Ausbildung: Leitfaden für Bewerber

„Wer nicht weiß, was er sucht, wird alles Mögliche oder auch nichts finden.“

Soll ich Bürokauffrau werden, Chemikant oder Industriemechaniker, Koch oder Köchin? Es gibt so viele verschiedene Berufe. Mehr als Jugendliche sich in der Regel vorstellen können. Sich gezielt mit der Berufswelt auseinander zu setzte erhöht die Chance, den richtigen Ausbildungsplatz zu finden. Aber auch das Bewusstsein über die eigenen Stärken und Schwächen ist für die Berufswahl wichtig. Letztlich sollte ich wissen wann und wie ich mich erfolgreich bewerben kann.

10 wichtige Fragen mit denen man sich befassen sollte:

  1. Welche Berufe kenne ich und was gibt es da sonst noch?
  2. Welcher Beruf könnte zu mir passen?
  3. Wo kann ich mich über Berufe informieren?
  4. Wie kann ich feststellen, ob ich geeignet bin?
  5. Wann muss ich mich bewerben?
  6. Was interessiert mich?
  7. Was macht mir Spaß?
  8. Was ist mir wichtig?
  9. Wo habe ich besonders gute Noten?
  10. Was möchte ich auf keinen Fall?

Die Berufswahl ist eine weitreichende Entscheidung

Ich empfehle Schülerinnen und Schülern sich intensiv mit der Auswahl des zukünftigen Berufs zu befassen. Denn man sollte den Beruf finden, der wirklich zu einem passt, in dem man sich wohlfühlt und in dem man viele Jahre zufrieden arbeiten möchte oder sich auch weiterentwickeln will.

In den Gesprächen mit jungen Menschen versuche ich zunächst die Bedeutung des Prozesses hervorzuheben. „Stell Dir vor Du bist auf der Suche nach einem guten Smartphone und den für Dich passenden Tarif. Wie gehst Du dabei vor und wieviel Zeit bist Du bereit für diese Entscheidung zu investieren?“

Meist gehen junge Menschen dabei sehr sorgfältig an die Entscheidungsfindung heran. Denn dieses Thema ist ihnen wirklich sehr wichtig, vor allem dann, wenn sie auch das eigene Taschengeld einsetzen müssen. „Ich frage meine Freunde, informiere mich im Internet und war auch schon in einigen Geschäften“ ist oft die Antwort. Und genau hier kann man ansetzen.

Denn die Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung sollte man sich auf keinen Fall leichter machen als die Frage nach dem richtigen Handy, da sie in ihrer Bedeutung für das weitere Leben natürlich noch deutlich wichtiger ist. „Stell Dir einmal vor Du müsstest jeden Tag etwas tun, was Dir überhaupt keinen Spaß bringt und Dir auch keinen Sinn vermittelt? Deshalb wäre es für Dich gut auch bei der Berufswahl auf mehrere Informationsquellen zurückzugreifen.“

Ein Kompass im Informations-Dschungel

Nie hatten junge Menschen mehr Informationsquellen als heute. Das Problem besteht nun aber darin sich im Dschungel Orientierung zu verschaffen. Im Internet gibt es dazu viele tolle Informationsquellen. Hier möchte ich zwei gute Beispiele nennen, die wirklich Orientierung geben. Die Seite www.planet-beruf.de bietet umfassende Angebote, um sich einen individuellen Berufswahlfahrplan zu erstellen. Von A wie Ausbildungsangebote bis Z wie Zeitplan für die einzelnen Schritte findet man alles was wissenswert ist.

Auf der Seite www.elementare-vielfalt.de erfährt man vor allem viel über Berufe im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich. Neben Bewerbungstipps gibt es dort Texte, Fotos und Filmchen die einem den Wunschberuf näher bringen. In der Ausbildungsbörse kann man sich direkt über bestimmte Einstellung aktuelle Ausbildungsplatzangebote ganz in der Nähe des Wohnortes herausfiltern. Interessant ist hier auch, dass sich viele kleinere und mittelständische Unternehmen präsentieren, die meist weniger bekannt sind, aber auch eine sehr gute Ausbildung anbieten.

10 Informationsquellen:

  1. Gespräch mit Eltern, Freunden und Bekannten
  2. Gespräche mit Lehrern
  3. Gespräch mit Berufsvertretern
  4. Gespräch mit Berufsberatern
  5. Eigene Praxiserfahrungen (Praktika)
  6. Eignungstests zur Stärken- und Schwächenanalyse
  7. Internetseiten
  8. Zeitungen und andere Medien
  9. Ausbildungsmessen
  10. Berufsinformationstage von Unternehmen

„Drum prüfe wer sich ewig bindet“

Der von Friedrich Schiller stammende Ratschlag in Bezug auf die Wahl eines Lebenspartners lässt sich meines Erachtens auch auf die Berufswahl übertragen. Zu meinen Ratschlägen für junge Menschen gehört daher unbedingt auch Praktika zu absolvieren und dass in möglichst verschiedenen Berufsfeldern und unterschiedlichen Branchen.

Jeder Mensch verfügt über unterschiedliche Interessen und Begabungen. Deshalb sollte man mehreres ausprobieren bevor man sich dann entscheidet. Es ist auch sehr wertvoll mit anderen Menschen zu sprechen, die schon etwas länger im Berufsleben stehen. Gehen sie gerne zur Arbeit? Was fasziniert sie an ihrem Beruf? Warum haben sie sich damals für den Beruf entschieden und würden sie sich wieder dafür entscheiden? Welche Tätigkeiten üben sie in ihrem Beruf aus und welche Verantwortung tragen sie dabei? Welche Entwicklungsschritte sind sie gegangen? Solche wertvollen Gespräche helfen, sich ein Bild darüber zu machen, was ein bestimmter Beruf wirklich bietet aber auch verlangt.

Noch ein guter Rat zum Schluss: Die beste Bewerbung und die besten Zeugnisse nutzen nichts, wenn man die Bewerbungsfristen verpasst. Viele Unternehmen beginnen 10-12 Monate vor dem Ausbildungsbeginn bereits jetzt mit der Auswahl der Bewerber für das folgende Ausbildungsjahr. Wer sich also für eine Ausbildung entscheidet, sollte sich daher frühzeitig über das Ausbildungsangebot informieren und bald mit dem Schreiben von Bewerbungen beginnen. Übrigens auch Abiturienten empfehle ich als alternative zum Studium über das Thema Ausbildung nachzudenken. Die duale Ausbildung ist für viele junge Menschen ein guter Weg in ein erfolgreiches Berufsleben.

Jürgen Funk, HessenChemieJürgen Funk ist Diplom-Pädagoge und seit Januar 2012 Geschäftsführer Verbandskommunikation und Bildungspolitik. Viele Jahre hat er Berufsorientierungsseminare für Schülerinnen und Schüler durchgeführt und in dieser Zeit mehrere Tausend junge Menschen beraten. Darüber hinaus hat er Seminare für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert und durchgeführt. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Veröffentlicht in HessenChemie

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