Den Nachwuchs für Naturwissenschaften begeistern

Gut ausgebildete und qualifizierte Fach- und Führungskräfte sichern die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Da es die meisten Schulabgänger nach wie vor in die kaufmännischen und kreativen Berufe zieht, kann die chemisch-pharmazeutische Industrie nicht früh genug damit beginnen, junge Menschen für Naturwissenschaften zu begeistern. Zahlreiche Chemie- und Pharmaunternehmen engagieren sich deshalb gezielt im Bereich der frühkindlichen Bildung und legen somit einen Grundstein für das spätere Interesse. Auch HessenChemie setzt sich seit vielen Jahren gemeinsam mit Partnern dafür ein, bei Kindern den Spaß an Naturwissenschaften zu wecken. Zum einen durch die spielerische Förderung des Forschergeistes der Kleinen, zum anderen durch die Vermittlung eines spannenden Unterrichts in den Naturwissenschaften an Lehrkräfte und Betreuer.

Chemiekiste

Ein Baustein ist die Chemiekiste „Feuer, Wasser, Luft“, die wir gemeinsam mit dem VCI Hessen interessierten Grundschulen in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Unternehmen 3-up zur Verfügung stellen. Sie beinhaltet eine umfangreiche Ausstattung an Materialien und Werkzeugen für 40 Experimente, die sich sowohl für Gruppenarbeiten als auch für das Experimentieren einzelner Kinder eignen. Für Klassen, die ganz viel Spaß am Experimentieren haben, steht inzwischen noch eine Aufbaukiste für Fortgeschrittene zur Verfügung. Die Kisten sind für Gruppen von maximal 20 Kindern geeignet und haben einen Wert von 270 Euro. Mit der Übergabe der Chemiekiste ist eine kostenlose Schulung für zwei Lehrkräfte verbunden. 2019 erhielten 40 hessische Schulen eine solche Kiste.

Chemiekiste „Feuer, Wasser, Luft“

Science Camps

Seit nunmehr 15 Jahren bieten die Chemieverbände Hessen – HessenChemie und VCI Hessen – in Kooperation mit two4science aus Darmstadt Science Camps für Kinder von 6 bis 12 Jahren und Forscherwerkstätten für Familien an. Unter Anleitung von Naturwissenschaftlern und Pädagogen lernen die Kinder naturwissenschaftlichen Phänomenen und Alltagstechnik auf den Grund zu gehen. Dabei erleben sie, wie bedeutsam naturwissenschaftliche Erkenntnisse und technische Errungenschaften für ihren Alltag sind.

Die Science Camps gibt es in verschiedenen Varianten. Diese reichen von dreistündigen Workshops bis zu mehrtägigen Ferienspielen. Beteiligen können sich auch die Mitgliedsunternehmen der Verbände: als Mitveranstalter oder als Anbieter einer qualitativ hochwertigen Ferienbetreuung exklusiv für die Mitarbeiterkinder.

Bei Kindern braucht es nicht viel, um Forschergeist und Spaß zu fördern. Foto: Arne Landwehr

Highlights 2019

Seit dem Jahr 2005 haben über 7.400 Kinder in 400 Science Camps experimentiert. 2019 konnte der Evonik-Standort in Hanau sein 10-jähriges Engagement feiern. Bei Röhm in Darmstadt fand erstmalig das Science Camp advanced für 12-14 Jährige zur frühen Berufsorientierung statt. Und Sanner in Bensheim lud erstmalig am Standort zum Experimentieren ein.

Ebenso beeindruckend sind die Zahlen für die Forscherwerkstätten. Seit dem Jahr 2009 experimentierten hier mehr als 10.000 Teilnehmer in 28 Veranstaltungen. 2019 lud Merck in Darmstadt erstmalig Mitarbeiter und ihre Familien zu „Curious Families“ ein und in der EXPERIMINTA in Frankfurt durften Familien einen Nachmittag lang nach Herzenslust experimentieren.

ExperimenteHoch3

Weil ein spannender Unterricht das A und O ist, um das Interesse der Kinder an Naturwissenschaften zu wecken, richten wir in Kooperation mit dem VCI Hessen und dem hessischen Kultusministerium die Fortbildungsveranstaltung Experimente³ an. Sie richtet sich an Lehrkräfte aus Grundschulen und Personen aus Ganztag und Betreuung. Workshops, Vorträge sowie zahlreiche Mitmachangebote und Infostände bieten den Teilnehmern zahlreiche Möglichkeiten, sich weiterzubilden und Impulse für die Arbeit zu aufzunehmen.

Einen Nachmittag lang experimentierten über 200 Lehrkräfte und Betreuer unter Anleitung von Wissenschaftlern nach Herzenslust und sammelten so vielfältige Anregungen für den Unterricht. Foto: Arne Landwehr


Mehr Infos auf www.hessenchemie.de/nachwuchsfoerderung


Fachkräftesicherung: Die Kunst, Mitarbeiter zu gewinnen, zu motivieren und zu binden

Für die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik im vergangenen Jahr, die unter dem Motto „Neue Wege der Fachkräftesicherung – Vorsprung für attraktive Arbeitgeber“ stattfanden, wollten wir wissen, wie unsere Mitgliedsunternehmen mit den Herausforderungen umgehen. Spüren Sie den Fachkräftemangel? Wie wirken sie diesem entgegen? Wie gewinnen sie neue Fachkräfte und wie halten sie diese im Unternehmen? Dazu waren wir mit einem tollen Filmteam von IW Medien bei Merck in Darmstadt, bei Infraserv Höchst und Pascoe in Gießen. Hier haben wir nicht nur spannende Einblicke erhalten, sondern auch viele interessante Menschen und individuelle Unternehmenskulturen kennengelernt, die wir in drei kurzen Filmen vorstellen.

Merck KGaA

Merck hat eine vielfältige Belegschaft. Das Unternehmen setzt auf eine Unternehmenskultur, die diese Vielfalt zulässt. Ob Frauen, internationale Fachkräfte oder individuelle Lebenswirklichkeiten, der Darmstädter Technologiekonzern versucht, seine Mitarbeiter zu fördern und ihnen ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen und entfalten können. Den Spirit, die Kombination aus Wissenschaft, Leidenschaft und Forschergeist, konnte man an diesem Tag in jedem Winkel, den wir besucht haben, spüren.

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Pascoe Naturmedizin

Mitarbeiter, die gesund, zufrieden und glücklich sind, erzielen die besten Ergebnisse, davon ist Annette D. Pacoe, Geschäftsführerin von Pascoe Naturmedizin, überzeugt. Eine Reihe von Auszeichnungen, ein Gesundheitszustand der Belegschaft, der 50 Prozent über dem Branchendurchschnitt liegt, und motivierte Mitarbeiter geben ihr Recht. Bereits achtmal ist Pascoe Naturmedizin auf dem 1. Platz des Arbeitgeberpreises Great Place to Work gelandet. Fünfmal wurde der Preis auf europäischer Ebene überreicht. Das zieht Bewerber an. Wir waren nicht nur von der positiven Energie, die einem überall begegnete, begeistert.

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Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

In den kommenden zehn Jahren scheiden 50 Prozent der Mitarbeiter bei Infraserv altersbedingt aus. Hinzu kommt die rückläufige Bewerberzahl, was dem demografischen Wandel und dem anhaltenden Trend zum Studium geschuldet ist. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, setzt Infraserv auf eine langfristig ausgerichtete strategische Planung, die alle Bereiche des Unternehmens einbezieht und die Möglichkeit bietet, rechtzeitig gegenzusteuern. Eine Strategie, bei der alle an einem Strang ziehen.

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Mehr zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik


Krisenkommunikation: Erfolgreich im Wettlauf gegen die Zeit

Im unternehmerischen Sinn ist eine Krise eine ungeplante Situation oder Entwicklung, die durch ein oder mehrere negative Ereignisse ausgelöst wird und dem Unternehmen und seiner Reputation in der Folge schweren Schaden zufügen kann. Sie ist gekennzeichnet durch die Einschränkung der Handlungsfähigkeit und Funktion des Unternehmens sowie die Fokussierung auf die Bewältigung der Krise.

Der Verlauf und die Auswirkungen einer Krise hängen stark von der Kommunikation ab.

In der öffentlichen Wahrnehmung werden Krisen in der chemischen Industrie eng mit Bränden und Stoffaustritten auf dem Werksgelände verknüpft. Aber auch sogenannte Compliancefälle, also Verstöße des Unternehmens oder einzelner Mitarbeiter gegen Regeln und Gesetze, sind häufige Gründe für Unternehmenskrisen. Jede staatsanwaltliche oder amtliche Untersuchung ist mit negativer Aufmerksamkeit relevanter Teilöffentlichkeiten verbunden. Im Rahmen der Digitalisierung können auch Datenpannen für negative Schlagzeilen sorgen. Deshalb ist es für Unternehmen wichtig, sich frühzeitig mit der Bandbreite der möglichen Ursachen für eine Krise auseinanderzusetzen. Dabei wird klar, wie vielfältig und mitunter unvorhersehbar die potenziellen Bedrohungen sind.

Trotz aller Sorgfalt und der Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen können Krisenereignisse nie völlig vermieden werden. Treten sie ein, geht es um eine rasche Schadensminimierung und die Sicherung der Handlungs- sowie Kommunikationsfähigkeit. Ziel eines erfolgreichen Krisenmanagements ist es, sich optimal auf mögliche Störfälle vorzubereiten, Abläufe und Prozesse frühzeitig zu etablieren, zu trainieren und im Krisenfall so schnell und gezielt wie möglich zu reagieren.

Ein geschulter und trainierter Krisenstab ist in der Lage, fokussierte und zielgruppengerechte Maßnahmen zu treffen, die die kurz- bis langfristigen Folgen einer Krise bekämpfen. Auf diese Weise erreicht das Krisenmanagement das wichtigste Ziel: die Minimierung des Schadens für das Unternehmen.

Ein zentraler Aspekt des Krisenmanagements ist die Kommunikation. Sie entscheidet ganz wesentlich über den Verlauf und die möglichen Eskalationsstufen. Hat das Unternehmen schnell gehandelt, rechtzeitig informiert und dabei in Wort und Tat Verantwortung bewiesen? Oder ist es abgetaucht und hat die Medien und die Öffentlichkeit nur halbherzig und scheibchenweise informiert? Durch eine transparente und proaktive Informationspolitik trägt das Unternehmen dazu bei, dass seine Reputation möglichst keine oder nur geringe Schäden erleidet. Denn nur wer ehrlich und aktiv kommuniziert, gewinnt das Vertrauen der Öffentlichkeit und hat die Chance, seine Sicht einzubringen und damit die Meinungsbildung zu beeinflussen.

Krisenhandbuch und -seminare

2017 haben der VCI Hessen und HessenChemie mit Unterstützung der Experten von Klose-Kom ein Krisenhandbuch für die Mitgliedsunternehmen beider Verbände entwickelt, das individuell auf die Bedürfnisse und Szenarien der chemischen Industrie ausgerichtet ist. Es dient als Grundlage und praktische Anleitung zur Krisenprävention sowie zur Vorbereitung des Krisenstabs und zur Ausarbeitung effektiver Maßnahmen im Ernstfall. Hierin finden sich alle relevanten Informationen, um einen Krisenstab im Unternehmen einzurichten und Mitarbeiter zu schulen. Checklisten zur Vorbereitung sind ebenso enthalten wie Handlungs- und Kommunikationsstrategien für branchentypische Krisenfälle.

Darüber hinaus begleiten drei Seminare inhaltlich das Krisenhandbuch: Im ersten Teil „Krisenkommunikation – Kompetenz und Glaubwürdigkeit in der internen und externen Kommunikation“ geht es darum, das Unternehmen auf den kommunikativen Ernstfall vorzubereiten. Der zweite Teil „Krisenmanagement in der Chemie und KVI – Vorbereitung auf den Worst Case“ gibt einfache und praktikable Instrumente an die Hand, wie Unternehmen und Mitarbeiter professionell mit einem Krisenfall umgehen sollten. Im dritten und letzten Teil „Medientraining für den Fall der Fälle – richtig kommunizieren, wenn die Kamera vor der Tür steht“ lernen die Teilnehmer, vor Mikrofon und Kamera souverän aufzutreten.

Interessierte Mitgliedsunternehmen können das Krisenhandbuch über den Mitgliederbereich auf www.hessenchemie.de bestellen. Ebenso können die Seminare für 2020 hier über den Veranstaltungskalender gebucht werden. Sowohl das Handbuch als auch die Seminare sind kostenfrei.


Praktikumsjahr matcht Unternehmen und Schulabsolventen

„Alle elf Minuten…“: Es ist wie bei einer Partnerbörse, nur dass das Startup Praktikumsjahr mit der gleichnamigen Onlineplattform nicht Mann und Frau zusammenbringt, sondern Schulabsolventen und Unternehmen – und zwar in Form eines Praktikums.

Die Idee dazu hatten drei junge Männer aus Fulda. Selbst noch nicht lange aus der Schule, wissen die drei Gründer Malte Bürger (21), Johannes Feik (20) und Jan Herold Müller (20) um die schwierige Situation der Schulabgänger, sich nach dem Schulabschluss für einen passenden Beruf zu entscheiden. Zugleich kennen sie die Problematik vieler Unternehmen, passende Auszubildende, und damit ihre zukünftigen Fachkräfte, zu finden. Was lag da näher, als beide Seiten zusammenzubringen? Für das Konzept hat das Startup Ende 2018 den Hessischen Gründerpreis erhalten.

Die duale Ausbildung und das Imageproblem

Nach wie vor verbinden viele Schüler und Eltern ein Studium mit höheren Einkommen sowie spannenderen und angeseheneren Berufen. Vielen sind auch das große Spektrum an Ausbildungsberufen und die guten Verdienstmöglichkeiten, gerade in der Chemie- und Pharmabranche, nicht bewusst. Die Attraktivität der Ausbildung muss deswegen dringend gestärkt werden. Das bedarf auch einer gesellschaftlichen Wertediskussion, denn solange der Akademiker ein höheres Ansehen genießt als die Fachkraft, wird sich an der Situation wenig ändern. Aber das müsste es, denn die betriebliche Ausbildung ist eine zentrale Säule der Fachkräftesicherung und für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen – und damit den Wohlstand für Deutschland – elementar.

Beidseitige Schnuppermöglichkeit

Ein Praktikum nach Abschluss der Schulzeit ist daher für Unternehmen wie für Absolventen gleichermaßen eine wunderbare Gelegenheit, sich einmal völlig unverbindlich zu beschnuppern. Junge Menschen erhalten so eine bessere Vorstellung von einem Beruf, lernen Unternehmen kennen und können für sich entscheiden, ob eine Ausbildung in dem Betrieb für sie in Frage käme. Ausbildungsunternehmen wiederum lernen auf diesem Wege junge Menschen kennen, können deren Motivation und Fähigkeiten besser einschätzen und sie vom eigenen Unternehmen überzeugen. So kommen möglicherweise zwei zusammen, die sonst nicht zusammengekommen wären.
Der Haken bei der Sache war bislang, dass es für Schulabgänger nicht sehr viele Praktikumsstellen gab, wie gesagt: bislang. Deswegen schließt das Onlineportal Praktikumsjahr hier eine ganz große, wichtige Lücke.

Wie es funktioniert

Bei Praktikumsjahr können junge Menschen in einem Zeitraum von einem halben bis zu einem ganzen Jahr verschiedene Praktika durchlaufen. In der Regel werden diese für zwei (maximal drei) Monate vergeben. Dabei zahlen Unternehmen den Praktikanten ein Taschengeld von 250 Euro pro Monat. Beide Seiten hinterlegen dazu ihr Profil und ihre Interessen auf der Plattform. Diese übernimmt dann den bürokratischen Aufwand und macht es so für die Unternehmen einfach, Praktikanten zu finden. In der Stellenanzeige können Anforderungen für den Interessenten festgehalten werden, sodass Unternehmen nur Vorschläge mit bestimmten Noten, Schulabschluss oder individuell beantworteten Fragen erhalten. Hat das Portal den passenden Interessenten für ein Unternehmen gefunden, informiert es dieses und vermittelt die Kontaktdaten, sodass es zu einem persönlichen Gespräch zwischen Bewerber und Betrieb kommen kann. Während des Entscheidungsprozesses ist die Anfrage reserviert.

Vorteil für HessenChemie-Mitgliedsunternehmen

HessenChemie ist im November dieses Jahres eine Kooperation mit Praktikumsjahr eingegangen. Davon profitieren nun die Mitgliedsunternehmen: Für sie entfällt die einmalige Einrichtungsgebühr von 250 Euro. Mehr zum Ablauf und den Preisen finden Sie hier…

v.l.n.r.: Malte Bürger, Jürgen Funk, Johannes Feik, Jan Herold Müller

Die Kooperation besiegelten Malte Bürger, Jürgen Funk von HessenChemie, Johannes Feik und Jan Herold Müller (v.l.n.r.) ordnungsgemäß per Handschlag.


Drei Fragen an Francesco Grioli

Am 17. Oktober 2019 finden im Kurhaus Wiesbaden die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Neue Wege der Fachkräftesicherung – Vorsprung für attraktive Arbeitgeber“ diskutieren wir mit Experten aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaft und Verbänden darüber, wie sich Unternehmen heute aufstellen müssen, um die passenden Talente für morgen zu finden. Im Vorfeld der Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik geben die Experten mit der Serie „Drei Fragen an…“ einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages. Dieses Mal haben wir Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, gefragt. Er wird im Rahmen der Wiesbadener Gespräche gemeinsam mit HessenChemie-Hauptgeschäftsführer Dirk Meyer über „moderne Arbeitswelten aus Sicht der Chemie-Sozialpartner“ sprechen. (Hier geht’s zur Anmeldung…)

Herr Grioli, wo sehen Sie die größten Herausforderungen im Bereich der Fachkräftesicherung?

Die demografische Entwicklung bleibt nach wie vor eine der größten Herausforderungen. Immer weniger Absolventen und Berufseinsteiger stehen zur Verfügung. Diese für die chemische Industrie zu gewinnen und sie langfristig zu binden, das ist eine zentrale Herausforderung. Darüber hinaus verändern sich auch in der chemischen Industrie die Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen. Um bei den Beschäftigten im Laufe der Zeit keinen zu „verlieren“ und „abzuhängen“ sind die Herausforderungen für Weiterbildungsthemen ganz entscheidend. Die Herausforderung ist es in diesem Zusammenhang auch, zu berücksichtigen, dass Beschäftigte bis zum Renteneintritt deutlich länger im Betrieb bleiben.

Fachkräftesicherung hat deshalb nicht „nur“ damit zu tun, neue Beschäftigte zu gewinnen, sondern auch damit, über alle Altersgruppen hinweg die Qualifikation und Kompetenzen der Beschäftigten zu sichern. Und die Arbeit so zu gestalten, dass auch das Erfahrungswissen mit eingebracht und genutzt werden kann.

Wo sind wir gut, wo müssen wir als Branche besser werden?

Die Bedeutung der dualen Ausbildung und die Abstimmung der Berufsbilder in unserer Branche, da sind wir seit langer Zeit in enger und guter Abstimmung. Das muss so bleiben. In puncto Weiterbildung sind wir auch schon länger im Gespräch und haben neben tarifvertraglichen Regelungen und einer gemeinsamen Weiterbildungsstiftung schon einiges gemeinsam unternommen.

Vor dem Hintergrund der sich beschleunigenden Veränderungen in der Arbeitswelt hat das Thema Weiterbildung aber eine neue Dimension erreicht, der wir mit konkreteren und wirksamen Maßnahmen für mehr Weiterbildung und Qualifizierung begegnen müssen.

Da müssen wir jetzt konkrete Maßnahmen im Betrieb und Ansprüche für die Beschäftigten auf den Weg bringen. Das muss ein wesentlicher Beitrag zur Fachkräftesicherung werden. Fachkräftesicherung hat aber auch etwas mit der Attraktivität der Branche insgesamt zu tun. Das hat zum einen etwas mit Arbeitsbedingungen zu tun, aber auch wesentlich mit der Attraktivität der Branche innerhalb der Gesellschaft. Die chemische Industrie darf nicht als „böse“ abgestempelt werden. Dagegen haben wir mit der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 schon etwas gemeinsam unternommen. Die chemische Industrie wird als ein wesentlicher Impulsgeber, auch für neue umweltfreundliche Verfahren und umweltfreundliche Stoffe, für einen Green Deal, zwingend gebraucht. Ohne die chemische Industrie wird es keinen wesentlichen Fortschritt in der ökologischen Frage geben. Das deutlich zu machen, gerade in den Debatten um Industrie und Ökologie, ist wichtig. Da müssen wir als Branche nach außen noch lauter werden.

Was können die Sozialpartner dazu beitragen?

Gute tarifvertragliche Regelungen zählen zu den wesentlichen Themen. Dazu ein deutliches Signal an die Beschäftigten und die Branche, dass Beschäftigte wertgeschätzt werden und die Unternehmenskultur diese Werte widerspiegelt. Können sich Beschäftigte auf ihren Arbeitgeber bzw. ihre Führungskräfte verlassen, sind sie innovativer, offener für Veränderungen und bleiben länger im Unternehmen. Eine positive Unternehmenskultur ist ein Aushängeschild für die Branche aus Beschäftigtensicht.

Als Sozialpartner müssen wir darüber hinaus immer wieder Orte finden, die wesentlichen Themen und Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren und nach konkreten Gestaltungsideen zu suchen. Wie wir das aktuell auch im Rahmen des work@industry-Prozesses gerade wieder machen. Dabei ist aber entscheidend, dass wir mit unseren Zielen und Themen im Betrieb wahrgenommen werden und sichtbar Arbeit weiterentwickeln. Gute Arbeitsbedingungen überzeugen Fachkräfte am meisten.

Vielen Dank für das Gespräch!


Über Francesco Grioli

Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE.
Foto: Helge Krückeberg

  • Am 22. April 1972 in Kelkheim im Taunus geboren.
  • Nach dem Besuch der Realschule von 1982 bis 1989 Ausbildung zum Energieelektroniker bei der Hoechst AG im Werk Höchst.
  • Seit 1989 Mitglied der IG Chemie-Papier-Keramik. Von 1993 bis 1997 Vorsitzender der Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung und Mitglied des Betriebsrates der Hoechst AG, anschließend bis 1998 Mitglied des Betriebsrats der Clariant GmbH.
  • Seit 1998 Ausbildung zum Gewerkschaftssekretär in der IG BCE an verschiedenen Standorten; 1999 bis 2001 hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär im Landesbezirk Hessen/Thüringen; 2001 bis 2007 Leiter der Abteilung Jugend der IG BCE und Geschäftsführer der Fejo GmbH (Tochtergesellschaft der IG BCE zur Förderung sozialer Jugendeinrichtungen); 2007 bis 2009 Leiter der Abteilung Betriebsräte; 2009 bis 2013 Vorstandssekretär im Vorstandsbereich Tarifpolitik / Finanzen; seit 2013 Leiter des Landesbezirkes Rheinland-Pfalz/Saarland der IG BCE.
  • Seit dem Sechsten Ordentlichen Gewerkschaftskongress der IG BCE 2017 ist Francesco Grioli Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes.
  • Er ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Gerresheimer AG und Mitglied im Aufsichtsrat der Continental AG.
  • Seit 1988 Mitglied der SPD.
  • Francesco Grioli ist italienischer Staatsbürger und verheiratet.

Zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik

Neue Wege der Fachkräftesicherung – Vorsprung für attraktive Arbeitgeber

Die Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik finden seit 2005 regelmäßig im Kurhaus Wiesbaden statt. Veranstalter ist der Arbeitgeberverband HessenChemie. Die Wiesbadener Gespräche greifen aktuelle Themen auf, die sich in den für die Mitgliedsunternehmen des Verbandes wichtigen Fragen der Sozialpolitik widerspiegeln und eine gesamtgesellschaftliche Relevanz haben. In diesem Jahr steht das Thema Fachkräftesicherung im Mittelpunkt. Hier geht’s zur Anmeldung



Ehrenamtliche Richter: Ein wichtiger Teil des Rechtssystems

Die Tätigkeit eines ehrenamtlichen Richters, insbesondere in der Arbeitsgerichtsbarkeit, ist für die Justiz von besonderer Bedeutung. Durch sie soll eine praxisnahe Rechtsprechung erreicht werden. Ehrenamtliche Richter kennen die Abläufe des Arbeitsalltags, die besonderen Gegebenheiten in den einzelnen Wirtschaftszweigen und die Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung. Das kann streitschlichtend wirken und die Akzeptanz von Entscheidungen stärken. Ehrenamtliche Richter sind unabhängig, unparteiisch und keinen Weisungen unterworfen.

Wie wird man ehrenamtlicher Richter?

Als ehrenamtliche Richter beim Arbeits- oder Sozialgericht können Personen berufen werden, die das 25. Lebensjahr vollendet haben. Für das Landesarbeitsgericht beziehungsweise das Landessozialgericht beträgt das Mindestalter 30 Jahre. Ehrenamtliche Richter aus Kreisen der Arbeitgeber müssen die Eigenschaft „Arbeitgeber“ besitzen. Hierzu gehören Geschäftsführer, Betriebsleiter und insbesondere Personalleiter, soweit sie zur Einstellung von Arbeitnehmern in den Betrieb berechtigt sind. Eine juristische Ausbildung ist nicht erforderlich.
Die Berufung ehrenamtlicher Richter erfolgt durch das Landesarbeitsgericht auf Vorschlag der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände. Für die Arbeits- und Sozialgerichte in Hessen benennen die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und ihre regionalen Geschäftsstellen die arbeitgeberseitigen ehrenamtlichen Richter aus allen Bereichen der privaten Wirtschaft. Für Wiesbaden unterbreitet HessenChemie die Vorschläge und ist daher ganz besonders auf die Bereitschaft der heimischen Unternehmer zum freiwilligen Engagement angewiesen. (Foto: istockphoto)

Die Tätigkeit selbst

Ehrenamtliche Richter dürfen während der Verhandlung gleichberechtigt Fragen an die Beteiligten, Zeugen oder Sachverständigen stellen. Zur Vorbereitung unterrichtet der Vorsitzende Richter sie entsprechend: In der ersten Instanz erfolgt die Unterrichtung dadurch, dass der Vorsitzende im Rahmen einer internen Vorbesprechung einen Überblick über die einzelnen zur Verhandlung anstehenden Verfahren gibt. In der zweiten Instanz erhalten die ehrenamtlichen Richter zusätzlich das erstinstanzliche Urteil und regelmäßig auch die in der zweiten Instanz eingereichten Schriftsätze. Nach Schluss der mündlichen Verhandlung zieht sich die Kammer zur Beratung zurück. Diese ist nicht öffentlich und geheim. Der Vorsitzende und die ehrenamtlichen Richter haben ein gleichwertiges Stimmrecht. Ist die Beratung abgeschlossen, so ist das Ergebnis der Beratung schriftlich niederzulegen. Dieses kann entweder ein Urteil oder ein Beschluss sein, beispielsweise zur Fortsetzung der mündlichen Verhandlung.

HessenChemie am Bundesarbeitsgericht

Seit dem 1. Januar 2018 ist Dr. Matthias Felderhoff, Leiter Team Recht Rhein-Main bei HessenChemie, ehrenamtlicher Richter beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt. In diesen Zeitraum fiel unter anderem das Urteil zum kirchlichen Arbeitsrecht, das bundesweit Beachtung fand. Die ehrenamtlichen Richter am Bundesarbeitsgericht werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales für die Dauer von fünf Jahren berufen.

Machen Sie mit!

Machen Sie mit und engagieren Sie sich als ehrenamtlicher Richter. Infos erhalten Sie bei unserer Geschäftsführerin Nora Hummel-Lindner. Mehr auf www.hessenchemie.de

Diesen Beitrag finden Sie auch in unserem Jahresbericht, der Quintessenz 2018/19.


Bildung als wichtige Säule der Fachkräftesicherung

Zweimal jährlich treffen sich Fachleute aus den Mitgliedsunternehmen im Steuerkreis Bildung, um sich über aktuelle Bildungsthemen auszutauschen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Ausbildung. Die Teilnehmer erarbeiten unter anderem Positionen und Empfehlungen für relevante Handlungsfelder. Regelmäßig werden externe Referenten zum fachlichen Austausch eingeladen. In der Herbstsitzung 2018 war Professor Axel Plünnecke, der Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), zu Gast. Er beantwortete im Nachgang zur Veranstaltung einige Fragen zum Thema Fachkräftesicherung.

Wie beurteilen Sie die Fachkräftesituation aus Sicht der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Hessen?

Die Hälfte aller Erwerbstätigen in der innovativen Chemie- und Pharmabranche haben eine MINT-Qualifikation. Der MINT-Arbeitsmarkt wiederum ist nach Untersuchungen des MINT-Reports des IW sehr angespannt. Allein in Hessen fehlen rund 21.300 MINT-Kräfte, in steigendem Maße sind dies Facharbeiter und Informatiker. Eine Auswertung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) zeigt, dass die Fachkraft für Chemie- und Pharmatechnik, zu denen zum Beispiel die Chemikanten zählen, in Hessen zu den Top-Engpassberufen zählt.

Prof. Dr. Axel Plünnecke / Foto: Uta Wagner

Prof. Dr. Axel Plünnecke, geboren 1971 in Salzgitter, studierte VWL an der Universität Göttingen und promovierte an der TU Braunschweig zu den Themen Bildung und Wirtschaftswachstum. Er ist Leiter des Kompetenzfeldes Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Erwarten Sie durch die Digitalisierung eine Entspannung bei den Fachkräften?

Befragungen des IW kommen zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, die bereits heute stark digitalisiert sind, sogar in stärkerem Maße als die anderen Unternehmen eine steigende Beschäftigung von Fachkräften und Akademikern erwarten. Vor allem IT- und Online-Kompetenzen werden für eine Vielzahl von Tätigkeiten und Berufen wichtiger, aber auch Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten. Da Zuwanderung seit einigen Jahren stark zur Fachkräftesicherung beiträgt, wird das Thema Sprachkompetenz noch einmal an Bedeutung gewinnen.

Wie beurteilen Sie das Bildungssystem in Hessen? Wo bestehen besondere Herausforderungen?

Im Bildungsmonitor des IW ergibt sich für Hessen ein sehr differenziertes Stärken-und-Schwächen-Profil. So sind die Betreuungsrelationen an weiterführenden Schulen eher ungünstig, die Ganztagsförderinfrastruktur sollte weiter ausgebaut werden. Fortschritte gab es in den letzten Jahren aber bei der Bekämpfung von Bildungsarmut und bei der Integration. Die Lesekompetenz von Viertklässlern entwickelt sich gut, und die Abbrecherquoten bei Ausländern sind vergleichsweise niedrig. Bei der beruflichen Bildung haben wir durchschnittliche Ergebnisse bei unversorgten Bewerbern und vorzeitigen Abbrüchen. Nachholbedarf besteht bei der Internationalisierung. So ist der Anteil der Bildungsausländer unter Studierenden vergleichsweise niedrig.

Und wie sieht es bei der digitalen Bildung aus?

Hier gibt es wenig Empirie bisher. Nach Untersuchungen der Telekom-Stiftung hat Hessen im Bundesländervergleich im Bereich der Nutzung digitaler Medien und der IT-Ausstattung der Schulen Stärken, hier besteht aber deutschlandweit im internationalen Vergleich deutlicher Nachholbedarf. Bei der IT-Ausbildung im beruflichen Bildungssystem und an Hochschulen liegt Hessen, gemessen an den Absolventenzahlen, eher im Durchschnitt.

Was sind, abschließend gefragt, Ihre Handlungsempfehlungen für das hessische Bildungssystem?

Neben der Umsetzung der digitalen Bildung in den Schulen ist die Fachkräftesicherung bei Lehrkräften eine zentrale Herausforderung. Die Kapazität der Lehrerausbildung ist zu stärken, und das Berufsfeld sollte attraktiver gemacht werden. An Schulen ist die Qualität der Bildungssteuerung zu verbessern, um die Ausbildungsreife zu sichern. Bekommen die Schulen mehr Handlungsspielräume, eine regelmäßige Rückmeldung zum Lernerfolg und eine bessere finanzielle Unterstützung bei besonderen Förderungsbedarfen, kann ein Wettbewerb um gute Ideen die Qualität der Schulen verbessern.

Vielen Dank, Herr Professor Plünnecke, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Dieses Interview und weitere Beiträge zum Thema Fachkräftesicherung finden Sie in unserem aktuellen Jahresbericht, der Quintessenz 2018/19, zu beziehen über www.hessenchemie.de (Publikationen).


Druckfrisch: Das neue HC-Jahresmagazin „Quintessenz 2018/19“ ist da

Einblicke, Ausblicke, Hintergründe, Standpunkte, Daten und Fakten – all das haben wir wieder in der Quintessenz für Sie zusammengestellt. Unser druckfrisches Jahresmagazin bringt das Wesentliche – das Wichtigste – von HessenChemie innerhalb des Berichtszeitraumes 2018/19 auf den Punkt. Viele Kollegen aus den unterschiedlichen Fachbereichen haben ihre Expertise eingebracht und mitgeschrieben. So haben wir gemeinsam eine Lektüre zusammengestellt, die einen Einblick in die vielfältigen Themen und Herausforderungen des Verbandes und der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie bietet.

Im Fokus der diesjährigen Quintessenz steht das Thema „Neue Wege der Fachkräftesicherung“, spielt die Fachkräftegewinnung und –sicherung doch eine ganz zentrale Rolle hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. So schreiben wir über unsere Filmreihe „Ausbildung im Mittelstand“, Konzepte zur Fachkräftesicherung und haben für das Magazin mit Prof. Dr. Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft ein Interview über „Bildung als wichtige Säule der Fachkräftesicherung“ geführt. Des Weiteren bieten die „Blitzlichter“ einen kurzen Rückblick über zahlreiche Veranstaltungen aus 2018 und 2019.

Schauen Sie einfach rein, durchblättern lohnt sich!

Die Quintessenz können Sie auf unserer Website unter Publikationen bestellen.


13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik

Der demografische Wandel, der Trend zum Studium, die immer noch zu wenigen Absolventen in den MINT-Berufen sowie die neuen Anforderungen in der digitalen Transformation führen dazu, dass Unternehmen immer schwerer vakante Stellen neu besetzen können.

Risiko Fachkräftemangel

Laut einer Studie der Goethe-Universität Frankfurt werden in fünf Jahren 174.000 Fachkräfte in Hessen fehlen, darunter 135.000 Beschäftigte mit einer dualen Ausbildung. Das Mittelstandsbarometers 2019 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ergab, dass der Fachkräftemangel den Unternehmen deutlich größere Sorgen bereitet als das Risiko eines konjunkturellen Abschwungs. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) hat die Chemiebranche selbst noch einmal genauer unter die Lupe genommen: Im „Fachkräftecheck Chemie“ wiesen zuletzt 18 von 35 für die Branche relevanten Berufe einen Fachkräfteengpass auf. Bei den Chemikanten und Pharmakanten besteht dieser schon seit Längerem und in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ist dieser noch einmal ganz besonders ausgeprägt: Hier sind acht von zehn Stellen schwer zu besetzen.

Neue Wege der Fachkräftesicherung

Fehlen Fachkräfte ist dies nicht nur eine Gefahr für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, sondern letzten Endes auch für Wachstum und Wohlstand in Deutschland. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist daher eine der großen Herausforderungen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Aus diesem Grund ist der Fachkräftemangel in diesem Jahr auch eines der Schwerpunktthemen von HessenChemie.

So stehen beispielsweise die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik am 17. Oktober 2019 unter dem Motto „Neue Wege der Fachkräftesicherung“. Neben interessanten Rednern haben wir in diesem Jahr auch Unternehmen aus dem Bereich des Recruitments eingeladen, die im „Parcours der Möglichkeiten“ den Teilnehmern Konzepte zur Fachkräftegewinnung vorstellen. Mehr in Kürze in diesem Blog.

Viele Wege führen nach Rom

Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs gibt es für Unternehmen kein Allgemeinrezept. Aber es stehen zahlreiche verschiedene Instrumente zur Verfügung, die Unternehmen nutzen können: das eigene Ausbildungsengagement stärken, attraktive Arbeitsbedingungen bieten, Mitarbeiter (weiter-)qualifizieren, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, die Potenziale von älteren Beschäftigten, Frauen, Studienabbrechern, Jugendlichen mit schlechter Einstiegsqualifikation oder ausländischen Fachkräften nutzen, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Viele gute Beispiele werden wir bei den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik hören und sehen, denn wir haben eigens für den Tag drei Best Practices gefilmt.

Das Programm: Romantik, Best Practices und was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht

2019 haben wir ein vielfältiges Programm mit spannenden Rednern und Unternehmen zusammengestellt. Durch den Tag führt, wie seit vielen Jahren, Dr. Norbert Lehmann vom ZDF.

Prof. Dr. Heinz-Walter Große: Der Vorstandsvorsitzende von HessenChemie wird nicht nur die Teilnehmer begrüßen, sondern auch über sein Buch „Task & Teams – die neue Formel für bessere Zusammenarbeit“ sprechen. Wie der Titel bereits ahnen lässt, geht es dabei um eine andere Form der Zusammenarbeit, und die ist heute bei vielen Unternehmen notwendig, wollen sie gute Mitarbeiter finden und binden. Prof. Große und Co-Autorin Bernadette Tillmanns-Estorf schaffen das klassische Organigramm ab, denn es „bläht Unternehmen auf und verhindert flexible Zusammenarbeit, ohne die heute niemand mehr im Wettbewerb bestehen kann“.

Kai Klose, hessischer Minister für Soziales und Integration, wird über die Instrumente der Fachkräftesicherung seitens der hessischen Landesregierung sprechen.

Key Speaker Tim Leberecht sieht die Zeit für eine romantische Revolution gekommen. Der weltweit tätige Berater und Autor ist einer der leidenschaftlichsten und scharfsinnigsten Vordenker für einen neuen Humanismus in Wirtschaft und Gesellschaft vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz.

Gegen die datengetriebene „Entzauberung der Welt“ zeichnet Tim Leberecht die Konturen einer neuen romantischen Bewegung, die gegen die Logik der Daten eine subjektive, emotionale Wahrheit setzt. Leberecht glaubt, dass es vor allem romantische Qualitäten sind, die uns in der von künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung geprägten Arbeitswelt von morgen differenzieren – und Mensch bleiben lassen.

Francesco Grioli ,Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie, sprechen über moderne Arbeitswelten aus Sicht der Chemie-Sozialpartner.

Im „Speakers‘ Corner“ interviewen wir drei Mitgliedsunternehmen: Vor welchen Herausforderungen stehen sie und was sind ihre Instrumente zur Fachkräftegewinnung-, sicherung und –bindung.

  • Strategische Fachkräftesicherung in der Infraserv Höchst-Gruppe,Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG
  • Fachkräfte als Innovationstreiber. Ein Arbeitsumfeld für die Welt von morgen, Philip Heßen, Personalleiter Deutschland und Leiter der People Strategy, Merck KGaA
  • Zufriedene Mitarbeiter sichern die Zukunft, Annette Diane Pascoe, Geschäftsführerin Pascoe Naturmedizin

Marcel Görtz, Studienleiter „Beste Arbeitgeber Chemie“ von Great Place to Work, rundet mit einem Vortrag über „zukunftsweisende Instrumente attraktiver Arbeitgeber in Deutschland zur Förderung ihrer Wettbewerbsfähigkeit“ den Tag ab. Great Place to Work® zeichnet jedes Jahr auf Grundlage anonymer Mitarbeiterbefragungen und der Analyse der Unternehmenskultur sehr gute Arbeitgeber international, national, regional und branchenspezifisch für ihre Leistung aus.

In den kommenden Wochen werden wir in unserem Blog „Drei Fragen an…“ die Redner der Wiesbadener Gespräche stellen. Seien Sie gespannt.

Mehr Informationen zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik sowie die Möglichkeit, sich anzumelden, finden Sie hier…

Mehr zu den vergangenen Wiesbadener Gesprächen finden Sie auf YouTube…


HessenChemie erhält zum fünften Mal das Zertifikat berufundfamilie

Bereits seit 2006 verfolgen wir mit dem audit berufundfamilie eine strategisch angelegte familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik. Am gestrigen Dienstag durfte unsere Geschäftsführerin Recht und Personalpolitik, Nora Hummel-Lindner, im Rahmen der bundesweiten Zertifikatsverleihung in Berlin die Urkunde von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey entgegennehmen.

Gemeinsam mit Vertretern von Umicore und B. Braun Melsungen nimmt HessenChemie-Geschäftsführerin Nora Hummel-Lindner (Mitte) das Zertifikat von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey entgegen

Lebensphasengerechtes Arbeiten im Fokus

Mit dem Zertifizierungsprozess trägt HessenChemie den Veränderungen in der Arbeitswelt Rechnung. Denn nur Mitarbeiter, die ihr Arbeitsleben und ihre privaten Bedürfnisse flexibel und bedarfsgerecht miteinander vereinbaren können, werden auf Dauer motiviert und leistungsfähig sein. Als familienfreundlicher Verband entwickeln wir seit Jahren Konzepte, auf die ALLE Mitarbeiter und Führungskräfte in jeder Lebensphase zurückgreifen können und zwar unabhängig davon, ob Kinder bzw. Eltern zu betreuen sind oder die Mitarbeiter sich mehr Zeit für ein Ehrenamt, eine Weiterbildung oder ganz einfach Privates wünschen. Wenn möglich, unterstützt der Verband jeden individuellen Lebensentwurf. Voraussetzung dafür ist, stets die Balance zwischen Mitarbeiter, Team und Verband sicherzustellen. Ein faires Geben und Nehmen also, denn neben dem Bedarf des Mitarbeiters, muss das Team die gewünschte Flexibilität ermöglichen können und der Verband gewährleisten, dass die Aufgaben auch weiterhin in der erforderlichen Qualität erledigt werden.

Vielfältige Angebote für individuelle Bedürfnisse

Die Mitarbeiter nehmen die Angebote ganz unterschiedlich in Anspruch: So nehmen beispielsweise einige Kollegen mit Kindern einen Homeofficetag pro Woche, andere arbeiten vormittags im Büro und mittags von zu Hause oder aber zwei Tage voll und zwei Tage kurz. Es gibt aber auch Mitarbeiter ohne Kinder, die ihre Arbeitszeit für ein Jahr auf 30 Stunden reduziert haben. Und auch das ist für HessenChemie in Ordnung.

Auf der anderen Seite wird von den Mitarbeitern aber auch im Gegenzug erwartet, dass sie, sofern eine Anwesenheit vor Ort notwendig ist, beispielsweise bei Gerichtsterminen (betrifft die Juristen) oder Terminen mit Mitgliedsunternehmen, Dienstleistern etc., sie diese auch wahrnehmen. Die Erfahrung zeigt aber, dass dies kein Problem darstellt. Im Gegenteil: Die Mitarbeiter wissen das Entgegenkommen des Verbandes sehr zu schätzen und geben auch gerne zurück.

Neben den flexiblen Zeitmodellen bietet HessenChemie aber noch viele weitere Services an, die zum lebensphasengerechten Arbeiten beitragen: betriebliche Gesundheitsförderung, Weiterbildungsangebote für alle Mitarbeiter oder Hilfestellung rund um Beruf und Privatleben wie die Betreuung von Kinder & Pflege, Arbeit & Beruf, Life Balance, Finanzen oder kritische Lebenslagen. Letzteres erfolgt in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister. Darüber hinaus bietet der Verband bereits seit 2006 einen großzügigen Kinderbetreuungszuschuss.

Kurzportrait_berufundfamilie_2019

Für HessenChemie als familienbewusster Arbeitgeberverband ist das Thema Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ein fester Bestandteil der Personalpolitik. Wir nehmen – wo immer möglich – Rücksicht auf die aktuelle Lebenssituation der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das gelingt uns bisher sehr gut und soll auch weiterhin so bleiben.

In den kommenden drei Jahren werden die vereinbarten Maßnahmen weiterentwickelt und umgesetzt. Leistung, Offenheit, Vertrauen und Kollegialität sind dabei unsere Leitmotive.

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Zertifikatsverleihung in Berlin

Das audit berufundfamilie

Das audit berufundfamilie unterstützt Unternehmen darin, Unternehmensziele und Mitarbeiterinteressen zu vereinbaren. 1995 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung entwickelt, ist das audit das strategische Managementinstrument zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Empfohlen von allen Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft, ermittelt es Potenziale und bietet individuelle Lösungen an, die sich rechnen. Durch den ausschließlichen Einsatz speziell qualifizierter und lizenzierter Auditoren ist die kontinuierlich hohe Qualität in der Durchführung des audit gewährleistet.

Die Autierung wird wissenschaftlich durch die Zusammenarbeit der berufundfamilie gGmbH mit dem Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) an der Universität Münster begleitet. Das alles vor dem Hintergrund, dass Kosten für flexible Arbeitszeitkonzepte, Telearbeit oder die Vermittlung von Betreuungskosten deutlich geringer sind, als die, die durch Neubesetzung, Fehlzeiten, Überbrückungszeiten und Fluktuation entstehen, was ebenso aus den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung des audit hervorgeht. 

In regelmäßigen Abständen finden Netzwerktreffen mit wechselnden Themen statt. Diese können dort bearbeitet werden. Zudem besteht die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und weitere Informationen zu erhalten.