Netzwerke für Nachhaltigkeit brauchen starke Partner

Beim „Netzwerken“ geht es nicht darum, flüchtige Verbindungen herzustellen, sondern handfeste Kooperation zu schaffen. Dies gilt ganz besonders für tiefgreifende Transformationen, die alle gesellschaftlichen Teilsysteme betreffen. Das Thema „Nachhaltigkeit“ berührt Politik, Gesellschaft und Industrie. Um die komplexe Herausforderung „Nachhaltigkeit“ zu bewältigen, müssen die Akteure über die Grenzen von Organisationen und Institutionen miteinander vernetzt werden. In Zeiten von Social Media mag „Vernetzung“ geradezu spielerisch klingen, doch für eine gelungene Zusammenarbeit müssen die richtigen Partner zueinander finden. Wo finden Start-ups aus dem Cleantech-Bereich geeignete Mentoren für den Schritt in den Markt? Wo können Fachleute weitergebildet werden und ihre Kenntnisse in andere Organisationen einbringen? Wo wird Know-how aus Wirtschaft und Gesellschaft gebündelt, um soziale Innovationsprozesse zu beschleunigen? Eine greifbare Antwort bietet die europäische Wissens- und Innovationsgemeinschaft „Climate-KIC“.

Wissens- und Innovationsgemeinschaft „Climate-KIC“

Das von der EU geförderte „Climate-KIC“ (Knowledge and Innovation Community) ist die größte öffentlich-private Partnerschaft zur Entwicklung von Innovationen gegen den Klimawandel. In Hessen betreut die Provadis Hochschule die Projekte auf den drei Handlungsfeldern Unternehmertum, Bildung und Innovation. Die Provadis Hochschule mit Sitz am Industriepark Höchst hilft Unternehmern, umweltfreundliche Geschäftsideen zu entwickeln, sie bietet berufsbezogene Qualifikation an und bündelt Know-how aus Wissenschaft und industrieller Forschung. Doch der Reihe nach: Der „Market Accelerator“ unterstützt Start-ups und ermöglicht Unternehmensgründern, eine umweltfreundliche Geschäftsidee zu entwickeln und damit schnell auch ausländische Märkte zu erschließen. Möglich machen dies starke Partner. Das europaweite Programm eröffnet den Zugang zu einer attraktiven Cleantech-Community. Vernetzung bedeutet hier auch zielgerichtete Unterstützung durch individuelles Coaching und Mentoring.

Europaweite Kooperationen für Innovation und Nachhaltigkeit

Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft verbindet die Provadis Hochschule mit ihren Climate-KIC Aktivitäten in verschiedenen Bildungsprojekten: Das Spektrum reicht hier von der konkreten, berufsbezogenen Qualifizierung zum CO2-Fussabdruck sowie zur Erarbeitung von Klimastrategien für die Chemieindustrie bis hin zu Doktorandensommerschulen. Schon im dritten Jahr hat die Provadis Hochschule – in Kooperation mit der TU Darmstadt, der Goethe Universität und der Stadt Frankfurt – die Climate-KIC Doktorandensommerschule ausgerichtet. Im Jahr 2015 stand die Frage im Vordergrund, inwiefern die Stadt Frankfurt als „Innovation Lab“ für eine nachhaltige Wirtschaft agieren kann (Ergebnisse stehen unter http://ckic-phd-ffm.net/). In allen Fällen nutzt die Provadis Hochschule Erkenntnisse der Transformations-Theorie, um den sozialen Innovationsprozess hin zu einer nachhaltigen und kohlenstoffarmen Gesellschaft zu beschleunigen. Dabei ist es immer das Ziel, ökonomischen und ökologischen Erfolg möglichst gleichzeitig zu erzielen. Damit das alles wie beschrieben funktionieren kann, gilt zusammenfassend: Für eine gelungene Zusammenarbeit müssen die richtigen Partner an einen Tisch gebracht werden. Die starke Wissens- und Innovationsgemeinschaft „Climate-KIC“ ist das passende Netzwerk, um das komplexe Thema „Nachhaltigkeit“ gezielt voranzutreiben.

 

Prof. Dr. Hannes Utikal, Vizepräsident der Provadis Hochschule / Bild: Provadis

Prof. Dr. Hannes Utikal /
Bild: Provadis

Prof. Dr. Hannes Utikal ist Vizepräsident und Dozent im Fachbereich Betriebswirtschaftslehre an der Provadis Hochschule in Frankfurt am Main.

 


Dialog auf Augenhöhe – Einsichten eines Jugendworkshops

Dialog auf Augenhöhe war ein Schlagwort in den Diskussionen der jungen Nachhaltigkeits-Experten am Tag vor der großen Dialog-Veranstaltung der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³. Am Mittag des dritten Novembers trafen die jungen Experten ein: einige Teilnehmer arbeiten in Unternehmen der Chemie-Branche oder sind in der Gewerkschaft aktiv. Andere junge Experten kam von außen: aus Umweltverbänden, studentischen Gruppen, die sich mit nachhaltigem Wirtschaften und Wirtschaftsethik beschäftigen oder sind in Jugendverbänden mit einer nachhaltigen Entiwcklung auseinandersetzen. Auch ich war dabei, um mitzudiskutieren – im Rahmen des Jugendworkshops und der Veranstaltung am folgenden Tag unter dem Motto „Zuhören. Verstehen. Handeln – Chemie³ im Dialog“ am dritten und vierten November in Berlin.

Einen halben Tag nahmen sich die Vertreter der Allianzpartner von BAVC, IG BCE und VCI, um vor der großen Dialog-Veranstaltung intensiv mit Vertretern der sogenannten Generation Y, den Millenials oder wie auch immer man diese Generation beschreiben möchte, über Nachhaltigkeit und die Aktivitäten der Branche für eine nachhaltige Entwicklung zu diskutieren. Am Ende des Tages sollten wir 3 Hoffnungen und 3 Sorgen formulieren, die im Rahmen einer Podiumsdiskussion der jungen Experten mit den Themenpaten der Workshops für die große Veranstaltung diskutiert werden sollten.

Doch erst einmal stellten sich die Teilnehmer vor, sagten was ihnen wichtig ist und was sie in die Dikussion einbringen. Schnell entwickelte sich eine Diskussion, die noch Tage hätte weitergehen können. Ein Thema tauchte immer wieder auf: der Dialog und dass dieser eine gemeinsame Sprache benötige. Der Austausch endet nicht mit der Veröffentlichung von schönen Broschüren. Dies sei erst der Beginn – so einige der jungen Vertreter. Intensiv wurd darüber diskutiert, wie man gerade die jungen Menschen in die für ihre Generation bedeutenden Diskussionen zu einer nachhaltigen Entwicklung einbinden könne. Eine gemeinsame Sprache und ein zielgruppengerichtetes Angebot sei hier wichtig. Interessiert zeigten sich die Vertreter an den selbstgesetzen Zielen der Initiative und den bislang durchgeführten Maßnahmen, über die die Initiative am nachfolgenden Tag mit der Veröffentlichung des ersten Fortschrittsberichts informierte. Nach zweieinhalb Jahren fasst dieser das bislang Erreichte zusammen und beschreibt, was in den folgenden Jahren erreicht werden soll. Aber die Kommunikation ende nicht mit der Erstellung des Berichts.

Im Rahmen der Dialog-Veranstaltung am vierten November wurde über etwas Ähnliches gesprochen. Die Frage, wofür ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt werde und ob, wenn denn ein Bericht sinnvoll sei, die Arbeit damit schon getan ist? In einem Nachhaltigkeitsbericht werden in der Regel mit Hilfe von Daten zusammengetragen, aufbereitet und erklärt, um die Situation des Unternehmens in Bezug auf die Nachhaltigkeitsleistung zu beschreiben. Der Bericht bildet die Grundlage für die Steuerung der Nachhaltigkeitsaktivitäten: in welchem Bereich wurden die Ziele erreicht, in welchem Bereich muss sich etwas tun? Ein Bericht hat keinen Zweck an sich, Aufwand und Nutzen müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Ein Bericht kann jedoch bei der Steuerung der Aktivitäten des Unternehmens helfen. Der Bericht stellt die Faktenbasis, zeigt Trends und Entwicklungen auf. Die Kommunikation beginnt aber erst nach der Erstellung des Berichts. So wie einer der Dreiklänge von Chemie³: „Dialog führen. Handeln. Kommunizieren“.


Nachhaltigkeit in der Berufsbildung – mit Siegel!

Wie heißt es so schön: Gelebte Qualität ist die Beste! Und das gilt selbstverständlich im Privaten genauso wie im beruflichen Umfeld. Doch wie kann ich diese gelebte Qualität überzeugend nach außen tragen und wie gegenüber Kunden, Mitarbeitern und der Öffentlichkeit dokumentieren? Eine anerkannte Methode dafür sind Qualitätssiegel. Seit vielen Jahren wird die Qualität in Unternehmen über Audits geprüft und das Qualitätsmanagement durch Zertifizierungen bestätigt.

DIN EN ISO 9001, 14001 und noch mehr?

Auch wir bei Provadis haben bereits Zertifizierungsprozesse nach DIN EN ISO 9001 und 14001 oder nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) durchlaufen. Braucht man dann noch ein zusätzliches Qualitätssiegel für Nachhaltigkeit? Steht doch Bildung selbst schon für Nachhaltigkeit! Da wir keine „Siegeljäger“ sind, haben wir zunächst sorgfältig geprüft, ob wir das Qualitätssiegel Q3SQ – ein neuer Qualitätsstandard für soziale und nachhaltige Qualifizierung (Quality Standard for Social and Sustainable Qualification) des Qualifizierungsförderwerks Chemie GmbH (QFC) – anstreben sollen. Denn der Prozess bindet ja auch Arbeitskraft in der Organisation.

Daher gaben wir vor dem Entschluss, uns um das Siegel zu bewerben, eine Analyse bei unserem Qualitätsmanagementbeauftragten Günter Schwarz in Auftrag. Das Ergebnis war, dass das Q3SQ-Siegel unsere bisherigen Zertifizierungen nicht doppelt, sondern sinnvoll ergänzt.

Doppelte Prüfung oder sinnvolle Ergänzung?

DIN-, AZAV- und Q3SQ-Zertifizierung im Vergleich

Abbildung 1: Zertifizierungen im Vergleich Quelle: Provadis / eigene Darstellung

Das Fazit unseres QM-Beauftragten lautete: „Die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 und 14001 basieren auf den Elementen: Kundenorientierung, Führung, Ressourcenbereitstellung, Fähigkeit und Schulung, Prozess- und Systemorientierung, Messung und Analyse von Kennzahlen, kontinuierliche Verbesserung, Lieferantenbeziehung, Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie Arbeits- und Anlagenschutz. Diese Elemente sind zu dokumentieren und Audits nachzuweisen. Die AZAV-Zertifizierung verlangt zusätzlich zu der DIN EN ISO 9001 die Dokumentation und den Nachweis, dass die Organisation entsprechende Methoden und Maßnahmen zu arbeitsmarktlichen Aspekten einsetzt. Die Anerkennung als Mitglied (nicht Zertifizierung) von Weiterbildung Hessen e.V. legt Schwerpunkte auf der Qualität der Bildungsarbeit. Die Q3SQ-Zertifizierung verlangt zusätzlich zu der DIN EN ISO 9001 und 14001 die Dokumentation und den Nachweis, dass die Organisation, die Umsetzung der Sozial- und Umweltstandards u.a. der Vereinten Nationen beachtet und aktiv unterstützt. Anschaulich stellt das auch die von Herrn Schwarz zusammengestellte Tabelle dar (Abbildung 1).

Unsere Entscheidung für das Audit und das neue Gütesiegel war also begründet durch seine Vorteile für uns als Bildungsdienstleister: Abgesehen davon, dass es unser Projektengagement im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) unterstreicht bzw. erweitern hilft und unsere Bildungsarbeit bereichert, profitieren davon unsere Unternehmenskunden. Denn mit unserem umfangreichen Aus- und Weiterbildungsangebot tragen wir erheblich dazu bei, Beschäftigte auf die zukünftigen Anforderungen, Herausforderungen und Veränderungen globaler Märkte und Gesellschaften vorzubereiten und sie darin zu schulen, zum wertschöpfenden und wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigen Erfolg ihres Unternehmens beizutragen. Dieser durch Q3SQ geprüfte Qualitätsstandard bei Provadis kann nun durch unsere Kunden, die CSR in ihrer Lieferkette leben, auch für ihre eigene CSR-Berichterstattung genutzt werden.

Das neue Q3SQ-Gütesiegel orientiert sich an international anerkannten Prinzipien und Initiativen, wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der Agenda 21 für eine nachhaltige Entwicklung und des Global Compact der Vereinten Nationen, der Responsible Care Initiative der Chemischen Industrie sowie dem Berichtsstandard der Global Reporting Initiative.

Bestandsaufnahme: Checklisten und was wir machen

Chemie³-Poster Provadis

Abbildung 2: Beispiele anhand der 12 Leitlinien der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ / Provadis

Für die Zertifizierung haben wir entsprechende Checklisten durchgearbeitet und Unternehmenskennzahlen zusammen getragen. Dabei wurde uns vieles, was wir heute schon zum Beispiel im sozialen Bereich umsetzen und was für uns selbstverständlich geworden ist, neu bewusst. So ist die gelebte Sozialpartnerschaft und auch die Tarifbindung für uns ebenso selbstverständlich wie die Einbindung und umfassende Information der Mitarbeiter in wichtigen strategischen Entscheidungsprozessen.

Wir engagieren uns aber auch schon seit langem als guter Nachbar im Umfeld des Industriepark Höchst, unterstützen als Sponsor Sportevents und viele kulturelle Veranstaltungen der Region. Darüber hinaus bieten wir verschiedene Praktika und Informationsprogramme für Schulen im Umfeld an und gestalten für zahlreiche Partner aus Kommune, Land, Bund und Europa Kompetenzfeststellungs- und Berufsorientierungsangebote für den Fachkräftenachwuchs. Auch im Bereich Umweltschutz hatten wir aufgrund unserer Umweltberichte und der dahinter stehenden Verbesserungen der Ökobilanz aber auch des schon längerfristigen Engagements unserer Hochschule auf diesem Gebiet die Daten schnell zusammengetragen. Das Thema Menschenrechte jedoch – was im internationalen Kontext der Lieferkette zurecht eine große Rolle spielt – war zunächst schwer zu übersetzen, denn schließlich sind wir als mittelständischer Bildungsdienstleister, der in Frankfurt sitzt, in der deutschen Gesetzgebung und den hiesigen Grundwerten verortet. Im Gespräch mit den Auditoren wurden aber auch hier anschauliche Bespiele deutlich (vgl. Abbildung 2).

Erster hessischer Bildungsdienstleister erhält das Siegel!

Provadis-Zertifikat Q3SQ

Abbildung 3: Q3SQ-Zertifikat von Provadis

Ende September war es dann soweit: Als erster hessischer Bildungsdienstleister haben wir das neue Qualitätssiegel Q3SQ erhalten und sind stolz darauf (vgl. Abbildung 3). „Ein hohes Qualifizierungsniveau der Beschäftigten ist in der chemischen Industrie entscheidend, um nachhaltig und zukunftsorientiert zu arbeiten“, sagte Ralf Erkens, Bezirksleiter Rhein-Main der IG BCE, bei der Verleihung des Siegels. Und Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC), der der Verleihung gemeinsam mit seinem für Nachhaltigkeit bei der HessenChemie zuständigen Kollegen, Daniel Schubert, beiwohnte, bezeichnete das Bildungsangebot von Provadis als ein vorbildliches Beispiel gelebter Nachhaltigkeit, das entscheidend zum Erfolg der Brancheninitiative Chemie³ beitrage.

Wir freuen uns, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben! Das Siegel ergänzt sinnvoll unsere bisherigen Zertifizierungen und ist gut für unsere Kunden, gut für unsere eigene Weiterentwicklung, gut für das Aufzeigen vorhandener sozialer, ökologischer und qualitativer Standards – auch im Vergleich zum Wettbewerb im Bildungssektor und es unterstützt das Engagement der Chemiesozialpartner im Rahmen von Chemie³.

 

Dr. Karsten Rudolf, Prokurist, Bereichsleiter Bildungs- & Forschungsprojekte, Leiter Marketing ; bei Provadis; Foto: Arne Landwehr

Dr. Karsten Rudolf, M.A. hat Politikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert und im Bildungsmarketing promoviert. Er ist Prokurist bei Provadis – dem Fachkräfte-Entwickler der Industrie und dort zum einen verantwortlich für das Marketing und zum anderen für den Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte, der sich unter anderem mit CSR-, Diversity- und MINT-Projekten beschäftigt. Mit dieser Erfahrung bringt er sich auch in die Verbandsarbeit von HessenChemie, z.B. in Expertenkreisen zu Bildung und politischer Kommunikation ein. Darüber hinaus ist er im Netzwerk „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ des Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aktiv. Dr. Karsten Rudolf ist verheiratet und Vater zweier Töchter.


Bildung fördert Nachhaltigkeit

Seit einiger Zeit stoßen wir in den vielen Gesprächen immer wieder auf die gleichen brennenden Fragen. Wie kommen wir jetzt und vor allem in der Zukunft an qualifizierten Nachwuchs? Was müssen wir in puncto Mitarbeiter tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben und ein attraktiver Arbeitgeber zu sein? Als Bildungsdienstleister für Industrie und Handwerk wissen wir nur zu genau, dass diese Themen heute alle Unternehmen umtreiben, egal in welcher Branche sie agieren. Denn die Qualität der Mitarbeiter, ihr Wissen, ihr Engagement, ihre Bereitschaft, immer wieder neue Arbeitsfelder anzunehmen und sich dafür zu qualifizieren, ist ein entscheidender unternehmerischer Erfolgsfaktor. Deshalb gilt: Menschen zu fördern und zu qualifizieren ist ein Teil der Wertschöpfungskette und ein entscheidender Faktor von nachhaltigem Handeln.

Ich persönlich bin daher davon überzeugt, dass Corporate Social Responsibility, also die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und die Frage, wie Firmen nachhaltig sozial und ökologisch unternehmerischen Erfolg erzielen können, untrennbar mit Bildung verbunden ist. Zugespitzt kann man es auf den Punkt bringen: „Ohne Bildung gibt es keine Nachhaltigkeit“. Bildungsarbeit ist aber auch deshalb ein positiver Treiber – nicht nur der Nachhaltigkeit – weil sie hilft, Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln und Erkenntnis wachsen zu lassen.

Wir bei Provadis verstehen uns als Teil dieser unternehmerischen und gesellschaftlichen Aufgabe. Unser Auftrag als Unternehmen und als Bildungsträger besteht auch darin, das Thema CSR und Nachhaltigkeit an unsere eigenen Beschäftigten, aber auch an Bildungsteilnehmer heranzutragen. Dafür engagieren wir uns vielfältig. Zum einen unterstützen wir Nachhaltigkeitsprojekte der Chemie-Sozialpartner, zum anderen entwickeln wir neue, eigene CSR-Module, bereits auch schon für Auszubildende, um frühzeitig das Wissen und die Sensibilisierung in den Unternehmen zu verankern und haben in unserer Hochschule Klimaschutz- und Energieprojekte, die auf Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen „einzahlen“. Zudem haben wir uns in dem Feld Nachhaltigkeit zertifizieren lassen.

In unserem eigenen Unternehmen nimmt das Thema Nachhaltigkeit somit einen hohen Stellenwert aufgrund des Selbstverständnisses der Bildung ein. Eine weitere Motivation sei nicht verschwiegen: wir heben uns mit unseren nachhaltigen Standards auch bewusst von anderen Bildungsträgern ab. Aber nur so, meine ich, können wir auch glaubwürdig unseren Kunden gegenüber nachhaltige Qualität bieten und unseren Bildungsauftrag erfüllen. Letztlich sind auch wir ein Teil der Lieferkette unserer Kunden, für die das Thema CSR und Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtige Rolle spielt und die wir damit unterstützen – ebenso übrigens, wie die Chemieverbände in ihrer Arbeit in politischen Gremien.

 

Dr. Karsten Rudolf, Prokurist, Bereichsleiter Bildungs- & Forschungsprojekte, Leiter Marketing ; bei Provadis; Foto: Arne Landwehr

Dr. Karsten Rudolf, M.A. hat Politikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert und im Bildungsmarketing promoviert. Er ist Prokurist bei Provadis – dem Fachkräfte-Entwickler der Industrie und dort zum einen verantwortlich für das Marketing und zum anderen für den Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte, der sich unter anderem mit CSR-, Diversity- und MINT-Projekten beschäftigt. Mit dieser Erfahrung bringt er sich auch in die Verbandsarbeit von HessenChemie, z.B. in Expertenkreisen zu Bildung und politischer Kommunikation ein. Darüber hinaus ist er im Netzwerk „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ des Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aktiv. Dr. Karsten Rudolf ist verheiratet und Vater zweier Töchter.


Nachhaltigkeit – Einblicke und Erfahrungen eines Bildungsdienstleisters

Wie kann die chemische Industrie ihre Position als Schlüsselindustrie für eine nachhaltige Entwicklung ausbauen? Guten qualifizierten Fachkräften kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu: für die Unternehmen, für die Gesellschaft und für jeden einzelnen. Welchen Blickwinkel nimmt ein Bildungsdienstleister der chemischen Industrie auf diese Themen ein? In einer Serie von Gastbeiträgen werden Autoren von Provadis, einem Bildungsdienstleister in der chemischen Industrie, uns ihre Sichtweise und Erfahrungen näherbringen: Welche Bedeutung kommt den Themen Nachhaltigkeit, CSR und Bildung zu? Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und CSR für die Ausbildung?

Bildung für Nachhaltigkeit

Insbesondere die Erfahrungen aus dem Modell-Projekt von Provadis zur Integration von CSR in die duale Berufsausbildung schildern die Autoren am Beispiel des für die Ausbildung erarbeiteten Moduls zum Thema „Chancengleichheit“. Wie sich diese Themen an die Belegschaft kommunizieren lassen, erfahren wir am Beispiel des Moduls zur Energieeffizienz. Nicht nur in der Bildungsarbeit von Provadis spielen diese Themen eine Rolle, sondern auch für die Organisation selbst.

Nachhaltigkeitssiegel für Bildungseinrichtungen der Chemiebranche

In einem weiteren Beitrag gewähren uns die Gast-Autoren Einblicke in die Nachhaltigkeitsaktivitäten des Unternehmens und die Bedeutung für die Organisation. Provadis hat das Audit zum Nachhaltigkeitssiegel für Bildungseinrichtungen der Chemiebranche Q3SQ erfolgreich durchgeführt. Was war die Motivation sich als Bildungseinrichtung einem solchen Audit zu unterziehen? Welche Erfahrungen hat Provadis damit gemacht? Auch in diese Fragen geben die Autoren Einblicke.

Die Autoren

Gespannt bin ich auf die die Einblicke unserer Gastautoren, die an dieser Stelle bereits kurz genannt werden. Eine allgemeine Sichtweise auf die Themen Bildung, Nachhaltigkeit und CSR wird uns Dr. Karsten Rudolf, Bereichsleiter Bildungs- und Forschungsprojekte der Provadis Gruppe geben. Gemeinsam mit Jürgen Möller, Projektleiter Bildungs- und Forschungsprojekte, wird er uns auch Einblicke in die Erfahrungen mit dem Nachhaltigkeitsaudit geben. Jürgen Möller wird uns auch von den Erfahrungen des Moduls zur Chancengleichheit für die duale Ausbildung berichten. Darüber hinaus schreibt Marny Schröder, Chemielaborantenausbilderin Provadis Ausbildung, zum Thema Energieeffizienz und wie sich damit Nachhaltigkeitsthemen an die Belegschaft vermitteln lassen. Für ihre Beiträge danke ich den Autoren schon jetzt und wünsche schon jetzt viel Spaß beim Lesen!


Wirtschaftskrise: mit Vertrauen und Kooperation

Im Jahr 2008 unterzeichneten die Chemie-Sozialpartner im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler eine Vereinbarung mit dem Titel „Verantwortliches Handeln in der sozialen Marktwirtschaft“, in der sich die Branche auf einen Ethik-Kodex verständigte. Wie wichtig verantwortliches Handeln ist, zeigte sich schon kurz darauf. Die aktuelle Broschüre „Sozialpartnerschaft in der Wirtschaftskrise 2008/09“ der CSSA dokumentiert das Zusammenspiel der Chemie-Sozialpartner in Zeiten der großen Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre. Wie stellte sich die Situation in Hessen dar?

Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft

Im Jahr 2009 befragte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln 97 Mitgliedsunternehmen von HessenChemie. Ein Bewusstsein für die soziale Marktwirtschaft und die damit verbundene Verantwortung zeigte sich in der Umfrage: Fairness im Geschäftsleben, die Übernahme von Verantwortung auch bei Misserfolg und das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns waren die drei wichtigsten Merkmale unternehmerischen Handelns, die von den befragten Vertretern der Unternehmen genannt wurden. Danach folgten Gewinnorientierung und wirtschaftliches Wachstum sowie die Sozialpartnerschaft in den Unternehmen. Und das im Angesicht der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise.

Anstrengungen der Sozialpartner

Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer unternahmen große Anstrengungen, um die Belegschaft zu halten, obwohl die Nachfrage, Produktion und der Umsatz massiv eingebrochen waren. Ende März 2009 lag die Beschäftigung in den hessischen Betrieben der chemischen Industrie um etwa 0,3% höher als im März des Vorjahres. Auch wenn nicht in allen Unternehmen Stellenstreichungen verhindert werden konnten war man doch bemüht, die erfahrenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen möglichst nicht für die Zeit nach der Krise zu verlieren. Zum anderen zeigte sich hier auch das Bewusstsein für die fortschreitende demografische Entwicklung.

Anfang August 2009 lag die Zahl der Beschäftigten dann etwas unter dem Vorjahres-Niveau. Das im Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ vereinbarte Angebot an Ausbildungsplätzen für die Chemie wurde auch in den Krisenjahren übertroffen. Dies spricht für eine langfristige Orientierung der Branche und für verantwortliches Handeln der Sozialpartner.

Broschüre dokumentiert Zusammenspiel der Sozialpartner

Die aktuelle Broschüre der CSSA  „Sozialpartnerschaft in der Wirtschaftskrise 2008/09 – Wie Vertrauen und Kooperation helfen, Krisen zu managen“ dokumentiert nun das bundesweit erfolgreiche Krisenmanagement der Sozialpartner in der chemischen Industrie. Die Broschüre mit konkreten Fallbeispielen kann hier bestellt und heruntergeladen werden.


Für Nachhaltigkeit begeistern: Aktionen für Nachhaltigkeit

Seit Samstag ist es wieder soweit: die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit haben begonnen. 1050 Aktionen sind auf der Internetseite der Aktionstage angemeldet, die eines gemeinsam haben: sie wollen für eine nachhaltige Entwicklung sensibilisieren und Menschen zum Mittmachen motivieren. Bis zum 05. Juni finden diese bundesweit und in diesem Jahr zum ersten Mal europaweit statt. Ganz unterschiedliche ist das Engagement: eine Aktion bei PROVADIS zum Nachhaltigen Mittagessen, bei der Firma BRITA sammelt man Elektroschrott, es gibt Repair-Cafés und Twitter-Berichte von BASF und Bundesministerien und Vieles mehr. Aber noch einmal einen Schritt zurück: Aktionstage Nachhaltigkeit – warum gibt es sie eigentlich?

Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit wurden nach der Weltkonferenz in Rio erstmalig veranstaltet

Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit wurden vom Rat für Nachhaltige Entwicklung initiiert. Im Anschluss an die Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahr 2012 in Rio de Janeiro wollte man auf das wichtige Ziel einer nachhaltigen Entwicklung aufmerksam machen. „Vorbildliches Engagement in ganz Deutschland soll an den Aktionstagen sichtbar werden und andere zum Mitmachen und zur Eigeninitiative ermutigen“, so heißt es auf der Internetseite der Aktionstage. Dies spiegelt sich in den Aktionen genauso wieder wie in den Personen und Organisationenen, die sich beteiligen: große und kleine Unternehmen, Verbände, und andere Einrichtungen, die sich für das Thema interessieren und andere zum Mitmachen bewegen wollen.

Interessante und vielfältige Aktionen: vom Essen und Elektroschrott

In der Hochschule Provadis sollen die Mitarbeiter und Auszubildende der Provadis Gruppe erfahren, welchen Einfluss eine nachhaltige Ernährung auf den Klimaschutz hat. Welchen Einfluss der regionale Bezug von Lebensmitteln? Was kann bewirkt werden, wenn man sich saisonal ernährt? Welche Rolle spielt der Fleischkonsum hier? Veranstaltet wird die Aktion vom Climate-KIC Team der Provadis Hochschule.“Das Climate-KIC (Knowledge & Innovation Community) stellt sich den aus dem Klimawandel ableitbaren Herausforderungen […]“ (Klimate-KIC). In einer Aktion für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sammelt die Firma BRITA Elektroschrott. MIt der Aktion soll auf den Wert von Abfall aufmerksam geamcht werden. Die Mitarbeiter können ihren Elektroschrott mit zur Arbeit bringen, die fachgerechte Entsorgung wird dann vom Unternehmen übernommen. Darüber hinaus werden Daten zum Ressourceneinsatz der Firma selbst vorgestellt und verschiedene Abfallarten und -mengen präsentiert. Aber auch Aktionen wie ein sogeanntes Repair-Cafe, in dem Menschen ihre gebrauchten Sachen reparieren können, oder Berichte vom Alltag sind dabei, wie beispielweies von BASF auf Twitter.

Vorbildliches Engagement sichtbar machen – auch europaweit

Die Aktionstage Nachhaltigkeit wollen vorbildliches Engagement sichtbar machen und zum Mitmachen anregen (alle Aktionen sind in der Datenbank auf der Internetseite der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit zu finden). Gleichzeit zu den Deutschen Aktionstagen findet auch die Europäische Nachhaltigkeitswoche statt. Mitmachen bedeutet hier wohl nicht nur, sich an den Aktionen zu beteiligen, sondern sich im Alltag an vorbildlichem Handeln zu orientieren. So vielfältig die Aktionen zu den Aktionstagen Nachhaltigkeit sind, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Eine Vielzahlt von Möglichkeiten für ein solches Engagement gibt es mittlerweile: im letzten Jahr anlässlich des 3. Nachhaltigkeitstags in Hessen im letzten Jahr haben Mitarbeiter von HessenChemie sich unter dem Motto „Hat Oma früher nachhaltiger gelebt?“ mit nachhaltigen Konsummustern beschäftigt. Seit elf Jahren gibt es das Projekt „Wiesbaden engagiert!“. Hier haben Unternehmen die Möglichkeit, sich in der Stadt zu engagieren. Im Rahmen einer Projektbörse werden Unternehmen mit gemeinnützigen Projekten zusammengebracht die sie im Rahmen einer Projektwoche unterstützen. Als HessenChemie haben wir dies in den letzten Jahren auch immer wieder getan. Für dieses Jahr haben wir uns bereits ein Projekt ausgesucht: Fresko e.V. kümmert sich um Berufsrückkeher/-innen sowie junge Menschen, die keine Ausbildung haben oder einen Arbeitsplatz suchen – auch solche Fragen sind für eine nachhaltige Entwicklung wichtig (einen ausführlicheren Beitrag zu unserem Engagement ist hier zu finden).

Warum also Aktionstage für Nachhaltigkeit?

Eine nachhaltige Entwicklung tritt immer stärker ins Bewusstsein der Menschen. Dieses Bewusstsein zu stärken und innovative Ideen für eine nachhaltige Entwicklung zu zeigen, dazu werden die Aktionstage Nachhaltigkeit genutzt. Wie tragen Sie zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft und einer nachhaltigen Entwicklung bei?


Nachhaltigkeitsmanagement: wie lassen sich Daten erfassen und aufbereiten?

Systematisches Nachhaltigkeitsmanagement wird auch für kleine und mittlere Unternehmen wichtiger. Mit dem Nachhaltigkeitsmanagement ist es in etwa wie mit der frühen Seefahrt: Zur Orientierung nutzte man die Sonne oder die Sterne, man schaute also nach oben.

Heute stehen uns GPS-Satelliten zur Verfügung, die den Weg weisen: der Standort wird selbstständig festgestellt, nur noch das Ziel muss eingegeben werden. „Navigation starten“ drücken und schon gibt eine freundliche Stimme Anweisungen, wie das Ziel zu erreichen ist: auf dem Schiff, im Auto oder mit dem Smartphone. Wohin aber soll die Reise gehen? Das muss heute wie damals selbst bestimmt werden.

Im Unternehmen spielen nicht die Sonne oder die Sterne eine Rolle für die strategische Ausrichtung, sondern Zahlen, Daten, Fakten auf deren Grundlage das Management entscheidet. Mittlerweile stehen für das Nachhaltigkeitsmanagement in fast allen Unternehmensbereichen Zahlen zur Verfügung: zu sozialen Faktoren (Krankenstand, Fluktuation, etc.), zur ökonomischen Situation (Umsatz, Gewinn, etc.) und zu ökologischen Fragen (Energieverbrauch, Ressourceneinsatz, etc.). Wie lassen sich diese Daten für ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement nutzen?

3 Möglichkeiten nachhaltigkeitsrelevante Daten zu erfassen

Möglichkeit 1: Die Excel-Tabelle

Eine Möglichkeit zur Erfassung der Daten sind Excel-Tabellen. In den meisten Unternehmen ist Excel ohnehin verfügbar und viele Mitarbeiter arbeiten bereits damit. Die Anwendungsbereiche von Excel sind vielfältig, bspw. Kalkulationen werden oft mit Excel erstellt. Grundsätzlich muss erst einmal eine Vorlage zur Erfassung der vorhandenen Daten erstellt werden: welche ökonomischen, ökologischen und sozialen Indikatoren sind vorhanden und sollen erfasst werden? Zu welchem Zweck sollen sie erfasdt werden?

Ist eine Vorlage erstellt, können hier die Daten eingegeben werden. Oft wird dies schnell unübersichtlich. Darüber hinaus ist es in der Regel nicht möglich gleichzeitig in der Excel-Tabelle zu arbeiten. Insbesondere in Unternehmen, die nicht über eine zentrale Stelle, bspw. einen Nachhaltigkeitsmanager, verfügen, der die Daten sammelt und in die Tabelle einträgt, kommt es schnell zu Datenkonflikten. Paralleles Bearbeiten der Excel-Tabelle ist nur schwer möglich; Fehler schleichen sich so schnell ein.

Möglichkeit 2: Die Desktop-Software

Als Alternative zu einer Excel-Tabelle stehen mittlerweile einige Software-Lösungen fürs Nachhaltigkeitsmanagement oder für zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten zur Verfügung. In vorstrukturierter Weise können mit Hilfe einer solchen Software Daten gesammelt werden. Zusätzlich zu solchen Software-Lösungen kann in der Regel auf dazugehörige externe Beratung zurückgegriffen werden. Solche Software-Angebote decken in der Regel ein breites Spektrum an nachhaltigkeitsrelevanten Aspekten ab.

Mittlerweile sind verschiedene Angebote auf dem Markt, um auf die Ansprüche und Ziele des Nachhaltigkeitsmanagements abhängig von den Zielen, die erreicht werden sollen (bspw. interne Steuerung oder die Erstellung eines Berichts) angepasst werden können.

Möglichkeit 3: Die Cloud-Lösung

Immer öfter ist von der „Cloud“ die Rede. Damit ist gemeint, dass Daten nicht auf dem eigenen Computer oder Unternehmensserver gespeichert werden, sondern auf externen Servern. Wie fast alle Anwendungen bieten diese Lösungen Vorteile und Nachteile.

Für ein Nachhaltigkeitsmanagement sind solche Lösungen vor allem interessant, wenn über verschiedene Standorte hinweg am Nachhaltigkeitsmanagement gearbeitet wird. Über Internetplattformen können sich verschiedene Mitarbeiter in die Anwendung einwählen und Daten einpflegen und/oder an der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts mitwirken. In der Regel kann bei diesen Anwendungen parallel gearbeitet werden ohne Datenkonflikte zu verursachen. Darüber hinaus lässt sich nachvollziehen wer wann welche Daten eingegeben hat. Nachteilig sind die ggf. anfallenden Lizenzkosten, die je nach Angebot pro Nutzer anfallen können. Allerdings sind auch einige kostenlose Angebote auf dem Markt (die teilweise in geförderten Projekten entstanden sind und sich hauptsächlich an kleine und mittlere Unternehmen richten), deren Leistungsumfang sich jedoch stark unterscheidet.

Warum Software fürs Nachhaltigkeitsmanagement nutzen?

Platz 1: Die Datenerhebung und -aufbereitung

Die systematische Erhebung und Aufbereitung der Daten ist die Basis eines Nachhaltigkeitsmanagements. So kann die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens auf der Hrundlage von Daten ermittelt werden. Systematisch können die Potenziale des Unternehmens erkannt und genutzt werden. Darüber hinaus kann zwischen verschiedenen Handlungsfeldern priorisiert werden, um die Organisation nicht zu überfordern.

In der Studie der Universität „[äußerten] die Befragten [] sich zum Nutzen von NMS [Nachhaltigkeitsmanagement-Software] für die Datenerhebung und -aufbereitung sehr positiv, wie einer feststellt: Das wäre ohne Software gar nicht denkbar. Nachhaltigkeitsmanagement hängt ja mit Messen zusammen“ (S. 11). Dies gilt übrigens für alle der drei vorgestellten Möglichkeiten – mit den genannten Vor- und Nachteilen der jeweiligen Anwendung.

Platz 2: Controlling und Benchmarking

Wie aus der Arbeit mit Finanzkennzahlen bekannt, ist ein Controlling verstanden als Steuerung der Aktivitäten wichtig: wo ist das Unternehmen gut aufgestellt? Wurden die gesetzten Ziele erreicht? Wie steht das Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen da? Ohne die entsprechenden Daten ist ein Benchmarking nur schwerlich möglich. Zwar ist das Benchmarking bei den vorhandenen Software-Angeboten noch wenig entwickelt, dennoch handelt es sich hierbei um einen wichtigen Aspekt des Nachhaltigkeitsmanagements. Bspw. kann auch ein internes Benchmarking interessant sein: wie stehen die verschiedenen Standorte im Vergleich zu einander?

Platz 3: Kommunikation und Berichterstattung

Ein softwarebasiertes Nachhaltigkeitsmanagement kann unterstützend auf die Kommunikation wirken. Insbesondere hinsichtlich eines Nachhaltigkeitsberichts ist dies erforderlich, da die meisten Rahmenwerke zur Nachhaltigkeitsberichterstattung die Erhebung von Leistungsindikatoren erfordern (vgl. die G4-Richtlinien der Global Reporting Initiative). Darüber hinaus kann die Kommunikation mit Kunden verbessert werden, wenn diese gewisse Informationen im Zuge ihrer Berichterstattung über die Lieferkette benötigen.

Fazit

Das softwarebasierte Nachhaltigkeitsmanagement kann eine Entwicklung oder Weiterentwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen, aber nicht ersetzen. Wie oft bei Softwarelösungen lassen sich Abläufe vereinfachen, Daten systematisch auswerten und aufbereiten. Daten liefern die Basis für eine faktenbasierte Arbeit an der Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens.

Die Entscheidungen, das Denken und Handeln des Managements und der Mitarbeiter können von Software aber nicht ersetzt werden. Für innovative Ansätze und die strategische Ausrichtung bedarf es einer intensiven Beschäftigung mit dem Unternehmen und dem Unternehmensumfeld: was sind die zukünftigen Herausforderungen? Wohin soll die Reise gehen? Diese Fragen müssen in großen wie in kleinen Unternehmen vom Management getroffen werden.

Die Studie der Leuphana Universität mit einer Übersicht der am Markt vorhandenen und der in kleinen und mittleren Unternehmen eingesetzten Anwendungen ist hier zu finden.


Eine Preisverleihung für alle

Am vergangenen Freitag verlieh der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir als Schirmherr den ersten Chemie³-Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen. Die ersten drei Plätze wurden prämiert. Die Preisträger sind Teams der Kalle GmbH, der Merck KGaA und der Fresenius Kabi Deutschland GmbH. Der Wirtschaftsminister lobte den Ideenreichtum der Jugendlichen und wies auf die Bedeutung für Unternehmen eine nachhaltige Unternehmenspolitik anzustreben hin.

Der 3. Platz

Team: Hendrick Beck, Mirjam Kamer, Maria Möhring, Jonas Orf, Oliver Riedel; Gregor Disson (VCI Hessen), Tarek Al-Wazir (Hessisches Wirtschaftsministerium), Dr. Axel Schack (HessenChemie), Volker Weber (IG BCE  Hessen/Thüringen) / Foto: Arne Landwehr

Team: Hendrick Beck, Mirjam Kamer, Maria Möhring, Jonas Orf, Oliver Riedel; Gregor Disson (VCI Hessen), Tarek Al-Wazir (Hessisches Wirtschaftsministerium), Dr. Axel Schack (HessenChemie), Volker Weber (IG BCE Hessen/Thüringen) / Foto: Arne Landwehr 

Den dritten Platz belegte die Gruppe von Fresenius Kabi Deutschland mit einem Globus, der die globale Dimension von Nachhaltigkeit in den Vordergrund rücksen sollte. Dieser Globus fußt auf der Natur, die Grundlage des Lebens auf der Erde ist. „Der Aspekt der globalen Zusammenhänge einer nachhaltigen Entwicklung wird so deutlich und weist auf die unterschiedlichen Herausforderungen in der Welt hin“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

 

 

 

 

 

 

 

Der 2. Platz

Das Team von Merck: Stefanie Scharrelmann, Jennifer Schanz, Philipp Lösch, Johannes Balke, Klaus Kilzheimer; Martina Diehl (Merck KGaA),Gregor Dission (VCI Hessen), Tarek Al-Wazir (Hessischer Wirtschaftsminister), Dr. Thomas Koppe (Merck KGaA), Dr. Axel Schack (HessenChemie), Volker Weber (IG BCE Hessen/Thüringen)

Das Team von Merck: Stefanie Scharrelmann, Jennifer Schanz, Philipp Lösch, Johannes Balke, Klaus Kilzheimer; Martina Diehl (Merck KGaA),Gregor Dission (VCI Hessen), Tarek Al-Wazir (Hessischer Wirtschaftsminister), Dr. Thomas Koppe (Merck KGaA), Dr. Axel Schack (HessenChemie), Volker Weber (IG BCE Hessen/Thüringen) 

Das Team der Merck KGaA aus Darmstadt belegte mit einem Video den zweiten Platz. Mit starkem Bezug zum Unternehmen und durch die dramaturgische Aufbereitung des Films überzeugten die jungen Leute die Jury. Durch einen Vergleich mit der Zusammensetzung chemischer Stoffe verdeutlichten die jungen Leute wie wichtig eine gleichrangige Bedeutung der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der 1. Platz

v.l.n.r. Gregor Disson (VCI Hessen), Philipp Reuter (Kalle GmbH), Tarek Al-Wazir (Hessisches Wirtschaftsministerium), Ingo Glaser, (Kalle GmbH) Dr. Axel Schack (HessenChemie), Volker Weber (IG BCE Hesse/Thürigen); Foto: Arne Landwehr

v.l.n.r. Gregor Disson (VCI Hessen), Philipp Reuter (Kalle GmbH), Tarek Al-Wazir (Hessisches Wirtschaftsministerium), Ingo Glaser, (Kalle GmbH) Dr. Axel Schack (HessenChemie), Volker Weber (IG BCE Hesse/Thürigen); Foto: Arne Landwehr 

Mit dem Spiel „Der Galgen der Nachhaltigkeit“ gewannen die beiden Teilnehmer der Kalle GmbH den ersten Preis. Basierend auf einer bereits bestehenden Spiel-Idee stellten die beiden Dual-Studierenden das Spannungsverhältnis der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit dar. Das Spiel, welches aus einer dreieckigen Platte besteht, die an einem Galgen hängt, muss im Gleichgewicht gehalten werden. Diese Idee und die kreative Umsetzung überzeugte die Jury.

Aber nicht nur die ersten drei Plätze sind Sieger, sondern alle Teilnehmer des Wettbewerbs. Im Rahmen der Preisverleihung, die in der Wiesbadener Kletterhalle Nordwand stattfand, wurden noch einmal alle Teams aufgerufen und zu ihrer Einreichung befragt. Die Vielfalt und der Ideenreichtum der eingereichten Videos, Spiele und Exponate wurde hier noch einmal deutlich: ob ein Haus aus Dämmmaterialien oder eine sogenannte Simple Show, die den Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Wirtschaften erklärt.

Im Anschluss an die Preisverleihung hatten die Teilnehmer noch die Gelegenheit das Angebot der Kletterhalle in Anspruch zu nehmen: ob Klettern, Bogenschießen oder der Hochseilgarten, der schon währen der Preisverleihung aufgekommene Nervenkitzel konnte so weitergehen. Es war also nicht nur eine Preisverleihung für diejenigen, die es unter die ersten Drei geschafft hatten, sondern für alle!

 

Weitere Informationen und Eindrücke finden Sie auf der Internetseite www.chemiehoch3.de.


Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen

Der Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen der regionalen Chemie³-Allianzpartner sollte Jugendliche für Nachhaltigkeit begeistern. Unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministers für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir, lobten die Chemie³-Allianzpartner einen Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen aus.

Der Arbeitgeberverband HessenChemie (HessenChemie), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) sowie der Verband der chemischen Industrie (VCI) Hessen, hatten ihre Mitglieder aufgerufen, sich an dem Chemie³-Nachhaltigkeitspreis zu beteiligen. Unter dem Motto „Wir sind Chemie – gemeinsam für morgen!“ wollten die Allianzpartner Auszubildende, Dual Studierende bzw. Teilnehmer einer Fördermaßnahme in einem hessischen Unternehmen der chemisch-pharamzeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie dazu bringen, sich intensiv mit Themen einer nachhaltigen Entwicklung auseinanderzusetzen.

In der Aufgabenstellung des Wettbewerbs wurden die Jugendlichen zum einen aufgefordert, sich mit den Chemie³-Allianzpartnern und deren Auffassung von Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Auch sollte erklärt werden, warum dies aus drei Dimensionen, nämlich der Verknüpfung von wirtschaftlichem Erfolg, dem Schutz von Mensch und Umwelt und sozialer Gerechtigkeit. Darüber hinaus sollte ein Beispiel zu Themen einer nachhaltigen Entwicklung aus dem Unternehmen beschrieben werden.

Eine Vielzahl toller, vielfältig und kreativ gestalteter Exponate und Videos zeigten, wie die Auszubildenden die Aufgaben bearbeitet hatten. Deutlich wurde das Zusammenspiel von Ökonomie, Ökologie und Sozialem und deren Spannungsfelder.

Die Preisverleihung für alle Teilnehmer des Wettbewerbs findet am kommenden Freitag, d. 20. März 2015 in der Wiesbadener Kletterhalle Nordwand statt. Minister Tarek Al-Wazir wird dann die Preisträger bekanntgeben und würdigen.