Industrie, Politik, Wachstum, Chemie – Was der Jugend bei Nachhaltigkeit wichtig ist

Nachhaltigkeit wird verstanden als Verpflichtung gegenüber den jetzigen und künftigen Generationen und als Zukunftsstrategie, in der wirtschaftlicher Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung verknüpft ist“,

so heißt in den Unterlagen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³. Und oft wird in Diskussionen zu Nachhaltigkeit angeführt, man tue das nicht für sich selbst, sondern für seine Kinder. Was also läge näher als einen Dialog auch mit Jugend-Vertretern zu führen?

Im Vorfeld der Dialog-Veranstaltungen von Chemie³ findet deshalb eine eigene Veranstaltung mit Jugend-Vertretern statt. So war es auch in diesem Jahr. Am Mittag des 17. November trafen sich etwa 20 Jugendliche aus verschiedenen Organisationen: Die IG BCE Jugend, die Grüne Jugend, die Naturschutzjugend, der Think Tank 30 des Club of Rome Deutschland, das JungChemikerForum, die AG Junger Wirtschaftschemiker, das International Younger Chemist Network, SNEEP – student network for ethics in economics and practice, sowie Young Professionals von Evonik und HessenChemie. Und weil es um den Dialog geht, durften natürlich auch Vertreter von Chemie³, von BAVC, VCI und IG BCE, nicht fehlen.

Mittagsimbiss und der amerikanische Präsident

An zentraler, eigentlich gut erreichbarer Stelle, fand der Chemie³-Workshop statt: im Humboldt Carré mitten in Berlin. Doch auch der amerkanische Präsident hielt sich in Berlin auf und wollte ebenfalls zentral unterkommen, was die Anreise aufgrund der weiträumigen Sicherheitszone erschwerte. Dennoch erschienen alle Jugend-Vertreter motiviert und pünktlich. Eigentlich sollten die Diskussionen erst nach dem Mittagsimbiss beginnen, doch die Teilnehmer konnte es nicht abwarten: schon während des Essens begannen die Gespräche. Verständlich, zu spannend waren die Themen.

Fortschrittsindikatoren der Branche sorgten für großes Interesse

Zwar hatten sich viele der Teilnehmer bereits während des Mittagsimbisses angesprochen und einander vorgestellt, nun folgte die offizielle Begrüßung der Teilnehmer durch die Vertreter von Chemie³ und eine Vorstellungsrunde. Die Teilnehmer waren nicht aufgefordert, sich irgendwie vorzustellen. Sie sollten sich vorstellen und ihre Erwartungen an die Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung und an die im letzten Jahr von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele darstellen. Die Wirtschaft müsse konkrete Maßnahmen umsetzen und diese zeigen. Der erste Einstieg in die Diskussion, denn schon bei der Vorstellung wurden die unterschiedlichen Perspektiven deutlich.

Anschließend folgte ein Überblick über die Aktivitäten von Chemie³ und die Themen der Dialog-Veranstaltung am folgenden Freitag. Die Teilnehmer erhielten einen Überblick über die Arbeit der Initiative und das Projekt zu den Fortschrittsindikatoren der chemisch-pharmazeutischen und Kunststoffverarbeitenden Industrie, die am Freitagmorgen offiziell vorgestellt werden. Einige der Teilnehmer, die bereits im letzten Jahr an dem Workshop teilgenommen hatten, waren überrascht wie sich  die Initiative entwikelt hat. Letztes Jahr waren sie noch etwas skeptisch (würden die Indikatoren tatsächlich rechtzeitig zur Veranstaltung fertiggestellt?), in diesem Jahr waren die Teilnehmer positiv überrascht: die Indikatoren waren da und konnten diskutiert werden. Und das taten die Jugendlichen: engagiert und kritisch.

Welche Lösungsansätze gibt es für die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung?

In jeweils zwei Parallelen Workshops arbeiteten die Jugendlichen zu den Themen der Dialog-Veranstaltung. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Veranstalter das Format verändert. Jede Arbeitsgruppe wurde von einem Jugendvertreter geleitet und von einem Vertreter der Chemie³-Partner begleitet. Die folgende Leitfrage wurde ihnen dabei mit auf den Weg gegeben: „Was sind aus Ihrer Sicht die drei zentralen Herausforderungen und Lösungsansätze zu diesem Thema?“.

Nachhaltige Entwicklung messbar machen

Transparenz ist ein wichtiger Aspekt für die Diskussionen zu einer nachhaltigen Entwicklung und für eine nachhaltige Entwicklung selbst. Die Initiative Chemie³ hat sich zum Ziel gesetzt, die Fortschritte der Branche und die Beiträge für eine nachhaltige Entwicklung messbar zu machen. Die Partner von Chemie³ haben in einem zweijährigen Prozess Indikatoren entwickelt, die im Rahmen der Dialog-Veranstaltung am Freitag erstmalig diskutiert werden. In den Diskussionen der Arbeitsgruppe zeigte sich schnell, worauf es den Jugendlichen ankommt – und worauf nicht. Die Informationen und Darstellung solle authentisch und klar sein, Hochglanzbroschüren seien hier wenig hilfreich. Aber es wurde auch die Erwartung geäußert, dass sich die Branche den Themen ernsthaft annehme. Ansonsten mache man sich unglaubwürdig. Die Indikatoren seien ein Anfang; nun gehe es auch darum, diese bei Entscheidungen einzubeziehen. Hierbei seien alle gefordert: die Führungsebenen genauso wie alle anderen Mitarbeiter.

Politik für eine nachhaltige Industrie

Deutschland verfügt über einen starken industriellen Kern. Dieser trägt entscheidend zu einer nachhaltigen Entwicklung bei, damit die technischen und sozialen Innovationen, die hierfür notwendig sind, zu schaffen. Die Chemie³-Vertreter gingen mit der folgenden These in die Diskussion: „Um die Chancen des Industriestandortes zu nutzen, brauchen wir eine neue Politik.“ Die Politik sei an vielen Stellen gefordert, um zu einer nachhalitgen Entwicklung beizutragen. Aber die Industrie müsse hier ebenfalls mitwirken. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sind eine Chance, die gesellschaftlichen Herausforderungen greifbar und bewältigbar zu machen. Die Politik für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen: für die Industrie, für die Beschäftigten und für die Gesellschaft.

Wachstum für eine nachhaltige Entwicklung

Auch über das Thema Wachstum wurde intensiv diskutiert: was ist wirtschaftliches Wachstum und wie wird es gemessen? Wirtschaftliches Wachstum leistet zum Aufbau von Entwicklungschancen einen wichtigen Beitrag. Aus wirtschaftlichem Wachstum entstehen Verteilungsspielräume. Es ist Voraussetzung für Investitionen in Innovationen. Allerdings brauche es eine neue Qualität des Wachstums, um die positiven Effekte für eine nachhaltige Entwicklung nutzen zu können.  Ein immer weiter zunehmender Verbrauch an Ressourcen sei problematisch. In den Diskussionen zeigte sich, wie schwierig es manchmal sein kann, die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – unter einen Hut zu bekommen.

Produktinnovationen für eine nachhaltige Entwicklung

Die Chemiebranche ist eine innovationsstarke Branche. Als solche trägt sie in vielfältiger Weise zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. So liefert sie wichtige Produkte im Bereich der Elektro-Mobilität, der Solar-Technik, der Speichertechnik und vielen weiteren Stellen zu. Hierfür werden die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit immer stärker bereits in die Entwicklung von Produkten aufgenommen. Auch zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen möchte die Branche wichtige Beiträge leisten – gemeinsam mit der Gesellschaft und der Politik. Die Jugendlichen entwickelten Ideen für weitere Produktinnovationen, waren aber noch gespannter auf die Veranstaltung am Freitag: man wolle sich dort von den Experten aus den Unternehmen Näheres zeigen lassen.

Abschluss des Abends

Nach den vielen spannenden Diskussionen, wurde der Jugend-Dialog mit einem gemeinsamen Abendessen beschlossen. Wie bereits beim Mittagessen, wurde weiter diskutiert. Mit großem Engagement, um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten, jeder wie er kann und mit Spannung auf „Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung – Chemie³ im Dialog mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung“, der Chemie³-Veranstaltung am kommenden Tag.

Als Vorgeschmack auf die Veranstaltung von Freitag, hier der Hinweis auf die Dokumentation der Veranstaltung des letzten Jahres Zuhören, verstehen, handeln“ – Chemiebranche startet Dialogreihe über Nachhaltigkeit„.  Weitere Informationen zu der Dialog-Veranstaltung am 18. November 2016 in Berlin, zu den Themenforen und den Referenten sind auf www.chemiehoch3.de zu finden.