Bildung für nachhaltige Entwicklung – Ein Beispiel aus der Chemie-Branche

Heute beginnt in Berlin der Agendakongress zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), den das Bundesministerium für Bildung und Forschung wieder ausrichtet. In diesem Jahr steht der Nationale Aktionsplan BNE im Zentrum der Konferenz in Berlin. Dass Bildung für nachhaltige Entwicklung auch ein Thema für Unternehmen und ihre Mitarbeiter ist, zeigte eindrucksvoll das Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. Novemeber 2017 in Wiesbaden. Der Veranstalter – Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH – stellte hier ein vom Bundesinstitut für Berufsbildung gefördertes Projekt vor. Angeregt diskutierten die ca. 70 Experten aus Unternehmen, Verbänden, Berufsschulen und der Politik das im Modellprojekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie (ANLIN)“ entwickelte Umsetzungskonzept.

Nachhaltigkeit wichtig zur Fachkräftesicherung
Warum ist das Thema Nachhaltigkeit von so großer Bedeutung für Unternehmen? Darüber sprach Dr. Werner Sievers, Leiter Wirkstoffproduktion Chemie am Standort Frankfurt bei Sanofi Aventis Deutschland. Der unternehmerische Erfolg hänge auch von der Übernahme gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung ab. Für Arbeitnehmer würden diese Themen immer wichtiger. Daher spiele Nachhaltigkeit unter anderem bei der Fachkräftesicherung eine Rolle.

„Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem und jeder Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Genau deshalb wurde in diesem Jahr der Nationale Aktionsplan „Bildung zu nachhaltiger Entwicklung“ (BNE) verabschiedet. Damit die Umsetzung in der Schule auch gelingt, stellen wir allen Schulformen Beratungsangebote für die Erarbeitung und Umsetzung pädagogischer Konzepte zur Verfügung und unterstützen sie bei den verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit im Rahmen der Schulentwicklung“, erklärte der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel.

Aber auch in der beruflichen Bildung sei das Thema essentiell, betonte Barbara Hemkes, Leiterin des Arbeitsbereichs Qualität, Nachhaltigkeit, Durchlässigkeit des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Hier liege die Herausforderung darin, die Betriebe und Unternehmen zu nachhaltigen Lernorten zu machen. Das durch das BIBB aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderte
Projekt ANLIN der Partner Provadis, BBW Wittenberg, Qualifizierungsförderwerk Chemie und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung und Management-Services sei hierfür ein sehr wichtiger und erfolgversprechender Schritt.

Wichtiges Modellprojekt in der Ausbildung
Für den Bildungsdienstleister Provadis spielt Nachhaltigkeit in der Aus- und Weiterbildung bereits seit einiger Zeit eine wichtige Rolle. „Bei unseren Kunden gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund sind wir nicht nur als nachhaltiges Unternehmen zertifiziert, sondern haben zukunftsfähiges Denken und Handeln auch inhaltlich in unsere Aus- und Weiterbildung integriert“, betonte Provadis-Geschäftsführer Dr. Udo Lemke.

Eines dieser Modellprojekte aus dem Bereich Ausbildung, ANLIN (Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie), stellten Marny Schröder, Projektleiterin für Bildungs- & Forschungsprojekte bei Provadis, und Franziska Massa, Projektreferentin, Qualifizierungsförderwerk Chemie, vor. „Unsere Erfahrungen mit dem ersten Ausbildungsjahrgang, der das Projekt bereits durchlaufen hat, zeigen, dass wir ein Konzept entwickelt haben, mit dem wir die Auszubildenden sehr gut erreichen und mitnehmen können“, so Schröder. Auch Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation, Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V., lobte das Projekt als wichtigen Teil von Chemie³ , der Nachhaltigkeitsinitiative der chemischen Industrie. Beim Thema Nachhaltigkeit sei der Mensch ganz entscheidend. Hier leiste ANLIN einen sehr wertvollen Beitrag, die zukünftigen Mitarbeiter hierfür zu gewinnen.

Am Standort in Frankfurt-Höchst wird das Projekt auch von den regionalen Chemie³-Allianzparnter, dem Arbeitgeberverband HessenChemie, dem Verband der chemischen Industrie Hessen (VCI Hessen) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hessen-Thüringen begleitet. Weitere Informationen zum Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung sind abrufbar unter www.bne-portal.de/bundesweit/nationaler-aktionsplan, Informationen zum Projekt ANLIN unter www.provadis.de/anlin sowie zur Initiative Chemie³ unter www.chemiehoch3.de.


„Bernie“ bringt den ersten Platz ein – Initiative Chemie³ Hessen vergibt Nachhaltigkeitspreis an Auszubildende

Teilnehmer des Nachhaltigkeitspreises beim Betrachten der eingereichten Arbeiten. Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Bis zum letzten Augenblick hatten sie nicht damit gerechnet und dann doch den ersten Preis gewonnen: Die sieben Auszubildenden von der Georg Börner GmbH & Co. KG aus Bad Hersfeld staunten nicht schlecht, als sie beim zweiten Nachhaltigkeitspreis der Initiative Chemie³ nach vorne kommen sollten und die Urkunde vom hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir entgegennehmen konnten. Insgesamt hatten 124 Auszubildende in 23 Gruppen ihre Exponate beim Wettbewerb eingereicht, der unter dem Motto „Industrie 4.0 – Digitalisierung aus der Perspektive der Jugend“ stand. Bei der Preisverleihung in der Kletterhalle Nordwand in Wiesbaden wurden schließlich die drei Gewinnerteams in einer Feierstunde bekanntgegeben.

„Bernie“, die Gewinner-Skulptur des Teams der Georg Börner GmbH aus Bad Hersfeld.
Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Sie nennen ihn liebevoll „Bernie“. Gemeint ist die Kopf-Skulptur, mit der Angela Neumann, Lea Hofmann, Katja Hellwig, Wladislav Zubarev, Artur Zubarev, Marvin Creutzburg und Felix Grunz den zweiten Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen gewonnen haben. Sie alle sind Auszubildende bei der Georg Börner GmbH & Co. KG in Bad Hersfeld und haben sich mit dem Thema Industrie 4.0 aus ihrer Perspektive auseinandergesetzt. In den Kopf aus Gips haben sie einen Beamer eingebaut, der die Geschichte des Unternehmens in einem Film zeigt. Darin ersetzen Hooverboards mit Diesel betriebene Gabelstapler, es wird papierlos in den Büros gearbeitet und die Kommunikation geschieht anschaulich per Hologramm. „Wir hatten die Idee, dass es nicht gut ist, so viele Reisen ins Ausland zu machen“, erklärte Angela Neumann stellvertretend für das Team die Idee hinter den Hologrammen. Denn das chemische Werk für Dach- und Bautenschutz ist international tätig. Für ihre Arbeit an „Bernie“ hätten sie viel in Zeitungen und Büchern zum Thema Industrie 4.0 recherchiert. „Wir haben überlegt, was das für uns bedeutet und dann Ideen gesammelt“, erläuterte sie weiter. Sie hätten viel Spaß an der Ausarbeitung gehabt. Bereits vor zwei Jahren hatten sich die Auszubildenden am Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen beteiligt.

Mit einem Video hatten die beiden angehenden Chemielaboranten Vanessa Hahn und Christian Schwarz von der Clariant Produkte (Deutschland) GmbH aus Frankfurt an dem Wettbewerb teilgenommen. Das kleinste Team im Wettbewerb erhielt dafür den zweiten Preis.  In ihrem eigens erstellten Film zeigen sie, wie eine nachhaltige Palmöl-Entwicklung mit einer digitalen Vernetzung in Zukunft gelingen kann. Die Lieferkette soll transparent gemacht werden und nachvollziehbar sein.

Die drei Gewinner-Teams des Nachhaltigkeitspreises für junge Menschen in Hessen mit dem Schirmherrn und WIrtschaftsminister, Tarek Al-Wazir sowie den Vertretern der hessischen Chemie³-Allianzpartner. Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Der drittplatzierte Beitrag von Auszubildenden der CSL Behring GmbH aus Marburg. Foto: Chemie³-Allianzpartner/Arne Landwehr

Mit einer nachhaltigen Entwicklung im Umfeld des eigenen Unternehmens setzten sich fünf Auszubildende von der CSL Behring GmbH aus Marburg auseinander. Die Biologielaboranten-Azubis haben ein umfangreiches Exponat erstellt, das die verschiedenen Unternehmensbereiche mit Zahnrädern verbindet. In ihrer Zukunftsvision lassen sich unter anderem Familie und Beruf vereinen, Obst und Gemüse im unternehmenseigenen Garten anbauen und Strom aus Windrädern produzieren. Das Team erhielt dafür den dritten Platz.

Weil sich so viele Teams von der ALMO Erzeugnisse Erwin Buch GmbH an dem Wettbewerb beteiligt hatten, lobte Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer von HessenChemie, im Namen der hessischen Chemie³-Allianzpartner für alle Teams des Unternehmens eine Sonderprämie aus, die für eine gemeinsame Unternehmung genutzt werden soll. Er hob die hohe Beteiligung und die Kreativität der jungen Menschen hervor. VCI-Geschäftsführer Gregor Disson und Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, lobten die Auszubildenden für ihre Ideen und freuten sich über die hohe Beteiligung. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sagte, die hohe Teilnahme am Nachhaltigkeitspreis zeige, dass die junge Generation ihre Zukunft aktiv mitgestalten möchte und sich Gedanken um Nachhaltigkeitsaspekte mache.

Um Jugendliche für eine nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren, schreiben die hessischen Chemie³-Allianzpartner seit 2015 alle zwei Jahre den Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen aus. Die Initiative wird in Hessen getragen vom Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI Hessen), dem Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e. V. (HessenChemie) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Hessen-Thüringen (IG BCE Hessen Thüringen). Der Nachhaltigkeitspreis richtet sich an Auszubildende, Dual-Studierende und Teilnehmer von Fördermaßnahmen wie „Start in den Beruf“ aus Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen und Kunstoffverarbeitenden Industrie in Hessen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat von Beginn an die Schirmherrschaft übernommen.

 

Frauke Blech ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie.


Ein Plädoyer für die Ausbildung

Was machen nach der Schule? Das ist immer wieder die große Frage. Seit vielen Jahren geht der Trend zum Studium. „Lag der Anteil der Jugendlichen, die eine Berufsausbildung wählten, in den 70er-Jahren noch bei 70 Prozent eines Jahrgangs, so haben sich die Verhältnisse inzwischen nahezu umgekehrt: Heute beginnen fast 60 Prozent eines Jahrgangs ein Studium“ (Quelle: Spiegel). Obwohl die Perspektiven für Auszubildende sehr vielversprechend sind und zahlreiche Weiterbildungs- und Fördermöglichkeiten keinesfalls eine Sackgasse bedeuten, schließen immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsvertrag ab. Für viele Unternehmen, vor allem kleine und mittelständische, wird deshalb die Suche nach passenden Auszubildenden immer schwieriger.

Die chemisch-pharmazeutische und kunststoffverarbeitende Industrie aber braucht beruflich qualifizierte Fachkräfte, also Menschen mit einer dualen Ausbildung. Gerade einmal 16 Prozent aller Beschäftigten der Branche sind Akademiker. Bedauerlicherweise hat sich das Image der Ausbildung in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert – und das zu unrecht. Viele Eltern sehen für die eigenen Kinder nur eine solide Zukunftsperspektive, wenn diese einen Hochschulabschluss in der Tasche haben. Dabei ist längst nicht jedes Kind auf dem Gymnasium resp. der Hochschule richtig aufgehoben. Für manche Schüler wäre eine Ausbildung die bessere Wahl. 28 Prozent aller Anfänger im Bachelor brechen ihr Studium ohne Abschluss ab. Schätzungen beziffern die Zahl der Studienabbrecher auf 60.000 bis 100.000 pro Jahr (Quelle: ZEIT Online). Diesen jungen Menschen hätte der Besuch der Realschule bzw. die Aufnahme einer Ausbildung viel Druck und Frust erspart.

Praxiserfahrung erwünscht

Und hier muss vielleicht auch mal das ewige Entweder (Ausbildung) Oder (Studium) aufgebrochen werden. Denn mit einer abgeschlossenen Ausbildung stehen jungen Menschen noch viele Wege offen. Unabhängig davon hat man aber schon mal eins: Praxiserfahrung. Und die ist in der Industrie gefragt. Zudem lässt sich darauf in vielfacher Hinsicht aufbauen, zum Beispiel mit einem Fachwirt oder Meister. Wer darüber hinaus das Abitur hat, kann nach der Ausbildung immer noch studieren – Vollzeit oder nebenberuflich über staatliche Hochschulen bzw. private Anbieter. Die meisten Unternehmen fördern Weiterbildungsmaßnahmen, denn es ist ihr ureigenes Interesse, qualifizierte Mitarbeiter zu beschäftigen. In Hessen läuft zudem bis 2021 ein Modellversuch, der jungen Menschen mit Realschule und einer abgeschlossenen Ausbildung den direkten Zugang zur Hochschule ermöglicht (http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/laender/hessen/). Und wer behauptet eigentlich, dass man „nur“ mit einer Ausbildung nicht auch glücklich im Beruf werden kann? Auch der Verdienst kann sich sehen lassen – gerade und vor allem in der chemischen Industrie.

Die Kombi – beides vereint

Und dann gibt es ja noch die Kombination aus Ausbildung und Studium: das duale Studium. Dieses bieten inzwischen eine ganze Reihe von Unternehmen in ganz unterschiedlichen Fachrichtungen an: von Wirtschaftsinformatik über Prozesstechnik bis zu Betriebswirtschaft. Die Unternehmen haben ein besonderes Interesse an dualen Studiengängen, da sie auf diese Weise den benötigten Fachkräftenachwuchs nach eigenen Bedürfnissen praxisnah ausbilden können. Sie sichern sich somit bereits vor Ausbildungsbeginn ihre Nachwuchskräfte und nicht erst nach Abschluss der akademischen Ausbildung.

Die Chemie – Eine attraktive Branche

Und warum eine Ausbildung in der Chemie-, Pharma- oder Kunststoffindustrie starten? Ganz einfach, die Branche bietet über 50 verschiedene Ausbildungsberufe – vom Koch über den Chemikant bis zum Mechatroniker -, zahlreiche duale Studiengänge, eine attraktive Vergütung, gute Übernahmechancen und viele weitere betriebliche Zusatzangebote wie Gesundheitsfürsorge, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder betriebliche Altersvorsorge. Je nach Vorliebe finden sich hier sowohl kleine und mittelständische Unternehmen mit familiärer Atmosphäre als auch große Konzerne, die bereits in der Ausbildung Auslandsaufenthalte und vieles mehr anbieten. Es ist also für jeden etwas dabei.

Weitere Infos zur Ausbildung in der Chemie

Elementare Vielfalt: Die Ausbildungskampagne der Chemie-Arbeitgeber

Berufskompass Chemie: Möglichkeiten und Wege nach der Ausbildung

HessenChemie-Ausbildungsplatzbörse: Ausbildungsplätze und duales Studium in Hessen

Provadis Bildungsreport: Argumente und Best-Practice-Beispiele


Ausbildung in der Chemie: vielfältig und wegweisend

Denkt man an die chemische Industrie, so denkt man zunächst an eine Laborsituation, Erlenmeyerkolben oder den einstigen Chemieunterricht. Dabei ist die Branche als forschungsintensive Hightech-Branche mit wegweisenden Produkten vielfältig, modern und zudem – da viele Chemie-, Pharma- und Kunststoffunternehmen tarifgebunden sind – auch sehr attraktiv hinsichtlich Verdienst, Altersvorsorge, Weiterbildung u.v.m. Wer hier arbeitet, hat beste Möglichkeiten, innovative Lösungen der Zukunft mitzugestalten und wird Teil einer Branche, die sich mit der Initiative Chemie3 Nachhaltigkeit im Bereich Ökonomie, Ökologie und Soziales auf die Fahnen geschrieben hat. Interessante und abwechslungsreiche Berufe, moderne und sichere Arbeitsplätze – das bietet eine Ausbildung in der chemischen Industrie.

Chemie-Azubi-Blog: Ausbildung und Unternehmen ganz nah

Der Chemie-Azubi-Blog bietet Schüler/-innen einen Einblick in Ausbildungsberufe und Unternehmen.

Der Chemie-Azubi-Blog bietet Schüler/-innen einen Einblick in Ausbildungsberufe und Unternehmen.

Einen Einblick in die Ausbildung in der Chemiebranche bietet seit dem Frühjahr dieses Jahres der Chemie-Azubi-Blog, der die Vielfalt der Ausbildungsberufe, Unternehmen und deren innovative Produkte in den Vordergrund stellt und jungen Menschen somit einen einmaligen Einblick hinter die Werktore bietet, der sie bei der Berufsorientierung unterstützen soll.

Ins Lebens gerufen wurde der Blog vom Landesverband Rheinland-Pfalz vor drei Jahren. Nun ergänzen neben uns Hessen auch die Kollegen aus den Landesverbänden Baden-Württemberg und Nordost den Chemie-Azubi-Blog mit Geschichten rund um Menschen und deren Arbeitsplätze. Ziel des Blogs ist es, einen besseren Einblick in die unterschiedlichen Ausbildungsberufe zu bieten, aber auch Unternehmen und die Menschen dahinter vorzustellen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen sind für Jugendliche oft unbekannt oder weniger reizvoll, dabei hat eine Ausbildung in familiären Betrieben durchaus Vorteile. Im Chemie-Azubi-Blog berichten Auszubildende aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie großen Konzernen, was ihre Ausbildung aus- und vielleicht auch so besonders macht.

Die Chemie hat viele Gesichter

Ebenso wichtig für die Entscheidung eines Berufes ist die Perspektive, die der Beruf oder das Unternehmen bietet. Deswegen bloggt das Redaktionsteam neben klassischen Ausbildungsthemen auch über Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten, gibt Bewerbungstipps und weist auf Termine, Wettbewerbe und vieles mehr hin. Die Beiträge beantworten häufig gestellte Fragen, wie beispielsweise den Unterschied zwischen Chemikant und Chemielaborant oder worauf Schüler/-innen in einem Bewerbungsgespräch achten sollten.

Der Blog ist eine Ergänzung der bundesweiten Ausbildungskampagne „Elementare Vielfalt“ der Chemiearbeitgeber. Auf www.elementare-vielfalt.de finden Schüler/-innen neben Porträts der wichtigsten Ausbildungsberufe auch eine Börse mit freien Ausbildungsplätzen.

Mitgliedsunternehmen der Chemieverbände haben die Möglichkeit, sich mit Stories rund um Ausbildung und Unternehmen in den Blog einzubringen. Interessierte Unternehmen aus Hessen wenden sich an Petra Diener unter diener@hessenchemie.de oder Telefon 0611 7106-65.


Vielfältige Ausbildung in der Chemie

Eine Ausbildung in der chemischen Industrie verbinden viele immer noch mit den klassischen Berufen des Chemielaboranten oder Chemikanten. Doch das Angebot geht weit darüber hinaus: Die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie bieten Ausbildungsplätze in über 50 naturwissenschaftlichen, technischen oder kaufmännischen Berufen und schaffen jedes Jahr tausende Chancen für den Berufseinstieg. Einen guten Überblick über eine Vielzahl der Ausbildungsberufe bietet die Seite www.elementare-vielfalt.de.

Ausbildungsangebot

Laut dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) bilden insgesamt rund 60 Prozent aller Betriebe in der chemischen Industrie selbst oder im Verbund mit Partnern aus. Aktuell befinden sich rund 28.000 junge Menschen bundesweit in der Ausbildung. 2015 boten die Chemie-Arbeitgeber 9.209 neue Ausbildungsplätze bundesweit an, in Hessen 1.536. Seit dem Start des Ausbildungstarifvertrages im Jahr 2003 werden jährlich die anzubietenden Stellen festgelegt, und in 11 von 13 Jahren konnte das tarifliche Soll erreicht bzw. übertroffen werden. Lediglich in den Krisenjahren 2009 und 2010 wurde die Marke unterschritten.

Berufsorientierung

Die Ausschreibungen für die Ausbildungsplätze 2016 sind bereits im vollen Gange. Wer sich über freie Stellen in Hessen informieren möchte, findet ein umfassendes Angebot in unserer Ausbildungsplatzbörse auf www.hessenchemie.de/ausbildung/ausbildungsplatzboerse. Einen bundesweiten Überblick erhält man auf www.elementare-vielfalt.de.

Ausbildung oder Beruf – und wenn ja, was? Die Vielzahl an Berufen und (dualen) Studienmöglichkeiten bietet zwar viele Möglichkeiten, sie kann aber auch leicht überfordern, vor allem, wenn man noch nicht genau weiß, welcher Beruf zu einem passt und woran man wirklich Spaß hat. Seit Oktober des vergangenen Jahres bereichert der Ausbildungsfinder die Ausbildungskampagne der Chemiearbeitgeber „Elementare Vielfalt“. Auf spielerische und kurzweilige Art bringt er jungen Menschen die Berufsorientierung näher und damit mehr Bewusstsein für die eigenen Interessen und Talente. Der ElVi-Ausbildungsfinder funktioniert ganz einfach, die Seite ist übersichtlich und intuitiv gestaltet. Bereits wenige Tage nach dem Online-Start erreichte das neue Berufsorientierungsspiel 500.000 Facebook-Hits und eine Reichweite von über 1,5 Mio. Personen. Eine ausführliche Beschreibung gibt’s im Recrutainment Blog.

In der letzten Januarwoche findet in Darmstadt wieder die hobit (Hochschul- und Berufsinformationstage) statt. Hier gibt es drei Tage lang alles rund um Ausbildung und Studium. Wir sind auch wieder vor Ort und informieren über die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten in der Chemie-, Pharma- und Kunststoffbranche. Über die hobit werden wir auch hier im Blog berichten.


Demografie-Tarifvertrag Stufe Drei

Die zurückliegende Tarifrunde in der Chemie war wahrlich nichts für schwache Nerven: Jede Menge Mobilisierung, ein Gesprächsabbruch und vier Verhandlungsrunden auf Bundesebene zeigen bereits, dass sich beide Seiten nichts geschenkt haben und wahrlich um ein vertretbares Gesamtpaket gerungen wurde. Wäre der Tatort ähnlich spannend, würde ich auch mal wieder reinschalten.

 

Die historische Frage in der Chemie-Tarifrunde 2015

Zu Zeiten stand auch die historische Frage im Raum, ob nach 1971, dem Jahr aus dem dieses Bild vor den Toren der Farbenwerke Höchst stammt (Forderung damals: 11%!), zum ersten Mal wieder ein Streik unausweichlich wäre. Wer die Chronologie der Ereignisse nachverfolgen möchte, besuche einfach den Auftritt der IG BCE bzw. deren Facebook-Tagebuch, auf dem sich während und nach den Verhandlungen mit den Mitgliedern und Unterstützern rege ausgetauscht wurde.

 

IG BCE, Tarifrunde, Generationentandem Demografie, TarifvertragNun – einige Monate später – sind wir immer noch froh um die stabilen ‚Nylonfäden‘ der Chemie und ich möchte das versprochene Resumee (Die Chemie-Tarifrunde und der Demografie-Tarifvertrag – zündet Stufe Drei?) geben, was die zurückliegende Tarifrunde für den Demografie-Tarifvertrag, unsere Demografieberatung und Unternehmen bedeutet und wie es weiter geht.

Es gibt extrem stabile Nylonfäden in der Chemie.

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE über die ‚Reißfestigkeit‘ der Sozialpartnerschaft nach der Chemietarifrunde 2015

Diese Aussage machte deutlich – die Sozialpartnerschaft ist stark, hing aber Gott sei Dank am Nylon- und nicht am seidenen Faden. Und um gleich auf die rhetorische Frage zu antworten, ob nun ‚Stufe Drei‘ gezündet hat: Jein.

 

Nicht alle Forderungen zum Demografie-Tarifvertrag wurden umgesetzt

Der Demografie-Tarifvertrag wurde nicht ‚mit vollem Schub‘ weiterentwickelt, sowohl hinsichtlich der Erhöhung des Finanzvolumens im Demografiefonds, der in einer Staffel erhöht wird, als auch in der inhaltlichen Weiterentwicklung. Denn auch hier hatte die Gewerkschaft im Vorfeld der Verhandlungen vielfältige Forderungen gestellt, von „besseren Rahmenbedingungen für gute und gesunde Arbeit, der Weiterentwicklung von lebensphasenorientierten Arbeitszeitmodellen bis zu einem hohen Niveau der Nachwuchssicherung“. Auch die Idee von sogenannten Generationentandems tauchte auf und wurde immer wieder bildkräftig inszeniert, hier bei der regionalen Tarifrunde Hessens in Kassel.

 

IG BCE, Tarifrunde, Generationentandem Demografie, Tarifvertrag

Jung und Alt auf dem ‚Generationentandem‘ – so stellt sich die IG BCE den Wissenstransfer bildlich vor.

 

Außerdem sollten über die bestehenden Möglichkeiten hinaus (das heißt vor allem die Langzeitkonten und RV 80 für den flexiblen Übergang in den Ruhestand) neue Modelle zum gleitenden Übergang in den Ruhestand auf den Weg gebracht werden. Konkret wurde die Vier- und Drei-Tage-Woche ab dem 60. Lebensjahr genannt: „Ältere Beschäftigte müssen entlastet werden, damit sie gesund und ohne finanzielle Einbußen in Rente kommen können“, so Peter Hausmannn, Verhandlungsführer für die Arbeitnehmerseite.

Von diesen inhaltlichen Forderungen findet sich im Chemie-Tarifabschluss 2015 zunächst nicht mehr viel, vor allem wohl deshalb, weil die Verhandlungspartner alle Hände voll damit zu tun hatten die Entgelforderung mit dem Demografie-Tarifvertrrag zu einem stimmigen Gesamtpaket zu verschnüren (die Arbeitgeber benutzen dazu immer wieder das Bild von ‚kommunizierneden Röhren‘ – Wirtschaftswoche vom 26. März 2015 – „Vielleicht ist auch mal ein Spagat nötig“ -, für die gegenseitige Beeinflussung beider Verhandlungselemente).

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben – in den kommenden Monaten sollen die bestehenden Instrumente des Demografiefonds gemeinsam analysiert und über Handlungsbedarfe und Lösungen auch zur inhaltlichen Weiterentwicklung der demografischen Regelungen beraten werden.

Man bleibt also im Gespräch. Nach der Tarifrunde ist vor der Tarifrunde…

 

Für die Weiterentwicklung des Demografietarifvertrags spricht:

Der Demografietarifvertrag ist auch ein Experimentierfeld, was nicht falsch verstanden werden soll. Damit meine ich, dass wir seit 2008 mit und an einer komplett neuen Kategorie von Tarifvertrag arbeiten, der schließlich Lösungen für die Zukunft bieten soll. Moderne Tarifverträge für eine moderne, sich wandelnde Arbeitswelt. Bei einem Innovationsprojekt dieser Größenordnung zählt das schrittweise Bilanzieren oder die Sammlung von Erfahrungen zur Anwendbarkeit in der betrieblichen Praxis genauso dazu, wie neue Ansätze auszuprobieren, diese zu modifizieren etc. Und in dieser Hinsicht wurden Schlussfolgerungen gezogen:

  • Diese liegen unter anderem in der Vereinheitlichung des Demografiebetrages, d.h. das modulare System des Demografie-Tarifvertrags (vgl. dazu den Slideshare-Link unten) wird beibehalten, soll aber wieder einfacher werden. Nachdem zwischenzeitlich zwei Demografiebeträge geschaffen und deren Nutzungszwecke seit 2012 zeitweise eingegrenzt wurden (Argument: Fokus soll auf der ‚Arbeitszeit‘-Gestaltung liegen), werden so Komplexität reduziert und die Auswahlmöglichkeiten erweitert.

Präsentation zur Entwicklung der Systematik des Demografiefonds seit 2008

  • Ein klares Signal setzen auch die Erhöhung des Volumens im Demografiefonds, der ab 2017 in zwei Stufen auf 750€ je Tarifbeschäftigtem aufgestockt wird, sowie die Verlängerung der Laufzeit bis 2020. Auf Deutsch: Mit mehr Geld bleibt das Thema mindestens so bedeutend wie bisher, die Laufzeit sorgt für einen langfristigen Planungshorizont. Ob der aufgestockte Demografiefonds dazu führt, dass die angebotenen Verwendungsmöglichkeiten schlagkräftiger werden, im Sinne besserer Leistungen und Austattung (z.B. in der tariflichen Altersvorsorge), oder ob dadurch eher die Kreativität bei der Suche nach neuen/ergänzenden Lösungen zu Demografie-Risiken angeregt wird, muss sich weisen.

 

Was bedeutet der Abschluss für unsere Unternehmen?

Ich höre meine juristischen Kollegen schon sagen, ‚das kommt darauf an‘ :). Nämlich vor allem auf die Entscheidungen welche in der Vergangenheit zu den Demografiebeträgen 1 und 2 getroffen wurden. War die Verwendung einheitlich, z.B. für die Altersvorsorge, liegt es nahe, dass dieser Weg zunächst einmal fortgeführt wird, bis möglicherweise, siehe oben, die Gespräche der Sozialpartner zu neuen oder ergänzenden Rahmenbedingungen führen.

Wurden unterschiedliche Verwendungen gewählt, stellt sich zunächst die Frage, ob die Betriebsparteien diese Splittung beibehalten oder einen (neuen) Verwendungszweck bestimmen möchten. Dies erörten wir gemeinsam, doch dann wird es bald schon wieder heißen:

Nach der Tarifrunde ist vor der Tarifrunde…


Wirtschaftskrise: mit Vertrauen und Kooperation

Im Jahr 2008 unterzeichneten die Chemie-Sozialpartner im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler eine Vereinbarung mit dem Titel „Verantwortliches Handeln in der sozialen Marktwirtschaft“, in der sich die Branche auf einen Ethik-Kodex verständigte. Wie wichtig verantwortliches Handeln ist, zeigte sich schon kurz darauf. Die aktuelle Broschüre „Sozialpartnerschaft in der Wirtschaftskrise 2008/09“ der CSSA dokumentiert das Zusammenspiel der Chemie-Sozialpartner in Zeiten der großen Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre. Wie stellte sich die Situation in Hessen dar?

Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft

Im Jahr 2009 befragte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln 97 Mitgliedsunternehmen von HessenChemie. Ein Bewusstsein für die soziale Marktwirtschaft und die damit verbundene Verantwortung zeigte sich in der Umfrage: Fairness im Geschäftsleben, die Übernahme von Verantwortung auch bei Misserfolg und das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns waren die drei wichtigsten Merkmale unternehmerischen Handelns, die von den befragten Vertretern der Unternehmen genannt wurden. Danach folgten Gewinnorientierung und wirtschaftliches Wachstum sowie die Sozialpartnerschaft in den Unternehmen. Und das im Angesicht der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise.

Anstrengungen der Sozialpartner

Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer unternahmen große Anstrengungen, um die Belegschaft zu halten, obwohl die Nachfrage, Produktion und der Umsatz massiv eingebrochen waren. Ende März 2009 lag die Beschäftigung in den hessischen Betrieben der chemischen Industrie um etwa 0,3% höher als im März des Vorjahres. Auch wenn nicht in allen Unternehmen Stellenstreichungen verhindert werden konnten war man doch bemüht, die erfahrenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen möglichst nicht für die Zeit nach der Krise zu verlieren. Zum anderen zeigte sich hier auch das Bewusstsein für die fortschreitende demografische Entwicklung.

Anfang August 2009 lag die Zahl der Beschäftigten dann etwas unter dem Vorjahres-Niveau. Das im Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ vereinbarte Angebot an Ausbildungsplätzen für die Chemie wurde auch in den Krisenjahren übertroffen. Dies spricht für eine langfristige Orientierung der Branche und für verantwortliches Handeln der Sozialpartner.

Broschüre dokumentiert Zusammenspiel der Sozialpartner

Die aktuelle Broschüre der CSSA  „Sozialpartnerschaft in der Wirtschaftskrise 2008/09 – Wie Vertrauen und Kooperation helfen, Krisen zu managen“ dokumentiert nun das bundesweit erfolgreiche Krisenmanagement der Sozialpartner in der chemischen Industrie. Die Broschüre mit konkreten Fallbeispielen kann hier bestellt und heruntergeladen werden.


Geschafft! Mit den JOBLINGEN und dem StartPlus-Programm zur Ausbildung

Es ist Mittwoch 17:00 Uhr und wir treffen uns zum Abschlussgespräch im Büro der JOBLINGE gAG in Wiesbaden. Wir, das sind mein Mentee Mühcahit, Duygu Cakir von den JOBLINGEN und ich. Der gerade unterschriebene Ausbildungsvertrag liegt auf dem Tisch und ich gratuliere Mühcahid zu dem Erreichten. Ich glaube, er ist sehr stolz auf dieses wichtige Etappenziel. Es war ihm sehr wichtig, dass wir uns noch einmal nach der Vertragsunterzeichnung treffen.

Jürgen Funk, HessenChemie mit Mühcahit , Mentee JoblingeAls wir uns vor etwa einem dreiviertel Jahr im Galli-Theater beim sogenannten „Matching“ (Jobling trifft seinen Mentor) kennengelernt haben, war mir bereits klar geworden, dass Mühcahid ein klares Ziel vor Augen hat: Er will einen technischen Beruf erlernen. Zuvor hatte er eine kaufmännische Ausbildung abgebrochen. Die passe einfach nicht zu ihm, sagte er. Ich hörte aus seinen Worten heraus, dass er sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hatte. Seine Chefin zeigte aber Verständnis und wünschte ihm alles Gute. Trotzdem stand natürlich die Frage im Raum, wie es jetzt weiter gehen soll.

Durch das Jobcenter wurde Mühcahit auf die JOBLINGE aufmerksam. Hier können junge Menschen ihre Fähigkeiten in der Praxis unter Beweis stellen – jenseits von Schulnoten und klassischen Bewerbungsgesprächen. In einem mehrmonatigen Programm erlernen sie „on the Job“ wichtige Schlüsselqualifikationen, trainieren soziale Kompetenzen und erarbeiten sich ihren Ausbildungsplatz. Unterstützt werden sie dabei von JOBLINGE-Mitarbeitern, wie zum Beispiel von Duygu Cakir und Mentoren wie mir.

Ich empfahl Mühcahit von Anfang an einen Ausbildungsplatz im Bildungszentrum der InfraServ GmbH & Co. KG. Das Bildungszentrum des Industrieparks bildet im Verbund mit den am Standort angesiedelten Industrieunternehmen aus und bietet jungen Menschen, die den Übergang von der Schule in den Beruf noch nicht geschafft haben, mit dem sogenannten „StartPlus-Programm“ einen Einstieg an.

„StartPlus“ zielt auf die organisatorische und finanzielle Unterstützung speziell kleinerer und mittlerer Betriebe (bis 750 Beschäftigte) ab, die eine umfassende (sozial-) pädagogische Betreuung der Jugendlichen nicht selbst leisten können. Die konkrete Ausgestaltung orientiert sich an den betrieblichen Gegebenheiten sowie den Bedürfnissen der Jugendlichen. Grundsätzlich dient das Programm als eine Vorbereitung auf die zukünftige Ausbildung.

Zunächst wählt das Unternehmen mit Unterstützung der JOBLINGE die teilnehmenden Jugendlichen aus. Die Initiative und der Betrieb arbeiten bei der konkreten Ausgestaltung des Programms eng zusammen. Die Teilnehmer werden während der betrieblichen Phasen eng in die verschiedenen Abläufe vor Ort eingebunden. Ergänzt werden die praktischen Aktivitäten durch eine Betreuung der Ausbilder vor Ort, durch Lehrer im begleitenden schulischen Unterricht und durch die sozialpädagogische Betreuung der JOBLINGE gAG.

Auf schriftlichen Antrag des Unternehmens unterstützt der Unterstützungsverein der Chemischen Industrie (UCI) die Teilnehmer einer Maßnahme mit monatlich bis zu 450,- Euro als Zuschuss zum Lebensunterhalt. Der Arbeitgeber bezahlt lediglich den AG-Anteil der SV-Beiträge (ca. 80,- Euro/Monat). Das Unternehmen hat keinen Aufwand für Marketing, Bewerbervorauswahl, Organisation und Planung des Programms „StartPlus“. Hierdurch wird die Schwelle zum Einstieg auch für kleine und mittelständische Unternehmen deutlich herabgesetzt.

Mühcahid musste im Unternehmen überzeugen. Durch seine anpackende Art, aber auch seine sozialen Kompetenzen. Die Zusage für einen Ausbildungsplatz hat er am Ende regelrecht herbeigesehnt. Als Mentor bin ich wirklich sehr froh, dass er nun zum 1. September eine Ausbildung als Industriemechaniker beginnen kann. Dreieinhalb spannende Ausbildungsjahre liegen jetzt vor ihm. Ich hoffe, dass alles gut wird und er sich seinen Traum erfüllen kann: Eine gute und sichere Zukunft mit einem technischen Ausbildungsberuf. Wenn er möchte, stehe ich ihm auch weiterhin als Ratgeber zur Verfügung.

Autor dieses Beitrages

Jürgen Funk, HessenChemieJürgen Funk ist Diplom-Pädagoge und seit Januar 2012 Geschäftsführer Verbandskommunikation und Bildungspolitik. Er verfügt über eine 20-jährige Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, Unternehmen und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, Unternehmen und Bundeswehr. Jürgen Funk ist Prüfer der Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der
deutschen Kommunikationswirtschaft (PZOK). Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


Für Nachhaltigkeit begeistern: Aktionen für Nachhaltigkeit

Seit Samstag ist es wieder soweit: die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit haben begonnen. 1050 Aktionen sind auf der Internetseite der Aktionstage angemeldet, die eines gemeinsam haben: sie wollen für eine nachhaltige Entwicklung sensibilisieren und Menschen zum Mittmachen motivieren. Bis zum 05. Juni finden diese bundesweit und in diesem Jahr zum ersten Mal europaweit statt. Ganz unterschiedliche ist das Engagement: eine Aktion bei PROVADIS zum Nachhaltigen Mittagessen, bei der Firma BRITA sammelt man Elektroschrott, es gibt Repair-Cafés und Twitter-Berichte von BASF und Bundesministerien und Vieles mehr. Aber noch einmal einen Schritt zurück: Aktionstage Nachhaltigkeit – warum gibt es sie eigentlich?

Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit wurden nach der Weltkonferenz in Rio erstmalig veranstaltet

Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit wurden vom Rat für Nachhaltige Entwicklung initiiert. Im Anschluss an die Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahr 2012 in Rio de Janeiro wollte man auf das wichtige Ziel einer nachhaltigen Entwicklung aufmerksam machen. „Vorbildliches Engagement in ganz Deutschland soll an den Aktionstagen sichtbar werden und andere zum Mitmachen und zur Eigeninitiative ermutigen“, so heißt es auf der Internetseite der Aktionstage. Dies spiegelt sich in den Aktionen genauso wieder wie in den Personen und Organisationenen, die sich beteiligen: große und kleine Unternehmen, Verbände, und andere Einrichtungen, die sich für das Thema interessieren und andere zum Mitmachen bewegen wollen.

Interessante und vielfältige Aktionen: vom Essen und Elektroschrott

In der Hochschule Provadis sollen die Mitarbeiter und Auszubildende der Provadis Gruppe erfahren, welchen Einfluss eine nachhaltige Ernährung auf den Klimaschutz hat. Welchen Einfluss der regionale Bezug von Lebensmitteln? Was kann bewirkt werden, wenn man sich saisonal ernährt? Welche Rolle spielt der Fleischkonsum hier? Veranstaltet wird die Aktion vom Climate-KIC Team der Provadis Hochschule.“Das Climate-KIC (Knowledge & Innovation Community) stellt sich den aus dem Klimawandel ableitbaren Herausforderungen […]“ (Klimate-KIC). In einer Aktion für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sammelt die Firma BRITA Elektroschrott. MIt der Aktion soll auf den Wert von Abfall aufmerksam geamcht werden. Die Mitarbeiter können ihren Elektroschrott mit zur Arbeit bringen, die fachgerechte Entsorgung wird dann vom Unternehmen übernommen. Darüber hinaus werden Daten zum Ressourceneinsatz der Firma selbst vorgestellt und verschiedene Abfallarten und -mengen präsentiert. Aber auch Aktionen wie ein sogeanntes Repair-Cafe, in dem Menschen ihre gebrauchten Sachen reparieren können, oder Berichte vom Alltag sind dabei, wie beispielweies von BASF auf Twitter.

Vorbildliches Engagement sichtbar machen – auch europaweit

Die Aktionstage Nachhaltigkeit wollen vorbildliches Engagement sichtbar machen und zum Mitmachen anregen (alle Aktionen sind in der Datenbank auf der Internetseite der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit zu finden). Gleichzeit zu den Deutschen Aktionstagen findet auch die Europäische Nachhaltigkeitswoche statt. Mitmachen bedeutet hier wohl nicht nur, sich an den Aktionen zu beteiligen, sondern sich im Alltag an vorbildlichem Handeln zu orientieren. So vielfältig die Aktionen zu den Aktionstagen Nachhaltigkeit sind, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Eine Vielzahlt von Möglichkeiten für ein solches Engagement gibt es mittlerweile: im letzten Jahr anlässlich des 3. Nachhaltigkeitstags in Hessen im letzten Jahr haben Mitarbeiter von HessenChemie sich unter dem Motto „Hat Oma früher nachhaltiger gelebt?“ mit nachhaltigen Konsummustern beschäftigt. Seit elf Jahren gibt es das Projekt „Wiesbaden engagiert!“. Hier haben Unternehmen die Möglichkeit, sich in der Stadt zu engagieren. Im Rahmen einer Projektbörse werden Unternehmen mit gemeinnützigen Projekten zusammengebracht die sie im Rahmen einer Projektwoche unterstützen. Als HessenChemie haben wir dies in den letzten Jahren auch immer wieder getan. Für dieses Jahr haben wir uns bereits ein Projekt ausgesucht: Fresko e.V. kümmert sich um Berufsrückkeher/-innen sowie junge Menschen, die keine Ausbildung haben oder einen Arbeitsplatz suchen – auch solche Fragen sind für eine nachhaltige Entwicklung wichtig (einen ausführlicheren Beitrag zu unserem Engagement ist hier zu finden).

Warum also Aktionstage für Nachhaltigkeit?

Eine nachhaltige Entwicklung tritt immer stärker ins Bewusstsein der Menschen. Dieses Bewusstsein zu stärken und innovative Ideen für eine nachhaltige Entwicklung zu zeigen, dazu werden die Aktionstage Nachhaltigkeit genutzt. Wie tragen Sie zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft und einer nachhaltigen Entwicklung bei?