Was tun gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa?

Europa-Dialog_HessenChemie_smallDiesen Montag führten wir vom Arbeitgeberverband HessenChemie zum achten Mal den „Europa-Dialog“ durch, und doch war es eine Premiere. Denn erstmals war die Veranstaltung öffentlich und erstmals waren hauptsächlich junge Menschen eingeladen, denn die standen an dem Tag im Mittelpunkt. Das Thema: Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Und sie kamen zahlreich nach Wiesbaden: Schüler, Auszubildende und junge Arbeitnehmer stellten die große Mehrheit der rund 100 Besucher dar.

Angesichts einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von fast 24 Prozent in den EU-Ländern ist das Thema auch aktueller denn je. Als Redner und Diskutanten waren Europa-Politiker aus Brüssel sowie Vertreter der Jugendorganisationen der Parteien eingeladen. Diese hatten eine Menge an Fragen zu beantworten, denn die Teilnehmer waren nicht nur interessiert, sondern auch äußerst engagiert. Trotz oder gerade wegen dieser kritischen Lage müsse man sich auch für Europa interessieren, sagte der hessische Sozialminister Stefan Grüttner. „Immer mehr Themen, die Sie betreffen, werden in Europa entschieden.“ Wie europäische Lösungsansätze konkret aussehen können, veranschaulichte er am Beispiel eines Abkommens, das im Sommer zwischen Hessen und der Autonomen Region Madrid geschlossen wurde. Dieses erleichtere es jungen Spanierinnen und Spaniern, in Deutschland einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. Gleichzeitig könnten deutsche Unternehmen damit ihrem Fachkräftemangel entgegenwirken. Der Minister lobte zudem den Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ der Chemiesozialpartner. Er sei ein wichtiger Beitrag, um Jugendarbeitslosigkeit zu vermeiden und den Fachkräftebedarf der Branche zu sichern.

Die „Jugendgarantie“, eine europäische Initiativen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, war eines der Themen im Podiumsgespräch mit Vertretern politischer Jugendorganisationen. Dabei waren sich alle einig, dass die EU-Staaten mehr in die Bildung investieren müssten – gerade auch Deutschland, trotz seiner im internationalen Vergleich relativ niedrigen Arbeitslosenquote von weniger als acht Prozent Jugendarbeitslosigkeit. Nur so lasse sich sicherstellen, dass Entwicklungschancen nicht hauptsächlich von der sozialen Herkunft abhängen.

Auch Best-Practice-Beispiele für konkrete Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit wurden vorgestellt. Die Initiative der Chemiesozialpartner „StartPlus“ macht bspw. Jugendliche, die bislang keine Chance auf dem Ausbildungsmarkt hatten, fit für die Ausbildung. Auch die „Joblinge“, eine bundesweite Initiative, eröffnet Jugendlichen Chancen, indem diese lernen, wie man sich Chancen eröffnet und dass man Hindernisse wegarbeiten kann.

Dass junge Menschen nicht an Politik interessiert sind, konnte man an diesem Abend nicht behaupten, denn das jugendliche Publikum verfolgte die Beiträge interessiert und stellte zahlreiche, auch hartnäckige, Fragen. Unter den Zuhörern war von Europa-Verdruss nichts zu spüren.

Wenn Sie mehr zu der Veranstaltung lesen möchten, finden Sie weitere Infos in der Pressemeldung.

 

Jürgen FunkAutor dieses Beitrages ist Jürgen Funk. Er ist Geschäftsführer Kommunikation und Bildungspolitik im Arbeitgeberverband HessenChemie.

Veröffentlicht in Ausbildung, Demografie, Fachkräftegewinnung
Tags: ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*