Chemielehrer und Unternehmer: Ausstellungsbesichtigung bietet Einblicke in Werk von Carl Remigius Fresenius

Von kriminaltechnischen Analysen über Materialforschung bei Schieferziegeln bis hin zu Analysen von Wasser- und Weinproben: Die Forschungsgebiete von Carl Remigius Fresenius waren vielseitig – und das bereits vor 200 Jahren. Bei der Besichtigung der Ausstellung „C.R. Fresenius und die chemische Analytik“ des Wiesbadener Landesmuseums am 6. November 2018 berichtete Kurator Prof. Dr. Leo Gros über die erstaunliche Bandbreite des bekannten Chemikers.

Carl Remigius Fresenius (1818 – 1897)

Die zweite Veranstaltung der Fresenius-Reihe im Programm von SCHULEWIRTSCHAFT ist ein Erfolg. Unterhaltsam führt Kurator Prof. Dr. Leo Gros die Teilnehmer der Ausstellungsbesichtigung in die Welt der Chemie ein und vermittelt nicht nur den Chemikern im Publikum einen bleibenden Eindruck von Fresenius‘ Analysen. In sieben Stationen fasst die Kabinettausstellung Fresenius‘ Leben zusammen und beleuchtet neben seinen unterschiedlichen Forschungsgebieten seine Bedeutung als Wiesbadener Unternehmer, die nicht zuletzt in der Gründung des Chemischen Laboratoriums, dem Mutterunternehmen der Europa Fachhochschule Fresenius und des heutigen INSTITUT FRESENIUS, im Jahr 1848 begründet liegt.

„Wenn es gelb ist, dann war es vielleicht Natrium“, beschreibt Gros Fresenius‘ Schlussfolgerungen bei den Analysen des Wiesbadener Heilwassers schmunzelnd und erklärt mit Hilfe des Bildes von Muttern und Schrauben, wie Moleküle bei der Zugabe von Hitze neue Verbindungen eingehen. Man merkt, er hat diese Vorgänge seinen Studenten schon oft erklärt. Begeistern kann er ebenfalls mit historischen Anekdoten aus Fresenius‘ Leben. So sei dieser keineswegs bestrebt gewesen, seine Analysen nur um ihrer selbst willen durchzuführen und einen „Wust an Messdaten“ zu produzieren. Vielmehr führte Fresenius seine Heilwasser-Analysen aus wirtschaftlichen und medizinischen Gründen durch. Ebenso faszinieren Fresenius‘ Erfolge im Bereich der kriminalistischen Analytik. So konnte dieser vor über 150 Jahren eine Arsenvergiftung bei einer exhumierten Leiche nachweisen und dadurch eine Frau des Mordes an ihrem Gatten überführen.

Fresenius‘ Analysen auch heute noch aktuell

Doch was ist bleibend an der Arbeit des „Vaters der Analytischen Chemie“, stellt die Ausstellung selbst die Frage nach der Aktualität von Fresenius‘ Analysen. Die Antwort: Einige können sich tatsächlich bis in die heutige Zeit halten. So wird Fresenius‘ Vorgehen bei der Materialanalytik in Grundzügen beispielsweise bei den Inhaltsstoffen von Handys und der Analyse von Mikroplastik angewendet und qualitative Analysen sowie Absolutmethoden zur Untersuchung von Materialproben durchgeführt.

Prof. Dr. Leo Gros berichtet über Fresenius‘ Verdienste.

Sein Erbe hinterließ er auch in Form seiner Lehre: Selbst Schüler von Liebig und solchermaßen vorgeprägt, widmete sich Fresenius seit 1845 der eigenen Lehre und unterrichtete während seines Lebens über 2000 Schüler. Darunter einige bekannte Persönlichkeiten wie Eugen Lucius und Adolf von Brüning. Die beiden Gründer & Teilhaber der späteren Höchst AG lernten von 1855 bis 1856 gemeinsam in Fresenius‘ Laboratorium und legten hier den Grundstein für ihre spätere Geschäftsbeziehung.

Nach diesem Einblick in das Wirken des bekannten Chemikers wird unsere Fresenius-Reihe am 21. November ab 16.00 Uhr mit einem Rundgang durch die naturwissenschaftlichen Labore der Hochschule Fresenius in Idstein fortgesetzt. Interessierte Lehrerinnen und Lehrer erhalten hier die Möglichkeit, selbst mit den vorhandenen Geräten zu arbeiten. Anmeldung und weitere Informationen hier.

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Arbeitskreis bringt Schulen und Wirtschaft zusammen

Chantal Kirschner ist seit Oktober 2018 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie studierte im Bachelor Publizistik und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und schloss dort mit dem Master Unternehmenskommunikation ab. Während ihres Studiums war sie als Werkstudentin bei der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain tätig.


Nachhaltigkeit als Markenkern: Gründer des Modelabels TRUEWOODS im Gespräch

„Das wollen alle immer als Erstes wissen“, schmunzelt Jan Borchert auf die Frage, wie man vom Förster eigentlich zum Inhaber eines Modelabels wird. Der Gründer des Labels TRUEWOODS stand am 05. November 2018 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Alexander Schneider auf der Auftaktveranstaltung der SCHULEWIRTSCHAFT-Reihe „Gespräche mit Unternehmern“ einer Gruppe von Lehrern und Wirtschaftsvertretern Rede und Antwort. Im angenehmen Ambiente der hippen Kaffeerösterei Maldaner Coffee Roasters in der Hellmundstraße ging es dabei um die Fragen, wie die Nachhaltigkeit in der Lieferkette dauerhaft überprüft werden kann, wie das Label seine Zielgruppen anspricht und welche Ziele sich die beiden Gründer für die Zukunft setzen.

Alexander Schneider und Jan Borchert (rechts) berichten über ihren Weg vom Forstwirt zum Modedesigner.

Im Juni 2016 fällt der Startschuss für das junge Unternehmen Awesome Outfitters OHG. Borchert und Schneider gründen in Wiesbaden das nachhaltige Modelabel TRUEWOODS und beginnen T-Shirts, Pullover, Westen und Sweatshirts mit aufwendigen Tierstickereien über ihren Onlineshop zu vertreiben. Das Besondere daran: Die Produkte sind komplett nachhaltig. Angefangen beim Rohstoff Baumwolle über die Fertigung der Kleidungsstücke bis hin zum Karton, mit welchem die Outfits ihre Kunden erreichen; alles wird nachhaltig produziert und ist biologisch abbaubar. Sogar die Plastiktüte, die Teil des Packaging ist, hinterlässt im Meer keine Rückstände und zersetzt sich vollständig.

Doch woher kommt bei den Gründern der Hang zur Nachhaltigkeit, der bisher bei bekannten Modemarken zwar im Gespräch, jedoch in der Umsetzung eine echte Seltenheit ist?
Natürlich aus dem forstwissenschaftlichen Studium, das die Beiden gemeinsam in Göttingen absolvierten. Die Nachhaltigkeit sei ein Grundkonzept der Fortwirtschaft, das bereits vor über 300 Jahren durch Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz eingeführt wurde, erläutert Borchert. Man müsse sich „den Wald nachhalten“ habe von Carlowitz damals gesagt, daher stamme der Ursprung des Begriffs Nachhaltigkeit.

Solchermaßen vom Studium geprägt, entstand bei den beiden Unternehmern der Gedanke ein nachhaltiges Modelabel zu gründen. Doch wie wird man nun vom Förster zum Modedesigner? Der Reihe nach:
Nach dem Abitur in Wiesbaden sei es den beiden Jungunternehmern wie vielen Schülern ergangen; man habe keinen rechten Plan, d.h. keine konkrete Berufsorientierung gehabt. Schneider absolviert nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Werbekaufmann, Borchert beginnt ein Wirtschaftsingenieursstudium in Darmstadt. Doch so recht passt es nicht; die gemeinsame Leidenschaft für die Natur bringt die beiden anschließend nach Göttingen zum forstwissenschaftlichen Studium.

Mehr als Kaffeeklatsch: TRUEWOODS-Gründer berichten Lehrern und Unternehmensvertretern von ihrem Werdegang.

Schnell stellen die beiden Jungunternehmer dort fest: „wir sahen einfach aus wie alle anderen“. Ihre Naturverbundenheit und die ihrer Kommilitonen drückte sich nicht in ihrem Kleidungsstil aus. Jeder habe getragen, was in der Stadt gerade „angesagt“ war.
Zunächst experimentieren Borchert und Schneider mit selbst bedruckten T-Shirts mit Tiermotiven, die sie für sich selbst online bestellen. Als diese bei den Kommilitonen gut ankommen, war die Idee für TRUEWOODS geboren.

Das Alleinstellungsmerkmal „nachhaltig“ liegt den beiden Gründern dabei besonders am Herzen. Neben der Nachhaltigkeit in der Produktionskette zeigt das auch ihr Aufforstungsprojekt „Support Your Local Woods“. Für jedes verkaufte Kleidungsstück pflanzen die beiden Gründer einen Baum, der aus dem eigenen Umsatz finanziert wird. Dabei legen sie den Fokus auch auf bedrohte Arten, wie beispielsweise den Speyerling, weil ihnen die Aufforstung „ja auch Spaß machen soll“. „Das Anpflanzen von verschiedenen Bäumen und bedrohten Arten war im Studium meist nicht möglich“, erklärt Schneider. Ziel der Aufforstung sind bisher unbewaldete Flächen, wie beispielsweise ein ehemaliger Acker in Kelsterbach.

Jan Borchert (links) und Alexander Schneider bei der Reihe „Gespräche mit Unternehmern“.

Was sie Schülern, die vor der Berufsentscheidung stehen, empfehlen würden? „Wenn ich ein Kind in dem Alter hätte, würde ich sagen, der Beruf muss Spaß machen“ betont Borchert. Schneider ergänzt, dass man den Dialog mit den eigenen Eltern suchen sollte, um verschiedene Berufswege zu besprechen, aber auch um klar zu machen, was man als junger Mensch nicht möchte. Für eine Gründung sei insbesondere ein gutes Netzwerk wichtig, „Networking ist alles, ohne geht es nicht“ betont Borchert.

In den nächsten Jahren wollen die beiden Unternehmer ihre Kleidung in mehreren Geschäften in Deutschlands größten Städten anbieten, „am liebsten mit einer Produktion direkt im Laden“, betont Schneider. Der Wunsch sei es, hinter einer Glasscheibe zu sehen, wie das eigene Kleidungsstück gerade mit dem passenden Tiermuster bestickt werde. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben die beiden Gründer bereits getan: Seit Juni 2018 kann ihre Kleidung auch in dem Laden in der Kleinen Schwalbacher Straße in Wiesbaden erworben werden. Es sei wichtig, dass die Kunden die Produkte auch anfassen können, hin und wieder ergebe sich auch ein kritischer Austausch zum Thema Nachhaltigkeit, schmunzelt Schneider. Dann erklären die beiden Gründer geduldig ihre Philosophie.

Nach dem spannenden Austausch beim ersten Gespräch mit Unternehmern können sich Interessierte auf den Folgetermin am 8. Januar 2019 freuen. Ab 16.00 Uhr berichtet Sebastian Schulz, Inhaber des Maldaner Coffee Roasters, wie er den modernen, nachhaltigen Kaffeegenuss in seiner Kaffeebar mit dem Wiesbadener Traditionsbetrieb Maldaner verbindet.

Anmeldungen und weitere Informationen hier.

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Chantal Kirschner ist seit Oktober 2018 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie studierte im Bachelor Publizistik und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und schloss dort mit dem Master Unternehmenskommunikation ab. Während ihres Studiums war sie als Werkstudentin bei der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain tätig.

 


Das neue Programm von Schulewirtschaft: Betriebsbesichtigungen, neue Gesprächsreihe und mehr

Kochbrunnen und Schützenhofquelle sind nicht nur Wiesbadenern ein Begriff, auch über die Stadtgrenzen hinaus ist die Landeshauptstadt Hessens für ihre heißen Quellen bekannt. Auf der Auftaktveranstaltung des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus am 9. Oktober stellte Prof. Dr. Schwedt in seinem Vortrag „Heil- und Mineralquellen von Taunus und Eifel“ den Begründer der Wasseranalytik Carl Remigius Fresenius vor und ging dabei experimentierend auf die Historie und chemische Zusammensetzung des Heilwassers der beiden Quellen ein.

Univ.-Prof. a.D. Dr. Georg Schwedt demonstriert im Wiesbadener Landesmuseum Fresenius‘ Analysen des Kochbrunnenwassers

Univ.-Prof. a.D. Dr. Georg Schwedt demonstriert im Wiesbadener
Landesmuseum Fresenius‘ Analysen des Kochbrunnenwassers

Prof. Dr. Schwedt ist emeritierter Professor der TU Clausthal, an der er bis 2006 anorganische und analytische Chemie lehrte. Er entwickelte das Mitmachlabor SuperLab und war maßgeblich an der Entstehung des ScoLab Schülerlabors in Hamburg beteiligt. Nach seiner Emeritierung untersuchte er Fresenius‘ Vorgehen bei der Analyse diverser Mineralwasser- und Heilquellen. Dabei hatte sich Fresenius im Jahr 1848 durch die Gründung seines chemischen Laboratoriums, dem Mutterunternehmen der Fachhochschule Fresenius und des heutigen Institut Fresenius, in der hessischen Landeshauptstadt verdient gemacht. Als erster Chemiker untersuchte er hier die Wiesbadener Heilquellen auf ihren Eisen-, Magnesium-, Calcium- und Natriumgehalt.

Und das „ganz ohne Kittel und Schutzbrille“ so Prof. Dr. Schwedt schmunzelnd als er selbst seinen Laborkittel anlegt, um Fresenius‘ Vorgehensweise bei seinen Wasseranalysen zu demonstrieren. Die Genauigkeit der durch Fresenius im 19. Jahrhundert angewandten Analysen sei erstaunlich exakt gewesen, war doch das heute verwendete Elektronenmodell damals noch nicht bekannt. Mit Blick auf die teilnehmenden Lehrer aus dem Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT erklärte Schwedt, es sei wichtig die Schüler zum genauen Beobachten anzuleiten, um den Spaß am Experimentieren vermitteln zu können. Die Betrachtung chemischer Vorgänge im Alltag sei eine gute Möglichkeit, Schüler für die Chemie zu interessieren und gehöre darüber hinaus zum Allgemeinwissen.

Kommende Veranstaltungen

Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus bietet auch für das Schuljahr 2018/19 wieder interessante (kostenfreie) Veranstaltungen für interessierte Lehrkräfte.

Anlässlich des 200. Geburtstags von Carl Remigius Fresenius spielt der bekannte Chemiker bei einer Reihe von weiteren SCHULEWIRTSCHAFT-Veranstaltungen eine Rolle: So lädt Kurator Prof. Dr. Leo Gros am 6. November 2018 zu einer Führung durch die Ausstellung „Carl Remigius Fresenius und die chemische Analytik“ ins Wiesbadener Landesmuseum ein. Die Teilnehmer erhalten dort einem Einblick in Leben und Werk des Chemikers sowie interessante Beispiele zur modernen Analytik in der Kriminaltechnik, Materialforschung und klinischen Analytik. Ein Rundgang durch die Labore der Hochschule Fresenius in Idstein am 21. November 2018 sowie eine Führung durch den neuen Wiesbadener Campus in der Moritzstraße am 28. Mai 2019 runden die Fresenius-Reihe ab.

Neu im Programm ist das Format „Gespräche mit Unternehmern“. Es bietet Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, mit Unternehmensgründern aus der Region in einen lockeren Austausch zu kommen. Den Auftakt bildet eine Gesprächsrunde mit den Inhabern von TruewoodsAwsome Outfitters am 5. November 2018. Die Teilnehmer erfahren, wie Nachhaltigkeit, Wildlife und Mode zusammenhängen und wie die Forstwirte Jan Borchert und Alexander Schneider zu Gründern eines nachhaltigen Modelabels mit internationaler Ausrichtung wurden. Am 08. Januar 2018 folgt eine Gesprächsrunde mit Sebastian Schulz von Maldaner Coffee Roasters. Für das Familienunternehmen bewahrt der Jungunternehmer die traditionelle Kaffeekultur und verbindet diese mit höchster Qualität, Nachhaltigkeit und der modernen Art des Kaffeegenusses.

Neben diesen Terminen stehen wieder einige Betriebserkundungen auf dem Programm. So können interessierte Lehrkräfte bei einem Besuch bei Oschatz Visuelle Medien am 24. Januar 2019 einen Blick hinter die Kulissen eines Medienunternehmens werfen und erhalten einen Einblick in digitale und analoge Drucktechniken. Zusätzlich wird der neue Ausbildungsberuf Kauffrau/-mann im E-Commerce vorgestellt.

In Rüdesheim öffnet das Backhaus Dries am 20. Februar 2019 für den Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT seine Türen und ermöglicht neben praktischen Übungen in der Backstube einen Einblick in das traditionsreiche Familienunternehmen, das mittlerweile mit 23 Filialen in der Region vertreten ist.

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten bei ALDI Süd werden bei einer Betriebserkundung am 29. März 2019 vorgestellt. Mit rund 1.890 Filialen beschäftigt der Discounter derzeit mehr als 43.000 Mitarbeiter.

Und im Wein- und Sektgut Barth können Interessierte am 22. Mai 2019 den Weg von der Beere bis zur fertigen Flasche verfolgen. Die Produktion im Rheingauer Prädikatsweingut ist durch Handarbeit und ökologische Bewirtschaftung gekennzeichnet und kann bei praktischen Weinpflegearbeiten nachempfunden werden.

Weitere Veranstaltungen sowie die Möglichkeit sich anzumelden, finden Sie in unserem Programm.

 

Chantal Kirschner ist seit Oktober 2018 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie studierte im Bachelor Publizistik und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und schloss dort mit dem Master Unternehmenskommunikation ab. Während ihres Studiums war sie als Werkstudentin bei der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain tätig.

 


Arbeitskreis bringt Schulen und Wirtschaft zusammen

„Alle elf Minuten…“: Wer kennt sie nicht, die Werbesprüche für Partnerbörsen im Internet. Dabei verfolgen die Internetplattformen ein einfaches Prinzip: Sie bringen diejenigen zusammen, die sich suchen. Diesen Ansatz verfolgt auch das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT: In regionalen Arbeitskreisen bringen Mitwirkende ebenfalls die zusammen, die sich suchen und oftmals nicht wissen, wie sie zusammenkommen – nämlich Schulen und Wirtschaft. Und das auch in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Ziel der Arbeit ist, Lehrern wirtschaftliche Zusammenhänge näher zu bringen und Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen aufzubauen. Die Akteure handeln dabei ehrenamtlich.

Volles Haus: Zum Kick-Off von SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus kamen viele Gäste zum HessenChemie Campus. Foto: Frauke Blech

SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist der regionale Teil eines Netzwerkes, das auf Bundes- und Landesebene eine Schnittstelle zwischen Schulen und den Betrieben bildet. Auf Bundesebene leitet die Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT die Geschicke, die wiederum an der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände und dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln angesiedelt ist. Bundesweit gibt es über 400 Arbeitskreise. In Hessen ist auf Landesebene SCHULEWIRTSCHAFT ansässig in Frankfurt und mit sechs regionalen Geschäftsführungen in 28 Arbeitskreisen untergliedert. Die regionale Geschäftsstelle Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist eine davon und ist beim Arbeitgeberverband HessenChemie angesiedelt, der diese Aufgabe für die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wahrnimmt.

Und was macht der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT nun in Wiesbaden? Geschäftsführer Jürgen Funk und Projektleiterin Frauke Blech bilden das Team vor Ort. Bei ihnen laufen die regionalen Fäden zusammen. Ansässig beim Arbeitgeberverband HessenChemie koordinieren sie die Vernetzung zwischen den Unternehmen und den Schulen in der Landeshauptstadt sowie dem angrenzenden Landkreis Rheingau-Taunus. Zudem wirken sie in den relevanten Gremien mit, die sich mit den Themen Berufsorientierung, Übergang von Schule und Beruf sowie Ausbildung befassen. Parteipolitisch ist das Netzwerk neutral.

Aktuell steht der Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ an. Während von den Schulen die ersten Anmeldungen eingehen, stellt der Arbeitskreis eine Jury zusammen. Diese beurteilen schließlich bei einer Sitzung die eingegangenen Berichte nach feststehenden Kriterien. Neben der formalen Struktur nehmen die Juroren auch Inhalt und Gestaltung unter die Lupe. Wenn die Gewinner dann feststehen, wird es nach den Sommerferien am 20. Juni 2018 eine Siegerehrung im Kinopolis (Main-Taunus-Zentrum) geben, bei der über 200 Gäste erwartet werden. An dieser Stelle sei gesagt, dass noch Jury-Mitglieder gesucht werden. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei Frauke Blech per E-Mail an blech@hessenchemie.de melden.

Das Herzstück der Arbeitskreise und auch in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis ist allerdings das breite ehrenamtliche Engagement der Mitwirkenden auf regionaler Ebene. Hier bringen sich Lehrerinnen und Lehrer freiwillig und vor allem aus eigener Überzeugung dafür ein, dass Schulen und Wirtschaft zusammenfinden, aber auch wirksam zusammenarbeiten. Bei SCHULEWIRTSCHAFT stellen sie in ihrer Funktion als Arbeitskreisleiter Kontakte zwischen Schulen und Wirtschaft her. Darüber hinaus wirken sie als Juroren beim Wettbewerb „Bester Praktikumsbericht“ mit oder engagieren sich als Auditoren beim Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung Hessen.

Das Gütesiegel für die Berufs-und Studienorientierung stellt eine besondere Aufgabe für SCHULEWIRTSCHAFT dar. Hier greifen die Zahnräder des Netzwerkes Olov ineinander. OloV steht für „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf“ und wurde 2005 als ein Projekt des Hessischen Paktes für Ausbildung ins Leben gerufen. Partner von Olov sind unter anderem das Land Hessen und die Kammern und eben auch SCHULEWIRTSCHAFT. Das Gütesiegel wird an Schulen vergeben, die eine vorbildliche Berufs- und Studienorientierung im Rahmen der Qualitätsstandards der hessenweiten Strategie OloV gestalten. Nach einem umfangreichen Prüfungsverfahren werden die Schulen, die zugelassen werden, bei einer großen Feier ausgezeichnet und können mit dem Siegel ihre ausgezeichnete Berufs- und Studienorientierung sichtbar machen.

Bei der Suche nach Auditoren für die bevorstehenden Audits kommt der Arbeitskreis ins Spiel. Er kümmert sich darum, Freiwillige aus der Wirtschaft, dem Schulwesen und dem Bereich Beratung anzuwerben. Vor Ort, heißt am HessenChemie Campus, werden sie dann auf das Prüfungsverfahren an der Schule vorbereitet. An entsprechenden Terminen werden die Audits dann ganztägig durchgeführt. In diesem Jahr durchlaufen in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus vier Schulen das Zertifizierungsverfahren.

Zusammenfassend ist zu sehen, dass SCHULEWIRTSCHAFT ein aktiver Arbeitskreis ist, für den Partnerschaften zwischen Schulen und Wirtschaft wichtig sind. Aber ohne engagierte Partner geht es nicht! Also, wer etwas nachhaltig für den Übergang zwischen Schule und Beruf tun will, engagiert sich bei SCHULEWIRTSCHAFT.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Berufsausbildung bei Metallbauer Huhle: Interesse wichtiger als gute Noten

Junge Menschen für die duale Ausbildung begeistern und diese beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen ist eines der Schwerpunkte des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT. Hierzu dienen Einblicke in Ausbildungsunternehmen, betriebliche Prozesse wie auch die Vermittlung notwendiger Kompetenzen für das Arbeitsleben. SCHULEWIRTSCHAFT spricht dabei in erster Linie Lehrkräfte in ihrer Rolle als Multiplikatoren an.

Betriebserkundungen sind ein wesentlicher Programmpunkt der SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit. Lehrerinnen und Lehrer erhalten so einen Einblick in Unternehmen vor Ort und können so den Schülerinnen und Schülern bei der Suche nach Ausbildungs- und Praktikumsstellen besser zur Seite stehen.

Auf Einladung des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus erhielten Lehrkräfte aus der Region am vergangenen Mittwoch die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Wiesbadener Stahl- und Metallbauers Huhle zu blicken. Seniorchef Siegfried Huhle führte die Teilnehmer persönlich durch den Betrieb und lud sie anschließend auf einen Kaffee zu einem gemeinsamen Austausch ein.

Familienunternehmen mit Herz und Verantwortung seit über 100 Jahren

Betriebserkundung bei Metallbauer Huhle in Wiesbaden

Betriebserkundung bei Metallbauer Huhle in Wiesbaden

Ob Brücken, Fassaden aus Stahl und Glas, Treppengeländer, Glasdachkonstruktionen, Radartürme, Toranlagen oder schlichte Hochbeete, die Produkte und Leistungen von Huhle finden sich nicht nur in Wiesbaden und Umgebung, sondern weit über die Region hinaus.

Dabei kann das Familienunternehmen auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Geleitet wird es von Seniorchef Siegfried Huhle, seiner Ehefrau Ursula, Bruder Günter und Sohn Oliver mit Ehefrau. Als Siegfried Huhle den Metallbaubetrieb von seinem Vater 1984 übernahm, zählte er zwanzig Beschäftigte. Heute sind es fast hundert. Das Betriebsgelände ist in der Zeit von 2.000 Quadratmeter auf 8.000 Quadratmeter gewachsen.

Fachkräftesicherung durch Ausbildung

Über den Fachkräftemangel kann Huhle nur milde lächeln – das Problem kennt und hat er nicht. Jedes Jahr werden drei Auszubildende eingestellt. Mindestens. Wenn Huhles großes Herz nicht Nein sagen kann, können es auch mal sieben werden. So sind im vergangenen Jahr zwei Flüchtlinge aus Eritrea und ein junges Mädchen, das sich eigentlich zu spät für das Ausbildungsjahr beworben hatte, noch dazu gekommen. Das wollte er nicht ein Jahr ohne Perspektive zurücklassen. Mit allen drei ist der Seniorchef mehr als zufrieden. Fragt man Huhle nach den Anforderungen, die ein Bewerber mitbringe sollte, so sei das Wichtigste Interesse. Am liebsten stelle er je einen Haupt-, Realschüler und Gymnasiast ein. Alle drei würden unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen und sich bestens ergänzen.

Auch Menschen mit Behinderung beschäftigt das Unternehmen. 60 Prozent der Mitarbeiter sind im Unternehmen ausgebildet worden. Alle werden nach der Ausbildung für ein Jahr befristet übernommen. In der Zeit haben sie die Chance, sich zu bewähren. Was die meisten auch tun und dann unbefristet übernommen werden. Viele bilden sich später weiter, zum Meister, Techniker oder Ingenieur. Oft arbeiten sie während des Studiums im Betrieb weiter, um sich ein paar Euro dazu zu verdienen. Wenn Huhle Bedarf hat, übernimmt er die einstigen Schützlinge nach dem Studium wieder.

 

Für das große soziale Engagement wurde Huhle bereits mehrfach ausgezeichnet

Für das große soziale Engagement wurde Huhle bereits mehrfach ausgezeichnet

Zu Recht ist der Familienbetrieb auf seine vielen Auszeichnungen stolz, die es für sein soziales, aber auch ökologisches Engagement erhalten hat. Denn auch Umweltbewusstsein und eine möglichst ressourcenschonende Produktion werden hier groß geschrieben. So erzeugen beispielsweise die Solarzellen auf den Dächern 70 Prozent des eigenen Strombedarfs, aber auch in Filter- sowie Energie- und Wassereinsparungstechnologien wird kontinuierlich investiert.

Fragt man Siegfried Huhle, warum er keine Sorgen habe, Auszubildende zu finden, so nennt er als einen der Hauptgründe das Angebot an Praktikumsplätzen, die ein erstes Hineinschnuppern in die verschiedenen Berufe ermögliche. Darüber hinaus arbeite er mit Schulen zusammen, die jedes Jahr mit ihren 7. Klassen – Jungs und Mädels – zu einer zweistündigen Betriebserkundung kämen.

Der Nachmittag bei Huhle Stahl- und Metallbau hat sich für alle Beteiligten gelohnt. Er bot nicht nur einen Einblick in die vielfältige Ausbildung eines Handwerksbetriebes, sondern auch in die vielen Möglichkeiten, die sich nach einer Ausbildung für die jungen Menschen ergeben. Wer Interesse hat und sich weiterbilden möchte, für den ist nach der Ausbildung noch lange nicht Schluss. Weder auf der Karriereleiter noch beim Familienunternehmen Huhle.

Ein großes Dankeschön an Siegfried Huhle für die Zeit, die er sich für uns genommen hat. Es waren interessante und erkenntnisreiche zwei Stunden.

SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit

Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT ist eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft von Lehrerinnen und Lehrern. Er steht allen interessierten Pädagoginnen und Pädagogen zur Mitarbeit offen. Der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Wiesbaden-Rheingau-Taunus ist Teil eines Netzwerkes, das auf Bundes- und Landesebene eine Schnittstelle zwischen Schulen und den Betrieben bildet. Die Geschäftsstelle ist beim Arbeitgeberverband HessenChemie angesiedelt, der diese Aufgabe für die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wahrnimmt.