Das etwas andere Traineeprogramm

Wer von Traineeprogrammen hört, denkt an talentierte Hochschulabsolventen, die flexibel durch eine Konzernwelt jetten. Lanxess hat das etwas andere Traineeprogramm gestartet. 

Bereits vor einigen Jahren hat ABB mit dem Programm ‚Generations‘ auf sich aufmerksam gemacht. Der Kniff dieser personalpolitischen Initiative lag weniger in der Bestimmung und Zusammenführung  jener Themen (Lebenslanges Lernen, Wissensmanagement etc.), die gutes Demografiemanagement ohnehin auszeichnen. Abgehoben hat sich ABB aber mit einem klaren Kommunikationskonzept, das die Kompetenz und nicht das Alter in den Vordergrund rückt. Sichtbar wurde dies z.B. in Stellenanzeigen durch die beiden Köpfe eines ältern und jüngeren ABB-Mitarbeiters (dass damit weibliche Ingenieure ausgeklammert werden, dürfte eine der nächsten Kommunikationshausaufgaben sein). Diese Grundidee wird nun von Lanxess weiter vorangetrieben.

Fokus auf Kompetenz bei der ABB-Initiative ‚Generations‘

Beim Blick auf deren neues Traineeprogramm kam ich ordentlich ins Stutzen. Wie könnte man auch anders – ein Traineeprogramm hat in unserer Vorstellung ausnahmslos mit talentierten Hochschulabsolventen zu tun, die durch eine große Konzernwelt geschickt werden bei reduzierten Bezügen. Entsprechend überraschend ist, was sich unter der Beschreibung des Senior Traineeprogramms findet:

Die Berufs- und Lebenserfahrung soll wieder ins Unternehmen zurückgeholt werden, versinnbildlicht durch eine Frau mit roter Lanxess-Brille. Bei vorhandener „Lernfreude und Engagement“ soll es insbesondere diesen Frauen, die aufgrund von Familienzeiten nicht mehr im Beruf gearbeitet haben, innerhalb von 18 Monaten ermöglicht werden, ihre Kompetenz wieder voll im Unternehmen einzubringen. Ein Mentor, eine auf die Interessen abgestimmte Vollzeitstelle (!) in einer Group Function oder Business Unit sowie maßgeschneiderten Fortbildungen und ein abgestimmtes Coaching sollen dafür bürgen.

Wenn wir auf der Suche nach den vielen Bausteinen zur Fachkräftesicherung sind, so meine ich, ist dies ist einer davon. Das Programm bezieht sich – zugegeben – auf hochqualifizierte und erfahrene Akademiker. Ähnlich wie bei Erfahrung Deutschland, dem Netzwerk für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand, werden ‚Hochkaräter‘ gesucht. Dennoch: Ein proaktiver Ansatz Personen ins Unternehmen zu reintegrieren, die „mindestens sieben Jahre aufgrund von Familienzeiten“ aus dem Job sind, beweist Mut. Und die Investition, ein Traineeprogramm mit den beschriebenen Rahmenbedingungen zu stemmen, ist ebenfalls beachtenswert. Ist die Not auf der Suche nach Fachkräften dafür ursächlich oder eine neue Personalphilosophie, die sich aus Aspekten des Diversity- und Demografiemanagements speist? Solche Fragen sind für mich zweitrangig, da dieses Programm für weit mehr als nur einen neuen Rekrutierungskanal steht. Es steht für das Versprechen von Arbeitgebern, die Potenziale von Mitarbeitern länger und besser zu nutzen, aber auch für die Bereitschaft der Arbeitnehmer die entsprechenden (Lern-)Bemühungen auf sich zu nehmen.

Das Senior Traineeprogramm von Lanxess hat mit Anmeldefrist im Mai begonnen, dass Programm selber startet im November. Ich bin gespannt, wie die darin gesetzten Erwartungen den Praxistest bestehen.