Suche die besten Köpfe – biete passende Arbeitsmodelle

Wer gut qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte sucht und diese an das Unternehmen binden möchte, muss etwas bieten. Neben einem adäquaten Einkommen, persönliche Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie gutem Betriebsklima stehen flexible Arbeitsmodelle immer höher im Kurs. Mehr „Zeitsouveränität“ lautet das Stichwort. Dabei geht es um Auszeiten, Teilzeit, temporäre Stundenreduzierung wegen familiären Interessen bzw. Notwendigkeiten und Aufstockung, wenn’s wieder möglich ist und passt. Es geht aber auch ganz einfach um flexiblere Arbeitszeiten, ohne gleich die Stunden selbst zu reduzieren, sondern einfach nur eine flexiblere Handhabung hinsichtlich Zeit und Ort. Technisch ist dies heute alles möglich – zumindest in den meisten Berufen. Dass eine Kassiererin oder ein Mitarbeiter in der Produktion bzw. des Einwohnermeldeamtes nicht vom Home Office oder anderen Orten aus arbeiten kann versteht sich von selbst.

Das wachsende Bedürfnis nach mehr Zeit und Flexibilität hat ganz unterschiedliche Ursachen: Zum einen steigen Druck und Erwartung an die Mitarbeiter, zum anderen fällt es im digitalen Zeitalter immer schwerer abzuschalten. Beruf und Privatleben verschwimmen zunehmend. Hinzu kommt, dass es für Familien deutlich anspruchsvoller geworden ist, den Alltag zu managen. Das liegt zum einen daran, dass immer häufiger beide Geschlechter berufstätig sind und damit heute insgesamt pro Familie mehr Arbeitsstunden als früher geleistet werden. Zum anderen nimmt die Kindererziehung mehr Zeit in Anspruch als früher, weil Eltern ihren Nachwuchs optimal betreuen und fördern wollen. Der Wunsch, Druck aus dem Alltag zu nehmen, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, den Tag besser organisiert zu bekommen oder ganz einfach Kraft zu tanken und die Akkus aufzuladen, steigt. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bildungsministeriums sehnten sich im Jahr 2013 knapp 57 Prozent aller Arbeitnehmer nach einer Auszeit. Mehr als zwei Drittel wollten die Pause dazu nutzen, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

All das macht Unternehmen, die den eigenen Mitarbeitern eine Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort bieten, um diese bei der Vereinbarung von Beruf und Privatleben zu unterstützen und somit Sorge für deren bessere Work-Life-Balance zu tragen, immer beliebter. Fördert das Unternehmen dann noch bekanntermaßen trotz Aus- oder Teilzeit – bei Mann und Frau – Karrieren, sind sie begehrt wie nie. Denn (noch) ist für 58 Prozent der berufstätigen Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie das größte Karrierehindernis, weshalb sie freiwillig den Karriereschritt ablehnen (Studie „Karriereperspektiven berufstätiger Mütter“).

Das Stuttgarter Traditionsunternehmen Bosch ist hier ein gutes Beispiel. Dieses geht aktiv auf Mitarbeiter und Führungskräfte zu und bietet diesen an, weniger oder flexibel von zu Hause aus zu arbeiten – mit vollem Rückkehrrecht auf die alte Stundenzahl. Bosch profitiert im Gegenzug von treuen Mitarbeitern, die zudem noch ausgeglichener sind, mehr Power und (wieder) mehr Ideen haben. Mehr zu der Pilotphase der Bosch-Projektes MORE im Blogbeitrag von Sabine König  oder in der ZEIT-Ausgabe vom 28. August 2014.

Ich weiß, der Begriff „Arbeitgebermarke“ ist inflationär und man kann ihn schon fast nicht mehr hören, aber woher sollen potenzielle Mitarbeiter wissen, was Sie bieten? Da sind Sie erst einmal in der Verantwortung, aktiv zu werden. Hier hat ein großen Unternehmen wie Bosch die Vorteile, dass es über Stuttgarts Stadtgrenzen hinaus bekannt ist und in der Presse regelmäßig über seine Familienfreundlichkeit berichtet wird. Kleinere Unternehmen haben im Umkehrschluss das Problem, dass sie schon kaum jemand außerhalb der Stadt oder Region kennt und noch weniger darüber bekannt ist, was sie für die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter tun. Deshalb ist es gerade für kleine- und mittelständische Unternehmen so wichtig, auf der eigenen Website, im Blog und den sozialen Medien darüber zu berichten. Auch hier kann man sich ein Beispiel an Bosch oder auch Daimler Benz nehmen, die Kolleginnen und Kollegen auf dem eigenen Blog zu Wort kommen lassen. Sie müssen dazu in der Regel kaum Geld in die Hand nehmen, sofern Sie ein flexibles Content Management System verwenden, über Mitarbeiter verfügen, die über ihre Erfahrungen in Ihrem Unternehmen schreiben würden und ein Management, dass diesen seine Freiheit in der Berichterstattung lässt. Auch einen Blog wie bspw. WordPress können Sie ohne viele Kenntnisse selbst einrichten und mit Leben füllen. Die ganz große Schule wäre, wenn Sie Ihre Geschäftsführung dazu ermuntern könnten, mal selbst über  Erfahrungen zu berichten – entweder die eigenen oder die positiven mit den Mitarbeitern. Das ist glaubwürdiger als die schönsten Texte aus der Feder der Presseabteilung. Die regionale Presse nimmt diese Themen übrigens auch gerne in ihrem Medium auf.

Wenn Ihr Unternehmen flexible Arbeitsmodelle und –zeiten zur Unterstützung der Work-Life-Balance anbietet, laden wir Sie herzlich ein, mal auf unserem Blog über Ihre Erfahrungen damit zu berichten. Schreiben Sie mir über diener@hessenchemie.de

Veröffentlicht in Demografie, Fachkräftegewinnung, Fachkräftesicherung

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