Das politische Brüssel erlebbar machen

Vom 15. bis 16. Oktober 2018 fand zum ersten Mal eine zweitägige Konferenz der „Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit“ (So.WIN) in der Vertretung des Landes Hessen bei der Europäischen Union in Brüssel statt. Neben der IG BCE Hessen-Thüringen und HessenChemie nahmen mehrere Betriebsräte hessischer Chemieunternehmen teil. Die Wahlen zum Europäischen Parlament am 26. Mai 2019 waren ein wichtiger Anlass, die Sozialpartner-Werkstatt diesmal in Brüssel stattfinden zu lassen.

Das Programm bot den Teilnehmern eine Fülle spannender Vorträge zu sozial, umwelt- und industriepolitischen Themen. Immerhin werden bis zu 80 Prozent der Gesetze von der EU vorgegeben. Den Auftakt zur Tagung machte Dr. Kurt Gaissert, der vor knapp 30 Jahren seine Karriere in Brüssel begann und heute als Mitglied im Team der externen Sprecher der Europäischen Kommission arbeitet. Gaissert vermittelte den Teilnehmern einen wichtigen Einblick in das komplexe Zusammenspiel zwischen den drei europäischen Institutionen – Europäische Kommission, Ministerrat und Europäisches Parlament.

Für den Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) stellte Katharina Göbel die Arbeit des Europabüros in Brüssel vor und ging auf aktuelle sozialpolitische Initiativen ein. Für den Verband der Chemischen Industrie (VCI) war Tobias Schäfer als Experte für die europäische Industrie- und Umweltpolitik eingeladen. Katharina Göbel erläuterte an den Beispielen Entsenderichtlinie, Work-Life-Balance und nichtfinanzieller Berichterstattung das vielschichtige Zusammenwirken zwischen den europäischen Institutionen, dem Europäischen Arbeitgeberverband Chemie (ECEG), der Bundesregierung und den BAVC-Mitgliedsverbänden. Bei beiden Referenten wurde die hohe Komplexität der Interessenvertretung auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene deutlich. Zugleich herrsche auf Seiten der europäischen Institutionen, insbesondere bei der Kommission, eine starke Transparenz hinsichtlich geplanter Gesetzesinitiativen, wodurch sich alle unterschiedlichen Stakeholder bereits im Vorfeld einbringen können.

Gemeinsames Bild der So.WIN-Tagungsteilnehmer mit der Europaabgeordneten Martina Werner im Europäischen Parlament

Gemeinsames Bild der So.WIN-Tagungsteilnehmer mit der Europaabgeordneten Martina Werner im Europäischen Parlament

Gemeinsames Bild der So.WIN-Tagungsteilnehmer mit der Europaabgeordneten Martina Werner im Europäischen Parlament

Für die Kommission sprach Kristin Schreiber, Direktorin in der Generaldirektion für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU. Kristin Schreiber berichtete als Expertin für europäische Nachhaltigkeits- und CSR-Politik und zeigte sich sehr offen für Best-Practice-Beispiele aus dem EU-Mitgliedsstaaten. Sie begrüßte dabei sehr die gemeinsame Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ von IG BCE, BAVC und VCI und stellte den drei Verbänden die Möglichkeit in Aussicht, die Initiative gegenüber der Europäischen Kommission vorzustellen.

Gemeinsames Bild der So.WIN-Tagungsteilnehmer mit der Europaabgeordneten Martina Werner im Europäischen Parlament

Im Rahmen eines Kamingesprächs bekamen die Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit dem Europaabgeordneten Dennis Radtke (CDU) und weiteren Vertretern des Europäischen Parlaments über aktuelle sozialpolitische Fragen auszutauschen. Darüber hinaus wurde über die bevorstehende Europawahl gesprochen.

Ein Highlight war der Besuch des Europäischen Parlaments. Hierzu hatte die Europaabgeordnete Martina Werner (SPD) eingeladen. Sie erklärte ihre Tätigkeit als „Schattenberichterstatterin“ zum Strommarktdesign im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) und diskutierte mit den Teilnehmern über die zukünftige Ausrichtung Europas. Abschließend führte die Abgeordnete noch durch das Parlamentsgebäude und in den Plenarsaal.

Sozialpartner-Abend zu „Deutsche Sozialpartnerschaft – Vorbild für Europa?“

Zum Abschluss der So.WIN-Tagung lud die hessische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Lucia Puttrich zusammen mit HessenChemie und der IG BCE zum Sozialpartner-Abend in die Landesvertretung Hessen ein. Zu der öffentlichen Veranstaltung erschienen rund 70 Gäste.

v.l.n.r.: Osman Ulusoy (IG BCE), Sigrid Caspar (EU-Kommission), Andreas Meyer-Feist (hr-Moderation), Thomas Mann (Europäisches Parlament), Dirk Meyer (HessenChemie)

Auf dem Podium diskutierten Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie, Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, MdEP Thomas Mann (CDU) und Sigrid Caspar von der Europäischen Kommission zum Thema „Deutsche Sozialpartnerschaft – Vorbild für Europa?“. Die Moderation übernahm hr-Korrespondent Andreas Meyer-Feist. Bei der Diskussion betonten Meyer und Ulusoy die funktionierende Sozialpartnerschaft in Deutschland, die mit dem „Stinnes-Legien-Abkommen“ von 1918 aktuell ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Insbesondere in der Chemiebranche bestehe diese konstruktive Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaft, was sich im Ergebnis in modernen und zukunftsfähigen Tarifvereinbarungen und einer Vielzahl gemeinsamer Initiativen widerspiegelt. Sigrid Caspar begrüßte die gelebte Sozialpartnerschaft in der Chemieindustrie, wies aber auf Unterschiedlichkeiten in den verschiedenen Mitgliedsstaaten und Branchen hin.

Der Europaabgeordnete Thomas Mann sprach sich für notwendige Standards in der Europäischen Sozialpolitik aus, warnte aber gleichzeitig vor einer Überregulierung. Als Quintessenz bekräftigten die beiden Sozialpartner die hohe Bedeutung der Europäischen Union für wirtschaftliches Wachstum, sozialen Ausgleich sowie sichere und gute Arbeitsplätze. Zugleich dürfe die erfolgreiche Tarifautonomie nicht durch die Gesetzgeber in Berlin und Brüssel beeinträchtigt werden.


Betriebliche Gesundheitsförderung: Kooperationspartner finden und richtig einsetzen

Dass die chemisch-pharmazeutische und Kunststoffverarbeitende Industrie in Hessen die Vorteile von Nachhaltigkeit erkannt hat, schrieb die FAZ Rhein-Main-Zeitung im September (FAZ Rhein-Main-Zeitung vom 22.02.2016). In einem gemeinsamen Gespräch hatten Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie, und Volker Weber, Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hessen-Thüringen auf die Bedeutung der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit hingewiesen. Dass Arbeitgeber und Gewerkschaft hieran gemeinsam arbeiten, stellten die hessischen Chemie-Sozialpartner am 12. Oktober in Wiesbaden unter Beweis. In den Mittelpunkt der bundesweit ersten Veranstaltung der Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) stellen sie die betriebliche Gesundheitsförderung, also ein Thema der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit.

Bundesweit erste So.WIN-Veranstaltung bis auf den letzten Platz ausgebucht

(v.l.n.r.) Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie

(v.l.n.r.) Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Zur bundesweit ersten Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) hatten der Arbeitgeberverband HessenChemie gemeinsam mit der IG BCE Hessen-Thüringen zu einem hochaktuellen Thema eingeladen: „Betriebliche Gesundheitsförderung: Kooperationspartner finden und richtig einsetzen – für den Betrieb und für die Mitarbeiter“. „Heute ist ein historischer Tag, So.WIN tritt die Nachfolge von GIBUCI an und das mit einer vollen Veranstaltung mit 60 Teilnehmern“, so begrüßte Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, die Teilnehmer der Veranstaltung. Für HessenChemie hob Dirk Meyer die besondere Form der Zusammenarbeit der Chemie-Sozialpartner hervor. Dabei verwies er auch auf das gemeinsam zwischen Chemie-Gewerkschaft und –Arbeitgebern entwickelte Leitbild zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und den Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit.

Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation und Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie

Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation und Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie / Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

In seinem Impuls zur gemeinsam vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und der IG BCE getragenen Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) hob Dr. Andreas Ogrinz die Bedeutung der Einrichtung hervor. So.WIN ist die Bildungseinrichtung der Chemie-Sozialpartner auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Die Einrichtung leistet als Bildungsträger einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³, mit der sich der BAVC, die IG BCE und der Verband der chemischen Industrie (VCI) zum Ziel gesetzt haben, Nachhaltigkeit als Leitbild in der Branche zu verankern. So.WIN bezieht sowohl die Fach- und Führungskräfte als auch Betriebsräte in diesen Prozess ein.

Wirksamkeit und Nutzen von Gesundheitsmaßnahmen und das Präventionsprogramm „Betsi“

Das Thema Gesundheit geht beide an: Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Frage, welches die richtigen Maßnahmen für die betriebliche Gesundheitsförderung sind, wird immer wieder gestellt. Sarah Schröer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Universitätsklinikums Essen und Mit-Autorin des iga.Reports 28, stellte genau dies in den Mittelpunkt ihres Vortrags.  Anhand wissenschaftlicher Evidenz und Meta-Studien zeigte sie auf, welche Maßnahmen bei allgemeinen Gesundheitsfragen, psychischen Erkrankungen und Stress oder Muskel-Skeletterkrankungen wirken können. Darüber hinaus gab sie eine Einschätzung zum wirtschaftlichen Nutzen und den Kosten von Gesundheitsmaßnamen ab.

Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Praktisch wurde es dann mit dem Vortrag von Dr. Harald Knyrim, Gesundheitszentrum Federsee, der das Präventionsprogramm „Betsi – Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern“ und die damit bislang gemachten Erfahrungen vorstellte. Nach festgelegten Kriterien werden die Teilnehmer für dieses von der Deutschen Rentenversicherung angebotene Programm ausgewählt. Die Teilnehmer nehmen in verschiedenen Phasen, d.h. stationären Aufenthalten in einer Einrichtung wie dem Gesundheitszentrum Federsee, aber auch im Alltag und im Betrieb, an dem Programm teil. Hierbei werden Themen wie Bewegung und Ernährung sowie weitere Belange der Teilnehmer, abhängig von der individuellen Situation, aufgenommen und verstetigt.

Gesundheit und Bewegung nicht nur in der Mittagspause

Nach einer ausgiebigen Mittagspause, in der die Teilnehmer die Gelegenheit nutzten, sich mit Smoothies zu versorgen sowie an Bewegungsübungen teilzunehmen, die die BARMER GEK zur Verfügung gestellt hatte, stellte  Beatrice Lünzer die Angebot einer gesetzlichen Krankenkasse für die betriebliche Gesundheitsförderung vor. Neben der Möglichkeit einer Kooperation mit Einrichtungen, die direkt Präventionsprogramme anbieten, sind auch die gesetzlichen Krankenkassen mögliche Anlaufstellen für Unternehmen. Diese Angebote können insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen interessant sein und das betriebliche Gesundheitsmanagement unterstützen.

Aktive Pausen Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Aktive Pausen
Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Weil auch langes Sitzen ungesund ist, wurden die Vorträge von Herrn Dr. Knyrim und Frau Lünzer durch aktive Phasen ergänzt. So übten sich die Teilnehmer darin, mit zwei Taschentuch-Packungen verschiedene Übungen zu machen, um beide Gehirnhälften zu trainieren. Hierbei sollten die Packungen zum Beispiel gerade hoch geworfen, aber überkreuz wieder aufgefangen werden.

Schluss: gemeinsamer Vortrag der hessischen Chemie-Sozialpartner

Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen
Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Mit einem gemeinsamen Vortrag der hessischen Chemie-Sozialpartner, der die Aktivitäten und Möglichkeiten in der chemischen Industrie vorstellte, wurde eine Klammer um die Veranstaltung gezogen: die Sozialpartner bezogen sich ausführlicher als am Anfang auf das gemeinsame Leitbild zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und anderen Möglichkeiten, beispielsweise die Weiterbildung- und Beratungsangebot der jeweiligen Organisation.

Mit einem Beispiel der Firma Merck Darmstadt wurde auch hier die Brücke zur betrieblichen Praxis geschlagen. Die Veranstaltung bot den Teilnehmern viele Anregungen für das eigene Unternehmen, die beim anschließenden „Get-Together“ weiter diskutiert wurden.

 


Wie sichern wir unser Wissen?

GIBUCI wird So.WIN – Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit

Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thürigen bei der Begrüßung zur letzten GIBUCI-Veranstaltung

Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thürigen bei der Begrüßung zur letzten GIBUCI-Veranstaltung

Jürgen Funk, Geschäftsführer Kommunikation und Bildungspolitik bei HessenChemie bei der Begrüßung zur GIBUCI-Veranstaltung

Jürgen Funk, Geschäftsführer Kommunikation und Bildungspolitik bei HessenChemie bei der Begrüßung zur GIBUCI-Veranstaltung

Nach 28 Jahren verändert GIBUCI sich. Die Gesellschaft zur Information von Betriebsräten über Umweltschutz in der chemischen Industrie (GIBUCI) heißt nun So.WIN, Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit. Zum wichtigen Thema Umweltschutz kommen weitere Themen aus den anderen Dimensionen von Nachhaltigkeit hinzu. Darüber hinaus soll So.WIN neben Betriebsräten auch Fach- und Führungskräfte ansprechen. Symbolisch ist das Thema der letzten GIBUCI-Veranstaltung in Hessen von den Chemie-Sozialpartnern ausgewählt worden, um diesem historischen Datum Ausdruck zu verleihen: der betriebliche Wissensstransfer. Der demografische Wandel, aber auch die Digialisierung tragen zur Bedeutung dieses Themas bei. Damit stand die Veranstaltung in der Tradition früherer Veranstaltungen der hessischen Chemie-Soziapartner, die schon in der Vergangenheit zukunftsgerichtete Themen vor dem Hintergrund der betrieblichen Praxis aufgriffen.

In seiner Begrüßung sagte Jürgen Funk, Geschäftsführer Kommunikation und Bildungspolitik bei HessenChemie: „Wissenstransfer ist ein zentrales Thema unserer Zeit, auch die Sozialpartner müssen sich damit beschäftigen.“ Darüber hinaus schlug er den Bogen von der Erziehung der Kinder durch die Eltern, der schulischen Bildung, der beruflichen Bildung und später des Austauschs von Wissen im Betrieb. Dies alles seien Formen des Wissentransfers. Der für die IG BCE Hessen-Thüringen begrüßende stellvertretende Landesbezirksleite, Osman Ulusoy, rief den Anwesenden vor Augen, dass Deutschland ein rohstoffarmes Land sei. „Wissen ist die Ressource der Menschen in Deutschland und damit sind wir außerordentlich erfolgreich. Das Niveau in Deutschland muss beibehalten werden“, sagte er im Rahmen der historischen, weil letzten Veranstaltung unter dem Namen GIBUCI.

 

Die Bedeutung und Möglichkeiten betrieblichen Wissenstransfers

Im Rahmen der Veranstaltung am 03. Dezember im HessenChemie Campus stellte Prof. Klaus North von der Hochschule RheinMain den etwa 50 Teilnehmern die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zum Wissensmanagement und Wissenstransfer in Unternehmen vor. Zentral seien hierbei zwei Fragen: „Welches Wissen haben wir heute? Und welches Wissen brauchen wir in der Zukunft für den Erfolg des Unternehmens?“, so Prof. North. Er wies auf die Bedeutung von Informationen und Wissen im Betrieb hin. Das Wissen steckt in den Köpfen der Mitarbeiter, in Form von Informationen in den Systemen, aber auch in Prozessen und Technologien, die im Betrieb zum Einsatz kommen. „Wissenstransfer braucht eine Führungskultur, die die Weitergabe von Wissen fördert“, führte Prof. North weiter aus. Das vorhandene Wissen effizient und effektiv durch geeignete Maßnahmen zu nutzen, bietet große Potenziale. Es gehe nicht darum, dass Wissen zu horten und als Machtfaktor zu verstehen, sondern das Teilen von Wissen als wichtigen Beitrag für den Erfolg des Unternehmens zu begreifen. Ein wichtiger Aspekt sei hier die Förderung der Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Wissen mit anderen zu teilen. Ein gutes Wissensmansgement und ein guter Wissenstransfer innerhalb der Organisation mache diese erfolgreicher. „Der Wert des Wissens macht sich an der Kompetenz fest“, so Prof. North. Die Kompetenz beinhalte die Fähigkeit der Mitarbieter, etwas richtig zu tun.

Wissenstreppe, die Prof. North im Rahmen seines Vortrags vorstellte

Wissenstreppe, die Prof. North im Rahmen seines Vortrags vorstellte

„Wissenstransfer ist kein in sich abgegrenztes Thema, sondern ein Themenkomplex“, so leitete Ulrike Rudolphi von der Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie ihren Vortrag ein. Sie zeigte den Teilnehmern verschiedene Möglichkeiten des betrieblichen Wissenstransfers auf, wie beispielsweise den direkten Austausch mit den Kollegen, Job-Rotation oder auch Mentoren-Programme. Die Herausforderung ist hierbei jedoch, die für das jeweilige Unternehmen geeigneten Instrumente zu finden. Die individuellen Rahmenbedingungen seien für die erfolgreiche Umsetzung des betrieblichen Wissenstransfers entscheidend. „Die Akzeptanz der Maßnahmen hängt maßgeblich von der Möglichkeit der Mitgestaltung ab“, so die Referentin. Ein allgemein erfolgreiches Instrument für alle Unternehmen gebe es hierbei nicht. Wie schwierig es ist, das eigene Wissen zu benennen, erfuhren die Teilnehmer in einer praktischen Übung. Sie waren aufgefordert, jeweils mit dem Sitznachbarn bei sich selbst vorhandenes Wissen zu identifizieren, um es mit Anderen zu teilen. Die Identifkation des Wissens ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Wissenstransfer.

Dies wurde auch am Beispiel von Evonik Industries Darmstadt deutlich. Den Teilnehmern stellte der Betriebsratsvorsitzende Michael Hofmann den GenerationenPakt vor. Dieser setzt sich zusammen aus vier Bausteinen: dem Langzeitkonto, einer Förderung durch den Arbeitgeber, der Verwendung des Demografiebetrag II aus dem Tarifvertrag Demografie und einer betrieblichen Altersversorung. Die an diesem Programm teilnehmenden Mitarbeiter erhalten die Möglichkeit, früher aus dem Unternehmen auszuscheiden. Darüber hinaus wird dieser Mitarbeiter mit einer Nachwuchskraft zusammengebracht, die dann anstelle des ausscheidenden Mitarbeiters übernommen wird. Der Mitarbeiter soll zum einen sein Wissen an die junge Fachkraft weitergeben, damit dieses im Unternehmen gehalten werden kann. Zum anderen soll der Nachwuchskraft eine attraktive Perspektive im Unternehmen geboten werden.

Thematische Neuausrichtung: Vom Umweltschutz zur Nachhaltigkeit, GIBUCI wird So.WIN

Programm der letzten GIBUCI-Veranstaltung am 03.12.2015 in Hessen

Programm der letzten GIBUCI-Veranstaltung am 03.12.2015 in Hessen

Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung beim Bundesarbeitgerberverband Chemie (BAVC) und Carola Dittmann, Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE, erläuterten gemeinsam die Neuausrichtung der Sozialpartner-Einrichtung von BAVC und IG BCE. GIBUCI wird zur Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) und erbringt damit einen wichtigen Beitrag der Chemie-Sozialpartner zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³. „Wissenstransfer klingt so technisch, der Begriff ‚Bildung‘ macht es greifbarer“, führte Andreas Ogrinz in seinen Vortrag ein. Bildung sei auch ein Nachhaltigkeitsthema. „GIBUCI und ab kommendem Jahr So.WIN ist ein wichtiger Teil der Bildungsarbeit für Nachhaltigkeit von Chemie³“, erläuterte Herr Ogrinz die Rolle der Sozialpartnereinrichtung von BAVC und IG BCE. So.WIN nimmt hierbei die Rolle des Bildungsträgers für Nachhaltigkeit in der chemischen Industrie ein. Dabei bauen die Chemie-Sozialpartner auf den Erfahrungen aus 28 Jahren GIBUCI auf, in denen sich die Branche intensiv mit Fragen des Umweltschutzes beschäftigt hat. Im Sinne eines Wissenstransfers soll auch beim Übergang von GIBUCI zu So.WIN bewährtes Wissen weitergegeben werden, weitere Themen kommen hinzu. Zukünftig wird So.WIN sich mit Nachhaltigkeitsthemen aus den Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales befassen. „Auf Bundesebene arbeiten IG BCE und BAVC an einem Konzept zur Ausbildung von Nachhaltigkeitspromotoren, das für So.WIN genutzt werden kann“, erklärte Carola Dittmann, „GIBUCI ist nicht zu Ende, es heißt nun So.WIN“.Dies wurde bereits im Rahmen der beschriebenen GIBUCI-Veranstaltung in Hessen deutlich.

Neben der thematischen Neuausrichtung wird der Teilnehmerkreis erweitert: Betriebsräte sowie Fach- und Führungskräfte aus den jeweiligen Betrieben sollen von den Veranstaltungen angesprochen werden . So.WIN soll damit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ leisten und die Rolle des Bildungsträgers für Nachhaltigkeit einnehmen. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ setzen sich auch in Hessen die Chemie-Arbeitgeber, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und der Verband der chemischen Industrie gemeinsam dafür ein, Nachhaltigkeit als Leitbild in der Branche zu stärken und die Postion der Branche in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung auszubauen.

Weitere Informationen zur Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemie finden Sie auf www.chemiehoch3.de.