Nach 30 Jahren ist Schluss

Walter Schmidt, langjähriger Leiter des Bildungszentrums Kalle-Albert, hat sich in den Ruhestand verabschiedet

Auch wenn offiziell Schluss ist, denkt Walter Schmidt noch lange nicht ans Aufhören. Für Menschen wie ihn wurde der Begriff Unruhezustand erschaffen. Der langjährige Leiter des Bildungszentrums am Industriepark Kalle-Albert ist zwar in Pension gegangen, wird sich aber in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen weiterhin noch blicken lassen. Denn zwei Themen sind und bleiben ihm wichtig: Die duale Ausbildung und benachteiligte Menschen.

An seinem letzten Tag im Industriepark Kalle-Albert ist Walter Schmidt, wie man ihn kennt, die Ruhe selbst. Er weist Auszubildende noch für den Wettbewerb „Jugend forscht“ ein, bevor er zu seiner eigenen Verabschiedungsfeier geht. „Dass das der letzte Tag ist, ist mir gar nicht so bewusst“, sagt er. Bei einer Tasse Kaffee hat er sich vorher Zeit noch genommen, um seine Zeit als Ausbildungsleiter Revue passieren zu lassen.

Walter Schmidt feierte seinen Abschied selbstverständlich in der technischen Werkstatt des Bildungszentrums. Foto: bh / HessenChemie

1988 ging es für Schmidt in den Industriepark

Als ein Computer noch 4.000 D-Mark kostete und den Beginn der digitalen Revolution markieren sollte, fing Walter Schmidt im Industriepark an. Das war vor 30 Jahren. „Da steht uns was bevor, da müssen wir was tun“, erinnert sich Schmidt an die mahnenden Worte der Verantwortlichen des damaligen Hoechst-Konzerns, die, wie Schmidt sagt, mutig gewesen seien, etwas in Richtung Mitarbeiter und Digitalisierung zu tun. Schmidt, zu dem Zeitpunkt noch Systemingenieur bei Opel,  wird eingestellt und soll das gerade erst fertig gestellte Ausbildungszentrum leiten und aufbauen.  „So eine Chance hat man nur einmal im Leben, hab ich mir gesagt“, erinnert sich Schmidt. Er stellte ein kleines Team zusammen und gemeinsam legten sie los. Bei seiner Verabschiedung sagen Weggefährten dann, Schmidt sei Wegbereiter und Visionär.

Schmidt musste in den vergangenen 30 Jahren immer wieder Überzeugungsarbeit leisten, damals um die Notwendigkeit der Ausbildung und heute um die Gewinnung von Auszubildenden, sowie darüber, mit der Entwicklung Schritt halten zu können. Denn der technologische Fortschritt schreite so schnell voran, dass man jetzt noch gar nicht voraussehen kann, wie sich die Arbeitswelt in vier Jahren gestaltet, wenn der aktuelle Jahrgang seine Ausbildung abschließen wird.

Weggefährten bezeichnen ihn als Visionär

So wird er bei seiner Abschiedsfeier den Worten seiner Weggefährten gerecht und wagt einen visionären Blick in die Zukunft. Er zeigt bildlich auf, dass sich die Produktion individualisieren werde und Verantwortliche die Ausbildung darauf hin ausrichten müssten. „Die Digitalisierung wird direkt beim Endkunden ansetzen, denn der entscheidet, was er will“, sagt er. Waschmittel werde dann beispielsweise im Industriepark nur noch auf Bestellung individualisiert für den Endkunden hergestellt.

Eins hat Schmidt bei seiner Arbeit in den letzten drei Jahrzehnten immer wieder gefreut, „wenn was mit Randgruppen geklappt hat.“ Seine eigene Schulzeit habe ihn wohl geprägt, denn er selbst sei kein guter Schüler gewesen und mit Lehrern hatte er es auch nicht so, wie er schmunzelnd erklärt. Deshalb unterstütze er wohl junge Menschen, die in der Schule nicht so gut seien oder die von anderen als chancenlos angesehen werden.  „Das können tolle Mitarbeiter werden, man muss ihnen nur eine Chance geben“, sagt er. Das hat er nicht nur im Bildungszentrum getan, sondern auch gemeinsam mit Schulen oder anderen Einrichtungen und Projekten wie beispielsweise den Joblingen oder im Verein Abis. Darüber hinaus engagiert sich Schmidt im Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer und im Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT. „Ich habe eine Menge klasse Lehrer kennengelernt, hätte ich mir früher nie erträumt“, sagt er schelmisch.

Auch wenn Schmidt nun in Pension geht, wird es erstmal nicht ruhig und er hat schon eine Aufgabenliste. So will er in einigen Gremien aktiv bleiben und sich weiter engagieren. Für seine 92-jährige Mutter will er sich vor allem Zeit nehmen. Und seinem Hobby Eisenbahn will er sich widmen und den Lago Maggiore per Dampf erkunden, wie er erzählt. Es wird also nicht langweilig.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.

Veröffentlicht in Ausbildung, HessenChemie

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