Was tun, wenn es in der dualen Ausbildung hakt?

Eine duale Ausbildung ist immer auch eine Herausforderung für junge Menschen: Die Arbeit im Betrieb bringt viel Neues mit sich, dazu kommt der anspruchsvolle Unterrichtsstoff in der Berufsschule und gleichzeitig beginnt eine neue Lebensphase mit neuen privaten Verantwortungen. Das macht die duale Ausbildung zu einer sehr lehrreichen, abwechslungsreichen Erfahrung. Wenn es aber an einer Stelle hakt, können junge Menschen sich schnell überfordert fühlen. Ursachen liegen dabei nicht nur in der Berufsschule oder im Betrieb, sondern sind häufig auch im privaten Umfeld zu verorten.

Was können Ausbilder*innen tun, wenn sie auf die Probleme der Lernenden aufmerksam werden? Ist die persönliche Beziehung positiv, kann häufig bereits ein vertrauensvolles Gespräch zwischen Ausbilder*in und Azubi helfen, um herauszufinden, an welcher Stelle es hakt, wo die Ursachen für Probleme liegen und wie der Ausbildungsbetrieb bei diesen unterstützen kann. Doch nicht jeder Azubi möchte sich seinem Ausbilder anvertrauen, vor allem, wenn die Probleme im persönlichen Umfeld verhaftet sind oder man noch am Beginn der Ausbildung steht.

In solchen Fällen sind Ausbilder*innen häufig überfragt oder haben schlichtweg nicht genug Zeit, um sich intensiv mit den komplexen Problemen ihrer Auszubildenden zu befassen. Dann kann es von Vorteil sein, externe Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen, denn ein unvoreingenommener Blick von außen kann helfen, Lösungskonzepte aufzuzeigen und im Falle angespannter persönlicher Beziehungen innerhalb des Ausbildungsverhältnisses zu vermitteln. Ein Beispiel für eine solche externe Anlaufstelle ist QuABB, die Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule.

QuABB unterstützt Auszubildende und Betriebe

Die qualifizierten Ausbildungsbegleitungen verstehen sich als erste Anlaufstelle bei allen Problemen während der Ausbildung und begleiten Ratsuchende, bis diese eine zufriedenstellende Lösung gefunden haben.  Ziel von QuABB ist, die an der Ausbildung Beteiligten so zu unterstützen, dass die Ausbildung erfolgreich verläuft oder – sollte eine andere Lösung sinnvoller erscheinen – eine konkrete Anschlussperspektive für die Auszubildenden zu entwickeln.

QuABB ist ein vertrauliches und für Auszubildende wie Betriebe kostenloses Unterstützungsangebot bei Schwierigkeiten in der dualen Ausbildung. Es wird von über 50 Berater*innen an 26 Standorten in ganz Hessen umgesetzt. Die Ausbildungsbegleitungen sind per Telefon und E-Mail erreichbar und bieten regelmäßig Sprechstunden in ihren Büros an den Berufsschulen an. Die Kontaktdaten der Ansprechpartner*innen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Beratungsseite Ihrer Region.

Wie genau die Unterstützung aussieht, entscheiden die Beteiligten selbst: Oft besteht die Beratungsarbeit hauptsächlich darin, mit den Auszubildenden die Ursachen von Problemen zu identifizieren, zu üben, wie sie sich in bestimmen Situationen verhalten können, und gemeinsam nach den besten Lösungen zu suchen. Dabei kann es auch um private Herausforderungen gehen, die erst mal nichts mit dem Betrieb oder der Berufsschule zu tun haben. Denn wer finanzielle oder gesundheitliche Probleme hat, kann sich oft nicht mehr richtig auf die Ausbildung konzentrieren. Auf Wunsch können die Ausbildungsbegleitungen Unternehmen und Auszubildende auch unterstützen, indem sie Konfliktgespräche moderieren oder Material zum Umgang mit schwierigen Situationen in der Ausbildung zur Verfügung stellen. Außerdem kennen die Ausbildungsbegleitungen alle Expert*innen in der Region, die bei speziellen Problemen weiterhelfen. Wenn eine Auszubildende zum Beispiel in der Berufsschule nicht mitkommt, kann QuABB Nachhilfe vermitteln.

Frühe Anzeichen ernst nehmen

Bei der Frage, wie Ausbildungsabbrüche vermieden werden können, ist es wichtig , sich so früh wie möglich an die Ausbildungsbegleitung zu wenden. Denn je früher QuABB hinzugezogen wird, desto einfacher ist es, die Ausbildung wieder in die richtige Bahn zu lenken. Das zeigt auch ein Blick auf die Statistik: Steht bereits eine Kündigung bevor, kann QuABB noch in 78% der Fälle dazu beitragen, dass Auszubildende ihre Ausbildung fortsetzen beziehungsweise erfolgreich beenden. Bei allen Fällen mit niedrigerer Eskalationsstufe (von Präventivbegleitungen bis hin zu komplexen Problemlagen) liegt die Erfolgsquote dagegen bei 92%.

Ausbildungsabbrüche verhindern, Fachkräfte sichern

Auftraggeberin von QuABB ist die hessische Landesregierung. Sie beabsichtigt mit dem Landesprogramm, die Quote der faktischen Ausbildungsabbrüche in Hessen zu senken. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung. Die hessenweit verankerte Ausbildungsbegleitung an den QuABB-Standorten wird von der Koordinierungsstelle beim Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik begleitet und unterstützt. QuABB wird gefördert aus Mitteln der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds und des Landes Hessen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.quabb-hessen.de

Der Autor

Autor des Beitrags ist Mario Wiesmann. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der QuABB-Koordinierungsstelle beim Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS) und schreibt als Gastautor für den Arbeitgeberverband HessenChemie.


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Unterstützung in Zeiten der Krise – Ein Blick auf den Beitrag der chemisch-pharmazeutischen Industrie

Das Coronavirus stellt unsere Gesellschaft, die politischen Entscheidungsträger und Unternehmen derzeit vor eine Vielzahl an Herausforderungen. Kurzarbeit, wegbrechende Auftragslagen und die Ungewissheit, wie lange die Pandemie andauern wird und wie diese zu bewältigen ist, bestimmen das Bild. Was in Zeiten der Krise jedoch Mut macht, ist das breite gesellschaftliche Engagement, das uns zusammenhält. So hat Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarländern die Pandemie bisher verhältnismäßig gut gemeistert. Dafür waren und sind in Zeiten der Krise unbürokratische, pragmatische Hilfen in vielen Bereichen notwendig.


Einen erheblichen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander leistet die chemisch-pharmazeutische Industrie. Als Hoffnungsträger für einen Impfstoff und Medikamente gegen das Virus beweist sie derzeit ihre systemrelevante Stellung und arbeitet mit Hochdruck daran, schnellstmöglich Lösungen zu finden. Gleichzeitig muss die Versorgung mit wichtigen Medikamenten ohne Coronabezug gewährleistet werden. Lagerbestände in Europa und Deutschland aufzubauen, sind daher Überlegungen, die Pharmaunternehmen derzeit beschäftigen.


Doch auch am unmittelbaren gesellschaftlichen Bedarf an Schutzausrüstung ist die chemisch-pharmazeutische Industrie in Hessen in großer Anzahl beteiligt und liefert dringend benötigte Produkte zur Pflege und Behandlung von Patienten. Neben der regulären Produktion von Schutzausrüstung und medizinischem Material haben sich in den vergangenen Wochen viele Unternehmen abseits ihres ursprünglichen Produktportfolios im Bereich der Medizintechnik und Patientenversorgung engagiert.

Hier ist beispielsweise die Produktion von Desinfektionsmitteln zu nennen, die seit Pandemiebeginn verstärkte mediale Berichterstattung erfuhr. Unternehmen aus Chemie und Pharma haben schnell begonnen, Desinfektionsmittel für medizinische Bedarfe freizugeben oder ihre Produktion auf die Herstellung von desinfizierenden Lösungen umzustellen.


Ein Blick in die Mitgliedschaft


So spendete beispielsweise Merck im März 50.000 Liter Desinfektionsmittel und 40.000 FFP2-Schutzmasken an die Stadt Darmstadt. Im Mai legte der Konzern noch einmal nach und kündigte an, dem Gesundheitswesen in Deutschland, Frankreich und den USA zwei Millionen FFP2-Atemschutzmasken zur Verfügung zu stellen.


Auch der Geschäftsbereich Merck Performance Materials engagiert sich am Standort im Wiesbadener Industriepark Kalle-Albert und produziert in Kooperation mit dem Sekthersteller Henkell Freixenet Desinfektionsmittel, die Wiesbadener Krankenhäusern kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Innerhalb der Kooperation stellte Henkell Freixenet den benötigten reinen Alkohol zur Verfügung, während Merck für die Weiterverarbeitung zu rund 45.000 Litern Desinfektionsmittel sorgte. Hierfür wurde eine Anlage umfunktioniert, in der normalerweise hochreine Produkte für die Halbleiterindustrie hergestellt werden. Unterstützt wird der Zusammenschluss der beiden Unternehmen durch die InfraServ Werkfeuerwehr des Industrieparks Kalle-Albert, die mit eigener Personal- und Fahrzeuglogistik bei der Auslieferung der Desinfektionslösung an die Gesundheitseinrichtungen unterstützt.

Neben dem Darmstädter Unternehmen beteiligen sich u.a. auch die Konzerne Evonik und Procter & Gamble an den unmittelbaren Coronahilfen.


So spendet Evonik am Hanauer Standort rund 1.400 Liter an das Rote Kreuz, der US-Konzern Procter & Gamble mit Sitz in Schwalbach stellte Sachspenden in Höhe von rund 10 Millionen US-Dollar zur Verfügung, darunter Haushaltsreiniger, Spülmittel, Windeln sowie Desinfektionsmittel. Zudem leistet das Unternehmen finanzielle Unterstützung für Menschen und Familien in Not und baut neue Produktionskapazitäten zur Herstellung von Mundschutzen auf.

Doch nicht nur Großkonzerne helfen in Zeiten der Krise, auch der Mittelstand spendet Schutzausrüstung und hat seine Produktion um die Herstellung von Desinfektionslösungen erweitert.


Beispielsweise unterstützt die Firma Kettenbach mit einer Spende an Handdesinfektionsmitteln die Feuerwehren von Eschenburg.  Auch Unternehmen der Lackherstellung beteiligen sich an der Produktion. So hat die Ernst Diegel GmbH ihre Produktion für die Herstellung von Desinfektionsmitteln angepasst und unterstützt die Stadt Alsfeld mit einer Spende, die dem lokalen Einzelhandel und Arztpraxen zugute kommt.  In Offenbach gibt die Alfred Clouth Lackfabrik ihre Desinfektionslösungen zum Selbstkostenpreis an die Stadt Neu-Isenburg ab, welche an die Feuerwehr und Polizei, öffentliche Verkehrsmittel sowie an die Stadtverwaltungen verteilt werden.


Um ihren langjährigen Kunden durch die Krise zu helfen, hat auch die Chemische Fabrik Kreussler mit Sitz in Wiesbaden die Produktion von Handdesinfektionsmitteln aufgenommen. Aufgrund der derzeit hohen Nachfrage war hierbei die Beschaffung von geeigneten Behältern zur Abfüllung besonders herausfordernd. Durch seine Produktion von desinfizierenden Waschmitteln trägt das Unternehmen zusätzlich zur Bekämpfung des Coronavirus bei. So werden mit Kreusslers Waschmitteln beispielsweise OP-Kleidung, Bettwäsche und medizinische Berufskleidung desinfizierend gewaschen, was zur Sicherheit von Ärzten, Patienten und Pflegepersonal in Zeiten der Krise beiträgt.


Neben den unmittelbaren Hilfen an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln richtet sich die Branche mit dem Arbeitsschutz der eigenen Mitarbeiter in den kommenden Wochen auf eine „neue Normalität“ ein. Diese wird geprägt sein durch Abstandsregelungen, Maskenpflicht und digitale Lösungen, sei es im Homeoffice, Onlinekonferenzen und –Schulungen. Neben dem Mitarbeiterschutz sind hierbei die Aufrechterhaltung der Produktion sowie die Impfstoffsuche oberste Ziele, damit lebensnotwendige Arzneien weiterhin verfügbar bleiben und schnellstmöglich ein Ausweg aus der Krise gefunden werden kann. Hierfür hat die hessische Chemie- und Pharmaindustrie bereits jetzt hohe Investitionen getätigt, um bestehende Produktionsanlagen für die Herstellung von Impfstoffen umzurüsten.


Die hier angeführten Unternehmensbeispiele stellen einen exemplarischen Ausschnitt des Engagements unserer Mitgliedschaft dar und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Sie möchten uns von Ihrem Engagement berichten? Senden Sie uns gerne Ihre Geschichte an kirschner@hessenchemie.de zu, wir nehmen diese gerne auf!