Arbeitskreis bringt Schulen und Wirtschaft zusammen

„Alle elf Minuten…“: Wer kennt sie nicht, die Werbesprüche für Partnerbörsen im Internet. Dabei verfolgen die Internetplattformen ein einfaches Prinzip: Sie bringen diejenigen zusammen, die sich suchen. Diesen Ansatz verfolgt auch das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT: In regionalen Arbeitskreisen bringen Mitwirkende ebenfalls die zusammen, die sich suchen und oftmals nicht wissen, wie sie zusammenkommen – nämlich Schulen und Wirtschaft. Und das auch in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Ziel der Arbeit ist, Lehrern wirtschaftliche Zusammenhänge näher zu bringen und Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen aufzubauen. Die Akteure handeln dabei ehrenamtlich.

Volles Haus: Zum Kick-Off von SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus kamen viele Gäste zum HessenChemie Campus. Foto: Frauke Blech

SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist der regionale Teil eines Netzwerkes, das auf Bundes- und Landesebene eine Schnittstelle zwischen Schulen und den Betrieben bildet. Auf Bundesebene leitet die Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT die Geschicke, die wiederum an der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände und dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln angesiedelt ist. Bundesweit gibt es über 400 Arbeitskreise. In Hessen ist auf Landesebene SCHULEWIRTSCHAFT ansässig in Frankfurt und mit sechs regionalen Geschäftsführungen in 28 Arbeitskreisen untergliedert. Die regionale Geschäftsstelle Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist eine davon und ist beim Arbeitgeberverband HessenChemie angesiedelt, der diese Aufgabe für die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wahrnimmt.

Und was macht der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT nun in Wiesbaden? Geschäftsführer Jürgen Funk und Projektleiterin Frauke Blech bilden das Team vor Ort. Bei ihnen laufen die regionalen Fäden zusammen. Ansässig beim Arbeitgeberverband HessenChemie koordinieren sie die Vernetzung zwischen den Unternehmen und den Schulen in der Landeshauptstadt sowie dem angrenzenden Landkreis Rheingau-Taunus. Zudem wirken sie in den relevanten Gremien mit, die sich mit den Themen Berufsorientierung, Übergang von Schule und Beruf sowie Ausbildung befassen. Parteipolitisch ist das Netzwerk neutral.

Aktuell steht der Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ an. Während von den Schulen die ersten Anmeldungen eingehen, stellt der Arbeitskreis eine Jury zusammen. Diese beurteilen schließlich bei einer Sitzung die eingegangenen Berichte nach feststehenden Kriterien. Neben der formalen Struktur nehmen die Juroren auch Inhalt und Gestaltung unter die Lupe. Wenn die Gewinner dann feststehen, wird es nach den Sommerferien am 20. Juni 2018 eine Siegerehrung im Kinopolis (Main-Taunus-Zentrum) geben, bei der über 200 Gäste erwartet werden. An dieser Stelle sei gesagt, dass noch Jury-Mitglieder gesucht werden. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei Frauke Blech per E-Mail an blech@hessenchemie.de melden.

Das Herzstück der Arbeitskreise und auch in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis ist allerdings das breite ehrenamtliche Engagement der Mitwirkenden auf regionaler Ebene. Hier bringen sich Lehrerinnen und Lehrer freiwillig und vor allem aus eigener Überzeugung dafür ein, dass Schulen und Wirtschaft zusammenfinden, aber auch wirksam zusammenarbeiten. Bei SCHULEWIRTSCHAFT stellen sie in ihrer Funktion als Arbeitskreisleiter Kontakte zwischen Schulen und Wirtschaft her. Darüber hinaus wirken sie als Juroren beim Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ mit oder engagieren sich als Auditoren beim Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung Hessen.

Das Gütesiegel für die Berufs-und Studienorientierung stellt eine besondere Aufgabe für SCHULEWIRTSCHAFT dar. Hier greifen die Zahnräder des Netzwerkes Olov ineinander. OloV steht für „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf“ und wurde 2005 als ein Projekt des Hessischen Paktes für Ausbildung ins Leben gerufen. Partner von Olov sind unter anderem das Land Hessen und die Kammern und eben auch SCHULEWIRTSCHAFT. Das Gütesiegel wird an Schulen vergeben, die eine vorbildliche Berufs- und Studienorientierung im Rahmen der Qualitätsstandards der hessenweiten Strategie OloV gestalten. Nach einem umfangreichen Prüfungsverfahren werden die Schulen, die zugelassen werden, bei einer großen Feier ausgezeichnet und können mit dem Siegel ihre ausgezeichnete Berufs- und Studienorientierung sichtbar machen.

Bei der Suche nach Auditoren für die bevorstehenden Audits kommt der Arbeitskreis ins Spiel. Er kümmert sich darum, Freiwillige aus der Wirtschaft, dem Schulwesen und dem Bereich Beratung anzuwerben. Vor Ort, heißt am HessenChemie Campus, werden sie dann auf das Prüfungsverfahren an der Schule vorbereitet. An entsprechenden Terminen werden die Audits dann ganztägig durchgeführt. In diesem Jahr durchlaufen in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus vier Schulen das Zertifizierungsverfahren.

Zusammenfassend ist zu sehen, dass SCHULEWIRTSCHAFT ein aktiver Arbeitskreis ist, für den Partnerschaften zwischen Schulen und Wirtschaft wichtig sind. Aber ohne engagierte Partner geht es nicht! Also, wer etwas nachhaltig für den Übergang zwischen Schule und Beruf tun will, engagiert sich bei SCHULEWIRTSCHAFT.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Vom Holz zu nachhaltigen Produkten

Immer wieder werden Nachhatigkeit und Wirtschaften in einen Gegensatz gebracht. Entstanden ist der Begriff in der Forstwirtschaft jedoch als Begriff für systematische und langfristig mögliche Bewirtschaftung: die nachhaltige bzw. langfristige Waldbewirtschaftung war das Problem vor dem man stand. Vor etwa 300 Jahren war Holz ein wichtiger Rohstoff, der in vielfältiger Weise eingesetzt wurde: zum Bauen, aber auch zum Heizen, und Vielem mehr. Es zeigte sich, dass man den Rohstoff zu sehr beanspruchte: Holz wurde zu einem knappen Gut, das nur langsam nachwächst und dedhalb demjenigen, der den Baum pflanzte wenig nutzte. Erst die Nachfolger hätten den Nutzen aus dem Baum verwirklichen können. Eine systematische Bewirtschaftung von Wäldern fand erst einmal nicht statt.

Angesichts einer drohenden Rohstoffkrise formulierte von Carlowitz 1713 in seinem Werk „Sylvicultura economica“ erstmals, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen konnte“ (Lexikon der Nachhaltigkeit, Hans Carl von Carlowitz, 1713).

Der Begriff ist demnach keiner, der dem Wirtschaften entgegensteht, sondern der einen Weg weist langfristig, d.h. über Generationen hinweg, die Verfügbarkeit von Rohstoffen sicherzustellen. Von der Forstwirtschaft ist der Begriff in andere Bereiche vorgedrungen. Auf internationalen Konferenzen wurde der Nachhaltigkeitsbegriff diskutiert und weiterentwickelt. In den meisten Diskussionen in der heutigen Debatte werden drei Dimensionen unterschieden: eine ökonomische, eine ökologische und eine soziale. Das Ziel ist eine Entwicklung, die es ermöglicht, die Bedürfnisse der heute Lebenden zu befriedigen ohne künftigen Generationen die Möglichkeit zu nehmen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Nicht mehr zu verbrauchen als nachwächst, ist also immer noch ein zentrales Thema einer nachhaltigen Entwicklung; auch wenn es nicht mehr (nur) ums Holz geht.

Produkte auf Nachhaltigkeit überprüfen und weiterentwickeln

Für Unternehmen ist die Verfügbarkeit von Rohstoffen wichtig, um langfristig erfolgreich zu sein. Eine nachhaltige Entwicklung betrifft das ganze Unternehmen. Die Frage nach dem Beitrag der Produkte wird von Kunden vermehrt gestellt – egal ob man es mit privaten Verbrauchern zu tun hat oder im Rahmen der Lieferkette an andere Unternehmen liefert. Eine ausführliche Analyse der Produkte hat BASF bereits vor einiger Zeit begonnen. In der von BASF als „Sustainable Solution Steering“ genannten Portfolio-Analyse hat das Unternehmen seine Produkte und Anwendungen auf ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung untersucht und in vier Kategorien eingeordnet:

  • Accelerator
  • Performer
  • Transitioner
  • Challenged

Der Beitrag der Produkte in der Kategorie „Accelerator“ für eine nachhaltige Entwicklung in der Wertschöpfungskette ist ein besonderer. Die nächstgeringere Stufe sind die „Performer“, die den Marktanforderungen in Sachen Nachhaltigkeit vollumpfänglich genügen.  Für die Gruppe der „Transitioner“ wurden durch die Analyse spezifische Herausforderungen für deren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung erkannt. Aufbauend auf der Analyse wurden Aktionspläne für die Beseitigung der Herausforderungen erstellt. Mit der Umsetzung der Handlungsempfehlungen wurde bereits begonnen. Ähnliches gilt für die Kategorie „Challenged“ für die entsprechende Aktionspläne entwickelt werden.

Mit einer solchen Analyse und Einordnung, lassen sich die Produkte systematisch auf Nachhaltigkeit hin untersuchen. Eine Entwicklung des Produktportfolios hin zu einem nachhaltigen Produktportfolio ist so möglich. Die Frage, warum BASF sich mit diesen Themen beschäftigt wird in einer Broschüre so beantwortet: „This ambition is directly linked to a number of business factors:

  • Growing customer needs to differentiate with sustainability
  • New laws and standards in all value chains related to sustainability
  • Changing societal and business environments prompting demand for sustainable products

We therefore cooperate with our customers in creating and driving more sustainable solutions, which makes good business sense for both“ (Sustainable Solution Steering – In a nutshell).