Nachhaltigkeit in der Berufsbildung – mit Siegel!

Wie heißt es so schön: Gelebte Qualität ist die Beste! Und das gilt selbstverständlich im Privaten genauso wie im beruflichen Umfeld. Doch wie kann ich diese gelebte Qualität überzeugend nach außen tragen und wie gegenüber Kunden, Mitarbeitern und der Öffentlichkeit dokumentieren? Eine anerkannte Methode dafür sind Qualitätssiegel. Seit vielen Jahren wird die Qualität in Unternehmen über Audits geprüft und das Qualitätsmanagement durch Zertifizierungen bestätigt.

DIN EN ISO 9001, 14001 und noch mehr?

Auch wir bei Provadis haben bereits Zertifizierungsprozesse nach DIN EN ISO 9001 und 14001 oder nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) durchlaufen. Braucht man dann noch ein zusätzliches Qualitätssiegel für Nachhaltigkeit? Steht doch Bildung selbst schon für Nachhaltigkeit! Da wir keine „Siegeljäger“ sind, haben wir zunächst sorgfältig geprüft, ob wir das Qualitätssiegel Q3SQ – ein neuer Qualitätsstandard für soziale und nachhaltige Qualifizierung (Quality Standard for Social and Sustainable Qualification) des Qualifizierungsförderwerks Chemie GmbH (QFC) – anstreben sollen. Denn der Prozess bindet ja auch Arbeitskraft in der Organisation.

Daher gaben wir vor dem Entschluss, uns um das Siegel zu bewerben, eine Analyse bei unserem Qualitätsmanagementbeauftragten Günter Schwarz in Auftrag. Das Ergebnis war, dass das Q3SQ-Siegel unsere bisherigen Zertifizierungen nicht doppelt, sondern sinnvoll ergänzt.

Doppelte Prüfung oder sinnvolle Ergänzung?

DIN-, AZAV- und Q3SQ-Zertifizierung im Vergleich

Abbildung 1: Zertifizierungen im Vergleich Quelle: Provadis / eigene Darstellung

Das Fazit unseres QM-Beauftragten lautete: „Die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 und 14001 basieren auf den Elementen: Kundenorientierung, Führung, Ressourcenbereitstellung, Fähigkeit und Schulung, Prozess- und Systemorientierung, Messung und Analyse von Kennzahlen, kontinuierliche Verbesserung, Lieferantenbeziehung, Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie Arbeits- und Anlagenschutz. Diese Elemente sind zu dokumentieren und Audits nachzuweisen. Die AZAV-Zertifizierung verlangt zusätzlich zu der DIN EN ISO 9001 die Dokumentation und den Nachweis, dass die Organisation entsprechende Methoden und Maßnahmen zu arbeitsmarktlichen Aspekten einsetzt. Die Anerkennung als Mitglied (nicht Zertifizierung) von Weiterbildung Hessen e.V. legt Schwerpunkte auf der Qualität der Bildungsarbeit. Die Q3SQ-Zertifizierung verlangt zusätzlich zu der DIN EN ISO 9001 und 14001 die Dokumentation und den Nachweis, dass die Organisation, die Umsetzung der Sozial- und Umweltstandards u.a. der Vereinten Nationen beachtet und aktiv unterstützt. Anschaulich stellt das auch die von Herrn Schwarz zusammengestellte Tabelle dar (Abbildung 1).

Unsere Entscheidung für das Audit und das neue Gütesiegel war also begründet durch seine Vorteile für uns als Bildungsdienstleister: Abgesehen davon, dass es unser Projektengagement im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) unterstreicht bzw. erweitern hilft und unsere Bildungsarbeit bereichert, profitieren davon unsere Unternehmenskunden. Denn mit unserem umfangreichen Aus- und Weiterbildungsangebot tragen wir erheblich dazu bei, Beschäftigte auf die zukünftigen Anforderungen, Herausforderungen und Veränderungen globaler Märkte und Gesellschaften vorzubereiten und sie darin zu schulen, zum wertschöpfenden und wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigen Erfolg ihres Unternehmens beizutragen. Dieser durch Q3SQ geprüfte Qualitätsstandard bei Provadis kann nun durch unsere Kunden, die CSR in ihrer Lieferkette leben, auch für ihre eigene CSR-Berichterstattung genutzt werden.

Das neue Q3SQ-Gütesiegel orientiert sich an international anerkannten Prinzipien und Initiativen, wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der Agenda 21 für eine nachhaltige Entwicklung und des Global Compact der Vereinten Nationen, der Responsible Care Initiative der Chemischen Industrie sowie dem Berichtsstandard der Global Reporting Initiative.

Bestandsaufnahme: Checklisten und was wir machen

Chemie³-Poster Provadis

Abbildung 2: Beispiele anhand der 12 Leitlinien der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ / Provadis

Für die Zertifizierung haben wir entsprechende Checklisten durchgearbeitet und Unternehmenskennzahlen zusammen getragen. Dabei wurde uns vieles, was wir heute schon zum Beispiel im sozialen Bereich umsetzen und was für uns selbstverständlich geworden ist, neu bewusst. So ist die gelebte Sozialpartnerschaft und auch die Tarifbindung für uns ebenso selbstverständlich wie die Einbindung und umfassende Information der Mitarbeiter in wichtigen strategischen Entscheidungsprozessen.

Wir engagieren uns aber auch schon seit langem als guter Nachbar im Umfeld des Industriepark Höchst, unterstützen als Sponsor Sportevents und viele kulturelle Veranstaltungen der Region. Darüber hinaus bieten wir verschiedene Praktika und Informationsprogramme für Schulen im Umfeld an und gestalten für zahlreiche Partner aus Kommune, Land, Bund und Europa Kompetenzfeststellungs- und Berufsorientierungsangebote für den Fachkräftenachwuchs. Auch im Bereich Umweltschutz hatten wir aufgrund unserer Umweltberichte und der dahinter stehenden Verbesserungen der Ökobilanz aber auch des schon längerfristigen Engagements unserer Hochschule auf diesem Gebiet die Daten schnell zusammengetragen. Das Thema Menschenrechte jedoch – was im internationalen Kontext der Lieferkette zurecht eine große Rolle spielt – war zunächst schwer zu übersetzen, denn schließlich sind wir als mittelständischer Bildungsdienstleister, der in Frankfurt sitzt, in der deutschen Gesetzgebung und den hiesigen Grundwerten verortet. Im Gespräch mit den Auditoren wurden aber auch hier anschauliche Bespiele deutlich (vgl. Abbildung 2).

Erster hessischer Bildungsdienstleister erhält das Siegel!

Provadis-Zertifikat Q3SQ

Abbildung 3: Q3SQ-Zertifikat von Provadis

Ende September war es dann soweit: Als erster hessischer Bildungsdienstleister haben wir das neue Qualitätssiegel Q3SQ erhalten und sind stolz darauf (vgl. Abbildung 3). „Ein hohes Qualifizierungsniveau der Beschäftigten ist in der chemischen Industrie entscheidend, um nachhaltig und zukunftsorientiert zu arbeiten“, sagte Ralf Erkens, Bezirksleiter Rhein-Main der IG BCE, bei der Verleihung des Siegels. Und Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC), der der Verleihung gemeinsam mit seinem für Nachhaltigkeit bei der HessenChemie zuständigen Kollegen, Daniel Schubert, beiwohnte, bezeichnete das Bildungsangebot von Provadis als ein vorbildliches Beispiel gelebter Nachhaltigkeit, das entscheidend zum Erfolg der Brancheninitiative Chemie³ beitrage.

Wir freuen uns, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben! Das Siegel ergänzt sinnvoll unsere bisherigen Zertifizierungen und ist gut für unsere Kunden, gut für unsere eigene Weiterentwicklung, gut für das Aufzeigen vorhandener sozialer, ökologischer und qualitativer Standards – auch im Vergleich zum Wettbewerb im Bildungssektor und es unterstützt das Engagement der Chemiesozialpartner im Rahmen von Chemie³.

 

Dr. Karsten Rudolf, Prokurist, Bereichsleiter Bildungs- & Forschungsprojekte, Leiter Marketing ; bei Provadis; Foto: Arne Landwehr

Dr. Karsten Rudolf, M.A. hat Politikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert und im Bildungsmarketing promoviert. Er ist Prokurist bei Provadis – dem Fachkräfte-Entwickler der Industrie und dort zum einen verantwortlich für das Marketing und zum anderen für den Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte, der sich unter anderem mit CSR-, Diversity- und MINT-Projekten beschäftigt. Mit dieser Erfahrung bringt er sich auch in die Verbandsarbeit von HessenChemie, z.B. in Expertenkreisen zu Bildung und politischer Kommunikation ein. Darüber hinaus ist er im Netzwerk „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ des Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aktiv. Dr. Karsten Rudolf ist verheiratet und Vater zweier Töchter.


Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen

Der Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen der regionalen Chemie³-Allianzpartner sollte Jugendliche für Nachhaltigkeit begeistern. Unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministers für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir, lobten die Chemie³-Allianzpartner einen Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen aus.

Der Arbeitgeberverband HessenChemie (HessenChemie), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) sowie der Verband der chemischen Industrie (VCI) Hessen, hatten ihre Mitglieder aufgerufen, sich an dem Chemie³-Nachhaltigkeitspreis zu beteiligen. Unter dem Motto „Wir sind Chemie – gemeinsam für morgen!“ wollten die Allianzpartner Auszubildende, Dual Studierende bzw. Teilnehmer einer Fördermaßnahme in einem hessischen Unternehmen der chemisch-pharamzeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie dazu bringen, sich intensiv mit Themen einer nachhaltigen Entwicklung auseinanderzusetzen.

In der Aufgabenstellung des Wettbewerbs wurden die Jugendlichen zum einen aufgefordert, sich mit den Chemie³-Allianzpartnern und deren Auffassung von Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Auch sollte erklärt werden, warum dies aus drei Dimensionen, nämlich der Verknüpfung von wirtschaftlichem Erfolg, dem Schutz von Mensch und Umwelt und sozialer Gerechtigkeit. Darüber hinaus sollte ein Beispiel zu Themen einer nachhaltigen Entwicklung aus dem Unternehmen beschrieben werden.

Eine Vielzahl toller, vielfältig und kreativ gestalteter Exponate und Videos zeigten, wie die Auszubildenden die Aufgaben bearbeitet hatten. Deutlich wurde das Zusammenspiel von Ökonomie, Ökologie und Sozialem und deren Spannungsfelder.

Die Preisverleihung für alle Teilnehmer des Wettbewerbs findet am kommenden Freitag, d. 20. März 2015 in der Wiesbadener Kletterhalle Nordwand statt. Minister Tarek Al-Wazir wird dann die Preisträger bekanntgeben und würdigen.


Dem demografischen Wandel nachhaltig begegnen

2013 rief die Chemiebranche die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie hoch 3 ins Leben. Unter Nachhaltigkeit werden hier die drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales subsumiert. Hierzu sind nun einige Pilotprojekte gestartet, in deren Rahmen Unternehmen (KMUs) einen Nachhaltigkeits-Check durchführten.

Gerade in Zeiten des demografischen Wandels ist die Qualifizierung, Einbindung und Motivation der eigenen Mitarbeiter ein wesentlicher Aspekt der Mitarbeiterbindung. Die Firma G.E. Habich’s Söhne GmbH & Co. KG aus Reinhardshagen, ein Unternehmen mit langer Tradition, hat hierbei die Qualifikation der Mitarbeiter sowie das Thema Lebensarbeitszeit in den Fokus des Projektes gestellt. In einem Interview erklärt Geschäftsführerin Carola Kersten, warum sich ihr Unternehmen an dem Projekt beteiligte. Weiterlesen