Nachhaltigkeitsmanagement: wie lassen sich Daten erfassen und aufbereiten?

Systematisches Nachhaltigkeitsmanagement wird auch für kleine und mittlere Unternehmen wichtiger. Mit dem Nachhaltigkeitsmanagement ist es in etwa wie mit der frühen Seefahrt: Zur Orientierung nutzte man die Sonne oder die Sterne, man schaute also nach oben.

Heute stehen uns GPS-Satelliten zur Verfügung, die den Weg weisen: der Standort wird selbstständig festgestellt, nur noch das Ziel muss eingegeben werden. „Navigation starten“ drücken und schon gibt eine freundliche Stimme Anweisungen, wie das Ziel zu erreichen ist: auf dem Schiff, im Auto oder mit dem Smartphone. Wohin aber soll die Reise gehen? Das muss heute wie damals selbst bestimmt werden.

Im Unternehmen spielen nicht die Sonne oder die Sterne eine Rolle für die strategische Ausrichtung, sondern Zahlen, Daten, Fakten auf deren Grundlage das Management entscheidet. Mittlerweile stehen für das Nachhaltigkeitsmanagement in fast allen Unternehmensbereichen Zahlen zur Verfügung: zu sozialen Faktoren (Krankenstand, Fluktuation, etc.), zur ökonomischen Situation (Umsatz, Gewinn, etc.) und zu ökologischen Fragen (Energieverbrauch, Ressourceneinsatz, etc.). Wie lassen sich diese Daten für ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement nutzen?

3 Möglichkeiten nachhaltigkeitsrelevante Daten zu erfassen

Möglichkeit 1: Die Excel-Tabelle

Eine Möglichkeit zur Erfassung der Daten sind Excel-Tabellen. In den meisten Unternehmen ist Excel ohnehin verfügbar und viele Mitarbeiter arbeiten bereits damit. Die Anwendungsbereiche von Excel sind vielfältig, bspw. Kalkulationen werden oft mit Excel erstellt. Grundsätzlich muss erst einmal eine Vorlage zur Erfassung der vorhandenen Daten erstellt werden: welche ökonomischen, ökologischen und sozialen Indikatoren sind vorhanden und sollen erfasst werden? Zu welchem Zweck sollen sie erfasdt werden?

Ist eine Vorlage erstellt, können hier die Daten eingegeben werden. Oft wird dies schnell unübersichtlich. Darüber hinaus ist es in der Regel nicht möglich gleichzeitig in der Excel-Tabelle zu arbeiten. Insbesondere in Unternehmen, die nicht über eine zentrale Stelle, bspw. einen Nachhaltigkeitsmanager, verfügen, der die Daten sammelt und in die Tabelle einträgt, kommt es schnell zu Datenkonflikten. Paralleles Bearbeiten der Excel-Tabelle ist nur schwer möglich; Fehler schleichen sich so schnell ein.

Möglichkeit 2: Die Desktop-Software

Als Alternative zu einer Excel-Tabelle stehen mittlerweile einige Software-Lösungen fürs Nachhaltigkeitsmanagement oder für zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten zur Verfügung. In vorstrukturierter Weise können mit Hilfe einer solchen Software Daten gesammelt werden. Zusätzlich zu solchen Software-Lösungen kann in der Regel auf dazugehörige externe Beratung zurückgegriffen werden. Solche Software-Angebote decken in der Regel ein breites Spektrum an nachhaltigkeitsrelevanten Aspekten ab.

Mittlerweile sind verschiedene Angebote auf dem Markt, um auf die Ansprüche und Ziele des Nachhaltigkeitsmanagements abhängig von den Zielen, die erreicht werden sollen (bspw. interne Steuerung oder die Erstellung eines Berichts) angepasst werden können.

Möglichkeit 3: Die Cloud-Lösung

Immer öfter ist von der „Cloud“ die Rede. Damit ist gemeint, dass Daten nicht auf dem eigenen Computer oder Unternehmensserver gespeichert werden, sondern auf externen Servern. Wie fast alle Anwendungen bieten diese Lösungen Vorteile und Nachteile.

Für ein Nachhaltigkeitsmanagement sind solche Lösungen vor allem interessant, wenn über verschiedene Standorte hinweg am Nachhaltigkeitsmanagement gearbeitet wird. Über Internetplattformen können sich verschiedene Mitarbeiter in die Anwendung einwählen und Daten einpflegen und/oder an der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts mitwirken. In der Regel kann bei diesen Anwendungen parallel gearbeitet werden ohne Datenkonflikte zu verursachen. Darüber hinaus lässt sich nachvollziehen wer wann welche Daten eingegeben hat. Nachteilig sind die ggf. anfallenden Lizenzkosten, die je nach Angebot pro Nutzer anfallen können. Allerdings sind auch einige kostenlose Angebote auf dem Markt (die teilweise in geförderten Projekten entstanden sind und sich hauptsächlich an kleine und mittlere Unternehmen richten), deren Leistungsumfang sich jedoch stark unterscheidet.

Warum Software fürs Nachhaltigkeitsmanagement nutzen?

Platz 1: Die Datenerhebung und -aufbereitung

Die systematische Erhebung und Aufbereitung der Daten ist die Basis eines Nachhaltigkeitsmanagements. So kann die Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens auf der Hrundlage von Daten ermittelt werden. Systematisch können die Potenziale des Unternehmens erkannt und genutzt werden. Darüber hinaus kann zwischen verschiedenen Handlungsfeldern priorisiert werden, um die Organisation nicht zu überfordern.

In der Studie der Universität „[äußerten] die Befragten [] sich zum Nutzen von NMS [Nachhaltigkeitsmanagement-Software] für die Datenerhebung und -aufbereitung sehr positiv, wie einer feststellt: Das wäre ohne Software gar nicht denkbar. Nachhaltigkeitsmanagement hängt ja mit Messen zusammen“ (S. 11). Dies gilt übrigens für alle der drei vorgestellten Möglichkeiten – mit den genannten Vor- und Nachteilen der jeweiligen Anwendung.

Platz 2: Controlling und Benchmarking

Wie aus der Arbeit mit Finanzkennzahlen bekannt, ist ein Controlling verstanden als Steuerung der Aktivitäten wichtig: wo ist das Unternehmen gut aufgestellt? Wurden die gesetzten Ziele erreicht? Wie steht das Unternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmen da? Ohne die entsprechenden Daten ist ein Benchmarking nur schwerlich möglich. Zwar ist das Benchmarking bei den vorhandenen Software-Angeboten noch wenig entwickelt, dennoch handelt es sich hierbei um einen wichtigen Aspekt des Nachhaltigkeitsmanagements. Bspw. kann auch ein internes Benchmarking interessant sein: wie stehen die verschiedenen Standorte im Vergleich zu einander?

Platz 3: Kommunikation und Berichterstattung

Ein softwarebasiertes Nachhaltigkeitsmanagement kann unterstützend auf die Kommunikation wirken. Insbesondere hinsichtlich eines Nachhaltigkeitsberichts ist dies erforderlich, da die meisten Rahmenwerke zur Nachhaltigkeitsberichterstattung die Erhebung von Leistungsindikatoren erfordern (vgl. die G4-Richtlinien der Global Reporting Initiative). Darüber hinaus kann die Kommunikation mit Kunden verbessert werden, wenn diese gewisse Informationen im Zuge ihrer Berichterstattung über die Lieferkette benötigen.

Fazit

Das softwarebasierte Nachhaltigkeitsmanagement kann eine Entwicklung oder Weiterentwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen, aber nicht ersetzen. Wie oft bei Softwarelösungen lassen sich Abläufe vereinfachen, Daten systematisch auswerten und aufbereiten. Daten liefern die Basis für eine faktenbasierte Arbeit an der Nachhaltigkeitsleistung des Unternehmens.

Die Entscheidungen, das Denken und Handeln des Managements und der Mitarbeiter können von Software aber nicht ersetzt werden. Für innovative Ansätze und die strategische Ausrichtung bedarf es einer intensiven Beschäftigung mit dem Unternehmen und dem Unternehmensumfeld: was sind die zukünftigen Herausforderungen? Wohin soll die Reise gehen? Diese Fragen müssen in großen wie in kleinen Unternehmen vom Management getroffen werden.

Die Studie der Leuphana Universität mit einer Übersicht der am Markt vorhandenen und der in kleinen und mittleren Unternehmen eingesetzten Anwendungen ist hier zu finden.

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