Berufsschulen: Auszubildende vermissen schnelles Internet und moderne Lernbedingungen

Bereits seit Längerem setzt sich HessenChemie für eine Aufwertung der dualen Ausbildung ein. Neben klassischer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit finden hierzu immer wieder Gespräche mit Politikern statt. Zudem investiert der Verband in die Lehrerfortbildung und ist mit eigenen Veranstaltungen und einem Schülerwettbewerb am Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT beteiligt. Soll die Attraktivität der dualen Ausbildung gefördert werden, muss auch die Situation an den Berufsschulen stärker in den Fokus rücken.

Im Sommer 2019 befragte das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität in Frankfurt im Auftrag von HessenChemie 4.415 Auszubildende in den Mitgliedsunternehmen des Verbandes zur Situation an ihren Berufsschulen. 601 vollständig ausgefüllte Fragebögen konnten ausgewertet werden.

Das Ergebnis zeigt in der zusammenfassenden Bewertung, dass auf die Schulträger und das Land Hessen noch große Herausforderungen zukommen. Dies gilt insbesondere für die Ausstattung der Berufsschulen mit moderner Technik, aber auch für die Gebäude. Im Hinblick auf die bauliche Situation gibt es große regionale Unterschiede. Vor allem in den Ballungsräumen wünschen sich die Befragten vielerorts bessere Sanitäranlagen, Schulungsräume und Ausstattung. Insbesondere unzureichend funktionsfähige Heizungen, schlechte Kälte- und Wärmeisolation, altes Mobiliar und mangelhafte Sauberkeit machen Berufsschulen zu einem weniger attraktiven Lernort. Weit oben auf der Mängelliste steht der Nachholbedarf bei der Ausstattung mit schnellem WLAN. 27 Prozent der Auszubildenden haben laut der Umfrage gar keinen Zugang zum Internet. Sie wünschen sich mehr elektronische Medien wie PCs und Laptops für möglichst alle Auszubildenden, die in gutem Zustand sind und gewartet werden. Viele der Befragten sind bereit, ihre privaten Geräte im Berufsschulunterricht einzusetzen.

Neben der baulichen und technischen Ausstattung wurde in der Befragung auch die Qualität des Unterrichts betrachtet. Vergleichsweise zufrieden sind die Befragten mit der Vermittlung von Fachwissen. Immerhin 43 Prozent bezeichnen dieses als gut oder sehr gut. Etwas mehr als ein Viertel erachtet die Wissensvermittlung als befriedigend, allerdings auch 30 Prozent als mangelhaft oder schlecht. Lehrkräfte sollten über mehr Fach- und Praxiswissen verfügen. Zudem wünschen sich die Auszubildenden gut motivierte Lehrer, denen es zugleich gelingt, den Lernstoff interessant zu vermitteln. Dazu gehören auch weniger Frontalunterricht und zum Teil auch weniger Gruppenarbeit. Dafür sollten verstärkt moderne Medien zum Einsatz kommen, mehr selbständiges Lernen möglich sein und die individuellen Voraussetzungen der Auszubildenden besser berücksichtigt werden. Letztendlich würden es viele der Befragten begrüßen, wenn die Unterrichtsinhalte stärker auf die Praxis abgestimmt und die Prüfungsvorbereitung effektiver gestaltet würden.

Bei aller Digitalisierung bleibt der Lehrerberuf auch in der Zukunft wichtig: Auf die Frage, wie Lernen in der Berufsschule in fünf bis zehn Jahren aussehen wird, gaben 92 Prozent der Auszubildenden an, dass sie hier eine Kombination aus elektronischen und traditionellen Lernformen sehen.

Angebot an die Politik

HessenChemie hat angesichts der Umfrage dem Hessischen Kultusministerium ein Angebot zur Zusammenarbeit unterbreitet. Dabei geht es im Kern darum, eine gemeinsame Weiterbildung für Ausbilder und Berufsschullehrer zu entwickeln. Das auf insgesamt zwei Jahre angelegte Projekt wird im Beitrag HESSENbildung.digital genauer vorgestellt.

Veröffentlicht in HessenChemie
Tags: ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*