Entschärfung der Zeitbombe – Demografie im Unternehmen

Ob die Demografie im Unternehmen erfolgreich gehandhabt wird, entscheidt sich an der Praxistauglichkeit, wozu auch neue Wege gegangen werden müssen. Wie der Weg aus dem Elfenbeinturm gelingt, zeigte BMW schon vor einigen Jahren mit einer bestechend einfachen Idee.

Mein Gott – werden Sie jetzt vielleicht denken. Verkommt der Demografie-Blog des Arbeitgeberverbandes zur Boulevard-Postille? Ist uns Aufmerksamkeit jeden Preis wert? Und wie komme ich aus dieser Bomben-Nummer wieder raus – hier beginnt meine Rehabilitation: Die Alterung unserer Erwerbsbevölkerung mit einer tickenden Zeitbombe zu vergleichen war nicht meine Idee: Die Harvard Business Review („How BMW is Defusing the Demographic Time Bomb“ – Harvard Business Review,Volume 88 – Issue 3, p.99 – 102) war’s.

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In einem 2010 erschienenen Artikel wurde dort beschrieben, wie BMW die Hand an die Zündschnur legt und die Diskussion um die alternde Belegschaft auf wohltuende Weise vom Kopf auf die Füße stellt, weswegen auch vier Jahre später eine gute Idee nicht überholt sein muss.

 

Demografieanalysen sind ein guter Start – aber nicht hinreichend

Zu oft wird meiner Ansicht nach nämlich immer noch mit Altersstrukturanalysen und -szenarien gearbeitet ohne den entscheidenden Schritt aus dem hypothetischen Raum hinauszuwagen. Deren Nutzen stelle ich nicht in Abrede – Altersstruktursimulationen sind ein gutes Instrument zur Sensibilisierung und für manchen Entscheider die notwendige Visualisierung, was da an Kosten und personalpolitischen Herausforderungen auf das Unternehmen zukommt. Die Software von Dr. Schepanski leistet in dieser Hinsicht beispielsweise auch mir einen ausgezeichneten Dienst.

 

Was sind die realen Risiken einer alternden Belegschaft?

Schwieriger werden die Diskussionen bei der Frage, welche Risiken die Alterung von ganzen Teams, Abteilungen oder Geschäftseinheiten wirklich mit sich bringen. Sollen dazu, als ein Ausweis des Performancerisikos, die Fehlzeitenquoten für die Zukunft fortgeschrieben werden, ggf. ansteigend mit dem Alter? Jein. Szenarien können so durchgerechnet und erste Beschlüsse der Geschäftsführung eingeholt werden, ein wirklicher Einstieg in ein betriebliches Demografie-Projekt gelingt so aber nicht. Solche Fortschreibungen lassen außer Acht, dass Alterung ein sehr individueller Prozess ist und wir über wenig Erfahrung mit älteren Mitarbeitern am Arbeitsplatz verfügen – den Frühverrentungsprogrammen der Vergangenheit sei Dank.

Manche Kompetenzen gewinnen mit dem Alter sogar, andere bauen – bei gleichbleibendem Umfeld – mehr oder weniger stark ab. Wie soll entschieden werden, was für das eigene Unternehmen, die innerhalb dieses Unternehmens sehr unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und die noch unterschiedlicheren Beschäftigten zutrifft?

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Kompetenzen älterer Mitarbeiter;
Quelle: Helsana – Generationenmanagement

 

Denn mit großer Sicherheit haben auch Sie irgendeinen senioren Olympioniken im Unternehmen, der die Debatte was denn nun in Abteilung xy zu tun sei, ziemlich auf den Kopf stellt.

Die Gleichung Alterung = geringere Leistungsfähigkeit geht derart simpel also nicht auf. Aber wie komme ich an die konkreten Bedarfe ran? Wie entscheidet z.B. ein Unternehmen, welche Investitionen lohnen, die körperliche Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz zu unterstützen? Auch Demografie-Projekte werden die betriebswirtschaftliche Logik eines Unternehmens nicht aushebeln, was gut so ist. An dieser Stelle müssen die Personen die das Demografie-Projekt leiten liefern.

 

Ein Pilotprojekt für die künftige Demografie im Unternehmen

Das Pilotprojekt von BMW bedient diese Notwendigkeit und übersetzt die demografische in die betriebswirtschaftliche Sprache – durch einen bestechend pragmatischen Kniff. Anstatt ewig über das Verhältnis von Alterung und Leistungsfähigkeit ‚in zehn Jahren’/’in mehr oder weniger ferner Zukunft‘ zu philosophieren und dabei die immer gleichen Koryphäen (Illmarinen, Hüther etc.) zu zitieren, wurde einfach die Zukunft ins Jetzt geholt:

Der antizipierte Altersmix einer Produktionslinie, aus dem Jahr 2007 betrachtet für das Jahr 2017, wurde in einem Piloten im wahrsten Sinne des Wortes ‚eingesetzt‘, um heute herauszufinden, wie sich die Arbeitsplätze von Morgen aus Sicht der Betroffenen verändern müssen.

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„How BMW is Defusing the Demographic Time Bomb“ – Harvard Business Review,Volume 88 – Issue 3, p.99 – 102

Ausgestattet mit einem Budget für etwaige Anpassungen im Arbeitsumfeld, hat dieses ‚Produktionsteam der Zukunft‘ zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten entworfen, die einen echten Mehrwert stiften, vor allem für die ergonomische Gestaltung in 2017.

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„How BMW is Defusing the Demographic Time Bomb“ – Harvard Business Review,Volume 88 – Issue 3, p.99 – 102

Vermutlich werden Sie darum einwenden, dass der BMW-Pilot sich im Schwerpunkt eben genau auf die Arbeitsplatzergonomie bezieht; wie sich z.B. die Verfügbarkeit von Fachkräften 2017 gestaltet, ist durch dieses Vorgehen nicht abzuschätzen… Sie haben recht. Dennoch bleibe ich dabei: Eine schlaue und mutige Idee wie diese, pragmatisch und durch Einbeziehung der Mitarbeiter mit einer vermutlich hohen Akzeptanz, zeigt den Akteuren im Unternehmen: An der Entschärfung dieser ‚Zeitbombe‘ können alle mitarbeiten.

 

Und abschließend noch eine kleine Presseschau zur Demografie im Unternehmen: