Chemielehrer und Unternehmer: Ausstellungsbesichtigung bietet Einblicke in Werk von Carl Remigius Fresenius

Von kriminaltechnischen Analysen über Materialforschung bei Schieferziegeln bis hin zu Analysen von Wasser- und Weinproben: Die Forschungsgebiete von Carl Remigius Fresenius waren vielseitig – und das bereits vor 200 Jahren. Bei der Besichtigung der Ausstellung „C.R. Fresenius und die chemische Analytik“ des Wiesbadener Landesmuseums am 6. November 2018 berichtete Kurator Prof. Dr. Leo Gros über die erstaunliche Bandbreite des bekannten Chemikers.

Carl Remigius Fresenius (1818 – 1897)

Die zweite Veranstaltung der Fresenius-Reihe im Programm von SCHULEWIRTSCHAFT ist ein Erfolg. Unterhaltsam führt Kurator Prof. Dr. Leo Gros die Teilnehmer der Ausstellungsbesichtigung in die Welt der Chemie ein und vermittelt nicht nur den Chemikern im Publikum einen bleibenden Eindruck von Fresenius‘ Analysen. In sieben Stationen fasst die Kabinettausstellung Fresenius‘ Leben zusammen und beleuchtet neben seinen unterschiedlichen Forschungsgebieten seine Bedeutung als Wiesbadener Unternehmer, die nicht zuletzt in der Gründung des Chemischen Laboratoriums, dem Mutterunternehmen der Europa Fachhochschule Fresenius und des heutigen INSTITUT FRESENIUS, im Jahr 1848 begründet liegt.

„Wenn es gelb ist, dann war es vielleicht Natrium“, beschreibt Gros Fresenius‘ Schlussfolgerungen bei den Analysen des Wiesbadener Heilwassers schmunzelnd und erklärt mit Hilfe des Bildes von Muttern und Schrauben, wie Moleküle bei der Zugabe von Hitze neue Verbindungen eingehen. Man merkt, er hat diese Vorgänge seinen Studenten schon oft erklärt. Begeistern kann er ebenfalls mit historischen Anekdoten aus Fresenius‘ Leben. So sei dieser keineswegs bestrebt gewesen, seine Analysen nur um ihrer selbst willen durchzuführen und einen „Wust an Messdaten“ zu produzieren. Vielmehr führte Fresenius seine Heilwasser-Analysen aus wirtschaftlichen und medizinischen Gründen durch. Ebenso faszinieren Fresenius‘ Erfolge im Bereich der kriminalistischen Analytik. So konnte dieser vor über 150 Jahren eine Arsenvergiftung bei einer exhumierten Leiche nachweisen und dadurch eine Frau des Mordes an ihrem Gatten überführen.

Fresenius‘ Analysen auch heute noch aktuell

Doch was ist bleibend an der Arbeit des „Vaters der Analytischen Chemie“, stellt die Ausstellung selbst die Frage nach der Aktualität von Fresenius‘ Analysen. Die Antwort: Einige können sich tatsächlich bis in die heutige Zeit halten. So wird Fresenius‘ Vorgehen bei der Materialanalytik in Grundzügen beispielsweise bei den Inhaltsstoffen von Handys und der Analyse von Mikroplastik angewendet und qualitative Analysen sowie Absolutmethoden zur Untersuchung von Materialproben durchgeführt.

Prof. Dr. Leo Gros berichtet über Fresenius‘ Verdienste.

Sein Erbe hinterließ er auch in Form seiner Lehre: Selbst Schüler von Liebig und solchermaßen vorgeprägt, widmete sich Fresenius seit 1845 der eigenen Lehre und unterrichtete während seines Lebens über 2000 Schüler. Darunter einige bekannte Persönlichkeiten wie Eugen Lucius und Adolf von Brüning. Die beiden Gründer & Teilhaber der späteren Höchst AG lernten von 1855 bis 1856 gemeinsam in Fresenius‘ Laboratorium und legten hier den Grundstein für ihre spätere Geschäftsbeziehung.

Nach diesem Einblick in das Wirken des bekannten Chemikers wird unsere Fresenius-Reihe am 21. November ab 16.00 Uhr mit einem Rundgang durch die naturwissenschaftlichen Labore der Hochschule Fresenius in Idstein fortgesetzt. Interessierte Lehrerinnen und Lehrer erhalten hier die Möglichkeit, selbst mit den vorhandenen Geräten zu arbeiten. Anmeldung und weitere Informationen hier.

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Chantal Kirschner ist seit Oktober 2018 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Sie studierte im Bachelor Publizistik und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und schloss dort mit dem Master Unternehmenskommunikation ab. Während ihres Studiums war sie als Werkstudentin bei der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain tätig.

Veröffentlicht in HessenChemie
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