Von autonomen Taxis und anderen Utopien

New York im Jahr 2030: 20% mehr Einwohner als im Jahr 2014, trotzdem gibt es weniger Autos, weniger Verkehrstote und weniger Staus. Über digitale Medien angeforderte autonome Taxis fahren nur die Wege, die nötig sind, um einen Passagier aufzunehmen und ihn zum Ziel zu bringen. Danach fahren sie direkt zum nächsten Kunden oder steuern das nächstgelegene Parkhaus an, wo sie auf einen neuen Auftrag warten. Das bedeutet minimale Verkehrsbelastung und maximale Effizienz. Unrealistische Utopie? Oder logische Folge interdisziplinärer Studien und Arbeiten wie Audis „Urban Future Initiative“?

Nicht nur Autos, TV-Geräte und Waschmaschinen werden künftig via Internet mit ihren Besitzern und vor allem auch untereinander kommunizieren können, sondern auch Traktoren, Maschinen und Laborgeräte. Sie alle werden im „Internet of Things“ (IoT) zu Hause sein. RFID-Tags sind seit Jahren im Handel und in der Logistik im Einsatz, mobile SIM-Karten sind bereits in Fahrzeugen verbaut. Beim Internet der Dinge geht es um mehr. Es geht nicht nur um Netzwerke, netzwerkfähige Endgeräte, Abläufe und Prozesse, die Nutzer – sondern letztlich vor allem darum, wie dies alles miteinander verknüpft sein wird. Hauptbestandteil des Internets der Dinge (IoT): Industrie 4.0 inclusive der so genannten Cyber-Physical-Systems (CPS). Laut der Definition des Fachausschuss VDI/VDE-GMA 7.21 „Industrie 4.0“ sind das Systeme, die reale (physische) Objekte und Prozesse verknüpfen mit informationsverarbeitenden (virtuellen) Objekten und Prozessen über offene, teilweise globale und jederzeit miteinander verbundene Informationsnetze.

Sehr einleuchtend fand ich zwei praktische Beispiele, die Dr. Jay Lee, Direktor des Cooperative Research on Intelligent Maintenance Systems der Universität Cincinnati gerne als Erklärung anführt, wie durch eine Cyper-Anbindung handfeste Produktionsvorteile erzielt werden können. „Ein Auto ist ein physisches System, doch wenn es übers Netz zur Wartungs- und Komponentenkontrolle angebunden ist, wird es zu einem CPS. Oder nehmen wir das iPhone. Als Handy ist es nur ein physisches Gerät – wenn auch ein sehr komplexes. Doch der besondere Nutzen entfaltet sich erst durch die Apps. Dadurch wird aus dem physischen Gerät ein smartes mobiles Management-Tool.“ Genauso wie Handys z.B. jetzt schon über Motivations-Apps unser Lernverhalten  (gerne absolviere ich noch eine Lektion in Englisch, um ein Lingot als  Belohnung zu erhalten) oder unser Gesundheitsverhalten (dann nehme ich doch lieber die Treppe, sonst schaffe ich mein anvisiertes und über ein Fitnessarmband visualisiertes Tagesziel nicht) beeinflussen, werden Maschinen permanent lernen, ihre Erfahrungen kumulieren und in den Prozess einfließen lassen.

Lee diagnostiziert einen wesentlichen Unterschied in der Herangehensweise an das Thema Industrie 4.0 in Deutschland und den USA. Während in Deutschland der Ausgangspunkt die Produktion und die dazugehörigen Prozesse sind, die künftig besser steuerbar und vernetzt sein sollen, sind es in den USA eher die großen IT- und Netzwerkanbieter, die sich mit Lösungen im Produktionsbereich neue Märkte erschließen wollen.

Egal, von welcher Seite man die Aktivitäten vorantreibt, eine Evolution wird es nur geben, wenn man sich dem Thema interdisziplinär nähert. Sonst bleiben Lösungen Insellösungen in getrennten Welten. Und autonome Taxis eine Utopie.

 

Sabine KönigAutorin dieses Beitrages ist Sabine König. Die Dipl.-Ing. ist Referentin Arbeitswissenschaften im Arbeitgeberverband HessenChemie und berät Unternehmen zu den Themen flexible Arbeitszeitgestaltung, Arbeitsgestaltung, Arbeitsbewertung sowie. Betriebs- und Arbeitsorganisation.

Veröffentlicht in Arbeitsorganisation, Demografie
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