sich die Arbeitswelt in vier Jahren gestaltet, wenn der aktuelle Jahrgang seine Ausbildung abschließen wird.

Weggefährten bezeichnen ihn als Visionär

So wird er bei seiner Abschiedsfeier den Worten seiner Weggefährten gerecht und wagt einen visionären Blick in die Zukunft. Er zeigt bildlich auf, dass sich die Produktion individualisieren werde und Verantwortliche die Ausbildung darauf hin ausrichten müssten. „Die Digitalisierung wird direkt beim Endkunden ansetzen, denn der entscheidet, was er will“, sagt er. Waschmittel werde dann beispielsweise im Industriepark nur noch auf Bestellung individualisiert für den Endkunden hergestellt.

Eins hat Schmidt bei seiner Arbeit in den letzten drei Jahrzehnten immer wieder gefreut, „wenn was mit Randgruppen geklappt hat.“ Seine eigene Schulzeit habe ihn wohl geprägt, denn er selbst sei kein guter Schüler gewesen und mit Lehrern hatte er es auch nicht so, wie er schmunzelnd erklärt. Deshalb unterstütze er wohl junge Menschen, die in der Schule nicht so gut seien oder die von anderen als chancenlos angesehen werden.  „Das können tolle Mitarbeiter werden, man muss ihnen nur eine Chance geben“, sagt er. Das hat er nicht nur im Bildungszentrum getan, sondern auch gemeinsam mit Schulen oder anderen Einrichtungen und Projekten wie beispielsweise den Joblingen oder im Verein Abis. Darüber hinaus engagiert sich Schmidt im Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer und im Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT. „Ich habe eine Menge klasse Lehrer kennengelernt, hätte ich mir früher nie erträumt“, sagt er schelmisch.

Auch wenn Schmidt nun in Pension geht, wird es erstmal nicht ruhig und er hat schon eine Aufgabenliste. So will er in einigen Gremien aktiv bleiben und sich weiter engagieren. Für seine 92-jährige Mutter will er sich vor allem Zeit nehmen. Und seinem Hobby Eisenbahn will er sich widmen und den Lago Maggiore per Dampf erkunden, wie er erzählt. Es wird also nicht langweilig.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


60 Lehrkräfte drücken für Chemie-Unterricht selbst die Schulbank

Was hat die Creme-Seife „sensitiv“ aus dem Drogeriemarkt mit dem Schulunterricht  zu tun? Wie Lehrerinnen und Lehrer alltägliche Produkte wie die Creme-Seife, Arzneimittel oder auch verschiedene Nahrungsmittel in ihren Chemie-Unterricht einbeziehen können, haben die rund  60 Teilnehmer beim letzten zweitägigen Lehrerwochenendseminar der Chemieverbände Hessen erfahren. Unter dem Motto „Schön und gesund!“ konnten sie an einem Tag in den Laboren am Campus Riedberg der Universität Frankfurt verschiedene Experimente durchführen. Bereits am Tag zuvor gab das Bildungsunternehmen Provadis Einblicke in Ausbildungsberufe in der Chemiebranche. Bei einer Besichtigung des Industrieparks Höchst erfuhren die Lehrkräfte, was auf 460 Hektar Gesamtfläche alles passiert.

Im Labor durften die Lehrkräfte selbst ran: Sie experimentierten mit handelsüblichen Kosmetika oder Lebensmitteln. Foto: VCI Hessen

Doch wer arbeitet eigentlich in so einem Industriepark mit 22.000 Beschäftigten? Die Antwort lieferte das Bildungsunternehmen Provadis, das direkt am Industriepark angesiedelt ist. Ein Industriepark sei mit einer Kleinstadt vergleichbar, in der alles gebraucht werde, erklärte Marny Schröder von Provadis. Deswegen bilde Provadis auch in rund 40 Berufen aus. Außerdem erläuterte sie, welche Schulabschlüsse benötigt werden und welche Bildungswege die chemische Industrie bietet. Provadis bildet unter anderem Chemikanten, Laboranten, aber auch kaufmännische Berufe aus. Von den jährlich 400 Auszubildenden entschieden sich die meisten für den Beruf des Chemikanten. Jürgen Funk vom Arbeitgeberverband HessenChemie betonte, dass die Chemiebranche für junge Menschen vor allem auch nach der Ausbildung gute Perspektiven biete. Das war einigen nicht bekannt – jedenfalls ließ sich das aus den Nachfragen der Teilnehmer schließen. Ein Rundgang durch die gewerblich-technische Ausbildung gab den Teilnehmern Gelegenheit zum Austausch mit Ausbildern und Auszubildenden.

Einen umfassenden Einblick hinter die Kulissen des Industriepark Höchst erhielten die Lehrkräfte anschließend bei einer einstündigen Rundfahrt. „Sie alle kennen doch die Autos von der Deutschen Post oder die roten Ferraris“, fragt die Gästeführerin. Zustimmendes Nicken im Bus. „Die Farbpigmente werden hier im Industriepark hergestellt“, ergänzt sie und erntet staunende Gesichter. Was zu Beginn im Jahre 1863 noch ein überschaubares Farbwerk war, ist heute ein Standort mit einer Gesamtfläche von 460 Hektar, was ungefähr 644 Fußballfeldern entspricht. Hier haben sich 90 Unternehmen angesiedelt, die 22.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Lehrinnen und Lehrer erfuhren nicht nur, welche Unternehmen im Industriepark ansässig sind und was sie herstellen, sondern unter anderem auch, dass der Industriepark sich selbst mittels eigener Kraftwerke mit Energie versorgt, über einen eigenen Hafen verfügt oder eine eigene Buslinie unterhält.

Beim Rundgang durch die Räume der gewerblich-technischen Ausbildung bei Provadis gab es einiges zu entdecken. Foto: HessenChemie

„Bitte ziehen Sie Kittel an und setzen Sie die Schutzbrillen auf“, hieß es am zweiten Tag nach einem Vortrag von Professor Arnim Lühken, geschäftsführender Direktor des Instituts für Didaktik der Chemie. An diesem Samstagvormittag tauschten die Lehrkräfte die Rollen und drücken selbst die Schulbank. Es herrschte reges Treiben im Labor am Campus Riedberg. Hier und da klapperte es, Erlenmeyerkolben wurden geschwenkt, im Mörser wurden Tabletten zerkleinert. In verschiedenen Workshops probierten die Teilnehmer zu den verschiedenen Themenbereichen Kosmetik, Ernährung und Arzneimittel aus, wie sie ihren Chemie-Unterricht mit einfachen Mitteln ansprechend gestalten können. Dabei untersuchten sie alltägliche Produkte wie Shampoo, Duschgel aber auch Energydrinks auf ihre Inhaltsstoffe. „In den verschiedenen Workshops können die Lehrkräfte frische Ideen mitnehmen und in ihrem eigenen Unterricht umsetzen“, sagte Heike Blaum vom VCI Hessen.

Stichpunkte in Sachen Ernährung und Gesundheit erhielten die Seminarteilnehmer bereits am Abend davor. Ernährungsberaterin Andrea Stensitzky-Thielemans, die sonst Spitzensportler berät,  erzählte über die Schönheitsideale von Jugendlichen und wie sie sie erreichen wollen. Gesunde Ernährung spiele dabei eine wichtige Rolle.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.

 


Arbeitskreis bringt Schulen und Wirtschaft zusammen

„Alle elf Minuten…“: Wer kennt sie nicht, die Werbesprüche für Partnerbörsen im Internet. Dabei verfolgen die Internetplattformen ein einfaches Prinzip: Sie bringen diejenigen zusammen, die sich suchen. Diesen Ansatz verfolgt auch das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT: In regionalen Arbeitskreisen bringen Mitwirkende ebenfalls die zusammen, die sich suchen und oftmals nicht wissen, wie sie zusammenkommen – nämlich Schulen und Wirtschaft. Und das auch in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Ziel der Arbeit ist, Lehrern wirtschaftliche Zusammenhänge näher zu bringen und Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen aufzubauen. Die Akteure handeln dabei ehrenamtlich.

Volles Haus: Zum Kick-Off von SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus kamen viele Gäste zum HessenChemie Campus. Foto: Frauke Blech

SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist der regionale Teil eines Netzwerkes, das auf Bundes- und Landesebene eine Schnittstelle zwischen Schulen und den Betrieben bildet. Auf Bundesebene leitet die Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT die Geschicke, die wiederum an der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände und dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln angesiedelt ist. Bundesweit gibt es über 400 Arbeitskreise. In Hessen ist auf Landesebene SCHULEWIRTSCHAFT ansässig in Frankfurt und mit sechs regionalen Geschäftsführungen in 28 Arbeitskreisen untergliedert. Die regionale Geschäftsstelle Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist eine davon und ist beim Arbeitgeberverband HessenChemie angesiedelt, der diese Aufgabe für die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wahrnimmt.

Und was macht der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT nun in Wiesbaden? Geschäftsführer Jürgen Funk und Projektleiterin Frauke Blech bilden das Team vor Ort. Bei ihnen laufen die regionalen Fäden zusammen. Ansässig beim Arbeitgeberverband HessenChemie koordinieren sie die Vernetzung zwischen den Unternehmen und den Schulen in der Landeshauptstadt sowie dem angrenzenden Landkreis Rheingau-Taunus. Zudem wirken sie in den relevanten Gremien mit, die sich mit den Themen Berufsorientierung, Übergang von Schule und Beruf sowie Ausbildung befassen. Parteipolitisch ist das Netzwerk neutral.

Aktuell steht der Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ an. Während von den Schulen die ersten Anmeldungen eingehen, stellt der Arbeitskreis eine Jury zusammen. Diese beurteilen schließlich bei einer Sitzung die eingegangenen Berichte nach feststehenden Kriterien. Neben der formalen Struktur nehmen die Juroren auch Inhalt und Gestaltung unter die Lupe. Wenn die Gewinner dann feststehen, wird es nach den Sommerferien am 20. Juni 2018 eine Siegerehrung im Kinopolis (Main-Taunus-Zentrum) geben, bei der über 200 Gäste erwartet werden. An dieser Stelle sei gesagt, dass noch Jury-Mitglieder gesucht werden. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei Frauke Blech per E-Mail an blech@hessenchemie.de melden.

Das Herzstück der Arbeitskreise und auch in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis ist allerdings das breite ehrenamtliche Engagement der Mitwirkenden auf regionaler Ebene. Hier bringen sich Lehrerinnen und Lehrer freiwillig und vor allem aus eigener Überzeugung dafür ein, dass Schulen und Wirtschaft zusammenfinden, aber auch wirksam zusammenarbeiten. Bei SCHULEWIRTSCHAFT stellen sie in ihrer Funktion als Arbeitskreisleiter Kontakte zwischen Schulen und Wirtschaft her. Darüber hinaus wirken sie als Juroren beim Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ mit oder engagieren sich als Auditoren beim Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung Hessen.

Das Gütesiegel für die Berufs-und Studienorientierung stellt eine besondere Aufgabe für SCHULEWIRTSCHAFT dar. Hier greifen die Zahnräder des Netzwerkes Olov ineinander. OloV steht für „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf“ und wurde 2005 als ein Projekt des Hessischen Paktes für Ausbildung ins Leben gerufen. Partner von Olov sind unter anderem das Land Hessen und die Kammern und eben auch SCHULEWIRTSCHAFT. Das Gütesiegel wird an Schulen vergeben, die eine vorbildliche Berufs- und Studienorientierung im Rahmen der Qualitätsstandards der hessenweiten Strategie OloV gestalten. Nach einem umfangreichen Prüfungsverfahren werden die Schulen, die zugelassen werden, bei einer großen Feier ausgezeichnet und können mit dem Siegel ihre ausgezeichnete Berufs- und Studienorientierung sichtbar machen.

Bei der Suche nach Auditoren für die bevorstehenden Audits kommt der Arbeitskreis ins Spiel. Er kümmert sich darum, Freiwillige aus der Wirtschaft, dem Schulwesen und dem Bereich Beratung anzuwerben. Vor Ort, heißt am HessenChemie Campus, werden sie dann auf das Prüfungsverfahren an der Schule vorbereitet. An entsprechenden Terminen werden die Audits dann ganztägig durchgeführt. In diesem Jahr durchlaufen in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus vier Schulen das Zertifizierungsverfahren.

Zusammenfassend ist zu sehen, dass SCHULEWIRTSCHAFT ein aktiver Arbeitskreis ist, für den Partnerschaften zwischen Schulen und Wirtschaft wichtig sind. Aber ohne engagierte Partner geht es nicht! Also, wer etwas nachhaltig für den Übergang zwischen Schule und Beruf tun will, engagiert sich bei SCHULEWIRTSCHAFT.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik: Drei Fragen an Dr. Hans-Peter Klös

3 Fragen – 3 Antworten zu den Wiesbadener Gesprächen

Dr. Hans-Peter Klös erläutert die Ergebnisse der Studie "Digitalisierung in der hessischen Chemie"

Dr. Hans-Peter Klös erläutert die Ergebnisse der Studie „Digitalisierung in der hessischen Chemie“

Am 24. Oktober 2017 fanden im Kurhaus Wiesbaden die 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Vernetzt. Gehetzt? Wertgeschätzt! – Anforderungen an die Arbeit in der digitalisierten Industrie“ diskutierten wir mit Experten aus Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaft und Verbänden über die Herausforderungen und Anforderungen der Digitalisierung an die Arbeitswelt. Zwei Experten aus dem Bereich der Wissenschaft gaben uns im Vorfeld in der Serie „Drei Fragen an…“ bereits einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages. Dr. Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) erläutert heute die Ergebnisse aus der Branchen-Studie, die bei den Wiesbadener Gesprächen vorgestellt wurde.

Dr. Hans-Peter Klös gehört der vierköpfigen Geschäftsführung des IW Köln an. Er leitet zusammen mit Dr. Hubertus Bardt den Bereich Wissenschaft. Klös ist seit 1988 im Institut tätig und war an zahlreichen Veröffentlichungen und Gutachten beteiligt. Das Institut forscht in verschiedenen Bereichen und erarbeitet Analysen und Stellungnahmen zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik, des Bildungs- und Ausbildungssystems sowie der gesellschaftlichen Entwicklung.

Drei Fragen an…

HessenChemie: Wie wichtig ist das Thema Digitalisierung in der hessischen Chemie?

Dr. Klös: Das Thema Digitalisierung ist in den Mitgliedsunternehmen von HessenChemie voll angekommen. Mehr als jedes dritte Unternehmen befasst sich intensiv, mehr als jedes zweite am Rande mit der Digitalisierung. Bereits gut ein Viertel der Unternehmen weist der Digitalisierung schon heute ein hohes Gewicht für die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu

 

HessenChemie: Welche Anforderungen gibt es an die Arbeitswelt 4.0?

Dr. Klös: Das Engagement der befragten hessischen Unternehmen bei Personalentwicklungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ist größer als in der Gesamtwirtschaft. Dies gilt insbesondere für Personalentwicklungsinstrumente, z.B. systematische Potenzialanalysen und individuelle Laufbahnplanungen, sowie für Weiterbildungsmaßnahmen. Die Mitgliedsunternehmen von HessenChemie setzen dabei besonders stark auf erfolgs- und leistungsabhängige Vergütungskomponenten.

 

HessenChemie: Was könnten Hemmnisse im Digitalisierungsprozess sein?

Dr. Klös: Als Haupthindernis für den Digitalisierungsprozess nennen die Unternehmen fehlendes Fachwissen bzw. fehlende Fachkräfte. Ein relativ großes Hemmnis scheint auch noch das erforderliche Volumen der vorzunehmenden Investitionen zu sein.

Die Studie kann auf www.hessenchemie.de bestellt bzw. heruntergeladen werden.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Grundschullehrer nehmen bei „Experimente hoch 3“ Casino-Saal an der Goethe-Universität ein

Der Zauber von Seifenbasen

Der Zauber von Seifenblasen

An dem einen Tisch wird laut gejubelt, am anderen platzt ein Luftballon. An anderer Stelle fliegen Seifenblasen durch die Luft. Ein reges Treiben beherrscht am letzten Samstag im September das Casino der Goethe-Universität in Frankfurt. Denn 200 Grundschullehrer haben den großen Saal eingenommen, um an zehn verschiedenen Experimentier-Baustellen auszuprobieren, wie sie mit Rotkohl Bilder malen können oder aus Zeitungspapier und Strohhalmen hohe Bauwerke erschaffen können. Die Chemieverbände Hessen hatten zusammen mit dem hessischen Kultusministerium zum vierten Mal zum Forschertag – Experimente hoch 3 – am Campus der Universität eingeladen. Hessens Kultusminister Professor Dr. R. Alexander Lorz übernahm erneut die Schirmherrschaft.

Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer Arbeitgeberverband HessenChemie, dankte den Lehrern, sich an einem freien Tag für den Unterricht zu engagieren. Er las aber gleichzeitig aus der ausgebuchten Veranstaltung ab, dass es einen Bedarf an naturwissenschaftlicher Bildung auch an Grundschulen und in der Ganztagbetreuung gibt. „Mit dem Erforschen von Alltagsphänomenen legen Sie den Grundstein für lebendige Naturwissenschaften und motivieren Schülerinnen und Schüler, sich intensiv und vielleicht ausdauernd mit Naturwissenschaften und Technik auseinanderzusetzen“, betonte er eingangs. Deswegen engagierten sich die Chemieverbände gerne mit vielen Projekten im Bildungsbereich.

Experimentier-Stationen vermitteln fachliches Wissen und didaktische Kompetenzen

Experimente hoch 3 bot sich in der vierten Runde in einem neuen Gewand: Zwischen zehn verschiedenen Stationen konnten sich die Teilnehmer entscheiden, an welcher sie experimentieren und ihrem Forscherdrang nachgehen wollen. An den Tischgruppen wurden dann schließlich konzentriert, aber ausgelassen Lavalampen aus Salz, Wasser und Essig hergestellt oder Rennautos aus Luftballons und Korken und Pappe gebaut. Währenddessen schaute Kultusminister Professor Dr. R. Alexander Lorz einigen Lehrkräften dabei über die Schulter. Er zeigte sich von der Fortbildungsbereitschaft der 200 Lehrer beeindruckt und dass sie sich an ihrem freien Tag Zeit dafür nehmen. „Ich freue mich besonders darüber, dass eine so hohe Begeisterung bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besteht. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um auf die bei Kindern immer vorhandene Neugierde auf naturwissenschaftliche Themen zu reagieren“, sagte er.

Experimente hoch 3: Vom Staunen zur Neugier zum Lernen

Damit die Teilnehmer auch das nötige Fachwissen in die Praxis einbringen können, erhielten sie vorab von Prof. Dr. Peter Heiniger von der Pädagogischen Hochschule Thurgau didaktische Empfehlungen an die Hand. Er zeigte anschaulich auf, wie Lehrer ihre Schüler „Vom Staunen zur Neugier zum Lernen“ ermuntern können. Dabei erläuterte der Professor, welche Kriterien für einen erfolgreichen naturwissenschaftlichen Unterricht in der Grundschule bedeutsam sind.

Gemeinsames Staunen an den Experimentierstationen

Gemeinsames Staunen an den Experimentierstationen

Praktisch umsetzen konnten die Teilnehmer das dann an den Experimentier-Stationen, an denen sie erarbeiteten, welche fachlichen und überfachlichen Kompetenzen sie bei ihren Schülern fördern können. Das Konzept des Forschertages sieht vor, dass die Lehrkräfte die Experimente direkt im Schulalltag umsetzen können. „Die Teilnehmer aus den Grundschulen können sich von neuen Ideen inspirieren lassen, ihr Hintergrundwissen erweitern und die erprobten Versuche bereits morgen im Unterricht einsetzen“, erklärte Gregor Disson, Geschäftsführer des Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie (VCI Hessen). Auch der Austausch mit den Kollegen beim gemeinsamen Experimentieren werde gefördert und zeige, dass naturwissenschaftliche Aufgabenstellungen fächerübergreifend eingesetzt werden können.

Seit über 20 Jahren unterstützen die Chemieverbände Hessen das Engagement für gute Bildung in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Mit „Experimente³“ setzen sich die Projektpartner HessenChemie, VCI Hessen und das Hessische Kultusministerium für die Förderung von Kindern im Bereich Naturwissenschaften und Technik ein.

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Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Schöne neue Welt? Berufsbildung in Zeiten der Digitalisierung

3 Fragen – 3 Antworten zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser über Berufsbildung in Zeiten der Digitalisierung

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser über Berufsbildung in Zeiten der Digitalisierung

Am 24. Oktober 2017 finden im Kurhaus Wiesbaden die 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Vernetzt. Gehetzt? Wertgeschätzt! – Anforderungen an die Arbeit in der digitalisierten Industrie“ diskutieren wir mit Experten aus Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaft und Verbänden über die Herausforderungen und Anforderungen der Digitalisierung an die Arbeitswelt von morgen. Die Experten aus dem Bereich der Wissenschaft geben uns im Vorfeld in der Serie „Drei Fragen an…“ einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages.

Aus der Backstube in den Hörsaal: Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser ist gelernter Bäckergeselle und hat über den „zweiten Bildungsweg“ sein Abitur gemacht. Anschließend absolvierte er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften sowie Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik. 1989 begann Esser schließlich seine akademische Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeit am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpädagogik an der Universität zu Köln, wechselte zum Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) und war Leiter der Abteilung „Berufliche Bildung“ beim Zentralverband des Deutschen Handwerks bis er 2011 das Amt des Präsidenten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn übernommen hat. Sein Forschungs- und Arbeitsschwerpunkt ist vor allem die Berufs- und Qualifikationsforschung. Seine Kenntnisse als Berufsbildungsexperte waren immer wieder in zahlreichen Gremien und Ausschüssen gefragt. Bei den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik wird Prof. Esser darüber sprechen, warum die Digitalisierung in der Bildung ein wichtiges Thema ist.

Drei Fragen an…

HessenChemie: Warum ist das Thema „Digitalisierung in der Bildung“ so wichtig?

Prof. Esser: Wir erkennen, dass sich in den kommenden Jahren der Fachkräfte- und Qualifikationsbedarf noch deutlicher ändern wird als bislang: Es wird ein Bedarfszuwachs bei den IT-Kernberufen und bei den IT-Mischberufen erwartet. Ferner zeichnet sich ein Strukturwandel hin zu mehr Dienstleistungen ab. Für das Berufsbildungssystem ist die Digitalisierung Herausforderung und Chance für den Nachweis, wie gut es mit diesen Veränderungen umgehen kann. Die Nähe der Berufsbildung zu Arbeits- und Geschäftsprozessen ist ein entscheidender Vorteil gegenüber vollzeitschulischen und akademischen Bildungsgängen. Auf sehr kurzen Wegen lässt sich hier nicht nur der Bedarf bestimmen, sondern auch Bildung realisieren.

 

HessenChemie: Entstehen im Zuge der Digitalisierung bereits neue Berufsbilder?

Prof. Esser: Ausbildungsberufe resultieren aus Abstimmungsprozessen zwischen den Sozialpartnern, Bund und Ländern. Das BIBB moderiert und unterstützt diese Prozesse. Die Diskussion über neue Berufe betrifft derzeit zumal die Schnittstellen zwischen vorhandenen Berufsprofilen, zum Beispiel bei den IT-, Elektro- und Metallberufen. Hier laufen unsererseits Voruntersuchungen, wie Berufsprofile eventuell neu zu schneiden oder weiterzuentwickeln sind. Auch die Schnittstellen zwischen Aus- und Weiterbildung gilt es zu neu zu gestalten, etwa bei Spezialisierungen. Und schließlich bleibt die künftige Gestaltung von Abschlussprüfungen ein Dauerthema.

 

HessenChemie: Inwiefern ändern sich die Anforderungen an das Ausbildungspersonal?

Prof. Esser: Auszubildende, Beschäftigte und das Ausbildungspersonal müssen für das mediengestützte Lernen und Lehren geschult werden. Gerade das Ausbildungspersonal braucht in seiner neuen Rolle als Lehr- und Lernbegleiter Weiterbildung. Die Ausbilderinnen und Ausbilder sind in den Betrieben für das Lernen und Handeln in einer digitalisierten Arbeitswelt die zentrale Zielgruppe. Deshalb sind IT- und medienpädagogische Kompetenzen zu stärken und passende Qualifizierungsangebote zu entwickeln. Künftig können zum Beispiel Wikis, Blogs, Apps und Erklärvideos Inhalte vermitteln. Denn Lernen und Lehren werden immer individueller und mobiler.

Mehr zur Serie „Drei Fragen an…“

Drei Fragen an Prof. Dr. Jan Marco Leimester lesen Sie hier…

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik: Drei Fragen an Prof. Dr. Jan Marco Leimeister

3 Fragen – 3 Antworten zu den Wiesbadener Gesprächen

Prof. Dr. Jan Marco Leimeister über Anforderungen an Management und Belegschaft in Zeiten der Digitalisierung.

Am 24. Oktober 2017 finden im Kurhaus Wiesbaden die 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Vernetzt. Gehetzt? Wertgeschätzt! – Anforderungen an die Arbeit in der digitalisierten Industrie“ diskutieren wir mit Experten aus Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaft und Verbänden über die Herausforderungen und Anforderungen der Digitalisierung an die Arbeitswelt. Die Experten aus dem Bereich der Wissenschaft geben uns im Vorfeld in der Serie „Drei Fragen an…“ einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages. Den Auftakt macht Prof. Dr. Jan Marco Leimeister.

Prof. Dr. Jan Marco Leimeister ist aktuell Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik an den Universitäten St. Gallen und Kassel. Das Handelsblatt sieht den 43-Jährigen unter den Top 5 der Wirtschaftsinformatik-Professoren. Über 250 nationale und internationale Fachpublikationen, Studien und Bücher hat er veröffentlicht. Leimeister forscht intensiv über Gestaltung, Einführung und Management von IT-gestützten Organisationsformen und Innovationen. Bei den 12. Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik wird er über digitale Transformationen und deren Herausforderungen an Mitarbeiter und Management sprechen.

Drei Fragen an…

HessenChemie: Welche Herausforderungen kommen auf Management und Belegschaft angesichts der digitalen Transformation und der digitalen Arbeit zu?

Prof. Leimeister: Unternehmen, Geschäftsmodell(e), Belegschaft, Unternehmenskultur, Management und Arbeitsorganisation müssen zwingend „fit“ für die digitale Transformation gemacht werden. Es gilt neue Arbeits-, Führungs- und Zusammenarbeitsformen zu verstehen und sich – wo immer nützlich – zu eigen zu machen. Sich trauen, Neues auszuprobieren, ohne das Bewährte gleich über Bord zu werfen, wird immer wichtiger.

 

HessenChemie: Worauf müssen/sollten sich Unternehmen vorbereiten?

Prof. Leimeister: Wettbewerbsintensität, Dynamik, Volatilität und Komplexität steigen. Viele Märkte werden komplett umgekrempelt, neue entstehen, bestehende verschwinden. Dies hat Auswirkungen sowohl auf Prozesse als auch Produkte und Services. Es gilt der Satz „Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert“.

 

HessenChemie: Wie sollten Mitarbeiter in den Digitalisierungsprozess eingebunden werden?

Prof. Leimeister: Gemeinsam geht’s besser – Management und Belegschaft können gemeinsam neue Wege zusammenzuarbeiten erlernen und in geschützten Bereichen verproben – um Innovationskraft, Agilität, Flexibilität und Wettbewerbskraft zu stärken.

Zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik

Die Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik finden seit 2005 regelmäßig im Kurhaus Wiesbaden statt. Veranstalter ist der Arbeitgeberverband HessenChemie. Die Wiesbadener Gespräche greifen aktuelle Themen auf, die sich in den für die Mitgliedsunternehmen des Verbandes wichtigen Fragen der Sozialpolitik widerspiegeln und eine gesamtgesellschaftliche Relevanz haben. Dabei werden die aufgerufenen Themen gemeinsam mit Experten aus Unternehmen, Gewerkschaft, Wissenschaft, Politik und Medien diskutiert. Zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik wird stets ein Tagungsband oder eine Studie mit weiterführenden Beiträgen und Informationen zum Thema der Veranstaltung veröffentlicht. Weitere Infos und Anmeldung…

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


70 Jahre HessenChemie: Alles ganz anders

Ein Arbeitsumfeld im Wandel der Zeit

In Büros wurde noch geraucht, es gab gleiche Arbeitszeit für alle und Papier kam in rauen Mengen zum Einsatz: Das Arbeitsleben hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Daran erinnert sich Michael Fletterich, Betriebsratsvorsitzender Darmstadt/Gernsheim der Merck KGaA, noch ganz genau. Seitdem er vor 40 Jahren seinen Dienst als Feuerwehrtechniker bis zur Ausbildung im gehobenen Diensten bei der Werksfeuerwehr bei Merck KGaA in Darmstadt begonnen hat, ist einiges anders geworden. Anlässlich des 70-jährigen Bestehens der HessenChemie gewährt er uns ein paar Einblicke in vergangene Zeiten aus der Perspektive des Betriebsrates.

Eine der deutlichsten Veränderungen fällt Fletterich sofort ein:  „Es durfte noch überall geraucht werden, man konnte sich teilweise nicht sehen, so stark war es verraucht“, erinnert sich Fletterich und muss dabei lachen. Heute sei das nicht mehr vorstellbar. Nicht nur in punkto Rauchen hat sich was geändert, auch in vielen anderen Arbeitsbereichen ist der Wandel gekommen. „Da liegen Welten dazwischen“, stellt Fletterich fest, der vor kurzem sein 40-jähriges Betriebsjubiläum gefeiert hat.

Zu seinen Anfangszeiten gab es noch einen werkseigenen „Tee-Dienst“. Bei damals schon knapp 6.000 Mitarbeitern eine Mammut-Aufgabe: Angestellte haben den Tee gekocht, in Kannen abgefüllt, an die Mitarbeiter im ganzen Betrieb verteilt und später wieder eingesammelt. Sogar einen gesonderten Spüldienst habe es für die gebrauchten Teekannen gegeben. Bis in die 2000er-Jahre  hat es dieses Angebot gegeben. Für Mitarbeiter gibt es heute andere Möglichkeiten, sich mit Heißgetränken zu versorgen. Selbst anhand der Namensgebung zeigt sich der Fortschritt der Zeit: Die Kantinen hießen früher noch Speiseanstalten.

Michael Fletterich ist seit 40 Jahren bei Merck beschäftigt. Den Wandel in der Arbeitswelt hat er in den letzten Jahrzehnten erlebt.

Michael Fletterich ist seit 40 Jahren bei Merck beschäftigt. Den Wandel in der Arbeitswelt hat er in den letzten Jahrzehnten erlebt.

Schreibmaschinen und sehr viel Papier – das können sich insbesondere Jüngere nicht mehr vorstellen – kamen vor noch gar nicht so langer Zeit reichlich zum Einsatz. Während früher, daran erinnert sich Fletterich noch ganz genau, alles in Papierform erfasst wurde, laufen viele Vorgänge heute digital ab. In größeren Schreibbüros, die es eigens für diese Aufgaben gab, tippten Sekretärinnen ihre Notizen oder Diktate in die Schreibmaschinen. Erste Erleichterungen kamen in den 1980er-Jahren mit den elektrischen Schreibmaschinen, die über Korrekturtasten verfügten und damit schon ein enormer Fortschritt gewesen seien. „Bei einigen Dokumenten hatte man ja teilweise bis zu drei Durchschläge“, sagt Fletterich. Heutzutage kaum noch vorstellbar. Datenverarbeitung sei für ihn ein Bereich, in dem der Fortschritt sehr anschaulich wird.  Und auch die Gerätschaften seien Anfang der 1990er-Jahre noch ganz andere Kaliber gewesen. „Ein Bildschirm wog damals gefühlt ja ein paar Tonnen“, scherzt Fletterich. Computer haben in allen Bereichen, auch in der Produktion, seit den 1990er-Jahren Einzug gehalten.

Dadurch hat sich insgesamt die Arbeitswelt verändert, ist der Eindruck des Betriebsratsvorsitzenden. „Die Arbeit ist intensiver geworden und hat sich verdichtet“, sagt er.  Gerade im Bereich der Assistenzen habe sich das für ihn sehr bemerkbar gemacht. Denn die Berufsbilder hätten sich mit Einzug der Technik stark verändert. Die Anforderungen seien dadurch andere geworden. Heute müssten teilweise sogar Managementangelegten erledigt werden.

Die Technologie verändert sich rasend schnell. Das spiegele sich ebenfalls im Bereich Sicherheit wider, die mit den Jahren immer wichtiger geworden ist. Selbstverständlich werden heute Schutzhelme aufgesetzt oder Handschuhe angezogen. „Damals hatte das noch eher Empfehlungscharakter, heute gibt es Standards“, sagt er.  Berufsgenossenschaften wurden mit der Zeit immer präsenter. Sicherheitsangebote wie „Selbst sicher“ wurden vom Unternehmen geschaffen. In vielen Bereichen ist die ISO-Norm Standard.

Standard sind heute flexible Arbeitsformen. „Als ich hier angefangen habe, gab es noch feste starre Arbeitszeiten“, erzählt Fletterich. Um sieben Uhr morgens ging die Arbeit los und endete um 15.45 Uhr. Das war für alle gleich. Doch dann kam der Wandel: Zusammen mit den beiden Tarifparteien führte Merck Ende der 1980er-Jahre schließlich Gleitzeit ein. Im Laufe der Jahrzehnte gab es immer wieder Anpassungen. Heute bietet das Unternehmen flexible Arbeitsformen und viele individuelle Teilzeitmodelle an. Eine moderne Arbeitsform ist unter anderem das „mywork@merck“-Modell. Dabei können die Beschäftigten ihren Arbeitsort und ihre Arbeitszeit flexibel selbst wählen. „Ein Laborant muss nicht im Labor sein, um seine Auswertungen in den Computer einzugeben“, sagt Fletterich.

Die Arbeitszeitenregelung gehört sicher zu den Verdiensten der konstruktiven Beziehung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft.  Miteinander Lösungen zu finden, zu Fletterichs Dienstbeginn noch unvorstellbar. Als Fletterich 1977 bei Merck anfing, bekam er die Auswirkungen des sechs Jahre zuvor durchgeführten großen Chemiearbeiter-Streiks noch zu spüren. „Der Streik hat gespalten und nachgewirkt“, erinnert er sich. Es sei sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen. Danach ist es in der Branche nicht wieder zu einem Arbeitskampf gekommen. Es hat sich viel getan: Eine Sozialpartnerschaft hat sich mit den Jahren entwickelt. Er selbst ist 1986 in die Gewerkschaft eingetreten. Seit 1990 ist er auch in der Tarifkommission. „Die Sozialpartnerschaft hat uns vorangebracht, das muss man schon sagen“, resümiert er.  Wenn er die Beziehungen von damals mit heute vergleicht, „ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt er.

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


„Wenn man Ehrgeiz hat und etwas erreichen will, schafft man alles im Leben“

Ein Satz wie dieser zeugt von Optimismus und lässt eine erfolgreiche Karriere vermuten. Und es stimmt: Yildiz Aysu, Assistentin des Vertriebsleiter von InfraServ Technik stehen nach ihrer erfolgreichen Ausbildung alle Türen offen – doch das war nicht immer so. Welche Hürden sie auf ihrem beruflichen Weg überwinden musste und wie sie es letztendlich durch JOBLINGE geschafft hat, erzählte sie im Interview.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Aysu wurde in der Hauptstadt der Türkei, Istanbul, geboren und zog mit 8 Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. In der Schule war sie immer gut, sogar eine der besten. Und so entschloss sie sich, nach ihrem erfolgreichen Realschulabschluss, auch noch das Abitur zu machen. Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen stellte sie sich dieser Herausforderung. Doch als ihre Freundinnen kurz vor dem Abschluss in der 12. Klasse die Schule abbrachen, warf auch Aysu alles hin. Auf der Suche nach einer Ausbildung, aber ohne klare Vorstellung davon, welcher Beruf für sie geeignet ist, schrieb sie über 70 Bewerbungen. Oft wurde sie auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – doch für eine Zusage hat es nie gereicht.

„Es ging bei mir (in der Schule) immer bergauf, bis ich das Abitur abgebrochen habe. Auf einmal ging alles bergab“, beschreibt Aysu ihre Situation.

Zwar hatte sie die Möglichkeit im Unternehmen der Familie in der Türkei zu arbeiten, aber sie wollte durch eigene Leistung in Deutschland eine Ausbildungsstelle finden. Verzweifelt und entmutigt wendete sie sich an das Arbeitsamt in Rüsselsheim, wo man ihr die Initiative JOBLINGE empfahl. Das war der Wendepunkt.

Dort musste sie in der Bewerbungsphase zuerst ihre Motivation unter Beweis stellen, indem sie zwei Wochen lang gemeinnützige Arbeit in einer Grundschule leistete. Darauf folgten Orientierungs- und Praxisphasen, in der sie zum einen soziale und fachliche Kompetenzen im JOBLINGE Team lernte und zum anderen durch kleine Praktika erste Berufserfahrung sammelte. Die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer half ihr dabei und gab ihr zunehmend mehr Selbstbewusstsein.

Für ihr sechs monatiges Praktikum im Rahmen des StartPlus-Programmes der Chemiearbeitgeber bewarb sie sich schließlich bei InfraServ in Wiesbaden: „Da zur Zeit der Ausschreibung nur naturwissenschaftliche und technische Ausbildungsberufe angezeigt wurden, bewarb ich mich als Chemikantin. Bei meinem Vorstellungsgespräch empfahl man mir aber die Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement. Denn in meinem Einstellungstest merkte man, dass dieser Beruf viel besser zu mir und meinen Fähigkeiten passt.“

Und so war es auch: Nach dem erfolgreichen Praktikum, fing sie die 3-jährige Ausbildung an. Anfang 2017 schloss sie diese vorzeitig nach 2,5 Jahren erfolgreich ab. Heute ist sie 23 Jahre alt und arbeitet als Assistentin des Vertriebsleiters beim Industrieparkbetreiber InfraServ Technik im Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden. Mit ihrem neuen Job ist sie sehr zufrieden und vor allem der häufige Kundenkontakt im Vertriebsinnendienst macht ihr Spaß. Angespornt durch die guten Noten und immer anspruchsvolleren Aufgaben im Job hat sie bereits ein neues Ziel: ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre gemeinsam mit InfraServ.

In der schweren Zeit zwischen Schulabbruch und JOBLINGE war ihr die Unterstützung ihrer Familie sehr wichtig:

„Jetzt sind sie aber umso glücklicher und sehr stolz auf mich. Wenn ich ihnen heute von meinem Job und meinen Plänen erzähle, dann sind sie begeistert!“

Die Initiative JOBLINGE würde sie immer weiterempfehlen, da sie dort sehr viel gelernt hat und gut unterstützt wurde. Das Team nahm sich viel Zeit für sie und das hat nach und nach ihre eigene Denkweise geändert. Zum Abschluss des Interviews wollte sie aber eines klarstellen: „Bei den JOBLINGEN mitzumachen heißt nicht, dass man ein schlechterer Mensch ist oder nichts kann. Manchmal hat man einfach Pech im Leben und braucht ein wenig Unterstützung. Hat man erstmal seinen Weg gefunden, kann man dann auch der Beste werden.“

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie