Flexible Arbeitszeitkonzepte im Praxistest

Wie schon angekündigt, bleiben wir dran am Thema Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Ich hatte die Gelegenheit, mich mit der Leiterin Personal- und Sozialwesen der Maschinenbaufirma TRUMPF, Frau Astrid Oellerer,  über die Einführung und Umsetzung des im letzen Artikel beschriebenen Arbeitszeit-Konzeptes zu unterhalten.

HessenChemie: Frau Oellerer, neue Konzepte haben auch immer etwas mit Veränderung zu tun. Wie aktiv nutzen Mitarbeiter und Vorgesetzten bei Trumpf diese neuen Möglichkeiten? Oder ist es eher ein Marketinginstrument für die Gewinnung von Nachwuchskräften im „war of talents“?    

Astrid Oellerer: Wir sind ein Hochtechnologieunternehmen mit faszinierenden Produkten. Wir  brauchen  fähige Mitarbeiter, die einen hohen Anspruch an ihre eigene Leistung, aber auch an ihr Arbeitsumfeld haben. Wir spüren heute mehr denn je, dass dafür der „Vertrag von der Stange“ nicht mehr das Richtige ist. Unsere Mitarbeiter haben ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie sie Arbeit und Freizeit ausbalancieren wollen – und zwar zugeschnitten auf ihre ganz persönliche Lebenssituation.

Die Rückmeldungen der TRUMPF Mitarbeiter sind bislang sehr positiv: Mittlerweile haben bereits über 10% der Belegschaft ihre Arbeitszeit ihren Bedürfnissen entsprechend angepasst. Wenn Sie alle Komponenten des neuen Modells betrachten, dann nehmen sogar über 70 Prozent der Mitarbeiter es auf die eine oder andere Weise in Anspruch. Unser Arbeitszeitmodell gilt übrigens gleichermaßen für Mitarbeiter und Führungskräfte.

Aber nicht nur intern, sondern auch auf dem externen Arbeitsmarkt erhalten wir viel Resonanz: Mit unserem Arbeitszeitmodell haben wir anscheinend einen Nerv getroffen. Die Bewerbungseingänge haben sich erhöht, in jedem Bewerbungsgespräch ist das Modell ein Thema. Wir haben uns damit als attraktiven Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt positioniert.

HessenChemie: Mit diesem Konzept gehen Sie sehr auf die individuellen Wünsche der Mitarbeiter ein. In wie weit gelingt es dem Unternehmen, diese Wünsche mit den betrieblichen Belangen in Einklang zu bringen?

Astrid Oellerer: Grundsätzlich ist es unser Ziel, den individuellen Wünschen gerecht zu werden. Dies verlangt im Einzelfall durchaus kreative Ideen und gute Abstimmung zwischen dem Vorgesetzten und dem Mitarbeiter. Bislang haben wir aber fast alle Wünsche erfüllen können.

HessenChemie: Sie gehen aktiv alle 2 Jahre auf Ihre Mitarbeiter zu, um aktuelle AZ-Modellwünsche zu ermitteln und die Wahlarbeitszeiten für die nächste 2-Jahres-Periode festzuschreiben. Wie begegnen Sie dem erhöhten administrativen Aufwand, der sich dadurch für die Personalabteilung ergibt?

Astrid Oellerer: Der Aufwand in der Personalabteilung ist in der Tat vorhanden, allerdings hält er sich in Grenzen. Wir haben bewusst den 2 Jahres Rhythmus gewählt, weil er sowohl den Führungskräften und auch dem Mitarbeiter für einen überschaubaren Zeitraum Planungssicherheit gibt.

HessenChemie: Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Sabine KönigAutorin dieses Beitrages ist Sabine König. Die Dipl.-Ing. ist Referentin Arbeitswissenschaften im Arbeitgeberverband HessenChemie und berät Unternehmen zu den Themen flexible Arbeitszeitgestaltung, Arbeitsgestaltung, Arbeitsbewertung sowie. Betriebs- und Arbeitsorganisation.

Veröffentlicht in Arbeitsorganisation, Demografie
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