Azubis und CSR: Früh Bewusstsein schaffen

Ist Corporate Social Responsibility eigentlich nur ein Thema für Führungskräfte? Wie gehen junge Menschen damit um, und ist es sinnvoll, Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen schon innerhalb der Ausbildung zu behandeln?

Neugier bei den Azubis wecken

Weil wir bei Provadis dazu eigene Erfahrungen sammeln und auch unsere bereits vorhandene Expertise Projektpartnern zur Verfügung stellen wollten, haben wir in einem von der EU und der Bundesregierung geförderten Programm einen zweitägigen CSR-Pilotworkshop konzipiert und durchgeführt. Projektträger war das Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH (QFC). Ziel unseres Workshops war, bei den Azubis schon im ersten Ausbildungsjahr Neugier für das Thema Nachhaltigkeit zu wecken, eine Grundsensibilisierung und ein Grundverständnis für CSR zu erreichen.

Wir waren von Anfang an sehr gespannt und skeptisch, wie intensiv junge Leute mit diesen Fragen umgehen. Doch zu unserer großen Überraschung kannten sich bereits viele mit dem Thema Nachhaltigkeit aus. Nachdem wir zunächst über den Begriff Corporate Social Responsibility und über die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales im Ganzen gesprochen hatten, diskutierten wir mit den jungen Leuten auch über erfolgreiche Wege in der CSR-Kommunikation. Ein Best Practice-Beispiel dafür: die Initiative Papilio zur frühzeitigen Sucht- und Gewaltprävention in Kitas.

Sozial- und ökologisch verantwortliche Produktion

Ein wichtiges Thema unseres zweitägigen Workshops, in dem die Azubis auch in kleinen Gruppen arbeiteten, war die Einführung in eine sozial- und ökologisch verantwortungsbewusste Produktion. Die Azubis hatten den Arbeitsauftrag, sich dabei speziell mit Fragen der Energieeffizienz zu beschäftigen. Sie erfuhren nicht nur viel darüber, wie Provadis ökologisch bewusst arbeitet, sondern sollten auch selbst sinnvolle Maßnahmen entwickeln. Es war faszinierend und toll zu beobachten, wie aktiv und kreativ die Chemielaboranten im Workshop an die Sache herangingen, obwohl sie ja noch nicht in den Unternehmen gearbeitet hatten. Viele berichteten im Laufe des Workshops auch über das eigene Engagement für Nachhaltigkeit im privaten Bereich. Damit der Workshop keine „Eintagsfliege“ bleiben und sich die Azubis im Nachgang weiter mit dem Thema Energieeffizienz beschäftigen konnten, haben wir darüber hinaus einen Lehrbrief entwickelt, der das Thema auch ganz konkret auf die betriebliche und private Lebenssituation bezieht und in kleinen Teams in zwei bis drei Wochen durchgearbeitet worden ist.

Zusammenhänge erkennen, Gedankenanstöße mitnehmen

Sehr gefreut hat uns das überaus positive Feedback der Teilnehmer während und nach der Veranstaltung. So sagten einige, dass sie wertvolle Anstöße bekommen haben und jetzt den Gesamtzusammenhang in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt viel besser verstehen. Durch den Workshop bin ich jetzt in der Lage, sagte ein Azubi, an meinem Arbeitsplatz im Unternehmen entsprechende Zusammenhänge zu erkennen und das Wissen auch anzuwenden. Eine Auszubildende meinte, es wäre gut, wenn sich alle Firmen Gedanken machen würden, wie man zufriedenere Mitarbeiter bekommen könnte und dass sie glaube, Begriff und Inhalte von Corporate Social Responsibility seien noch nicht ausreichend bekannt. Dabei wäre es so wichtig, weil jeder Einzelne individuell zum Klimaschutz beitragen könne. Ein Auszubildender brachte es auf den Punkt: Er meinte, dass jeder ein Teil von CSR sei und dass man schon während der Ausbildung am Arbeitsplatz Strom sparen, im Labor nicht verschwenderisch arbeiten oder den Müll trennen könne.

Positive Erfahrungen mit dem Pilotworkshop

Nach diesen ersten überraschend positiven Erfahrungen bin ich davon überzeugt, dass man so früh wie möglich das Bewusstsein bei den Auszubildenden für die Relevanz von CSR schärfen sollte. Wichtig ist dabei, den Bezug zum betrieblichen Alltag herzustellen. So könnte man auch beispielweise Unternehmensvertreter zu einem weiteren Workshop einladen. Denn je mehr Praxisbezug geboten wird, umso besser engagieren sich die Azubis.

Nachhaltigkeit und ganzheitliches Denken ist heute schon bei den jungen Leuten ein wichtiges Thema und wird für sie als zukünftige Mitarbeiter immer wichtiger. Ich empfehle allen Verantwortlichen in den Betrieben, die jungen Leute ernst zu nehmen und nicht zu vergessen, wie entscheidend sie zum Unternehmenserfolg bereits heute und vor allem in ihren zukünftigen Rollen beitragen. Provadis jedenfalls bleibt für seine Kundenunternehmen und die ihr anvertrauten Auszubildenden weiter dran.

 

 

Marny Schröder, B.Sc.Marny Schröder, Ausbilderin für Chemie- und Labortechnik, B.Sc, Provadis,

studierte nach der Ausbildung zur Chemielaborantin berufsbegleitend Chemieingenieurswesen. Als Ausbilderin bei Provadis – dem Fachkräfteentwickler der Industrie im Bereich der Chemie und Labortechnik bereitet sie junge Menschen auf ihr Berufsleben in der chemischen Industrie vor. Zudem ist sie als Prüferin der IHK tätig. 

Marny Schröder ist verheiratet, Mutter zweier Töchter und aktuell in Elternzeit.

 

Veröffentlicht in Nachhaltigkeit
Tags: , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*