70 Jahre HessenChemie: Alles ganz anders

Ein Arbeitsumfeld im Wandel der Zeit

In Büros wurde noch geraucht, es gab gleiche Arbeitszeit für alle und Papier kam in rauen Mengen zum Einsatz: Das Arbeitsleben hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Daran erinnert sich Michael Fletterich, Betriebsratsvorsitzender Darmstadt/Gernsheim der Merck KGaA, noch ganz genau. Seitdem er vor 40 Jahren seinen Dienst als Feuerwehrtechniker bis zur Ausbildung im gehobenen Diensten bei der Werksfeuerwehr bei Merck KGaA in Darmstadt begonnen hat, ist einiges anders geworden. Anlässlich des 70-jährigen Bestehens der HessenChemie gewährt er uns ein paar Einblicke in vergangene Zeiten aus der Perspektive des Betriebsrates.

Eine der deutlichsten Veränderungen fällt Fletterich sofort ein:  „Es durfte noch überall geraucht werden, man konnte sich teilweise nicht sehen, so stark war es verraucht“, erinnert sich Fletterich und muss dabei lachen. Heute sei das nicht mehr vorstellbar. Nicht nur in punkto Rauchen hat sich was geändert, auch in vielen anderen Arbeitsbereichen ist der Wandel gekommen. „Da liegen Welten dazwischen“, stellt Fletterich fest, der vor kurzem sein 40-jähriges Betriebsjubiläum gefeiert hat.

Zu seinen Anfangszeiten gab es noch einen werkseigenen „Tee-Dienst“. Bei damals schon knapp 6.000 Mitarbeitern eine Mammut-Aufgabe: Angestellte haben den Tee gekocht, in Kannen abgefüllt, an die Mitarbeiter im ganzen Betrieb verteilt und später wieder eingesammelt. Sogar einen gesonderten Spüldienst habe es für die gebrauchten Teekannen gegeben. Bis in die 2000er-Jahre  hat es dieses Angebot gegeben. Für Mitarbeiter gibt es heute andere Möglichkeiten, sich mit Heißgetränken zu versorgen. Selbst anhand der Namensgebung zeigt sich der Fortschritt der Zeit: Die Kantinen hießen früher noch Speiseanstalten.

Michael Fletterich ist seit 40 Jahren bei Merck beschäftigt. Den Wandel in der Arbeitswelt hat er in den letzten Jahrzehnten erlebt.

Michael Fletterich ist seit 40 Jahren bei Merck beschäftigt. Den Wandel in der Arbeitswelt hat er in den letzten Jahrzehnten erlebt.

Schreibmaschinen und sehr viel Papier – das können sich insbesondere Jüngere nicht mehr vorstellen – kamen vor noch gar nicht so langer Zeit reichlich zum Einsatz. Während früher, daran erinnert sich Fletterich noch ganz genau, alles in Papierform erfasst wurde, laufen viele Vorgänge heute digital ab. In größeren Schreibbüros, die es eigens für diese Aufgaben gab, tippten Sekretärinnen ihre Notizen oder Diktate in die Schreibmaschinen. Erste Erleichterungen kamen in den 1980er-Jahren mit den elektrischen Schreibmaschinen, die über Korrekturtasten verfügten und damit schon ein enormer Fortschritt gewesen seien. „Bei einigen Dokumenten hatte man ja teilweise bis zu drei Durchschläge“, sagt Fletterich. Heutzutage kaum noch vorstellbar. Datenverarbeitung sei für ihn ein Bereich, in dem der Fortschritt sehr anschaulich wird.  Und auch die Gerätschaften seien Anfang der 1990er-Jahre noch ganz andere Kaliber gewesen. „Ein Bildschirm wog damals gefühlt ja ein paar Tonnen“, scherzt Fletterich. Computer haben in allen Bereichen, auch in der Produktion, seit den 1990er-Jahren Einzug gehalten.

Dadurch hat sich insgesamt die Arbeitswelt verändert, ist der Eindruck des Betriebsratsvorsitzenden. „Die Arbeit ist intensiver geworden und hat sich verdichtet“, sagt er.  Gerade im Bereich der Assistenzen habe sich das für ihn sehr bemerkbar gemacht. Denn die Berufsbilder hätten sich mit Einzug der Technik stark verändert. Die Anforderungen seien dadurch andere geworden. Heute müssten teilweise sogar Managementangelegten erledigt werden.

Die Technologie verändert sich rasend schnell. Das spiegele sich ebenfalls im Bereich Sicherheit wider, die mit den Jahren immer wichtiger geworden ist. Selbstverständlich werden heute Schutzhelme aufgesetzt oder Handschuhe angezogen. „Damals hatte das noch eher Empfehlungscharakter, heute gibt es Standards“, sagt er.  Berufsgenossenschaften wurden mit der Zeit immer präsenter. Sicherheitsangebote wie „Selbst sicher“ wurden vom Unternehmen geschaffen. In vielen Bereichen ist die ISO-Norm Standard.

Standard sind heute flexible Arbeitsformen. „Als ich hier angefangen habe, gab es noch feste starre Arbeitszeiten“, erzählt Fletterich. Um sieben Uhr morgens ging die Arbeit los und endete um 15.45 Uhr. Das war für alle gleich. Doch dann kam der Wandel: Zusammen mit den beiden Tarifparteien führte Merck Ende der 1980er-Jahre schließlich Gleitzeit ein. Im Laufe der Jahrzehnte gab es immer wieder Anpassungen. Heute bietet das Unternehmen flexible Arbeitsformen und viele individuelle Teilzeitmodelle an. Eine moderne Arbeitsform ist unter anderem das „mywork@merck“-Modell. Dabei können die Beschäftigten ihren Arbeitsort und ihre Arbeitszeit flexibel selbst wählen. „Ein Laborant muss nicht im Labor sein, um seine Auswertungen in den Computer einzugeben“, sagt Fletterich.

Die Arbeitszeitenregelung gehört sicher zu den Verdiensten der konstruktiven Beziehung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft.  Miteinander Lösungen zu finden, zu Fletterichs Dienstbeginn noch unvorstellbar. Als Fletterich 1977 bei Merck anfing, bekam er die Auswirkungen des sechs Jahre zuvor durchgeführten großen Chemiearbeiter-Streiks noch zu spüren. „Der Streik hat gespalten und nachgewirkt“, erinnert er sich. Es sei sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen. Danach ist es in der Branche nicht wieder zu einem Arbeitskampf gekommen. Es hat sich viel getan: Eine Sozialpartnerschaft hat sich mit den Jahren entwickelt. Er selbst ist 1986 in die Gewerkschaft eingetreten. Seit 1990 ist er auch in der Tarifkommission. „Die Sozialpartnerschaft hat uns vorangebracht, das muss man schon sagen“, resümiert er.  Wenn er die Beziehungen von damals mit heute vergleicht, „ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt er.

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


„Wenn man Ehrgeiz hat und etwas erreichen will, schafft man alles im Leben“

Ein Satz wie dieser zeugt von Optimismus und lässt eine erfolgreiche Karriere vermuten. Und es stimmt: Yildiz Aysu, Assistentin des Vertriebsleiter von InfraServ Technik stehen nach ihrer erfolgreichen Ausbildung alle Türen offen – doch das war nicht immer so. Welche Hürden sie auf ihrem beruflichen Weg überwinden musste und wie sie es letztendlich durch JOBLINGE geschafft hat, erzählte sie im Interview.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Aysu wurde in der Hauptstadt der Türkei, Istanbul, geboren und zog mit 8 Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. In der Schule war sie immer gut, sogar eine der besten. Und so entschloss sie sich, nach ihrem erfolgreichen Realschulabschluss, auch noch das Abitur zu machen. Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen stellte sie sich dieser Herausforderung. Doch als ihre Freundinnen kurz vor dem Abschluss in der 12. Klasse die Schule abbrachen, warf auch Aysu alles hin. Auf der Suche nach einer Ausbildung, aber ohne klare Vorstellung davon, welcher Beruf für sie geeignet ist, schrieb sie über 70 Bewerbungen. Oft wurde sie auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – doch für eine Zusage hat es nie gereicht.

„Es ging bei mir (in der Schule) immer bergauf, bis ich das Abitur abgebrochen habe. Auf einmal ging alles bergab“, beschreibt Aysu ihre Situation.

Zwar hatte sie die Möglichkeit im Unternehmen der Familie in der Türkei zu arbeiten, aber sie wollte durch eigene Leistung in Deutschland eine Ausbildungsstelle finden. Verzweifelt und entmutigt wendete sie sich an das Arbeitsamt in Rüsselsheim, wo man ihr die Initiative JOBLINGE empfahl. Das war der Wendepunkt.

Dort musste sie in der Bewerbungsphase zuerst ihre Motivation unter Beweis stellen, indem sie zwei Wochen lang gemeinnützige Arbeit in einer Grundschule leistete. Darauf folgten Orientierungs- und Praxisphasen, in der sie zum einen soziale und fachliche Kompetenzen im JOBLINGE Team lernte und zum anderen durch kleine Praktika erste Berufserfahrung sammelte. Die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer half ihr dabei und gab ihr zunehmend mehr Selbstbewusstsein.

Für ihr sechs monatiges Praktikum im Rahmen des StartPlus-Programmes der Chemiearbeitgeber bewarb sie sich schließlich bei InfraServ in Wiesbaden: „Da zur Zeit der Ausschreibung nur naturwissenschaftliche und technische Ausbildungsberufe angezeigt wurden, bewarb ich mich als Chemikantin. Bei meinem Vorstellungsgespräch empfahl man mir aber die Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement. Denn in meinem Einstellungstest merkte man, dass dieser Beruf viel besser zu mir und meinen Fähigkeiten passt.“

Und so war es auch: Nach dem erfolgreichen Praktikum, fing sie die 3-jährige Ausbildung an. Anfang 2017 schloss sie diese vorzeitig nach 2,5 Jahren erfolgreich ab. Heute ist sie 23 Jahre alt und arbeitet als Assistentin des Vertriebsleiters beim Industrieparkbetreiber InfraServ Technik im Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden. Mit ihrem neuen Job ist sie sehr zufrieden und vor allem der häufige Kundenkontakt im Vertriebsinnendienst macht ihr Spaß. Angespornt durch die guten Noten und immer anspruchsvolleren Aufgaben im Job hat sie bereits ein neues Ziel: ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre gemeinsam mit InfraServ.

In der schweren Zeit zwischen Schulabbruch und JOBLINGE war ihr die Unterstützung ihrer Familie sehr wichtig:

„Jetzt sind sie aber umso glücklicher und sehr stolz auf mich. Wenn ich ihnen heute von meinem Job und meinen Plänen erzähle, dann sind sie begeistert!“

Die Initiative JOBLINGE würde sie immer weiterempfehlen, da sie dort sehr viel gelernt hat und gut unterstützt wurde. Das Team nahm sich viel Zeit für sie und das hat nach und nach ihre eigene Denkweise geändert. Zum Abschluss des Interviews wollte sie aber eines klarstellen: „Bei den JOBLINGEN mitzumachen heißt nicht, dass man ein schlechterer Mensch ist oder nichts kann. Manchmal hat man einfach Pech im Leben und braucht ein wenig Unterstützung. Hat man erstmal seinen Weg gefunden, kann man dann auch der Beste werden.“

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Erfolgskontrolle – Muss sich Kommunikation beweisen?

Kommunikationsabteilungen müssen ihre Aufwände rechtfertigen und ihre Erfolge belegen – das gilt für große börsennotierte Unternehmen wie auch für kleine und mittelständische. Doch was ist bereits ein Erfolg? Welche Kennzahlen sind entscheidend und wie misst man sie?

Über diese und weitere Fragen diskutierten die Teilnehmer des 25. FORUM Kommunikation zum Thema „Erfolgskontrolle – Muss sich Kommunikation beweisen?“ am 9. Mai 2017. Dieses Mal waren wir gemeinsam mit dem VCI Hessen zu Gast bei Merck KGaA.

Den ersten Impulsvortrag hielt Christoph Lautenbach, Geschäftsführender Partner bei Lautenbach Sass. Seinen Vortrag „Unternehmenskommunikation strategisch ausrichten“ begann er mit der Behauptung, andere Inhalte zu präsentieren, als das Publikum erwarte. Und so war es auch. Er stellte das Konzept der Erfolgskontrolle in Frage, relativierte Kennzahlen und Monitoring-Tools. Das sei nur das Ende der Arbeit – wichtig sei aber vor allem der Anfang: die Strategie. Nur wenn diese gut durchdacht ist und genaue Ziele vorgibt, könne man kontrollieren, ob diese erreicht wurden. Und so gab er in seiner Präsentation Denkanstöße für Strategien und Ziele und bediente sich dabei aktuellen Trends und Influencern wie Bibi’s Beautypalace und Tweets von US-Präsident Donald Trump.

Nicht nur klassische Medien, auch Social Media wird gemessen

Im Anschluss folgte die Vorstellung verschiedener Medienanalyse-Tools. Vertreter der PMG Presse-Monitor GmbH, Landau Media AG und Meltwater Deutschland GmbH stellten ihre Angebote vor. Diese reichten von der Bereitstellung von Suchmasken bis zur professionellen Analyse und grafischen Aufbereitung der Ergebnisse. Erfasst werden dabei nicht mehr nur klassische Print- und Online-Medien, sondern auch diverse Social Media Kanäle.

Die Erfolgsmessung in den sozialen Medien beleuchtete im Anschluss Uli Sinz der Fink & Fuchs AG. Anders als in klassischen Medien ist hierbei nicht nur ausschlaggebend, was der Autor des Textes geschrieben hat, sondern vor allem, wie die Leser darauf reagieren und mit dem Post interagiert haben. Die genauen Kennzahlen bzw. KPIs (Key Performance Indicators) seien laut Sinz individuell zu wählen und richten sich dabei nach der individuellen Strategie des Unternehmens. Um den Teilnehmern die Auswahl zu erleichtern, stellte er eine Bandbreite verschiedener KPIs vor und erklärte, wie sie anzuwenden sind.

Was sagt eine Zahl ohne die andere aus?

Individuelle Kennzahlenbetrachtung auf Basis einer zielgerichteten Strategie nannte auch Alexander Zell, Leiter der Pressestelle der Fraport AG, als wichtigen Erfolgsfaktor. Ausschlaggebend sei dabei aber vor allem das Zusammenspiel der gemessenen Zahlen und deren Einflüsse aufeinander. Gemeinsam mit Prof. Lothar Rolke der Hochschule Mainz erarbeitete er eine Kommunikationsstrategie für den Energieversorger Mainova bei der Zell zuvor die Kommunikation leitete. In zwei aufeinanderfolgenden Vorträgen stellten sie vor, wie die Unternehmenskommunikation Wertschöpfung erzielen und steuern kann. Der Vortragstitel von Zell verriet dabei schon: „Der Wert der Kommunikation bemisst sich nach ihrer Wirkung“.

Das nächste FORUM Kommunikation am 30. November

Neben den Vorträgen ist vor allem der Erfahrungsaustausch und der Diskurs zwischen den Teilnehmer und Referenten ein wichtiger Bestandteil des FORUM Kommunikation. Die Veranstaltung richtet sich an Kommunikationsverantwortliche aus den Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände Hessen sowie weitere interessierte Entscheider. Am 30. November laden wir zum 26. FORUM Kommunikation zum Thema „Standortkommunikation“ ins Verbandsgebäude des VCI Hessen in Frankfurt ein. Bei Interesse nehmen wir Sie gerne in unseren Verteiler auf, damit Sie zukünftig alle Informationen und Termine des FORUM Kommunikation erhalten. Schicken Sie dazu einfach eine E-Mail mit Ihren Kontaktdaten an Petra Diener (diener@hessenchemie.de).

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie

 


„Bernie“ bringt den ersten Platz ein – Initiative Chemie³ Hessen vergibt Nachhaltigkeitspreis an Auszubildende

Teilnehmer des Nachhaltigkeitspreises beim Betrachten der eingereichten Arbeiten. Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Bis zum letzten Augenblick hatten sie nicht damit gerechnet und dann doch den ersten Preis gewonnen: Die sieben Auszubildenden von der Georg Börner GmbH & Co. KG aus Bad Hersfeld staunten nicht schlecht, als sie beim zweiten Nachhaltigkeitspreis der Initiative Chemie³ nach vorne kommen sollten und die Urkunde vom hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir entgegennehmen konnten. Insgesamt hatten 124 Auszubildende in 23 Gruppen ihre Exponate beim Wettbewerb eingereicht, der unter dem Motto „Industrie 4.0 – Digitalisierung aus der Perspektive der Jugend“ stand. Bei der Preisverleihung in der Kletterhalle Nordwand in Wiesbaden wurden schließlich die drei Gewinnerteams in einer Feierstunde bekanntgegeben.

„Bernie“, die Gewinner-Skulptur des Teams der Georg Börner GmbH aus Bad Hersfeld.
Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Sie nennen ihn liebevoll „Bernie“. Gemeint ist die Kopf-Skulptur, mit der Angela Neumann, Lea Hofmann, Katja Hellwig, Wladislav Zubarev, Artur Zubarev, Marvin Creutzburg und Felix Grunz den zweiten Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen gewonnen haben. Sie alle sind Auszubildende bei der Georg Börner GmbH & Co. KG in Bad Hersfeld und haben sich mit dem Thema Industrie 4.0 aus ihrer Perspektive auseinandergesetzt. In den Kopf aus Gips haben sie einen Beamer eingebaut, der die Geschichte des Unternehmens in einem Film zeigt. Darin ersetzen Hooverboards mit Diesel betriebene Gabelstapler, es wird papierlos in den Büros gearbeitet und die Kommunikation geschieht anschaulich per Hologramm. „Wir hatten die Idee, dass es nicht gut ist, so viele Reisen ins Ausland zu machen“, erklärte Angela Neumann stellvertretend für das Team die Idee hinter den Hologrammen. Denn das chemische Werk für Dach- und Bautenschutz ist international tätig. Für ihre Arbeit an „Bernie“ hätten sie viel in Zeitungen und Büchern zum Thema Industrie 4.0 recherchiert. „Wir haben überlegt, was das für uns bedeutet und dann Ideen gesammelt“, erläuterte sie weiter. Sie hätten viel Spaß an der Ausarbeitung gehabt. Bereits vor zwei Jahren hatten sich die Auszubildenden am Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen beteiligt.

Mit einem Video hatten die beiden angehenden Chemielaboranten Vanessa Hahn und Christian Schwarz von der Clariant Produkte (Deutschland) GmbH aus Frankfurt an dem Wettbewerb teilgenommen. Das kleinste Team im Wettbewerb erhielt dafür den zweiten Preis.  In ihrem eigens erstellten Film zeigen sie, wie eine nachhaltige Palmöl-Entwicklung mit einer digitalen Vernetzung in Zukunft gelingen kann. Die Lieferkette soll transparent gemacht werden und nachvollziehbar sein.

Die drei Gewinner-Teams des Nachhaltigkeitspreises für junge Menschen in Hessen mit dem Schirmherrn und WIrtschaftsminister, Tarek Al-Wazir sowie den Vertretern der hessischen Chemie³-Allianzpartner. Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Der drittplatzierte Beitrag von Auszubildenden der CSL Behring GmbH aus Marburg. Foto: Chemie³-Allianzpartner/Arne Landwehr

Mit einer nachhaltigen Entwicklung im Umfeld des eigenen Unternehmens setzten sich fünf Auszubildende von der CSL Behring GmbH aus Marburg auseinander. Die Biologielaboranten-Azubis haben ein umfangreiches Exponat erstellt, das die verschiedenen Unternehmensbereiche mit Zahnrädern verbindet. In ihrer Zukunftsvision lassen sich unter anderem Familie und Beruf vereinen, Obst und Gemüse im unternehmenseigenen Garten anbauen und Strom aus Windrädern produzieren. Das Team erhielt dafür den dritten Platz.

Weil sich so viele Teams von der ALMO Erzeugnisse Erwin Buch GmbH an dem Wettbewerb beteiligt hatten, lobte Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer von HessenChemie, im Namen der hessischen Chemie³-Allianzpartner für alle Teams des Unternehmens eine Sonderprämie aus, die für eine gemeinsame Unternehmung genutzt werden soll. Er hob die hohe Beteiligung und die Kreativität der jungen Menschen hervor. VCI-Geschäftsführer Gregor Disson und Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, lobten die Auszubildenden für ihre Ideen und freuten sich über die hohe Beteiligung. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sagte, die hohe Teilnahme am Nachhaltigkeitspreis zeige, dass die junge Generation ihre Zukunft aktiv mitgestalten möchte und sich Gedanken um Nachhaltigkeitsaspekte mache.

Um Jugendliche für eine nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren, schreiben die hessischen Chemie³-Allianzpartner seit 2015 alle zwei Jahre den Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen aus. Die Initiative wird in Hessen getragen vom Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI Hessen), dem Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e. V. (HessenChemie) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Hessen-Thüringen (IG BCE Hessen Thüringen). Der Nachhaltigkeitspreis richtet sich an Auszubildende, Dual-Studierende und Teilnehmer von Fördermaßnahmen wie „Start in den Beruf“ aus Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen und Kunstoffverarbeitenden Industrie in Hessen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat von Beginn an die Schirmherrschaft übernommen.

 

Frauke Blech ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie.


70 Jahre HessenChemie: „Wir wurden zweimal gegründet“

HessenChemie wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Grund genug, uns mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen. Dazu haben wir viele Stunden in Archiven verbracht, sowohl in unserem eigenen als auch in denen von verschiedenen Mitgliedsunternehmen. Neben Fotos und Dokumenten wollten wir aber auch mit Menschen sprechen, die HessenChemie viele Jahre begleitet haben und von ihren Erfahrungen berichten können. Daher hat es uns sehr gefreut, dass uns der ehemalige Hauptgeschäftsführer Dr. Rolf-Achim Eich für ein Interview zur Verfügung stand.

Das Interview führen Jürgen Funk und Petra Diener am 10. März 2017. Nachfolgend ein Auszug, wir werden im Laufe des Jahres noch weiter berichten.

Dr. Rolf-Achim Eich war von 1995 bis 2003 Hauptgeschäftsführer der HessenChemie. Im Mai 1972 wurde er als Referent der Rechtsabteilung in den Verband eingestellt und bereits 1976 zum Geschäftsführer berufen.

Wir haben vom Amtsgericht Wiesbaden eine Kopie der Eintragungsunterlagen in das Vereinsregister erhalten. Demnach wurde der Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e.V. am 28. November 1947 gegründet. Sind Ihnen in diesem Zusammenhang weitere Fakten bekannt?

Am 1. April 1947 wurde der Verband in Form eines Spitzenverbandes schon einmal gegründet. Da die amerikanische Militärregierung aber diese Art von Verband nicht kannte, löste sie ihn wieder auf. Und so wurde der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie am 28. November 1947 in Wiesbaden noch mal neu ins Leben gerufen, dieses Mal mit unmittelbarer Mitgliedschaft. Die handelten Personen waren aber völlig identisch. Einer der Gründer war Otto Braun (Anmerkung des Autors: Er gehörte dem Vorstand von 1947 bis 1979 an).

Aus den Protokollen der damaligen Zeit geht hervor, dass ein Bundesverband aus Hessen hieraus gegründet wurde.

Das ist richtig. Aus dem geschilderten Problem mit der damaligen amerikanischen Sichtweise im Hinblick auf die Gründung von Dachverbänden leitet sich auch ab, warum die Vorgängerorganisation  des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie als Arbeitsring der Arbeitgeberverbände der Deutschen Chemischen Industrie (Anmerkung der Autoren: Abgekürzt „Arbeitsring Chemie“ bzw. „Arbeitsring“) gegründet wurde. Diese Bezeichnung sollte kaschieren, dass dies ein Spitzenverband war. Die Umbenennung in Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) erfolgte dann erst viel später, nämlich 1983.

Die amerikanische Militärregierung hatte also damals noch Vorbehalte gegenüber Arbeitgeberverbänden?

Die Arbeitgeberverbände waren zunächst verboten, angeblich wegen ihrer Nähe zum NS-Regime. Dies kann ich allerdings nicht so recht nachvollziehen, weil sie sich unter dem Druck der NS-Regierung selbst auflösen mussten, nachdem die Gewerkschaften bereits verboten waren. Die Militärregierungen der einzelnen Länder verfolgten nach dem Krieg unterschiedliche Politiken, weshalb erst nach und nach wieder Arbeitgeberverbände entstanden.

Können Sie sich daran erinnern, wer der erste Vorsitzende des Verbandes war?

Der erste Vorsitzende war ein Herr Dr. Jörg von einem großen Papierverarbeitenden Unternehmen in Wiesbaden-Biebrich (Anmerkung der Autoren: Zellstofffabrik Waldhof). Er gehörte zu den Menschen, die die Fähigkeit hatten, in einer Zeit des größten Chaos wieder Ordnung in die Sache zu bringen.

Die Papierindustrie war also maßgeblich an der Gründung der Arbeitgeberverbandes HessenChemie beteiligt?

Die Papierindustrie war bereits bei der ersten Gründung im Frühjahr 1947 dabei (Anmerkung der Autoren: Vereinigung der Zellstoff-, Holzstoff-, Papier- und Pappenfabriken in Hessen) und ist damit eine der späteren verwandte Industrie gewesen, für die im Arbeitgeberverband Fachabteilungen bestanden, wie wir sie heute noch für die Kunststoffverarbeitende Industrie (KVI) kennen.

Dr. Jörg hat den hessischen Verband aufgebaut und auch die Gründung des bereits erwähnten Arbeitsrings Chemie, des heutigen BAVC, ging auf seine Initiative zurück. Er blieb Vorsitzender bis es im Jahr 1951 zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und einem anderen maßgeblichen Vorstandsmitglieds aus der klassischen Chemie kam. Dann gründete sich ein eigener Papierverband, dessen Geschäftsführung immerhin noch bis 2005 von HessenChemie übernommen wurde.

Wir danken Dr. Eich sehr herzlich für das Interview und die Einblicke in eine spannende Zeit der Arbeitgeberverbände und der Chemiebranche.

 

Jürgen Funk ist Geschäftsführer Verbandskommunikation und politische Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecher beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Er verfügt über eine 25-jährige Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, PR-Agenturen, Politik und Bundeswehr. Im Arbeitgeberverband HessenChemie ist er darüber hinaus zuständig für die Berufsausbildungsthemen. Jürgen Funk ist Aufsichtsratsmitglied der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


70 Jahre Arbeitgeberverband HessenChemie

Nach dem Krieg lag Hessen am Boden. Viele Städte und Fabriken waren zerstört. Doch die Hessen krempelten die Ärmel hoch, packten den Wiederaufbau an und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zum späteren deutschen Wirtschaftswunder. Im Rahmen des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und eines funktionierenden Gemeinwesens organisierten sich auch die Arbeitgeber neu – zunächst als Gegenbewegung zu den Gewerkschaften. Am 1. Dezember 1946 trat die Hessische Verfassung in Kraft. Auch die chemische Industrie fasste wieder Fuß, wenn auch manchmal unter schwierigen Umständen. So stellten die Amerikaner beispielsweise die damaligen Farbwerke Höchst unter strenge Bewachung.

Gründung HessenChemie

Am 28. November 1947 trafen sich Chemie-Arbeitgeber aus ganz Hessen, um den Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e.V. (heute kurz HessenChemie) zu gründen. Eine Reihe von Gründungsmitgliedern, wie B. Braun Melsungen AG, E. Merck (heute Merck KGaA), Continental Gummiwerke AG, Dr. E. Fresenius KG (heute Fresenius AG) sowie Merz & Co. (heute Merz Pharma GmbH & Co. KGaA), gehören dem Verband heute noch an. Insgesamt nahmen an der konstituierenden Sitzung 35 Unternehmer teil. Als Verbandssitz wurde Wiesbaden bestimmt. Zum Vereinszweck ist von der Gründungsversammlung am 28. November 1947 Folgendes zu lesen:

„Der Verein hat die Aufgabe, den Arbeitsfrieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu fördern und zu sichern. Zu diesem Zweck schließt er insbesondere Tarifverträge mit den Gewerkschaften ab, überwacht ihre Innehaltung, gleicht entstehende Meinungsverschiedenheiten aus und berät und vertritt seine Mitglieder auf dem Gebiet der Sozialpolitik und des Arbeitsrechts.“ (§ 2).

Zur ersten Mitgliederversammlung im März 1948 zählte der Arbeitgeberverband bereits 353 Mitgliedsunternehmen mit 40.000 Beschäftigten. Zum Vergleich: Heute gehören ihm 309 Unternehmen mit 104.000 Beschäftigten an. Grundpfeiler des ordnungspolitischen Selbstverständnisses des Arbeitgeberverbandes HessenChemie sind das Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft, die Tarifautonomie sowie eine gelebte Sozialpartnerschaft mit der Gewerkschaft.

Aktivitäten im Jubiläumsjahr

Mit Geschichten über den Verband und die Branche werden wir im Laufe des Jahres im Blog immer wieder das Thema „70 Jahre HessenChemie – 70 Jahre Chemie in Hessen“ aufgreifen. Darüber hinaus setzen wir in diesem besonderen Jahr ein besonderes Logo ein, das auf die Zeit von 1947 bis 2017 hinweist (siehe oben). Und schließlich feiern wir am 24. Oktober 2017 das Jubiläum im Anschluss an die 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik mit einem Empfang im Kurhaus Wiesbaden.

 

Autor des Beitrages

Jürgen Funk, HessenChemieJürgen Funk ist Geschäftsführer Verbandskommunikation und politische Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecher beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Er verfügt über eine 25-jährige Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, PR-Agenturen, Politik und Bundeswehr. Im Arbeitgeberverband HessenChemie ist er darüber hinaus zuständig für die Berufsausbildungsthemen. Jürgen Funk ist Aufsichtsratsmitglied der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


Früh anfangen – Nachhaltigkeit im Ausbildungsbetrieb

Wer das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in den Köpfen verankern und nachhaltiges Handeln fördern möchte, fängt am besten bereits in der Ausbildung damit an.

Diesen Ansatz verfolgt auch das von Provadis initiierte Modellprojekt ANLIN. Es will dazu beitragen, das Thema strukturell in den Lehr- und Ausbildungsplänen sowie in den unterschiedlichen Lernorten der beruflichen Bildung zu verankern.

Auszubildende, die sich bereits mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, haben beste Chancen beim Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen von HessenChemie, IG BCE Hessen-Thüringen und dem VCI Hessen. Bereits zum zweiten Mal wird dieser Anfang 2017 ausgeschrieben.

Mehr über das Modellprojekt ANLIN und über den Nachhaltigkeitspreis erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der Pluspunkte. Sie enthält außerdem ein Interview mit dem Bildungsexperten Dr. Karsten Rudolf von Provadis und Informationen zum neuen Unterstützungsangebot „Pre-Start“ der Chemie-Sozialpartner.

 

Die aktuelle Ausgabe zum Lesen oder Herunterladen auf Slideshare

 

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Umfassende Veränderungen durch Digitalisierung in der Bildung?!

Bildung wird zu den Branchen gezählt, in der das Thema Digitalisierung, unter anderem nach Ansicht des Fraunhofer Institutes IAO Stuttgart, in absehbarer Zeit größere Umwälzungen und Innovationen erwarten lässt. Dies betrifft die allgemeine Bildung und die Form, wie in der Schule gelernt werden wird ebenso, wie die Aus- und Weiterbildung im Betrieb oder der Hochschule.

Veränderungen des Lernens

So sind zum Beispiel Erfolg versprechende Modelle aus den USA bekannt, die versuchen, das alte Dilemma aus mangelnden Lehrerressourcen, zunehmender Vielfalt der Schülerschaft und nötiger individueller Betreuung in der allgemeinbildenden Schule durch Digitalisierung zumindest zu verbessern. Aber auch beim Online-Lernen in Beruf und Hochschule tut sich einiges. Beispielsweise Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung fasst diese ersten erkennbaren Entwicklungen gut in seinem Buch „Die digitale Bildungsrevolution“ zusammen. Sicher wird sein, dass die Digitalisierung neue Chancen für das Lernen und die Methoden bietet, insbesondere, wenn man davon ausgeht, dass informelles Lernen auch an Bedeutung gewinnen wird, wie es in Studien zum Weiterbildungsverhalten innerhalb und außerhalb des Betriebes schon länger nahe legen. Wir werden auch aufgrund der sich beschleunigenden Innovationszyklen öfter, schneller und zunehmend vor Ort im betrieblichen Umfeld Lernprozesse gestalten.

Neue Möglichkeiten des Lernens

Die Auswirkungen der Entwicklungen von Industrie 4.0 sind noch nicht im Detail absehbar. Dennoch weisen Vordenker wie Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum in Davos, – so etwa in seinem Buch „Die Vierte Industrielle Revolution“ – auf umfassende Veränderungen und die „Gleichzeitigkeit der Innovationen in verschiedenen Feldern“ hin und wir beobachten diese schon in verschiedenen Branchen und Anwendungsbereichen. Möglichkeiten von „Augmented Reality“-Anwendungen, also der virtuellen Abbildung beispielsweise von realen Arbeitsumgebungen für das Lernen im beruflichen Kontext des verarbeitenden Gewerbes, weisen großes Potenzial auf.

Die Chemische Industrie mit ihrer Produktion und Prozessorientierung scheint zwar erst später direkt betroffen zu sein als andere Branchen. Zuerst und vor allem stärker trifft es nach Ansicht des Fraunhofer Institutes IAO beispielsweise Banken, Versicherungen, Transport und M+E. Einige Unternehmensbereiche sind jedoch unabhängig von der Branchenzugehörigkeit betroffen: Logistik, kaufmännische Tätigkeiten und das Personalwesen, Marketing sowie Energieversorgung oder die Planung von Produktionsanlagen. In diesen Bereichen sind Veränderungen schon heute spürbar. Auch gibt es erste millionenschwere Joint Ventures zwischen Unternehmen der Pharmaindustrie und großen Internetfirmen, die dem Thema der personalisierten Produkte und Dienstleistungen nachgehen. Die Verknüpfung von individualisierten Produkten und ergänzenden Dienstleistungen lassen ein hohes Innovationspotenzial erwarten.

Die Tops von den Flops der möglichen Trends zu unterscheiden und gute Ansätze schnell und konsequent zu verfolgen wird nun eine der Aufgaben der Zukunftsgestaltung der Digitalisierung sein.

Aktuelle Entwicklungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung

Auf die Inhalte von Beruflicher Aus- und Weiterbildung wird die Entwicklung der Industrie 4.0 Einfluss nehmen und tut es stellenweise bereits – etwa im Curriculum oder bei der technischen Ausstattung. So rüstet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aktuell überbetriebliche Bildungszentren (ÜBS) mit 3D-Druckern oder Drohnen aus, damit Auszubildende beispielsweise im Handwerk den Umgang und Einsatz bereits im Tagesbezug lernen. Und an Berufsschulen in Baden–Württemberg oder Nordrhein–Westfalen entstehen eine Reihe von Lernfabriken 4.0, wie es sie im Bereich der betrieblichen Weiterbildung auch schon an verschiedenen Stellen gibt.

Bildung als wichtiger Gestalter des Wandels

Nimmt man die methodischen und inhaltlichen Facetten von Bildung, Digitalisierung und Industrie 4.0 zusammen, dann wird deutlich, dass sich Veränderungen ergeben. Provadis ist schon heute mit dem Einsatz von digitalen Medien in der Beruflichen Bildung vorne mit dabei. Sei es im Bereich des eLearnings und der Lernplattfomen, die in Aus-, Weiter- und Hochschulbildung eingesetzt werden oder in der Unterstützung von Unternehmen beim virtuellen Abbilden von Produktionsanlagen – um nur wenige Beispiele zu nennen. Aber auch inhaltlich macht Provadis Berufstätige und Auszubildende/Studenten mit künftigen Anforderungen vertraut und hilft den Lernenden und Kunden dabei die notwendigen Kompetenzen zu entwickeln. Diese Kompetenzen werden zunehmend neben dem Wissen und Können verstärkt kommunikative Kompetenzen und das Arbeiten in wechselnden, vielleicht auch örtlich voneinander getrennten Orten, umfassen.

Um seine Kunden auch zukünftig innovativ zu unterstützen und um eigene Geschäftsfeld-Innovationen zu gestalten, widmet sich die Provadis-Gruppe zum einen an der eigenen Hochschule dem Thema der Industrie 4.0. Zum anderen hat es speziell für die Aufgabe der weiteren Digitalisierung der Bildung eine aus allen Geschäftsfeldern zusammen gesetzte Arbeitsgruppe „Provadis 4.0“ gebildet, die diese Fragen in den kommenden Jahren beleuchten wird. Gemeinsam mit Kundenunternehmen, Kooperationspartnern und Verbänden sollen die Ergebnisse genutzt werden. Erste Marktforschungsstudien hat die Arbeitsgruppe bereits in Auftrag gegeben und auch die Arbeit an einem branchenbezogenen Innovationsnetzwerk aufgenommen.

Wir freuen uns auf einen spannenden Prozess für Provadis und unsere Partner. Die Ergebnisse unserer Marktstudien werden wir auch in Fachmedien teilen, um auch hier im Dialog voneinander zu lernen. Industrie 4.0 ist in Teilen sicher schon Realität, in anderen Teilen noch wenig greifbar, gar nebulös. Unabhängig davon, wie man zu dem Begriff sowie seiner erwarteten Ausgestaltung und Relevanz steht, ist die dem Schlafwort „Industrie 4.0“  verbundene Vision/Modernisierungsstrategie sicher ein Ansporn, den Industriestandort Deutschland zukunftsfest zu machen. Bildung ist hierbei sicher ein wichtiger Begleiter des Wandels.

Weitere Informationen finden Sie in der Provadis-Themenwelt „Zukunft von Arbeit und Bildung“.

 

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketing sowie Bildungs- und Forschungsprojekte, ist zuständig für die AG "Provadis 4.0". (Foto: Provadis/Arne Landwehr)

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketin sowie Bildungs- und Forschungsprojekte (Foto: Provadis/Arne Landwehr)

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketing sowie Bildungs- und Forschungsprojekte, ist zuständig für die AG „Provadis 4.0“.


Schule meets Industrie – wie Schulkooperationen gelingen

Am 30. November 2016 fand das 3. FORUM Bildung der Chemieverbände Hessen in Niedernhausen unter dem Motto „Schule meets Industrie – wie Schulkooperationen gelingen“ statt. Im Mittelpunkt standen die Chancen und Herausforderungen von Schulkooperationen, insbesondere im Hinblick auf MINT-Förderung und Fachkräftesicherung.

Teilnehmer aus Mitgliedsunternehmen und Vertreter aus Schulen versuchten, die unterschiedlichen Ansprüche aus Arbeitswelt und Bildungsauftrag in Einklang zu bringen, und diskutierten über bewährte Konzepte und neue Ideen. Unser neuer Newsletter bietet eine Zusammenfassung der Vorträge und Werkstätten.

 

Die aktuelle Ausgabe zum Lesen oder Herunterladen auf Slideshare

 

Unter https://www.hessenchemie.de/ausbildung/forum-bildung/s331.html finden Sie die Präsentationen, Steckbriefe zu gelungenen Kooperationen und weiterführende Informationen.

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Die Spielregeln der Naturwissenschaften – Experimentieren im Sachunterricht

Inhalte zielgruppengerecht zu vermitteln ist nicht leicht. Vor allem naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht zu erklären, kann Grundschullehrkräfte vor besondere Herausforderungen stellen. Der Darmstädter Bildungsdienstleister two4science GmbH, bestehend aus Naturwissenschaftlern, Pädagogen und Wissenschaftsjournalisten, gibt Lehrerinnen und Lehrern in verschiedenen Weiterbildungen neue Ideen und Tipps, wie sie die Inhalte spannend und kindgerecht vermitteln können.

Vergangene Woche fand solch eine Weiterbildung statt. Die two4science GmbH stellte „Die Spielregeln der Naturwissenschaften“ in Kassel vor. Dabei ging es um das Experimentieren im Sachunterricht und naturwissenschaftliche Basiskonzepte mit dem Schwerpunkt der Sprachförderung.

Wer Basiskonzepte der Naturwissenschaften kennt und vermittelt, findet für jeden Grundschulversuch einfache, kindgerechte Erklärungen.

Die Fortbildung gliederte sich in Theorie- und Praxisphasen, die eng miteinander verknüpft sind. Experimente mit einer leeren Spritze verdeutlichten den Teilnehmern die Problematik der Beschreibung bekannter Phänomene. Warum kann man den Kolben einer zugehaltenen Spritze nicht vollständig zudrücken?  Wenn ich während des Drückens wieder loslasse, warum kehrt der Kolben nicht vollständig in seine ursprüngliche Position zurück? Und heißt dieser Teil der Spritze überhaupt Kolben?

Die Teilnehmer versuchten die Experimente mit physikalischen Mechanismen zu erklären. Begriffe wie Druck, Reibung und der Verweis auf die Atome wurden immer wieder genannt. Doch damit kann man Grundschülern nur schwer helfen. Zur besseren Verständlichkeit wurden drei Basiskonzepte eingeführt, die es den Lehrern ermöglichen, komplexe Phänomene einfach zu erklären.

Die Basiskonzepte

1. Nur mit Energie kann man etwas tun (Energie)

2. Auf der Welt geht nichts verloren (Erhaltung)

3. Dinge beeinflussen sich gegenseitig (Wechselwirkung)

Im Fall der Spritze kann man sich das wie folgt vorstellen: Ein Teil der Energie, die man zum Drücken verwendete,  wurde mit der Reibung in Wärme umgesetzt und steht nun nicht mehr für die gegensätzliche Bewegung zur Verfügung. Die Energie ist jedoch nicht weg – die Wärme ist nur zu gering, um sie zu spüren.

Besonders deutlich wird dieses Prinzip am Lebenszyklus einer Banane. Eine Bananenstaude benötigt die Energie aus der Erde und dem Sonnenlicht, um eine Banane wachsen zu lassen. Die Banane liefert uns beim Essen diese Energie, die wir wiederum in Bewegungen umsetzen. Die Schale essen wir jedoch nicht. Wird sie richtig entsorgt, kann sie den Rest ihrer Energie über den Kompost wieder an das Erdreich zurückgeben.

So lernten die Grundschullehrer in dieser Weiterbildung nicht nur neue Experimente für den Unterricht, sondern auch Basiskonzepte, mit deren Hilfe sie weitere Experimente erklären können. Das detaillierte Beschreiben und gemeinsame Diskutieren, erweitert zudem die Sprachkompetenz der Kinder.

Two4science Fortbildungen sind sehr praxisorientiert.
Heute wurde ich positiv überrascht, da wir gelernt haben, den sinnvollen Umgang mit Ressourcen bereits mit Grundschülern zu besprechen.

Rebecca Gassmann-Ochs, Regenbogenschule Lohfelden

Der Referent des Workshops, Mario Spies, leitet seit 1995 die Grundschule Landkern in der Nähe von Koblenz. Von 2007 bis 2013 war er Landeskoordinator des Projekts  „SINUS an Grundschulen – Steigerung der Effizienz mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts“ in Rheinland-Pfalz. Er engagiert sich außerdem als Vorstandsmitglied in dem europaweiten Lehrernetzwerk Science on Stage für innovative Unterrichtskonzepte für die Primarstufe.

Chemieverbände Hessen unterstützen two4science

Bereits seit dem ersten Pilotprojekt, dem Rhein-Main-Science Camp im Jahr 2005, unterstützen die Chemieverbände Hessen – der VCI Hessen und der Arbeitgeberverband HessenChemie – die Aktivitäten von two4science im Bereich der frühkindlichen naturwissenschaftlichen Bildung. Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände Hessen erhalten einmal pro Jahr Sonderkonditionen für ein gemeinsames Bildungsprojekt mit two4science.
Von 2005 bis 2015 experimentierten rund 4.500 Kinder in über 250 firmeninternen oder öffentlichen Science Camps, die von der hessischen Chemieindustrie gefördert wurden. Weitere 7.200 Kinder und Erwachsene nahmen seit 2008 an einer Forscherwerkstatt für Familien teil und etwa 450 Pädagogen experimentierten ihm Rahmen der Bildungspartnerschaft in zwei Dutzend Weiterbildungen.

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie