Praktikumsjahr matcht Unternehmen und Schulabsolventen

„Alle elf Minuten…“: Es ist wie bei einer Partnerbörse, nur dass das Startup Praktikumsjahr mit der gleichnamigen Onlineplattform nicht Mann und Frau zusammenbringt, sondern Schulabsolventen und Unternehmen – und zwar in Form eines Praktikums.

Die Idee dazu hatten drei junge Männer aus Fulda. Selbst noch nicht lange aus der Schule, wissen die drei Gründer Malte Bürger (21), Johannes Feik (20) und Jan Herold Müller (20) um die schwierige Situation der Schulabgänger, sich nach dem Schulabschluss für einen passenden Beruf zu entscheiden. Zugleich kennen sie die Problematik vieler Unternehmen, passende Auszubildende, und damit ihre zukünftigen Fachkräfte, zu finden. Was lag da näher, als beide Seiten zusammenzubringen? Für das Konzept hat das Startup Ende 2018 den Hessischen Gründerpreis erhalten.

Die duale Ausbildung und das Imageproblem

Nach wie vor verbinden viele Schüler und Eltern ein Studium mit höheren Einkommen sowie spannenderen und angeseheneren Berufen. Vielen sind auch das große Spektrum an Ausbildungsberufen und die guten Verdienstmöglichkeiten, gerade in der Chemie- und Pharmabranche, nicht bewusst. Die Attraktivität der Ausbildung muss deswegen dringend gestärkt werden. Das bedarf auch einer gesellschaftlichen Wertediskussion, denn solange der Akademiker ein höheres Ansehen genießt als die Fachkraft, wird sich an der Situation wenig ändern. Aber das müsste es, denn die betriebliche Ausbildung ist eine zentrale Säule der Fachkräftesicherung und für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen – und damit den Wohlstand für Deutschland – elementar.

Beidseitige Schnuppermöglichkeit

Ein Praktikum nach Abschluss der Schulzeit ist daher für Unternehmen wie für Absolventen gleichermaßen eine wunderbare Gelegenheit, sich einmal völlig unverbindlich zu beschnuppern. Junge Menschen erhalten so eine bessere Vorstellung von einem Beruf, lernen Unternehmen kennen und können für sich entscheiden, ob eine Ausbildung in dem Betrieb für sie in Frage käme. Ausbildungsunternehmen wiederum lernen auf diesem Wege junge Menschen kennen, können deren Motivation und Fähigkeiten besser einschätzen und sie vom eigenen Unternehmen überzeugen. So kommen möglicherweise zwei zusammen, die sonst nicht zusammengekommen wären.
Der Haken bei der Sache war bislang, dass es für Schulabgänger nicht sehr viele Praktikumsstellen gab, wie gesagt: bislang. Deswegen schließt das Onlineportal Praktikumsjahr hier eine ganz große, wichtige Lücke.

Wie es funktioniert

Bei Praktikumsjahr können junge Menschen in einem Zeitraum von einem halben bis zu einem ganzen Jahr verschiedene Praktika durchlaufen. In der Regel werden diese für zwei (maximal drei) Monate vergeben. Dabei zahlen Unternehmen den Praktikanten ein Taschengeld von 250 Euro pro Monat. Beide Seiten hinterlegen dazu ihr Profil und ihre Interessen auf der Plattform. Diese übernimmt dann den bürokratischen Aufwand und macht es so für die Unternehmen einfach, Praktikanten zu finden. In der Stellenanzeige können Anforderungen für den Interessenten festgehalten werden, sodass Unternehmen nur Vorschläge mit bestimmten Noten, Schulabschluss oder individuell beantworteten Fragen erhalten. Hat das Portal den passenden Interessenten für ein Unternehmen gefunden, informiert es dieses und vermittelt die Kontaktdaten, sodass es zu einem persönlichen Gespräch zwischen Bewerber und Betrieb kommen kann. Während des Entscheidungsprozesses ist die Anfrage reserviert.

Vorteil für HessenChemie-Mitgliedsunternehmen

HessenChemie ist im November dieses Jahres eine Kooperation mit Praktikumsjahr eingegangen. Davon profitieren nun die Mitgliedsunternehmen: Für sie entfällt die einmalige Einrichtungsgebühr von 250 Euro. Mehr zum Ablauf und den Preisen finden Sie hier…

v.l.n.r.: Malte Bürger, Jürgen Funk, Johannes Feik, Jan Herold Müller

Die Kooperation besiegelten Malte Bürger, Jürgen Funk von HessenChemie, Johannes Feik und Jan Herold Müller (v.l.n.r.) ordnungsgemäß per Handschlag.


Drei Fragen an Francesco Grioli

Am 17. Oktober 2019 finden im Kurhaus Wiesbaden die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik statt. Unter dem Motto „Neue Wege der Fachkräftesicherung – Vorsprung für attraktive Arbeitgeber“ diskutieren wir mit Experten aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaft und Verbänden darüber, wie sich Unternehmen heute aufstellen müssen, um die passenden Talente für morgen zu finden. Im Vorfeld der Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik geben die Experten mit der Serie „Drei Fragen an…“ einen kleinen Einblick in das Thema ihres Vortrages. Dieses Mal haben wir Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, gefragt. Er wird im Rahmen der Wiesbadener Gespräche gemeinsam mit HessenChemie-Hauptgeschäftsführer Dirk Meyer über „moderne Arbeitswelten aus Sicht der Chemie-Sozialpartner“ sprechen. (Hier geht’s zur Anmeldung…)

Herr Grioli, wo sehen Sie die größten Herausforderungen im Bereich der Fachkräftesicherung?

Die demografische Entwicklung bleibt nach wie vor eine der größten Herausforderungen. Immer weniger Absolventen und Berufseinsteiger stehen zur Verfügung. Diese für die chemische Industrie zu gewinnen und sie langfristig zu binden, das ist eine zentrale Herausforderung. Darüber hinaus verändern sich auch in der chemischen Industrie die Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen. Um bei den Beschäftigten im Laufe der Zeit keinen zu „verlieren“ und „abzuhängen“ sind die Herausforderungen für Weiterbildungsthemen ganz entscheidend. Die Herausforderung ist es in diesem Zusammenhang auch, zu berücksichtigen, dass Beschäftigte bis zum Renteneintritt deutlich länger im Betrieb bleiben.

Fachkräftesicherung hat deshalb nicht „nur“ damit zu tun, neue Beschäftigte zu gewinnen, sondern auch damit, über alle Altersgruppen hinweg die Qualifikation und Kompetenzen der Beschäftigten zu sichern. Und die Arbeit so zu gestalten, dass auch das Erfahrungswissen mit eingebracht und genutzt werden kann.

Wo sind wir gut, wo müssen wir als Branche besser werden?

Die Bedeutung der dualen Ausbildung und die Abstimmung der Berufsbilder in unserer Branche, da sind wir seit langer Zeit in enger und guter Abstimmung. Das muss so bleiben. In puncto Weiterbildung sind wir auch schon länger im Gespräch und haben neben tarifvertraglichen Regelungen und einer gemeinsamen Weiterbildungsstiftung schon einiges gemeinsam unternommen.

Vor dem Hintergrund der sich beschleunigenden Veränderungen in der Arbeitswelt hat das Thema Weiterbildung aber eine neue Dimension erreicht, der wir mit konkreteren und wirksamen Maßnahmen für mehr Weiterbildung und Qualifizierung begegnen müssen.

Da müssen wir jetzt konkrete Maßnahmen im Betrieb und Ansprüche für die Beschäftigten auf den Weg bringen. Das muss ein wesentlicher Beitrag zur Fachkräftesicherung werden. Fachkräftesicherung hat aber auch etwas mit der Attraktivität der Branche insgesamt zu tun. Das hat zum einen etwas mit Arbeitsbedingungen zu tun, aber auch wesentlich mit der Attraktivität der Branche innerhalb der Gesellschaft. Die chemische Industrie darf nicht als „böse“ abgestempelt werden. Dagegen haben wir mit der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 schon etwas gemeinsam unternommen. Die chemische Industrie wird als ein wesentlicher Impulsgeber, auch für neue umweltfreundliche Verfahren und umweltfreundliche Stoffe, für einen Green Deal, zwingend gebraucht. Ohne die chemische Industrie wird es keinen wesentlichen Fortschritt in der ökologischen Frage geben. Das deutlich zu machen, gerade in den Debatten um Industrie und Ökologie, ist wichtig. Da müssen wir als Branche nach außen noch lauter werden.

Was können die Sozialpartner dazu beitragen?

Gute tarifvertragliche Regelungen zählen zu den wesentlichen Themen. Dazu ein deutliches Signal an die Beschäftigten und die Branche, dass Beschäftigte wertgeschätzt werden und die Unternehmenskultur diese Werte widerspiegelt. Können sich Beschäftigte auf ihren Arbeitgeber bzw. ihre Führungskräfte verlassen, sind sie innovativer, offener für Veränderungen und bleiben länger im Unternehmen. Eine positive Unternehmenskultur ist ein Aushängeschild für die Branche aus Beschäftigtensicht.

Als Sozialpartner müssen wir darüber hinaus immer wieder Orte finden, die wesentlichen Themen und Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren und nach konkreten Gestaltungsideen zu suchen. Wie wir das aktuell auch im Rahmen des work@industry-Prozesses gerade wieder machen. Dabei ist aber entscheidend, dass wir mit unseren Zielen und Themen im Betrieb wahrgenommen werden und sichtbar Arbeit weiterentwickeln. Gute Arbeitsbedingungen überzeugen Fachkräfte am meisten.

Vielen Dank für das Gespräch!


Über Francesco Grioli

Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE.
Foto: Helge Krückeberg

  • Am 22. April 1972 in Kelkheim im Taunus geboren.
  • Nach dem Besuch der Realschule von 1982 bis 1989 Ausbildung zum Energieelektroniker bei der Hoechst AG im Werk Höchst.
  • Seit 1989 Mitglied der IG Chemie-Papier-Keramik. Von 1993 bis 1997 Vorsitzender der Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung und Mitglied des Betriebsrates der Hoechst AG, anschließend bis 1998 Mitglied des Betriebsrats der Clariant GmbH.
  • Seit 1998 Ausbildung zum Gewerkschaftssekretär in der IG BCE an verschiedenen Standorten; 1999 bis 2001 hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär im Landesbezirk Hessen/Thüringen; 2001 bis 2007 Leiter der Abteilung Jugend der IG BCE und Geschäftsführer der Fejo GmbH (Tochtergesellschaft der IG BCE zur Förderung sozialer Jugendeinrichtungen); 2007 bis 2009 Leiter der Abteilung Betriebsräte; 2009 bis 2013 Vorstandssekretär im Vorstandsbereich Tarifpolitik / Finanzen; seit 2013 Leiter des Landesbezirkes Rheinland-Pfalz/Saarland der IG BCE.
  • Seit dem Sechsten Ordentlichen Gewerkschaftskongress der IG BCE 2017 ist Francesco Grioli Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes.
  • Er ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Gerresheimer AG und Mitglied im Aufsichtsrat der Continental AG.
  • Seit 1988 Mitglied der SPD.
  • Francesco Grioli ist italienischer Staatsbürger und verheiratet.

Zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik

Neue Wege der Fachkräftesicherung – Vorsprung für attraktive Arbeitgeber

Die Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik finden seit 2005 regelmäßig im Kurhaus Wiesbaden statt. Veranstalter ist der Arbeitgeberverband HessenChemie. Die Wiesbadener Gespräche greifen aktuelle Themen auf, die sich in den für die Mitgliedsunternehmen des Verbandes wichtigen Fragen der Sozialpolitik widerspiegeln und eine gesamtgesellschaftliche Relevanz haben. In diesem Jahr steht das Thema Fachkräftesicherung im Mittelpunkt. Hier geht’s zur Anmeldung



Ehrenamtliche Richter: Ein wichtiger Teil des Rechtssystems

Die Tätigkeit eines ehrenamtlichen Richters, insbesondere in der Arbeitsgerichtsbarkeit, ist für die Justiz von besonderer Bedeutung. Durch sie soll eine praxisnahe Rechtsprechung erreicht werden. Ehrenamtliche Richter kennen die Abläufe des Arbeitsalltags, die besonderen Gegebenheiten in den einzelnen Wirtschaftszweigen und die Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung. Das kann streitschlichtend wirken und die Akzeptanz von Entscheidungen stärken. Ehrenamtliche Richter sind unabhängig, unparteiisch und keinen Weisungen unterworfen.

Wie wird man ehrenamtlicher Richter?

Als ehrenamtliche Richter beim Arbeits- oder Sozialgericht können Personen berufen werden, die das 25. Lebensjahr vollendet haben. Für das Landesarbeitsgericht beziehungsweise das Landessozialgericht beträgt das Mindestalter 30 Jahre. Ehrenamtliche Richter aus Kreisen der Arbeitgeber müssen die Eigenschaft „Arbeitgeber“ besitzen. Hierzu gehören Geschäftsführer, Betriebsleiter und insbesondere Personalleiter, soweit sie zur Einstellung von Arbeitnehmern in den Betrieb berechtigt sind. Eine juristische Ausbildung ist nicht erforderlich.
Die Berufung ehrenamtlicher Richter erfolgt durch das Landesarbeitsgericht auf Vorschlag der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände. Für die Arbeits- und Sozialgerichte in Hessen benennen die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und ihre regionalen Geschäftsstellen die arbeitgeberseitigen ehrenamtlichen Richter aus allen Bereichen der privaten Wirtschaft. Für Wiesbaden unterbreitet HessenChemie die Vorschläge und ist daher ganz besonders auf die Bereitschaft der heimischen Unternehmer zum freiwilligen Engagement angewiesen. (Foto: istockphoto)

Die Tätigkeit selbst

Ehrenamtliche Richter dürfen während der Verhandlung gleichberechtigt Fragen an die Beteiligten, Zeugen oder Sachverständigen stellen. Zur Vorbereitung unterrichtet der Vorsitzende Richter sie entsprechend: In der ersten Instanz erfolgt die Unterrichtung dadurch, dass der Vorsitzende im Rahmen einer internen Vorbesprechung einen Überblick über die einzelnen zur Verhandlung anstehenden Verfahren gibt. In der zweiten Instanz erhalten die ehrenamtlichen Richter zusätzlich das erstinstanzliche Urteil und regelmäßig auch die in der zweiten Instanz eingereichten Schriftsätze. Nach Schluss der mündlichen Verhandlung zieht sich die Kammer zur Beratung zurück. Diese ist nicht öffentlich und geheim. Der Vorsitzende und die ehrenamtlichen Richter haben ein gleichwertiges Stimmrecht. Ist die Beratung abgeschlossen, so ist das Ergebnis der Beratung schriftlich niederzulegen. Dieses kann entweder ein Urteil oder ein Beschluss sein, beispielsweise zur Fortsetzung der mündlichen Verhandlung.

HessenChemie am Bundesarbeitsgericht

Seit dem 1. Januar 2018 ist Dr. Matthias Felderhoff, Leiter Team Recht Rhein-Main bei HessenChemie, ehrenamtlicher Richter beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt. In diesen Zeitraum fiel unter anderem das Urteil zum kirchlichen Arbeitsrecht, das bundesweit Beachtung fand. Die ehrenamtlichen Richter am Bundesarbeitsgericht werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales für die Dauer von fünf Jahren berufen.

Machen Sie mit!

Machen Sie mit und engagieren Sie sich als ehrenamtlicher Richter. Infos erhalten Sie bei unserer Geschäftsführerin Nora Hummel-Lindner. Mehr auf www.hessenchemie.de

Diesen Beitrag finden Sie auch in unserem Jahresbericht, der Quintessenz 2018/19.


Bildung als wichtige Säule der Fachkräftesicherung

Zweimal jährlich treffen sich Fachleute aus den Mitgliedsunternehmen im Steuerkreis Bildung, um sich über aktuelle Bildungsthemen auszutauschen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Ausbildung. Die Teilnehmer erarbeiten unter anderem Positionen und Empfehlungen für relevante Handlungsfelder. Regelmäßig werden externe Referenten zum fachlichen Austausch eingeladen. In der Herbstsitzung 2018 war Professor Axel Plünnecke, der Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), zu Gast. Er beantwortete im Nachgang zur Veranstaltung einige Fragen zum Thema Fachkräftesicherung.

Wie beurteilen Sie die Fachkräftesituation aus Sicht der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Hessen?

Die Hälfte aller Erwerbstätigen in der innovativen Chemie- und Pharmabranche haben eine MINT-Qualifikation. Der MINT-Arbeitsmarkt wiederum ist nach Untersuchungen des MINT-Reports des IW sehr angespannt. Allein in Hessen fehlen rund 21.300 MINT-Kräfte, in steigendem Maße sind dies Facharbeiter und Informatiker. Eine Auswertung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) zeigt, dass die Fachkraft für Chemie- und Pharmatechnik, zu denen zum Beispiel die Chemikanten zählen, in Hessen zu den Top-Engpassberufen zählt.

Prof. Dr. Axel Plünnecke / Foto: Uta Wagner

Prof. Dr. Axel Plünnecke, geboren 1971 in Salzgitter, studierte VWL an der Universität Göttingen und promovierte an der TU Braunschweig zu den Themen Bildung und Wirtschaftswachstum. Er ist Leiter des Kompetenzfeldes Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Erwarten Sie durch die Digitalisierung eine Entspannung bei den Fachkräften?

Befragungen des IW kommen zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, die bereits heute stark digitalisiert sind, sogar in stärkerem Maße als die anderen Unternehmen eine steigende Beschäftigung von Fachkräften und Akademikern erwarten. Vor allem IT- und Online-Kompetenzen werden für eine Vielzahl von Tätigkeiten und Berufen wichtiger, aber auch Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten. Da Zuwanderung seit einigen Jahren stark zur Fachkräftesicherung beiträgt, wird das Thema Sprachkompetenz noch einmal an Bedeutung gewinnen.

Wie beurteilen Sie das Bildungssystem in Hessen? Wo bestehen besondere Herausforderungen?

Im Bildungsmonitor des IW ergibt sich für Hessen ein sehr differenziertes Stärken-und-Schwächen-Profil. So sind die Betreuungsrelationen an weiterführenden Schulen eher ungünstig, die Ganztagsförderinfrastruktur sollte weiter ausgebaut werden. Fortschritte gab es in den letzten Jahren aber bei der Bekämpfung von Bildungsarmut und bei der Integration. Die Lesekompetenz von Viertklässlern entwickelt sich gut, und die Abbrecherquoten bei Ausländern sind vergleichsweise niedrig. Bei der beruflichen Bildung haben wir durchschnittliche Ergebnisse bei unversorgten Bewerbern und vorzeitigen Abbrüchen. Nachholbedarf besteht bei der Internationalisierung. So ist der Anteil der Bildungsausländer unter Studierenden vergleichsweise niedrig.

Und wie sieht es bei der digitalen Bildung aus?

Hier gibt es wenig Empirie bisher. Nach Untersuchungen der Telekom-Stiftung hat Hessen im Bundesländervergleich im Bereich der Nutzung digitaler Medien und der IT-Ausstattung der Schulen Stärken, hier besteht aber deutschlandweit im internationalen Vergleich deutlicher Nachholbedarf. Bei der IT-Ausbildung im beruflichen Bildungssystem und an Hochschulen liegt Hessen, gemessen an den Absolventenzahlen, eher im Durchschnitt.

Was sind, abschließend gefragt, Ihre Handlungsempfehlungen für das hessische Bildungssystem?

Neben der Umsetzung der digitalen Bildung in den Schulen ist die Fachkräftesicherung bei Lehrkräften eine zentrale Herausforderung. Die Kapazität der Lehrerausbildung ist zu stärken, und das Berufsfeld sollte attraktiver gemacht werden. An Schulen ist die Qualität der Bildungssteuerung zu verbessern, um die Ausbildungsreife zu sichern. Bekommen die Schulen mehr Handlungsspielräume, eine regelmäßige Rückmeldung zum Lernerfolg und eine bessere finanzielle Unterstützung bei besonderen Förderungsbedarfen, kann ein Wettbewerb um gute Ideen die Qualität der Schulen verbessern.

Vielen Dank, Herr Professor Plünnecke, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Dieses Interview und weitere Beiträge zum Thema Fachkräftesicherung finden Sie in unserem aktuellen Jahresbericht, der Quintessenz 2018/19, zu beziehen über www.hessenchemie.de (Publikationen).


Druckfrisch: Das neue HC-Jahresmagazin „Quintessenz 2018/19“ ist da

Einblicke, Ausblicke, Hintergründe, Standpunkte, Daten und Fakten – all das haben wir wieder in der Quintessenz für Sie zusammengestellt. Unser druckfrisches Jahresmagazin bringt das Wesentliche – das Wichtigste – von HessenChemie innerhalb des Berichtszeitraumes 2018/19 auf den Punkt. Viele Kollegen aus den unterschiedlichen Fachbereichen haben ihre Expertise eingebracht und mitgeschrieben. So haben wir gemeinsam eine Lektüre zusammengestellt, die einen Einblick in die vielfältigen Themen und Herausforderungen des Verbandes und der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie bietet.

Im Fokus der diesjährigen Quintessenz steht das Thema „Neue Wege der Fachkräftesicherung“, spielt die Fachkräftegewinnung und –sicherung doch eine ganz zentrale Rolle hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. So schreiben wir über unsere Filmreihe „Ausbildung im Mittelstand“, Konzepte zur Fachkräftesicherung und haben für das Magazin mit Prof. Dr. Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft ein Interview über „Bildung als wichtige Säule der Fachkräftesicherung“ geführt. Des Weiteren bieten die „Blitzlichter“ einen kurzen Rückblick über zahlreiche Veranstaltungen aus 2018 und 2019.

Schauen Sie einfach rein, durchblättern lohnt sich!

Die Quintessenz können Sie auf unserer Website unter Publikationen bestellen.


13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik

Der demografische Wandel, der Trend zum Studium, die immer noch zu wenigen Absolventen in den MINT-Berufen sowie die neuen Anforderungen in der digitalen Transformation führen dazu, dass Unternehmen immer schwerer vakante Stellen neu besetzen können.

Risiko Fachkräftemangel

Laut einer Studie der Goethe-Universität Frankfurt werden in fünf Jahren 174.000 Fachkräfte in Hessen fehlen, darunter 135.000 Beschäftigte mit einer dualen Ausbildung. Das Mittelstandsbarometers 2019 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ergab, dass der Fachkräftemangel den Unternehmen deutlich größere Sorgen bereitet als das Risiko eines konjunkturellen Abschwungs. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) hat die Chemiebranche selbst noch einmal genauer unter die Lupe genommen: Im „Fachkräftecheck Chemie“ wiesen zuletzt 18 von 35 für die Branche relevanten Berufe einen Fachkräfteengpass auf. Bei den Chemikanten und Pharmakanten besteht dieser schon seit Längerem und in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ist dieser noch einmal ganz besonders ausgeprägt: Hier sind acht von zehn Stellen schwer zu besetzen.

Neue Wege der Fachkräftesicherung

Fehlen Fachkräfte ist dies nicht nur eine Gefahr für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, sondern letzten Endes auch für Wachstum und Wohlstand in Deutschland. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist daher eine der großen Herausforderungen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Aus diesem Grund ist der Fachkräftemangel in diesem Jahr auch eines der Schwerpunktthemen von HessenChemie.

So stehen beispielsweise die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik am 17. Oktober 2019 unter dem Motto „Neue Wege der Fachkräftesicherung“. Neben interessanten Rednern haben wir in diesem Jahr auch Unternehmen aus dem Bereich des Recruitments eingeladen, die im „Parcours der Möglichkeiten“ den Teilnehmern Konzepte zur Fachkräftegewinnung vorstellen. Mehr in Kürze in diesem Blog.

Viele Wege führen nach Rom

Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs gibt es für Unternehmen kein Allgemeinrezept. Aber es stehen zahlreiche verschiedene Instrumente zur Verfügung, die Unternehmen nutzen können: das eigene Ausbildungsengagement stärken, attraktive Arbeitsbedingungen bieten, Mitarbeiter (weiter-)qualifizieren, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, die Potenziale von älteren Beschäftigten, Frauen, Studienabbrechern, Jugendlichen mit schlechter Einstiegsqualifikation oder ausländischen Fachkräften nutzen, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Viele gute Beispiele werden wir bei den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik hören und sehen, denn wir haben eigens für den Tag drei Best Practices gefilmt.

Das Programm: Romantik, Best Practices und was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht

2019 haben wir ein vielfältiges Programm mit spannenden Rednern und Unternehmen zusammengestellt. Durch den Tag führt, wie seit vielen Jahren, Dr. Norbert Lehmann vom ZDF.

Prof. Dr. Heinz-Walter Große: Der Vorstandsvorsitzende von HessenChemie wird nicht nur die Teilnehmer begrüßen, sondern auch über sein Buch „Task & Teams – die neue Formel für bessere Zusammenarbeit“ sprechen. Wie der Titel bereits ahnen lässt, geht es dabei um eine andere Form der Zusammenarbeit, und die ist heute bei vielen Unternehmen notwendig, wollen sie gute Mitarbeiter finden und binden. Prof. Große und Co-Autorin Bernadette Tillmanns-Estorf schaffen das klassische Organigramm ab, denn es „bläht Unternehmen auf und verhindert flexible Zusammenarbeit, ohne die heute niemand mehr im Wettbewerb bestehen kann“.

Kai Klose, hessischer Minister für Soziales und Integration, wird über die Instrumente der Fachkräftesicherung seitens der hessischen Landesregierung sprechen.

Key Speaker Tim Leberecht sieht die Zeit für eine romantische Revolution gekommen. Der weltweit tätige Berater und Autor ist einer der leidenschaftlichsten und scharfsinnigsten Vordenker für einen neuen Humanismus in Wirtschaft und Gesellschaft vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz.

Gegen die datengetriebene „Entzauberung der Welt“ zeichnet Tim Leberecht die Konturen einer neuen romantischen Bewegung, die gegen die Logik der Daten eine subjektive, emotionale Wahrheit setzt. Leberecht glaubt, dass es vor allem romantische Qualitäten sind, die uns in der von künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung geprägten Arbeitswelt von morgen differenzieren – und Mensch bleiben lassen.

Francesco Grioli ,Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie, sprechen über moderne Arbeitswelten aus Sicht der Chemie-Sozialpartner.

Im „Speakers‘ Corner“ interviewen wir drei Mitgliedsunternehmen: Vor welchen Herausforderungen stehen sie und was sind ihre Instrumente zur Fachkräftegewinnung-, sicherung und –bindung.

  • Strategische Fachkräftesicherung in der Infraserv Höchst-Gruppe,Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG
  • Fachkräfte als Innovationstreiber. Ein Arbeitsumfeld für die Welt von morgen, Philip Heßen, Personalleiter Deutschland und Leiter der People Strategy, Merck KGaA
  • Zufriedene Mitarbeiter sichern die Zukunft, Annette Diane Pascoe, Geschäftsführerin Pascoe Naturmedizin

Marcel Görtz, Studienleiter „Beste Arbeitgeber Chemie“ von Great Place to Work, rundet mit einem Vortrag über „zukunftsweisende Instrumente attraktiver Arbeitgeber in Deutschland zur Förderung ihrer Wettbewerbsfähigkeit“ den Tag ab. Great Place to Work® zeichnet jedes Jahr auf Grundlage anonymer Mitarbeiterbefragungen und der Analyse der Unternehmenskultur sehr gute Arbeitgeber international, national, regional und branchenspezifisch für ihre Leistung aus.

In den kommenden Wochen werden wir in unserem Blog „Drei Fragen an…“ die Redner der Wiesbadener Gespräche stellen. Seien Sie gespannt.

Mehr Informationen zu den Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik sowie die Möglichkeit, sich anzumelden, finden Sie hier…

Mehr zu den vergangenen Wiesbadener Gesprächen finden Sie auf YouTube…


HessenChemie erhält zum fünften Mal das Zertifikat berufundfamilie

Bereits seit 2006 verfolgen wir mit dem audit berufundfamilie eine strategisch angelegte familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik. Am gestrigen Dienstag durfte unsere Geschäftsführerin Recht und Personalpolitik, Nora Hummel-Lindner, im Rahmen der bundesweiten Zertifikatsverleihung in Berlin die Urkunde von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey entgegennehmen.

Gemeinsam mit Vertretern von Umicore und B. Braun Melsungen nimmt HessenChemie-Geschäftsführerin Nora Hummel-Lindner (Mitte) das Zertifikat von Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey entgegen

Lebensphasengerechtes Arbeiten im Fokus

Mit dem Zertifizierungsprozess trägt HessenChemie den Veränderungen in der Arbeitswelt Rechnung. Denn nur Mitarbeiter, die ihr Arbeitsleben und ihre privaten Bedürfnisse flexibel und bedarfsgerecht miteinander vereinbaren können, werden auf Dauer motiviert und leistungsfähig sein. Als familienfreundlicher Verband entwickeln wir seit Jahren Konzepte, auf die ALLE Mitarbeiter und Führungskräfte in jeder Lebensphase zurückgreifen können und zwar unabhängig davon, ob Kinder bzw. Eltern zu betreuen sind oder die Mitarbeiter sich mehr Zeit für ein Ehrenamt, eine Weiterbildung oder ganz einfach Privates wünschen. Wenn möglich, unterstützt der Verband jeden individuellen Lebensentwurf. Voraussetzung dafür ist, stets die Balance zwischen Mitarbeiter, Team und Verband sicherzustellen. Ein faires Geben und Nehmen also, denn neben dem Bedarf des Mitarbeiters, muss das Team die gewünschte Flexibilität ermöglichen können und der Verband gewährleisten, dass die Aufgaben auch weiterhin in der erforderlichen Qualität erledigt werden.

Vielfältige Angebote für individuelle Bedürfnisse

Die Mitarbeiter nehmen die Angebote ganz unterschiedlich in Anspruch: So nehmen beispielsweise einige Kollegen mit Kindern einen Homeofficetag pro Woche, andere arbeiten vormittags im Büro und mittags von zu Hause oder aber zwei Tage voll und zwei Tage kurz. Es gibt aber auch Mitarbeiter ohne Kinder, die ihre Arbeitszeit für ein Jahr auf 30 Stunden reduziert haben. Und auch das ist für HessenChemie in Ordnung.

Auf der anderen Seite wird von den Mitarbeitern aber auch im Gegenzug erwartet, dass sie, sofern eine Anwesenheit vor Ort notwendig ist, beispielsweise bei Gerichtsterminen (betrifft die Juristen) oder Terminen mit Mitgliedsunternehmen, Dienstleistern etc., sie diese auch wahrnehmen. Die Erfahrung zeigt aber, dass dies kein Problem darstellt. Im Gegenteil: Die Mitarbeiter wissen das Entgegenkommen des Verbandes sehr zu schätzen und geben auch gerne zurück.

Neben den flexiblen Zeitmodellen bietet HessenChemie aber noch viele weitere Services an, die zum lebensphasengerechten Arbeiten beitragen: betriebliche Gesundheitsförderung, Weiterbildungsangebote für alle Mitarbeiter oder Hilfestellung rund um Beruf und Privatleben wie die Betreuung von Kinder & Pflege, Arbeit & Beruf, Life Balance, Finanzen oder kritische Lebenslagen. Letzteres erfolgt in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister. Darüber hinaus bietet der Verband bereits seit 2006 einen großzügigen Kinderbetreuungszuschuss.

Kurzportrait_berufundfamilie_2019

Für HessenChemie als familienbewusster Arbeitgeberverband ist das Thema Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ein fester Bestandteil der Personalpolitik. Wir nehmen – wo immer möglich – Rücksicht auf die aktuelle Lebenssituation der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das gelingt uns bisher sehr gut und soll auch weiterhin so bleiben.

In den kommenden drei Jahren werden die vereinbarten Maßnahmen weiterentwickelt und umgesetzt. Leistung, Offenheit, Vertrauen und Kollegialität sind dabei unsere Leitmotive.

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Zertifikatsverleihung in Berlin

Das audit berufundfamilie

Das audit berufundfamilie unterstützt Unternehmen darin, Unternehmensziele und Mitarbeiterinteressen zu vereinbaren. 1995 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung entwickelt, ist das audit das strategische Managementinstrument zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Empfohlen von allen Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft, ermittelt es Potenziale und bietet individuelle Lösungen an, die sich rechnen. Durch den ausschließlichen Einsatz speziell qualifizierter und lizenzierter Auditoren ist die kontinuierlich hohe Qualität in der Durchführung des audit gewährleistet.

Die Autierung wird wissenschaftlich durch die Zusammenarbeit der berufundfamilie gGmbH mit dem Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP) an der Universität Münster begleitet. Das alles vor dem Hintergrund, dass Kosten für flexible Arbeitszeitkonzepte, Telearbeit oder die Vermittlung von Betreuungskosten deutlich geringer sind, als die, die durch Neubesetzung, Fehlzeiten, Überbrückungszeiten und Fluktuation entstehen, was ebenso aus den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung des audit hervorgeht. 

In regelmäßigen Abständen finden Netzwerktreffen mit wechselnden Themen statt. Diese können dort bearbeitet werden. Zudem besteht die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und weitere Informationen zu erhalten.


Making of für die 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik

Demografischer Wandel, Wertewandel, Digitalisierung und Globalisierung sowie der ungebrochene Trend zum Studium stellen für Unternehmen eine zunehmende Herausforderung hinsichtlich der eigenen Fachkräftesicherung dar. Hatten Personaler vor Jahren noch die Qual der Wahl, unter dem großen Stapel an Bewerbungen, den richtigen Kandidaten auszuwählen, dauert es heute mitunter deutlich länger, die passenden Mitarbeiter zu finden. Die Personalarbeit muss daher zukünftig strategisch ausgerichtet sein. Mitarbeiterbindung, -gewinnung und -qualifizierung sind zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Unternehmen geworden.

Wie sich Unternehmen heute aufstellen müssen, um die passenden Talente für morgen zu finden, wollen wir im Rahmen der 13. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik am 17. Oktober 2019 unter dem Titel „Neue Wege der Fachkräftesicherung“ gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Gewerkschaft und Verbänden diskutieren.


Dabei ist dieses Jahr ist einiges neu. Unter anderem ersetzen wir die Podiumsdiskussion durch einen „Speakers‘ Corner“. Hier stellen Unternehmensvertreter der drei Mitgliedsunternehmen Infraserv Höchst, Merck und Pascoe ihre Ansätze zur Fachkräftegewinnung und –bindung vor. Passend dazu wird es jeweils einen Kurzfilm geben. Die Filme drehen wir mit IW Medien aus Köln. Heute hatten wir den ersten Dreh bei Infraserv Höchst und Provadis und konnten dabei schon einmal viele Eindrücke mitnehmen können.

Ein Programmpunkt der Wiesbadener Gespräche ist der „Speakers’ Corner“. Hier stellen Unternehmensvertreter der drei Mitgliedsunternehmen Infraserv Höchst, Merck und Pascoe unterschiedliche Ansätze zur Fachkräftegewinnung und –bindung vor. Passend dazu wird es jeweils einen Kurzfilm geben. Die Filme drehen wir mit IW Medien aus Köln. Heute hatten wir den ersten Dreh bei Infraserv Höchst und Provadis und konnten dabei schon einmal viele Eindrücke mitnehmen können.

Wir danken allen Protagonisten für die Zeit, Professionalität, Geduld und Gastfreundschaft.

Mehr zu den 13. Wiesbadener Gesprächen zur Sozialpolitik finden hier…


Nachhaltigkeitspreis 2019: Azubis liefern Konzepte für nachhaltigen Konsum

Des jungen Menschen Lieblingsklamotte – die Jeans – punktet in Sachen Nachhaltigkeit nicht sonderlich gut. Genau aus diesem Grund haben die vier Auszubildenden von der Sanner GmbH aus Bensheim eine ausgediente Jeans als Präsentationsfläche für ihren Wettbewerbsbeitrag zum „3. Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen gewählt“ und damit den ersten Preis gewonnen. Im Fokus des diesjährigen Wettbewerbs stand der Konsum.

Unter dem Motto „Das will ich haben! Konsum nachhaltig gedacht?“ forderten die Initiatoren des Nachhaltigkeitspreises, HessenChemie, IG BCE Hessen-Thüringen sowie der VCI Hessen die Auszubildenden der Mitgliedsunternehmen auf, sich Gedanken über die Auswirkungen des privaten Konsums und die Einflussmöglichkeiten durch das eigene Handeln zu machen. Dabei versteht die Chemiebranche Nachhaltigkeit stets im Dreiklang Ökonomie, Ökologie und Soziales. Die Siegerehrung fand am vergangenen Freitag unter der Schirmherrschaft des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir in der KletterBar Offenbach statt. Teilgenommen haben 122 Auszubildende aus 24 Teams.

Raus aus der Komfortzone in eine bessere Welt

Dass sich die Jugend Gedanken über Umwelt- und Klimaschutz macht, beweist sie seit Monaten wirkungsvoll nicht nur freitags auf der Straße. Auch beim Nachhaltigkeitspreis zeigte sich dies auf bemerkenswerte Art und Weise. So stellte das Gewinnerteam auf der besagten Jeans eindrücklich dar, wie unterschiedlich sich die Herstellung von Kleidung in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht auf Mensch und Umwelt in den Herstellungsländern auswirkt, wenn sie nachhaltig oder eben nicht nachhaltig ist. Produktionsverfahren, Arbeitssicherheit, Einkommen und Lieferketten sind Stellschrauben, die die jungen Leute stärker international geregelt sehen wollen. Dabei halten sie Bildung, Aufklärung und Transparenz für unerlässlich.

Jeder von und kann etwas bewirken, doch nur gemeinsam können wir die Welt verändern.

Team Merck (Platz 2)

Platz 2 belegte ein Team von Merck in Darmstadt. Sie haben eine Kurzreportage gedreht, die sie in Werbepausen im Fernsehen oder im Internet zeigen würden, um die Menschen über die Produktionsbedingungen bei der Herstellung von Kleidung aufzuklären. Damit wollen sie nicht nur informieren, was hinter den Klamotten steckt, die wir so selbstverständlich kaufen und womöglich nach einer Saison wieder wegwerfen, sondern auch dazu anregen, verantwortungsbewusster zu konsumieren und das eigene Verhalten und dessen Folgen zu überdenken. Darüber hinaus fordern sie von der Politik die Einführung eines QR-Codes auf Etiketten, der auf Websites weitleitet, die über die Produktionsbedingungen des gewählten Kleidungsstückes informieren. Der Verbraucher kann daraufhin entscheiden, ob er dieses kaufen will oder nicht.

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Nachhaltige Werbebotschaft vom Team Merck

Auf den dritten Platz kamen die Azubis der B. Braun Melsungen AG. Sie haben ein Spiel, „Das große Nachhaltigkeitsquiz“, konzipiert, das Groß und Klein nicht nur Spaß bietet, sondern auch Fakten über unser Konsumverhalten und dessen Auswirkungen auf Umwelt und Ökobilanz aufzeigt. Damit machen sie auf unseren verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln aufmerksam und zeigen anhand der Quizfragen auf, welche Folgen die Lebensmittelproduktion für Tiere und Umwelt hat.

Auch die weiteren Preise waren auszeichnungswürdig. Die Wettbewerbsbeiträge zeigen, dass sich die jungen Menschen intensiv Gedanken über Konsum und dessen Auswirkungen gemacht haben. Dabei geht es ihnen nicht nur darum, ein stärkeres Bewusstsein zu schaffen und das eigene Verhalten zu überdenken, sondern auch darum, dass wir alle unsere Komfortzone verlassen müssen, um eine bessere Welt zu schaffen. Wir danken allen Teilnehmer/-innen für ihr Engagement. Macht weiter so!

Die Organisatoren

Seit 2015 rufen die hessischen Allianzpartner der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 den Nachhaltigkeitspreis für junge Menschen in Hessen aus. Die Allianzpartner sind der Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e. V. (HessenChemie), die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Hessen-Thüringen (IG BCE Hessen Thüringen) sowie der Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI Hessen).

Ziel des Wettbewerbes ist es, dass sich die Teilnehmer mit der Bedeutung von Nachhaltigkeit für die eigene Branche auseinandersetzen und um ein Beispiel aus dem Unternehmen bereichern. Junge Menschen zu ermuntern, sich zu Beginn ihres beruflichen Weges bereits Gedanken über alle Aspekte nachhaltigen Handelns zu machen, steht damit im Fokus des Nachhaltigkeitspreises.


Girls’Day – Schnuppern in den Anwaltsberuf

Am Girls’Day und Boys’Day können Schülerinnen und Schüler Berufe und Ausbildungen kennenlernen, an die sie vielleicht noch gar nicht gedacht haben. Am 28. März fand der diesjährige Zukunftstag mit Job-Informationen aus erster Hand statt. Dieses Jahr hatten wir Sanni zu Gast. Sie ist in der 9. Klasse und geht im Sommer auf die Oberstufe. Noch drei Jahre, dann sollte zumindest eine Richtung für eine Berufswahl stehen. Gar nicht so einfach bei der Vielfalt an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. Bislang hatte Sanni den Wunsch Psychologie zu studieren, will aber ihren Horizont für weitere Berufe erweitern.

Sanni vor dem Arbeitsgericht.

Am Girls´Day bekommen Mädchen die Gelegenheit, in Berufswelten einzutauchen, in denen Frauen aktuell (noch) unterrepräsentiert sind. So zum Beispiel im Anwaltsbereich. Die Zahl der Rechtsanwältinnen in Deutschland steigt zwar kontinuierlich an, in vielen Kanzleien ist der Beruf aber eher männlich geprägt: Bei HessenChemie, wie auch bei vielen anderen Verbänden, stellt sich das allerdings anders dar.

Im Rahmen des Mädchen #Zukunftstags lernte Sanni heute die unterschiedlichen Facetten des Anwaltsberufs kennen. Am Ende des Tages hat es uns interessiert, was ihr der Tag gebracht hat.

Was war heute Morgen dein Berufswunsch?

Psychologin.

Was war heute Nachmittag dein Berufswunsch?

Psychologin. Aber ich könnte mir jetzt auch gut vorstellen, als Anwältin zu arbeiten. Anwälte haben viel mit Menschen zu tun, was ich wichtig finde, und die Arbeit vor Gericht ist auch spannend.

Was hast du heute alles gesehen und erlebt?

Zunächst einmal habe ich einen Einblick in die Arbeit eines Verbandes bekommen, natürlich insbesondere in die Arbeit der Anwälte, die hier ja Syndikusrechtsanwälte heißen. Dabei durfte ich am Morgen bei Telefonberatungen dabei sein. Diese Arbeit macht einen großen Teil der Arbeit aus. Außerdem haben mir die Refas (Rechtsanwaltfachangestellte) gezeigt, wie eine Prozessakte aufgebaut ist.

Am Mittag war ich mit einer Anwältin beim Arbeitsgericht. Zuvor hatte sie mir den Fall erklärt, damit ich weiß, um was es geht. Die Anwälte von HessenChemie vertreten immer die Arbeitgeberseite. Es war die erste Verhandlung bei dem Fall. Jeder brachte seine Argumente vor. Entschieden wurde nichts, das geht jetzt weiter.

Was hat dir besonders gefallen?

Der Gerichtstermin. Aber auch das Verbandsgebäude finde toll – sieht aus wie ein Raumschiff – innen und außen total modern.

Was nimmst du von dem heutigen Tag mit?

Dass Anwälte viel arbeiten, aber die Arbeit auch viel Spaß macht.

Vielen Dank, Sanni, und alles Gute auf deinem weiteren Weg.