60 Lehrkräfte drücken für Chemie-Unterricht selbst die Schulbank

Was hat die Creme-Seife „sensitiv“ aus dem Drogeriemarkt mit dem Schulunterricht  zu tun? Wie Lehrerinnen und Lehrer alltägliche Produkte wie die Creme-Seife, Arzneimittel oder auch verschiedene Nahrungsmittel in ihren Chemie-Unterricht einbeziehen können, haben die rund  60 Teilnehmer beim letzten zweitägigen Lehrerwochenendseminar der Chemieverbände Hessen erfahren. Unter dem Motto „Schön und gesund!“ konnten sie an einem Tag in den Laboren am Campus Riedberg der Universität Frankfurt verschiedene Experimente durchführen. Bereits am Tag zuvor gab das Bildungsunternehmen Provadis Einblicke in Ausbildungsberufe in der Chemiebranche. Bei einer Besichtigung des Industrieparks Höchst erfuhren die Lehrkräfte, was auf 460 Hektar Gesamtfläche alles passiert.

Im Labor durften die Lehrkräfte selbst ran: Sie experimentierten mit handelsüblichen Kosmetika oder Lebensmitteln. Foto: VCI Hessen

Doch wer arbeitet eigentlich in so einem Industriepark mit 22.000 Beschäftigten? Die Antwort lieferte das Bildungsunternehmen Provadis, das direkt am Industriepark angesiedelt ist. Ein Industriepark sei mit einer Kleinstadt vergleichbar, in der alles gebraucht werde, erklärte Marny Schröder von Provadis. Deswegen bilde Provadis auch in rund 40 Berufen aus. Außerdem erläuterte sie, welche Schulabschlüsse benötigt werden und welche Bildungswege die chemische Industrie bietet. Provadis bildet unter anderem Chemikanten, Laboranten, aber auch kaufmännische Berufe aus. Von den jährlich 400 Auszubildenden entschieden sich die meisten für den Beruf des Chemikanten. Jürgen Funk vom Arbeitgeberverband HessenChemie betonte, dass die Chemiebranche für junge Menschen vor allem auch nach der Ausbildung gute Perspektiven biete. Das war einigen nicht bekannt – jedenfalls ließ sich das aus den Nachfragen der Teilnehmer schließen. Ein Rundgang durch die gewerblich-technische Ausbildung gab den Teilnehmern Gelegenheit zum Austausch mit Ausbildern und Auszubildenden.

Einen umfassenden Einblick hinter die Kulissen des Industriepark Höchst erhielten die Lehrkräfte anschließend bei einer einstündigen Rundfahrt. „Sie alle kennen doch die Autos von der Deutschen Post oder die roten Ferraris“, fragt die Gästeführerin. Zustimmendes Nicken im Bus. „Die Farbpigmente werden hier im Industriepark hergestellt“, ergänzt sie und erntet staunende Gesichter. Was zu Beginn im Jahre 1863 noch ein überschaubares Farbwerk war, ist heute ein Standort mit einer Gesamtfläche von 460 Hektar, was ungefähr 644 Fußballfeldern entspricht. Hier haben sich 90 Unternehmen angesiedelt, die 22.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Lehrinnen und Lehrer erfuhren nicht nur, welche Unternehmen im Industriepark ansässig sind und was sie herstellen, sondern unter anderem auch, dass der Industriepark sich selbst mittels eigener Kraftwerke mit Energie versorgt, über einen eigenen Hafen verfügt oder eine eigene Buslinie unterhält.

Beim Rundgang durch die Räume der gewerblich-technischen Ausbildung bei Provadis gab es einiges zu entdecken. Foto: HessenChemie

„Bitte ziehen Sie Kittel an und setzen Sie die Schutzbrillen auf“, hieß es am zweiten Tag nach einem Vortrag von Professor Arnim Lühken, geschäftsführender Direktor des Instituts für Didaktik der Chemie. An diesem Samstagvormittag tauschten die Lehrkräfte die Rollen und drücken selbst die Schulbank. Es herrschte reges Treiben im Labor am Campus Riedberg. Hier und da klapperte es, Erlenmeyerkolben wurden geschwenkt, im Mörser wurden Tabletten zerkleinert. In verschiedenen Workshops probierten die Teilnehmer zu den verschiedenen Themenbereichen Kosmetik, Ernährung und Arzneimittel aus, wie sie ihren Chemie-Unterricht mit einfachen Mitteln ansprechend gestalten können. Dabei untersuchten sie alltägliche Produkte wie Shampoo, Duschgel aber auch Energydrinks auf ihre Inhaltsstoffe. „In den verschiedenen Workshops können die Lehrkräfte frische Ideen mitnehmen und in ihrem eigenen Unterricht umsetzen“, sagte Heike Blaum vom VCI Hessen.

Stichpunkte in Sachen Ernährung und Gesundheit erhielten die Seminarteilnehmer bereits am Abend davor. Ernährungsberaterin Andrea Stensitzky-Thielemans, die sonst Spitzensportler berät,  erzählte über die Schönheitsideale von Jugendlichen und wie sie sie erreichen wollen. Gesunde Ernährung spiele dabei eine wichtige Rolle.

Die Autorin

Frauke Blech ist seit April 2017 Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Zuvor war sie als Wirtschaftsredakteurin tätig. Das redaktionelle Handwerkszeug eignete sie sich in einem Volontariat bei einer Tageszeitung in Norddeutschland an, das sie anschließend als Redakteurin vertiefte. Germanistik und Politikwissenschaften studierte sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.

 

Veröffentlicht in HessenChemie

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