70 Jahre HessenChemie: „Wir wurden zweimal gegründet“

HessenChemie wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Grund genug, uns mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen. Dazu haben wir viele Stunden in Archiven verbracht, sowohl in unserem eigenen als auch in denen von verschiedenen Mitgliedsunternehmen. Neben Fotos und Dokumenten wollten wir aber auch mit Menschen sprechen, die HessenChemie viele Jahre begleitet haben und von ihren Erfahrungen berichten können. Daher hat es uns sehr gefreut, dass uns der ehemalige Hauptgeschäftsführer Dr. Rolf-Achim Eich für ein Interview zur Verfügung stand.

Das Interview führen Jürgen Funk und Petra Diener am 10. März 2017. Nachfolgend ein Auszug, wir werden im Laufe des Jahres noch weiter berichten.

Dr. Rolf-Achim Eich war von 1995 bis 2003 Hauptgeschäftsführer der HessenChemie. Im Mai 1972 wurde er als Referent der Rechtsabteilung in den Verband eingestellt und bereits 1976 zum Geschäftsführer berufen.

Wir haben vom Amtsgericht Wiesbaden eine Kopie der Eintragungsunterlagen in das Vereinsregister erhalten. Demnach wurde der Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e.V. am 28. November 1947 gegründet. Sind Ihnen in diesem Zusammenhang weitere Fakten bekannt?

Am 1. April 1947 wurde der Verband in Form eines Spitzenverbandes schon einmal gegründet. Da die amerikanische Militärregierung aber diese Art von Verband nicht kannte, löste sie ihn wieder auf. Und so wurde der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie am 28. November 1947 in Wiesbaden noch mal neu ins Leben gerufen, dieses Mal mit unmittelbarer Mitgliedschaft. Die handelten Personen waren aber völlig identisch. Einer der Gründer war Otto Braun (Anmerkung des Autors: Er gehörte dem Vorstand von 1947 bis 1979 an).

Aus den Protokollen der damaligen Zeit geht hervor, dass ein Bundesverband aus Hessen hieraus gegründet wurde.

Das ist richtig. Aus dem geschilderten Problem mit der damaligen amerikanischen Sichtweise im Hinblick auf die Gründung von Dachverbänden leitet sich auch ab, warum die Vorgängerorganisation  des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie als Arbeitsring der Arbeitgeberverbände der Deutschen Chemischen Industrie (Anmerkung der Autoren: Abgekürzt „Arbeitsring Chemie“ bzw. „Arbeitsring“) gegründet wurde. Diese Bezeichnung sollte kaschieren, dass dies ein Spitzenverband war. Die Umbenennung in Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) erfolgte dann erst viel später, nämlich 1983.

Die amerikanische Militärregierung hatte also damals noch Vorbehalte gegenüber Arbeitgeberverbänden?

Die Arbeitgeberverbände waren zunächst verboten, angeblich wegen ihrer Nähe zum NS-Regime. Dies kann ich allerdings nicht so recht nachvollziehen, weil sie sich unter dem Druck der NS-Regierung selbst auflösen mussten, nachdem die Gewerkschaften bereits verboten waren. Die Militärregierungen der einzelnen Länder verfolgten nach dem Krieg unterschiedliche Politiken, weshalb erst nach und nach wieder Arbeitgeberverbände entstanden.

Können Sie sich daran erinnern, wer der erste Vorsitzende des Verbandes war?

Der erste Vorsitzende war ein Herr Dr. Jörg von einem großen Papierverarbeitenden Unternehmen in Wiesbaden-Biebrich (Anmerkung der Autoren: Zellstofffabrik Waldhof). Er gehörte zu den Menschen, die die Fähigkeit hatten, in einer Zeit des größten Chaos wieder Ordnung in die Sache zu bringen.

Die Papierindustrie war also maßgeblich an der Gründung der Arbeitgeberverbandes HessenChemie beteiligt?

Die Papierindustrie war bereits bei der ersten Gründung im Frühjahr 1947 dabei (Anmerkung der Autoren: Vereinigung der Zellstoff-, Holzstoff-, Papier- und Pappenfabriken in Hessen) und ist damit eine der späteren verwandte Industrie gewesen, für die im Arbeitgeberverband Fachabteilungen bestanden, wie wir sie heute noch für die Kunststoffverarbeitende Industrie (KVI) kennen.

Dr. Jörg hat den hessischen Verband aufgebaut und auch die Gründung des bereits erwähnten Arbeitsrings Chemie, des heutigen BAVC, ging auf seine Initiative zurück. Er blieb Vorsitzender bis es im Jahr 1951 zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und einem anderen maßgeblichen Vorstandsmitglieds aus der klassischen Chemie kam. Dann gründete sich ein eigener Papierverband, dessen Geschäftsführung immerhin noch bis 2005 von HessenChemie übernommen wurde.

Wir danken Dr. Eich sehr herzlich für das Interview und die Einblicke in eine spannende Zeit der Arbeitgeberverbände und der Chemiebranche.

 

Jürgen Funk ist Geschäftsführer Verbandskommunikation und politische Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecher beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Er verfügt über eine 25-jährige Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, PR-Agenturen, Politik und Bundeswehr. Im Arbeitgeberverband HessenChemie ist er darüber hinaus zuständig für die Berufsausbildungsthemen. Jürgen Funk ist Aufsichtsratsmitglied der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


Kommunikatoren, Journalisten und TV – ein spannender Tag beim ZDF

Fernsehauftritte stellen besonders hohe Anforderungen an die Kommunikatoren und Geschäftsführer von Unternehmen. Durch die Kombination der Bild- und Tonaufnahme ist nicht nur ausschlaggebend, was gesagt wird, sondern vor allem wie es gesagt wird. Das schließt zum einen die Sprechweise, zum anderen aber auch Gestik und Körperhaltung mit ein. Werden diese Aufnahmen außerdem noch live ausgestrahlt, erhöht das den Druck, auf Anhieb alles perfekt zu machen. Denn einen zweiten Versuch gibt es nicht.

Genau darum ging es am 30.11.2015 beim 22. FORUM Kommunikation zu dem Thema „Ihr Unternehmen im Fernsehen – wie Sie die Herausforderung meistern.“

Dafür waren HessenChemie, der VCI Hessen und 70 weitere Teilnehmer ihrer Mitgliedsunternehmen zu Gast beim ZDF in Mainz. Sie lernten dort in verschiedenen Vorträgen und Workshops unter anderem, worauf es den Journalisten eines Fernsehbeitrags ankommt, wie man sich oder seinen Chef auf ein Interview vorbereiten kann und welche Aspekte man in diesem Zusammenhang bei der Krisenkommunikation beachten sollte.

Die Begrüßung und Einleitung übernahm Michael Hoffmann von Evonik Industries und Sprecher des FORUM Kommunikation, gefolgt von verschiedenen Referenten. Sina Mainitz, Moderatorin der ZDF Börsen-Finanzdirektion, beschrieb die Erstellung eines Fernsehbeitrags von der Themen- und Interviewpartner-Findung bis hin zur Ausstrahlung, damit sich die Teilnehmer bestmöglich in den Journalisten hinein versetzen können, der ihnen bei einem Interview gegenüber steht,. Anschließend folgten Vorträge von Stefan Ackermann, Leiter der Unternehmenskommunikation von RWE Deutschland und ehemaliger Moderator beim ZDF, sowie von Dr. Hans-Georg Klose, dem Geschäftsführer der Kommunikationsberatung Klose-Kom. Am Nachmittag ging es weiter mit den Workshops von Helen Wild, Moderatorin beim ZDF und Medien-Coach, über Tipps und Tricks für den Auftritt vor der Kamera und einem Einblick darin, was sich das Fernsehen eigentlich von dem Pressesprecher erhofft. Unterstützt wurde sie dabei von dem ZDF-Moderator Tim Niedernolte, der verschiedene Interviewsituationen mit freiwilligen Teilnehmern probte.

Zum Abschluss konnten alle Teilnehmer bei der Führung durch das ZDF-Gelände einen Blick hinter die Kulissen wagen. Vielleicht sehen sie einen zukünftigen Fernsehauftritt nun nicht mehr nur als Herausforderung, sondern auch als Chance, ihre Botschaften einem großen Publikum authentisch herüberzubringen. Ich habe bei dem Besuch meines ersten FORUM Kommunikation auf jeden Fall sehr viel mitgenommen und hatte besonders großen Spaß bei den Übungen zur Körperhaltung und der Findung der entspannten, eigenen Sprechstimme – denn diese ist in der Regel viel tiefer als man selbst glaubt! J

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie

Giulia Bachmann, Trainee HessenChemie

Giulia Bachmann, B.A., hat Media Management an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden studiert und ist seit August 2015 Trainee der Verbandskommunikation beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie unterstützt dort die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Online-Redaktion und wirkt bei der Planung und Organisation von Veranstaltungen mit.