„Bernie“ bringt den ersten Platz ein – Initiative Chemie³ Hessen vergibt Nachhaltigkeitspreis an Auszubildende

Teilnehmer des Nachhaltigkeitspreises beim Betrachten der eingereichten Arbeiten. Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Bis zum letzten Augenblick hatten sie nicht damit gerechnet und dann doch den ersten Preis gewonnen: Die sieben Auszubildenden von der Georg Börner GmbH & Co. KG aus Bad Hersfeld staunten nicht schlecht, als sie beim zweiten Nachhaltigkeitspreis der Initiative Chemie³ nach vorne kommen sollten und die Urkunde vom hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir entgegennehmen konnten. Insgesamt hatten 124 Auszubildende in 23 Gruppen ihre Exponate beim Wettbewerb eingereicht, der unter dem Motto „Industrie 4.0 – Digitalisierung aus der Perspektive der Jugend“ stand. Bei der Preisverleihung in der Kletterhalle Nordwand in Wiesbaden wurden schließlich die drei Gewinnerteams in einer Feierstunde bekanntgegeben.

„Bernie“, die Gewinner-Skulptur des Teams der Georg Börner GmbH aus Bad Hersfeld.
Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Sie nennen ihn liebevoll „Bernie“. Gemeint ist die Kopf-Skulptur, mit der Angela Neumann, Lea Hofmann, Katja Hellwig, Wladislav Zubarev, Artur Zubarev, Marvin Creutzburg und Felix Grunz den zweiten Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen gewonnen haben. Sie alle sind Auszubildende bei der Georg Börner GmbH & Co. KG in Bad Hersfeld und haben sich mit dem Thema Industrie 4.0 aus ihrer Perspektive auseinandergesetzt. In den Kopf aus Gips haben sie einen Beamer eingebaut, der die Geschichte des Unternehmens in einem Film zeigt. Darin ersetzen Hooverboards mit Diesel betriebene Gabelstapler, es wird papierlos in den Büros gearbeitet und die Kommunikation geschieht anschaulich per Hologramm. „Wir hatten die Idee, dass es nicht gut ist, so viele Reisen ins Ausland zu machen“, erklärte Angela Neumann stellvertretend für das Team die Idee hinter den Hologrammen. Denn das chemische Werk für Dach- und Bautenschutz ist international tätig. Für ihre Arbeit an „Bernie“ hätten sie viel in Zeitungen und Büchern zum Thema Industrie 4.0 recherchiert. „Wir haben überlegt, was das für uns bedeutet und dann Ideen gesammelt“, erläuterte sie weiter. Sie hätten viel Spaß an der Ausarbeitung gehabt. Bereits vor zwei Jahren hatten sich die Auszubildenden am Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen beteiligt.

Mit einem Video hatten die beiden angehenden Chemielaboranten Vanessa Hahn und Christian Schwarz von der Clariant Produkte (Deutschland) GmbH aus Frankfurt an dem Wettbewerb teilgenommen. Das kleinste Team im Wettbewerb erhielt dafür den zweiten Preis.  In ihrem eigens erstellten Film zeigen sie, wie eine nachhaltige Palmöl-Entwicklung mit einer digitalen Vernetzung in Zukunft gelingen kann. Die Lieferkette soll transparent gemacht werden und nachvollziehbar sein.

Die drei Gewinner-Teams des Nachhaltigkeitspreises für junge Menschen in Hessen mit dem Schirmherrn und WIrtschaftsminister, Tarek Al-Wazir sowie den Vertretern der hessischen Chemie³-Allianzpartner. Foto: Chemie³-Allianzpartner Hessen/Arne Landwehr

Der drittplatzierte Beitrag von Auszubildenden der CSL Behring GmbH aus Marburg. Foto: Chemie³-Allianzpartner/Arne Landwehr

Mit einer nachhaltigen Entwicklung im Umfeld des eigenen Unternehmens setzten sich fünf Auszubildende von der CSL Behring GmbH aus Marburg auseinander. Die Biologielaboranten-Azubis haben ein umfangreiches Exponat erstellt, das die verschiedenen Unternehmensbereiche mit Zahnrädern verbindet. In ihrer Zukunftsvision lassen sich unter anderem Familie und Beruf vereinen, Obst und Gemüse im unternehmenseigenen Garten anbauen und Strom aus Windrädern produzieren. Das Team erhielt dafür den dritten Platz.

Weil sich so viele Teams von der ALMO Erzeugnisse Erwin Buch GmbH an dem Wettbewerb beteiligt hatten, lobte Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer von HessenChemie, im Namen der hessischen Chemie³-Allianzpartner für alle Teams des Unternehmens eine Sonderprämie aus, die für eine gemeinsame Unternehmung genutzt werden soll. Er hob die hohe Beteiligung und die Kreativität der jungen Menschen hervor. VCI-Geschäftsführer Gregor Disson und Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, lobten die Auszubildenden für ihre Ideen und freuten sich über die hohe Beteiligung. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sagte, die hohe Teilnahme am Nachhaltigkeitspreis zeige, dass die junge Generation ihre Zukunft aktiv mitgestalten möchte und sich Gedanken um Nachhaltigkeitsaspekte mache.

Um Jugendliche für eine nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren, schreiben die hessischen Chemie³-Allianzpartner seit 2015 alle zwei Jahre den Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen aus. Die Initiative wird in Hessen getragen vom Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI Hessen), dem Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e. V. (HessenChemie) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Hessen-Thüringen (IG BCE Hessen Thüringen). Der Nachhaltigkeitspreis richtet sich an Auszubildende, Dual-Studierende und Teilnehmer von Fördermaßnahmen wie „Start in den Beruf“ aus Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen und Kunstoffverarbeitenden Industrie in Hessen. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat von Beginn an die Schirmherrschaft übernommen.

 

Frauke Blech ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie.


Nachhaltigkeitspreis: Noch 10 Tage…

Während die Auszubildenden und Dual-Studierenden an ihren Beiträgen für den zweiten Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen pfeilen, arbeiten HessenChemie, der VCI Hessen und die IG BCE Hessen-Thüringen an der Vorbereitung der Preisverleihung. Noch zehn Tage haben die Jugendlichen bis sie ihre Beiträge eingereicht haben müssen. Auch wir sind schon ganz gespannt, welche Ideen sie sich zu unserem diesjährigen Motto

Industrie 4.0 – Digitalisierung aus der Perspektive der Jugend!

gemacht haben.

Mit vielen Schlagworten werden die Veränderungen durch die zunehmende Vernetzung von Geräten beschrieben: Smart Home, Smart Factory, Wirtschaft 4.0, Industrie 4.0, Arbeiten 4.0…. Doch wie sehen die Jugendlichen die Veränderungen und, noch wichtiger: wie wollen sie diesen Wandel gestalten. Mit dem Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen sind die Auszubildenden aufgefordert, ihre Vorstellung von einem Unternehmen der Zukunft darzustellen und erste Schritte für den Weg in die Zukunft aufzuzeigen.

Ganz gespannt sind wir bereits auf die Beiträge der Auszubildenden und Dual-Studierenden der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoffverarbeitenden Industrie. Gemeinsam mit den Jugendauszubildendenvertretern, die bereits das Titelbild für unseren tollen Flyer beigesteuert haben (noch einmal vielen Dank hierfür!), machen wir uns in dieser Woche Gedanken zum Ablauf und Programm der Preisverleihung.

Der Termin steht fest: am 21. April 2017, nachmittags, wird die Preisverleihung in Wiesbaden stattfinden. Auch steht fest, dass es wieder eine Preisverleihung für alle Teilnehmer sein wird. Gemeinsam mit ihren Personalleitern, Ausbildungsverantwortlichen, Geschäftsführern und Betriebsräten können die Gruppen dann gespannt der Verkündung der Gewinner entgegenfiebern. Eine Einladung versenden wir rechtzeitig vor der Veranstaltung an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Allen Auszubildenden und Dual-Studiernden wünschen wir gutes Gelingen bei ihren Projekten! Kurzentschlossene finden die Informationen zum Nachhaltigkeitspreis und die Teilnahmebedingungen auf www.chemiehoch3.de oder auf www.hessenchemie.de.


Jetzt wird’s konkret: Auf dem Weg zum nachhaltigen Lernort

Schon seit einiger Zeit beschäftigen wir uns bei Provadis in der Ausbildung mit dem Thema Nachhaltigkeit. Über einige Projekte haben wir genau an dieser Stelle bereits berichtet. Jetzt können wir das ganze Thema noch viel „nachhaltiger“ angehen: Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung hat grünes Licht gegeben für das Projekt „Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie“ (ANLIN), das Provadis gemeinsam mit den Kooperationspartnern Qualifizierungsförderungswerk Chemie (QFC) aus Halle, dem Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft (BBW) aus Wittenberg und dem Institut für nachhaltige Berufsbildung & Management Services (INB) aus Hannover beantragt hat. Diese Entscheidung bildet für uns eine wichtige Grundlage für das Weiterentwickeln unseres Engagements im Sinne der nachhaltigen Bildung.

Übersicht ANLIN-Projekt von Provadis

Übersicht ANLIN-Projekt von Provadis (PDF als Download)

Das Ziel des am 1. Juni gestarteten Projekts: Zum einen wollen wir die Verbundausbildungsträger und die beteiligten Partnerbetriebe in den beiden Ausbildungsverbünden unter Beteiligung von Ausbildern/innen und Auszubildenden zu nachhaltigen betrieblichen Lernorten weiterentwickeln und verstetigen. Zum anderen sollen Modellversuchsergebnisse im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Chemie-Arbeitgeberverband, IG BCE, VCI, IHK und Berufsschule strukturell im System der beruflichen Bildung verankert werden.

Doch was ist eigentlich ein nachhaltiger Lernort, wie unterscheidet er sich von anderen und wie kann man mit möglichen Widerständen umgehen? Eine unserer Aufgaben wird es sein, ein projektübergreifendes Indikatoren-System zu entwickeln, das genau diese Fragen berücksichtigt und darauf Antworten findet. Im Juni dieses Jahres hat ein erstes Kick-off-Meeting mit allen Partnern stattgefunden, bei dem die Kooperationsvereinbarung finalisiert wurde. Auf der Agenda stehen nun folgende  Produkte, die entwickelt, erprobt und beschrieben werden sollen: ein Leitfaden zur nachhaltigen Entwicklung von Lernorten der beruflichen Bildung, ein Konzept zur Qualifizierung des betrieblichen Ausbildungspersonals, eine mehrstufige Qualifizierung von Auszubildenden sowie ein Verbreitungskonzept nebst Handlungsempfehlungen.

Viele Ideen im Köcher

Wir bei Provadis sind davon überzeugt, dass durch die Erfahrungen mit unseren bisherigen Nachhaltigkeitsprojekten bestens auf diese umfangreiche Herausforderung vorbereitet sind. Das Thema Nachhaltigkeit ist aber nicht nur für uns, sondern zunehmend in allen Industriebetrieben ein wichtiges Thema. Bei den Verbundausbildungsträgern Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft, Wittenberg, und bei uns werden Ausbilder/innen in Train-the-Trainer-Workshops weitergebildet und auf ihre Tätigkeit als Multiplikatoren/innen für Nachhaltigkeit in der Ausbildung vorbereitet. Wir werden Qualifizierungsbausteine für Auszubildende ausgewählter Berufsgruppen entwickeln und erproben. Ergänzend werden Handreichungen für fünfminütige „CSR-Talks“ und E-Learning-Module erarbeitet, anhand derer Ausbilder/innen Nachhaltigkeitsthemen auch zwischen den Qualifizierungsbausteinen behandeln können. In Form von Nachhaltigkeitserkundungen und daraus entstehenden Verbesserungsvorschlägen tragen die Auszubildenden zur nachhaltigen (Um-)Gestaltung ihrer Lernorte bei. Um Transparenz zu schaffen, um die notwendige Unterstützung zu erhalten und Erfahrungen aus verschiedenen Stakeholder-Bereichen einzubinden, wird an beiden Standorten – aber auch standortübergreifend – eng mit Vertretern/innen von Unternehmen, Berufsschule, Kammern, Gewerkschaften und den Chemieverbänden zusammengearbeitet. So trägt das Projekt auch zur Initiative Chemie³ der chemischen Industrie bei.

Das Ausbildungsteam und wir freuen uns auf die dreijährige Projektarbeit und sind uns sicher, dass wir in 2019 konkrete und erprobte Lösungen für die Ausbildung im Sinne der Nachhaltigkeit in der Industrie haben werden.

 

Dr Karsten Rudolf provadis bildung nachhaltigkeit csr hessen chemie

Dr. Karsten Rudolf, M.A. hat Politikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert und im Bildungsmarketing promoviert. Er ist Prokurist bei Provadis – dem Fachkräfte-Entwickler der Industrie und dort zum einen verantwortlich für das Marketing und zum anderen für den Bereich Bildungs- und Forschungsprojekte, der sich unter anderem mit CSR-, Diversity- und MINT-Projekten beschäftigt. Mit dieser Erfahrung bringt er sich auch in die Verbandsarbeit von HessenChemie, z.B. in Expertenkreisen zu Bildung und politischer Kommunikation ein. Darüber hinaus ist er im Netzwerk „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ des Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) aktiv. Dr. Karsten Rudolf ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

 

Marny Schröder, Ausbilderin für Chemie- und Labortechnik, B.Sc, Provadis. FMarny Schröder, B.Sc.rau Schröder koordiniert das ANLIN-Projekt bei Provadis mit zwei weiteren Kollegen. Sie studierte nach der Ausbildung zur Chemielaborantin berufsbegleitend Chemieingenieurswesen. Als Ausbilderin bei Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie im Bereich der Chemie und Labortechnik bereitet sie junge Menschen auf ihr Berufsleben in der chemischen Industrie vor. Zudem ist sie als Prüferin der IHK tätig. Marny Schröder ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und aktuell in Elternzeit.