Abenteuer Wissen

„Der Fortschritt lebt vom Austausch des Wissens.“ (Albert Einstein)

Für viele Unternehmen ist gerade unter dem Gesichtspunkt des einsetzenden Fachkräftemangels der Zeitpunkt gekommen, sich intensiver mit dem Erhalt und dem Ausbau der Ressource Wissen in ihrem Unternehmen zu beschäftigen. Wichtig für eine erfolgreiche Ausgangssituation im Wissensmanagement ist das Verständnis des im Unternehmen wirklich benötigten, also relevanten Wissens. Das heißt, welches Wissen ist erforderlich, um die gewünschte Leistung im Unternehmen zu erbringen, diese zu verbessern oder weiterzuentwicklen?Erst durch die Kenntnis dieser Wissensziele kann ein Wissensmanagement unternehmensspezifisch aufgebaut und implementiert werden.

Wissensmanagement aus systemischer Sicht geht noch einen Schritt weiter. Im Vordergrund steht hier das Verständnis, dass dieser Prozess nur gelingen kann, wenn sich sowohl Personen als auch Organisationen als lernfähige und lernende Systeme begreifen. Ziel eines funktionierenden Wissensmanagements muss deshalb sein, dass sich die Beteiligten als Teil eines Systems empfinden, zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen und durch Emergenz der Gruppe neues Wissen generieren.

»Wissensaktivitäten« finden in vielen Geschäftspro­zessen schon heute statt. Die Frage ist, wie effektiv und effizient dies geschieht. Den systematischen Umgang mit Wissen im Rahmen der Geschäftsprozesse zu verbessern, ist daher übergeordnetes Ziel jedes Wissensmanagement-Projekts.

Einer Studie des Fraunhofer Institutes für Arbeitswirtschaft und Organisation zufolge gibt es tendenziell Defizite bei der Umsetzung von ganzheitlich ausgerichteten Wissensmanagementsystemen, die dazu führen, dass viele ambitioniert gestartete Wissensmanagement-Projekte in der Einführungsphase die Erwartungen nicht erfüllten. Warum?

Andrea Heckelmann begleitet in ihrer Funktion als Projektmanagerin und Change-Beraterin  Unternehmen unterschiedlichster Branchen bei der Einführung von globalen Wissensmanagement-Systemen. Wir haben sie um ein kurzes Statement gebeten:

HessenChemie: Welche Voraussetzungen müssen Ihrer Erfahrung nach erfüllt sein, um ein IT-unterstütztes Wissensmanagement-System erfolgreich einzuführen?

A. Heckelmann: Die Einführung eines Wissensmanagement-Systems bringt neben neuen technischen Abläufen in der Regel auch einen sozialen Veränderungsprozess mit sich. Erfolgreiche Wissensmanagementprojekte kombinieren beides, die Implementierung der geeigneten technischen Lösung sowie die Steuerung des sozialen Prozesses.

HessenChemie: Sie empfehlen also, die Mitarbeiter schon weit vor der eigentlichen Einführung einzubinden?

A. Heckelmann: Genau. Bereits im Rahmen der Analyse sollte unbedingt die Frage beantwortet werden, für wen ist das WM-System und was haben die Nutzer davon? Starten Sie im Rahmen eines kleinen Pilotprojektes und hüten Sie sich vor Informationsüberlastung. Das Wissensmanagement –System ist dann erfolgreich, wenn es zielgruppenorientiert und bedarfsgerecht ist und wenn die Mitarbeiter erkennen, mit wem und für wen sie ihr Wissen teilen.

HessenChemie: Gibt es spezielle Methoden, um die Mitarbeiter zu motivieren das WM-System zu nutzen?

A. Heckelmann: Um die Veränderung für die betroffenen Mitarbeiter und Bereiche möglichst transparent und lebendig zu machen, hat es sich in der Praxs bewährt, die Transferleistung zum Beispiel in Form einer Change Story weiterzugeben, also damit quasi einen „Aha-Effekt“ zu erzielen. Eine individuelle Change Story kann an Bekanntes anknüpfen und den Mitarbeitern aufzeigen, warum und für wen sie ihr Wissen teilen sollen. Das macht die Story anschlussfähig und zu einem idealen Trägermedium, um die Mitarbeiter aktiv in einen Veränderungsprozess einzubinden und zu motivieren, ihr Wissen weiterzugeben.

HessenChemie: Die Killerfrage: Was muss man tun, damit Wissensmanagement auf jeden Fall schief geht?

A. Heckelmann: Das schaffen Sie aus meiner Sicht mit Informationsüberlastung, wenn möglich gepaart mit nüchternen Veränderungsbotschaften. Kommt dazu dann noch das Versäumnis den Mitarbeitern aufzuzeigen, warum der Informationsbedarf besteht, wird das dazu führen, dass sich die Mitarbeiter anderen Prioritäten zuwenden und das WM-System nicht gelebt wird.

HessenChemie: Frau Heckelmann, herzlichen Dank für Ihr Statement.

Damit Wissensmanagement in Ihrer Firma nicht nur ein Projekt bleibt, sondern vor allem die Mitarbeiter interessiert sind, sich einzubringen, ist es wichtig, sich im Vorfeld mit ein paar Grundlagen von Wissen, Wissenserwerb und Weitergabe zu beschäftigen. Einen Einstieg dazu wird es in meinen beiden folgenden Artikeln zu diesem Thema geben. Ich freue mich, wenn Sie dranbleiben – im Blog und beim Wissenserwerb.

 

Sabine KönigAutorin dieses Beitrages ist Sabine König. Die Dipl.-Ing. ist Referentin Arbeitswissenschaften im Arbeitgeberverband HessenChemie und berät Unternehmen zu den Themen flexible Arbeitszeitgestaltung, Arbeitsgestaltung, Arbeitsbewertung sowie. Betriebs- und Arbeitsorganisation.

Veröffentlicht in Demografie, Wissensmanagement
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