„Wenn man Ehrgeiz hat und etwas erreichen will, schafft man alles im Leben“

Ein Satz wie dieser zeugt von Optimismus und lässt eine erfolgreiche Karriere vermuten. Und es stimmt: Yildiz Aysu, Assistentin des Vertriebsleiter von InfraServ Technik stehen nach ihrer erfolgreichen Ausbildung alle Türen offen – doch das war nicht immer so. Welche Hürden sie auf ihrem beruflichen Weg überwinden musste und wie sie es letztendlich durch JOBLINGE geschafft hat, erzählte sie im Interview.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Die Initiative JOBLINGE unterstützt Jugendliche mit schweren Startbedingungen dabei, eine Ausbildungsstelle zu finden. Quelle: JOBLINGE.

Aysu wurde in der Hauptstadt der Türkei, Istanbul, geboren und zog mit 8 Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. In der Schule war sie immer gut, sogar eine der besten. Und so entschloss sie sich, nach ihrem erfolgreichen Realschulabschluss, auch noch das Abitur zu machen. Gemeinsam mit ihren besten Freundinnen stellte sie sich dieser Herausforderung. Doch als ihre Freundinnen kurz vor dem Abschluss in der 12. Klasse die Schule abbrachen, warf auch Aysu alles hin. Auf der Suche nach einer Ausbildung, aber ohne klare Vorstellung davon, welcher Beruf für sie geeignet ist, schrieb sie über 70 Bewerbungen. Oft wurde sie auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – doch für eine Zusage hat es nie gereicht.

„Es ging bei mir (in der Schule) immer bergauf, bis ich das Abitur abgebrochen habe. Auf einmal ging alles bergab“, beschreibt Aysu ihre Situation.

Zwar hatte sie die Möglichkeit im Unternehmen der Familie in der Türkei zu arbeiten, aber sie wollte durch eigene Leistung in Deutschland eine Ausbildungsstelle finden. Verzweifelt und entmutigt wendete sie sich an das Arbeitsamt in Rüsselsheim, wo man ihr die Initiative JOBLINGE empfahl. Das war der Wendepunkt.

Dort musste sie in der Bewerbungsphase zuerst ihre Motivation unter Beweis stellen, indem sie zwei Wochen lang gemeinnützige Arbeit in einer Grundschule leistete. Darauf folgten Orientierungs- und Praxisphasen, in der sie zum einen soziale und fachliche Kompetenzen im JOBLINGE Team lernte und zum anderen durch kleine Praktika erste Berufserfahrung sammelte. Die gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer half ihr dabei und gab ihr zunehmend mehr Selbstbewusstsein.

Für ihr sechs monatiges Praktikum im Rahmen des StartPlus-Programmes der Chemiearbeitgeber bewarb sie sich schließlich bei InfraServ in Wiesbaden: „Da zur Zeit der Ausschreibung nur naturwissenschaftliche und technische Ausbildungsberufe angezeigt wurden, bewarb ich mich als Chemikantin. Bei meinem Vorstellungsgespräch empfahl man mir aber die Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement. Denn in meinem Einstellungstest merkte man, dass dieser Beruf viel besser zu mir und meinen Fähigkeiten passt.“

Und so war es auch: Nach dem erfolgreichen Praktikum, fing sie die 3-jährige Ausbildung an. Anfang 2017 schloss sie diese vorzeitig nach 2,5 Jahren erfolgreich ab. Heute ist sie 23 Jahre alt und arbeitet als Assistentin des Vertriebsleiters beim Industrieparkbetreiber InfraServ Technik im Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden. Mit ihrem neuen Job ist sie sehr zufrieden und vor allem der häufige Kundenkontakt im Vertriebsinnendienst macht ihr Spaß. Angespornt durch die guten Noten und immer anspruchsvolleren Aufgaben im Job hat sie bereits ein neues Ziel: ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre gemeinsam mit InfraServ.

In der schweren Zeit zwischen Schulabbruch und JOBLINGE war ihr die Unterstützung ihrer Familie sehr wichtig:

„Jetzt sind sie aber umso glücklicher und sehr stolz auf mich. Wenn ich ihnen heute von meinem Job und meinen Plänen erzähle, dann sind sie begeistert!“

Die Initiative JOBLINGE würde sie immer weiterempfehlen, da sie dort sehr viel gelernt hat und gut unterstützt wurde. Das Team nahm sich viel Zeit für sie und das hat nach und nach ihre eigene Denkweise geändert. Zum Abschluss des Interviews wollte sie aber eines klarstellen: „Bei den JOBLINGEN mitzumachen heißt nicht, dass man ein schlechterer Mensch ist oder nichts kann. Manchmal hat man einfach Pech im Leben und braucht ein wenig Unterstützung. Hat man erstmal seinen Weg gefunden, kann man dann auch der Beste werden.“

 

Giulia BaGiulia Bachmann, Trainee HessenChemie chmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie


Geschafft! Mit den JOBLINGEN und dem StartPlus-Programm zur Ausbildung

Es ist Mittwoch 17:00 Uhr und wir treffen uns zum Abschlussgespräch im Büro der JOBLINGE gAG in Wiesbaden. Wir, das sind mein Mentee Mühcahit, Duygu Cakir von den JOBLINGEN und ich. Der gerade unterschriebene Ausbildungsvertrag liegt auf dem Tisch und ich gratuliere Mühcahid zu dem Erreichten. Ich glaube, er ist sehr stolz auf dieses wichtige Etappenziel. Es war ihm sehr wichtig, dass wir uns noch einmal nach der Vertragsunterzeichnung treffen.

Jürgen Funk, HessenChemie mit Mühcahit , Mentee JoblingeAls wir uns vor etwa einem dreiviertel Jahr im Galli-Theater beim sogenannten „Matching“ (Jobling trifft seinen Mentor) kennengelernt haben, war mir bereits klar geworden, dass Mühcahid ein klares Ziel vor Augen hat: Er will einen technischen Beruf erlernen. Zuvor hatte er eine kaufmännische Ausbildung abgebrochen. Die passe einfach nicht zu ihm, sagte er. Ich hörte aus seinen Worten heraus, dass er sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hatte. Seine Chefin zeigte aber Verständnis und wünschte ihm alles Gute. Trotzdem stand natürlich die Frage im Raum, wie es jetzt weiter gehen soll.

Durch das Jobcenter wurde Mühcahit auf die JOBLINGE aufmerksam. Hier können junge Menschen ihre Fähigkeiten in der Praxis unter Beweis stellen – jenseits von Schulnoten und klassischen Bewerbungsgesprächen. In einem mehrmonatigen Programm erlernen sie „on the Job“ wichtige Schlüsselqualifikationen, trainieren soziale Kompetenzen und erarbeiten sich ihren Ausbildungsplatz. Unterstützt werden sie dabei von JOBLINGE-Mitarbeitern, wie zum Beispiel von Duygu Cakir und Mentoren wie mir.

Ich empfahl Mühcahit von Anfang an einen Ausbildungsplatz im Bildungszentrum der InfraServ GmbH & Co. KG. Das Bildungszentrum des Industrieparks bildet im Verbund mit den am Standort angesiedelten Industrieunternehmen aus und bietet jungen Menschen, die den Übergang von der Schule in den Beruf noch nicht geschafft haben, mit dem sogenannten „StartPlus-Programm“ einen Einstieg an.

„StartPlus“ zielt auf die organisatorische und finanzielle Unterstützung speziell kleinerer und mittlerer Betriebe (bis 750 Beschäftigte) ab, die eine umfassende (sozial-) pädagogische Betreuung der Jugendlichen nicht selbst leisten können. Die konkrete Ausgestaltung orientiert sich an den betrieblichen Gegebenheiten sowie den Bedürfnissen der Jugendlichen. Grundsätzlich dient das Programm als eine Vorbereitung auf die zukünftige Ausbildung.

Zunächst wählt das Unternehmen mit Unterstützung der JOBLINGE die teilnehmenden Jugendlichen aus. Die Initiative und der Betrieb arbeiten bei der konkreten Ausgestaltung des Programms eng zusammen. Die Teilnehmer werden während der betrieblichen Phasen eng in die verschiedenen Abläufe vor Ort eingebunden. Ergänzt werden die praktischen Aktivitäten durch eine Betreuung der Ausbilder vor Ort, durch Lehrer im begleitenden schulischen Unterricht und durch die sozialpädagogische Betreuung der JOBLINGE gAG.

Auf schriftlichen Antrag des Unternehmens unterstützt der Unterstützungsverein der Chemischen Industrie (UCI) die Teilnehmer einer Maßnahme mit monatlich bis zu 450,- Euro als Zuschuss zum Lebensunterhalt. Der Arbeitgeber bezahlt lediglich den AG-Anteil der SV-Beiträge (ca. 80,- Euro/Monat). Das Unternehmen hat keinen Aufwand für Marketing, Bewerbervorauswahl, Organisation und Planung des Programms „StartPlus“. Hierdurch wird die Schwelle zum Einstieg auch für kleine und mittelständische Unternehmen deutlich herabgesetzt.

Mühcahid musste im Unternehmen überzeugen. Durch seine anpackende Art, aber auch seine sozialen Kompetenzen. Die Zusage für einen Ausbildungsplatz hat er am Ende regelrecht herbeigesehnt. Als Mentor bin ich wirklich sehr froh, dass er nun zum 1. September eine Ausbildung als Industriemechaniker beginnen kann. Dreieinhalb spannende Ausbildungsjahre liegen jetzt vor ihm. Ich hoffe, dass alles gut wird und er sich seinen Traum erfüllen kann: Eine gute und sichere Zukunft mit einem technischen Ausbildungsberuf. Wenn er möchte, stehe ich ihm auch weiterhin als Ratgeber zur Verfügung.

Autor dieses Beitrages

Jürgen Funk, HessenChemieJürgen Funk ist Diplom-Pädagoge und seit Januar 2012 Geschäftsführer Verbandskommunikation und Bildungspolitik. Er verfügt über eine 20-jährige Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, Unternehmen und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, Unternehmen und Bundeswehr. Jürgen Funk ist Prüfer der Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der
deutschen Kommunikationswirtschaft (PZOK). Er ist verheiratet und hat drei Kinder.