Unterstützung in Zeiten der Krise – Ein Blick auf den Beitrag der chemisch-pharmazeutischen Industrie

Das Coronavirus stellt unsere Gesellschaft, die politischen Entscheidungsträger und Unternehmen derzeit vor eine Vielzahl an Herausforderungen. Kurzarbeit, wegbrechende Auftragslagen und die Ungewissheit, wie lange die Pandemie andauern wird und wie diese zu bewältigen ist, bestimmen das Bild. Was in Zeiten der Krise jedoch Mut macht, ist das breite gesellschaftliche Engagement, das uns zusammenhält. So hat Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarländern die Pandemie bisher verhältnismäßig gut gemeistert. Dafür waren und sind in Zeiten der Krise unbürokratische, pragmatische Hilfen in vielen Bereichen notwendig.


Einen erheblichen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander leistet die chemisch-pharmazeutische Industrie. Als Hoffnungsträger für einen Impfstoff und Medikamente gegen das Virus beweist sie derzeit ihre systemrelevante Stellung und arbeitet mit Hochdruck daran, schnellstmöglich Lösungen zu finden. Gleichzeitig muss die Versorgung mit wichtigen Medikamenten ohne Coronabezug gewährleistet werden. Lagerbestände in Europa und Deutschland aufzubauen, sind daher Überlegungen, die Pharmaunternehmen derzeit beschäftigen.


Doch auch am unmittelbaren gesellschaftlichen Bedarf an Schutzausrüstung ist die chemisch-pharmazeutische Industrie in Hessen in großer Anzahl beteiligt und liefert dringend benötigte Produkte zur Pflege und Behandlung von Patienten. Neben der regulären Produktion von Schutzausrüstung und medizinischem Material haben sich in den vergangenen Wochen viele Unternehmen abseits ihres ursprünglichen Produktportfolios im Bereich der Medizintechnik und Patientenversorgung engagiert.

Hier ist beispielsweise die Produktion von Desinfektionsmitteln zu nennen, die seit Pandemiebeginn verstärkte mediale Berichterstattung erfuhr. Unternehmen aus Chemie und Pharma haben schnell begonnen, Desinfektionsmittel für medizinische Bedarfe freizugeben oder ihre Produktion auf die Herstellung von desinfizierenden Lösungen umzustellen.


Ein Blick in die Mitgliedschaft


So spendete beispielsweise Merck im März 50.000 Liter Desinfektionsmittel und 40.000 FFP2-Schutzmasken an die Stadt Darmstadt. Im Mai legte der Konzern noch einmal nach und kündigte an, dem Gesundheitswesen in Deutschland, Frankreich und den USA zwei Millionen FFP2-Atemschutzmasken zur Verfügung zu stellen.


Auch der Geschäftsbereich Merck Performance Materials engagiert sich am Standort im Wiesbadener Industriepark Kalle-Albert und produziert in Kooperation mit dem Sekthersteller Henkell Freixenet Desinfektionsmittel, die Wiesbadener Krankenhäusern kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Innerhalb der Kooperation stellte Henkell Freixenet den benötigten reinen Alkohol zur Verfügung, während Merck für die Weiterverarbeitung zu rund 45.000 Litern Desinfektionsmittel sorgte. Hierfür wurde eine Anlage umfunktioniert, in der normalerweise hochreine Produkte für die Halbleiterindustrie hergestellt werden. Unterstützt wird der Zusammenschluss der beiden Unternehmen durch die InfraServ Werkfeuerwehr des Industrieparks Kalle-Albert, die mit eigener Personal- und Fahrzeuglogistik bei der Auslieferung der Desinfektionslösung an die Gesundheitseinrichtungen unterstützt.

Neben dem Darmstädter Unternehmen beteiligen sich u.a. auch die Konzerne Evonik und Procter & Gamble an den unmittelbaren Coronahilfen.


So spendet Evonik am Hanauer Standort rund 1.400 Liter an das Rote Kreuz, der US-Konzern Procter & Gamble mit Sitz in Schwalbach stellte Sachspenden in Höhe von rund 10 Millionen US-Dollar zur Verfügung, darunter Haushaltsreiniger, Spülmittel, Windeln sowie Desinfektionsmittel. Zudem leistet das Unternehmen finanzielle Unterstützung für Menschen und Familien in Not und baut neue Produktionskapazitäten zur Herstellung von Mundschutzen auf.

Doch nicht nur Großkonzerne helfen in Zeiten der Krise, auch der Mittelstand spendet Schutzausrüstung und hat seine Produktion um die Herstellung von Desinfektionslösungen erweitert.


Beispielsweise unterstützt die Firma Kettenbach mit einer Spende an Handdesinfektionsmitteln die Feuerwehren von Eschenburg.  Auch Unternehmen der Lackherstellung beteiligen sich an der Produktion. So hat die Ernst Diegel GmbH ihre Produktion für die Herstellung von Desinfektionsmitteln angepasst und unterstützt die Stadt Alsfeld mit einer Spende, die dem lokalen Einzelhandel und Arztpraxen zugute kommt.  In Offenbach gibt die Alfred Clouth Lackfabrik ihre Desinfektionslösungen zum Selbstkostenpreis an die Stadt Neu-Isenburg ab, welche an die Feuerwehr und Polizei, öffentliche Verkehrsmittel sowie an die Stadtverwaltungen verteilt werden.


Um ihren langjährigen Kunden durch die Krise zu helfen, hat auch die Chemische Fabrik Kreussler mit Sitz in Wiesbaden die Produktion von Handdesinfektionsmitteln aufgenommen. Aufgrund der derzeit hohen Nachfrage war hierbei die Beschaffung von geeigneten Behältern zur Abfüllung besonders herausfordernd. Durch seine Produktion von desinfizierenden Waschmitteln trägt das Unternehmen zusätzlich zur Bekämpfung des Coronavirus bei. So werden mit Kreusslers Waschmitteln beispielsweise OP-Kleidung, Bettwäsche und medizinische Berufskleidung desinfizierend gewaschen, was zur Sicherheit von Ärzten, Patienten und Pflegepersonal in Zeiten der Krise beiträgt.


Neben den unmittelbaren Hilfen an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln richtet sich die Branche mit dem Arbeitsschutz der eigenen Mitarbeiter in den kommenden Wochen auf eine „neue Normalität“ ein. Diese wird geprägt sein durch Abstandsregelungen, Maskenpflicht und digitale Lösungen, sei es im Homeoffice, Onlinekonferenzen und –Schulungen. Neben dem Mitarbeiterschutz sind hierbei die Aufrechterhaltung der Produktion sowie die Impfstoffsuche oberste Ziele, damit lebensnotwendige Arzneien weiterhin verfügbar bleiben und schnellstmöglich ein Ausweg aus der Krise gefunden werden kann. Hierfür hat die hessische Chemie- und Pharmaindustrie bereits jetzt hohe Investitionen getätigt, um bestehende Produktionsanlagen für die Herstellung von Impfstoffen umzurüsten.


Die hier angeführten Unternehmensbeispiele stellen einen exemplarischen Ausschnitt des Engagements unserer Mitgliedschaft dar und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Sie möchten uns von Ihrem Engagement berichten? Senden Sie uns gerne Ihre Geschichte an kirschner@hessenchemie.de zu, wir nehmen diese gerne auf!


How to Webinar!? Tipps zur Vorbereitung und Durchführung von Webinaren

Auch Verbände müssen ihre Angebote für die Mitgliedsunternehmen in Zeiten von Corona neu ausrichten. Bereits kurz nach dem sogenannten Shutdown wurden die ersten Webinare angeboten. Die bisher „größte Veranstaltung“ fand mit 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Eine echte Herausforderung! Natürlich gibt es beim virtuellen Lernen Vieles zu beachten. Wir haben einen Experten gefragt, der uns wertvolle Tipps gegeben hat. Diese wollen wir hier gerne mit Ihnen teilen.

Alexander Schmieden arbeitet schon einige Jahre als externer Referent für uns und bietet im Rahmen der HessenChemie-Akademie Seminare zum Thema digitales Lernen, insbesondere für Ausbilderinnen und Ausbilder, an. Schmieden ist Diplom-Politologe und Lehrbeauftragter an einer Reihe deutscher Universitäten. Als Geschäftsführer der Unternehmensberatung just ask! GmbH ist er zudem Change Management- Experte bei der Implementation digitaler Medien im Berufsalltag sowie für die zielgerichtete Ausbildung von Multiplikatoren. Er berät Verbände und Unternehmen insbesondere bei der Konzeption und dem Rollout der digitalen Transformation ihrer Aus- und Weiterbildung.

Lesen Sie hier seine SIEBEN TIPPS für ein erfolgreiches Webinar:


1. TIPP: KLARE ERWARTUNGEN
Das Setzen klarer Erwartungen zu Beginn eines Webinars hilft den Lernenden, sich in die Inhalte einzuarbeiten und in sie einzutauchen. Er empfiehlt einen genauen Zeitplan, an dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer orientieren können. Sollten bereits im Vorfeld Aufgaben zu erledigen sein oder im Nachgang aufgegeben werden, so müssen klare Fälligkeitsdaten und klare Zuweisungsrichtlinien bekanntgegeben werden. Schließlich ist zu empfehlen, klare Grundregeln und eine Online-Etikette zu vereinbaren.


2. TIPP: FESTLEGEN VON GRUNDREGELN
Wenn sich die Lernenden im digitalen Raum bewegen, ist es wichtig, dass sie sich einer gewissen Online-Etikette bewusst sind. Unser Experte empfiehlt hier einige wichtige Grundregeln, die vor allem Jugendlichen vor Beginn des Online-Lernerlebnisses mittgeteilt werden sollten: Die Teilnehmer sollten 5-15 Minuten im Voraus in den virtuellen Raum kommen. Die Teilnehmer sollten aufgefordert werden das Mikrofon zunächst stumm zu schalten. Während der Online-Veranstaltung sollten die respektvoll und freundlich miteinander umgehen und nichts im Chat posten, wenn sie aufgebracht sind.


3. TIPP: GUTE VORBEREITUNG
Eine erfolgreiche virtuelle Sitzung erfordert eine gründliche Planung und Vorbereitung im Voraus. Als Moderator oder Trainer sollte man sicherstellen, dass vor dem Start alle für die Durchführung des Webinars erforderlichen Hilfsmittel bereit stehen. Hierzu gehören Links, die für Online-Aktivitäten erforderlich sind, Dateien, die mit den Lernenden geteilt werden sollen und Werkzeuge, die für die Bereitstellung visueller Hinweise erforderlich sind. Die Webinar-Einladung sollte rechtzeitig an die Lernenden gesendet werden. Am besten stellt man sicher, dass die Mikrofone der Teilnehmer im Idealfall standardmäßig bereits stumm geschaltet sind. Dies ist vor allem bei größeren Teilnehmerzahlen sinnvoll.


4. TIPP: ENGAGEMENT FORDERN
Eine erfolgreiche virtuelle Sitzung erfordert ein hohes Maß an Energie vom Coach, um die Energie der gesamten Gruppe aufrechtzuerhalten. Alexander Schmieden empfiehlt hier die Teilnehmer immer wieder aktiv zur Teilnahme aufzurufen. Wenn das Energieniveau zu niedrig erscheint, sollte man immer Pausen einlegen. Wichtig sein es zudem trotz der räumlichen Distanz eine auf Gemeinsamkeit gründende virtuelle Lernatmosphäre zu schaffen. In Tandems können zur Abwechslung Gruppenarbeiten durchgeführt werden.


5. TIPP: AM BALL BLEIBEN
Das Verfolgen der Fortschritte der Lernenden und das Geben von Feedback tragen zur Verbesserung der Ergebnisse bei. Stellen Sie sicher, dass Sie auch als Coach Zugang zu den Vorlagen haben, die den Jugendlichen für die Bearbeitung von Aufgaben zur Verfügung gestellt werden. So können Sie Rückfragen schneller beantworten. Geben Sie immer wieder Feedback, um wichtige Materialien, Konzepte und Fähigkeiten zu festigen. Richten Sie zwischen den Aktivitäten angemessene Kontrollpunkte ein, um die Fortschritte der Lernenden im Auge zu behalten.


6. TIPP: REFLEXION AM ENDE
Die Reflexion am Ende jedes Webinars ist ein Schlüsselelement. Deshalb ist es notwendig, die wichtigsten Lernmomente am Ende komprimiert zusammenzufassen, um die Inhalte zu festigen. Erlauben Sie den Lernenden Zweifel und Fragen auf organisierte Weise zu stellen. Sammeln Sie sowohl schnelles Feedback als auch reflektierendes Feedback (Tipp: Verwenden Sie zur Unterstützung zum Beispiel das Tool „Mentimeter“). Darüber hinaus sollten klare Zuweisungsrichtlinien für das selbstgesteuerte Lernen erstellt werden.


7. TIPP: VERFÜGBARKEIT ANBIETEN
Es ist für den Lernerfolg der Teilnehmer förderlich, wenn Sie als Coach im Anschluss noch für Nachfragen zur Verfügung stehen. Kommunizieren Sie ihre Verfügbarkeit und wie der Kontakt erfolgen sollte (z.B. per E-Mail, Chat, etc.). Versenden Sie im Anschluss an die Lerneinheit eine Zusammenfassung der Lektionen und die Aufgaben, die die Teilnehmer  noch zu erledigen haben. Geben Sie zeitnah Feedback, wenn Fragen in Diskussionsforen gestellt werden.


Jürgen Funk

Jürgen Funk ist Geschäftsführer Verbandskommunikation und politische Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecher beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Er verfügt über eine 25-jährige Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, PR-Agenturen, Politik und Bundeswehr. Im Arbeitgeberverband HessenChemie ist er darüber hinaus zuständig für die Berufsausbildungsthemen. Jürgen Funk ist Aufsichtsratsmitglied der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.