Drei Fragen an Francesco Grioli

Am 17. Oktober 2019 finden im Kurhaus Wiesbaden die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Neue Wege der Fachkräftesicherung – Vorsprung für attraktive Arbeitgeber“ diskutieren wir mit Experten aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaft und Verbänden darüber, wie sich Unternehmen heute aufstellen müssen, um die passenden Talente für morgen zu finden. Im Vorfeld der Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik geben die Experten mit der Serie „Drei Fragen an…“ einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages. Dieses Mal haben wir Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, gefragt. Er wird im Rahmen der Wiesbadener Gespräche gemeinsam mit HessenChemie-Hauptgeschäftsführer Dirk Meyer über „moderne Arbeitswelten aus Sicht der Chemie-Sozialpartner“ sprechen. (Hier geht’s zur Anmeldung…)

Herr Grioli, wo sehen Sie die größten Herausforderungen im Bereich der Fachkräftesicherung?

Die demografische Entwicklung bleibt nach wie vor eine der größten Herausforderungen. Immer weniger Absolventen und Berufseinsteiger stehen zur Verfügung. Diese für die chemische Industrie zu gewinnen und sie langfristig zu binden, das ist eine zentrale Herausforderung. Darüber hinaus verändern sich auch in der chemischen Industrie die Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen. Um bei den Beschäftigten im Laufe der Zeit keinen zu „verlieren“ und „abzuhängen“ sind die Herausforderungen für Weiterbildungsthemen ganz entscheidend. Die Herausforderung ist es in diesem Zusammenhang auch, zu berücksichtigen, dass Beschäftigte bis zum Renteneintritt deutlich länger im Betrieb bleiben.

Fachkräftesicherung hat deshalb nicht „nur“ damit zu tun, neue Beschäftigte zu gewinnen, sondern auch damit, über alle Altersgruppen hinweg die Qualifikation und Kompetenzen der Beschäftigten zu sichern. Und die Arbeit so zu gestalten, dass auch das Erfahrungswissen mit eingebracht und genutzt werden kann.

Wo sind wir gut, wo müssen wir als Branche besser werden?

Die Bedeutung der dualen Ausbildung und die Abstimmung der Berufsbilder in unserer Branche, da sind wir seit langer Zeit in enger und guter Abstimmung. Das muss so bleiben. In puncto Weiterbildung sind wir auch schon länger im Gespräch und haben neben tarifvertraglichen Regelungen und einer gemeinsamen Weiterbildungsstiftung schon einiges gemeinsam unternommen.

Vor dem Hintergrund der sich beschleunigenden Veränderungen in der Arbeitswelt hat das Thema Weiterbildung aber eine neue Dimension erreicht, der wir mit konkreteren und wirksamen Maßnahmen für mehr Weiterbildung und Qualifizierung begegnen müssen.

Da müssen wir jetzt konkrete Maßnahmen im Betrieb und Ansprüche für die Beschäftigten auf den Weg bringen. Das muss ein wesentlicher Beitrag zur Fachkräftesicherung werden. Fachkräftesicherung hat aber auch etwas mit der Attraktivität der Branche insgesamt zu tun. Das hat zum einen etwas mit Arbeitsbedingungen zu tun, aber auch wesentlich mit der Attraktivität der Branche innerhalb der Gesellschaft. Die chemische Industrie darf nicht als „böse“ abgestempelt werden. Dagegen haben wir mit der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 schon etwas gemeinsam unternommen. Die chemische Industrie wird als ein wesentlicher Impulsgeber, auch für neue umweltfreundliche Verfahren und umweltfreundliche Stoffe, für einen Green Deal, zwingend gebraucht. Ohne die chemische Industrie wird es keinen wesentlichen Fortschritt in der ökologischen Frage geben. Das deutlich zu machen, gerade in den Debatten um Industrie und Ökologie, ist wichtig. Da müssen wir als Branche nach außen noch lauter werden.

Was können die Sozialpartner dazu beitragen?

Gute tarifvertragliche Regelungen zählen zu den wesentlichen Themen. Dazu ein deutliches Signal an die Beschäftigten und die Branche, dass Beschäftigte wertgeschätzt werden und die Unternehmenskultur diese Werte widerspiegelt. Können sich Beschäftigte auf ihren Arbeitgeber bzw. ihre Führungskräfte verlassen, sind sie innovativer, offener für Veränderungen und bleiben länger im Unternehmen. Eine positive Unternehmenskultur ist ein Aushängeschild für die Branche aus Beschäftigtensicht.

Als Sozialpartner müssen wir darüber hinaus immer wieder Orte finden, die wesentlichen Themen und Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren und nach konkreten Gestaltungsideen zu suchen. Wie wir das aktuell auch im Rahmen des work@industry-Prozesses gerade wieder machen. Dabei ist aber entscheidend, dass wir mit unseren Zielen und Themen im Betrieb wahrgenommen werden und sichtbar Arbeit weiterentwickeln. Gute Arbeitsbedingungen überzeugen Fachkräfte am meisten.

Vielen Dank für das Gespräch!


Über Francesco Grioli

Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE.
Foto: Helge Krückeberg

  • Am 22. April 1972 in Kelkheim im Taunus geboren.
  • Nach dem Besuch der Realschule von 1982 bis 1989 Ausbildung zum Energieelektroniker bei der Hoechst AG im Werk Höchst.
  • Seit 1989 Mitglied der IG Chemie-Papier-Keramik. Von 1993 bis 1997 Vorsitzender der Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung und Mitglied des Betriebsrates der Hoechst AG, anschließend bis 1998 Mitglied des Betriebsrats der Clariant GmbH.
  • Seit 1998 Ausbildung zum Gewerkschaftssekretär in der IG BCE an verschiedenen Standorten; 1999 bis 2001 hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär im Landesbezirk Hessen/Thüringen; 2001 bis 2007 Leiter der Abteilung Jugend der IG BCE und Geschäftsführer der Fejo GmbH (Tochtergesellschaft der IG BCE zur Förderung sozialer Jugendeinrichtungen); 2007 bis 2009 Leiter der Abteilung Betriebsräte; 2009 bis 2013 Vorstandssekretär im Vorstandsbereich Tarifpolitik / Finanzen; seit 2013 Leiter des Landesbezirkes Rheinland-Pfalz/Saarland der IG BCE.
  • Seit dem Sechsten Ordentlichen Gewerkschaftskongress der IG BCE 2017 ist Francesco Grioli Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes.
  • Er ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Gerresheimer AG und Mitglied im Aufsichtsrat der Continental AG.
  • Seit 1988 Mitglied der SPD.
  • Francesco Grioli ist italienischer Staatsbürger und verheiratet.

Zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik

Neue Wege der Fachkräftesicherung – Vorsprung für attraktive Arbeitgeber

Die Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik finden seit 2005 regelmäßig im Kurhaus Wiesbaden statt. Veranstalter ist der Arbeitgeberverband HessenChemie. Die Wiesbadener Gespräche greifen aktuelle Themen auf, die sich in den für die Mitgliedsunternehmen des Verbandes wichtigen Fragen der Sozialpolitik widerspiegeln und eine gesamtgesellschaftliche Relevanz haben. In diesem Jahr steht das Thema Fachkräftesicherung im Mittelpunkt. Hier geht’s zur Anmeldung



13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik: Neue Wege der Fachkräftesicherung

Seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik: Norbert Lehmann vom ZDF (Foto: HessenChemie)

Im ZDF präsentiert er unter anderem den Sportblock in den „heute“-Nachrichten um 19:00 Uhr und ist bekannt aus Sondersendungen zu top-aktuellen Ereignissen sowie „ZDFroyal“-Übertragungen. Für den Arbeitgeberverband HessenChemie übernimmt er seit vielen Jahren die Moderation der Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik, die alle zwei Jahre im Kurhaus Wiesbaden stattfinden.

Am 17. Oktober 2019 ist es wieder soweit. Pressesprecher Jürgen Funk traf den bekannten Fernsehjournalisten Norbert Lehmann bereits Anfang des Jahres um mit ihm das diesjährige Thema zu besprechen. Worum geht es?

 

Megatrend und Dauerthema: Fachkräftesicherung

Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: Die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik bieten zahlreiche Impulse und Praxisbeispiele zum Thema Fachkräftesicherung. (Foto: istockphoto)

Digitalisierung, demografische Entwicklung und Wertewandel: Der Fachkräftemangel in Deutschland wird durch viele Faktoren beeinflusst und stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Wie findet man auch in Zukunft qualifizierte und motivierte

Mitarbeiter, wie bindet man sie und wie kann eine auf die Arbeitswelt von morgen ausgerichtete Personalentwicklung aussehen? Der Wettbewerb um die klugen Köpfe nimmt zu. Unternehmen müssen daher Bewährtes optimieren, aber auch gleichzeitig neue Wege gehen. Lehman meint dazu: „Auch diesmal greift HessenChemie wieder ein Thema auf, das die Unternehmen beschäftigt. Die Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik sind auch für mich als Moderator immer ein Highlight in meinem Kalender.“ Das Thema sei aus seiner Sicht sehr aktuell und für die Unternehmen relevant: „Jeder, der teilnimmt, wird neue Impulse zur Fachkräftegewinnung und -sicherung bekommen, die er für seine Arbeit gebrauchen kann“, ist er überzeugt.

Die Themen reichen von der strategischen Personalplanung über die Gewinnung und Bindung von High Potentials bis zur Arbeitgeberattraktivität im Mittelstand. In einem „Parcours der Möglichkeiten“ stellen zudem verschiedene Dienstleister ihre Angebote vor. Es lohnt sich also sich den 17. Oktober 2019, von 12:00 bis 18:00 Uhr im Kalender vorzumerken. Dann besteht wieder die Gelegenheit, sich mit Vertretern aus Mitgliedsunternehmen, Politik und Verbänden zu treffen und auszutauschen und Anregungen für die betriebliche Praxis mitzunehmen. Norbert Lehmann wird unter anderem drei ganz verschiedene Praxisbeispiele vorstellen, über die im Laufe des Jahres auch Filmbeiträge produziert werden.

Zur Veranstaltung anmelden kann man sich bereits jetzt im HessenChemie-Veranstaltungskalender…


Schöne neue Welt? Berufsbildung in Zeiten der Digitalisierung

3 Fragen – 3 Antworten zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser über Berufsbildung in Zeiten der Digitalisierung

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser über Berufsbildung in Zeiten der Digitalisierung

Am 24. Oktober 2017 finden im Kurhaus Wiesbaden die 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Vernetzt. Gehetzt? Wertgeschätzt! – Anforderungen an die Arbeit in der digitalisierten Industrie“ diskutieren wir mit Experten aus Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaft und Verbänden über die Herausforderungen und Anforderungen der Digitalisierung an die Arbeitswelt von morgen. Die Experten aus dem Bereich der Wissenschaft geben uns im Vorfeld in der Serie „Drei Fragen an…“ einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages.

Aus der Backstube in den Hörsaal: Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser ist gelernter Bäckergeselle und hat über den „zweiten Bildungsweg“ sein Abitur gemacht. Anschließend absolvierte er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften sowie Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik. 1989 begann Esser schließlich seine akademische Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeit am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpädagogik an der Universität zu Köln, wechselte zum Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln (FBH) und war Leiter der Abteilung „Berufliche Bildung“ beim Zentralverband des Deutschen Handwerks bis er 2011 das Amt des Präsidenten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn übernommen hat. Sein Forschungs- und Arbeitsschwerpunkt ist vor allem die Berufs- und Qualifikationsforschung. Seine Kenntnisse als Berufsbildungsexperte waren immer wieder in zahlreichen Gremien und Ausschüssen gefragt. Bei den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik wird Prof. Esser darüber sprechen, warum die Digitalisierung in der Bildung ein wichtiges Thema ist.

Drei Fragen an…

HessenChemie: Warum ist das Thema „Digitalisierung in der Bildung“ so wichtig?

Prof. Esser: Wir erkennen, dass sich in den kommenden Jahren der Fachkräfte- und Qualifikationsbedarf noch deutlicher ändern wird als bislang: Es wird ein Bedarfszuwachs bei den IT-Kernberufen und bei den IT-Mischberufen erwartet. Ferner zeichnet sich ein Strukturwandel hin zu mehr Dienstleistungen ab. Für das Berufsbildungssystem ist die Digitalisierung Herausforderung und Chance für den Nachweis, wie gut es mit diesen Veränderungen umgehen kann. Die Nähe der Berufsbildung zu Arbeits- und Geschäftsprozessen ist ein entscheidender Vorteil gegenüber vollzeitschulischen und akademischen Bildungsgängen. Auf sehr kurzen Wegen lässt sich hier nicht nur der Bedarf bestimmen, sondern auch Bildung realisieren.

 

HessenChemie: Entstehen im Zuge der Digitalisierung bereits neue Berufsbilder?

Prof. Esser: Ausbildungsberufe resultieren aus Abstimmungsprozessen zwischen den Sozialpartnern, Bund und Ländern. Das BIBB moderiert und unterstützt diese Prozesse. Die Diskussion über neue Berufe betrifft derzeit zumal die Schnittstellen zwischen vorhandenen Berufsprofilen, zum Beispiel bei den IT-, Elektro- und Metallberufen. Hier laufen unsererseits Voruntersuchungen, wie Berufsprofile eventuell neu zu schneiden oder weiterzuentwickeln sind. Auch die Schnittstellen zwischen Aus- und Weiterbildung gilt es zu neu zu gestalten, etwa bei Spezialisierungen. Und schließlich bleibt die künftige Gestaltung von Abschlussprüfungen ein Dauerthema.

 

HessenChemie: Inwiefern ändern sich die Anforderungen an das Ausbildungspersonal?

Prof. Esser: Auszubildende, Beschäftigte und das Ausbildungspersonal müssen für das mediengestützte Lernen und Lehren geschult werden. Gerade das Ausbildungspersonal braucht in seiner neuen Rolle als Lehr- und Lernbegleiter Weiterbildung. Die Ausbilderinnen und Ausbilder sind in den Betrieben für das Lernen und Handeln in einer digitalisierten Arbeitswelt die zentrale Zielgruppe. Deshalb sind IT- und medienpädagogische Kompetenzen zu stärken und passende Qualifizierungsangebote zu entwickeln. Künftig können zum Beispiel Wikis, Blogs, Apps und Erklärvideos Inhalte vermitteln. Denn Lernen und Lehren werden immer individueller und mobiler.

Mehr zur Serie „Drei Fragen an…“

Drei Fragen an Prof. Dr. Jan Marco Leimester lesen Sie hier…

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.


Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik: Drei Fragen an Prof. Dr. Jan Marco Leimeister

3 Fragen – 3 Antworten zu den Wiesbadener Gesprächen

Prof. Dr. Jan Marco Leimeister über Anforderungen an Management und Belegschaft in Zeiten der Digitalisierung.

Am 24. Oktober 2017 finden im Kurhaus Wiesbaden die 12. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Vernetzt. Gehetzt? Wertgeschätzt! – Anforderungen an die Arbeit in der digitalisierten Industrie“ diskutieren wir mit Experten aus Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaft und Verbänden über die Herausforderungen und Anforderungen der Digitalisierung an die Arbeitswelt. Die Experten aus dem Bereich der Wissenschaft geben uns im Vorfeld in der Serie „Drei Fragen an…“ einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages. Den Auftakt macht Prof. Dr. Jan Marco Leimeister.

Prof. Dr. Jan Marco Leimeister ist aktuell Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik an den Universitäten St. Gallen und Kassel. Das Handelsblatt sieht den 43-Jährigen unter den Top 5 der Wirtschaftsinformatik-Professoren. Über 250 nationale und internationale Fachpublikationen, Studien und Bücher hat er veröffentlicht. Leimeister forscht intensiv über Gestaltung, Einführung und Management von IT-gestützten Organisationsformen und Innovationen. Bei den 12. Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik wird er über digitale Transformationen und deren Herausforderungen an Mitarbeiter und Management sprechen.

Drei Fragen an…

HessenChemie: Welche Herausforderungen kommen auf Management und Belegschaft angesichts der digitalen Transformation und der digitalen Arbeit zu?

Prof. Leimeister: Unternehmen, Geschäftsmodell(e), Belegschaft, Unternehmenskultur, Management und Arbeitsorganisation müssen zwingend „fit“ für die digitale Transformation gemacht werden. Es gilt neue Arbeits-, Führungs- und Zusammenarbeitsformen zu verstehen und sich – wo immer nützlich – zu eigen zu machen. Sich trauen, Neues auszuprobieren, ohne das Bewährte gleich über Bord zu werfen, wird immer wichtiger.

 

HessenChemie: Worauf müssen/sollten sich Unternehmen vorbereiten?

Prof. Leimeister: Wettbewerbsintensität, Dynamik, Volatilität und Komplexität steigen. Viele Märkte werden komplett umgekrempelt, neue entstehen, bestehende verschwinden. Dies hat Auswirkungen sowohl auf Prozesse als auch Produkte und Services. Es gilt der Satz „Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert“.

 

HessenChemie: Wie sollten Mitarbeiter in den Digitalisierungsprozess eingebunden werden?

Prof. Leimeister: Gemeinsam geht’s besser – Management und Belegschaft können gemeinsam neue Wege zusammenzuarbeiten erlernen und in geschützten Bereichen verproben – um Innovationskraft, Agilität, Flexibilität und Wettbewerbskraft zu stärken.

Zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik

Die Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik finden seit 2005 regelmäßig im Kurhaus Wiesbaden statt. Veranstalter ist der Arbeitgeberverband HessenChemie. Die Wiesbadener Gespräche greifen aktuelle Themen auf, die sich in den für die Mitgliedsunternehmen des Verbandes wichtigen Fragen der Sozialpolitik widerspiegeln und eine gesamtgesellschaftliche Relevanz haben. Dabei werden die aufgerufenen Themen gemeinsam mit Experten aus Unternehmen, Gewerkschaft, Wissenschaft, Politik und Medien diskutiert. Zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik wird stets ein Tagungsband oder eine Studie mit weiterführenden Beiträgen und Informationen zum Thema der Veranstaltung veröffentlicht. Weitere Infos und Anmeldung…

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig und schrieb Artikel für ein Mitgliedermagazin. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.