„Die Chemie. Dein Arbeitgeber.“ – Neues Onlineportal für die Chemie- und Pharma-Industrie

Die Welt ist komplex, Informationen und Quellen gibt es im Überfluss, und nicht immer geht es objektiv zu. Am 1. September 2017 starteten die Chemie-Arbeitgeber das neue Kommunikationsangebot „Die Chemie. Dein Arbeitgeber.“ für die Beschäftigten in der chemischen- und pharmazeutischen Industrie. Zugrunde liegt eine Befragung in den Chemie- und Pharmaunternehmen, die gezeigt hat, wie groß das Interesse an transparenter und verständlicher Arbeitgeberkommunikation für die eigene Meinungsbildung ist. Das Onlineportal richtet es sich an alle, die sich für die Branche, für wirtschaftliche Zusammenhänge und die Zukunft der Arbeitsplätze in Deutschland interessieren.

Wissen, wie Wirtschaft funktioniert

Das neue Onlineportal der Chemie-Arbeitgeber bereitet komplexe Zusammenhänge transparent und verständlich auf.

Das neue Onlineportal „Die Chemie. Dein Arbeitgeber“ bereitet auf www.chemie-arbeitgeber.de komplexe Zusammenhänge transparent und verständlich auf.

Globalisierung, demografischer Wandel, Digitalisierung – diese Stichworte stehen beispielhaft für die Komplexität wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen. Welche Auswirkungen haben die Megatrends auf die Chemie- und Pharmabranche? Was bedeuten politische Entscheidungen für den Standort und wie sehen unsere Arbeitsplätze von morgen aus? Diese Fragen will das neue Portal helfen zu beantworten. Dabei werden komplexe Zusammenhänge und Vorgänge aufgegriffen, erklärt und eingeordnet. Mit dem Angebot wollen die Chemie-Arbeitgeber Verständnis für unternehmerische Entscheidungen und Positionen schaffen sowie die Leistungen der Branche herausstellen.

Gestartet ist „Die Chemie. Dein Arbeitgeber“ pünktlich zur anstehenden Bundestagswahl (#btw17 #btw2017). Damit ist auch das erste Thema gesetzt. Worum geht es für Deutschland? Und was ist für die Chemieindustrie wichtig? Das Portal gibt Antworten zur Wahl und erklärt die wichtigsten Positionen der Chemie-Arbeitgeber. Im Mittelpunkt steht dabei das große Thema soziale Gerechtigkeit. Wie gerecht ist Deutschland? Die Webseite liefert ökonomische Fakten zur Gerechtigkeitsdebatte – kurz, prägnant und verständlich.

Anschaulich, digital und transparent

Das Onlineportal, das übrigens in einem Glossar auch Basiswissen zu Tarifverträgen und anderen Kernelementen des Arbeitslebens bietet, wird ergänzt durch die App „Die Chemie-Arbeitgeber“. Diese richtet sich an die Führungsebene in den Unternehmen, insbesondere an HR-Verantwortliche und liefert exklusiv die wichtigsten Positionen und Argumente direkt aufs Smartphone. Einzelne Karten sorgen für Übersichtlichkeit und eine komfortable und gezielte Nutzung. Die App ist kostenlos verfügbar für iOS und Android. Allerdings benötigt man für die Nutzung Zugangsdaten. Diese erhalten interessierte Führungskräfte unserer Mitgliedsunternehmen von der Verbandskommunikation von HessenChemie (diener@hessenchemie.de).

„Die Chemie. Dein Arbeitgeber.“ ist übrigens ein Gemeinschaftsprojekt der Chemie-Arbeitgeberverbände. Wer die Argumente auf Twitter teilen möchte, ist herzlich eingeladen, den Hashtag #DCDA zu verwenden.


Demografie-Tarifvertrag Stufe Drei

Die zurückliegende Tarifrunde in der Chemie war wahrlich nichts für schwache Nerven: Jede Menge Mobilisierung, ein Gesprächsabbruch und vier Verhandlungsrunden auf Bundesebene zeigen bereits, dass sich beide Seiten nichts geschenkt haben und wahrlich um ein vertretbares Gesamtpaket gerungen wurde. Wäre der Tatort ähnlich spannend, würde ich auch mal wieder reinschalten.

 

Die historische Frage in der Chemie-Tarifrunde 2015

Zu Zeiten stand auch die historische Frage im Raum, ob nach 1971, dem Jahr aus dem dieses Bild vor den Toren der Farbenwerke Höchst stammt (Forderung damals: 11%!), zum ersten Mal wieder ein Streik unausweichlich wäre. Wer die Chronologie der Ereignisse nachverfolgen möchte, besuche einfach den Auftritt der IG BCE bzw. deren Facebook-Tagebuch, auf dem sich während und nach den Verhandlungen mit den Mitgliedern und Unterstützern rege ausgetauscht wurde.

 

IG BCE, Tarifrunde, Generationentandem Demografie, TarifvertragNun – einige Monate später – sind wir immer noch froh um die stabilen ‚Nylonfäden‘ der Chemie und ich möchte das versprochene Resumee (Die Chemie-Tarifrunde und der Demografie-Tarifvertrag – zündet Stufe Drei?) geben, was die zurückliegende Tarifrunde für den Demografie-Tarifvertrag, unsere Demografieberatung und Unternehmen bedeutet und wie es weiter geht.

Es gibt extrem stabile Nylonfäden in der Chemie.

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE über die ‚Reißfestigkeit‘ der Sozialpartnerschaft nach der Chemietarifrunde 2015

Diese Aussage machte deutlich – die Sozialpartnerschaft ist stark, hing aber Gott sei Dank am Nylon- und nicht am seidenen Faden. Und um gleich auf die rhetorische Frage zu antworten, ob nun ‚Stufe Drei‘ gezündet hat: Jein.

 

Nicht alle Forderungen zum Demografie-Tarifvertrag wurden umgesetzt

Der Demografie-Tarifvertrag wurde nicht ‚mit vollem Schub‘ weiterentwickelt, sowohl hinsichtlich der Erhöhung des Finanzvolumens im Demografiefonds, der in einer Staffel erhöht wird, als auch in der inhaltlichen Weiterentwicklung. Denn auch hier hatte die Gewerkschaft im Vorfeld der Verhandlungen vielfältige Forderungen gestellt, von „besseren Rahmenbedingungen für gute und gesunde Arbeit, der Weiterentwicklung von lebensphasenorientierten Arbeitszeitmodellen bis zu einem hohen Niveau der Nachwuchssicherung“. Auch die Idee von sogenannten Generationentandems tauchte auf und wurde immer wieder bildkräftig inszeniert, hier bei der regionalen Tarifrunde Hessens in Kassel.

 

IG BCE, Tarifrunde, Generationentandem Demografie, Tarifvertrag

Jung und Alt auf dem ‚Generationentandem‘ – so stellt sich die IG BCE den Wissenstransfer bildlich vor.

 

Außerdem sollten über die bestehenden Möglichkeiten hinaus (das heißt vor allem die Langzeitkonten und RV 80 für den flexiblen Übergang in den Ruhestand) neue Modelle zum gleitenden Übergang in den Ruhestand auf den Weg gebracht werden. Konkret wurde die Vier- und Drei-Tage-Woche ab dem 60. Lebensjahr genannt: „Ältere Beschäftigte müssen entlastet werden, damit sie gesund und ohne finanzielle Einbußen in Rente kommen können“, so Peter Hausmannn, Verhandlungsführer für die Arbeitnehmerseite.

Von diesen inhaltlichen Forderungen findet sich im Chemie-Tarifabschluss 2015 zunächst nicht mehr viel, vor allem wohl deshalb, weil die Verhandlungspartner alle Hände voll damit zu tun hatten die Entgelforderung mit dem Demografie-Tarifvertrrag zu einem stimmigen Gesamtpaket zu verschnüren (die Arbeitgeber benutzen dazu immer wieder das Bild von ‚kommunizierneden Röhren‘ – Wirtschaftswoche vom 26. März 2015 – „Vielleicht ist auch mal ein Spagat nötig“ -, für die gegenseitige Beeinflussung beider Verhandlungselemente).

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben – in den kommenden Monaten sollen die bestehenden Instrumente des Demografiefonds gemeinsam analysiert und über Handlungsbedarfe und Lösungen auch zur inhaltlichen Weiterentwicklung der demografischen Regelungen beraten werden.

Man bleibt also im Gespräch. Nach der Tarifrunde ist vor der Tarifrunde…

 

Für die Weiterentwicklung des Demografietarifvertrags spricht:

Der Demografietarifvertrag ist auch ein Experimentierfeld, was nicht falsch verstanden werden soll. Damit meine ich, dass wir seit 2008 mit und an einer komplett neuen Kategorie von Tarifvertrag arbeiten, der schließlich Lösungen für die Zukunft bieten soll. Moderne Tarifverträge für eine moderne, sich wandelnde Arbeitswelt. Bei einem Innovationsprojekt dieser Größenordnung zählt das schrittweise Bilanzieren oder die Sammlung von Erfahrungen zur Anwendbarkeit in der betrieblichen Praxis genauso dazu, wie neue Ansätze auszuprobieren, diese zu modifizieren etc. Und in dieser Hinsicht wurden Schlussfolgerungen gezogen:

  • Diese liegen unter anderem in der Vereinheitlichung des Demografiebetrages, d.h. das modulare System des Demografie-Tarifvertrags (vgl. dazu den Slideshare-Link unten) wird beibehalten, soll aber wieder einfacher werden. Nachdem zwischenzeitlich zwei Demografiebeträge geschaffen und deren Nutzungszwecke seit 2012 zeitweise eingegrenzt wurden (Argument: Fokus soll auf der ‚Arbeitszeit‘-Gestaltung liegen), werden so Komplexität reduziert und die Auswahlmöglichkeiten erweitert.

Präsentation zur Entwicklung der Systematik des Demografiefonds seit 2008

  • Ein klares Signal setzen auch die Erhöhung des Volumens im Demografiefonds, der ab 2017 in zwei Stufen auf 750€ je Tarifbeschäftigtem aufgestockt wird, sowie die Verlängerung der Laufzeit bis 2020. Auf Deutsch: Mit mehr Geld bleibt das Thema mindestens so bedeutend wie bisher, die Laufzeit sorgt für einen langfristigen Planungshorizont. Ob der aufgestockte Demografiefonds dazu führt, dass die angebotenen Verwendungsmöglichkeiten schlagkräftiger werden, im Sinne besserer Leistungen und Austattung (z.B. in der tariflichen Altersvorsorge), oder ob dadurch eher die Kreativität bei der Suche nach neuen/ergänzenden Lösungen zu Demografie-Risiken angeregt wird, muss sich weisen.

 

Was bedeutet der Abschluss für unsere Unternehmen?

Ich höre meine juristischen Kollegen schon sagen, ‚das kommt darauf an‘ :). Nämlich vor allem auf die Entscheidungen welche in der Vergangenheit zu den Demografiebeträgen 1 und 2 getroffen wurden. War die Verwendung einheitlich, z.B. für die Altersvorsorge, liegt es nahe, dass dieser Weg zunächst einmal fortgeführt wird, bis möglicherweise, siehe oben, die Gespräche der Sozialpartner zu neuen oder ergänzenden Rahmenbedingungen führen.

Wurden unterschiedliche Verwendungen gewählt, stellt sich zunächst die Frage, ob die Betriebsparteien diese Splittung beibehalten oder einen (neuen) Verwendungszweck bestimmen möchten. Dies erörten wir gemeinsam, doch dann wird es bald schon wieder heißen:

Nach der Tarifrunde ist vor der Tarifrunde…


Arbeitgeber-Bewertungsportale: Gleiches Recht für alle?

In Zeiten des Web 2.0 wird die Möglichkeit der Bewertung bzw. die Suche nach Meinungen zu Produkten, Unternehmen, Dienstleistungen etc. immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Auch für Job-Suchende trifft dies zu. Ehe sie sich auf einen neuen Arbeitgeber einlassen, informieren sich erst einmal über möglichst vielfältige Quellen. Portale wie kununu, jobvoting, meinchef etc. scheinen sich als Informationsquellen ideal zu eignen, denn Mitarbeiter und Ehemalige sowie Auszubildende und Bewerber haben hier die Möglichkeit, ihren (Ex-), aktuellen oder potenziellen Arbeitgeber zu bewerten. Aber ist das eine objektive Quelle?  Weiterlesen