Berufliche Bildung als Treiber für Nachhaltigkeit – Erfahrungsaustausch am 2. November 2017 in Wiesbaden

Welche Rolle die berufliche Bildung als Treiber für eine nachhaltige Entwicklung in Unternehmen spielt, erfahren die Teilnehmer des Fachforums „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017 in Wiesbaden. Erste Einblicke in das Projekt „ANLIN – Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ bietet der Provadis Bildungsreport Nachhaltigkeit.

Fachforum „Mit Qualifizierung zum nachhaltigen Unternehmen“ am 2. November 2017

Das Fachforum findet am

Donnerstag, 2. November 2017

von 10:00 bis 15:00 Uhr

im Hessenchemie Campus

statt.

Die Teilnehmer erwartet ein Grußwort von Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel. Die unternehmerische Dimension von Nachhaltigkeit stellt Dr. Matthias Braun von Sanofi-Aventis Deutschland vor. Im Zentrum der Veranstaltung stehen dann die Ergebnisse und Erfahrungen des geförderten Modell-Projektes ANLIN, die mit den Projektbeteiligten und den anwesenden Ausbildungs-, CSR- und Nachhaltigkeits-Verantwortlichen sowie weiteren interessierten Teilnehmern diskutiert werden.

Weitere Informationen zum Programm sowie die Anmeldung sind auf der Hessenchemie-Internetseite oder auf der Internetseite von Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie zu finden. Die Teilnahme ist kostenfrei und die Anmeldung bis zum 20. Oktober 2017 möglich. Das Fachforum ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³.

Weitere Informationen zu dem Projekt ANLIN sind hier oder hier abrufbar.


Verspätetes Nikolaus-Geschenk an die JOBLINGE

Als etwas verspätetes Nikolaus-Geschenk haben wir als HessenChemie den JOBLINGEN gebrauchte Computer, Bildschirme und Drucker geschenkt. Die Übergabe der Sachspende fand am 09. Dezember am Standort in Wiesbaden statt. Aufgrund regelmäßiger Aktualisierungen der IT-Systeme wurden die Geräte ausgetauscht. Für die

v.l.n.r.: Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie und Christiane Schubert, stellvertretende Regionalleiterin der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain bei der Übergabe der Sachspende am Standort in Wiesbaden Foto: Arne Landwehr

v.l.n.r.: Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie und Christiane Schubert, stellvertretende Regionalleiterin der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain bei der Übergabe der Sachspende am Standort in Wiesbaden; Foto: Arne Landwehr

JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain nahm Christiane Schubert, stellvertretende Regionalleiterin, die Geräte entgegen. Bei der Übergabe

waren auch JOBLINGE anwesend, die sich sichtlich über die Computer, Bildschirme und Drucker freuten. Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie, schlüpfte für diese Nikolaus-Aktion in ein Nikolaus-Kostüm und übergab die Sachspende an die JOBLINGE.“Die kontinuierliche Unterstützung der Arbeit der JOBLINGE ist uns als Arbeitgeberverband ein wichtiges Anliegen“, erklärt Jürgen Funk im Rahmen der Übergabe der Sachspende.

Bereits für den Aufbau des Büros in Wiesbaden wurden Büromöbel wie Schränke und Stühle zur Verfügung gestellt. Christiane Schubert,

bedankte sich stellvertretend für die JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain für die Sachspende. „HessenChemie unterstützt uns an allen Ecken und Enden. Auch Sachspenden wie Computer und Drucker, nehmen wir gerne. Die Jugendlichen schreiben daran ihre Bewerbungen und recherchieren zu freien Ausbildungsplätzen im Internet“, führt Christiane Schubert weiter aus.

JOBLINGE wurde im Jahr 2007 als gemeinsame Initiative der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG und The Boston Consulting Group GmbH (BCG) gemeinsam mit Experten aus Politik, Wirtschaft und gemeinnützigem Sektor ins Leben gerufen. Die Initiative ist derzeit an 15 Standorten bundesweit aktiv, bisher wurden 3.364 Jugendliche unterstützt. Die JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain nahm bislang 867 Jugendliche in das Programm auf und konnte diese mit einer Vermittlungsquote von 83% in die Arbeitswelt bringen; am Standort in Wiesbaden wurden 138 Jugendliche in das Programm aufgenommen. Die Vermittlungsquote liegt in Wiesbaden bei 82%. Zu den guten Vermittlungsquoten tragen die zahlreichen Partnerunternehmen und Mentoren maßgeblich bei.

 

 


Weihnachtsgeschenke und die Frage: wohin mit Dingen, die man nicht mehr braucht?

Die Weihnachtsmärkte haben geöffnet, Menschen trinken Glühwein, Firmen feiern ihre Weihnachtsfeiern und denken darüber nach, was sie ihren Liebsten wohl zu Weihnachten schenken sollen. Schenken kann man viel: Schokolade, Bücher, das typische SOS (Socken, Oberhemd, Schal) für den Mann, Parfum oder Schmuck für die Damen (oder auch die Herren), Essen und und und….. Nicht immer geht es beim Schenken um die großen Dinge, die kleine Aufmerksamkeit und das passende Geschenk bereiten oft die größere Freude als riesige Tüten mit Dingen, die man nicht braucht oder die einem nicht gefallen. Im letzten Jahr erschien hierzu ein Artikel im Handelsblatt in dem beschrieben wurde, wie einige Ökonomen das allweihnachtliche Schenken aus ökonomischer Sicht, betrachten: „Ökonomie des Schenkens: Geschenke für die Tonne“ war der Artikel überschrieben.

Geschenke, die nach Weihnachten in die Tonne kommen, sind wohl keine guten Geschenke. Und wer kennt es nicht: Kleidung, die man ungetragen in den Schrank hängt, weil man sich nicht traut die Geschenke, die einem nicht gefallen, wegzuschmeißen? Musik, die man umtauscht, weil einem die Band nicht gefällt oder die Zeit der Band schon einige Jahre zurückliegt, nur die Großeltern es nicht mitbekommen haben? Natürlich ist auch hierbei das Gefühl, die Mühe bei der Auswahl und die Geste des Schenkenden an den Beschenkten wichtig. Doch irgendwie ist es schon komisch, wenn man die Geschenke dann gar nicht benutzt.

Es geht aber auch andersherum.  Manchmal hat man Dinge, die man nicht mehr braucht. Diese lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen:

  1. Dinge, die man nicht mehr braucht und die auch nicht mehr funktionieren;
  2. Dinge, die man nicht mehr braucht, die aber noch gut funktionieren.

Die Dinge der ersten Kategorie gehören in die Tonne, d.h. sie werden sollten sachgerecht entsorgt (gelber Sack, Wertstoffhof, etc.) werden. Was aber macht man mit den anderen Dingen?

Die Dinge der zweiten Kategorie funktionieren noch gut, haben vielleicht kleinere Mängel, können aber durchaus noch benutzt werden (Autos oder Computer beispielsweise). Einige dieser Dinge (Kategorie 2a) (Autos zum Beispiel) haben noch einen relativ hohen Wert und können weiterverkauft werden. Andere Gegenstände (Computer oder Drucker beispielsweise) haben nach einer gewissen Zeit und Nutzung nur noch einen sehr geringen bis gar keinen Wert mehr (Kategorie 2b). Auf einem Markt werden sie also in der Regel nicht mehr zum Kauf angeboten. Durch ihren Einsatz können sie dem richtigen Empfänger jedoch noch einen großen Dienst erweisen. Dies gilt beispielsweise für Elektro-Geräte, die – je nach Produkt – ganz eigenen Lebenszyklen ausgesetzt sind. Ähnlich wie bei guten Weihnachtsgeschenken stellt sich dann die Frage: wer könnte die Dinge am besten gebrauchen?


Dialog auf Augenhöhe – Einsichten eines Jugendworkshops

Dialog auf Augenhöhe war ein Schlagwort in den Diskussionen der jungen Nachhaltigkeits-Experten am Tag vor der großen Dialog-Veranstaltung der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³. Am Mittag des dritten Novembers trafen die jungen Experten ein: einige Teilnehmer arbeiten in Unternehmen der Chemie-Branche oder sind in der Gewerkschaft aktiv. Andere junge Experten kam von außen: aus Umweltverbänden, studentischen Gruppen, die sich mit nachhaltigem Wirtschaften und Wirtschaftsethik beschäftigen oder sind in Jugendverbänden mit einer nachhaltigen Entiwcklung auseinandersetzen. Auch ich war dabei, um mitzudiskutieren – im Rahmen des Jugendworkshops und der Veranstaltung am folgenden Tag unter dem Motto „Zuhören. Verstehen. Handeln – Chemie³ im Dialog“ am dritten und vierten November in Berlin.

Einen halben Tag nahmen sich die Vertreter der Allianzpartner von BAVC, IG BCE und VCI, um vor der großen Dialog-Veranstaltung intensiv mit Vertretern der sogenannten Generation Y, den Millenials oder wie auch immer man diese Generation beschreiben möchte, über Nachhaltigkeit und die Aktivitäten der Branche für eine nachhaltige Entwicklung zu diskutieren. Am Ende des Tages sollten wir 3 Hoffnungen und 3 Sorgen formulieren, die im Rahmen einer Podiumsdiskussion der jungen Experten mit den Themenpaten der Workshops für die große Veranstaltung diskutiert werden sollten.

Doch erst einmal stellten sich die Teilnehmer vor, sagten was ihnen wichtig ist und was sie in die Dikussion einbringen. Schnell entwickelte sich eine Diskussion, die noch Tage hätte weitergehen können. Ein Thema tauchte immer wieder auf: der Dialog und dass dieser eine gemeinsame Sprache benötige. Der Austausch endet nicht mit der Veröffentlichung von schönen Broschüren. Dies sei erst der Beginn – so einige der jungen Vertreter. Intensiv wurd darüber diskutiert, wie man gerade die jungen Menschen in die für ihre Generation bedeutenden Diskussionen zu einer nachhaltigen Entwicklung einbinden könne. Eine gemeinsame Sprache und ein zielgruppengerichtetes Angebot sei hier wichtig. Interessiert zeigten sich die Vertreter an den selbstgesetzen Zielen der Initiative und den bislang durchgeführten Maßnahmen, über die die Initiative am nachfolgenden Tag mit der Veröffentlichung des ersten Fortschrittsberichts informierte. Nach zweieinhalb Jahren fasst dieser das bislang Erreichte zusammen und beschreibt, was in den folgenden Jahren erreicht werden soll. Aber die Kommunikation ende nicht mit der Erstellung des Berichts.

Im Rahmen der Dialog-Veranstaltung am vierten November wurde über etwas Ähnliches gesprochen. Die Frage, wofür ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt werde und ob, wenn denn ein Bericht sinnvoll sei, die Arbeit damit schon getan ist? In einem Nachhaltigkeitsbericht werden in der Regel mit Hilfe von Daten zusammengetragen, aufbereitet und erklärt, um die Situation des Unternehmens in Bezug auf die Nachhaltigkeitsleistung zu beschreiben. Der Bericht bildet die Grundlage für die Steuerung der Nachhaltigkeitsaktivitäten: in welchem Bereich wurden die Ziele erreicht, in welchem Bereich muss sich etwas tun? Ein Bericht hat keinen Zweck an sich, Aufwand und Nutzen müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Ein Bericht kann jedoch bei der Steuerung der Aktivitäten des Unternehmens helfen. Der Bericht stellt die Faktenbasis, zeigt Trends und Entwicklungen auf. Die Kommunikation beginnt aber erst nach der Erstellung des Berichts. So wie einer der Dreiklänge von Chemie³: „Dialog führen. Handeln. Kommunizieren“.


Azubis und CSR: Früh Bewusstsein schaffen

Ist Corporate Social Responsibility eigentlich nur ein Thema für Führungskräfte? Wie gehen junge Menschen damit um, und ist es sinnvoll, Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen schon innerhalb der Ausbildung zu behandeln?

Neugier bei den Azubis wecken

Weil wir bei Provadis dazu eigene Erfahrungen sammeln und auch unsere bereits vorhandene Expertise Projektpartnern zur Verfügung stellen wollten, haben wir in einem von der EU und der Bundesregierung geförderten Programm einen zweitägigen CSR-Pilotworkshop konzipiert und durchgeführt. Projektträger war das Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH (QFC). Ziel unseres Workshops war, bei den Azubis schon im ersten Ausbildungsjahr Neugier für das Thema Nachhaltigkeit zu wecken, eine Grundsensibilisierung und ein Grundverständnis für CSR zu erreichen.

Wir waren von Anfang an sehr gespannt und skeptisch, wie intensiv junge Leute mit diesen Fragen umgehen. Doch zu unserer großen Überraschung kannten sich bereits viele mit dem Thema Nachhaltigkeit aus. Nachdem wir zunächst über den Begriff Corporate Social Responsibility und über die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales im Ganzen gesprochen hatten, diskutierten wir mit den jungen Leuten auch über erfolgreiche Wege in der CSR-Kommunikation. Ein Best Practice-Beispiel dafür: die Initiative Papilio zur frühzeitigen Sucht- und Gewaltprävention in Kitas.

Sozial- und ökologisch verantwortliche Produktion

Ein wichtiges Thema unseres zweitägigen Workshops, in dem die Azubis auch in kleinen Gruppen arbeiteten, war die Einführung in eine sozial- und ökologisch verantwortungsbewusste Produktion. Die Azubis hatten den Arbeitsauftrag, sich dabei speziell mit Fragen der Energieeffizienz zu beschäftigen. Sie erfuhren nicht nur viel darüber, wie Provadis ökologisch bewusst arbeitet, sondern sollten auch selbst sinnvolle Maßnahmen entwickeln. Es war faszinierend und toll zu beobachten, wie aktiv und kreativ die Chemielaboranten im Workshop an die Sache herangingen, obwohl sie ja noch nicht in den Unternehmen gearbeitet hatten. Viele berichteten im Laufe des Workshops auch über das eigene Engagement für Nachhaltigkeit im privaten Bereich. Damit der Workshop keine „Eintagsfliege“ bleiben und sich die Azubis im Nachgang weiter mit dem Thema Energieeffizienz beschäftigen konnten, haben wir darüber hinaus einen Lehrbrief entwickelt, der das Thema auch ganz konkret auf die betriebliche und private Lebenssituation bezieht und in kleinen Teams in zwei bis drei Wochen durchgearbeitet worden ist.

Zusammenhänge erkennen, Gedankenanstöße mitnehmen

Sehr gefreut hat uns das überaus positive Feedback der Teilnehmer während und nach der Veranstaltung. So sagten einige, dass sie wertvolle Anstöße bekommen haben und jetzt den Gesamtzusammenhang in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt viel besser verstehen. Durch den Workshop bin ich jetzt in der Lage, sagte ein Azubi, an meinem Arbeitsplatz im Unternehmen entsprechende Zusammenhänge zu erkennen und das Wissen auch anzuwenden. Eine Auszubildende meinte, es wäre gut, wenn sich alle Firmen Gedanken machen würden, wie man zufriedenere Mitarbeiter bekommen könnte und dass sie glaube, Begriff und Inhalte von Corporate Social Responsibility seien noch nicht ausreichend bekannt. Dabei wäre es so wichtig, weil jeder Einzelne individuell zum Klimaschutz beitragen könne. Ein Auszubildender brachte es auf den Punkt: Er meinte, dass jeder ein Teil von CSR sei und dass man schon während der Ausbildung am Arbeitsplatz Strom sparen, im Labor nicht verschwenderisch arbeiten oder den Müll trennen könne.

Positive Erfahrungen mit dem Pilotworkshop

Nach diesen ersten überraschend positiven Erfahrungen bin ich davon überzeugt, dass man so früh wie möglich das Bewusstsein bei den Auszubildenden für die Relevanz von CSR schärfen sollte. Wichtig ist dabei, den Bezug zum betrieblichen Alltag herzustellen. So könnte man auch beispielweise Unternehmensvertreter zu einem weiteren Workshop einladen. Denn je mehr Praxisbezug geboten wird, umso besser engagieren sich die Azubis.

Nachhaltigkeit und ganzheitliches Denken ist heute schon bei den jungen Leuten ein wichtiges Thema und wird für sie als zukünftige Mitarbeiter immer wichtiger. Ich empfehle allen Verantwortlichen in den Betrieben, die jungen Leute ernst zu nehmen und nicht zu vergessen, wie entscheidend sie zum Unternehmenserfolg bereits heute und vor allem in ihren zukünftigen Rollen beitragen. Provadis jedenfalls bleibt für seine Kundenunternehmen und die ihr anvertrauten Auszubildenden weiter dran.

 

 

Marny Schröder, B.Sc.Marny Schröder, Ausbilderin für Chemie- und Labortechnik, B.Sc, Provadis,

studierte nach der Ausbildung zur Chemielaborantin berufsbegleitend Chemieingenieurswesen. Als Ausbilderin bei Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie im Bereich der Chemie und Labortechnik bereitet sie junge Menschen auf ihr Berufsleben in der chemischen Industrie vor. Zudem ist sie als Prüferin der IHK tätig. 

Marny Schröder ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und aktuell in Elternzeit.

 


Für Nachhaltigkeit begeistern: Aktionen für Nachhaltigkeit

Seit Samstag ist es wieder soweit: die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit haben begonnen. 1050 Aktionen sind auf der Internetseite der Aktionstage angemeldet, die eines gemeinsam haben: sie wollen für eine nachhaltige Entwicklung sensibilisieren und Menschen zum Mittmachen motivieren. Bis zum 05. Juni finden diese bundesweit und in diesem Jahr zum ersten Mal europaweit statt. Ganz unterschiedliche ist das Engagement: eine Aktion bei PROVADIS zum Nachhaltigen Mittagessen, bei der Firma BRITA sammelt man Elektroschrott, es gibt Repair-Cafés und Twitter-Berichte von BASF und Bundesministerien und Vieles mehr. Aber noch einmal einen Schritt zurück: Aktionstage Nachhaltigkeit – warum gibt es sie eigentlich?

Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit wurden nach der Weltkonferenz in Rio erstmalig veranstaltet

Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit wurden vom Rat für Nachhaltige Entwicklung initiiert. Im Anschluss an die Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahr 2012 in Rio de Janeiro wollte man auf das wichtige Ziel einer nachhaltigen Entwicklung aufmerksam machen. „Vorbildliches Engagement in ganz Deutschland soll an den Aktionstagen sichtbar werden und andere zum Mitmachen und zur Eigeninitiative ermutigen“, so heißt es auf der Internetseite der Aktionstage. Dies spiegelt sich in den Aktionen genauso wieder wie in den Personen und Organisationenen, die sich beteiligen: große und kleine Unternehmen, Verbände, und andere Einrichtungen, die sich für das Thema interessieren und andere zum Mitmachen bewegen wollen.

Interessante und vielfältige Aktionen: vom Essen und Elektroschrott

In der Hochschule Provadis sollen die Mitarbeiter und Auszubildende der Provadis Gruppe erfahren, welchen Einfluss eine nachhaltige Ernährung auf den Klimaschutz hat. Welchen Einfluss der regionale Bezug von Lebensmitteln? Was kann bewirkt werden, wenn man sich saisonal ernährt? Welche Rolle spielt der Fleischkonsum hier? Veranstaltet wird die Aktion vom Climate-KIC Team der Provadis Hochschule.“Das Climate-KIC (Knowledge & Innovation Community) stellt sich den aus dem Klimawandel ableitbaren Herausforderungen […]“ (Klimate-KIC). In einer Aktion für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sammelt die Firma BRITA Elektroschrott. MIt der Aktion soll auf den Wert von Abfall aufmerksam geamcht werden. Die Mitarbeiter können ihren Elektroschrott mit zur Arbeit bringen, die fachgerechte Entsorgung wird dann vom Unternehmen übernommen. Darüber hinaus werden Daten zum Ressourceneinsatz der Firma selbst vorgestellt und verschiedene Abfallarten und -mengen präsentiert. Aber auch Aktionen wie ein sogeanntes Repair-Cafe, in dem Menschen ihre gebrauchten Sachen reparieren können, oder Berichte vom Alltag sind dabei, wie beispielweies von BASF auf Twitter.

Vorbildliches Engagement sichtbar machen – auch europaweit

Die Aktionstage Nachhaltigkeit wollen vorbildliches Engagement sichtbar machen und zum Mitmachen anregen (alle Aktionen sind in der Datenbank auf der Internetseite der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit zu finden). Gleichzeit zu den Deutschen Aktionstagen findet auch die Europäische Nachhaltigkeitswoche statt. Mitmachen bedeutet hier wohl nicht nur, sich an den Aktionen zu beteiligen, sondern sich im Alltag an vorbildlichem Handeln zu orientieren. So vielfältig die Aktionen zu den Aktionstagen Nachhaltigkeit sind, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Eine Vielzahlt von Möglichkeiten für ein solches Engagement gibt es mittlerweile: im letzten Jahr anlässlich des 3. Nachhaltigkeitstags in Hessen im letzten Jahr haben Mitarbeiter von HessenChemie sich unter dem Motto „Hat Oma früher nachhaltiger gelebt?“ mit nachhaltigen Konsummustern beschäftigt. Seit elf Jahren gibt es das Projekt „Wiesbaden engagiert!“. Hier haben Unternehmen die Möglichkeit, sich in der Stadt zu engagieren. Im Rahmen einer Projektbörse werden Unternehmen mit gemeinnützigen Projekten zusammengebracht die sie im Rahmen einer Projektwoche unterstützen. Als HessenChemie haben wir dies in den letzten Jahren auch immer wieder getan. Für dieses Jahr haben wir uns bereits ein Projekt ausgesucht: Fresko e.V. kümmert sich um Berufsrückkeher/-innen sowie junge Menschen, die keine Ausbildung haben oder einen Arbeitsplatz suchen – auch solche Fragen sind für eine nachhaltige Entwicklung wichtig (einen ausführlicheren Beitrag zu unserem Engagement ist hier zu finden).

Warum also Aktionstage für Nachhaltigkeit?

Eine nachhaltige Entwicklung tritt immer stärker ins Bewusstsein der Menschen. Dieses Bewusstsein zu stärken und innovative Ideen für eine nachhaltige Entwicklung zu zeigen, dazu werden die Aktionstage Nachhaltigkeit genutzt. Wie tragen Sie zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft und einer nachhaltigen Entwicklung bei?


Nachhaltigkeitsmanagement: wie lassen sich Daten erfassen und aufbereiten?

Systematisches Nachhaltigkeitsmanagement wird auch für kleine und mittlere Unternehmen wichtiger. Mit dem Nachhaltigkeitsmanagement ist es in etwa wie mit der frühen Seefahrt: Zur Orientierung nutzte man die Sonne oder die Sterne, man schaute also nach oben.

Heute stehen uns GPS-Satelliten zur Verfügung, die den Weg weisen: der Standort wird selbstständig festgestellt, nur noch das Ziel muss eingegeben werden. „Navigation starten“ drücken und schon gibt eine freundliche Stimme Anweisungen, wie das Ziel zu erreichen ist: auf dem Schiff, im Auto oder mit dem Smartphone. Wohin aber soll die Reise gehen? Das muss heute wie damals selbst bestimmt werden.

Im Unternehmen spielen nicht die Sonne oder die Sterne eine Rolle für die strategische Ausrichtung, sondern Zahlen, Daten, Fakten auf deren Grundlage das Management entscheidet. Mittlerweile stehen für das Nachhaltigkeitsmanagement in fast allen Unternehmensbereichen Zahlen zur Verfügung: zu sozialen Faktoren (Krankenstand, Fluktuation, etc.), zur ökonomischen Situation (Umsatz, Gewinn, etc.) und zu ökologischen Fragen (Energieverbrauch, Ressourceneinsatz, etc.). Wie lassen sich diese Daten für ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement nutzen?

3 Möglichkeiten nachhaltigkeitsrelevante Daten zu erfassen

Möglichkeit 1: Die Excel-Tabelle

Eine Möglichkeit zur Erfassung der Daten sind Excel-Tabellen. In den meisten Unternehmen ist Excel ohnehin verfügbar und viele Mitarbeiter arbeiten bereits damit. Die Anwendungsbereiche von Excel sind vielfältig, bspw. Kalkulationen werden oft mit Excel erstellt. Grundsätzlich muss erst einmal eine Vorlage zur Erfassung der vorhandenen Daten erstellt werden: welche ökonomischen, ökologischen und sozialen Indikatoren sind vorhanden und sollen erfasst werden? Zu welchem Zweck sollen sie erfasdt werden?

Ist eine Vorlage erstellt, können hier die Daten eingegeben werden. Oft wird dies schnell unübersichtlich. Darüber hinaus ist es in der Regel nicht möglich gleichzeitig in der Excel-Tabelle zu arbeiten. Insbesondere in Unternehmen, die nicht über eine zentrale Stelle, bspw. einen Nachhaltigkeitsmanager, verfügen, der die Daten sammelt und in die Tabelle einträgt, kommt es schnell zu Datenkonflikten. Paralleles Bearbeiten der Excel-Tabelle ist nur schwer möglich; Fehler schleichen sich so schnell ein.

Möglichkeit 2: Die Desktop-Software

Als Alternative zu einer Excel-Tabelle stehen mittlerweile einige Software-Lösungen fürs Nachhaltigkeitsmanagement oder für zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten zur Verfügung. In vorstrukturierter Weise können mit Hilfe einer solchen Software Daten gesammelt werden. Zusätzlich zu solchen Software-Lösungen kann in der Regel auf dazugehörige externe Beratung zurückgegriffen werden. Solche Software-Angebote decken in der Regel ein breites Spektrum an nachhaltigkeitsrelevanten Aspekten ab.

Mittlerweile sind verschiedene Angebote auf dem Markt, um auf die Ansprüche und Ziele des Nachhaltigkeitsmanagements abhängig von den Zielen, die erreicht werden sollen (bspw. interne Steuerung oder die Erstellung eines Berichts) angepasst werden können.

Möglichkeit 3: Die Cloud-Lösung

Immer öfter ist von der „Cloud“ die Rede. Damit ist gemeint, dass Daten nicht auf dem eigenen Computer oder Unternehmensserver gespeichert werden, sondern auf externen Servern. Wie fast alle Anwendungen bieten diese Lösungen Vorteile und Nachteile.

Für ein Nachhaltigkeitsmanagement sind solche Lösungen vor allem interessant, wenn über verschiedene Standorte hinweg am Nachhaltigkeitsmanagement gearbeitet wird. Über Internetplattformen können sich verschiedene Mitarbeiter in die Anwendung einwählen und Daten einpflegen und/oder an der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts mitwirken. In der Regel kann bei diesen Anwendungen parallel gearbeitet werden ohne Datenkonflikte zu verursachen. Darüber hinaus lässt sich nachvollziehen wer wann welche Daten eingegeben hat. Nachteilig sind die ggf. anfallenden Lizenzkosten, die je nach Angebot pro Nutzer anfallen können. Allerdings sind auch einige kostenlose Angebote auf dem Markt (die teilweise in geförderten Projekten entstanden sind und sich hauptsächlich an kleine und mittlere Unternehmen richten), deren Leistungsumfang sich jedoch stark unterscheidet.

Warum Software fürs Nachhaltigkeitsmanagement nutzen?

Platz 1: Die Datenerhebung und -aufbereitung

Die systematische Erhebung und Aufbereitung der Daten ist die Basis eines Nachhaltigkeitsmanagements. So kann die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens auf der Hrundlage von Daten ermittelt werden. Systematisch können die Potenziale des Unternehmens erkannt und genutzt werden. Darüber hinaus kann zwischen verschiedenen Handlungsfeldern priorisiert werden, um die Organisation nicht zu überfordern.

In der Studie der Universität „[äußerten] die Befragten [] sich zum Nutzen von NMS [Nachhaltigkeitsmanagement-Software] für die Datenerhebung und -aufbereitung sehr positiv, wie einer feststellt: Das wäre ohne Software gar nicht denkbar. Nachhaltigkeitsmanagement hängt ja mit Messen zusammen“ (S. 11). Dies gilt übrigens für alle der drei vorgestellten Möglichkeiten – mit den genannten Vor- und Nachteilen der jeweiligen Anwendung.

Platz 2: Controlling und Benchmarking

Wie aus der Arbeit mit Finanzkennzahlen bekannt, ist ein Controlling verstanden als Steuerung der Aktivitäten wichtig: wo ist das Unternehmen gut aufgestellt? Wurden die gesetzten Ziele erreicht? Wie steht das Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen da? Ohne die entsprechenden Daten ist ein Benchmarking nur schwerlich möglich. Zwar ist das Benchmarking bei den vorhandenen Software-Angeboten noch wenig entwickelt, dennoch handelt es sich hierbei um einen wichtigen Aspekt des Nachhaltigkeitsmanagements. Bspw. kann auch ein internes Benchmarking interessant sein: wie stehen die verschiedenen Standorte im Vergleich zu einander?

Platz 3: Kommunikation und Berichterstattung

Ein softwarebasiertes Nachhaltigkeitsmanagement kann unterstützend auf die Kommunikation wirken. Insbesondere hinsichtlich eines Nachhaltigkeitsberichts ist dies erforderlich, da die meisten Rahmenwerke zur Nachhaltigkeitsberichterstattung die Erhebung von Leistungsindikatoren erfordern (vgl. die G4-Richtlinien der Global Reporting Initiative). Darüber hinaus kann die Kommunikation mit Kunden verbessert werden, wenn diese gewisse Informationen im Zuge ihrer Berichterstattung über die Lieferkette benötigen.

Fazit

Das softwarebasierte Nachhaltigkeitsmanagement kann eine Entwicklung oder Weiterentwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen, aber nicht ersetzen. Wie oft bei Softwarelösungen lassen sich Abläufe vereinfachen, Daten systematisch auswerten und aufbereiten. Daten liefern die Basis für eine faktenbasierte Arbeit an der Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens.

Die Entscheidungen, das Denken und Handeln des Managements und der Mitarbeiter können von Software aber nicht ersetzt werden. Für innovative Ansätze und die strategische Ausrichtung bedarf es einer intensiven Beschäftigung mit dem Unternehmen und dem Unternehmensumfeld: was sind die zukünftigen Herausforderungen? Wohin soll die Reise gehen? Diese Fragen müssen in großen wie in kleinen Unternehmen vom Management getroffen werden.

Die Studie der Leuphana Universität mit einer Übersicht der am Markt vorhandenen und der in kleinen und mittleren Unternehmen eingesetzten Anwendungen ist hier zu finden.