Wiesbaden Engagiert! HessenChemie kocht für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche

Es ist wieder soweit. Im Sommer findet die nächste Aktionswoche von „Wiesbaden engagiert!“ statt. Irgendwie gehört das zum Sommer dazu: Nicht am Strand liegen, nicht Urlaub machen oder im Büro über den Aufgaben brüten, sondern sich auch für andere Menschen einzusetzen, steht bei HessenChemie seit vielen Jahren fest auf dem Plan. Und immer wieder ist es spannend: Zu Beginn einer jeden Aktionswoche muss man ein Projekt unter ganz vielen interessanten und spannenden aussuchen. Dazu gibt es im Vorfeld die Projektbörse. Diese fand in der vergangenen Woche statt.

Für welche Initiative wollen wir uns in diesem Jahr entscheiden? Welche Einrichtungen suchen nach Unterstützern? Und wo können wir als Mitarbeiter am meisten beitragen? In den zurückliegenden Jahren haben wir bereits einen Kräutergarten angelegt, vorgelesen, gestrichen oder in einem Workshop ein Fundraising-Konzept erarbeitet.

Im Rahmen der Projektbörse, die Oberbürgermeister Sven Gerich eröffnete, haben in diesem Jahr etwa 90 Einrichtungen ihre Initiative und das Projekt, für das sie Hilfe benötigen, vorgestellt. Unsere Entscheidung fiel ziemlich schnell auf „Manna Mobil“. Ein gemeinnütziger Verein, der von montags bis freitags für bedürftige Kinder zwischen 2 und 18 Jahren in Wiesbaden, Frankfurt und Rüsselsheim frisch kocht und gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die Mittagsmahlzeit einnimmt. Wir werden in der Projektwoche den Köchen zur Hand gehen, das Essen ausgeben und eben auch – und da freuen wir uns besonders drauf – gemeinsam mit den jungen Menschen aus ganz vielen Kulturen essen. Für uns HessenChemie-Mitarbeiter einmal mehr eine Erfahrung, mit den Kolleginnen und Kollegen und den Projektpartnern anders zusammenzuarbeiten als im geschäftigen Berufsalltag. Wir freuen uns drauf und werden natürlich berichten!

Für alle, die die Aktionswoche „Wiesbaden engagiert!“ nicht kennen, gibt es auf YouTube einen Film aus dem vergangenen Jahr! Viel Spaß beim Anschauen!


Lebe deine Leidenschaft – Azubi-Wettbewerb geht in die nächste Runde

Der Azubi-Wettbewerb 2016 ist gestartet, bis zum 1. April 2016 können sich die Auszubildenden und dual Studierenden unserer Mitgliedsunternehmen für die Teilnahme anmelden.

Banner_Anmeldung_240x500px_v1Bereits seit 21 Jahren gibt es den Kreativwettbewerb. Jedes Jahr nehmen zwischen 30 und 40 Teams mit über 150 Auszubildenden teil und setzen sich mit dem vorgegebenen Thema auseinander. Im Mittelpunkt stehen dabei Ausbildung, Unternehmen, Produkte und die Zukunftsfähigkeit der Chemie-, Pharma- und Kunststoffbranche. In diesem Jahr heißt das Motto: Lebe Deine Leidenschaft – Fortschritt durch Chemie, Pharma und Kunststoff und lehnt sich an die Olympischen Spiele 2016 an.

Ab sofort können Poster, Fotostorys, Exponate im Karton, Whats App Storys und Videoclips eingereicht werden. Dabei müssen sich die Teams für eine der folgenden Kategorien entscheiden:

  • Ausbildungsberuf
  • Unternehmensprodukt
  • Unternehmenskultur

Mit dem Wettbewerb wollen wir die Teamfähigkeit, Motivation und Eigenverantwortung der jungen Menschen stärken, aber auch die berufsübergreifende Zusammenarbeit zwischen Auszubildenden und Ausbildern stärken. Für viele Unternehmen ist der Wettbewerb ein fester Bestandteil der Ausbildung geworden. Dies stärkt auch die Beziehung zwischen Verband und Mitgliedsunternehmen. So kommt es auch mal vor, dass wir die Pflege für ein Bonsaibäumchen übernehmen, das Teil eines Wettbewerbsbeitrages ist und zwischen Abgabetermin und Preisverleihung im Verbandshaus verweilen muss.

Jedes Jahr beeindrucken die Auszubildenden und dual Studierenden mit ihrem Engagement und Ideenreichtum aufs Neue. Sie nähen eigene Kostüme für ihren Film, bauen einen Billardtisch, entwickeln Gesellschaftsspiele, kreieren eine eigene Karriereseite auf Facebook oder schreiben eine Whats-App-Story.

Der Lohn für das Engagement ist seit vielen Jahren ein viertägiger Segeltörn für die ersten fünf Gewinnerteams auf dem Ijsselmeer. Hier ist Anpacken und Teamarbeit gefragt, aber auch ausreichend Zeit, um entspannte Stunden auf Deck in der Sonne oder bei einem Stadtbummel zu verbringen. Einen Eindruck, wie viel Spaß die Auszubildenden dabei haben, sieht man auf den Fotos.

Die Preisverleihung findet im Kinopolis im Sulzbach/Ts (Main-Taunus-Zentrum) statt. Nach der Preisverleihung laden wir alle Teilnehmer und ihre Ausbilder zu einem Film ein, natürlich mit Popcorn und Softgetränk, wie es sich für einen ordentlichen Kinonachmittag gehört.

Wir freuen uns schon auf die diesjährigen Beiträge. Anmelden können sich die Auszubildenden und dual Studierenden bis zum 1. April 2016 (nur Mitgliedsunternehmen der HessenChemie). Die Regeln findet man auf der Wettbewerbsseite. Alle Infos zum Azubi-Wettbewerb 2016 gibt es unter www.hessenchemie.de/azubi-wettbewerb.

P.S.: Wer immer auf dem aktuellsten Stand sein und den einen oder anderen Tipp erhaschen will, der folgt uns am besten am Facebook 🙂


Vielfältige Ausbildung in der Chemie

Eine Ausbildung in der chemischen Industrie verbinden viele immer noch mit den klassischen Berufen des Chemielaboranten oder Chemikanten. Doch das Angebot geht weit darüber hinaus: Die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie bieten Ausbildungsplätze in über 50 naturwissenschaftlichen, technischen oder kaufmännischen Berufen und schaffen jedes Jahr tausende Chancen für den Berufseinstieg. Einen guten Überblick über eine Vielzahl der Ausbildungsberufe bietet die Seite www.elementare-vielfalt.de.

Ausbildungsangebot

Laut dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) bilden insgesamt rund 60 Prozent aller Betriebe in der chemischen Industrie selbst oder im Verbund mit Partnern aus. Aktuell befinden sich rund 28.000 junge Menschen bundesweit in der Ausbildung. 2015 boten die Chemie-Arbeitgeber 9.209 neue Ausbildungsplätze bundesweit an, in Hessen 1.536. Seit dem Start des Ausbildungstarifvertrages im Jahr 2003 werden jährlich die anzubietenden Stellen festgelegt, und in 11 von 13 Jahren konnte das tarifliche Soll erreicht bzw. übertroffen werden. Lediglich in den Krisenjahren 2009 und 2010 wurde die Marke unterschritten.

Berufsorientierung

Die Ausschreibungen für die Ausbildungsplätze 2016 sind bereits im vollen Gange. Wer sich über freie Stellen in Hessen informieren möchte, findet ein umfassendes Angebot in unserer Ausbildungsplatzbörse auf www.hessenchemie.de/ausbildung/ausbildungsplatzboerse. Einen bundesweiten Überblick erhält man auf www.elementare-vielfalt.de.

Ausbildung oder Beruf – und wenn ja, was? Die Vielzahl an Berufen und (dualen) Studienmöglichkeiten bietet zwar viele Möglichkeiten, sie kann aber auch leicht überfordern, vor allem, wenn man noch nicht genau weiß, welcher Beruf zu einem passt und woran man wirklich Spaß hat. Seit Oktober des vergangenen Jahres bereichert der Ausbildungsfinder die Ausbildungskampagne der Chemiearbeitgeber „Elementare Vielfalt“. Auf spielerische und kurzweilige Art bringt er jungen Menschen die Berufsorientierung näher und damit mehr Bewusstsein für die eigenen Interessen und Talente. Der ElVi-Ausbildungsfinder funktioniert ganz einfach, die Seite ist übersichtlich und intuitiv gestaltet. Bereits wenige Tage nach dem Online-Start erreichte das neue Berufsorientierungsspiel 500.000 Facebook-Hits und eine Reichweite von über 1,5 Mio. Personen. Eine ausführliche Beschreibung gibt’s im Recrutainment Blog.

In der letzten Januarwoche findet in Darmstadt wieder die hobit (Hochschul- und Berufsinformationstage) statt. Hier gibt es drei Tage lang alles rund um Ausbildung und Studium. Wir sind auch wieder vor Ort und informieren über die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten in der Chemie-, Pharma- und Kunststoffbranche. Über die hobit werden wir auch hier im Blog berichten.


Erster Gesundheitstag der HessenChemie: Jeder Schritt zählt

Wie viele Schritte laufen Sie pro Tag? Was schätzen Sie: 2.000, 6.000 oder gar 10.000? 10.000 sollten Sie, wollen Sie einen Beitrag zum eigenen gesunden Lebensstil beitragen. 2.000 bis 3.000 Schritte pro Tag sind aber eher die Regel.

Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, ein hoher Blutzuckerspiegel, Stress und Bluthochdruck gehören zu den größten Risikofaktoren. 41 bis 60 Prozent aller Erkrankungen haben ihre Ursache im Bewegungsmangel und 20 Prozent aller Kosten im Gesundheitswesen werden durch eben diesen verursacht.

Na und, alles schön und gut, aber wie soll man sich neben Job und Familie auch noch um Bewegung kümmern? Komischerweise scheint vielen Menschen die eigene Gesundheit, so lange man sie besitzt, relativ gleichgültig oder zumindest selbstverständlich, was aufs Gleiche herauskommt.

Männer sind, was einen ungesunden Lebensstil betrifft, ziemlich weit vorne. Zudem gehen die meisten auch nicht gerne zur Vorsorge. Frauen sind da etwas vernünftiger, sowohl was den Lebensstil, die Vorsorge als auch die Ernährung betrifft.

Wir von der HessenChemie sind da keine Ausnahme. 2013 führten wir eine Umfrage unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch, die genau das zutage brachte: Zu wenig Bewegung, keine ausgewogene Ernährung, mittelmäßiges Vorsorgeverhalten.

Also haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir das ändern können. Mit dem ersten Gesundheitstag am 28. Oktober hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HessenChemie die Möglichkeit, sich über Krankheitsursachen und entsprechende Vorbeugungsmaßnahmen durch Bewegung, gesunde Ernährung, Entspannungsübungen und Vorsorgeuntersuchungen zu informieren. Es gab Vorträge, Messungen, Übungen und am Ende für jeden, der wollte, einen Schrittzähler für eine Woche, um mal zu sehen, wie viel (oder wenig) man sich bewegt. Das Ergebnis der Schrittzählung war für die meisten sehr ernüchternd. Von aktiven Sportlern und Hundebesitzern abgesehen, kamen die wenigsten an die von Ärzten geforderten 10.000 Schritte pro Tag ran.

Der Tag hat Spaß gemacht und sensibilisiert, und er soll keine einmalige Aktion bleiben. Fest in unserem Programm ist schon seit mehreren Monaten ein Salattag pro Woche. Wer will, kann sich donnerstags frischen Salat liefern lassen, der dann gemeinsam in der Küche gegessen wird. Ebenso kommt regelmäßig eine mobile Büromassage, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr gut angenommen wird. 15 Minuten dauert die Sitzung und trägt zu Entspannung von Muskulatur, Kopf und Seele bei. Die Kosten tragen die Mitarbeiter selbst. Bei vielen Dingen geht es einfach auch um Sensibilisierung und die Macht der kleinen Schritte. Apropos Schritte: Wie sieht es bei Ihnen aus? Nehmen Sie statt des Fahrstuhls öfter mal die Treppe? Ist gut für das Schrittekonto, sprich Herz und Kreislauf sowie den Bewegungs- und Muskelapparat? Ist ein ziemlicher Kampf gegen den inneren Schweinhund, aber es lohnt sich. Fangen Sie an – jeder Schritt zählt.


Ausbildung: Leitfaden für Bewerber

„Wer nicht weiß, was er sucht, wird alles Mögliche oder auch nichts finden.“

Soll ich Bürokauffrau werden, Chemikant oder Industriemechaniker, Koch oder Köchin? Es gibt so viele verschiedene Berufe. Mehr als Jugendliche sich in der Regel vorstellen können. Sich gezielt mit der Berufswelt auseinander zu setzte erhöht die Chance, den richtigen Ausbildungsplatz zu finden. Aber auch das Bewusstsein über die eigenen Stärken und Schwächen ist für die Berufswahl wichtig. Letztlich sollte ich wissen wann und wie ich mich erfolgreich bewerben kann.

10 wichtige Fragen mit denen man sich befassen sollte:

  1. Welche Berufe kenne ich und was gibt es da sonst noch?
  2. Welcher Beruf könnte zu mir passen?
  3. Wo kann ich mich über Berufe informieren?
  4. Wie kann ich feststellen, ob ich geeignet bin?
  5. Wann muss ich mich bewerben?
  6. Was interessiert mich?
  7. Was macht mir Spaß?
  8. Was ist mir wichtig?
  9. Wo habe ich besonders gute Noten?
  10. Was möchte ich auf keinen Fall?

Die Berufswahl ist eine weitreichende Entscheidung

Ich empfehle Schülerinnen und Schülern sich intensiv mit der Auswahl des zukünftigen Berufs zu befassen. Denn man sollte den Beruf finden, der wirklich zu einem passt, in dem man sich wohlfühlt und in dem man viele Jahre zufrieden arbeiten möchte oder sich auch weiterentwickeln will.

In den Gesprächen mit jungen Menschen versuche ich zunächst die Bedeutung des Prozesses hervorzuheben. „Stell Dir vor Du bist auf der Suche nach einem guten Smartphone und den für Dich passenden Tarif. Wie gehst Du dabei vor und wieviel Zeit bist Du bereit für diese Entscheidung zu investieren?“

Meist gehen junge Menschen dabei sehr sorgfältig an die Entscheidungsfindung heran. Denn dieses Thema ist ihnen wirklich sehr wichtig, vor allem dann, wenn sie auch das eigene Taschengeld einsetzen müssen. „Ich frage meine Freunde, informiere mich im Internet und war auch schon in einigen Geschäften“ ist oft die Antwort. Und genau hier kann man ansetzen.

Denn die Entscheidung für oder gegen eine Ausbildung sollte man sich auf keinen Fall leichter machen als die Frage nach dem richtigen Handy, da sie in ihrer Bedeutung für das weitere Leben natürlich noch deutlich wichtiger ist. „Stell Dir einmal vor Du müsstest jeden Tag etwas tun, was Dir überhaupt keinen Spaß bringt und Dir auch keinen Sinn vermittelt? Deshalb wäre es für Dich gut auch bei der Berufswahl auf mehrere Informationsquellen zurückzugreifen.“

Ein Kompass im Informations-Dschungel

Nie hatten junge Menschen mehr Informationsquellen als heute. Das Problem besteht nun aber darin sich im Dschungel Orientierung zu verschaffen. Im Internet gibt es dazu viele tolle Informationsquellen. Hier möchte ich zwei gute Beispiele nennen, die wirklich Orientierung geben. Die Seite www.planet-beruf.de bietet umfassende Angebote, um sich einen individuellen Berufswahlfahrplan zu erstellen. Von A wie Ausbildungsangebote bis Z wie Zeitplan für die einzelnen Schritte findet man alles was wissenswert ist.

Auf der Seite www.elementare-vielfalt.de erfährt man vor allem viel über Berufe im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich. Neben Bewerbungstipps gibt es dort Texte, Fotos und Filmchen die einem den Wunschberuf näher bringen. In der Ausbildungsbörse kann man sich direkt über bestimmte Einstellung aktuelle Ausbildungsplatzangebote ganz in der Nähe des Wohnortes herausfiltern. Interessant ist hier auch, dass sich viele kleinere und mittelständische Unternehmen präsentieren, die meist weniger bekannt sind, aber auch eine sehr gute Ausbildung anbieten.

10 Informationsquellen:

  1. Gespräch mit Eltern, Freunden und Bekannten
  2. Gespräche mit Lehrern
  3. Gespräch mit Berufsvertretern
  4. Gespräch mit Berufsberatern
  5. Eigene Praxiserfahrungen (Praktika)
  6. Eignungstests zur Stärken- und Schwächenanalyse
  7. Internetseiten
  8. Zeitungen und andere Medien
  9. Ausbildungsmessen
  10. Berufsinformationstage von Unternehmen

„Drum prüfe wer sich ewig bindet“

Der von Friedrich Schiller stammende Ratschlag in Bezug auf die Wahl eines Lebenspartners lässt sich meines Erachtens auch auf die Berufswahl übertragen. Zu meinen Ratschlägen für junge Menschen gehört daher unbedingt auch Praktika zu absolvieren und dass in möglichst verschiedenen Berufsfeldern und unterschiedlichen Branchen.

Jeder Mensch verfügt über unterschiedliche Interessen und Begabungen. Deshalb sollte man mehreres ausprobieren bevor man sich dann entscheidet. Es ist auch sehr wertvoll mit anderen Menschen zu sprechen, die schon etwas länger im Berufsleben stehen. Gehen sie gerne zur Arbeit? Was fasziniert sie an ihrem Beruf? Warum haben sie sich damals für den Beruf entschieden und würden sie sich wieder dafür entscheiden? Welche Tätigkeiten üben sie in ihrem Beruf aus und welche Verantwortung tragen sie dabei? Welche Entwicklungsschritte sind sie gegangen? Solche wertvollen Gespräche helfen, sich ein Bild darüber zu machen, was ein bestimmter Beruf wirklich bietet aber auch verlangt.

Noch ein guter Rat zum Schluss: Die beste Bewerbung und die besten Zeugnisse nutzen nichts, wenn man die Bewerbungsfristen verpasst. Viele Unternehmen beginnen 10-12 Monate vor dem Ausbildungsbeginn bereits jetzt mit der Auswahl der Bewerber für das folgende Ausbildungsjahr. Wer sich also für eine Ausbildung entscheidet, sollte sich daher frühzeitig über das Ausbildungsangebot informieren und bald mit dem Schreiben von Bewerbungen beginnen. Übrigens auch Abiturienten empfehle ich als alternative zum Studium über das Thema Ausbildung nachzudenken. Die duale Ausbildung ist für viele junge Menschen ein guter Weg in ein erfolgreiches Berufsleben.

Jürgen Funk, HessenChemieJürgen Funk ist Diplom-Pädagoge und seit Januar 2012 Geschäftsführer Verbandskommunikation und Bildungspolitik. Viele Jahre hat er Berufsorientierungsseminare für Schülerinnen und Schüler durchgeführt und in dieser Zeit mehrere Tausend junge Menschen beraten. Darüber hinaus hat er Seminare für Lehrerinnen und Lehrer konzipiert und durchgeführt. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.


Geschafft! Mit den JOBLINGEN und dem StartPlus-Programm zur Ausbildung

Es ist Mittwoch 17:00 Uhr und wir treffen uns zum Abschlussgespräch im Büro der JOBLINGE gAG in Wiesbaden. Wir, das sind mein Mentee Mühcahit, Duygu Cakir von den JOBLINGEN und ich. Der gerade unterschriebene Ausbildungsvertrag liegt auf dem Tisch und ich gratuliere Mühcahid zu dem Erreichten. Ich glaube, er ist sehr stolz auf dieses wichtige Etappenziel. Es war ihm sehr wichtig, dass wir uns noch einmal nach der Vertragsunterzeichnung treffen.

Jürgen Funk, HessenChemie mit Mühcahit , Mentee JoblingeAls wir uns vor etwa einem dreiviertel Jahr im Galli-Theater beim sogenannten „Matching“ (Jobling trifft seinen Mentor) kennengelernt haben, war mir bereits klar geworden, dass Mühcahid ein klares Ziel vor Augen hat: Er will einen technischen Beruf erlernen. Zuvor hatte er eine kaufmännische Ausbildung abgebrochen. Die passe einfach nicht zu ihm, sagte er. Ich hörte aus seinen Worten heraus, dass er sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hatte. Seine Chefin zeigte aber Verständnis und wünschte ihm alles Gute. Trotzdem stand natürlich die Frage im Raum, wie es jetzt weiter gehen soll.

Durch das Jobcenter wurde Mühcahit auf die JOBLINGE aufmerksam. Hier können junge Menschen ihre Fähigkeiten in der Praxis unter Beweis stellen – jenseits von Schulnoten und klassischen Bewerbungsgesprächen. In einem mehrmonatigen Programm erlernen sie „on the Job“ wichtige Schlüsselqualifikationen, trainieren soziale Kompetenzen und erarbeiten sich ihren Ausbildungsplatz. Unterstützt werden sie dabei von JOBLINGE-Mitarbeitern, wie zum Beispiel von Duygu Cakir und Mentoren wie mir.

Ich empfahl Mühcahit von Anfang an einen Ausbildungsplatz im Bildungszentrum der InfraServ GmbH & Co. KG. Das Bildungszentrum des Industrieparks bildet im Verbund mit den am Standort angesiedelten Industrieunternehmen aus und bietet jungen Menschen, die den Übergang von der Schule in den Beruf noch nicht geschafft haben, mit dem sogenannten „StartPlus-Programm“ einen Einstieg an.

„StartPlus“ zielt auf die organisatorische und finanzielle Unterstützung speziell kleinerer und mittlerer Betriebe (bis 750 Beschäftigte) ab, die eine umfassende (sozial-) pädagogische Betreuung der Jugendlichen nicht selbst leisten können. Die konkrete Ausgestaltung orientiert sich an den betrieblichen Gegebenheiten sowie den Bedürfnissen der Jugendlichen. Grundsätzlich dient das Programm als eine Vorbereitung auf die zukünftige Ausbildung.

Zunächst wählt das Unternehmen mit Unterstützung der JOBLINGE die teilnehmenden Jugendlichen aus. Die Initiative und der Betrieb arbeiten bei der konkreten Ausgestaltung des Programms eng zusammen. Die Teilnehmer werden während der betrieblichen Phasen eng in die verschiedenen Abläufe vor Ort eingebunden. Ergänzt werden die praktischen Aktivitäten durch eine Betreuung der Ausbilder vor Ort, durch Lehrer im begleitenden schulischen Unterricht und durch die sozialpädagogische Betreuung der JOBLINGE gAG.

Auf schriftlichen Antrag des Unternehmens unterstützt der Unterstützungsverein der Chemischen Industrie (UCI) die Teilnehmer einer Maßnahme mit monatlich bis zu 450,- Euro als Zuschuss zum Lebensunterhalt. Der Arbeitgeber bezahlt lediglich den AG-Anteil der SV-Beiträge (ca. 80,- Euro/Monat). Das Unternehmen hat keinen Aufwand für Marketing, Bewerbervorauswahl, Organisation und Planung des Programms „StartPlus“. Hierdurch wird die Schwelle zum Einstieg auch für kleine und mittelständische Unternehmen deutlich herabgesetzt.

Mühcahid musste im Unternehmen überzeugen. Durch seine anpackende Art, aber auch seine sozialen Kompetenzen. Die Zusage für einen Ausbildungsplatz hat er am Ende regelrecht herbeigesehnt. Als Mentor bin ich wirklich sehr froh, dass er nun zum 1. September eine Ausbildung als Industriemechaniker beginnen kann. Dreieinhalb spannende Ausbildungsjahre liegen jetzt vor ihm. Ich hoffe, dass alles gut wird und er sich seinen Traum erfüllen kann: Eine gute und sichere Zukunft mit einem technischen Ausbildungsberuf. Wenn er möchte, stehe ich ihm auch weiterhin als Ratgeber zur Verfügung.

Autor dieses Beitrages

Jürgen Funk, HessenChemieJürgen Funk ist Diplom-Pädagoge und seit Januar 2012 Geschäftsführer Verbandskommunikation und Bildungspolitik. Er verfügt über eine 20-jährige Erfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, Unternehmen und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, Unternehmen und Bundeswehr. Jürgen Funk ist Prüfer der Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der
deutschen Kommunikationswirtschaft (PZOK). Er ist verheiratet und hat drei Kinder.


HessenChemie engagiert! sich (wieder)

Vom 26. Juni bis 3. Juli läuft wieder die Aktionswoche „Wiesbaden Engagiert!“ 125 lokale Unternehmen mit über 1.450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in dem Aktionszeitraum für eine gute Sache aktiv. Sie streichen Wände in Kindergärten, verschönern soziale Einrichtungen oder richten Feste aus.

Nachdem wir die letzten Jahre gestrichen, gepflanzt oder vorgelesen hatten, haben wir uns dieses Mal für einen Workshop „Mittel für den guten Zweck: Marketing und Fundraising für FRESKO e.V.“ mit dem Freien Bildungsträger Fresko e.V. entschieden. Am vergangenen Dienstag war es dann soweit. Gemeinsam haben wir Ideen und Ansätze erarbeitet, wie der Verein Spenden für seine Projekte sammeln kann. Dabei ging es um den Einsatz von geeigneten Kommunikationskanälen und -mitteln, Emotionalisierung sowie eine klare, einfache und zielgruppengerechte Ansprache. Angefangen beim Webauftritt über Pressearbeit, die Nutzung von Fundraising-Plattformen sowie sozialer Netzwerke bis zur Ansprache örtlicher Service-Clubs. Der Tag war eine Mischung aus Kurzvorträgen und Gruppenarbeiten. Am Ende des Tages überreichte Jürgen Funk, Geschäftsführer Kommunikation und Bildung von HessenChemie, noch eine Spende von 1.000 Euro. Frau Ruth Weber-Jung, Geschäftsführerin von Fresko e.V., bedankte sich für den „wunderbaren Tag und die vielen hochprofessionellen Inputs“. Auch uns hat der Tag sehr viele Freude bereitet. Es war spannend zu sehen, wie unglaublich engagiert und motiviert die Mitarbeiterinnen von Fresko arbeiten und sich für ihre Projekte und Teilnehmerinnen und Teilnehmer einsetzen. Wir freuen uns auf die ersten Ergebnisse.


“Wiesbaden Engagiert!” – Kommunikation für einen guten Zweck

Seit 11 Jahren gibt es„Wiesbaden Engagiert!“, eine Aktion zur Förderung des sozialen Engagements von Unternehmen. Seit 2009 nehmen wir auch an der Aktion teil. „Wiesbaden Engagiert!“ bringt Unternehmen mit gemeinnützigen Einrichtungen aus Wiesbaden in einem Aktionszeitraum zusammen. In ganz unterschiedlichen Einzelaktionen werden dann gemeinsam Projekte durchgeführt. So haben wir als HessenChemie im Laufe der Jahre Sommerfeste organisiert, einen „Kräutergarten“ angelegt, Gartenhäuschen gestrichen oder Kindern vorgelesen.

Projektbörse-2015-Gruppenfoto-Fresko-HessenChemie

Projektbörse 2015, Gruppenfoto Fresko/HessenChemie (Foto: FRESKO)

In diesem Jahr unterstützen wir den Verein für Bildungs- und Kulturarbeit e. V. (FRESKO). „Gefunden“ haben wir den Verein auf der „Projektbörse“, die Auftaktveranstaltung von „Wiesbaden Engagiert!“. Hier präsentieren die teilnehmenden gemeinnützigen Einrichtungen aus dem Sozial- und Bildungsbereich sich und ihre Projektideen für die Aktionswoche. So können sich Unternehmen informieren und konkrete Kooperationen vereinbaren. Unter dem Motto “Mittel für den guten Zweck” nahm FRESKO dieses Jahr an der Projektbörse teil.

FRESKO ist eine Einrichtung, die sich vor allem für Berufsrückkehrer/-innen sowie junge Menschen und Migranten engagiert, die keine Ausbildung haben oder keinen Arbeitsplatz finden. Diese unterstützen sie durch Angebote in der Berufsorientierung, Berufsausbildung oder gezielte Sprachkurse, je nachdem wo Unterstützungsbedarf ist.

Wie für viele andere gemeinnützige Einrichtungen, die auf Geldgeber/Spenden angewiesen sind, ist auch für FRESKO die Sichtbarkeit bzw. Bekanntheit ein wesentliches Elemente, um Unterstützer zu finden und Projekte zu finanzieren. Das wird nun unsere Aufgabe im Rahmen der diesjährigen Projektwoche von „Wiesbaden Engagiert!“ werden: Einen gemeinsamen Workshop durchzuführen, um den Verein zu unterstützen, seine Bekanntheit zu steigern und sich von anderen Vereinen abzuheben, um so interessant für potenzielle Geldgeber zu werden. Im Kern wird es um Kommunikation gehen, denn diese ist zentrales Elemente, um Bekanntkeit und Reputation zu steigern.

Wir freuen uns auf das Projekt. Gestern haben wir im Projektteam zusammengesessen und überlegt, wie wir FRESKO unterstützen können. In der kommenden Woche sitzen wir zusammen und stellen unsere Ideen vor. Ich bin gespannt, wie unsere Ideen ankommen.

 

 

 


Medienwandel und Vertrauenskrisen: Auswirkungen für Verbände

Kritik und Misstrauen haben Konjunktur. Das bekommen derzeit alle zu spüren: Politik, Unternehmen und ganz besonders die Medien. Deren Krise hält an. Als reiche es nicht aus, dass seit Jahren die Auflagen zurückgehen und große Tageszeitungen aus der Medienlandschaft verschwinden, haben Journalisten seit geraumer Zeit nun auch noch ein massives Imageproblem.

Cordt Schnibben, Redakteur beim Spiegel, hat mit dem „journalistischen Quartett“ Wolf Schneider, Klaus Kleber, Richard Gutjahr und Jessica Schober über das Misstrauen in die Medien, die neue Macht der Leser und Auswege aus der Printkrise gesprochen. Ein interessanter und gut aufgemachter Beitrag, den ich hier mal empfehlen möchte.

War früher ein Leitartikel in der FAZ Gesetz, wird er heute möglicherweise von der Online-Community zerrissen und die Zeitung an den Pranger gestellt. Viele Menschen haben das Vertrauen in die Medien verloren. Schlimmer noch: „So wie aus Politikverdrossenheit bei vielen Menschen Politikverachtung geworden ist, ist aus Journalismusverdrossenheit Journalismusverachtung geworden.“ (FAZ, 2.11.2014)  Ein Grund ist sicherlich darin zu suchen, dass sich ein Teil der Bürger (berechtigt oder unberechtigt) nicht verstanden fühlt und deren Sorgen in den Medien nicht ausreichend Beachtung finden. Sie sind unzufrieden und finden keine Antworten auf existenzielle Fragen.

Die Ursachen für die Gegenbewegung bei Stuttgart21 damals oder TTIP heute liegen weniger bei den Medien, sondern vor allen Dingen an der mangelnden Informationspolitik und fehlenden Transparenz seitens der Politik. Findet diese nicht von Anfang an statt, geht Vertrauen massiv verloren und ist später nur schwer wieder herzustellen. Doch Vertrauen ist Grundlage für alles. Wo keine Information stattfindet, entstehen Gerüchte – oder auch, wie derzeit, Verschwörungstheorien. Dass es Menschen gibt, die glauben, dass die deutschen Medien regierungs- oder CIA-gesteuert sind, finde ich schon sehr bedenklich. Bedenklicher indes ist, dass Menschen, die Medien oder Politik nicht mehr vertrauen, anscheinend alles glauben.

Platte Werbung, einseitige Berichterstattung, Vertuschen oder Aussitzen funktionieren heute nicht nur immer seltener, sie sind schlichtweg nicht zielführend. Im Gegenteil: Die Menschen fordern Werte, Transparenz, Respekt vor den eigenen Sorgen und Bedürfnissen, einen fairen Umgang und Wertschätzung ein. Eine starre Haltung, Klientelpolitik und einseitige Interessenvertretung wird unterdessen immer schwieriger. Das große Ganze – das Big picture – rückt ins Zentrum einer globalen, immer komplexeren Welt.

Mit dem Medienwandel und der neuen Werteordnung ringen auch die Verbände, ganz gleich welcher Art. Der Weg ist noch nicht zu Ende beschritten, aber eines ist klar: Ohne Transparenz, Offenheit, Hinterfragen des eigenen Handelns und der Werte, geht es nicht mehr. Das eigene Tun muss nicht jedem gefallen, wird es auch nie, aber es sollte nachvollziehbar sein, um Akzeptanz zu finden.

Was bedeutet es für Verbände, wenn die klassischen Medien an Relevanz verlieren, bestimmtes Handeln in der Öffentlichkeit keine Akzeptanz mehr findet und alles immer überprüfbarer wird? Was bringt das große Interview im Handelsblatt, wenn es immer weniger lesen? Was bringt es, der Politik zu einem Thema Druck zu machen, das in der Gesellschaft keinerlei Akzeptanz findet? Wie das enden kann, sieht man derzeit am Beispiel der großen Energieversorger.

Es reicht heute auf keinen Fall mehr aus, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Pressemeldungen zu versenden. Verbände müssen sich ins Gespräch bringen, um als Branchenexperte wahrgenommen zu werden. Medien fragen dann Verbände an und werden idealerweise auch im Beitrag zitiert. Das steigert die Reputation – auch im politischen Raum.

Doch genau wie Politik, Medien und Unternehmen sollten auch Verbände die Menschen stärker in ihr Blickfeld rücken. Sie sollten lernen, zuzuhören und wissen, wo der Schuh drückt, um nicht unnötige Energie in Krisenbewältigung zu verlieren.

Kommunikation muss heute professioneller und schneller werden. Ohne eine klares Kommunikationskonzept und entsprechenden Jahreszielen geht es m. E. nicht mehr. Verbände wollen (und müssen) etwas für ihre Mitglieder erreichen. Das erreichen sie nicht durch punktuelle Kommunikation. Hier mal eine Pressemeldung zu diesem Thema, dort mal ein Hintergrundgespräch zu jenem Thema. Sie müssen wissen, was auf der politischen Tagesordnung steht, was die Bedürfnisse der Mitgliedsunternehmen sind und was die Gesellschaft bewegt. Was findet Akzeptanz, was ist heute nur noch schwer bis gar nicht durchsetzbar? Neben Gesprächen – face to face und digital – gehört dazu auch ein gezieltes Monitoring und Issue Management, d. h. Themen verfolgen, auswerten und auf der Basis solcher Daten arbeiten. Das kostet Zeit und Manpower, aber es ist notwendig.

Wie gesagt, der große Artikel in der großen Tageszeitung reicht heute nicht mehr aus. Deswegen sollten Verbände lernen, auch die sozialen Medien für sich zu nutzen, crossmedial zu denken und dialogfähig werden. Ein Artikel im Handelsblatt? Große klasse, aber bitte nicht im stillen Kämmerlein freuen, sondern auch die Netzgemeinde wissen lassen, was Sie zu sagen haben. Gibt es dazu auch noch ein Positionspapier auf der eigenen Website? Bitte nicht verschweigen, sondern darauf hinweisen. Was bringen die besten Positionen, wenn sie keiner liest? In der Informationsflut finden nur die Gehör, die wirklich etwas zu sagen haben und dies möglichst laut.

 

 


Digitalisierung als Chance für Politik und Verbände

Bildschirmfoto 2015-02-25 um 14.35.57

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärt, was den Bürger auf der Facebookseite der Bundesregierung erwartet.

Seit Ende der vergangenen Woche hat die Bundesregierung eine eigene Facebookseite. Dort berichtet ein Social-Media-Redaktionsteam aus dem Bundespresseamt über die Arbeit der Bundesregierung. Man möchte damit den Bürgern die Arbeit der Bundeskanzlerin und der Ministerinnen und Minister näher bringen und erklären, was die Bundesregierung so tut, erklärt Regierungssprecher Steffen Seibert in einem einführenden YouTube-Video. Man wolle aber auch mit den Bürgerinnen und Bürgern in einen Dialog treten und hören, was diese bewegt bzw. welche Fragen diese an die Bundesregierung haben.

Das Team macht dort eine gute Arbeit. Es gibt viele Beiträge mit Fotos und Kurzfilmen, die einen Einblick in die Arbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Co. geben, die Otto Normalverbraucher sonst nicht erhalten würde: Eine Privataudienz beim Papst, ein Besuch bei Siemens, die Gedenkfeier auf dem Maidan in der Ukraine – und alles möglichst nah an den Personen. Selbstredend ließen verunglimpfende, unsachliche und unpassende Kommentare auf der Seite nicht lange auf sich warten. Aber das Team reagiert empathisch, sachlich und auch mal mit Humor.

Ob hier Peter Tauber, der CDU-Generalsekretär seine Hände im Spiel hatte? Dieser hat sich die Modernisierung der Partei auf die Fahnen geschrieben. Er weiß, wenn die CDU als Volkspartei zukunftsfähig bleiben möchte, muss sie sich verändern. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 59 Jahren, nur 25 Prozent sind weiblich und Menschen mit Migrationshintergrund finden sich nur unzureichend in der Partei wider. Die Überalterung der Partei ist ein Problem: 2003 hatte die CDU noch fast 590.000 Mitglieder, heute sind es rund 460.000. Dabei bedeuten „weniger Mitglieder weniger Verankerung vor Ort, weniger kreative Ideen, weniger Einnahmen und weniger Spenden“, so Tauber in einem Beitrag der Zeitschrift „Die politische Meinung“ der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Wichtig ist Tauber daher, die Partei jünger, weiblicher und bunter zu machen. Dafür müssen zeitgemäße Antworten her: Satzung und Statuten sollen überprüft und moderne Konzepte erarbeitet werden. Von zeitgemäßen Veranstaltungsformaten, die die Möglichkeit bieten, sich unabhängig von Wohnort und Familiensituation aktiv zu beteiligen, bis hin zu mehr digitaler Partizipation, Vernetzung und Dialog. Das hört sich sehr modern an und man kann hier viele Parallelen zu Verbänden und Unternehmen finden. Alle haben gemeinsam, dass sie Mitglieder/Mitarbeiter gewinnen und binden sowie ihre Botschaften und Geschichten einem möglichst breiten Publikum verbreiten möchten.

Die Digitalisierung spielt hierbei eine ganz wesentliche Rolle. Sie hat die Kommunikation grundlegend verändert. Ob zwischen Parteien und Bürgern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Verbänden und Mitgliedern bzw. Öffentlichkeit oder Unternehmen und Öffentlichkeit. Noch nie gab es so viele und einfache Möglichkeiten, seine eigene Zielgruppe zu informieren, mit ihnen ins Gespräch zu kommen oder sie zum Mitmachen zu motivieren. Akzeptanz und Beteiligung durch Transparenz, Dialog und Wertschätzung.

Die neuen Medien bieten die Möglichkeit, das eigene Handeln, die Werte und Positionen zu erklären, ohne über den Filter Journalisten und Medien gehen zu müssen, und so mit den Menschen direkt in Kontakt kommen zu können. Wähler, Mitglieder oder Mitarbeiter zu binden, heißt zu kommunizieren.

Ich finde den Prozess bei der CDU sehr spannend. Politik steht nicht gerade für Bewegung und Flexibilität, genauso, wie vielen Verbänden immer noch eine gewisse Behäbigkeit nachgesagt wird. Aber es kommt eine Menge Bewegung in die Sache. Sich als Bundesregierung auf Facebook zu begeben, ist richtig. Es ist aber auch mutig. Derzeit ist die Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit der Menschen besonders groß, und die Hemmschwelle, sich negativ, unsachlich bis bösartig zu äußern, besonders klein. Aber es bietet eben auch die v. g. Chancen. Und: Die sozialen Medien sind ein Stimmungsbarometer, dass man durchaus ernst nehmen sollte. Natürlich äußern sich eher Kritiker als Befürworter, aber wenn man keine bis kaum Zustimmung, dafür enormen Gegenwind für das eigene Tun erhält, lohnt es sich durchaus, sich darüber Gedanken zu machen.

Peter Tauber leitet übrigens die Kommission „Meine CDU 2017“, die nach der Bundestagswahl 2013 ins Leben gerufen wurde. Darin geht es eben darum, sich mit den Themen und Herausforderungen der Zukunft auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit rund 40 Funktions-, Amts- und Mandatsträgern von allen Ebenen der CDU sowie aus den Vereinigungen hat sich die Bundespartei in der Kommission drei zentrale Ziele gesetzt: Das inhaltliche Profil der CDU schärfen, die Organisationskraft stärken und die Kampagnenfähigkeit verbessern, so der Generalsekretär. Kommunikation und Digitalisierung werden dabei eine ganz wesentliche Rolle spielen.

Auch viele Verbände befinden sich in diesem Umbruch, ebenso Unternehmen. Die Zyklen, sich zu erneuern und der modernen, globalen Welt anzupassen, werden dabei immer kürzer. Man kann das gut oder schlecht finden, ändern wird es sich wohl nicht mehr.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Linkempfehlungen

Meedia: Im tiefen Tal der Supertrolle: die freundliche Facebook-Propaganda der Bundesregierung

Spiegel Online: Bundesregierung auf Facebook: Postings aus dem Kanzleramt

Politik und Kommunikation: Merkels Fitmacher

Polisphere: Wählerbindung 2.0