20 Jahre Vereinbarkeit und es geht immer weiter

Nora Hummel-Lindner

Wenn ich heute auf 20 Jahre audit berufundfamilie bei HessenChemie zurückblicke, dann denke ich nicht zuerst an Zertifikate oder Maßnahmenkataloge. Ich denke an Entwicklung. An viele kleine Schritte, an Diskussionen, an Entscheidungen und daran, wie sich unser Verständnis von Vereinbarkeit über die Jahre verändert hat.

2006 haben wir uns erstmals auditieren lassen. Damals ging es vor allem darum, Angebote zu schaffen: flexible Arbeitszeiten, Unterstützung bei der Kinderbetreuung, erste Modelle für mobiles Arbeiten. Vieles, was heute selbstverständlich ist, war damals noch neu und manchmal auch erklärungsbedürftig. Vereinbarkeit bedeutete in dieser Zeit vor allem: Wie lassen sich Beruf und Familie besser miteinander verbinden?

Heute würde ich sagen, das war nur der Anfang

Unser erstes Eltern-Kind-Zimmer

Denn mit den Jahren hat sich unser Blick geweitet. Wir haben gelernt, dass Vereinbarkeit mehr ist als ein Set von Maßnahmen. Es geht nicht nur um Eltern mit kleinen Kindern. Es geht um unterschiedliche Lebensphasen, um individuelle Bedürfnisse, um Situationen, die sich nicht planen lassen: Pflege von Angehörigen, gesundheitliche Herausforderungen oder einfach der Wunsch, Arbeit und Leben anders auszubalancieren.

Ich erinnere mich gut daran, wie wir begonnen haben, unsere bestehenden Angebote zu hinterfragen. Nicht im Sinne von „Was fehlt noch?“, sondern vielmehr „Wer braucht was, um gute Arbeit leisten zu können?“ Wir haben gemerkt, dass gute Lösungen nicht einfach verordnet werden können. Sie entstehen im Gespräch, im Team, im Alltag. Wichtig für uns ist hier der Trialog-Gedanke, weil jede Vereinbarkeit auch immer ein Ausbalancieren ist. Denn die Bedürfnisse der Organisation, des Teams und des Individuums stehen nebeneinander.

Das war ein wichtiger Wendepunkt

Vereinbarkeit wurde Schritt für Schritt zu einem Thema, das wir gemeinsam gestalten. Führungskräfte, Mitarbeitende, Teams – alle sind beteiligt. Und manchmal bedeutet das auch, Spannungen auszuhalten: zwischen individuellen Bedürfnissen und betrieblichen Anforderungen, zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Es gibt nicht die eine perfekte Lösung. Aber es gibt den Anspruch, miteinander in den Dialog zu treten und Lösungen zu finden, die für alle tragfähig sind und zudem unsere Mitgliedsfirmen zufrieden stellen.

Heute sprechen wir oft von einem „Aushandlungsprozess“. Das klingt vielleicht sperrig, trifft es aber ziemlich gut. Vereinbarkeit entsteht nicht auf dem Papier, sondern im Dialog mit dem Team. Denn im Endeffekt sind immer es andere Mitarbeiter, die die Vereinbarkeit des Einzelnen ermöglichen. D.h. es ist immer ein Geben und ein Nehmen. Und genau darin liegt aus meiner Sicht unsere größte Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren.

Natürlich haben wir auf diesem Weg auch Strukturen geschaffen: Mitarbeitergespräche, flexible Arbeitszeitmodelle, mobiles Arbeiten. All das ist wichtig und bleibt es auch. Aber entscheidend ist, wie wir diese Instrumente nutzen. Wie sie gelebt werden und ob sie den Mitarbeitern wirklich helfen.

Ich glaube, wir haben in den letzten zwei Jahrzehnten viel erreicht. Und gleichzeitig habe ich nicht das Gefühl, „fertig“ zu sein. Im Gegenteil: Die Anforderungen verändern sich ständig. Arbeitswelten werden komplexer, Lebensentwürfe vielfältiger, die Leistungsanforderungen immer höher. Vereinbarkeit bleibt ein Thema, das uns fordert und weiterentwickelt.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus 20 Jahren audit berufundfamilie: Es gibt keinen Endpunkt, es gibt einen Weg.

In den kommenden Monaten berichten wir über diesen Weg gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen. Mitarbeiter, die den Prozess von Anfang an begleitet haben. Und solche, die ganz konkret von den Möglichkeiten profitieren, die wir heute bei HessenChemie haben. Ihre Perspektiven sind es, die Vereinbarkeit greifbar machen.

Ich freue mich darauf!


Die Autorin


Nora Hummel

Rechtsanwältin (Syndikusrechtsanwältin)
und Geschäftsführerin Recht und Personalpolitik
bei HessenChemie

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