Früh anfangen – Nachhaltigkeit im Ausbildungsbetrieb

Wer das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in den Köpfen verankern und nachhaltiges Handeln fördern möchte, fängt am besten bereits in der Ausbildung damit an.

Diesen Ansatz verfolgt auch das von Provadis initiierte Modellprojekt ANLIN. Es will dazu beitragen, das Thema strukturell in den Lehr- und Ausbildungsplänen sowie in den unterschiedlichen Lernorten der beruflichen Bildung zu verankern.

Auszubildende, die sich bereits mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, haben beste Chancen beim Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen von HessenChemie, IG BCE Hessen-Thüringen und dem VCI Hessen. Bereits zum zweiten Mal wird dieser Anfang 2017 ausgeschrieben.

Mehr über das Modellprojekt ANLIN und über den Nachhaltigkeitspreis erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der Pluspunkte. Sie enthält außerdem ein Interview mit dem Bildungsexperten Dr. Karsten Rudolf von Provadis und Informationen zum neuen Unterstützungsangebot „Pre-Start“ der Chemie-Sozialpartner.

 

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Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Umfassende Veränderungen durch Digitalisierung in der Bildung?!

Bildung wird zu den Branchen gezählt, in der das Thema Digitalisierung, unter anderem nach Ansicht des Fraunhofer Institutes IAO Stuttgart, in absehbarer Zeit größere Umwälzungen und Innovationen erwarten lässt. Dies betrifft die allgemeine Bildung und die Form, wie in der Schule gelernt werden wird ebenso, wie die Aus- und Weiterbildung im Betrieb oder der Hochschule.

Veränderungen des Lernens

So sind zum Beispiel Erfolg versprechende Modelle aus den USA bekannt, die versuchen, das alte Dilemma aus mangelnden Lehrerressourcen, zunehmender Vielfalt der Schülerschaft und nötiger individueller Betreuung in der allgemeinbildenden Schule durch Digitalisierung zumindest zu verbessern. Aber auch beim Online-Lernen in Beruf und Hochschule tut sich einiges. Beispielsweise Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung fasst diese ersten erkennbaren Entwicklungen gut in seinem Buch „Die digitale Bildungsrevolution“ zusammen. Sicher wird sein, dass die Digitalisierung neue Chancen für das Lernen und die Methoden bietet, insbesondere, wenn man davon ausgeht, dass informelles Lernen auch an Bedeutung gewinnen wird, wie es in Studien zum Weiterbildungsverhalten innerhalb und außerhalb des Betriebes schon länger nahe legen. Wir werden auch aufgrund der sich beschleunigenden Innovationszyklen öfter, schneller und zunehmend vor Ort im betrieblichen Umfeld Lernprozesse gestalten.

Neue Möglichkeiten des Lernens

Die Auswirkungen der Entwicklungen von Industrie 4.0 sind noch nicht im Detail absehbar. Dennoch weisen Vordenker wie Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum in Davos, – so etwa in seinem Buch „Die Vierte Industrielle Revolution“ – auf umfassende Veränderungen und die „Gleichzeitigkeit der Innovationen in verschiedenen Feldern“ hin und wir beobachten diese schon in verschiedenen Branchen und Anwendungsbereichen. Möglichkeiten von „Augmented Reality“-Anwendungen, also der virtuellen Abbildung beispielsweise von realen Arbeitsumgebungen für das Lernen im beruflichen Kontext des verarbeitenden Gewerbes, weisen großes Potenzial auf.

Die Chemische Industrie mit ihrer Produktion und Prozessorientierung scheint zwar erst später direkt betroffen zu sein als andere Branchen. Zuerst und vor allem stärker trifft es nach Ansicht des Fraunhofer Institutes IAO beispielsweise Banken, Versicherungen, Transport und M+E. Einige Unternehmensbereiche sind jedoch unabhängig von der Branchenzugehörigkeit betroffen: Logistik, kaufmännische Tätigkeiten und das Personalwesen, Marketing sowie Energieversorgung oder die Planung von Produktionsanlagen. In diesen Bereichen sind Veränderungen schon heute spürbar. Auch gibt es erste millionenschwere Joint Ventures zwischen Unternehmen der Pharmaindustrie und großen Internetfirmen, die dem Thema der personalisierten Produkte und Dienstleistungen nachgehen. Die Verknüpfung von individualisierten Produkten und ergänzenden Dienstleistungen lassen ein hohes Innovationspotenzial erwarten.

Die Tops von den Flops der möglichen Trends zu unterscheiden und gute Ansätze schnell und konsequent zu verfolgen wird nun eine der Aufgaben der Zukunftsgestaltung der Digitalisierung sein.

Aktuelle Entwicklungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung

Auf die Inhalte von Beruflicher Aus- und Weiterbildung wird die Entwicklung der Industrie 4.0 Einfluss nehmen und tut es stellenweise bereits – etwa im Curriculum oder bei der technischen Ausstattung. So rüstet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aktuell überbetriebliche Bildungszentren (ÜBS) mit 3D-Druckern oder Drohnen aus, damit Auszubildende beispielsweise im Handwerk den Umgang und Einsatz bereits im Tagesbezug lernen. Und an Berufsschulen in Baden–Württemberg oder Nordrhein–Westfalen entstehen eine Reihe von Lernfabriken 4.0, wie es sie im Bereich der betrieblichen Weiterbildung auch schon an verschiedenen Stellen gibt.

Bildung als wichtiger Gestalter des Wandels

Nimmt man die methodischen und inhaltlichen Facetten von Bildung, Digitalisierung und Industrie 4.0 zusammen, dann wird deutlich, dass sich Veränderungen ergeben. Provadis ist schon heute mit dem Einsatz von digitalen Medien in der Beruflichen Bildung vorne mit dabei. Sei es im Bereich des eLearnings und der Lernplattfomen, die in Aus-, Weiter- und Hochschulbildung eingesetzt werden oder in der Unterstützung von Unternehmen beim virtuellen Abbilden von Produktionsanlagen – um nur wenige Beispiele zu nennen. Aber auch inhaltlich macht Provadis Berufstätige und Auszubildende/Studenten mit künftigen Anforderungen vertraut und hilft den Lernenden und Kunden dabei die notwendigen Kompetenzen zu entwickeln. Diese Kompetenzen werden zunehmend neben dem Wissen und Können verstärkt kommunikative Kompetenzen und das Arbeiten in wechselnden, vielleicht auch örtlich voneinander getrennten Orten, umfassen.

Um seine Kunden auch zukünftig innovativ zu unterstützen und um eigene Geschäftsfeld-Innovationen zu gestalten, widmet sich die Provadis-Gruppe zum einen an der eigenen Hochschule dem Thema der Industrie 4.0. Zum anderen hat es speziell für die Aufgabe der weiteren Digitalisierung der Bildung eine aus allen Geschäftsfeldern zusammen gesetzte Arbeitsgruppe „Provadis 4.0“ gebildet, die diese Fragen in den kommenden Jahren beleuchten wird. Gemeinsam mit Kundenunternehmen, Kooperationspartnern und Verbänden sollen die Ergebnisse genutzt werden. Erste Marktforschungsstudien hat die Arbeitsgruppe bereits in Auftrag gegeben und auch die Arbeit an einem branchenbezogenen Innovationsnetzwerk aufgenommen.

Wir freuen uns auf einen spannenden Prozess für Provadis und unsere Partner. Die Ergebnisse unserer Marktstudien werden wir auch in Fachmedien teilen, um auch hier im Dialog voneinander zu lernen. Industrie 4.0 ist in Teilen sicher schon Realität, in anderen Teilen noch wenig greifbar, gar nebulös. Unabhängig davon, wie man zu dem Begriff sowie seiner erwarteten Ausgestaltung und Relevanz steht, ist die dem Schlafwort „Industrie 4.0“  verbundene Vision/Modernisierungsstrategie sicher ein Ansporn, den Industriestandort Deutschland zukunftsfest zu machen. Bildung ist hierbei sicher ein wichtiger Begleiter des Wandels.

Weitere Informationen finden Sie in der Provadis-Themenwelt „Zukunft von Arbeit und Bildung“.

 

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketing sowie Bildungs- und Forschungsprojekte, ist zuständig für die AG "Provadis 4.0". (Foto: Provadis/Arne Landwehr)

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketin sowie Bildungs- und Forschungsprojekte (Foto: Provadis/Arne Landwehr)

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketing sowie Bildungs- und Forschungsprojekte, ist zuständig für die AG „Provadis 4.0“.


Schule meets Industrie – wie Schulkooperationen gelingen

Am 30. November 2016 fand das 3. FORUM Bildung der Chemieverbände Hessen in Niedernhausen unter dem Motto „Schule meets Industrie – wie Schulkooperationen gelingen“ statt. Im Mittelpunkt standen die Chancen und Herausforderungen von Schulkooperationen, insbesondere im Hinblick auf MINT-Förderung und Fachkräftesicherung.

Teilnehmer aus Mitgliedsunternehmen und Vertreter aus Schulen versuchten, die unterschiedlichen Ansprüche aus Arbeitswelt und Bildungsauftrag in Einklang zu bringen, und diskutierten über bewährte Konzepte und neue Ideen. Unser neuer Newsletter bietet eine Zusammenfassung der Vorträge und Werkstätten.

 

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Unter https://www.hessenchemie.de/ausbildung/forum-bildung/s331.html finden Sie die Präsentationen, Steckbriefe zu gelungenen Kooperationen und weiterführende Informationen.

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Die Spielregeln der Naturwissenschaften – Experimentieren im Sachunterricht

Inhalte zielgruppengerecht zu vermitteln ist nicht leicht. Vor allem naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht zu erklären, kann Grundschullehrkräfte vor besondere Herausforderungen stellen. Der Darmstädter Bildungsdienstleister two4science GmbH, bestehend aus Naturwissenschaftlern, Pädagogen und Wissenschaftsjournalisten, gibt Lehrerinnen und Lehrern in verschiedenen Weiterbildungen neue Ideen und Tipps, wie sie die Inhalte spannend und kindgerecht vermitteln können.

Vergangene Woche fand solch eine Weiterbildung statt. Die two4science GmbH stellte „Die Spielregeln der Naturwissenschaften“ in Kassel vor. Dabei ging es um das Experimentieren im Sachunterricht und naturwissenschaftliche Basiskonzepte mit dem Schwerpunkt der Sprachförderung.

Wer Basiskonzepte der Naturwissenschaften kennt und vermittelt, findet für jeden Grundschulversuch einfache, kindgerechte Erklärungen.

Die Fortbildung gliederte sich in Theorie- und Praxisphasen, die eng miteinander verknüpft sind. Experimente mit einer leeren Spritze verdeutlichten den Teilnehmern die Problematik der Beschreibung bekannter Phänomene. Warum kann man den Kolben einer zugehaltenen Spritze nicht vollständig zudrücken?  Wenn ich während des Drückens wieder loslasse, warum kehrt der Kolben nicht vollständig in seine ursprüngliche Position zurück? Und heißt dieser Teil der Spritze überhaupt Kolben?

Die Teilnehmer versuchten die Experimente mit physikalischen Mechanismen zu erklären. Begriffe wie Druck, Reibung und der Verweis auf die Atome wurden immer wieder genannt. Doch damit kann man Grundschülern nur schwer helfen. Zur besseren Verständlichkeit wurden drei Basiskonzepte eingeführt, die es den Lehrern ermöglichen, komplexe Phänomene einfach zu erklären.

Die Basiskonzepte

1. Nur mit Energie kann man etwas tun (Energie)

2. Auf der Welt geht nichts verloren (Erhaltung)

3. Dinge beeinflussen sich gegenseitig (Wechselwirkung)

Im Fall der Spritze kann man sich das wie folgt vorstellen: Ein Teil der Energie, die man zum Drücken verwendete,  wurde mit der Reibung in Wärme umgesetzt und steht nun nicht mehr für die gegensätzliche Bewegung zur Verfügung. Die Energie ist jedoch nicht weg – die Wärme ist nur zu gering, um sie zu spüren.

Besonders deutlich wird dieses Prinzip am Lebenszyklus einer Banane. Eine Bananenstaude benötigt die Energie aus der Erde und dem Sonnenlicht, um eine Banane wachsen zu lassen. Die Banane liefert uns beim Essen diese Energie, die wir wiederum in Bewegungen umsetzen. Die Schale essen wir jedoch nicht. Wird sie richtig entsorgt, kann sie den Rest ihrer Energie über den Kompost wieder an das Erdreich zurückgeben.

So lernten die Grundschullehrer in dieser Weiterbildung nicht nur neue Experimente für den Unterricht, sondern auch Basiskonzepte, mit deren Hilfe sie weitere Experimente erklären können. Das detaillierte Beschreiben und gemeinsame Diskutieren, erweitert zudem die Sprachkompetenz der Kinder.

Two4science Fortbildungen sind sehr praxisorientiert.
Heute wurde ich positiv überrascht, da wir gelernt haben, den sinnvollen Umgang mit Ressourcen bereits mit Grundschülern zu besprechen.

Rebecca Gassmann-Ochs, Regenbogenschule Lohfelden

Der Referent des Workshops, Mario Spies, leitet seit 1995 die Grundschule Landkern in der Nähe von Koblenz. Von 2007 bis 2013 war er Landeskoordinator des Projekts  „SINUS an Grundschulen – Steigerung der Effizienz mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts“ in Rheinland-Pfalz. Er engagiert sich außerdem als Vorstandsmitglied in dem europaweiten Lehrernetzwerk Science on Stage für innovative Unterrichtskonzepte für die Primarstufe.

Chemieverbände Hessen unterstützen two4science

Bereits seit dem ersten Pilotprojekt, dem Rhein-Main-Science Camp im Jahr 2005, unterstützen die Chemieverbände Hessen – der VCI Hessen und der Arbeitgeberverband HessenChemie – die Aktivitäten von two4science im Bereich der frühkindlichen naturwissenschaftlichen Bildung. Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände Hessen erhalten einmal pro Jahr Sonderkonditionen für ein gemeinsames Bildungsprojekt mit two4science.
Von 2005 bis 2015 experimentierten rund 4.500 Kinder in über 250 firmeninternen oder öffentlichen Science Camps, die von der hessischen Chemieindustrie gefördert wurden. Weitere 7.200 Kinder und Erwachsene nahmen seit 2008 an einer Forscherwerkstatt für Familien teil und etwa 450 Pädagogen experimentierten ihm Rahmen der Bildungspartnerschaft in zwei Dutzend Weiterbildungen.

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Weiterbildung maßgeschneidert – die HessenChemie Akademie

Berufliche Weiterbildung ist längst nicht nur etwas für Berufsanfänger. Aufgrund des demografischen Wandels und der sich durch die Digitalisierung wandelnden Arbeitswelt hat die Bedeutung im Sinne von lebenslangem Lernen weiter zugenommen. Um dem wachsenden Bedarf der Unternehmen nach qualifizierter und nachhaltiger Weiterbildung gerecht zu werden, hat HessenChemie seine Angebote stetig erweitert und aktualisiert. Ein bedeutsamer Schritt erfolgte 2013, als die HessenChemie Akademie an den Start ging. Unter ihrem Dach wurden nicht nur alle Weiterbildungsveranstaltungen zusammengefasst, sondern das Angebot auch um die neuen Zertifikatslehrgänge erweitert. Die Angebote werden von den Mitgliedsunternehmen sehr gut angenommen – insbesondere, seitdem 2014 ein Großteil der Veranstaltungen auf dem neuen HessenChemie Campus in modernen Räumen und anregender Lernatmosphäre stattfindet.

Eigens zu diesem Thema erschienen jüngst die Pluspunkte 3-2016. Sie befassen sich mit den Zielen, Hintergründen und Schwerpunkten der HessenChemie Akademie.

 

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Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Mittendrin statt nur dabei – mit Virtual Reality zur Zielgruppe

Am Megatrend Digitalisierung kommt niemand vorbei. Er beschäftigt Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gleichermaßen und wird unsere Arbeitswelt zunehmend verändern. Um die Auswirkungen der Digitalisierung in unserer Branche besser zu verstehen, Offenheit für Veränderungen zu fördern und frühzeitig Lösungen zu entwickeln, haben die Sozialpartner der chemischen Industrie  den Dialogprozess WORK@industry4.0 ins Leben gerufen. Im Fokus stehen dabei die Themen Aus- und Weiterbildung, orts- und zeitflexibles Arbeiten sowie gutes und gesundes Arbeiten. Ein Beispiel für den technologischen Wandel ist der vermehrte Einsatz von 360 Grad-Videos und Virtual Reality in Unternehmen.

 

Was ist Virtual Reality?

Als virtuelle Realität (engl. Virtual Reality, kurz VR) bezeichnet man die Betrachtung einer computergenerierten, interaktiven Umgebung, die aufgrund ihrer realitätsnahen Eigenschaften fälschlicherweise als Realität wahrgenommen wird. Diese Täuschung entsteht vor allem durch die 360-Grad-rundum-Betrachtung und die Verknüpfung des Videos mit Bewegungssensoren im Endgerät. Diese melden dem Gerät eine Kopfdrehung nach rechts, woraufhin das Video zu dem rechten Bildbereich schwenkt. Solche Zusammenhänge kennt das Gehirn von unserer realen Umgebung und meldet: Du bist wirklich hier und mittendrin! Ob es nun an einem Strand eines Echtfilms ist oder in einer computeranimierten Fantasiewelt – der Zuschauer bestimmt, wohin er schaut und wo er gerade ist.

 

Ausbildungsmarketing in der virtuellen Realität

Besonders Jugendliche und junge Erwachsene – sogenannte Digital Natives, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind – sind empfänglich für neue Technologien. Dieses Interesse nutzen Unternehmen immer häufiger auch bei ihrer Personalbeschaffung und dem Ausbildungsmarketing, um in Kontakt mit der jungen Zielgruppe zu kommen. Mit 360-Grad-Videos und VR ermöglichen sie einen virtuellen Rundgang durch den Betrieb oder Einblick in ihre Produktionsstätte. Auch die Ausbildungskampagne Elementare Vielfalt der Chemie-Arbeitgeber nutzt diese neue Technologie: Mit einem eigenen VR-Werbespot schickt sie ihre Zielgruppe in ein virtuelles Speed-Dating.

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Die Jobbörse JobStairs hat bei ihren Partnerunternehmen nachgefragt: die HR-Verantwortlichen stehen VR durchaus positiv gegenüber.

 

Virtuelles Speed-Dating

Angeknüpft an den Videoclip Partnerwahl spielen die Zuschauer im neuen VR-Werbespot selbst die Hauptrolle. Sie stehen im Mittelpunkt und durchleben ein Speed-Dating mit allerlei kuriosen Teilnehmern – wer dabei am meisten Aufmerksamkeit erhält, entscheiden die Zuschauer selbst. Auf dem Smartphone können sie wahlweise mit dem Finger bzw. der Maus die Blickrichtung verändern oder einfach das Gerät in eine andere Richtung halten. Besonders bequem geht dies mit einer VR-Brille, in die das Smartphone gesteckt wird. Hierfür gibt es steuerbare Hightech-Varianten oder kostengünstige Alternativen aus Pappe. Ob mit Brille oder ohne – Spaß macht es auf jeden Fall!

 

Hier geht’s zum VR-Video

screenshot_6Um das Video aufzurufen, nutzen Sie bitte die Facebook-App oder am Desktop-PC eine aktuelle Version des Browsers Chrome.

 

 

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Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie

 

 

 

 

 

 


Ausbildung in der Chemie: Konzern oder Mittelstand?

Als wäre die Überlegung hinsichtlich des richtigen Ausbildungsberufes nicht schon schwierig genug, so muss man sich als junger Mensch auch noch Gedanken machen, WO man seine Ausbildung machen möchte: traditioneller Familienbetrieb, Mittelständler oder Großkonzern? In der Regel fallen einem erst einmal die großen Konzerne ein. Sie kennt man aus den Nachrichten, der Werbung oder als Sponsor von verschiedenen Sportarten. Mit ihnen verbindet man neben dem Prestige vor allem vielfältigere Einsatz-, Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Doch nicht immer ist der große Konzern das passende Unternehmen. Kleine und mittelständische Unternehmen zeichnen sich oftmals durch eine familiäre Atmosphäre, flachere Hierarchien, größere Gestaltungsfreiräume, kürzere Entscheidungswege und eine schnellere Übernahme von Verantwortung aus. Letztendlich muss man selbst entscheiden, was besser zu einem passt.

Über ein Drittel aller Beschäftigten in der chemischen Industrie arbeiten in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Das sind mehr als 160.000 Menschen. Ihre besondere Stärke liegt darin, maßgeschneiderte Produkte und Lösungen für andere Industriezweige zu entwickeln. Oft besetzen sie Nischen und sind damit so erfolgreich, dass sie auf ihrem Gebiet Marktführer sind – in Deutschland, Europa oder auch weltweit. 2015 haben sie rund 57 Milliarden Euro umgesetzt – eine beeindruckende Zahl.

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Elementare Vielfalt unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen

Weil KMUs und deren Produkte oft nicht so bekannt sind, fällt es ihnen im Wettbewerb um Nachwuchskräfte meist schwerer, freie Ausbildungsplätze mit geeigneten Kandidaten zu besetzen als großen, bekannten Unternehmen. Die Initiative „Starte deine Ausbildung im Chemie-Mittelstand“ bietet kleineren Chemie-Betrieben im Rahmen der Ausbildungskampagne Elementare Vielfalt (ElVi) die Möglichkeit, sich interessierten Schülerinnen und Schülern mit einem Unternehmensprofil und interessanten Angeboten wie Praktika, Betriebsbesichtigungen sowie freien Ausbildungsplätzen zu präsentieren.

Entsprechend der Zielgruppe ist die Seite für mobile Endgeräte optimiert und bietet dem Leser auch unterwegs alle wichtigen Informationen. Durch eine Verknüpfung mit der Ausbildungsplatzbörse erkennt der Leser schnell, ob und wie viele Ausbildungsplätze zurzeit frei sind. Ein 60-sekündiges Animationsvideo fasst die Vorteile einer Ausbildung im Mittelstand zusammen.

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Jetzt wird’s konkret: Auf dem Weg zum nachhaltigen Lernort

Schon seit einiger Zeit beschäftigen wir uns bei Provadis in der Ausbildung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Über einige Projekte haben wir genau an dieser Stelle bereits berichtet. Jetzt können wir das ganze Thema noch viel „nachhaltiger“ angehen: Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung hat grünes Licht gegeben für das Projekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ (ANLIN), das Provadis gemeinsam mit den Kooperationspartnern Qualifizierungsförderungswerk Chemie (QFC) aus Halle, dem Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft (BBW) aus Wittenberg und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung & Management Services (INB) aus Hannover beantragt hat. Diese Entscheidung bildet für uns eine wichtige Grundlage für das Weiterentwickeln unseres Engagements im Sinne der nachhaltigen Bildung.

Übersicht ANLIN-Projekt von Provadis

Übersicht ANLIN-Projekt von Provadis (PDF als Download)

Das Ziel des am 1. Juni gestarteten Projekts: Zum einen wollen wir die Verbundausbildungsträger und die beteiligten Partnerbetriebe in den beiden Ausbildungsverbünden unter Beteiligung von Ausbildern/innen und Auszubildenden zu nachhaltigen betrieblichen Lernorten weiterentwickeln und verstetigen. Zum anderen sollen Modellversuchsergebnisse im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Chemie-Arbeitgeberverband, IG BCE, VCI, IHK und Berufsschule strukturell im System der beruflichen Bildung verankert werden.

Doch was ist eigentlich ein nachhaltiger Lernort, wie unterscheidet er sich von anderen und wie kann man mit möglichen Widerständen umgehen? Eine unserer Aufgaben wird es sein, ein projektübergreifendes Indikatoren-System zu entwickeln, das genau diese Fragen berücksichtigt und darauf Antworten findet. Im Juni dieses Jahres hat ein erstes Kick-off-Meeting mit allen Partnern stattgefunden, bei dem die Kooperationsvereinbarung finalisiert wurde. Auf der Agenda stehen nun folgende  Produkte, die entwickelt, erprobt und beschrieben werden sollen: ein Leitfaden zur nachhaltigen Entwicklung von Lernorten der beruflichen Bildung, ein Konzept zur Qualifizierung des betrieblichen Ausbildungspersonals, eine mehrstufige Qualifizierung von Auszubildenden sowie ein Verbreitungskonzept nebst Handlungsempfehlungen.

Viele Ideen im Köcher

Wir bei Provadis sind davon überzeugt, dass durch die Erfahrungen mit unseren bisherigen Nachhaltigkeitsprojekten bestens auf diese umfangreiche Herausforderung vorbereitet sind. Das Thema Nachhaltigkeit ist aber nicht nur für uns, sondern zunehmend in allen Industriebetrieben ein wichtiges Thema. Bei den Verbundausbildungsträgern Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft, Wittenberg, und bei uns werden Ausbilder/innen in Train-the-Trainer-Workshops weitergebildet und auf ihre Tätigkeit als Multiplikatoren/innen für Nachhaltigkeit in der Ausbildung vorbereitet. Wir werden Qualifizierungsbausteine für Auszubildende ausgewählter Berufsgruppen entwickeln und erproben. Ergänzend werden Handreichungen für fünfminütige „CSR-Talks“ und E-Learning-Module erarbeitet, anhand derer Ausbilder/innen Nachhaltigkeitsthemen auch zwischen den Qualifizierungsbausteinen behandeln können. In Form von Nachhaltigkeitserkundungen und daraus entstehenden Verbesserungsvorschlägen tragen die Auszubildenden zur nachhaltigen (Um-)Gestaltung ihrer Lernorte bei. Um Transparenz zu schaffen, um die notwendige Unterstützung zu erhalten und Erfahrungen aus verschiedenen Stakeholder-Bereichen einzubinden, wird an beiden Standorten – aber auch standortübergreifend – eng mit Vertretern/innen von Unternehmen, Berufsschule, Kammern, Gewerkschaften und den Chemieverbänden zusammengearbeitet. So trägt das Projekt auch zur Initiative Chemie³ der chemischen Industrie bei.

Das Ausbildungsteam und wir freuen uns auf die dreijährige Projektarbeit und sind uns sicher, dass wir in 2019 konkrete und erprobte Lösungen für die Ausbildung im Sinne der Nachhaltigkeit in der Industrie haben werden.

 

Dr Karsten Rudolf provadis bildung nachhaltigkeit csr hessen chemie

Dr. Karsten Rudolf, M.A. hat Politikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert und im Bildungsmarketing promoviert. Er ist Prokurist bei Provadis – dem Fachkräfte-Entwickler der Industrie und dort zum einen verantwortlich für das Marketing und zum anderen für den Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte, der sich unter anderem mit CSR-, Diversity- und MINT-Projekten beschäftigt. Mit dieser Erfahrung bringt er sich auch in die Verbandsarbeit von HessenChemie, z.B. in Expertenkreisen zu Bildung und politischer Kommunikation ein. Darüber hinaus ist er im Netzwerk „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ des Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aktiv. Dr. Karsten Rudolf ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

 

Marny Schröder, Ausbilderin für Chemie- und Labortechnik, B.Sc, Provadis. FMarny Schröder, B.Sc.rau Schröder koordiniert das ANLIN-Projekt bei Provadis mit zwei weiteren Kollegen. Sie studierte nach der Ausbildung zur Chemielaborantin berufsbegleitend Chemieingenieurswesen. Als Ausbilderin bei Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie im Bereich der Chemie und Labortechnik bereitet sie junge Menschen auf ihr Berufsleben in der chemischen Industrie vor. Zudem ist sie als Prüferin der IHK tätig. Marny Schröder ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und aktuell in Elternzeit.


Die Woche der Industrie – InfraServ Wiesbaden öffnet die Werkstore

In der Woche vom 17. September bis zum 25. September 2016 findet deutschlandweit die Woche der Industrie statt. 15 Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften haben sich gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zu dem Bündnis „Zukunft der Industrie“ zusammengeschlossen, um gemeinsam mit teilnehmenden Industrieunternehmen für einen innovativen und nachhaltigen Industriestandort Deutschland zu werben. Unter der Schirmherrschaft von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel setzen sie sich für bessere Rahmenbedingungen und ein höheres Maß an gesellschaftlicher Wertschätzung ein – denn Industrie braucht Akzeptanz. Und das beginnt direkt vor den eigenen Werkstoren, wenn sich die Unternehmen als guter Nachbar und regionaler Arbeitgeber in ihrem Umfeld präsentieren. Auch die chemische Industrie in Hessen ist vielfältig vertreten und bietet mit Werksführungen und spannenden Events die Möglichkeit hinter die Kulissen zu schauen. Mit dabei sind unter anderem B. Braun, Evonik, Industriepark Höchst, Provadis und Sanofi-Aventis.

Auch InfraServ Wiesbaden öffnet am 17. September mit der InDUstriale die Werkstore des Industrieparks Kalle-Albert.  Besucher haben dort die Möglichkeit, von 9 bis 16 Uhr die verschiedenen Unternehmen vor Ort kennenzulernen. Das Berufsausbildungszentrum Kalle-Albert veranstaltet einen Tag der offenen Tür und informiert über die eigenen Ausbildungsplätze und das Weiterbildungsangebot.  Informationen über weitere Ausbildungsberufe und duale Studiengänge gibt es am Informationsstand der Kampagne Elementare Vielfalt. Vertreter des Bundesarbeitgeberverbandes und des hessischen Landesarbeitgeberverbandes (HessenChemie) erklären dort die Vielfalt der über 50 Ausbildungsberufe der chemisch-pharmazeutischen Industrie und der Kunststoffverarbeitung. Zudem starten mehrmals am Tag kostenlose Bus-Rundfahrten durch das Werk und beim Berufe-Speed-Dating können Schüler Personalern, Chemikern, Technikern oder Ingenieuren ihre Fragen stellen. Weitere Informationen zum Tag der offenen Tür und zur Anmeldung der Bus-Rundfahrten gibt es auf der offiziellen Webseite.

Im Anschluss an die Veranstaltung findet abends eine Podiumsdiskussion zum Thema „Arbeitswelt von morgen“  statt. Nach einem Impulsvortrag diskutieren Peter Bartholomäus, Geschäftsleiter InfraServ Wiesbaden, Daniel Schubert, Referent für Nachhaltigkeit bei HessenChemie und Vanessa Pruß, Bezirksvorstandsmitglied und Vorsitzende des Bezirksjugendausschuss IG BCE. Moderiert wird die Diskussion von dem Chefredakteur des Wiesbadener Kuriers, Stefan Schröder.

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Jeden Tag ein Meisterwerk – Einblicke in die Arbeit einer Tageszeitung

Sechs Wochen. Ist das lang oder ist das kurz? Kommt es bei unserem Zeitgefühl nicht oft auch darauf an, wie sehr wir die Zeit genießen? Wenn man Spaß hat, dann verfliegt die Zeit – und so war es auch mit meiner sechswöchigen Hospitanz bei der Frankfurter Rundschau. Volontäre aus Pressestellen haben dort die Möglichkeit, sechs Wochen die Arbeit in der Wirtschaftsredaktion kennenzulernen. Als Trainee in der Verbandskommunikation von HessenChemie durfte auch ich diese Möglichkeit wahrnehmen und möchte Sie mit diesem Artikel daran teilhaben lassen. Dieser Artikel bietet einen Einblick in den redaktionellen Alltag einer Tageszeitung und meinen Erfahrungen vor Ort. Meine wichtigsten Erkenntnisse und Tipps für Pressestellen habe ich hier für Sie zusammengestellt.

Im Juli ging es los. Von nun an führte mein Weg zur Arbeit nicht mehr über die Autobahn nach Wiesbaden; als Frankfurterin stieg ich aufs Fahrrad um und radelte jeden Morgen vorbei an Grünanlagen die Mainzer Landstraße entlang zur Rundschau. Der Weg führte auch am vertrauten Gebäude des VCI vorbei. Endlich in der Redaktion angekommen ging es auch schon los: Zuerst schnappte ich mir die aktuelle Ausgabe und bewunderte die Arbeit des Vortages. Der unglaublich schnelle Zeitablauf einer Tageszeitung – von den ersten Gesprächen bis zum Druck der Zeitung an einem 8-stündigen Arbeitstag – beeindruckt mich noch immer. Mit prüfenden Blicken liest man morgens die Ausgabe und notiert sich dabei, was positiv oder negativ auffällt. Viel Zeit hat man dafür allerdings nicht, da das Tagesgeschäft drängt. Ein erster Blick in die Nachrichtenagenturen hilft bereits am Morgen, die aktuelle Nachrichtenlage zu erfassen. Von aktuellen Meldungen über Pressemitteilungen, Fotos und aufwendig recherchierten Berichten läuft alles von den Agenturen in das System der Rundschau. Eigene Filter, beispielsweise nach Ressorts, Themen oder Bildmeldungen sorgen für Überblick.

Um 10 Uhr findet dann die erste Telefonkonferenz statt. Vertreter aus einzelnen Ressorts besprechen mit den Korrespondenten aus anderen Städten die aktuelle Nachrichtenlage und wer welche Texte liefert. Bereits um 10:45 Uhr folgt die nächste – die große – Konferenz. An dieser nimmt jedes Ressort teil. Wirtschaft, Politik, Meinung, Sport, Feuilleton, Panorama, Lokal und die Onlineredaktion nehmen jeweils mit mindestens einem Vertreter teil und planen gemeinsam mit dem Layout und der Chefredaktion die Ausgabe des nächsten Tages. Hier werden die Entscheidungen getroffen. Auch ich durfte täglich an den Konferenzen teilnehmen. Nach einer ausführlichen Blattkritik – abwechselnd ist täglich ein Mitarbeiter dran – kann jeder seine Anmerkungen zu der aktuellen Ausgabe ansprechen. Anschließend stellt jedes Ressort seine wichtigsten Themen des Tages vor und spricht gegebenenfalls Überschneidungen mit anderen Ressorts ab, bevor gemeinsam der Aufbau der Seite 1 besprochen wird. Bis zum ersten Redaktionsschluss um 16:45 Uhr bleiben nun nur noch knapp 5 Stunden – und das ohne die Mittagspause. Wie sollte das funktionieren?

Zwar ist der Zeitdruck groß und auch der eigene Ehrgeiz, jeden Tag aufs Neue die beste Zeitung mit den spannendsten Artikeln ohne einen einzigen Tippfehler zu erstellen. Doch selbst wenn mal etwas nicht so läuft wie man es sich vorstellt – ein Tippfehler untergeht oder ein Artikel nur informativ und kein sprachliches Meisterwerk ist. Der schnelle Takt der Zeitungsproduktion ist vor allem eins – jeden Tag eine neue Chance, sein Bestes zu geben. Das sagte einer meiner Kollegen in der Wirtschaftsredaktion gleich am ersten Tag, um mir die Zweifel zu nehmen. Denn auch ich sollte gleich am ersten Tag diese Chance nutzen und einen Text verfassen. Wie bitte? Für die kommende Ausgabe? Ja richtig, mein kleiner Text mit meinem ganz eigenen Kürzel (PRGB) war bereits an meinem zweiten Tag gedruckt und deutschlandweit am Kiosk zu lesen. In den ersten Tagen schrieb ich vor allem am sogenannten Solobild, einem ausdrucksvollen Foto, das mit einem kleinen Artikel zeitlose oder aktuelle Wirtschaftsthemen beleuchtet. Manchmal schlug ein Kollege ein Foto vor und ich kümmerte mich um die Recherche und das Schreiben. An anderen Tagen suchte ich auch das Bild selbst aus. Auch um die Kolumne „Kopf oder Zahl“ kümmerte ich mich oft. Dort werden interessante Zahlen und Menschen aus aktuellen Meldungen in kurzen Artikeln veröffentlicht. Vor allem das Kürzen längerer Texte lernte ich hier. Spätestens am frühen Nachmittag las ich zudem die gesetzten Texte der Kollegen oder der Korrespondenten Korrektur.

Von Tag zu Tag wuchs das Vertrauen der Kollegen und ich durfte zunehmend selbst Texte setzen, redigieren, Überschriften oder Bildunterschriften verfassen. Mein erstes großes Recherchethema erhielt ich gleich in den ersten Tagen – ich sollte den berühmten Montagsfrust unter die Lupe nehmen. Laut aktuellen Studien würden 85 Prozent der Deutschen darunter leiden und auch die Zahl der Arbeitsunfälle wäre am Montag am höchsten. Das klang spannend und so machte ich mich beinahe jeden Tag ein paar Stunden zwischen dem Tagesgeschäft auf die Suche nach weiteren Informationen. Mir wurde schnell bewusst, dass solche aufwendigen Recherchen mit dem straffen Zeitplan einer Tageszeitung schwer zu vereinbaren sind. Und so ist es besonders wichtig, die Aufgaben innerhalb des Teams klar zu verteilen, damit man einigen Kollegen die Recherche oder das Schreiben an eigenen Artikeln ermöglichen kann, während andere Kollegen an der aktuellen Ausgabe arbeiten. Eine besondere Herausforderung waren Recherchen für die aktuelle Ausgabe. Die Informationen im Internet, bei Experten und durch entsprechende Pressestellen bei Unternehmen zu beschaffen, in einen Zusammenhang zu bringen und den fertigen Artikel in das aktuelle Layout zu setzen, erfordert eine hohe Geschwindigkeit – sowohl bei mir als auch bei den Pressestellen. Aber gerade hier lernte ich besonders viel für meine eigentliche Tätigkeit in der Verbandskommunikation. Mir wurde durch den Perspektivwechsel bewusst, welche Ansprüche Redakteure und Journalisten an die Pressestellen haben und in welcher Geschwindigkeit sie arbeiten (Mehr dazu finden Sie hier).

Um 16:45 Uhr war es soweit. Der erste Redaktionsschluss fühlte sich ungefähr so an, wie eine Klausur in der Schule: „Die Zeit ist vorbei – bitte die Stifte hinlegen“. Nur legte man hier keine Stifte nieder, sondern verschickte die fertigen Seiten an die Druckerei. Jetzt durfte nichts mehr fehlen. Um 17 Uhr trafen sich noch einmal die Vertreter der Ressorts zur sogenannten Vernissage. Die fertigen Seiten der Zeitung wurden provisorisch auf DIN A4 oder DIN A3 gedruckt und an Magnettafeln aufgehängt. Jetzt hatte jeder nochmal die Gelegenheit die eigenen, aber vor allem auch die Seiten der anderen Ressorts kritisch zu prüfen. Auch die Seite 1 sah ich oft um 17 Uhr zum ersten Mal. Die Ressorts können den ganzen Abend hindurch Seiten in verschiedenen Zeitschüben aus der Druckerei zurückholen, um Fehler zu verbessern oder Themen zu aktualisieren. Das machen dann in der Regel die Kollegen aus der Spätschicht. Gerade zu Zeiten der EM oder den Olympischen Spielen standen Spielergebnisse erst sehr spät in der Nacht fest und mussten trotzdem am nächsten Tag im Kiosk erhältlich sein. Aber bekanntlich hört die Welt nicht um 16:45 Uhr auf sich zu drehen und relevante Nachrichten können erst in späteren Schüben ihren Weg in die Zeitung finden. Manche Ereignisse erfordern eine tiefer gehende Recherche und müssen dann noch eine Ausgabe warten.

Die einzelnen Schübe in der Druckerei haben einen direkten Zusammenhang mit der Entfernung zu den Standorten, zu denen die Zeitungen geliefert werden. In Hamburg findet man die Ausgabe von 16:45 Uhr, während die Redaktion für die Frankfurter Ausgabe noch bis kurz vor Mitternacht Zeit hat. Gerade der Lokalteil muss dies natürlich besonders im Blick haben, damit die regional relevanten Inhalte auch in der richtigen Ausgabe enthalten sind. Nach der Vernissage endete mein Arbeitstag in der Rundschau. Am nächsten Morgen fing dann alles wieder von vorne an.

Mein großes Recherchethema zum Montag? Das hat es auch in die Zeitung geschafft! Und nicht nur irgendwohin – als Thema des Tages wurde es (an einem Montag, wann sonst?) auf den Seiten 2 und 3 veröffentlicht. Zwei ganze Zeitungsseiten füllte ich mit Fakten, Tipps und einem Interview mit einem Schlafforscher. Hier können Sie die Inhalte nachlesen: Verfluchter Montagmorgen und Schlafprobleme – der soziale Jetlag.
Aber so sehr ich die digitalen Medien auch mag – als gedrucktes Exemplar finde ich meinen Artikel noch schöner!

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie