Drei Fragen an Staatsminister Kai Klose

Am 17. Oktober 2019 finden im Kurhaus Wiesbaden die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Neue Wege der Fachkräftesicherung – Vorsprung für attraktive Arbeitgeber“ diskutieren wir mit Experten aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaft und Verbänden darüber, wie sich Unternehmen heute aufstellen müssen, um die passenden Talente für morgen zu finden. Im Vorfeld der Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik geben die Experten mit der Serie „Drei Fragen an…“ einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages. Den Auftakt macht in diesem Jahr der Hessische Staatsminister für Soziales und Integration Kai Klose.

Herr Staatsminister Klose, welche Chancen und welche Herausforderungen sehen Sie bei der Fachkräftesituation in der hessischen Industrie?

Die chemische Industrie befindet sich wie alle Branchen zurzeit in einem umfassenden Transformationsprozess, der die Arbeitsbedingungen verändert. Die Fachkräfteengpässe legen nochmals leicht zu, neu ist die Entkopplung vom Konjunkturverlauf, die demografische Entwicklung wird daher zur Dominante. Nach Angaben von regio pro werden auf dem hessischen Arbeitsmarkt bis 2024 etwa 175.000 Fachkräfte mit einem qualifizierten Bildungsabschluss fehlen. Diese Veränderungen führen zu neuen Erwartungen und Anforderungen an Arbeitgeber und Arbeits-, Fach- und Führungskräfte. Fachkräftesicherung findet unter den Rahmenbedingungen einer sich durch den demografischen Wandel, die zunehmende Digitalisierung, Internationalisierung, Vielfalt und Individualisierung verändernden Arbeitswelt statt. Neue Herausforderungen und Chancen auch für die hessische Fachkräftesicherung entstehen. Als grundlegende Werteorientierung und Kompass des gemeinsamen Handelns soll dabei die von uns entwickelte Dachmarke „Arbeitswelt Hessen“ dienen. Sie zielt auf die Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen und ordnungspolitischer Leitlinien in einer innovativen, sozialen und nachhaltigen Arbeitswelt. Sie ist gleichsam eine Richtschnur zur Balance zwischen den Interessen und Bedürfnissen der Menschen und den Bedarfen und Erfordernissen von Betrieben, Unternehmen und Verwaltungen im Rahmen der Fachkräftesicherung in Hessen.

Welche Strategie zur Fachkräftesicherung – insbesondere zur Stärkung der dualen Ausbildung – verfolgt die Hessische Landesregierung in der aktuellen Legislaturperiode?

Die duale Ausbildung ist nach wie vor eine zentrale Säule für die Fachkräftesicherung der Unternehmen. Rund zwei Drittel der Erwerbstätigen haben eine duale Ausbildung absolviert. Zugleich ist der Ausbildungsabschluss für junge Menschen ein wichtiger Schlüssel zu sozialer Teilhabe, Selbstbestimmung und eröffnet vielfältige Zukunftschancen. Die Hessische Landesregierung hat zahlreiche Programme zur praxisbezogenen Berufsorientierung auf den Weg gebracht, mit Landesbeteiligung werden auch die Bundesprogramme zur Berufsorientierung stärker genutzt. Zur Stärkung der dualen Ausbildung sollten beispielsweise bei der Werbung für Lehrberufe in der chemischen Industrie in Haupt- und Realschulen, bei der Verbesserung von Kinderbetreuungsangeboten sowie bei der Stärkung der Tendenz zu einem höheren Arbeitsalter gemeinsame branchenspezifische Lösungen erörtert werden. Wir müssen die berufliche Bildung noch stärker als lohnende Alternative zu einem Hochschulstudium herausstellen, um künftig mehr junge Leute dafür zu gewinnen.

Wie könnte die Zusammenarbeit zwischen der Landespolitik und den hessischen Chemie-Arbeitgebern bei der Fachkräftesicherung verstärkt werden?

Nachhaltige Fachkräftesicherung ist ein zentraler Handlungsschwerpunkt der Landesregierung und eine gesamtgesellschaftliche dauerhafte Zukunftsaufgabe. Es gilt, möglichst alle Potenziale auszuschöpfen. In Hessen unterstützt das Land durch eine nachhaltige Fachkräftesicherung die Menschen in ihrer Beschäftigungsfähigkeit und die Arbeitgeber beim Finden, Binden und Halten von Personal. Die Grundlage des Handelns bildet ein strategischer Maßnahmenmix in vier zentralen Bereichen: Bildung, potenzialorientierte Arbeitsmarktpolitik, Internationalisierung als Standortfaktor sowie Attraktives Hessen. Einzelne Elemente umfassen die Gewinnung von Arbeits-, Fach- und Führungskräften aus dem In- und Ausland, die Sicherung des Personals in den Betrieben, Unternehmen und Verwaltungen, die Schaffung alter(n)sgerechter, attraktiver, gesunder und sicherer Arbeitsplätze sowie die Förderung der Attraktivität Hessens, seiner Regionen und Arbeitgeber.
Die anstehenden Aufgaben will die Hessische Landesregierung mit den Arbeits- und Ausbildungsmarktpartnern meistern, um gemeinsam praxisorientierte Lösungen zu entwickeln. Gemeinsam mit den Gestaltungspartnern der Arbeitswelt Hessen wird mit inzwischen über 200 Einzelmaßnahmen und Initiativen Fachkräftesicherung in Hessen gelebt.


Hessischer Minister für Soziales und Integration Kai Klose

Kurzvita

  • Seit 18. Januar 2019 Hessischer Minister für Soziales und Integration
  • Seit 18. Januar 2019 Abgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
  • Oktober 2017 bis Januar 2019 Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration
  • Dezember 2013 bis Mai 2019 Vorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hessen
  • 2009 – 09/2017 Abgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
  • 2006 – 2009 Kreistag Rheingau-Taunus-Kreis
  • 2001 – 2006 Gemeindevorstand Waldems
  • 1993 – 2001 Gemeindevertretung Waldems
  • 2005 – 2011 Politischer Geschäftsführer BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hessen
  • 2004 – 2005 Vorstandsreferent BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hessen
  • 2002 – 2004 Lehrer im Vorbereitungsdienst
  • 2001 Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien an der Philipps-Universität Marburg, 2004 Zweites Staatsexamen für die Fächer Deutsch, Politik und Wirtschaft
  • Seit 1995 Mitglied von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
  • 1993 Abitur, Pestalozzigymnasium Idstein
  • Am 23. Dezember 1973 geboren in Usingen/Ts.

Zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik

Die Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik finden seit 2005 regelmäßig im Kurhaus Wiesbaden statt. Veranstalter ist der Arbeitgeberverband HessenChemie. Die Wiesbadener Gespräche greifen aktuelle Themen auf, die sich in den für die Mitgliedsunternehmen des Verbandes wichtigen Fragen der Sozialpolitik widerspiegeln und eine gesamtgesellschaftliche Relevanz haben. In diesem Jahr steht das Thema Fachkräftesicherung im Mittelpunkt. Hier geht’s zur Anmeldung


Veröffentlicht in HessenChemie

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