Mit den Joblingen zum Job

Ziemlich genau vor einem Jahr stellten wir hier in unserem Blog die Joblinge vor, eine aus der Wirtschaft hervorgegangene nachhaltige Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit.  Die Niederlassung in Frankfurt/Main gibt es mittlerweile seit gut 2 Jahren und die erreichten Ergebnisse sind so positiv, dass in Hessen als bundesweites Pilotprojekt eine Filialisierung gestartet wurde. Der Standort in Offenbach ist schon aktiv, in Wiesbaden und an der Bergstraße wird der Startschuss im Juli fallen. Woran liegt es, dass dieses Konzept so erfolgreich ist?

Der Erfolg basiert auf vier Säulen:

  1. Vom ersten Tag an arbeiten die Joblinge gemeinsam im Team. Durch Praktika haben sie die Möglichkeit, Erfahrungen in verschiedenen Berufen und Unternehmen zu sammeln. Die Wissensvermittlung erfolgt sehr praxisnah und individuell.
  2. Die gewonnenen  Erkenntnisse werden durch eine 1:1 – Betreuung von ehrenamtlichen Mentoren vertieft und reflektiert. Diese sind auch außerhalb des Programms Ansprechpartner, Tröster, kritische Berater und bringen Denkanstöße oder auch einfach eine gesunde Portion Lebenserfahrung mit ein.
  3. Über 900 Wirtschaftsunternehmen und 20 Institutionen der öffentlichen Hand sowie über 650 ehrenamtliche Mentoren sind bei der Unterstützung involviert.
  4. Eine Dachorganisation sichert die Qualität und die Joblinge-Stiftung die Nachhaltigkeit.

Ich selbst bin seit einem halben Jahr Mentorin bei den Joblingen und begleite meine Mentee auf ihrem Weg zu einem Ausbildungsplatz. Eine gute Gelegenheit, mal „hinter die Kulissen“ zu blicken.

Als ich Esin kennenlernte, dachte ich, so eine nette junge Frau, das kann sich nur um einen Irrtum handeln. Esin ist 18 Jahre alt, hat lange dunkle Haare und ein sympathisches und freundliches Auftreten. Sie ist hat türkische Wurzeln und eine große türkische Familie, ist aber in Frankfurt geboren und hier aufgewachsen.

Warum ist eine junge Frau wie Esin im Joblinge-Programm und nicht in der Ausbildung? Alles läuft gut bis zum Realschulabschluss. Dann gibt es familiäre Probleme, die Eltern trennen sich, Esin übernimmt die Verantwortung für ihren jüngeren Bruder. Darunter leidet ihre Motivation zum Lernen, sie bricht nach 1 Jahr die höhere Handelsfachschule mit mäßigen Ergebnissen ab. Es folgen einige Bewerbungen, eine Einladung zum Vorstellungsgespräch – die Zusage erhält eine Abiturientin. Von vielen Unternehmen bekommt sie nicht einmal eine Absage. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass es noch eine positive Rückmeldung geben könnte. So geht die Zahl der abgeschickten Bewerbungen nach und nach gegen Null.

Im Dezember 2012 erfährt Esin durch eine Bekannte von den „Joblingen“. Sie informiert sich im Arbeitsamt, stellt sich bei den Joblingen vor, durchläuft das Aufnahmeritual und wird angenommen. Endlich ein Schritt nach vorn, ein Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft. Dazu gehört eben auch ein gesundes Selbst-Wert-Gefühl, Selbst-Vertrauen und Selbst-Sicherheit. Wie definiert man in diesem Zusammenhang „gesund“ – nach den vielen Absagen?

Das Konzept der Joblinge setzt nicht darauf,  dass die Jugendlichen durch diverse Bewerbertrainings an den Markt angepasst werden, sondern hilft ihnen, sich selbst zu verstehen und ihren eigenen Weg zu finden. Das heißt auch ungewöhnliche Wege zu gehen. In Tanz-, Musik- und Schreibworkshops wird ein Teamgefühl jenseits von Clans und Cliquen erzeugt. Wie ist das, sich auf jemanden einzulassen, zu verlassen? Wie und was fühle ich dabei? Wo sind meine Stärken? Was ist das für ein Gefühl, vor einem 600-köpfigen Publikum mit einem aus dem Leben gegriffenen Theaterstück aufzutreten? Gut vorbereitet macht so ein Auftritt sogar Spaß. Sollte das nicht auch bei einem Vorstellungsgespräch funktionieren?

Begleitet werden die Jugendlichen parallel zum Joblinge-Training durch ehrenamtliche Mentoren. So können sie durch persönliche Gespräche auf Tuchfühlung gehen mit Menschen, die in verschiedensten Positionen im Arbeitsalltag unterwegs sind. Solche Gespräche bauen Berührungsängste ab, können manchmal sehr privat werden oder auch sehr direkt. Die Filmhochschule Offenbach hat einigen Mentoren und Joblingen bei ihren Treffen über die Schulter geschaut. Der daraus entstandene Videoclip gibt einen guten Einblick.

Für mich steht fest, dass die sehr guten Vermittlungsergebnisse im Vergleich zu anderen Maßnahmen (60% zu durchschnittlich 33%) sowie die relativ kurze Dauer des Joblinge-Programms (6 Monate zu durchschnittlich 17 Monaten in Übergangsmaßnahmen) in der Vielfältigkeit des Trainings begründet liegt. Der Jugendliche steht im Vordergrund und die Hilfe zur Selbsthilfe. Wie sagte schon Laotse: Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.

 

Sabine KönigAutorin dieses Beitrages ist Sabine König. Die Dipl.-Ing. ist Referentin Arbeitswissenschaften im Arbeitgeberverband HessenChemie und berät Unternehmen zu den Themen flexible Arbeitszeitgestaltung, Arbeitsgestaltung, Arbeitsbewertung sowie. Betriebs- und Arbeitsorganisation.

Veröffentlicht in Ausbildung, Demografie, Fachkräftegewinnung, Highlight
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Antwort zu “Mit den Joblingen zum Job

  1. Und ich depp hab es net geschafft echt hammer … dabei war alles so schön dort in frankfurt ..
    grüße den tasch und alle anderen die da arbeiten !
    mann chekkt das ihr das beste für eure joblinge wollt …

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