Welcher Jobsuchende sucht im Netz eigentlich nach „Unternehmensname + Arbeitgeber“?

Kürzlich las ich wieder über eine Studie, die Arbeitgeberbewertungen und deren Auswirkungen untersuchte. Diese bezog sich auf die Pharmabranche: Nur 15 Prozent würden Top-Bewertungen erhalten, die übrigen 85 Prozent sicherlich die Auswirkungen negativer Bewertungen zu spüren bekommen und dazu die Folgen unterschätzen. Denn: Schlechte Bewertungen schreckten ab. Korrekt. Grundsätzlich stimme ich der Untersuchung bzw. deren Fazit zu. Was mich an der Diskussion um die Bedeutung von Arbeitgeberbewertungsportalen aber ärgert, ist die Behauptung, dass potenzielle Bewerber bei ihrer Jobsuche im Netz sofort auf die (negativen) Bewertungen auf Portalen wie kununu stoßen sollen. Der Grund: Sucht man einen neuen Job und gibt in die Suchmaschine „Unternehmensname + Arbeitgeber“ (z. B. BMW und Arbeitgeber)  ein, erhält man als erstes Suchergebnis Bewertungen auf kununu. Ebenfalls korrekt, aber welcher Jobsuchende, bitte schön, sucht auf dieser Art und Weise nach Informationen zum Unternehmen? Ich nicht. Ich würde nach „Unternehmensname + Karriere“ oder „Unternehmensname + Jobs“ suchen (bzw. direkt über die Website des Unternehmens gehen). Und siehe da, hier erscheint kununu überhaupt nicht unter den ersten Suchergebnissen. Im  Falle von BMW noch nicht einmal auf der dritten Ergebnisseite von Google. Weiter habe ich nicht geschaut.

Damit will ich nicht behaupten, Bewertungsportale hätten keine Relevanz. Im Gegenteil. Sehr viele Jobsuchende kennen diese inzwischen und schauen dort auch bewusst nach. Und das, was dort geschrieben steht, fließt sicherlich in das Gesamtbild ein, dass sich ein potenzieller Bewerber vom Unternehmen macht. Deswegen sollten sich Unternehmen auch damit auseinandersetzen. Stimmen die Bewertungen, was ist dran? Wie sieht es mit unserer Unternehmenskultur aus? Können und sollten wir hier etwas ändern? Und: Wie reagieren wir auf die Bewertungen? Wie passen wir unsere Kommunikation den neuen Herausforderungen von Transparenz und Offenheit an? Stellen sich Unternehmen diesem Prozess, können sie langfristig nur gewinnen. Aber bitte: Führt die Diskussion anders.

Veröffentlicht in Demografie, Fachkräftegewinnung, Fachkräftesicherung

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