Wir bleiben nicht „forever young“ – aber länger als gedacht!

Das maximale biologische Lebensalter des Menschen liegt bei etwa 120 Jahren. Bislang sind kaum Fälle nachgewiesen, wo Menschen älter wurden. Viele von uns können sich allerdings nicht vorstellen, so alt zu werden. Aber wann haben wir eigentlich den Status erreicht, als „alt“ bezeichnet zu werden?

Der Beginn des Alters wird ganz unterschiedlich definiert. Nach der Definition der WHO gilt als alt, wer das 65. Lebensjahr vollendet hat. Aus soziologischer Sicht beginnt das Alter mit Beginn der (Alters-)Rente. Aus wirtschaftlicher Sicht werden Arbeitnehmer oft bereits mit 50 Jahren dieser Kategorie zugeordnet. Beigetragen zu dieser Sichtweise der „Verjüngung des Alters“ hat u.a. auch die Politik der bewussten Frühverrentung in den letzten 20 Jahren.

Andererseits ist der Begriff des Alters heute sehr heterogen besetzt, da sich die meisten Menschen, vor allem in den industrialisierten Ländern, immer jünger fühlen. Man hat, je nachdem, wann man aus dem Arbeitsalltag ausscheidet, meist noch mehrere Jahrzehnte Lebenszeit vor sich. Und das ist eine Tendenz, die sich weiter fortsetzen wird. Alle vier Tage steigt unsere Lebenserwartung um einen Tag – unglaublich aber wahr. Leopold Stieger ist 72, Österreicher und hat  die Plattform senior4success gegründet. Nach seiner Einschätzung werden wir uns in Zukunft nicht mehr mit der „fragwürdigen Drittelung des Lebens“ beschäftigen. Die 3 Phasen „Lernen, Arbeiten, Ausruhen“ werden seiner Meinung nach neu strukturiert. Nach den ersten beiden Phasen wird eine neue Phase eingeschoben werden, die so neu ist, dass sie noch nicht einmal einen Namen hat. Er nennt sie Phase Drei. Diese Phase, die mit dem Übergang zum Renteneintritt beginnt, ist dadurch gekennzeichnet, dass sie sich die Menschen in diesem Alter heute meist viel fitter und aktiver fühlen als es die Alten früher waren. Sie sind in dieser Phase zu (fast) allem fähig, was sie als junger Mensch schon ausgezeichnet hat. Aber statt sich im Ruhestand wie im Himmel zu fühlen und mit ihrer vielen Zeit zu tun oder zu lassen, wozu sie Lust haben, stehen immer mehr Menschen vor der Frage: „Ich habe alles, was ich brauche, aber es geht mir nicht gut. Niemand braucht mich wirklich.“

Wir werden dazu gezwungen sein, alte Glaubenssätze über Bord zu werfen – sie stimmen in weiten Teilen einfach nicht mehr. Hirnforscher, wie bspw. Prof. Dr. Manfred Spitzer (siehe auch Wissenstransfer-Blog) werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass Menschen nicht nur lebenslang lernen können, sondern dies bis ins hohe Alter auch tun. Unser Gehirn macht nichts lieber als Lernen. Allerdings muss dieser Prozess regelmäßig trainiert werden. Wer diese Chance nutzt und sich neuen Herausforderungen stellt, der ist auch im Alter noch lernfähig und dem stehen viele Optionen offen.

Es wird Zeit, den Menschen über das Renteneintrittsalter hinaus Möglichkeiten zu eröffnen, ein sinnvolles Leben zu führen, in dem sie mit ihrer Erfahrung geschätzt werden, in dem sie Freude am Lernen haben und weiter aktiv sein dürfen. Kreuzfahrten und Gehirnjogging allein können es nicht sein. Wohl aber Anerkennung von Lebensleistung über das Nutzen der Erfahrungsschätze ganzer Arbeitsleben. Statt ihre Fachleute in Rente zu schicken, könnten Unternehmen stärker als bisher ihre Mitarbeiter zu internen Beratern qualifizieren und so das Können der „Jungen“ mit der Erfahrung der „Alten“ anreichern und zu einer neuen Wissensbasis verschmelzen.

Und Leopold Stieger stellt aus eigener Erfahrung fest: „Wer sich in der dritten Lebensphase selbst fordert, engagiert und Ziele hat, der bleibt gesünder und lebt länger. Das sind die Chancen der Zukunft, die in einem neuen Bild vom Alter liegen.“

 

Sabine KönigAutorin dieses Beitrages ist Sabine König. Die Dipl.-Ing. ist Referentin Arbeitswissenschaften im Arbeitgeberverband HessenChemie und berät Unternehmen zu den Themen flexible Arbeitszeitgestaltung, Arbeitsgestaltung, Arbeitsbewertung sowie. Betriebs- und Arbeitsorganisation.

Veröffentlicht in Demografie, Fachkräftesicherung, Lebenslanges Lernen
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