Nachhaltigkeit als Markenkern: Gründer des Modelabels TRUEWOODS im Gespräch

„Das wollen alle immer als Erstes wissen“, schmunzelt Jan Borchert auf die Frage, wie man vom Förster eigentlich zum Inhaber eines Modelabels wird. Der Gründer des Labels TRUEWOODS stand am 05. November 2018 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Alexander Schneider auf der Auftaktveranstaltung der SCHULEWIRTSCHAFT-Reihe „Gespräche mit Unternehmern“ einer Gruppe von Lehrern und Wirtschaftsvertretern Rede und Antwort. Im angenehmen Ambiente der hippen Kaffeerösterei Maldaner Coffee Roasters in der Hellmundstraße ging es dabei um die Fragen, wie die Nachhaltigkeit in der Lieferkette dauerhaft überprüft werden kann, wie das Label seine Zielgruppen anspricht und welche Ziele sich die beiden Gründer für die Zukunft setzen.

Alexander Schneider und Jan Borchert (rechts) berichten über ihren Weg vom Forstwirt zum Modedesigner.

Im Juni 2016 fällt der Startschuss für das junge Unternehmen Awesome Outfitters OHG. Borchert und Schneider gründen in Wiesbaden das nachhaltige Modelabel TRUEWOODS und beginnen T-Shirts, Pullover, Westen und Sweatshirts mit aufwendigen Tierstickereien über ihren Onlineshop zu vertreiben. Das Besondere daran: Die Produkte sind komplett nachhaltig. Angefangen beim Rohstoff Baumwolle über die Fertigung der Kleidungsstücke bis hin zum Karton, mit welchem die Outfits ihre Kunden erreichen; alles wird nachhaltig produziert und ist biologisch abbaubar. Sogar die Plastiktüte, die Teil des Packaging ist, hinterlässt im Meer keine Rückstände und zersetzt sich vollständig.

Doch woher kommt bei den Gründern der Hang zur Nachhaltigkeit, der bisher bei bekannten Modemarken zwar im Gespräch, jedoch in der Umsetzung eine echte Seltenheit ist?
Natürlich aus dem forstwissenschaftlichen Studium, das die Beiden gemeinsam in Göttingen absolvierten. Die Nachhaltigkeit sei ein Grundkonzept der Fortwirtschaft, das bereits vor über 300 Jahren durch Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz eingeführt wurde, erläutert Borchert. Man müsse sich „den Wald nachhalten“ habe von Carlowitz damals gesagt, daher stamme der Ursprung des Begriffs Nachhaltigkeit.

Solchermaßen vom Studium geprägt, entstand bei den beiden Unternehmern der Gedanke ein nachhaltiges Modelabel zu gründen. Doch wie wird man nun vom Förster zum Modedesigner? Der Reihe nach:
Nach dem Abitur in Wiesbaden sei es den beiden Jungunternehmern wie vielen Schülern ergangen; man habe keinen rechten Plan, d.h. keine konkrete Berufsorientierung gehabt. Schneider absolviert nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Werbekaufmann, Borchert beginnt ein Wirtschaftsingenieursstudium in Darmstadt. Doch so recht passt es nicht; die gemeinsame Leidenschaft für die Natur bringt die beiden anschließend nach Göttingen zum forstwissenschaftlichen Studium.

Mehr als Kaffeeklatsch: TRUEWOODS-Gründer berichten Lehrern und Unternehmensvertretern von ihrem Werdegang.

Schnell stellen die beiden Jungunternehmer dort fest: „wir sahen einfach aus wie alle anderen“. Ihre Naturverbundenheit und die ihrer Kommilitonen drückte sich nicht in ihrem Kleidungsstil aus. Jeder habe getragen, was in der Stadt gerade „angesagt“ war.
Zunächst experimentieren Borchert und Schneider mit selbst bedruckten T-Shirts mit Tiermotiven, die sie für sich selbst online bestellen. Als diese bei den Kommilitonen gut ankommen, war die Idee für TRUEWOODS geboren.

Das Alleinstellungsmerkmal „nachhaltig“ liegt den beiden Gründern dabei besonders am Herzen. Neben der Nachhaltigkeit in der Produktionskette zeigt das auch ihr Aufforstungsprojekt „Support Your Local Woods“. Für jedes verkaufte Kleidungsstück pflanzen die beiden Gründer einen Baum, der aus dem eigenen Umsatz finanziert wird. Dabei legen sie den Fokus auch auf bedrohte Arten, wie beispielsweise den Speyerling, weil ihnen die Aufforstung „ja auch Spaß machen soll“. „Das Anpflanzen von verschiedenen Bäumen und bedrohten Arten war im Studium meist nicht möglich“, erklärt Schneider. Ziel der Aufforstung sind bisher unbewaldete Flächen, wie beispielsweise ein ehemaliger Acker in Kelsterbach.

Jan Borchert (links) und Alexander Schneider bei der Reihe „Gespräche mit Unternehmern“.

Was sie Schülern, die vor der Berufsentscheidung stehen, empfehlen würden? „Wenn ich ein Kind in dem Alter hätte, würde ich sagen, der Beruf muss Spaß machen“ betont Borchert. Schneider ergänzt, dass man den Dialog mit den eigenen Eltern suchen sollte, um verschiedene Berufswege zu besprechen, aber auch um klar zu machen, was man als junger Mensch nicht möchte. Für eine Gründung sei insbesondere ein gutes Netzwerk wichtig, „Networking ist alles, ohne geht es nicht“ betont Borchert.

In den nächsten Jahren wollen die beiden Unternehmer ihre Kleidung in mehreren Geschäften in Deutschlands größten Städten anbieten, „am liebsten mit einer Produktion direkt im Laden“, betont Schneider. Der Wunsch sei es, hinter einer Glasscheibe zu sehen, wie das eigene Kleidungsstück gerade mit dem passenden Tiermuster bestickt werde. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben die beiden Gründer bereits getan: Seit Juni 2018 kann ihre Kleidung auch in dem Laden in der Kleinen Schwalbacher Straße in Wiesbaden erworben werden. Es sei wichtig, dass die Kunden die Produkte auch anfassen können, hin und wieder ergebe sich auch ein kritischer Austausch zum Thema Nachhaltigkeit, schmunzelt Schneider. Dann erklären die beiden Gründer geduldig ihre Philosophie.

Nach dem spannenden Austausch beim ersten Gespräch mit Unternehmern können sich Interessierte auf den Folgetermin am 8. Januar 2019 freuen. Ab 16.00 Uhr berichtet Sebastian Schulz, Inhaber des Maldaner Coffee Roasters, wie er den modernen, nachhaltigen Kaffeegenuss in seiner Kaffeebar mit dem Wiesbadener Traditionsbetrieb Maldaner verbindet.

Anmeldungen und weitere Informationen hier.

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Chantal Kirschner ist seit Oktober 2018 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie studierte im Bachelor Publizistik und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und schloss dort mit dem Master Unternehmenskommunikation ab. Während ihres Studiums war sie als Werkstudentin bei der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain tätig.