Kresse, elektromagnetische Strahlung und Begeisterung für MINT

Wie könnte man besser für Naturwissenschaften und die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) begeistern als durch selbstständig durchgeführte eigene Projekte? Zum dritten Mal wurden am vergangenen Samstag bei InfraServ Wiesbaden die Projekte der Jugend-forscht-Teilnehmer von Jurys bewertet und anschließend vielen weiteren Besuchern präsentiert. Im Kalle-Haus, direkt am Biebricher Rhein-Ufer, war die Neugierde, aber auch die Aufregung der Teilnehmer zu spüren. Viel Mühe hatten sich sich bei der Gestaltung der Stände gegeben und sich überlegt, wie sie der Jury ihr Projekt vorstellen sollten. Doch was für Fragen würden die Juroren stellen? Würde das eigene Projekt überzeugen?

Florian Dick (zweiter v. r.), Preisträger des Sonderpreises "Bestes interdisziplinäres Projekt" in der Altersgruppe "Schüler Experimentieren" mit Ralf Erdt (erster v.l.) Wettbewerbsleiter Hessen-West bei der Preisverleihung, Ralf Erdt, Dennis Weber, InfraServ Wiesbaden (erster v.r.) und weitere Teilnehmer des Jugend-forscht-Wettbewerbs bei InfraServ Wiesbaden

Florian Dick (zweiter v. r.), Preisträger des Sonderpreises „Bestes interdisziplinäres Projekt“ in der Altersgruppe „Schüler Experimentieren“ mit Ralf Erdt (erster v.l.) Wettbewerbsleiter Hessen-West bei der Preisverleihung, Ralf Erdt, Dennis Weber, InfraServ Wiesbaden (erster v.r.) und weitere Teilnehmer des Jugend-forscht-Wettbewerbs bei InfraServ Wiesbaden; Foto: InfraServ Wiesbaden/ Arne Landwehr

Zwei Projekte überzeugten die Jugend-forscht Jury des Regionalwettbewerbs Hessen-West bei InfraServ in Wiesbaden aufgrund der Verbindung verschiedener Fachbereiche: Florian Dick erhielt die Auszeichnung für das „Beste interdisziplinäre Projekt“für die Untersuchung der „Auswirkungen von  Wlan-Strahlung auf das Pflanzenwachstum“.

Dem Jungforscher war aufgefallen, dass Wlan-Verbindungen und somit auch Strahlungen an immer mehr Stellen eingesetzt werden: in der Wohnung, Cafes, Zügen. Doch hatten diese Strahlungen Auswirkungen auf Pflanzen und andere Lebewesen? In seinem Experiment untersuchte er diese Frage anhand von schnell wachsender Kresse. Er verglich hierbei Kresse, die der Strahlung direkt ausgesetzt war und Kresse, die durch einen faradayischen Käfig abgeschirmt wurde.

Die Jury hob in ihrer Begründung für die Auszeichnung des Projekts die Verbindung von Biologie und Physik bei der Untersuchung elektromagnetischer Strahlungen. Florian Dick von der Rheingauschule in Geisenheim hat mit seiner Frage eine sehr aktuelles Forschungsfeld gewählt. Darüber hinaus hob die Jury die systematische Bearbeitung der Forschungsfrage hervor.

Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie, während der Laudation zum Sonderpreis "Bestes interdisziplinäres Projekt"

Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie, während der Laudation zum Sonderpreis „Bestes interdisziplinäres Projekt“; Foto: InfraServ Wiesbaden / Arne Landwehr

In ihrem Projekt zur „Experimentellen Optimierung eines Savonius-Darrieus-VAWT“, also der Optimierung eines Windrats mit senkrechtachsigem Rotor  zur Stromerzeugung, haben sich Jonas Rinnelt, Valentin Promies und Tobias Niehues beschäftigt. Sie wurden in der Altergruppe „Jugend forscht“ mit dem Preis für das „Beste interdisziplinäre Projekt“ ausgezeichnet.

Die Jury hob besonders das Zusammenspiel von Computertechnologie, Technik, Physik und Ingenieurswissenschaften hevor. So konnten die Jungeforscher ihren Rotor mit Hilfe eins 3D-Druckers selbst herstellen und mit verschiedenen Formen experimentieren. Die Frage, die sie sich gestellt hatten war, mit welcher Form möglichst effizient Strom mit dem Windrad erzeugt werden könnte. Dabei drehte die Gruppe nicht nur das große Rad, sondern forschte an einer Anwendung, die auch in Innenstädten zum Einsatz kommen könnte.

Neben den Preisen der regulären Kategorien wie Chemie, Technik, Physik oder Arbeitswelt, haben die Teilnehmer die Chance auf weitere Sonderpreise. HessenChemie unterstützt den Wettbewerb durch den Sonderpreis für das „Beste interdisziplinäre Projekt“ in den Altersgruppen „Schüler experimentieren“ und „Jugend forscht“. Dieser Preis qualifiziert in der Altergruppe „Jugend forscht“ auch für die Teilnahme am Landeswettbewerb.


Verspätetes Nikolaus-Geschenk an die JOBLINGE

Als etwas verspätetes Nikolaus-Geschenk haben wir als HessenChemie den JOBLINGEN gebrauchte Computer, Bildschirme und Drucker geschenkt. Die Übergabe der Sachspende fand am 09. Dezember am Standort in Wiesbaden statt. Aufgrund regelmäßiger Aktualisierungen der IT-Systeme wurden die Geräte ausgetauscht. Für die

v.l.n.r.: Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie und Christiane Schubert, stellvertretende Regionalleiterin der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain bei der Übergabe der Sachspende am Standort in Wiesbaden Foto: Arne Landwehr

v.l.n.r.: Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie und Christiane Schubert, stellvertretende Regionalleiterin der JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain bei der Übergabe der Sachspende am Standort in Wiesbaden; Foto: Arne Landwehr

JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain nahm Christiane Schubert, stellvertretende Regionalleiterin, die Geräte entgegen. Bei der Übergabe

waren auch JOBLINGE anwesend, die sich sichtlich über die Computer, Bildschirme und Drucker freuten. Jürgen Funk, Geschäftsführer bei HessenChemie, schlüpfte für diese Nikolaus-Aktion in ein Nikolaus-Kostüm und übergab die Sachspende an die JOBLINGE.“Die kontinuierliche Unterstützung der Arbeit der JOBLINGE ist uns als Arbeitgeberverband ein wichtiges Anliegen“, erklärt Jürgen Funk im Rahmen der Übergabe der Sachspende.

Bereits für den Aufbau des Büros in Wiesbaden wurden Büromöbel wie Schränke und Stühle zur Verfügung gestellt. Christiane Schubert,

bedankte sich stellvertretend für die JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain für die Sachspende. „HessenChemie unterstützt uns an allen Ecken und Enden. Auch Sachspenden wie Computer und Drucker, nehmen wir gerne. Die Jugendlichen schreiben daran ihre Bewerbungen und recherchieren zu freien Ausbildungsplätzen im Internet“, führt Christiane Schubert weiter aus.

JOBLINGE wurde im Jahr 2007 als gemeinsame Initiative der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG und The Boston Consulting Group GmbH (BCG) gemeinsam mit Experten aus Politik, Wirtschaft und gemeinnützigem Sektor ins Leben gerufen. Die Initiative ist derzeit an 15 Standorten bundesweit aktiv, bisher wurden 3.364 Jugendliche unterstützt. Die JOBLINGE gAG FrankfurtRheinMain nahm bislang 867 Jugendliche in das Programm auf und konnte diese mit einer Vermittlungsquote von 83% in die Arbeitswelt bringen; am Standort in Wiesbaden wurden 138 Jugendliche in das Programm aufgenommen. Die Vermittlungsquote liegt in Wiesbaden bei 82%. Zu den guten Vermittlungsquoten tragen die zahlreichen Partnerunternehmen und Mentoren maßgeblich bei.

 

 


Wie sichern wir unser Wissen?

GIBUCI wird So.WIN – Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit

Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thürigen bei der Begrüßung zur letzten GIBUCI-Veranstaltung

Osman Ulusoy, stellv. Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thürigen bei der Begrüßung zur letzten GIBUCI-Veranstaltung

Jürgen Funk, Geschäftsführer Kommunikation und Bildungspolitik bei HessenChemie bei der Begrüßung zur GIBUCI-Veranstaltung

Jürgen Funk, Geschäftsführer Kommunikation und Bildungspolitik bei HessenChemie bei der Begrüßung zur GIBUCI-Veranstaltung

Nach 28 Jahren verändert GIBUCI sich. Die Gesellschaft zur Information von Betriebsräten über Umweltschutz in der chemischen Industrie (GIBUCI) heißt nun So.WIN, Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit. Zum wichtigen Thema Umweltschutz kommen weitere Themen aus den anderen Dimensionen von Nachhaltigkeit hinzu. Darüber hinaus soll So.WIN neben Betriebsräten auch Fach- und Führungskräfte ansprechen. Symbolisch ist das Thema der letzten GIBUCI-Veranstaltung in Hessen von den Chemie-Sozialpartnern ausgewählt worden, um diesem historischen Datum Ausdruck zu verleihen: der betriebliche Wissensstransfer. Der demografische Wandel, aber auch die Digialisierung tragen zur Bedeutung dieses Themas bei. Damit stand die Veranstaltung in der Tradition früherer Veranstaltungen der hessischen Chemie-Soziapartner, die schon in der Vergangenheit zukunftsgerichtete Themen vor dem Hintergrund der betrieblichen Praxis aufgriffen.

In seiner Begrüßung sagte Jürgen Funk, Geschäftsführer Kommunikation und Bildungspolitik bei HessenChemie: „Wissenstransfer ist ein zentrales Thema unserer Zeit, auch die Sozialpartner müssen sich damit beschäftigen.“ Darüber hinaus schlug er den Bogen von der Erziehung der Kinder durch die Eltern, der schulischen Bildung, der beruflichen Bildung und später des Austauschs von Wissen im Betrieb. Dies alles seien Formen des Wissentransfers. Der für die IG BCE Hessen-Thüringen begrüßende stellvertretende Landesbezirksleite, Osman Ulusoy, rief den Anwesenden vor Augen, dass Deutschland ein rohstoffarmes Land sei. „Wissen ist die Ressource der Menschen in Deutschland und damit sind wir außerordentlich erfolgreich. Das Niveau in Deutschland muss beibehalten werden“, sagte er im Rahmen der historischen, weil letzten Veranstaltung unter dem Namen GIBUCI.

 

Die Bedeutung und Möglichkeiten betrieblichen Wissenstransfers

Im Rahmen der Veranstaltung am 03. Dezember im HessenChemie Campus stellte Prof. Klaus North von der Hochschule RheinMain den etwa 50 Teilnehmern die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zum Wissensmanagement und Wissenstransfer in Unternehmen vor. Zentral seien hierbei zwei Fragen: „Welches Wissen haben wir heute? Und welches Wissen brauchen wir in der Zukunft für den Erfolg des Unternehmens?“, so Prof. North. Er wies auf die Bedeutung von Informationen und Wissen im Betrieb hin. Das Wissen steckt in den Köpfen der Mitarbeiter, in Form von Informationen in den Systemen, aber auch in Prozessen und Technologien, die im Betrieb zum Einsatz kommen. „Wissenstransfer braucht eine Führungskultur, die die Weitergabe von Wissen fördert“, führte Prof. North weiter aus. Das vorhandene Wissen effizient und effektiv durch geeignete Maßnahmen zu nutzen, bietet große Potenziale. Es gehe nicht darum, dass Wissen zu horten und als Machtfaktor zu verstehen, sondern das Teilen von Wissen als wichtigen Beitrag für den Erfolg des Unternehmens zu begreifen. Ein wichtiger Aspekt sei hier die Förderung der Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Wissen mit anderen zu teilen. Ein gutes Wissensmansgement und ein guter Wissenstransfer innerhalb der Organisation mache diese erfolgreicher. „Der Wert des Wissens macht sich an der Kompetenz fest“, so Prof. North. Die Kompetenz beinhalte die Fähigkeit der Mitarbieter, etwas richtig zu tun.

Wissenstreppe, die Prof. North im Rahmen seines Vortrags vorstellte

Wissenstreppe, die Prof. North im Rahmen seines Vortrags vorstellte

„Wissenstransfer ist kein in sich abgegrenztes Thema, sondern ein Themenkomplex“, so leitete Ulrike Rudolphi von der Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie ihren Vortrag ein. Sie zeigte den Teilnehmern verschiedene Möglichkeiten des betrieblichen Wissenstransfers auf, wie beispielsweise den direkten Austausch mit den Kollegen, Job-Rotation oder auch Mentoren-Programme. Die Herausforderung ist hierbei jedoch, die für das jeweilige Unternehmen geeigneten Instrumente zu finden. Die individuellen Rahmenbedingungen seien für die erfolgreiche Umsetzung des betrieblichen Wissenstransfers entscheidend. „Die Akzeptanz der Maßnahmen hängt maßgeblich von der Möglichkeit der Mitgestaltung ab“, so die Referentin. Ein allgemein erfolgreiches Instrument für alle Unternehmen gebe es hierbei nicht. Wie schwierig es ist, das eigene Wissen zu benennen, erfuhren die Teilnehmer in einer praktischen Übung. Sie waren aufgefordert, jeweils mit dem Sitznachbarn bei sich selbst vorhandenes Wissen zu identifizieren, um es mit Anderen zu teilen. Die Identifkation des Wissens ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Wissenstransfer.

Dies wurde auch am Beispiel von Evonik Industries Darmstadt deutlich. Den Teilnehmern stellte der Betriebsratsvorsitzende Michael Hofmann den GenerationenPakt vor. Dieser setzt sich zusammen aus vier Bausteinen: dem Langzeitkonto, einer Förderung durch den Arbeitgeber, der Verwendung des Demografiebetrag II aus dem Tarifvertrag Demografie und einer betrieblichen Altersversorung. Die an diesem Programm teilnehmenden Mitarbeiter erhalten die Möglichkeit, früher aus dem Unternehmen auszuscheiden. Darüber hinaus wird dieser Mitarbeiter mit einer Nachwuchskraft zusammengebracht, die dann anstelle des ausscheidenden Mitarbeiters übernommen wird. Der Mitarbeiter soll zum einen sein Wissen an die junge Fachkraft weitergeben, damit dieses im Unternehmen gehalten werden kann. Zum anderen soll der Nachwuchskraft eine attraktive Perspektive im Unternehmen geboten werden.

Thematische Neuausrichtung: Vom Umweltschutz zur Nachhaltigkeit, GIBUCI wird So.WIN

Programm der letzten GIBUCI-Veranstaltung am 03.12.2015 in Hessen

Programm der letzten GIBUCI-Veranstaltung am 03.12.2015 in Hessen

Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung beim Bundesarbeitgerberverband Chemie (BAVC) und Carola Dittmann, Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE, erläuterten gemeinsam die Neuausrichtung der Sozialpartner-Einrichtung von BAVC und IG BCE. GIBUCI wird zur Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) und erbringt damit einen wichtigen Beitrag der Chemie-Sozialpartner zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³. „Wissenstransfer klingt so technisch, der Begriff ‚Bildung‘ macht es greifbarer“, führte Andreas Ogrinz in seinen Vortrag ein. Bildung sei auch ein Nachhaltigkeitsthema. „GIBUCI und ab kommendem Jahr So.WIN ist ein wichtiger Teil der Bildungsarbeit für Nachhaltigkeit von Chemie³“, erläuterte Herr Ogrinz die Rolle der Sozialpartnereinrichtung von BAVC und IG BCE. So.WIN nimmt hierbei die Rolle des Bildungsträgers für Nachhaltigkeit in der chemischen Industrie ein. Dabei bauen die Chemie-Sozialpartner auf den Erfahrungen aus 28 Jahren GIBUCI auf, in denen sich die Branche intensiv mit Fragen des Umweltschutzes beschäftigt hat. Im Sinne eines Wissenstransfers soll auch beim Übergang von GIBUCI zu So.WIN bewährtes Wissen weitergegeben werden, weitere Themen kommen hinzu. Zukünftig wird So.WIN sich mit Nachhaltigkeitsthemen aus den Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales befassen. „Auf Bundesebene arbeiten IG BCE und BAVC an einem Konzept zur Ausbildung von Nachhaltigkeitspromotoren, das für So.WIN genutzt werden kann“, erklärte Carola Dittmann, „GIBUCI ist nicht zu Ende, es heißt nun So.WIN“.Dies wurde bereits im Rahmen der beschriebenen GIBUCI-Veranstaltung in Hessen deutlich.

Neben der thematischen Neuausrichtung wird der Teilnehmerkreis erweitert: Betriebsräte sowie Fach- und Führungskräfte aus den jeweiligen Betrieben sollen von den Veranstaltungen angesprochen werden . So.WIN soll damit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ leisten und die Rolle des Bildungsträgers für Nachhaltigkeit einnehmen. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ setzen sich auch in Hessen die Chemie-Arbeitgeber, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und der Verband der chemischen Industrie gemeinsam dafür ein, Nachhaltigkeit als Leitbild in der Branche zu stärken und die Postion der Branche in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung auszubauen.

Weitere Informationen zur Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemie finden Sie auf www.chemiehoch3.de.

 


Weihnachtsgeschenke und die Frage: wohin mit Dingen, die man nicht mehr braucht?

Die Weihnachtsmärkte haben geöffnet, Menschen trinken Glühwein, Firmen feiern ihre Weihnachtsfeiern und denken darüber nach, was sie ihren Liebsten wohl zu Weihnachten schenken sollen. Schenken kann man viel: Schokolade, Bücher, das typische SOS (Socken, Oberhemd, Schal) für den Mann, Parfum oder Schmuck für die Damen (oder auch die Herren), Essen und und und….. Nicht immer geht es beim Schenken um die großen Dinge, die kleine Aufmerksamkeit und das passende Geschenk bereiten oft die größere Freude als riesige Tüten mit Dingen, die man nicht braucht oder die einem nicht gefallen. Im letzten Jahr erschien hierzu ein Artikel im Handelsblatt in dem beschrieben wurde, wie einige Ökonomen das allweihnachtliche Schenken aus ökonomischer Sicht, betrachten: „Ökonomie des Schenkens: Geschenke für die Tonne“ war der Artikel überschrieben.

Geschenke, die nach Weihnachten in die Tonne kommen, sind wohl keine guten Geschenke. Und wer kennt es nicht: Kleidung, die man ungetragen in den Schrank hängt, weil man sich nicht traut die Geschenke, die einem nicht gefallen, wegzuschmeißen? Musik, die man umtauscht, weil einem die Band nicht gefällt oder die Zeit der Band schon einige Jahre zurückliegt, nur die Großeltern es nicht mitbekommen haben? Natürlich ist auch hierbei das Gefühl, die Mühe bei der Auswahl und die Geste des Schenkenden an den Beschenkten wichtig. Doch irgendwie ist es schon komisch, wenn man die Geschenke dann gar nicht benutzt.

Es geht aber auch andersherum.  Manchmal hat man Dinge, die man nicht mehr braucht. Diese lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen:

  1. Dinge, die man nicht mehr braucht und die auch nicht mehr funktionieren;
  2. Dinge, die man nicht mehr braucht, die aber noch gut funktionieren.

Die Dinge der ersten Kategorie gehören in die Tonne, d.h. sie werden sollten sachgerecht entsorgt (gelber Sack, Wertstoffhof, etc.) werden. Was aber macht man mit den anderen Dingen?

Die Dinge der zweiten Kategorie funktionieren noch gut, haben vielleicht kleinere Mängel, können aber durchaus noch benutzt werden (Autos oder Computer beispielsweise). Einige dieser Dinge (Kategorie 2a) (Autos zum Beispiel) haben noch einen relativ hohen Wert und können weiterverkauft werden. Andere Gegenstände (Computer oder Drucker beispielsweise) haben nach einer gewissen Zeit und Nutzung nur noch einen sehr geringen bis gar keinen Wert mehr (Kategorie 2b). Auf einem Markt werden sie also in der Regel nicht mehr zum Kauf angeboten. Durch ihren Einsatz können sie dem richtigen Empfänger jedoch noch einen großen Dienst erweisen. Dies gilt beispielsweise für Elektro-Geräte, die – je nach Produkt – ganz eigenen Lebenszyklen ausgesetzt sind. Ähnlich wie bei guten Weihnachtsgeschenken stellt sich dann die Frage: wer könnte die Dinge am besten gebrauchen?


Dialog auf Augenhöhe – Einsichten eines Jugendworkshops

Dialog auf Augenhöhe war ein Schlagwort in den Diskussionen der jungen Nachhaltigkeits-Experten am Tag vor der großen Dialog-Veranstaltung der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³. Am Mittag des dritten Novembers trafen die jungen Experten ein: einige Teilnehmer arbeiten in Unternehmen der Chemie-Branche oder sind in der Gewerkschaft aktiv. Andere junge Experten kam von außen: aus Umweltverbänden, studentischen Gruppen, die sich mit nachhaltigem Wirtschaften und Wirtschaftsethik beschäftigen oder sind in Jugendverbänden mit einer nachhaltigen Entiwcklung auseinandersetzen. Auch ich war dabei, um mitzudiskutieren – im Rahmen des Jugendworkshops und der Veranstaltung am folgenden Tag unter dem Motto „Zuhören. Verstehen. Handeln – Chemie³ im Dialog“ am dritten und vierten November in Berlin.

Einen halben Tag nahmen sich die Vertreter der Allianzpartner von BAVC, IG BCE und VCI, um vor der großen Dialog-Veranstaltung intensiv mit Vertretern der sogenannten Generation Y, den Millenials oder wie auch immer man diese Generation beschreiben möchte, über Nachhaltigkeit und die Aktivitäten der Branche für eine nachhaltige Entwicklung zu diskutieren. Am Ende des Tages sollten wir 3 Hoffnungen und 3 Sorgen formulieren, die im Rahmen einer Podiumsdiskussion der jungen Experten mit den Themenpaten der Workshops für die große Veranstaltung diskutiert werden sollten.

Doch erst einmal stellten sich die Teilnehmer vor, sagten was ihnen wichtig ist und was sie in die Dikussion einbringen. Schnell entwickelte sich eine Diskussion, die noch Tage hätte weitergehen können. Ein Thema tauchte immer wieder auf: der Dialog und dass dieser eine gemeinsame Sprache benötige. Der Austausch endet nicht mit der Veröffentlichung von schönen Broschüren. Dies sei erst der Beginn – so einige der jungen Vertreter. Intensiv wurd darüber diskutiert, wie man gerade die jungen Menschen in die für ihre Generation bedeutenden Diskussionen zu einer nachhaltigen Entwicklung einbinden könne. Eine gemeinsame Sprache und ein zielgruppengerichtetes Angebot sei hier wichtig. Interessiert zeigten sich die Vertreter an den selbstgesetzen Zielen der Initiative und den bislang durchgeführten Maßnahmen, über die die Initiative am nachfolgenden Tag mit der Veröffentlichung des ersten Fortschrittsberichts informierte. Nach zweieinhalb Jahren fasst dieser das bislang Erreichte zusammen und beschreibt, was in den folgenden Jahren erreicht werden soll. Aber die Kommunikation ende nicht mit der Erstellung des Berichts.

Im Rahmen der Dialog-Veranstaltung am vierten November wurde über etwas Ähnliches gesprochen. Die Frage, wofür ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt werde und ob, wenn denn ein Bericht sinnvoll sei, die Arbeit damit schon getan ist? In einem Nachhaltigkeitsbericht werden in der Regel mit Hilfe von Daten zusammengetragen, aufbereitet und erklärt, um die Situation des Unternehmens in Bezug auf die Nachhaltigkeitsleistung zu beschreiben. Der Bericht bildet die Grundlage für die Steuerung der Nachhaltigkeitsaktivitäten: in welchem Bereich wurden die Ziele erreicht, in welchem Bereich muss sich etwas tun? Ein Bericht hat keinen Zweck an sich, Aufwand und Nutzen müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Ein Bericht kann jedoch bei der Steuerung der Aktivitäten des Unternehmens helfen. Der Bericht stellt die Faktenbasis, zeigt Trends und Entwicklungen auf. Die Kommunikation beginnt aber erst nach der Erstellung des Berichts. So wie einer der Dreiklänge von Chemie³: „Dialog führen. Handeln. Kommunizieren“.


Warum sich Mitarbeiterengagement lohnt

Im September hatte ich hier im Blog bereits über das sogenannte „Corporate Volunteering“ („Engagement im Beruf: Corporate Volunteering“) geschrieben. Aus der Mitarbeitesicht beschreibt Katharina Starck von Celanese sehr authentisch ihre Erfahrungen bei der Freiwilligenarbeit in einer Kita in Hofheim-Lorsbach bei Frankfurt: „Why a Social Day Is Always worth it“ (in englischer Sprache). Zusammenfassend schreibt sie:

To sum it up, a Social Day like this is always a win-win situation. We as a company can at least take a small step in the sense of our corporate value “Improving the World” and the childcare center got a nice new coat of paint for free and we experienced a fantastic team event. (CE-Blog)“

Den ganzen Artikel gibt es hier.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!


Nachhaltigkeit – Einblicke und Erfahrungen eines Bildungsdienstleisters

Wie kann die chemische Industrie ihre Position als Schlüsselindustrie für eine nachhaltige Entwicklung ausbauen? Guten qualifizierten Fachkräften kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu: für die Unternehmen, für die Gesellschaft und für jeden einzelnen. Welchen Blickwinkel nimmt ein Bildungsdienstleister der chemischen Industrie auf diese Themen ein? In einer Serie von Gastbeiträgen werden Autoren von Provadis, einem Bildungsdienstleister in der chemischen Industrie, uns ihre Sichtweise und Erfahrungen näherbringen: Welche Bedeutung kommt den Themen Nachhaltigkeit, CSR und Bildung zu? Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und CSR für die Ausbildung?

Bildung für Nachhaltigkeit

Insbesondere die Erfahrungen aus dem Modell-Projekt von Provadis zur Integration von CSR in die duale Berufsausbildung schildern die Autoren am Beispiel des für die Ausbildung erarbeiteten Moduls zum Thema „Chancengleichheit“. Wie sich diese Themen an die Belegschaft kommunizieren lassen, erfahren wir am Beispiel des Moduls zur Energieeffizienz. Nicht nur in der Bildungsarbeit von Provadis spielen diese Themen eine Rolle, sondern auch für die Organisation selbst.

Nachhaltigkeitssiegel für Bildungseinrichtungen der Chemiebranche

In einem weiteren Beitrag gewähren uns die Gast-Autoren Einblicke in die Nachhaltigkeitsaktivitäten des Unternehmens und die Bedeutung für die Organisation. Provadis hat das Audit zum Nachhaltigkeitssiegel für Bildungseinrichtungen der Chemiebranche Q3SQ erfolgreich durchgeführt. Was war die Motivation sich als Bildungseinrichtung einem solchen Audit zu unterziehen? Welche Erfahrungen hat Provadis damit gemacht? Auch in diese Fragen geben die Autoren Einblicke.

Die Autoren

Gespannt bin ich auf die die Einblicke unserer Gastautoren, die an dieser Stelle bereits kurz genannt werden. Eine allgemeine Sichtweise auf die Themen Bildung, Nachhaltigkeit und CSR wird uns Dr. Karsten Rudolf, Bereichsleiter Bildungs- und Forschungsprojekte der Provadis Gruppe geben. Gemeinsam mit Jürgen Möller, Projektleiter Bildungs- und Forschungsprojekte, wird er uns auch Einblicke in die Erfahrungen mit dem Nachhaltigkeitsaudit geben. Jürgen Möller wird uns auch von den Erfahrungen des Moduls zur Chancengleichheit für die duale Ausbildung berichten. Darüber hinaus schreibt Marny Schröder, Chemielaborantenausbilderin Provadis Ausbildung, zum Thema Energieeffizienz und wie sich damit Nachhaltigkeitsthemen an die Belegschaft vermitteln lassen. Für ihre Beiträge danke ich den Autoren schon jetzt und wünsche schon jetzt viel Spaß beim Lesen!


Engagement im Beruf: Corporate Volunteering

Periodisch kehren die Artikel zu jungen Menschen, die nach der Schule ins Ausland gehen wieder:  „Wiesbaden: Zwei junge Wiesbadener starten ein FSJ im Ausland“ schreibt der Wiesbadener Kurier. Nach der Schule nicht direkt in die Ausbildung oder ins Studium zu starten, sondern erstmal etwas Anderes machen. Viele junge Menschen wählen diesen Weg und sammeln Lebenserfahrung: in Deutschland in sozialen Einrichtungen oder auch im Ausland. Nach einem solchen Jahr steht entweder der Einstieg in die Berufsausbildung an oder ein Studium. Aber wie ist das mit freiwilligem Engagement im Beruf und im Unternehmen?

Was ist Corporate Volunteering?

Unter dem Schlagwort „Corporate Volunteering“ werden Freiwilligenprogramme von Unternehmen für und mit ihren Mitarbeiter genannt. Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter bei ihrem Engagment für gemeinnützige Projekte und schaffen damit einen Mehrwert für die Gesellschaft, sich selbst und das Unternehmen. In der Nachhaltigkeitsinitiative „Chemie hoch 3“ ist dies in Leitlinie 10 „Als Guter Nachbar Engagement und Verantwortung zeigen“ so beschrieben:

Als verantwortliche Nachbarn engagieren sich Unternehmen und Beschäftigte für eine nachhaltige Entwicklung an ihren nationalen und internationalen Standorten. Sie sind aktive Partner der regionalen Akteure und setzen sich für eine hohe Lebensqualität und ehrenamtliches Engagement in ihrer Region ein. Insbesondere fördern sie die Zukunfts- und Bildungschancen junger Menschen.“

Die beiden Wiesbadener in dem oben angesprochenen Artikel nutzen die Zeit des Freiwilligen Sozialen Jahres, um ihren Horizont zu erweitern und über den Tellerrand zu schauen. Nicht direkt nach der Schulzeit wieder die Schulbank zu drücken, weil die Ausbildung oder das Studium beginnt, ist ein Teil der Motivation für das Jahr. Im Berufsalltag können kleinere Projekte einen ähnlichen Effekt haben: über den Tellerand des eigenen Unternehemns und des eigenen Alltags zu gucken und gemeinsam mit der Nachbarschaft ein Projekt durchführen. Mit der Förderung der Mitarbeiter bei ihren Aktivitäten kann sich das Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Die Arbeit an einem gemeinsamen Projekt abseits des Büroalltags kann darüber hinaus den Austausch zwischen den Kollegen fördern. Dies kann auch die Bindung an das Unternehmen steigern. Für die Nachbarn des Unternehmens wird eine Organisation so mit Gesichtern verknüpft; aus Organisationen werden Menschen, die dahinterstehen. So kann Vertrauen aufgebaut und die Akzeptanz des Unternehmens erhöht werden. Mittlerweile gibt es zahlreiche Aktionstage, die für Projekte genutzt werden können. Ein positiver Nebeneffekt hierbei ist, dass nebenbei Nachhaltigkeitskompetenzen aufgebaut werden können.

Engagement: es gibt viele Möglichkeiten

Welche Möglichkeiten haben die Unternehmen das gesellschaftliche Engagement ihrer Mitarbeiter zu unterstützen? Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Manche Unternehmen engagieren sich regelmäßig und nuzten hierzu Projektwochen wie „Wiesbaden engagiert!“. Andere Unternehmen stellen den Mitarbeitern ein bestimmtes Zeitkontingent für Engagement zur Verfügung, dass sie für ehrenamtliche Tätigkeiten nutzen können. Mindestens ebenso unterschiedlich sind die Themen mit denen sich das Engagement befassen kann: die Einrichtung eines Berufsorientierungs-Cafés in einer Schule von Mitarbeitern der ISW-Gruppe während der Aktionswoche von „Wiesbaden engagiert!“  oder dem Engagement als Mentor bei den JOBLINGEN, oder die Aktionstage Nachhaltigkeit eigenen sich hierfür.

Was unbedingt zu beachten ist

Bei den Aktivitäten sollte auf noch auf einige Punkte geachtet werden:

  • Verschwendung nutzt niemandem, deshalb ist auf einen effizienten und effektiven Einsatz der Ressourcen zu achten
  • Kommunikation ist auch hier das A und O: alle Beteiligten sollten in die Auswahl des Projektes, die Ausgestaltung und Durchführung eingebunden werden
  • Das Projekt sollte zum Unternehmen und den Mitarbeitern passen, das notwendige Know-How vorhanden sein

Der Austausch über die Vorstellungen und das  Ziel des Projekts ist für beide Seiten wichtig: was benötigt die gemeinnützige Einrichtung, was möchten die Mitarbeiter und das Unternehmen in dem Projekt verwirklichen? Auch der zeitliche Rahmen ist zu beachten: kann das Projekt in der vorgegebenen Zeit überhaupt beendet werden? Sich hier im Projektmanagement zu üben kann gerade auch für junge Mitarbeiter eine spannende Erfahrung sein.

 


Wirtschaftskrise: mit Vertrauen und Kooperation

Im Jahr 2008 unterzeichneten die Chemie-Sozialpartner im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler eine Vereinbarung mit dem Titel „Verantwortliches Handeln in der sozialen Marktwirtschaft“, in der sich die Branche auf einen Ethik-Kodex verständigte. Wie wichtig verantwortliches Handeln ist, zeigte sich schon kurz darauf. Die aktuelle Broschüre „Sozialpartnerschaft in der Wirtschaftskrise 2008/09“ der CSSA dokumentiert das Zusammenspiel der Chemie-Sozialpartner in Zeiten der großen Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre. Wie stellte sich die Situation in Hessen dar?

Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft

Im Jahr 2009 befragte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln 97 Mitgliedsunternehmen von HessenChemie. Ein Bewusstsein für die soziale Marktwirtschaft und die damit verbundene Verantwortung zeigte sich in der Umfrage: Fairness im Geschäftsleben, die Übernahme von Verantwortung auch bei Misserfolg und das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns waren die drei wichtigsten Merkmale unternehmerischen Handelns, die von den befragten Vertretern der Unternehmen genannt wurden. Danach folgten Gewinnorientierung und wirtschaftliches Wachstum sowie die Sozialpartnerschaft in den Unternehmen. Und das im Angesicht der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise.

Anstrengungen der Sozialpartner

Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer unternahmen große Anstrengungen, um die Belegschaft zu halten, obwohl die Nachfrage, Produktion und der Umsatz massiv eingebrochen waren. Ende März 2009 lag die Beschäftigung in den hessischen Betrieben der chemischen Industrie um etwa 0,3% höher als im März des Vorjahres. Auch wenn nicht in allen Unternehmen Stellenstreichungen verhindert werden konnten war man doch bemüht, die erfahrenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen möglichst nicht für die Zeit nach der Krise zu verlieren. Zum anderen zeigte sich hier auch das Bewusstsein für die fortschreitende demografische Entwicklung.

Anfang August 2009 lag die Zahl der Beschäftigten dann etwas unter dem Vorjahres-Niveau. Das im Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ vereinbarte Angebot an Ausbildungsplätzen für die Chemie wurde auch in den Krisenjahren übertroffen. Dies spricht für eine langfristige Orientierung der Branche und für verantwortliches Handeln der Sozialpartner.

Broschüre dokumentiert Zusammenspiel der Sozialpartner

Die aktuelle Broschüre der CSSA  „Sozialpartnerschaft in der Wirtschaftskrise 2008/09 – Wie Vertrauen und Kooperation helfen, Krisen zu managen“ dokumentiert nun das bundesweit erfolgreiche Krisenmanagement der Sozialpartner in der chemischen Industrie. Die Broschüre mit konkreten Fallbeispielen kann hier bestellt und heruntergeladen werden.


Von Fußball, Vielfalt und Diversity Management

Neulich hat mir jemand erzählt: Fußball sei für alle, niemand könne sich dem Phänomen Fußball entziehen. Zwar bin ich selbst kein großer Fußball-Fan und schon kein Experte, doch Fußballländerspiele gucke auch ich mir an. Weniger das Spiel als die Diskussionen um die Veränderung der deutschen Nationalmannschaft sind mir in Erinnerung geblieben. Zur WM 2010 waren die vielen jungen Spieler ein Thema. Die FAZ schrieb beispielsweise in ihrem Artikel Mehr Leistung durch Vielfalt:

Diese Mannschaft ist nicht nur die jüngste seit 1934, die für Deutschland an einer Weltmeisterschaft teilnimmt. Noch nie gehörten auch so viele Spieler mit ausländischen Wurzeln zu einem deutschen WM-Team“.

Das Fußballfeld führte den Zuschauern eine gesellschaftliche Veränderung vor Augen, die in anderen Bereichen ebenso zu finden war: nach Deutschland waren viele Menschen aus anderen Ländern gekommen und wurden u.a. Fußballprofi in der deutschen Nationalmannschaft. Sie hatten es bis an die Spitze des deutschen Fußballs geschafft und waren ein bedeutender Teil des Teams. Die Vielfalt in der Mannschaft hatte zugenommen und der Sport gewonnen.

All das war nicht ohne Mühen passiert. Sport begeistert Menschen überall auf der Welt. Für viele Migranten ist dies ein Zugang zur Gesellschaft. Die Nationalmannschaft war aber nicht vom Himmel gefallen, sondern Resultat von systematischen Bemühungen des DFB. In der FAZ liest sich dies wie folgt:

Nach der erfolglosen WM 1998 und dem sportlichen Desaster bei der EM 2000 begann der DFB umzudenken. Der damalige Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder forderte, sich mehr um die Eltern von Ausländerkindern in Deutschland zu bemühen“(FAZ ).

Der DFB wollte auf das Potenzial der jungen Migranten nicht verzichten und richtete gezielt die Aufmerksamkeit auf diese Gruppe an jungen Nachwuchsspielern. Das Potenzial an guten Fußballspielern wurde durch die systematische Nachwuchsarbeit erweitert. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt für Fußballspieler verändert sich etwas, in anderen Bereichen werden gut qualifizierte Fach- und Führungskräfte auch gesucht.

Die gesellschaftlichen Veränderungen durch Globalisierung, demografischer Wandel oder Migration – um nur wenige Schlagwörter zu nennen – verändern unsere Gesellschaft. Der DFB hat das Potenzial unter Migranten erkannt und gefördert und hat – nach Jahren der Unzufriedenheit mit den Ergebnissen – die Fußballweltmeisterschaft im letzten Jahr gewonnen. Die Mannschaft ist damit erfolgreich geworden und der Sport für mehr Menschen attraktiv.

Özil und Tasci berichten, wie zerrissen sie waren vor der Entscheidung, für Deutschland oder für die Türkei zu spielen. Es geht dabei um die eigene Identität – aber auch Familien, Verbände, Vereine, Trainer und Manager mischen sich ein. Und manches Talent geht noch immer verloren, weil es in Vereinen weiter an kulturellem und religiösem Verständnis mangelt“ (FAZ ).

Für die deutsche Nationalmannschaft fiebern nun nicht mehr nur Deutsche, sondern auch Menschen, die sich – wie Mesut Özil – als Deutsche und als Türken fühlen.

Für das gute Funktionieren der Mannschaft ist gerade das Verständnis für die unterschiedlichen Sichtweisen wichtig. Eine Mannschaft, die sich nicht versteht, gewinnt keine Spiele. Der Trainer muss darauf achten, dass ein gutes Klima innerhalb der Mannschaft aufgebaut wird. Die Spieler müssen sensibel für kulturelle, religiöse oder andere Unterschiede sein und diese positiv nutzen wollen. Mit den Unterschieden, die sich beeinflussen lassen: der Position in der Mannschaft zum Beispiel; und Eigenschaften, die man nicht beeinflussen kann wie die ethnische Zugehörigkeit. Der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft scheint seine eher vielfältige Mannschaft zu einem Team geformt zu haben. Letztlich kommt es nicht darauf an, wer an einer Position spielt, sondern wer dafür am besten geeignet ist: mit seinen Fähigkeiten, seiner Erfahrung und seinem persönlichen Hintergrund und im Zusammenspiel mit den anderen Spielern.

Was der DFB mit der Nationalmannschaft gemacht hat, wird in Bezug auf Unternehmen als Diversity Management bezeichnet. Beim DFB war die Ergebnisse: bessere Leistung der Mannschaft (WM-Titel 2014), ein innovativeres, abwechslungsreicherer Fußball, flexiblerer Umgang mit ungewohnten Situationen, Erweiterung des Nachwuchspotenzials für die Mannschaft, Erschließung neuer Fangruppen bzw. größere Nähe zwischen Fans mit unterschiedlichen Hintergründen und der Mannschaft. Sind Unternehmen nicht auch irgendwie wie eine Fußballmannschaft?

P.S.: Auch die deutsche Nationalmannschaft der Frauen ist sehr erfolgreich und spielt tollen Fußball