Nachhaltigkeitspreis: Noch 10 Tage…

Während die Auszubildenden und Dual-Studierenden an ihren Beiträgen für den zweiten Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen pfeilen, arbeiten HessenChemie, der VCI Hessen und die IG BCE Hessen-Thüringen an der Vorbereitung der Preisverleihung. Noch zehn Tage haben die Jugendlichen bis sie ihre Beiträge eingereicht haben müssen. Auch wir sind schon ganz gespannt, welche Ideen sie sich zu unserem diesjährigen Motto

Industrie 4.0 – Digitalisierung aus der Perspektive der Jugend!

gemacht haben.

Mit vielen Schlagworten werden die Veränderungen durch die zunehmende Vernetzung von Geräten beschrieben: Smart Home, Smart Factory, Wirtschaft 4.0, Industrie 4.0, Arbeiten 4.0…. Doch wie sehen die Jugendlichen die Veränderungen und, noch wichtiger: wie wollen sie diesen Wandel gestalten. Mit dem Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen sind die Auszubildenden aufgefordert, ihre Vorstellung von einem Unternehmen der Zukunft darzustellen und erste Schritte für den Weg in die Zukunft aufzuzeigen.

Ganz gespannt sind wir bereits auf die Beiträge der Auszubildenden und Dual-Studierenden der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoffverarbeitenden Industrie. Gemeinsam mit den Jugendauszubildendenvertretern, die bereits das Titelbild für unseren tollen Flyer beigesteuert haben (noch einmal vielen Dank hierfür!), machen wir uns in dieser Woche Gedanken zum Ablauf und Programm der Preisverleihung.

Der Termin steht fest: am 21. April 2017, nachmittags, wird die Preisverleihung in Wiesbaden stattfinden. Auch steht fest, dass es wieder eine Preisverleihung für alle Teilnehmer sein wird. Gemeinsam mit ihren Personalleitern, Ausbildungsverantwortlichen, Geschäftsführern und Betriebsräten können die Gruppen dann gespannt der Verkündung der Gewinner entgegenfiebern. Eine Einladung versenden wir rechtzeitig vor der Veranstaltung an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Allen Auszubildenden und Dual-Studiernden wünschen wir gutes Gelingen bei ihren Projekten! Kurzentschlossene finden die Informationen zum Nachhaltigkeitspreis und die Teilnahmebedingungen auf www.chemiehoch3.de oder auf www.hessenchemie.de.


Umfassende Veränderungen durch Digitalisierung in der Bildung?!

Bildung wird zu den Branchen gezählt, in der das Thema Digitalisierung, unter anderem nach Ansicht des Fraunhofer Institutes IAO Stuttgart, in absehbarer Zeit größere Umwälzungen und Innovationen erwarten lässt. Dies betrifft die allgemeine Bildung und die Form, wie in der Schule gelernt werden wird ebenso, wie die Aus- und Weiterbildung im Betrieb oder der Hochschule.

Veränderungen des Lernens

So sind zum Beispiel Erfolg versprechende Modelle aus den USA bekannt, die versuchen, das alte Dilemma aus mangelnden Lehrerressourcen, zunehmender Vielfalt der Schülerschaft und nötiger individueller Betreuung in der allgemeinbildenden Schule durch Digitalisierung zumindest zu verbessern. Aber auch beim Online-Lernen in Beruf und Hochschule tut sich einiges. Beispielsweise Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung fasst diese ersten erkennbaren Entwicklungen gut in seinem Buch „Die digitale Bildungsrevolution“ zusammen. Sicher wird sein, dass die Digitalisierung neue Chancen für das Lernen und die Methoden bietet, insbesondere, wenn man davon ausgeht, dass informelles Lernen auch an Bedeutung gewinnen wird, wie es in Studien zum Weiterbildungsverhalten innerhalb und außerhalb des Betriebes schon länger nahe legen. Wir werden auch aufgrund der sich beschleunigenden Innovationszyklen öfter, schneller und zunehmend vor Ort im betrieblichen Umfeld Lernprozesse gestalten.

Neue Möglichkeiten des Lernens

Die Auswirkungen der Entwicklungen von Industrie 4.0 sind noch nicht im Detail absehbar. Dennoch weisen Vordenker wie Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum in Davos, – so etwa in seinem Buch „Die Vierte Industrielle Revolution“ – auf umfassende Veränderungen und die „Gleichzeitigkeit der Innovationen in verschiedenen Feldern“ hin und wir beobachten diese schon in verschiedenen Branchen und Anwendungsbereichen. Möglichkeiten von „Augmented Reality“-Anwendungen, also der virtuellen Abbildung beispielsweise von realen Arbeitsumgebungen für das Lernen im beruflichen Kontext des verarbeitenden Gewerbes, weisen großes Potenzial auf.

Die Chemische Industrie mit ihrer Produktion und Prozessorientierung scheint zwar erst später direkt betroffen zu sein als andere Branchen. Zuerst und vor allem stärker trifft es nach Ansicht des Fraunhofer Institutes IAO beispielsweise Banken, Versicherungen, Transport und M+E. Einige Unternehmensbereiche sind jedoch unabhängig von der Branchenzugehörigkeit betroffen: Logistik, kaufmännische Tätigkeiten und das Personalwesen, Marketing sowie Energieversorgung oder die Planung von Produktionsanlagen. In diesen Bereichen sind Veränderungen schon heute spürbar. Auch gibt es erste millionenschwere Joint Ventures zwischen Unternehmen der Pharmaindustrie und großen Internetfirmen, die dem Thema der personalisierten Produkte und Dienstleistungen nachgehen. Die Verknüpfung von individualisierten Produkten und ergänzenden Dienstleistungen lassen ein hohes Innovationspotenzial erwarten.

Die Tops von den Flops der möglichen Trends zu unterscheiden und gute Ansätze schnell und konsequent zu verfolgen wird nun eine der Aufgaben der Zukunftsgestaltung der Digitalisierung sein.

Aktuelle Entwicklungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung

Auf die Inhalte von Beruflicher Aus- und Weiterbildung wird die Entwicklung der Industrie 4.0 Einfluss nehmen und tut es stellenweise bereits – etwa im Curriculum oder bei der technischen Ausstattung. So rüstet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aktuell überbetriebliche Bildungszentren (ÜBS) mit 3D-Druckern oder Drohnen aus, damit Auszubildende beispielsweise im Handwerk den Umgang und Einsatz bereits im Tagesbezug lernen. Und an Berufsschulen in Baden–Württemberg oder Nordrhein–Westfalen entstehen eine Reihe von Lernfabriken 4.0, wie es sie im Bereich der betrieblichen Weiterbildung auch schon an verschiedenen Stellen gibt.

Bildung als wichtiger Gestalter des Wandels

Nimmt man die methodischen und inhaltlichen Facetten von Bildung, Digitalisierung und Industrie 4.0 zusammen, dann wird deutlich, dass sich Veränderungen ergeben. Provadis ist schon heute mit dem Einsatz von digitalen Medien in der Beruflichen Bildung vorne mit dabei. Sei es im Bereich des eLearnings und der Lernplattfomen, die in Aus-, Weiter- und Hochschulbildung eingesetzt werden oder in der Unterstützung von Unternehmen beim virtuellen Abbilden von Produktionsanlagen – um nur wenige Beispiele zu nennen. Aber auch inhaltlich macht Provadis Berufstätige und Auszubildende/Studenten mit künftigen Anforderungen vertraut und hilft den Lernenden und Kunden dabei die notwendigen Kompetenzen zu entwickeln. Diese Kompetenzen werden zunehmend neben dem Wissen und Können verstärkt kommunikative Kompetenzen und das Arbeiten in wechselnden, vielleicht auch örtlich voneinander getrennten Orten, umfassen.

Um seine Kunden auch zukünftig innovativ zu unterstützen und um eigene Geschäftsfeld-Innovationen zu gestalten, widmet sich die Provadis-Gruppe zum einen an der eigenen Hochschule dem Thema der Industrie 4.0. Zum anderen hat es speziell für die Aufgabe der weiteren Digitalisierung der Bildung eine aus allen Geschäftsfeldern zusammen gesetzte Arbeitsgruppe „Provadis 4.0“ gebildet, die diese Fragen in den kommenden Jahren beleuchten wird. Gemeinsam mit Kundenunternehmen, Kooperationspartnern und Verbänden sollen die Ergebnisse genutzt werden. Erste Marktforschungsstudien hat die Arbeitsgruppe bereits in Auftrag gegeben und auch die Arbeit an einem branchenbezogenen Innovationsnetzwerk aufgenommen.

Wir freuen uns auf einen spannenden Prozess für Provadis und unsere Partner. Die Ergebnisse unserer Marktstudien werden wir auch in Fachmedien teilen, um auch hier im Dialog voneinander zu lernen. Industrie 4.0 ist in Teilen sicher schon Realität, in anderen Teilen noch wenig greifbar, gar nebulös. Unabhängig davon, wie man zu dem Begriff sowie seiner erwarteten Ausgestaltung und Relevanz steht, ist die dem Schlafwort „Industrie 4.0“  verbundene Vision/Modernisierungsstrategie sicher ein Ansporn, den Industriestandort Deutschland zukunftsfest zu machen. Bildung ist hierbei sicher ein wichtiger Begleiter des Wandels.

Weitere Informationen finden Sie in der Provadis-Themenwelt „Zukunft von Arbeit und Bildung“.

 

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketing sowie Bildungs- und Forschungsprojekte, ist zuständig für die AG "Provadis 4.0". (Foto: Provadis/Arne Landwehr)

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketin sowie Bildungs- und Forschungsprojekte (Foto: Provadis/Arne Landwehr)

Dr. Karsten Rudolf, Leiter Marketing sowie Bildungs- und Forschungsprojekte, ist zuständig für die AG „Provadis 4.0“.


Digitalisierung und Industrie 4.0 – Chancen und Herausforderungen

Ich sitze im Büro in Wiesbaden und kann über einen Live-Stream und Twitter die Abschlusskonferenz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zum Dialog-Prozess Arbeiten 4.0 verfolgen, die Diskussion auf Twitter kommentieren. Die Digitalisierung verändert die Gesellschaft und auch die Wirtschaft. In der aktuellen Konjunktur-Umfrage von HessenChemie gaben fast 49 Prozent der befragten Unternehmen an, sich bereits heute „intensiv“ mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen. Für 43 Prozent ist dies immerhin „am Rande“ bereits ein Thema.

In der digitalen Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinweg steckt ein großes Innovationspotenzial für die chemisch-pharmazeutische und Kunststoffverarbeitende Industrie. Neue Geschäftsmodelle können entstehen und eine nachhaltige Steigerung der Produktivität können helfen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Darin liegen große Chancen für die Branche. Der Veränderungsprozess Digitalisierung stellt neue Anforderungen an die Mitarbeiter (Stichworte: Qualifizierung, Aus- und Weiterbildung). Neben fundierten Fachkenntnissen und beruflichem Erfahrungswissen werden vernetztes Denken, interdisziplinäre Kompetenzen und virtuelle Zusammenarbeit (siehe oben; Videokonferenzen, Chats, uvm.) immer wichtiger.

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) haben im Oktober den Dialog-Prozess „Work@industry 4.0“ angestoßen. MIt dem Dialog der Chemie-Sozialpartner soll der Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung gemeinsam von Arbeitgebern und Gewerkschaft gestaltet werden.

Als Arbeitgeberverband interessieren uns vor allem die Auswirkungen auf die Zukunft der Arbeit (wie sie gerade auch in Berlin auf der Abschlusskonferenz des BMAS diskutiert wurden). Mit einer empirischen Studie zur „Digitalisierung der Arbeitswelt in der hessischen Chemie“ wollen wir zu einer faktenbasierten Betrachtung der Herausforderungen und Chancen beitragen. Am 24. Oktober 2017 werden diese Ergebnisse dann im Rahmen der 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik im Kurhaus Wiesbaden vorgestellt.

Das HessenChemie-Positionspapier zur „Digitalisierung und Industrie 4.0 – Chance und Herausforderung“ finden Sie hier. Darüber hinaus hat die Präsidentin des BAVC, Frau Margret Suckale, das Buch „Chemie digital“ zu diesem Thema herausgegeben.


Die Arbeit der Zukunft – wie werden wir sie gestalten?

Tagesschau-Gucker sind vor Kurzem wohl erschrocken: Vor dem Fernseher sitzend, sehen sie das gewohnte, blaue Tagesschau-Bild und hören gleich, gewohnte „Tagesschau-Musik“, die die 20-Uhr-Nachrichten einläutet. Doch im Bild war nicht einer der bekannten Moderatoren zu sehen, sondern ein weißer Roboter, der die Nachrichten spricht. Der „Mod E Rator 2016“ berichtet, dass in der Arbeitswelt zunehmend Roboter eingesetzt würden, die dem Menschen Konkurrenz machten. Ein ungewohnter Moment, aus dem der Zuschauer erst durch die bekannte Stimme von Tagesschau-Moderator Jan Hofer geholt wird. Es geht um die Zukunft der Arbeit, und die Diskussion in der ARD-Themenwoche beginnt mit einer sorgenvollen Frage: Konkurrent oder Kollege? Vom 30. Oktober bis 05. November 2016 dreht sich alles um die Zukunft der Arbeit: im Tatort, in Talkshows, Spielfilmen und vielen weiteren Beiträgen. Von Industrie 4.0, Smart Factories oder Big Data werden verschiedene Szenarien aufgezeigt. In diesen Veränderungen liegen große Chancen – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

„Keine menschenleeren Fabriken“

Die Arbeit der Zukunft wird an vielen Stellen eine andere sein als die Arbeit, die wir heute kennen. In einem Gespräch mit dem Wiesbadener Kurier drückte Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie, dies in Bezug auf die Veränderungen in der chemischen Industrie in Hessen so aus: „Die Arbeit wird eine andere sein, sie wird uns aber nicht ausgehen. (Wiesbadener Kurier vom 14.09.2016)“ Und: in der Chemie werden diese Veränderungen aufgrund der Investitionszyklen nicht über Nacht passieren. Die Veränderungen können gemeinsam gestaltet werden. In dem angesprochenen Gespräch mit dem Wiesbadener Kurier entgegenete Volker Weber, der Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Hessen-Thüringen: „Wir sind ins Gestalten verliebt“. In den Veränderungen der Arbeitswelt steckt ein Gestaltungsauftrag für die Sozialpartner. Um sich dieser gemeinsamen Aufgabe zu stellen, haben die Chemie-Arbeitgeber und die IG BCE einen Branchen-Dialog „work@industrie 4.0“ zur Zukunft der Arbeit begonnen.

Gemeinsame Aufgabe der Sozialpartner: Branchen-Dialog „Work@industry 4.0“

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hatten zur Fachtagung „Work@industry 4.0“ am 11. Oktober 2016 eingeladen. Gemeinsam mit Arbeitsministerin Andrea Nahles diskutierten die Chemie-Sozialpartner die Herausforderungen des digitalen Wandels für die Arbeitswelt in der chemischen Industrie.

Von besonderem Interesse für die Teilnehmer waren die Fragen nach den Veränderungen der Aus- und Weiterbildung, aber auch die Möglichkeiten des orts- und zeitflexiblen Arbeitens sowie nach guter und gesunder Arbeit. Die Arbeit der Zukunft wird voraussichtlich sehr viel flexibler sein als heute. Michael Vassilidis, der Vorsitzende der IG BCE, formulierte seine Vorstellung so: „Dabei ist Flexibilität ein für Unternehmen wichtiges Thema. Vorrangig aber muss es darum gehen, den Beschäftigten persönliche Freiräume zu eröffnen. […] Wir wollen eine neue Ära der Arbeitszeit – mit deutlich mehr Wahlmöglichkeiten für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dafür lohnt es sich im beidseitigen Interesse gute Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln.“ Die Präsidentin des BAVC, Margret Suckale, ordnete das mit den Worten: „Auch das Megathema Digitalisierung werden wir als Chemie-Sozialpartner in bewährter Weise gemeinsam gestalten – indem wir die Herausforderungen ernst nehmen, aber auch die enormen Chancen erkennen und nutzen.“

Den Auftakt zu den Diskussion in der Themenwoche der ARD bildete ein „Digitalcamp“ in Berlin. Die dortigen Erfahrungen fasste ein Teilnehmer so zusammen: „Es ist manchmal anstrengend, weil die Interessen auseinandergehen.“ Das hört sich nach Arbeit an, aber nicht nach Sorgen.


Digitalisierung als Chance für Politik und Verbände

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Regierungssprecher Steffen Seibert erklärt, was den Bürger auf der Facebookseite der Bundesregierung erwartet.

Seit Ende der vergangenen Woche hat die Bundesregierung eine eigene Facebookseite. Dort berichtet ein Social-Media-Redaktionsteam aus dem Bundespresseamt über die Arbeit der Bundesregierung. Man möchte damit den Bürgern die Arbeit der Bundeskanzlerin und der Ministerinnen und Minister näher bringen und erklären, was die Bundesregierung so tut, erklärt Regierungssprecher Steffen Seibert in einem einführenden YouTube-Video. Man wolle aber auch mit den Bürgerinnen und Bürgern in einen Dialog treten und hören, was diese bewegt bzw. welche Fragen diese an die Bundesregierung haben.

Das Team macht dort eine gute Arbeit. Es gibt viele Beiträge mit Fotos und Kurzfilmen, die einen Einblick in die Arbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Co. geben, die Otto Normalverbraucher sonst nicht erhalten würde: Eine Privataudienz beim Papst, ein Besuch bei Siemens, die Gedenkfeier auf dem Maidan in der Ukraine – und alles möglichst nah an den Personen. Selbstredend ließen verunglimpfende, unsachliche und unpassende Kommentare auf der Seite nicht lange auf sich warten. Aber das Team reagiert empathisch, sachlich und auch mal mit Humor.

Ob hier Peter Tauber, der CDU-Generalsekretär seine Hände im Spiel hatte? Dieser hat sich die Modernisierung der Partei auf die Fahnen geschrieben. Er weiß, wenn die CDU als Volkspartei zukunftsfähig bleiben möchte, muss sie sich verändern. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 59 Jahren, nur 25 Prozent sind weiblich und Menschen mit Migrationshintergrund finden sich nur unzureichend in der Partei wider. Die Überalterung der Partei ist ein Problem: 2003 hatte die CDU noch fast 590.000 Mitglieder, heute sind es rund 460.000. Dabei bedeuten „weniger Mitglieder weniger Verankerung vor Ort, weniger kreative Ideen, weniger Einnahmen und weniger Spenden“, so Tauber in einem Beitrag der Zeitschrift „Die politische Meinung“ der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Wichtig ist Tauber daher, die Partei jünger, weiblicher und bunter zu machen. Dafür müssen zeitgemäße Antworten her: Satzung und Statuten sollen überprüft und moderne Konzepte erarbeitet werden. Von zeitgemäßen Veranstaltungsformaten, die die Möglichkeit bieten, sich unabhängig von Wohnort und Familiensituation aktiv zu beteiligen, bis hin zu mehr digitaler Partizipation, Vernetzung und Dialog. Das hört sich sehr modern an und man kann hier viele Parallelen zu Verbänden und Unternehmen finden. Alle haben gemeinsam, dass sie Mitglieder/Mitarbeiter gewinnen und binden sowie ihre Botschaften und Geschichten einem möglichst breiten Publikum verbreiten möchten.

Die Digitalisierung spielt hierbei eine ganz wesentliche Rolle. Sie hat die Kommunikation grundlegend verändert. Ob zwischen Parteien und Bürgern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Verbänden und Mitgliedern bzw. Öffentlichkeit oder Unternehmen und Öffentlichkeit. Noch nie gab es so viele und einfache Möglichkeiten, seine eigene Zielgruppe zu informieren, mit ihnen ins Gespräch zu kommen oder sie zum Mitmachen zu motivieren. Akzeptanz und Beteiligung durch Transparenz, Dialog und Wertschätzung.

Die neuen Medien bieten die Möglichkeit, das eigene Handeln, die Werte und Positionen zu erklären, ohne über den Filter Journalisten und Medien gehen zu müssen, und so mit den Menschen direkt in Kontakt kommen zu können. Wähler, Mitglieder oder Mitarbeiter zu binden, heißt zu kommunizieren.

Ich finde den Prozess bei der CDU sehr spannend. Politik steht nicht gerade für Bewegung und Flexibilität, genauso, wie vielen Verbänden immer noch eine gewisse Behäbigkeit nachgesagt wird. Aber es kommt eine Menge Bewegung in die Sache. Sich als Bundesregierung auf Facebook zu begeben, ist richtig. Es ist aber auch mutig. Derzeit ist die Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der Menschen besonders groß, und die Hemmschwelle, sich negativ, unsachlich bis bösartig zu äußern, besonders klein. Aber es bietet eben auch die v. g. Chancen. Und: Die sozialen Medien sind ein Stimmungsbarometer, dass man durchaus ernst nehmen sollte. Natürlich äußern sich eher Kritiker als Befürworter, aber wenn man keine bis kaum Zustimmung, dafür enormen Gegenwind für das eigene Tun erhält, lohnt es sich durchaus, sich darüber Gedanken zu machen.

Peter Tauber leitet übrigens die Kommission „Meine CDU 2017“, die nach der Bundestagswahl 2013 ins Leben gerufen wurde. Darin geht es eben darum, sich mit den Themen und Herausforderungen der Zukunft auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit rund 40 Funktions-, Amts- und Mandatsträgern von allen Ebenen der CDU sowie aus den Vereinigungen hat sich die Bundespartei in der Kommission drei zentrale Ziele gesetzt: Das inhaltliche Profil der CDU schärfen, die Organisationskraft stärken und die Kampagnenfähigkeit verbessern, so der Generalsekretär. Kommunikation und Digitalisierung werden dabei eine ganz wesentliche Rolle spielen.

Auch viele Verbände befinden sich in diesem Umbruch, ebenso Unternehmen. Die Zyklen, sich zu erneuern und der modernen, globalen Welt anzupassen, werden dabei immer kürzer. Man kann das gut oder schlecht finden, ändern wird es sich wohl nicht mehr.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Linkempfehlungen

Meedia: Im tiefen Tal der Supertrolle: die freundliche Facebook-Propaganda der Bundesregierung

Spiegel Online: Bundesregierung auf Facebook: Postings aus dem Kanzleramt

Politik und Kommunikation: Merkels Fitmacher

Polisphere: Wählerbindung 2.0

 


Verbände im Umbruch

Kommunikation ist heute vor allem digitale Kommunikation. Sie ist allgegenwärtig, ohne sie findet heute fast nichts mehr statt. Sowohl im Privaten wie auch im Beruflichen. Schon vor dem Web 2.0 und dem Aufkommen von Social Media hieß es, „wer nicht kommuniziert, findet nicht statt“. Heute gilt das umso mehr.

Kommunizieren ist dabei leichter und schwerer zugleich geworden. Leichter, weil wir heute dank des Web 2.0 unendlich viele Kommunikationskanäle zur Verfügung haben, um unsere Botschaften zu verbreiten und nicht mehr zwangsläufig auf den Journalisten angewiesen sind. Schwerer, weil die eigenen Meldungen die Informationsflut und den Zeitmangel der Zielgruppe durchdringen müssen. Hier kommt es vor allem auf Relevanz und Aktualität an – was nicht neu ist. Mit klaren Werten, Positionen und einer guten Kommunikationsstrategie kann man sich in Stellung bringen.

Verbände leben vom Einbringen ihrer Mitglieder, der medialen Sichtbarkeit sowie dem politischen und sozialen Wirken. All dies ist im Umbruch und so sind immer mehr in Bewegung, um dem Medienwandel und der neuen Art und Weise der Zusammenarbeit zu begegnen.

Einer der originären Aufgaben von Verbänden ist die Vernetzung und der Wissensaustausch. Heute sollte dies möglichst schnell sowie orts- und zeitunabhängig geschehen. Die Fach- und Führungskräfte haben immer weniger Zeit, sie brauchen ihre Informationen möglichst unmittelbar und der Erfahrungsaustausch mit Kollegen anderer Unternehmen hilft ihnen bei Entscheidungsfindung und Umsetzungsprozessen. Verbände müssen darauf reagieren, denn sie laufen sonst Gefahr, dass ihre Mitglieder auf verbandsexterne Plattformen zurückgreifen.

Die technischen Möglichkeiten, um Netz- und Gremienarbeit sowie den Zugang zum Know-how des Verbandes und seinem Expertennetzwerk effizienter und weniger abhängig von physischen Treffen zu gestalten, sind heute mannigfaltig. Anbieter von sogenannten Social-Business-Plattformen oder –Tools sprießen wie Pilze aus dem Boden. Die Entscheidung für eine Plattform sollte daher wohl überlegt sein. Dabei sollte aber nicht nur der Aspekt der Vernetzung und des Austausches betrachtet werden, sondern die gesamte bestehende IT- und Prozesslandschaft. Das Ganze bedarf einer übergeordneten Strategie, die Strukturen, Prozesse und Technologien zu planen und nach und nach einzuführen, um am Ende keine kostspieligen Fehler zu machen und Mitarbeiter und Mitglieder zu überfordern.

Wichtig ist auch, sich als Verband Gedanken über seine Kultur zu machen. Nicht jeder Verband ist auch soweit, Wissen zu teilen und Meinungen und Austausch freien Raum zu geben. Zudem ist es wichtig, die Plattform mit Inhalt und Leben zu füllen. Das erfordert zunächst einmal Ressourcen, denn das kostet Zeit. Idealerweise werden dadurch später andere Prozesse schlanker.

All das ist also ein Projekt, das gut und gerne ein bis drei Jahre dauern kann. Auch wir von HessenChemie setzen uns damit auseinander und werden diesen spannenden Weg gehen.