Elterngeld Plus – Ein Plus für die Demografie?

Am 4. Juni hat das Bundeskabinett das sogenannte Elterngeld Plus beschlossen. Der Gesetzesentwurf sieht eine grundsätzliche Überarbeitung des Elterngeldes und der Elternzeit vor. Ziel der Koalitionäre ist es, den frühen Einstieg nach der Geburt eines Kindes, in Teilzeit, attraktiver zu gestalten. Arbeitet ein Elternteil während der Elternzeit in Teilzeit, so soll sich die Bezugsdauer des Elterngeldes für jeden „Teilzeitmonat“ verdoppeln. Auf diese Weise verdoppelt sich die maximale Bezugsdauer eines Elternteils von derzeit 12 auf 24 Monate.

Gleichzeitig soll die partnerschaftliche Erziehung von Kindern gefördert werden. Arbeiten beide Elternteile während der Elternzeit in Teilzeit, so sollen beide gleichzeitig bis zu 14 Monate lang Elterngeld Plus erhalten. Darüber hinaus soll ein zusätzlicher Partnerschaftsbonus von weiteren vier Monaten pro Elternteil eingeführt werden. Dieser Bonus soll denjenigen Eltern gewährt werden, die nach der eigentlichen Elternzeit beide eine Teilzeit von je 25 bis 30 Stunden pro Woche ausüben.

Grafik_ElterngeldPlus

In Deutschland existieren schon heute mehr als 150 familienbezogene staatliche Leistungen. Obwohl wir dafür die immense Summe von mehr als 200 Milliarden Euro pro Jahr investieren ist die Geburtenrate in unserem Land eine der Niedrigsten Weltweit.

Es stellt sich daher vor allem eine Frage: Ist das Elterngeld Plus lediglich ein Plus auf der langen Liste  familienbezogener Leistungen oder ist das Elterngeld Plus eine Chance für eine demografie- und familiengerechtere Arbeitszeitgestaltung?

Für junge Eltern bietet das Elterngeld Plus zunächst einmal die Möglichkeit, länger vom Elterngeld zu profitieren, immer vorausgesetzt, sie arbeiten in Teilzeit. Dies ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Ob es in der Praxis zu befriedigenden Ergebnissen führt, wird aber maßgeblich von den derzeit noch ausbaubedürftigen Betreuungsangeboten abhängen, sowie von der Existenz und der Qualität von Teilzeitarbeitsstellen in den Unternehmen.

Für Unternehmen könnte das Elterngeld Plus die Chance bieten, dringend benötigte Fachkräfte nach der Geburt eines Kindes schneller wieder in Teilzeit zurückzubekommen, als es derzeit noch der Fall ist.  Sollten vor allem Mütter diesen Weg wählen und schneller aus der Babypause zurückkehren, könnte ein Teil des demografiebedingten Fachkräftemangels aufgefangen werden. Dies setzt allerdings voraus, dass nicht gleichzeitig mehr oder ebenso viel Arbeitszeitvolumen durch die reduzierte Arbeitszeit von Vätern verloren geht. Es setzt zudem die Bereitschaft der Unternehmen voraus, sich für neue Arbeitszeitmodelle und Konzepte der Teilzeitarbeit zu öffnen.

Eine große Herausforderung wird für Unternehmen voraussichtlich darin liegen, teilzeitbedingte Arbeitszeitausfälle zu kompensieren. Dies wird vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels für kleinere Unternehmen, Unternehmen in strukturschwachen Regionen und generell bei hochspezialisierten Arbeitsplätzen mit Schwierigkeiten und hohem finanziellen Aufwand verbunden sein.

Die entscheidende Herausforderung für Eltern und Unternehmen wird aber wahrscheinlich darin liegen, bestehende Rollenbilder in der Familie sowie am Arbeitsplatz aufzubrechen und mit den mit der Teilzeitarbeit verbundenen Ängsten und Befürchtungen umzugehen.

Solange Teilzeitarbeit als Karrierekiller wahrgenommen wird, werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit, trotz der finanziellen Anreize, nur wenige Frauen und Männer für ein Elternzeit Plus-Modell entscheiden. Insbesondere der Partnerschaftsbonus wäre zum Scheitern verurteilt.

Solange sich klassische Rollenmuster wie das des alleinverdienenden Karrieremannes  und der Hausfrau und Mutter halten, werden sich Elterngeld Plus-Modelle, Teilzeitarbeit bei Männern, partnerschaftliche Erziehung und die tatsächliche Gleichberechtigung von Männern und Frauen nur schwer durchsetzen.

Ist das Elterngeld Plus damit lediglich eine weitere familienbezogene Leistung oder die Chance für eine demografie- und familiengerechtere Arbeitszeitgestaltung, vielleicht sogar auf eine höhere Geburtenrate? Ich denke, es stellt vor allem einen Impuls dar, sich sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite mit neuen Rollenbildern und der entsprechenden Gestaltung von Arbeit und Familie auseinandersetzen. Die Chance für eine demografiegerechtere Arbeitszeitgestaltung liegt vor. Der Erfolg des Elterngeld Plus und des damit verbundenen Modells einer partnerschaftlichen Erziehung wird sich aber nicht als Selbstläufer einstellen, sondern er erfordert ein Umdenken und eine Anpassung von allen Beteiligten.

 

Eric MorelAutor dieses Beitrages ist Eric Morel. Er ist Jurist im Arbeitgeberverband HessenChemie und berät Unternehmen zu den Themen betriebliche Altersversorgung, Altersteilzeit, Sozialrecht und Arbeitsschutz.

Veröffentlicht in Demografie, Fachkräftesicherung, Verschiedenes
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Antwort zu “Elterngeld Plus – Ein Plus für die Demografie?

  1. Aus meiner Sicht ist das Elterngeld Plus eine ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um auch auch den Eltern ein Stück entgegenzukommen, was schon lange fällig war.

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