Berufliche Bildung als Treiber für Nachhaltigkeit – Erfahrungsaustausch am 2. November 2017 in Wiesbaden

Welche Rolle die berufliche Bildung als Treiber für eine nachhaltige Entwicklung in Unternehmen spielt, erfahren die Teilnehmer des Fachforums „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017 in Wiesbaden. Erste Einblicke in das Projekt „ANLIN – Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ bietet der Provadis Bildungsreport Nachhaltigkeit.

Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017

Das Fachforum findet am

Donnerstag, 2. November 2017

von 10:00 bis 15:00 Uhr

im Hessenchemie Campus

statt.

Die Teilnehmer erwartet ein Grußwort von Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel. Die unternehmerische Dimension von Nachhaltigkeit stellt Dr. Matthias Braun von Sanofi-Aventis Deutschland vor. Im Zentrum der Veranstaltung stehen dann die Ergebnisse und Erfahrungen des geförderten Modell-Projektes ANLIN, die mit den Projektbeteiligten und den anwesenden Ausbildungs-, CSR- und Nachhaltigkeits-Verantwortlichen sowie weiteren interessierten Teilnehmern diskutiert werden.

Weitere Informationen zum Programm sowie die Anmeldung sind auf der Hessenchemie-Internetseite oder auf der Internetseite von Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie zu finden. Die Teilnahme ist kostenfrei und die Anmeldung bis zum 20. Oktober 2017 möglich. Das Fachforum ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³.

Weitere Informationen zu dem Projekt ANLIN sind hier oder hier abrufbar.


„Bernie“ bringt den ersten Platz ein – Initiative Chemie³ Hessen vergibt Nachhaltigkeitspreis an Auszubildende

Teilnehmer des Nachhaltigkeitspreises beim Betrachten der eingereichten Arbeiten. Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Bis zum letzten Augenblick hatten sie nicht damit gerechnet und dann doch den ersten Preis gewonnen: Die sieben Auszubildenden von der Georg Börner GmbH & Co. KG aus Bad Hersfeld staunten nicht schlecht, als sie beim zweiten Nachhaltigkeitspreis der Initiative Chemie³ nach vorne kommen sollten und die Urkunde vom hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir entgegennehmen konnten. Insgesamt hatten 124 Auszubildende in 23 Gruppen ihre Exponate beim Wettbewerb eingereicht, der unter dem Motto „Industrie 4.0 – Digitalisierung aus der Perspektive der Jugend“ stand. Bei der Preisverleihung in der Kletterhalle Nordwand in Wiesbaden wurden schließlich die drei Gewinnerteams in einer Feierstunde bekanntgegeben.

„Bernie“, die Gewinner-Skulptur des Teams der Georg Börner GmbH aus Bad Hersfeld.
Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Sie nennen ihn liebevoll „Bernie“. Gemeint ist die Kopf-Skulptur, mit der Angela Neumann, Lea Hofmann, Katja Hellwig, Wladislav Zubarev, Artur Zubarev, Marvin Creutzburg und Felix Grunz den zweiten Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen gewonnen haben. Sie alle sind Auszubildende bei der Georg Börner GmbH & Co. KG in Bad Hersfeld und haben sich mit dem Thema Industrie 4.0 aus ihrer Perspektive auseinandergesetzt. In den Kopf aus Gips haben sie einen Beamer eingebaut, der die Geschichte des Unternehmens in einem Film zeigt. Darin ersetzen Hooverboards mit Diesel betriebene Gabelstapler, es wird papierlos in den Büros gearbeitet und die Kommunikation geschieht anschaulich per Hologramm. „Wir hatten die Idee, dass es nicht gut ist, so viele Reisen ins Ausland zu machen“, erklärte Angela Neumann stellvertretend für das Team die Idee hinter den Hologrammen. Denn das chemische Werk für Dach- und Bautenschutz ist international tätig. Für ihre Arbeit an „Bernie“ hätten sie viel in Zeitungen und Büchern zum Thema Industrie 4.0 recherchiert. „Wir haben überlegt, was das für uns bedeutet und dann Ideen gesammelt“, erläuterte sie weiter. Sie hätten viel Spaß an der Ausarbeitung gehabt. Bereits vor zwei Jahren hatten sich die Auszubildenden am Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen beteiligt.

Mit einem Video hatten die beiden angehenden Chemielaboranten Vanessa Hahn und Christian Schwarz von der Clariant Produkte (Deutschland) GmbH aus Frankfurt an dem Wettbewerb teilgenommen. Das kleinste Team im Wettbewerb erhielt dafür den zweiten Preis.  In ihrem eigens erstellten Film zeigen sie, wie eine nachhaltige Palmöl-Entwicklung mit einer digitalen Vernetzung in Zukunft gelingen kann. Die Lieferkette soll transparent gemacht werden und nachvollziehbar sein.

Die drei Gewinner-Teams des Nachhaltigkeitspreises für junge Menschen in Hessen mit dem Schirmherrn und WIrtschaftsminister, Tarek Al-Wazir sowie den Vertretern der hessischen Chemie³-Allianzpartner. Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Der drittplatzierte Beitrag von Auszubildenden der CSL Behring GmbH aus Marburg. Foto: Chemie³-Allianzpartner/Arne Landwehr

Mit einer nachhaltigen Entwicklung im Umfeld des eigenen Unternehmens setzten sich fünf Auszubildende von der CSL Behring GmbH aus Marburg auseinander. Die Biologielaboranten-Azubis haben ein umfangreiches Exponat erstellt, das die verschiedenen Unternehmensbereiche mit Zahnrädern verbindet. In ihrer Zukunftsvision lassen sich unter anderem Familie und Beruf vereinen, Obst und Gemüse im unternehmenseigenen Garten anbauen und Strom aus Windrädern produzieren. Das Team erhielt dafür den dritten Platz.

Weil sich so viele Teams von der ALMO Erzeugnisse Erwin Buch GmbH an dem Wettbewerb beteiligt hatten, lobte Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer von HessenChemie, im Namen der hessischen Chemie³-Allianzpartner für alle Teams des Unternehmens eine Sonderprämie aus, die für eine gemeinsame Unternehmung genutzt werden soll. Er hob die hohe Beteiligung und die Kreativität der jungen Menschen hervor. VCI-Geschäftsführer Gregor Disson und Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, lobten die Auszubildenden für ihre Ideen und freuten sich über die hohe Beteiligung. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sagte, die hohe Teilnahme am Nachhaltigkeitspreis zeige, dass die junge Generation ihre Zukunft aktiv mitgestalten möchte und sich Gedanken um Nachhaltigkeitsaspekte mache.

Um Jugendliche für eine nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren, schreiben die hessischen Chemie³-Allianzpartner seit 2015 alle zwei Jahre den Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen aus. Die Initiative wird in Hessen getragen vom Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI Hessen), dem Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e. V. (HessenChemie) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Hessen-Thüringen (IG BCE Hessen Thüringen). Der Nachhaltigkeitspreis richtet sich an Auszubildende, Dual-Studierende und Teilnehmer von Fördermaßnahmen wie „Start in den Beruf“ aus Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen und Kunstoffverarbeitenden Industrie in Hessen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat von Beginn an die Schirmherrschaft übernommen.

 

Frauke Blech ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie.


Früh anfangen – Nachhaltigkeit im Ausbildungsbetrieb

Wer das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in den Köpfen verankern und nachhaltiges Handeln fördern möchte, fängt am besten bereits in der Ausbildung damit an.

Diesen Ansatz verfolgt auch das von Provadis initiierte Modellprojekt ANLIN. Es will dazu beitragen, das Thema strukturell in den Lehr- und Ausbildungsplänen sowie in den unterschiedlichen Lernorten der beruflichen Bildung zu verankern.

Auszubildende, die sich bereits mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, haben beste Chancen beim Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen von HessenChemie, IG BCE Hessen-Thüringen und dem VCI Hessen. Bereits zum zweiten Mal wird dieser Anfang 2017 ausgeschrieben.

Mehr über das Modellprojekt ANLIN und über den Nachhaltigkeitspreis erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der Pluspunkte. Sie enthält außerdem ein Interview mit dem Bildungsexperten Dr. Karsten Rudolf von Provadis und Informationen zum neuen Unterstützungsangebot „Pre-Start“ der Chemie-Sozialpartner.

 

Die aktuelle Ausgabe zum Lesen oder Herunterladen auf Slideshare

 

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Industrie, Politik, Wachstum, Chemie – Was der Jugend bei Nachhaltigkeit wichtig ist

Nachhaltigkeit wird verstanden als Verpflichtung gegenüber den jetzigen und künftigen Generationen und als Zukunftsstrategie, in der wirtschaftlicher Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung verknüpft ist“,

so heißt in den Unterlagen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³. Und oft wird in Diskussionen zu Nachhaltigkeit angeführt, man tue das nicht für sich selbst, sondern für seine Kinder. Was also läge näher als einen Dialog auch mit Jugend-Vertretern zu führen?

Im Vorfeld der Dialog-Veranstaltungen von Chemie³ findet deshalb eine eigene Veranstaltung mit Jugend-Vertretern statt. So war es auch in diesem Jahr. Am Mittag des 17. November trafen sich etwa 20 Jugendliche aus verschiedenen Organisationen: Die IG BCE Jugend, die Grüne Jugend, die Naturschutzjugend, der Think Tank 30 des Club of Rome Deutschland, das JungChemikerForum, die AG Junger Wirtschaftschemiker, das International Younger Chemist Network, SNEEP – student network for ethics in economics and practice, sowie Young Professionals von Evonik und HessenChemie. Und weil es um den Dialog geht, durften natürlich auch Vertreter von Chemie³, von BAVC, VCI und IG BCE, nicht fehlen.

Mittagsimbiss und der amerikanische Präsident

An zentraler, eigentlich gut erreichbarer Stelle, fand der Chemie³-Workshop statt: im Humboldt Carré mitten in Berlin. Doch auch der amerkanische Präsident hielt sich in Berlin auf und wollte ebenfalls zentral unterkommen, was die Anreise aufgrund der weiträumigen Sicherheitszone erschwerte. Dennoch erschienen alle Jugend-Vertreter motiviert und pünktlich. Eigentlich sollten die Diskussionen erst nach dem Mittagsimbiss beginnen, doch die Teilnehmer konnte es nicht abwarten: schon während des Essens begannen die Gespräche. Verständlich, zu spannend waren die Themen.

Fortschrittsindikatoren der Branche sorgten für großes Interesse

Zwar hatten sich viele der Teilnehmer bereits während des Mittagsimbisses angesprochen und einander vorgestellt, nun folgte die offizielle Begrüßung der Teilnehmer durch die Vertreter von Chemie³ und eine Vorstellungsrunde. Die Teilnehmer waren nicht aufgefordert, sich irgendwie vorzustellen. Sie sollten sich vorstellen und ihre Erwartungen an die Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung und an die im letzten Jahr von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele darstellen. Die Wirtschaft müsse konkrete Maßnahmen umsetzen und diese zeigen. Der erste Einstieg in die Diskussion, denn schon bei der Vorstellung wurden die unterschiedlichen Perspektiven deutlich.

Anschließend folgte ein Überblick über die Aktivitäten von Chemie³ und die Themen der Dialog-Veranstaltung am folgenden Freitag. Die Teilnehmer erhielten einen Überblick über die Arbeit der Initiative und das Projekt zu den Fortschrittsindikatoren der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoffverarbeitenden Industrie, die am Freitagmorgen offiziell vorgestellt werden. Einige der Teilnehmer, die bereits im letzten Jahr an dem Workshop teilgenommen hatten, waren überrascht wie sich  die Initiative entwikelt hat. Letztes Jahr waren sie noch etwas skeptisch (würden die Indikatoren tatsächlich rechtzeitig zur Veranstaltung fertiggestellt?), in diesem Jahr waren die Teilnehmer positiv überrascht: die Indikatoren waren da und konnten diskutiert werden. Und das taten die Jugendlichen: engagiert und kritisch.

Welche Lösungsansätze gibt es für die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung?

In jeweils zwei Parallelen Workshops arbeiteten die Jugendlichen zu den Themen der Dialog-Veranstaltung. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Veranstalter das Format verändert. Jede Arbeitsgruppe wurde von einem Jugendvertreter geleitet und von einem Vertreter der Chemie³-Partner begleitet. Die folgende Leitfrage wurde ihnen dabei mit auf den Weg gegeben: „Was sind aus Ihrer Sicht die drei zentralen Herausforderungen und Lösungsansätze zu diesem Thema?“.

Nachhaltige Entwicklung messbar machen

Transparenz ist ein wichtiger Aspekt für die Diskussionen zu einer nachhaltigen Entwicklung und für eine nachhaltige Entwicklung selbst. Die Initiative Chemie³ hat sich zum Ziel gesetzt, die Fortschritte der Branche und die Beiträge für eine nachhaltige Entwicklung messbar zu machen. Die Partner von Chemie³ haben in einem zweijährigen Prozess Indikatoren entwickelt, die im Rahmen der Dialog-Veranstaltung am Freitag erstmalig diskutiert werden. In den Diskussionen der Arbeitsgruppe zeigte sich schnell, worauf es den Jugendlichen ankommt – und worauf nicht. Die Informationen und Darstellung solle authentisch und klar sein, Hochglanzbroschüren seien hier wenig hilfreich. Aber es wurde auch die Erwartung geäußert, dass sich die Branche den Themen ernsthaft annehme. Ansonsten mache man sich unglaubwürdig. Die Indikatoren seien ein Anfang; nun gehe es auch darum, diese bei Entscheidungen einzubeziehen. Hierbei seien alle gefordert: die Führungsebenen genauso wie alle anderen Mitarbeiter.

Politik für eine nachhaltige Industrie

Deutschland verfügt über einen starken industriellen Kern. Dieser trägt entscheidend zu einer nachhaltigen Entwicklung bei, damit die technischen und sozialen Innovationen, die hierfür notwendig sind, zu schaffen. Die Chemie³-Vertreter gingen mit der folgenden These in die Diskussion: „Um die Chancen des Industriestandortes zu nutzen, brauchen wir eine neue Politik.“ Die Politik sei an vielen Stellen gefordert, um zu einer nachhalitgen Entwicklung beizutragen. Aber die Industrie müsse hier ebenfalls mitwirken. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sind eine Chance, die gesellschaftlichen Herausforderungen greifbar und bewältigbar zu machen. Die Politik für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen: für die Industrie, für die Beschäftigten und für die Gesellschaft.

Wachstum für eine nachhaltige Entwicklung

Auch über das Thema Wachstum wurde intensiv diskutiert: was ist wirtschaftliches Wachstum und wie wird es gemessen? Wirtschaftliches Wachstum leistet zum Aufbau von Entwicklungschancen einen wichtigen Beitrag. Aus wirtschaftlichem Wachstum entstehen Verteilungsspielräume. Es ist Voraussetzung für Investitionen in Innovationen. Allerdings brauche es eine neue Qualität des Wachstums, um die positiven Effekte für eine nachhaltige Entwicklung nutzen zu können.  Ein immer weiter zunehmender Verbrauch an Ressourcen sei problematisch. In den Diskussionen zeigte sich, wie schwierig es manchmal sein kann, die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – unter einen Hut zu bekommen.

Produktinnovationen für eine nachhaltige Entwicklung

Die Chemiebranche ist eine innovationsstarke Branche. Als solche trägt sie in vielfältiger Weise zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. So liefert sie wichtige Produkte im Bereich der Elektro-Mobilität, der Solar-Technik, der Speichertechnik und vielen weiteren Stellen zu. Hierfür werden die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit immer stärker bereits in die Entwicklung von Produkten aufgenommen. Auch zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen möchte die Branche wichtige Beiträge leisten – gemeinsam mit der Gesellschaft und der Politik. Die Jugendlichen entwickelten Ideen für weitere Produktinnovationen, waren aber noch gespannter auf die Veranstaltung am Freitag: man wolle sich dort von den Experten aus den Unternehmen Näheres zeigen lassen.

Abschluss des Abends

Nach den vielen spannenden Diskussionen, wurde der Jugend-Dialog mit einem gemeinsamen Abendessen beschlossen. Wie bereits beim Mittagessen, wurde weiter diskutiert. Mit großem Engagement, um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten, jeder wie er kann und mit Spannung auf „Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung – Chemie³ im Dialog mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung“, der Chemie³-Veranstaltung am kommenden Tag.

Als Vorgeschmack auf die Veranstaltung von Freitag, hier der Hinweis auf die Dokumentation der Veranstaltung des letzten Jahres Zuhören, verstehen, handeln“ – Chemiebranche startet Dialogreihe über Nachhaltigkeit„.  Weitere Informationen zu der Dialog-Veranstaltung am 18. November 2016 in Berlin, zu den Themenforen und den Referenten sind auf www.chemiehoch3.de zu finden.


Nachhaltigkeit transparent machen – Chemie stellt Indikatoren vor

Mit der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ haben die Chemie-Arbeitgeber (BAVC), der Verband der chemischen Industrie (VCI)  und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Enerige (IG BCE) ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit entwickelt. Gemeinsam arbeiten die Partner von Chemie³ daran, Nachhaltigkeit als Leitbild in der Branche weiter zu verankern. Am kommenden Freitag werden nun die Chemie³-Fortschrittsindikatoren vorgestellt. Diese Indiaktoren sollen die Leistungen der Branche belegbar machen.

Transparenz über das bislang Erreichte

Zu Beginn der Initiative im Jahr 2013 hatte man einen Branchenbericht erstellt, der einen Überblick darüber geben sollte, was die chemisch-pharmazeutische und Kunststoffverarbeitende Industrie in Deutschland zu einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt. Neben den Aktivitäten innerhalb der Branche wurde auch der verstärkte Dialog mit den Anspruchsgruppen angestoßen. In regelmäßig stattfindenden Stakeholder-Veranstaltungen, diskutieren Vertreter der Branche mit Vertretern aus Politik, NGOs und anderen Anspruchsgruppen. Um den Prozess transparent zu gestalten und aufzuzeigen, welche Schritte Chemie³ gegangen ist und welche Schritte man noch gehen möchte, wurde im letzten Jahr ein Fortschrittsbericht erstellt. Darin beschrieb die Branche, was sie mit der Initiative Chemie³ bereits erreicht hat und welche Ziele sie noch erreichen möchte.

Chemie³ im Dialog mit dem Rat für nachhaltige Entwicklung

Am kommenden Freitag findet in Berlin wieder eine Stakeholder-Veranstaltung statt. Gemeinsam laden die drei Partnerorganisationen von Chemie³, BAVC, IG BCE und VCI nach Berlin ein. „Innovation für eine nachhaltige Entwicklung – Chemie³ im Dialog mit dem RNE“. Gemeinsam werden Dr. Kurt Bock, VCI, Michael Vassiliadis, IG BCE, und Dr. Kai Beckmann, BAVC, die Fortschrittsindikatoren von Chemie³ vorstellen. Im Rahmen der Dialog-Veranstaltung werden die Anspruchsgruppen dann die Möglichkeit haben die Indikatoren zu diskutieren.

Erarbeitung von Fortschrittsindikatoren für die chemische Industrie

In einem zweijährigen Prozess haben die Chemie³-Partner die Fortschrittsindikatoren entwickelt. Wissenschaftlich begleitet und mit dem Blick auf die für die Branche wichtigen Themen, die bereits in den 12 Branchenleitlinien angelegt sind, wurde intensiv gearbeitet. Die Chemie-Sozialpartner, BAVC und IG BCE, nahmen sich der Aufgabe an, die Indikatoren für die soziale Dimension von Nachhaltigkeit zu erarbeiten.

Chemie³ trägt mit dem Fortschrittsbericht und nun mit den Indikatoren zu mehr Transparenz der Branche auf dem Gebiet von Nachhaltigkeit bei. Transparenz ist ein wichtiger Aspekt für eine nachhaltige Entwicklung und ebenso der Austausch über das Erreichte. Neben dem Indikatoren-Set werden im Rahmen der Veranstaltung am kommenden Freitag in Berlin (und vorher bereits mit Jugend-Vertretern verschiedener Organisationen) weitere Themen diskutiert: Was kann die Branche zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen, welchen Beitrag können Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung leisten und wie lassen sich diese fördern. Das Programm spricht für spannende Diskussionen.


Betriebliche Gesundheitsförderung: Kooperationspartner finden und richtig einsetzen

Dass die chemisch-pharmazeutische und Kunststoffverarbeitende Industrie in Hessen die Vorteile von Nachhaltigkeit erkannt hat, schrieb die FAZ Rhein-Main-Zeitung im September (FAZ Rhein-Main-Zeitung vom 22.02.2016). In einem gemeinsamen Gespräch hatten Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie, und Volker Weber, Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hessen-Thüringen auf die Bedeutung der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit hingewiesen. Dass Arbeitgeber und Gewerkschaft hieran gemeinsam arbeiten, stellten die hessischen Chemie-Sozialpartner am 12. Oktober in Wiesbaden unter Beweis. In den Mittelpunkt der bundesweit ersten Veranstaltung der Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) stellen sie die betriebliche Gesundheitsförderung, also ein Thema der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit.

Bundesweit erste So.WIN-Veranstaltung bis auf den letzten Platz ausgebucht

(v.l.n.r.) Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie

(v.l.n.r.) Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Zur bundesweit ersten Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) hatten der Arbeitgeberverband HessenChemie gemeinsam mit der IG BCE Hessen-Thüringen zu einem hochaktuellen Thema eingeladen: „Betriebliche Gesundheitsförderung: Kooperationspartner finden und richtig einsetzen – für den Betrieb und für die Mitarbeiter“. „Heute ist ein historischer Tag, So.WIN tritt die Nachfolge von GIBUCI an und das mit einer vollen Veranstaltung mit 60 Teilnehmern“, so begrüßte Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, die Teilnehmer der Veranstaltung. Für HessenChemie hob Dirk Meyer die besondere Form der Zusammenarbeit der Chemie-Sozialpartner hervor. Dabei verwies er auch auf das gemeinsam zwischen Chemie-Gewerkschaft und –Arbeitgebern entwickelte Leitbild zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und den Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit.

Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation und Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie

Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation und Nachhaltigkeit, Bundesarbeitgeberverband Chemie / Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

In seinem Impuls zur gemeinsam vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und der IG BCE getragenen Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) hob Dr. Andreas Ogrinz die Bedeutung der Einrichtung hervor. So.WIN ist die Bildungseinrichtung der Chemie-Sozialpartner auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Die Einrichtung leistet als Bildungsträger einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³, mit der sich der BAVC, die IG BCE und der Verband der chemischen Industrie (VCI) zum Ziel gesetzt haben, Nachhaltigkeit als Leitbild in der Branche zu verankern. So.WIN bezieht sowohl die Fach- und Führungskräfte als auch Betriebsräte in diesen Prozess ein.

Wirksamkeit und Nutzen von Gesundheitsmaßnahmen und das Präventionsprogramm „Betsi“

Das Thema Gesundheit geht beide an: Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Frage, welches die richtigen Maßnahmen für die betriebliche Gesundheitsförderung sind, wird immer wieder gestellt. Sarah Schröer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Universitätsklinikums Essen und Mit-Autorin des iga.Reports 28, stellte genau dies in den Mittelpunkt ihres Vortrags.  Anhand wissenschaftlicher Evidenz und Meta-Studien zeigte sie auf, welche Maßnahmen bei allgemeinen Gesundheitsfragen, psychischen Erkrankungen und Stress oder Muskel-Skeletterkrankungen wirken können. Darüber hinaus gab sie eine Einschätzung zum wirtschaftlichen Nutzen und den Kosten von Gesundheitsmaßnamen ab.

Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Praktisch wurde es dann mit dem Vortrag von Dr. Harald Knyrim, Gesundheitszentrum Federsee, der das Präventionsprogramm „Betsi – Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern“ und die damit bislang gemachten Erfahrungen vorstellte. Nach festgelegten Kriterien werden die Teilnehmer für dieses von der Deutschen Rentenversicherung angebotene Programm ausgewählt. Die Teilnehmer nehmen in verschiedenen Phasen, d.h. stationären Aufenthalten in einer Einrichtung wie dem Gesundheitszentrum Federsee, aber auch im Alltag und im Betrieb, an dem Programm teil. Hierbei werden Themen wie Bewegung und Ernährung sowie weitere Belange der Teilnehmer, abhängig von der individuellen Situation, aufgenommen und verstetigt.

Gesundheit und Bewegung nicht nur in der Mittagspause

Nach einer ausgiebigen Mittagspause, in der die Teilnehmer die Gelegenheit nutzten, sich mit Smoothies zu versorgen sowie an Bewegungsübungen teilzunehmen, die die BARMER GEK zur Verfügung gestellt hatte, stellte  Beatrice Lünzer die Angebot einer gesetzlichen Krankenkasse für die betriebliche Gesundheitsförderung vor. Neben der Möglichkeit einer Kooperation mit Einrichtungen, die direkt Präventionsprogramme anbieten, sind auch die gesetzlichen Krankenkassen mögliche Anlaufstellen für Unternehmen. Diese Angebote können insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen interessant sein und das betriebliche Gesundheitsmanagement unterstützen.

Aktive Pausen Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Aktive Pausen
Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Weil auch langes Sitzen ungesund ist, wurden die Vorträge von Herrn Dr. Knyrim und Frau Lünzer durch aktive Phasen ergänzt. So übten sich die Teilnehmer darin, mit zwei Taschentuch-Packungen verschiedene Übungen zu machen, um beide Gehirnhälften zu trainieren. Hierbei sollten die Packungen zum Beispiel gerade hoch geworfen, aber überkreuz wieder aufgefangen werden.

Schluss: gemeinsamer Vortrag der hessischen Chemie-Sozialpartner

Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter IG BCE Hessen-Thüringen
Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Mit einem gemeinsamen Vortrag der hessischen Chemie-Sozialpartner, der die Aktivitäten und Möglichkeiten in der chemischen Industrie vorstellte, wurde eine Klammer um die Veranstaltung gezogen: die Sozialpartner bezogen sich ausführlicher als am Anfang auf das gemeinsame Leitbild zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und anderen Möglichkeiten, beispielsweise die Weiterbildung- und Beratungsangebot der jeweiligen Organisation.

Mit einem Beispiel der Firma Merck Darmstadt wurde auch hier die Brücke zur betrieblichen Praxis geschlagen. Die Veranstaltung bot den Teilnehmern viele Anregungen für das eigene Unternehmen, die beim anschließenden „Get-Together“ weiter diskutiert wurden.

 


Jetzt wird’s konkret: Auf dem Weg zum nachhaltigen Lernort

Schon seit einiger Zeit beschäftigen wir uns bei Provadis in der Ausbildung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Über einige Projekte haben wir genau an dieser Stelle bereits berichtet. Jetzt können wir das ganze Thema noch viel „nachhaltiger“ angehen: Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung hat grünes Licht gegeben für das Projekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ (ANLIN), das Provadis gemeinsam mit den Kooperationspartnern Qualifizierungsförderungswerk Chemie (QFC) aus Halle, dem Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft (BBW) aus Wittenberg und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung & Management Services (INB) aus Hannover beantragt hat. Diese Entscheidung bildet für uns eine wichtige Grundlage für das Weiterentwickeln unseres Engagements im Sinne der nachhaltigen Bildung.

Übersicht ANLIN-Projekt von Provadis

Übersicht ANLIN-Projekt von Provadis (PDF als Download)

Das Ziel des am 1. Juni gestarteten Projekts: Zum einen wollen wir die Verbundausbildungsträger und die beteiligten Partnerbetriebe in den beiden Ausbildungsverbünden unter Beteiligung von Ausbildern/innen und Auszubildenden zu nachhaltigen betrieblichen Lernorten weiterentwickeln und verstetigen. Zum anderen sollen Modellversuchsergebnisse im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Chemie-Arbeitgeberverband, IG BCE, VCI, IHK und Berufsschule strukturell im System der beruflichen Bildung verankert werden.

Doch was ist eigentlich ein nachhaltiger Lernort, wie unterscheidet er sich von anderen und wie kann man mit möglichen Widerständen umgehen? Eine unserer Aufgaben wird es sein, ein projektübergreifendes Indikatoren-System zu entwickeln, das genau diese Fragen berücksichtigt und darauf Antworten findet. Im Juni dieses Jahres hat ein erstes Kick-off-Meeting mit allen Partnern stattgefunden, bei dem die Kooperationsvereinbarung finalisiert wurde. Auf der Agenda stehen nun folgende  Produkte, die entwickelt, erprobt und beschrieben werden sollen: ein Leitfaden zur nachhaltigen Entwicklung von Lernorten der beruflichen Bildung, ein Konzept zur Qualifizierung des betrieblichen Ausbildungspersonals, eine mehrstufige Qualifizierung von Auszubildenden sowie ein Verbreitungskonzept nebst Handlungsempfehlungen.

Viele Ideen im Köcher

Wir bei Provadis sind davon überzeugt, dass durch die Erfahrungen mit unseren bisherigen Nachhaltigkeitsprojekten bestens auf diese umfangreiche Herausforderung vorbereitet sind. Das Thema Nachhaltigkeit ist aber nicht nur für uns, sondern zunehmend in allen Industriebetrieben ein wichtiges Thema. Bei den Verbundausbildungsträgern Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft, Wittenberg, und bei uns werden Ausbilder/innen in Train-the-Trainer-Workshops weitergebildet und auf ihre Tätigkeit als Multiplikatoren/innen für Nachhaltigkeit in der Ausbildung vorbereitet. Wir werden Qualifizierungsbausteine für Auszubildende ausgewählter Berufsgruppen entwickeln und erproben. Ergänzend werden Handreichungen für fünfminütige „CSR-Talks“ und E-Learning-Module erarbeitet, anhand derer Ausbilder/innen Nachhaltigkeitsthemen auch zwischen den Qualifizierungsbausteinen behandeln können. In Form von Nachhaltigkeitserkundungen und daraus entstehenden Verbesserungsvorschlägen tragen die Auszubildenden zur nachhaltigen (Um-)Gestaltung ihrer Lernorte bei. Um Transparenz zu schaffen, um die notwendige Unterstützung zu erhalten und Erfahrungen aus verschiedenen Stakeholder-Bereichen einzubinden, wird an beiden Standorten – aber auch standortübergreifend – eng mit Vertretern/innen von Unternehmen, Berufsschule, Kammern, Gewerkschaften und den Chemieverbänden zusammengearbeitet. So trägt das Projekt auch zur Initiative Chemie³ der chemischen Industrie bei.

Das Ausbildungsteam und wir freuen uns auf die dreijährige Projektarbeit und sind uns sicher, dass wir in 2019 konkrete und erprobte Lösungen für die Ausbildung im Sinne der Nachhaltigkeit in der Industrie haben werden.

 

Dr Karsten Rudolf provadis bildung nachhaltigkeit csr hessen chemie

Dr. Karsten Rudolf, M.A. hat Politikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert und im Bildungsmarketing promoviert. Er ist Prokurist bei Provadis – dem Fachkräfte-Entwickler der Industrie und dort zum einen verantwortlich für das Marketing und zum anderen für den Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte, der sich unter anderem mit CSR-, Diversity- und MINT-Projekten beschäftigt. Mit dieser Erfahrung bringt er sich auch in die Verbandsarbeit von HessenChemie, z.B. in Expertenkreisen zu Bildung und politischer Kommunikation ein. Darüber hinaus ist er im Netzwerk „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ des Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aktiv. Dr. Karsten Rudolf ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

 

Marny Schröder, Ausbilderin für Chemie- und Labortechnik, B.Sc, Provadis. FMarny Schröder, B.Sc.rau Schröder koordiniert das ANLIN-Projekt bei Provadis mit zwei weiteren Kollegen. Sie studierte nach der Ausbildung zur Chemielaborantin berufsbegleitend Chemieingenieurswesen. Als Ausbilderin bei Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie im Bereich der Chemie und Labortechnik bereitet sie junge Menschen auf ihr Berufsleben in der chemischen Industrie vor. Zudem ist sie als Prüferin der IHK tätig. Marny Schröder ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und aktuell in Elternzeit.


An Tagen wie diesen…

Schon wieder so ein Tag: Earth day. Vor einiger  Zeit Earth hour, nun ein ganzer Tag. Mich erinnern diese Tage immer auch etwas an den Muttertag und einen Satz meiner Mutter: „Wer nur am Muttertag an seine Mutter denkt, kann sich den einen Tag auch schenken.“ 364 Tage im Jahr und nur an einem an die Mutter denken? Das wäre schon etwas komisch. Und mit der Erde? Ein Erd-Tag und nur einmal im Jahr wird an die Erde und ihre Bedeutung für das Leben gedacht? Auch das wäre etwas komisch.

Dennoch haben diese Tage etwas für sich: die Mutter, die sich (es muss ja nicht unbedingt ein bestimmter Tag sein) über eine Aufmerksamkeit (beispielsweise Blumen) freut oder ein Earth Day an dem seit 1970 weltweit mit verschiedenen Aktionen auf die Sinnhaftigkeit von Umweltschutz und Ressourcenschonung aufmerksam gemacht wird. Jeder einzelne kann die ökologischen Auswirkungen beeinflussen: Strom sparen, unnötige Autofahrten vermeiden, Lebensmittelverschwendung vermeiden und so weiter und so fort. „Kleinvieh macht auch Mist“, sagt man und so ist es auch mit dem Ressourcenverbrauch.

Wie so oft, zählen auch hier nicht nur die großen Dinge, sondern auch die kleinen Beiträge spielen eine Rolle. Öfter mal das Licht ausmachen (wie beispielsweise zur Earth hour). Bewusster einkaufen, um weniger Lebensmittel wegwerfen zu müssen (und dabei auch noch Geld zu sparen). Oder einfach mal das Auto stehen lassen und zu Fuß gehen (Bewegung ist gesund und frische Luft tut gut).

Das gilt auch für die Arbeitswelt: auch hier geht es um Ressourceneffizienz, Umeltschutz und gute Ideen, die im Kleinen wie im Großen kontinuierlich an daran arbeiten, besser zu werden. Wie hier zum Beispiel die Teilnehmer des Responsible Care-Wettbewerbs des Verbands der Chemischen Industrie (VCI).


Kresse, elektromagnetische Strahlung und Begeisterung für MINT

Wie könnte man besser für Naturwissenschaften und die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) begeistern als durch selbstständig durchgeführte eigene Projekte? Zum dritten Mal wurden am vergangenen Samstag bei InfraServ Wiesbaden die Projekte der Jugend-forscht-Teilnehmer von Jurys bewertet und anschließend vielen weiteren Besuchern präsentiert. Im Kalle-Haus, direkt am Biebricher Rhein-Ufer, war die Neugierde, aber auch die Aufregung der Teilnehmer zu spüren. Viel Mühe hatten sich sich bei der Gestaltung der Stände gegeben und sich überlegt, wie sie der Jury ihr Projekt vorstellen sollten. Doch was für Fragen würden die Juroren stellen? Würde das eigene Projekt überzeugen?

Florian Dick (zweiter v. r.), Preisträger des Sonderpreises "Bestes interdisziplinäres Projekt" in der Altersgruppe "Schüler Experimentieren" mit Ralf Erdt (erster v.l.) Wettbewerbsleiter Hessen-West bei der Preisverleihung, Ralf Erdt, Dennis Weber, InfraServ Wiesbaden (erster v.r.) und weitere Teilnehmer des Jugend-forscht-Wettbewerbs bei InfraServ Wiesbaden

Florian Dick (zweiter v. r.), Preisträger des Sonderpreises „Bestes interdisziplinäres Projekt“ in der Altersgruppe „Schüler Experimentieren“ mit Ralf Erdt (erster v.l.) Wettbewerbsleiter Hessen-West bei der Preisverleihung, Ralf Erdt, Dennis Weber, InfraServ Wiesbaden (erster v.r.) und weitere Teilnehmer des Jugend-forscht-Wettbewerbs bei InfraServ Wiesbaden; Foto: InfraServ Wiesbaden/ Arne Landwehr

Zwei Projekte überzeugten die Jugend-forscht Jury des Regionalwettbewerbs Hessen-West bei InfraServ in Wiesbaden aufgrund der Verbindung verschiedener Fachbereiche: Florian Dick erhielt die Auszeichnung für das „Beste interdisziplinäre Projekt“für die Untersuchung der „Auswirkungen von  Wlan-Strahlung auf das Pflanzenwachstum“.

Dem Jungforscher war aufgefallen, dass Wlan-Verbindungen und somit auch Strahlungen an immer mehr Stellen eingesetzt werden: in der Wohnung, Cafes, Zügen. Doch hatten diese Strahlungen Auswirkungen auf Pflanzen und andere Lebewesen? In seinem Experiment untersuchte er diese Frage anhand von schnell wachsender Kresse. Er verglich hierbei Kresse, die der Strahlung direkt ausgesetzt war und Kresse, die durch einen faradayischen Käfig abgeschirmt wurde.

Die Jury hob in ihrer Begründung für die Auszeichnung des Projekts die Verbindung von Biologie und Physik bei der Untersuchung elektromagnetischer Strahlungen. Florian Dick von der Rheingauschule in Geisenheim hat mit seiner Frage eine sehr aktuelles Forschungsfeld gewählt. Darüber hinaus hob die Jury die systematische Bearbeitung der Forschungsfrage hervor.

Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie, während der Laudation zum Sonderpreis "Bestes interdisziplinäres Projekt"

Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie, während der Laudation zum Sonderpreis „Bestes interdisziplinäres Projekt“; Foto: InfraServ Wiesbaden / Arne Landwehr

In ihrem Projekt zur „Experimentellen Optimierung eines Savonius-Darrieus-VAWT“, also der Optimierung eines Windrats mit senkrechtachsigem Rotor  zur Stromerzeugung, haben sich Jonas Rinnelt, Valentin Promies und Tobias Niehues beschäftigt. Sie wurden in der Altergruppe „Jugend forscht“ mit dem Preis für das „Beste interdisziplinäre Projekt“ ausgezeichnet.

Die Jury hob besonders das Zusammenspiel von Computertechnologie, Technik, Physik und Ingenieurswissenschaften hevor. So konnten die Jungeforscher ihren Rotor mit Hilfe eins 3D-Druckers selbst herstellen und mit verschiedenen Formen experimentieren. Die Frage, die sie sich gestellt hatten war, mit welcher Form möglichst effizient Strom mit dem Windrad erzeugt werden könnte. Dabei drehte die Gruppe nicht nur das große Rad, sondern forschte an einer Anwendung, die auch in Innenstädten zum Einsatz kommen könnte.

Neben den Preisen der regulären Kategorien wie Chemie, Technik, Physik oder Arbeitswelt, haben die Teilnehmer die Chance auf weitere Sonderpreise. HessenChemie unterstützt den Wettbewerb durch den Sonderpreis für das „Beste interdisziplinäre Projekt“ in den Altersgruppen „Schüler experimentieren“ und „Jugend forscht“. Dieser Preis qualifiziert in der Altergruppe „Jugend forscht“ auch für die Teilnahme am Landeswettbewerb.


Netzwerke für Nachhaltigkeit brauchen starke Partner

Beim „Netzwerken“ geht es nicht darum, flüchtige Verbindungen herzustellen, sondern handfeste Kooperation zu schaffen. Dies gilt ganz besonders für tiefgreifende Transformationen, die alle gesellschaftlichen Teilsysteme betreffen. Das Thema „Nachhaltigkeit“ berührt Politik, Gesellschaft und Industrie. Um die komplexe Herausforderung „Nachhaltigkeit“ zu bewältigen, müssen die Akteure über die Grenzen von Organisationen und Institutionen miteinander vernetzt werden. In Zeiten von Social Media mag „Vernetzung“ geradezu spielerisch klingen, doch für eine gelungene Zusammenarbeit müssen die richtigen Partner zueinander finden. Wo finden Start-ups aus dem Cleantech-Bereich geeignete Mentoren für den Schritt in den Markt? Wo können Fachleute weitergebildet werden und ihre Kenntnisse in andere Organisationen einbringen? Wo wird Know-how aus Wirtschaft und Gesellschaft gebündelt, um soziale Innovationsprozesse zu beschleunigen? Eine greifbare Antwort bietet die europäische Wissens- und Innovationsgemeinschaft „Climate-KIC“.

Wissens- und Innovationsgemeinschaft „Climate-KIC“

Das von der EU geförderte „Climate-KIC“ (Knowledge and Innovation Community) ist die größte öffentlich-private Partnerschaft zur Entwicklung von Innovationen gegen den Klimawandel. In Hessen betreut die Provadis Hochschule die Projekte auf den drei Handlungsfeldern Unternehmertum, Bildung und Innovation. Die Provadis Hochschule mit Sitz am Industriepark Höchst hilft Unternehmern, umweltfreundliche Geschäftsideen zu entwickeln, sie bietet berufsbezogene Qualifikation an und bündelt Know-how aus Wissenschaft und industrieller Forschung. Doch der Reihe nach: Der „Market Accelerator“ unterstützt Start-ups und ermöglicht Unternehmensgründern, eine umweltfreundliche Geschäftsidee zu entwickeln und damit schnell auch ausländische Märkte zu erschließen. Möglich machen dies starke Partner. Das europaweite Programm eröffnet den Zugang zu einer attraktiven Cleantech-Community. Vernetzung bedeutet hier auch zielgerichtete Unterstützung durch individuelles Coaching und Mentoring.

Europaweite Kooperationen für Innovation und Nachhaltigkeit

Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft verbindet die Provadis Hochschule mit ihren Climate-KIC Aktivitäten in verschiedenen Bildungsprojekten: Das Spektrum reicht hier von der konkreten, berufsbezogenen Qualifizierung zum CO2-Fussabdruck sowie zur Erarbeitung von Klimastrategien für die Chemieindustrie bis hin zu Doktorandensommerschulen. Schon im dritten Jahr hat die Provadis Hochschule – in Kooperation mit der TU Darmstadt, der Goethe Universität und der Stadt Frankfurt – die Climate-KIC Doktorandensommerschule ausgerichtet. Im Jahr 2015 stand die Frage im Vordergrund, inwiefern die Stadt Frankfurt als „Innovation Lab“ für eine nachhaltige Wirtschaft agieren kann (Ergebnisse stehen unter http://ckic-phd-ffm.net/). In allen Fällen nutzt die Provadis Hochschule Erkenntnisse der Transformations-Theorie, um den sozialen Innovationsprozess hin zu einer nachhaltigen und kohlenstoffarmen Gesellschaft zu beschleunigen. Dabei ist es immer das Ziel, ökonomischen und ökologischen Erfolg möglichst gleichzeitig zu erzielen. Damit das alles wie beschrieben funktionieren kann, gilt zusammenfassend: Für eine gelungene Zusammenarbeit müssen die richtigen Partner an einen Tisch gebracht werden. Die starke Wissens- und Innovationsgemeinschaft „Climate-KIC“ ist das passende Netzwerk, um das komplexe Thema „Nachhaltigkeit“ gezielt voranzutreiben.

 

Prof. Dr. Hannes Utikal, Vizepräsident der Provadis Hochschule / Bild: Provadis

Prof. Dr. Hannes Utikal /
Bild: Provadis

Prof. Dr. Hannes Utikal ist Vizepräsident und Dozent im Fachbereich Betriebswirtschaftslehre an der Provadis Hochschule in Frankfurt am Main.